Der siebte Tod - Paul Cleave - E-Book

Der siebte Tod E-Book

Paul Cleave

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Beschreibung

Mein Name ist Joe. Ich bin ein netter Kerl. Aber manchmal bringe ich Frauen um.

Joe hat sein Leben scheinbar fest im Griff - tagsüber jobbt er als Putzmann bei der Polizei, abends geht er anderen Tätigkeiten nach. Er denkt daran, seine Fische zweimal täglich zu füttern und seine Mutter mindestens einmal pro Woche zu besuchen, obwohl er ihren Kaffee ab und zu mit Rattengift verfeinert. Er stört sich kaum an den Nachrichten über den Schlächter von Christchurch, der - so wird behauptet - sieben Frauen umgebracht hat. Joe weiß, dass der Schlächter nur sechs getötet hat. Er weiß es ganz einfach. Und Joe wird diesen Nachahmer finden; er wird ihn für die eine Tat bestrafen und ihm die anderen sechs Morde anhängen. Ein perfekter Plan, denn er weiß bereits, dass er die Polizei überlisten kann. Das Einzige, was noch getan werden muss, ist, sich um all die Frauen zu kümmern, die nicht aufhören, ihm im Weg zu stehen.

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Seitenzahl: 586

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Paul Cleave

Der Siebte Tod

Roman

Aus dem Englischen von Martin Ruf

Danksagung

Es ist seltsam, wie viele Menschen beim Schreiben eines Buchs eine Rolle spielen, obwohl es eigentlich eine einsame Tätigkeit ist. Glücklicherweise habe ich zahlreiche wunderbare Freunde, die mich während meiner Arbeit unterstützt und ermutigt haben. Von ihnen habe ich das nötige Feed-back bekommen, und vor allem haben sie dafür gesorgt, dass ich nicht den Verstand verliere. Abgesehen davon, sie zu bezahlen, ist es schwierig, eine Möglichkeit zu finden, sie wissen zu lassen, wie sehr ich das alles zu schätzen weiß.

Daniel Myers gebührt die größte Anerkennung. Er ist vor allem ein Freund, zweitens mein größter Fan und drittens mein größter Kritiker. Ohne seine Vorschläge, seine aufmunternden Worte und seinen verdrehten Humor hätte ich sicher irgendwann während der letzten fünf Jahre aufgegeben. Ebenso danke ich Rebecca Kary, durch deren Bemühungen Der siebte Tod zu etwas wurde, das der Veröffentlichung überhaupt wert schien.

Viele haben das Manuskript während verschiedener Stadien gelesen. Paul und Tina Waterhouse, die mir die Seiten mit Hunderten von Korrekturen zurückgegeben haben; Daniel und Cheri Williams, die es begeistert gelesen und dann das Land verlassen haben. Ich kenne Paul und Daniel, seit ich fünf bin, und kann mir keine besseren Freunde vorstellen. Anna-Marie Covich, Aaron Fowler, Joseph Purkis, Philip Hughes, David Mee, Kim McCarthy, Nathan und Samantha Cook haben zusammen mit einigen anderen die mühevolle Aufgabe übernommen, frühere Entwürfe dieses Buches zu lesen. Besonders dankbar bin ich David Batterbury,der meine Manuskripte so rasend schnell liest, dass er es schafft, mich noch am gleichen Tag anzurufen und mir Fragen über das zu stellen, was er da gelesen hat, und der mich während unserer X-Box-Sitzungen am Freitagabend – zusammen mit Paul und Tina – mit seinen Anfällen von Enthusiasmus immer wieder ermutigt hat. Und natürlich Oddjy, die mir die Seiten zerknittert und voller Flecken zurückgibt, die es erträgt, dass ich ihr einzelne Passagen des Textes am Telefon vorlese, und die meine exzessiven Schimpfkanonaden aushalten muss, wenn ich beim Renovieren des Hauses wieder mal ein Werkzeug verlegt habe.

Schließlich möchte ich Harriet Allan und den Leuten von Random House für ihre Unterstützung danken und dafür, dies alles möglich gemacht zu haben. Harriet hat etwas getan, was kein anderer Verleger zu tun gewillt war: Sie hat das Manuskript kommentiert und mir die Chance gegeben, die Dinge richtig hinzubekommen.

Paul Cleave

Oktober 2005

Copyright

Vollständige deutsche Erstausgabe 05/2007

Copyright © 2006 by Paul Cleave

Copyright © dieser Ausgabe 2007 by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

ISBN-13: 978-3-89480-409-1

http://www.heyne.de

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23Kapitel 24Kapitel 25Kapitel 26Kapitel 27Kapitel 28Kapitel 29Kapitel 30Kapitel 31Kapitel 32Kapitel 33Kapitel 34Kapitel 35Kapitel 36Kapitel 37Kapitel 38Kapitel 39Kapitel 40Kapitel 41Kapitel 42Kapitel 43Kapitel 44Kapitel 45Kapitel 46Kapitel 47Kapitel 48Kapitel 49Kapitel 50Kapitel 51Kapitel 52DanksagungCopyrightZum BuchZum Autor

Zum Buch

Joe hat sein Leben scheinbar fest im Griff – tagsüber jobbt er als Putzmann bei der Polizei, abends geht er anderen Tätigkeiten nach.Er denkt daran,seinen Fisch zweimal täglich zu füttern und seine Mutter mindestens einmal pro Woche zu besuchen,obwohl er ihren Kaffee ab und zu mit Rattengift verfeinert. Er stört sich kaum an den Nachrichten über den Schlächter von Christchurch, der – so wird behauptet – sieben Frauen umgebracht hat. Joe weiß, dass der Schlächter nur sechs getötet hat. Er weiß es ganz einfach. Und Joe wird diesen Nachahmer finden; er wird ihn für die eine Tat bestrafen und ihm die anderen sechs Morde anhängen. Ein perfekter Plan, denn er weiß bereits, dass er die Polizei überlisten kann. Das Einzige, was noch getan werden muss,ist,sich um all die Frauen zu kümmern,die nicht aufhören, ihm im Weg zu stehen. Seine dominante Mutter zum Beispiel. Und Sally, die Kollegin, die in Joe den Ersatz für ihren toten Bruder sieht.Und dann ist da noch die mysteriöse Melissa,die einzige Frau, die Joe jemals verstanden hat, deren Erpressungs- und Folter-Fantasien jedoch keinen Platz in seinen Plänen haben.

Zum Autor

Paul Cleave wurde am 10. Dezember 1974 in Christchurch, Neuseeland geboren, dem Ort, wo auch seine Romane spielen. Neben dem Schreiben renoviert er Immobilien (»Ich kaufe ein Haus, lebe etwa ein Jahr in ihm, während ich es renoviere, und verkaufe es dann«). Der Fan von Stephen King und Lee Child begann im Jahr 2000 mit der Arbeit an seinem Debütroman. Sein zweiter Roman, der auch bei Heyne erscheinen wird, ist in Vorbereitung.

Für Quinn Wir vermissen dich noch immer, Kumpel

Kapitel 1

Ich steuere den Wagen in die Auffahrt. Lehne mich zurück. Versuche mich zu entspannen.

Ich schwöre bei Gott, heute hat es mindestens fünfunddreißig Grad. Christchurch-Hitze. Schizophrenes Wetter. Schweiß rinnt mir über den ganzen Körper. Meine Finger sind wie feuchter Gummi. Ich beuge mich vor, schalte den Motor aus, greife nach meinem Aktenkoffer und steige aus dem Wagen. Hier in der Gegend funktionieren immerhin die Klimaanlagen. Noch ein paar Schritte bis zur Eingangstür, dann fummle ich am Schloss herum. Und stoße einen Seufzer der Erleichterung aus, als ich eintrete.

Ich schlendere durch die Küche. Wie ich höre, ist Angela oben unter der Dusche. Ich werde sie später stören. Jetzt brauch ich erst mal etwas zu trinken. Der Kühlschrank hat eine Edelstahltür, aus der mich mein Spiegelbild anstarrt wie ein Geist. Ich öffne die Tür, gehe in die Knie und bleibe fast eine Minute lang so hocken, während ich mich mit der kühlen Luft anfreunde. Der Kühlschrank bietet mir Bier und Coke an. Ich gebe dem Bier den Vorzug, drehe den Verschluss auf und setze mich an den Tisch. Eigentlich trinke ich nicht besonders viel, aber diese Flasche schütte ich innerhalb von zwanzig Sekunden in mich hinein. Der Kühlschrank offeriert mir noch eine Flasche. Wer bin ich schon, dass ich dazu Nein sage? Ich lehne mich auf dem Stuhl zurück. Lege die Füße auf den Tisch. Denke darüber nach, die Schuhe auszuziehen. Kennen Sie das Gefühl? Sie arbeiten den ganzen Tag bei glühender Hitze. Acht Stunden Stress. Dann hocken Sie sich mit einem kühlen Bier in der Hand hin, legen die Füße hoch und ziehen die Schuhe aus.

Ein absoluter Hochgenuss.

Während ich der Dusche oben lausche, nippe ich entspannt an meinem zweiten Bier in diesem Jahr. Für das hier brauche ich ein paar Minuten, dann kriege ich Hunger. Zurück zum Kühlschrank und dem Stück kalter Pizza, das ich vorhin erspäht habe. Ich zucke mit den Schultern. Warum nicht? Ist ja nicht so, als ob ich auf mein Gewicht achten müsste.

Ich setze mich wieder an den Tisch. Die Füße hoch. So schmeckt auch die Pizza, nur die Schuhe wäre ich gerne noch los. Bloß hab ich im Augenblick nicht die Zeit dazu. Ich schlinge die Pizza runter, nehme meinen Aktenkoffer und gehe nach oben. Aus der Stereoanlage im Schlafzimmer dröhnt ein Lied, das ich kenne, dessen Titel mir aber nicht einfällt. Ebenso wenig wie der Name des Sängers. Trotzdem ertappe ich mich beim Mitsummen, als ich den Aktenkoffer aufs Bett lege; sicher wird mir die Melodie noch stundenlang im Kopf rumgehen. Ich nehme neben dem Aktenkoffer Platz. Öffne ihn. Hol die Zeitung raus. Auf der Titelseite prangen lauter reißerische Schlagzeilen. Oft frage ich mich, ob die Medien nicht die Hälfte von diesem Zeug erfinden, nur um die Auflage zu steigern. Offensichtlich gibt es einen echten Markt für solche Meldungen.

Ich höre, wie die Dusche abgedreht wird, ignoriere das aber und lese lieber weiter in der Zeitung. Einen Artikel über einen Kerl, der die Stadt terrorisiert. Frauen umbringt. Folter. Vergewaltigung. Mord. Der Stoff, aus dem man Filme macht. Ein paar Minuten vergehen, und ich hocke noch immer da und lese, als Angela, umgeben von weißem Dampf und dem Duft ihrer Körperlotion, aus dem Bad kommt. Sie trocknet sich die Haare mit einem Handtuch.

Ich lasse die Zeitung sinken und lächle.

Sie sieht zu mir rüber.

»Scheiße, wer sind Sie denn?«, fragt sie.

Kapitel 2

Die Sonne steht hoch am Himmel und blendet sie. Unter ihrem Kleid rinnen ihr Schweißperlen den Körper hinab und befeuchten den Stoff. Der polierte Grabstein aus Granit funkelt, und sie muss blinzeln, doch sie weigert sich, den Blick von den Buchstaben abzuwenden, die vor fünf Jahren dort eingraviert wurden. Das helle Licht treibt ihr das Wasser in die Augen – was nicht weiter ungewöhnlich ist; ihre Augen sind immer feucht, wenn sie hierherkommt. Sie hätte eine Sonnenbrille aufsetzen, ein leichteres Kleid anziehen sollen. Mehr tun sollen, um seinen Tod zu verhindern.

Sally greift nach dem Kruzifix an ihrem Hals, und die vier Spitzen bohren sich in ihre Hand. Sie kann sich nicht daran erinnern, wann sie es das letzte Mal abgenommen hat, und fürchtet, wenn sie es täte, würde sie sich zu einer kleinen Kugel zusammenrollen und bis in alle Ewigkeit nur noch weinen. Sie hatte es bei sich, als die Ärzte in der Klinik ihrer Familie die Nachricht überbrachten. Sie hielt es fest umklammert, als man sie bat, sich zu setzen und ihr mit düsterer Miene mitteilte, was sich wohl schon zahllose andere Familien hatten anhören müssen, deren Angehörige im Sterben lagen und die dennoch die Hoffnung nicht aufgeben wollten. Es hing über ihrem Herzen, als sie ihre Eltern zum Beerdigungsinstitut fuhr,sich mit dessen Inhaber zusammensetzte und bei Kaffee und Tee, den niemand anrührte, Sargbroschüren durchsah.Als sie die Seiten voller Hochglanzbilder umblätterte und versuchte, etwas zu finden, in dem ihr Bruder gut aussehen würde. Die gleiche Prozedur fand dann auch noch für den Anzug statt. Sogar der Tod war modebewusst. Auf den Fotos in den Katalogen hingen die Anzüge an Schaufensterpuppen; es wäre wohl zu geschmacklos gewesen, hätten unbeschwert lächelnde Menschen sie getragen und dabei versucht, sexy auszusehen.

Seither hatte sie das Kruzifix keinen einzigen Tag mehr abgelegt. Es half ihr dabei, Orientierung und Hilfe zu finden; es erinnerte sie immer daran, dass sich Martin jetzt an einem besseren Ort befand; dass das Leben nicht so schlecht war, wie es schien.

Unfähig sich zu rühren, betrachtet sie nun schon seit vierzig Minuten das Grab. Die Schatten der nahen Eichen sind ein wenig länger geworden. Gelegentlich reißt der Nordwestwind eine der reifen Eicheln von den Zweigen und schleudert sie auf einen Grabstein, mit einem knackenden Geräusch, als bräche ein Finger.Der Friedhof besteht aus einer weitläufigen,üppige Rasenfläche, die von Wegweisern aus Zement unterteilt wird und im Augenblick größtenteils verlassen daliegt; vor den Grabsteinen stehen nur eine Handvoll Menschen, alle in ihre eigene, persönliche Tragödie vertieft. Sie fragt sich, ob im Laufe des Tages noch mehr Leute kommen werden, ob es auch auf dem Friedhof eine Art Hauptverkehrszeit gibt. Sie hofft es. Ihr gefällt die Vorstellung nicht, dass Menschen sterben und einfach vergessen werden. In einiger Entfernung fährt ein Kerl auf einem Aufsitz-Rasenmäher um und über die Gräber. Er steuert das Gerät wie einen Rennwagen; wahrscheinlich will er so schnell wie möglich mit seiner Arbeit fertig werden und von hier verschwinden. Der Wind trägt den Lärm des Motors bis zu ihr. Eines Tages wird dieser Kerl, der Hausmeister,auch hier begraben sein.Wer mäht dann den Rasen?

Sie weiß nicht mal, warum sie solche Dinge denkt. Sterbende Hausmeister, Hauptverkehrszeiten, Menschen, die die Toten vergessen. Sie ist immer so, wenn sie hierherkommt. Morbid, völlig durcheinander, als hätte jemand ihre Gedanken in einen Cocktailshaker gesteckt und sie wie verrückt durchgeschüttelt. Sie kommt gerne her, wenigstens einmal im Monat – wenn »gerne« das richtige Wort ist. Immer, absolut immer schafft sie es, an Martins Todestag hierzusein, und der ist heute. Morgen hätte er Geburtstag. Oder hat er Geburtstag. Sie hat keine Ahnung, ob es noch zählt, wenn man unter der Erde liegt. Aus irgendeinem Grund, den sie nicht erklären kann,besucht sie ihn nie an seinem Geburtstag. Das hätte genau die gleichen Folgen, wie wenn sie das Kruzifix abnehmen würde, da ist sie sich sicher. Ihre Eltern waren bereits früher am Nachmittag hier; das sieht sie an den frischen Blumen, die neben ihren eigenen stehen. Sie ist nie gemeinsam mit ihnen da. Das ist auch so was, das sie nicht erklären kann, nicht einmal sich selbst.

Sie schließt kurz die Augen. Warum bringt dieser Ort sie nur immer dazu, über unlösbare Fragen nachzugrübeln? Sobald sie den Friedhof verlassen hat, wird es ihr wieder besser gehen. Sie kniet sich hin, streicht zärtlich über die Blumen, die vor dem Grabstein stehen, und fährt dann mit den Fingern über die Inschrift. Ihr Bruder war fünfzehn, als er starb. Einen Tag vor seinem sechzehnten Geburtstag. Ein Tag Unterschied zwischen Geburts- und Todestag. Wahrscheinlich nicht einmal das. Eher ein halber Tag. Sechs oder sieben Stunden.Was für einen Sinn hat es, dass er mit fünfzehn, fast sechzehn gestorben ist? Die Leute, die hier begraben liegen, sind durchschnittlich zweiundsechzig Jahre alt. Das weiß sie so genau, weil sie es ausgerechnet hat. Sie ist von Grab zu Grab gegangen, hat die Zahlen in einen Taschenrechner getippt und dann geteilt. Sie war neugierig. Wollte wissen, um wie viele Jahre Martin betrogen wurde. Seine knapp sechzehn Jahre auf dieser Erde waren etwas Besonderes, und die Tatsache, dass er geistig behindert war, in Wahrheit ein Segen. Er hatte ihr Leben reicher gemacht, und auch das ihrer Eltern. Er wusste, dass er anders war, dass viele Dinge eine Herausforderung für ihn waren, aber er empfand sein Anderssein nie als Problem. Für ihn ging es im Leben darum, Spaß zu haben. Was konnte daran schon falsch sein?

Sie hatte nie eine Antwort auf ihre Fragen gefunden, nicht hier, nicht beim Verlassen des Friedhofs. Und daran würde sich wohl auch nie was ändern.

Nach einer Stunde wendet sie sich vom Grab ab. Sie möchte ihrem toten Bruder von dem Mann erzählen, mit dem sie zusammenarbeitet und der sie in mancherlei Hinsicht an Martin erinnert. Er hat ein reines Herz und eine kindliche Unschuld, die derjenigen Martins gleicht. Sie möchte ihrem Bruder davon erzählen, doch sie verlässt den Friedhof ohne ein Wort.

Noch bevor sie ihren Wagen erreicht, hat das Kruzifix begonnen, ihren Schmerz zu lindern.

Kapitel 3

Die Zeitung interessiert mich nicht mehr. Warum Nachrichten lesen, wenn ich derjenige bin, der sie macht? Also falte ich sie einmal zusammen und lege sie neben mir aufs Bett. Ich habe Druckerschwärze an den Fingern und wische sie an der Tagesdecke ab, während ich Angela mustere. Sie hat diesen bestimmten Gesichtsausdruck, als versuchte sie, eine wirklich schlimme Nachricht zu verdauen, wie etwa, dass ihr Vater von einem Auto angefahren wurde, oder dass ihr das Parfüm ausgegangen ist. Ich beobachte ihr Handtuch. Es rutscht an ihr runter. Sie sieht verdammt gut aus, wenn sie so halbnackt vor mir steht.

»Ich heiße Joe«, sage ich und lange nach meinem Aktenkoffer. Ich wähle das zweitgrößte Messer,das ich darin aufbewahre.Eine Klinge von feinster Schweizer Machart. Ich halte es hoch. Wir können es beide sehen. Für sie sieht es größer aus, obwohl ich näher dran bin. Hat irgendwas mit der Perspektive zu tun.

»Vielleicht haben Sie schon von mir gelesen. Ich bin die Nachricht auf den Titelseiten.«

Angela ist eine große Frau mit endlos langen Beinen.Blondem Haar, offensichtlich naturblond, das ihr bis zum Hintern reicht. Sie hat eine gute Figur mit all den Formen und Kurven, die mich überhaupt erst hierhergeführt haben. Ein attraktives Gesicht, das in Zeitschriften für Kontaktlinsen oder Lippenstift werben könnte. Blaue Augen voller Leben und, im Augenblick, voller Angst. Die Angst in ihren Augen erregt mich. Die Angst in ihren Augen verrät, dass sie in der Tat schon von mir gelesen hat, dass sie im Radio von mir gehört oder die Geschichten über mich im Fernsehen gesehen hat.

Sie fängt an, den Kopf zu schütteln, als beantwortete sie eine ganze Reihe von Fragen mit Nein, obwohl ich sie noch gar nicht gestellt habe. Wassertropfen fliegen nach rechts und links, waagerechter Regen mitten im Zimmer. Ihr Haar wirbelt nach hinten, die nassen Spitzen streifen über die Wände. Es schwingt wieder nach vorn und bleibt auf ihrem Gesicht kleben. Und sie bewegt sich rückwärts, als hätte sie woanders was zu tun.

»Was – was wollen Sie?«, fragt sie. All die selbstsichere Empörung ihrer ersten Frage ist ziemlich genau in dem Augenblick verschwunden, als sie das Messer gesehen hat.

Ich zucke mit den Schultern. Ich kann mir mehrere Dinge vorstellen, die ich gerne hätte. Ein nettes Haus. Ein nettes Auto. Ihre Stereoanlage, die immer noch dasselbe Lied spielt – das jetzt unser Lied ist. Ja. Zu einer netten Stereoanlage würde ich nicht Nein sagen. Aber es steht nicht in ihrer Macht, mich damit auszustatten. Ich wollte, es wäre anders, aber das Leben ist nicht so einfach. Ich beschließe, das im Augenblick nicht zu erwähnen. Wir werden uns später noch unterhalten können.

»Bitte, bitte. Gehen Sie einfach.«

Ich habe das schon so oft gehört, dass ich fast gähne, aber das mache ich nicht, denn ich bin ein wirklich höflicher Mensch. »Sie sind aber eine schlechte Gastgeberin«, sage ich. Höflich.

»Sie sind wahnsinnig. Ich rufe die Polizei.«

Ist sie wirklich so dämlich? Glaubt sie wirklich, dass ich ruhig zusehe, wie sie den Hörer abnimmt und die Nummer eintippt? Dass ich mich auf dem Bett zurücklehne und das Kreuzworträtsel in meiner Zeitung löse, bis sie kommen, um mich festzunehmen? Ich fange an, den Kopf zu schütteln wie sie vorhin, nur dass meine Haare trocken sind.

»Sie könnten es versuchen«, sage ich, »wenn der Hörer noch in der Halterung hinge.« Was nicht der Fall ist. Ich habe ihn rausgenommen, während ich meine Pizza aß. Ihre Pizza.

Sie dreht sich um und rennt in Richtung Bad.Ich bewege mich auf sie zu. Sie ist schnell. Ich bin schnell. Ich werfe das Messer. Klinge über Griff, Griff über Klinge. Der ganze Trick beim Messerwerfen ist einzig und allein die Balance … wenn man ein Profi ist.Wenn nicht, läuft alles auf pures Glück hinaus.Wir beide hoffen in diesem Moment auf Letzteres . Die Klinge streift seitlich ihren Arm , trifft die Wand und fällt klirrend zu Boden, während Angela hinter der Badezimmertür verschwindet.Sie knallt sie zu, verschließt sie, und ich krache mit voller Wucht seitwärts in die Tür. Sie rührt sich kaum in ihrem Rahmen.

Ich trete ein paar Schritte zurück. Ich kann immer noch nach Hause gehen. Mein Zeug zusammenpacken. Den Aktenkoffer schließen. Meine Latexhandschuhe ausziehen. Verschwinden. Aber so einfach ist das nicht. Ich hänge an meinem Messer und an meiner Anonymität. Das bedeutet, ich muss bleiben.

Sie ruft um Hilfe. Aber die Nachbarn werden sie nicht hören. Ich weiß das, denn ich habe meine Hausaufgaben gemacht, bevor ich hergekommen bin. Das Haus liegt weit zurückversetzt, dahinter beginnt eine Wiese; wir befinden uns im obersten Stockwerk, und keiner ihrer nächsten Nachbarn ist zu Hause. Die Hausaufgaben sind das Entscheidende. Wenn man mit irgendwas im Leben Erfolg haben will, muss man sie ordentlich erledigen. Das kann man gar nicht oft genug betonen.

Ich gehe durchs Schlafzimmer und wähle ein weiteres Messer aus. Es ist das größte. Gerade will ich zum Bad zurückgehen, als eine Katze ins Zimmer kommt. Das verdammte Vieh ist auch noch freundlich. Ich beuge mich runter und tätschle es. Es schmiegt sich gegen meine Hand und fängt an zu schnurren. Ich hebe es hoch.

Zurück an der Badezimmertür rufe ich laut: »Kommen Sie raus, oder ich breche Ihrer Katze das Genick.«

»Bitte, bitte, tun Sie ihr nicht weh.«

»Das ist Ihre Entscheidung.«

Also warte ich.Wie alle Männer, wenn die Frauen im Bad sind. Wenigstens schreit sie nicht. Ich kraule Fluffy unter ihrem weichen Hals. Sie schnurrt nicht mehr.

»Bitte, was wollen Sie?«

Meine Mutter, Gott schenke ihrer Seele Frieden, hat mich immer ermahnt, ehrlich zu sein. Aber manchmal ist das einfach nicht der richtige Ansatz. »Nur mit Ihnen reden«, lüge ich.

»Werden Sie mich umbringen?«

Ich schüttele ungläubig den Kopf. Typisch Frau. »Nein.«

Das Schloss gibt ein deutliches Knacken von sich, als sich die Badezimmertür öffnet. Sie wird also eher ihr Glück mit mir versuchen, als zuzulassen, dass ihre Katze getötet wird. Vielleicht ist die Katze ja wertvoll.

Langsam geht die Tür auf. Ich rühre mich nicht von der Stelle. Ich bin viel zu erstaunt über ihre Dummheit,als dass ich mich bewegen würde. Als die Tür weit genug offen steht, lasse ich Fluffy fallen. Sie landet als wirrer Fellklumpen mit seitlich verdrehtem Kopf und in sämtliche Richtungen abstehenden Beinen, die auf denjenigen zu deuten scheinen, der dafür verantwortlich ist. Angela sieht die Katze fallen, hat aber keine Gelegenheit zu schreien. Ich drücke mit dem ganzen Körper gegen die Tür, und sie ist nicht stark genug,um mich draußen zu halten.Die Tür gibt nach, als Angela das Gleichgewicht verliert. Sie knallt gegen die Duschkabine,und das Handtuch rutscht ihr aus den Händen.

Ich trete ins Badezimmer. Der Spiegel ist noch immer beschlagen. Der Duschvorhang ist mit ein paar Dutzend Gummienten verziert, die mich allesamt anlächeln. Sie sind alle genau gleich ausgerichtet und sehen aus, als zögen sie übers Meer in einen Krieg. Angela fängt wieder mit dem üblichen Gekreische an, das ihr bisher überhaupt nichts gebracht hat und ihr auch jetzt nichts bringen wird. Ich schleife sie zurück ins Schlafzimmer, wobei ich ihr ein paar verpassen muss, um sie zum Mitspielen zu überreden. Sie versucht, mich abzuwehren, aber ich habe mehr Erfahrung damit, Frauen gefügig zu machen, als sie, sich selbst zu verteidigen. Sie verdreht die Augen und besitzt die Frechheit, in meiner Gegenwart ohnmächtig zu werden.

Die Stereoanlage läuft noch immer. Vielleicht werd ich sie mitnehmen, wenn das hier vorbei ist. Ich ziehe Angela hoch, werfe sie aufs Bett und rolle sie auf den Rücken. Dann gehe ich durchs Schlafzimmer, nehme die Fotos ihrer Familie von den Wänden und klappe diejenigen um, die noch auf den Regalen und der Fensterbank stehen. Das letzte Bild, auf das ich einen Blick werfe, zeigt ihren Mann und zwei Kinder. Ich vermute mal, dass er problemlos das Sorgerecht erhalten wird.

Der nächste Schritt unserer Romanze besteht darin, dass ich meine Glock 9 Millimeter Automatik auf den Nachttisch lege, wo ich sie leicht erreichen kann. Ein hübsches Exemplar. Ich habe sie vor vier Jahren gekauft, als ich mit der Arbeit anfing. Hat mich dreitausend Dollar gekostet. Waffen auf dem Schwarzmarkt sind immer teurer, aber dafür anonym. Ich habe das Geld von meiner Mutter gestohlen, die den Nachbarskindern die Schuld gab. Sie ist eine dieser verrückten Frauen, die sich davor fürchten, auf die Bank zu gehen, weil sie den Angestellten dort misstrauen. Die Waffe hab ich für den Fall, dass der Ehemann früher nach Hause kommt. Oder wenn ein Nachbar vorbeischaut. Vielleicht hat Angela ja auch eine Affäre. Vielleicht fährt ihr Liebhaber gerade in diesem Augenblick vor dem Haus vor.

Meine Glock ist wie ein Wundermittel – sie kuriert alle Eventualitäten.

Ich ziehe das Telefon aus der Wand. Reiße das Kabel an einem Ende ab und benutze es, um ihre Hände zu umwickeln. Ich will nicht, dass sie sich zu sehr hin und her windet, also binde ich ihre Handgelenke ans obere Ende des Bettes.

Ich bin gerade damit fertig, ihre Füße mit ihrer Unterwäsche zu fesseln, als sie aufwacht. Sie bemerkt drei Dinge gleichzeitig. Erstens, dass ich immer noch hier bin und dass das kein Traum ist. Zweitens, dass sie nackt ist. Drittens, dass sie mit gespreizten Armen und Beinen ans Bett gefesselt ist. Ich kann sehen, wie sie diese Dinge auf einer mentalen Liste abhakt. Eins. Zwei. Drei.

Und dann wird ihr bewusst, welche Dinge bis jetzt noch nicht geschehen sind. Vier. Fünf. Und sechs. Ich verfolge, wie ihre Fantasie verrückt spielt. Sämtliche Muskeln in ihrem Gesicht spannen sich, während sie über eine Frage nachdenkt, die sie mir stellen könnte. Ihr Blick springt unruhig hin und her,als sie rauszufinden versucht, auf welchen Teil von mir sie sich konzentrieren soll.Schweiß glänzt auf ihrer Stirn.Ich kann sehen,wie sie im Kopf nach verschiedenen Hebeln greift, auf der Suche nach dem einen, der ihr helfen wird, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Doch die Hebel gleiten ihr allesamt aus den Händen.

Ich zeige ihr noch einmal mein Messer.Ihr Blick bleibt schließlich an der Klinge hängen.»Sehen Sie das?«

Sie nickt. Ja, sie sieht es. Und sie fängt an zu weinen.

Ich führe die Spitze der Klinge an ihre Wange und bitte sie, den Mund zu öffnen. Sie ist voller Eifer bereit, meiner Bitte nachzukommen, als die Klinge ihre Haut ritzt. Dann greife ich in meinen Aktenkoffer, ziehe ein Ei heraus und schiebe es ihr in den Mund. Die Zusammenarbeit klappt immer einwandfrei, wenn sie die Situation erst mal akzeptiert haben. An dem Ei ist absolut nichts Anomales, es ist nichts weiter als ein rohes Ei.Das Großartige an Eiern ist, dass sie viel Eiweiß enthalten. Und dass sie sich wunderbar als Knebel eignen. »Falls Sie ein Problem damit haben«, sage ich, »dann geben Sie mir einfach Bescheid.«

Sie sagt nichts. Offensichtlich gibt es keine Probleme.

Ich gehe ins Badezimmer, finde ihr Handtuch und bedecke ihr Gesicht damit. Ich ziehe meine Kleider aus und steige aufs Bett. Sie bewegt sich kaum, beklagt sich nicht, weint immer nur weiter, bis sie nicht mehr weinen kann. Als wir fertig sind und ich wieder runtersteige, bemerke ich, dass das Ei irgendwann in ihrem Mund nach hinten geglitten sein muss und ihr immer weniger Luft zum Atmen ließ. Schließlich gar keine mehr. Das erklärt das Würgen, das ich gehört und zunächst für was anderes gehalten hatte. Hoppla.

Ich dusche, ziehe mich an, packe meine Sachen zusammen. Die Gesichter auf den Fotos im Treppenaufgang beobachten mich, als ich runtergehe. Ich erwarte die ganze Zeit, dass sie irgendwas zu mir sagen oder sich wenigstens darüber beschweren, was ich hier getan habe. Als ich nach draußen komme und sie zurücklasse, geht eine warme Woge der Erleichterung auf mich nieder.

Die Erleichterung hält nicht lange an, und schon ein paar Sekunden später fühle ich mich mies. Ich senke den Blick und betrachte beim Gehen meine Füße. Jepp. Ich fühle mich schlecht. Bin deprimiert. Die Dinge sind nicht so gelaufen, wie sie hätten laufen sollen, und das alles hat dazu geführt, dass ich schließlich jemandem das Leben genommen habe. Ich bleibe im Garten stehen und pflücke eine Blume von einem Rosenstrauch. Ich halte sie mir unter die Nase und rieche an den Blütenblättern, doch sie kann mir kein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Ein Dorn sticht mir in den Finger, und ich stecke ihn mir in den Mund. Das Blut verdrängt nach und nach Angelas Geschmack.

Ich stecke die Blume in die Tasche und trete zu ihrem Auto. Die Sonne scheint noch, doch jetzt steht sie tiefer und blendet mich. Es ist kühler geworden, sodass die Hitze,die ich spüre,vielleicht doch nicht von der Sonne kommt, sondern aus mir selbst. Ich möchte lächeln, ich möchte den zu Ende gehenden Tag genießen, doch ich kann nicht.

Ich habe jemandem das Leben genommen.

Die arme Fluffy.

Das arme Kätzchen.

Manchmal muss man Tiere als Werkzeuge benutzen. In diesem verrückten, chaotischen Universum steht es mir nicht zu, solche Dinge infrage zu stellen. Und doch, ich kann nicht anders, mir ist elend zumute,weil ich dieser kleinen Katze das Genick gebrochen habe.

Ich steige in Angelas Auto und muss über den Rasen vor dem Haus fahren, um dem gestohlenen Wagen auf dem Parkplatz auszuweichen. Das mustergültige Haus, das für ein mustergültiges Familienleben steht, wird im Rückspiegel immer kleiner. Der fein säuberlich gepflegte Garten, den ich von hier aus nicht mehr riechen kann, wirkt wie ein Minigolfplatz. Die Rose aus dem Garten fühlt sich warm an in meiner Tasche. Ich fahre an drei oder vier parkenden Autos vorbei. Leute gehen die Auffahrt rauf und betreten ihr Zuhause. Über einen niedrigen Zaun hinweg unterhalten sich zwei alte Frauen – über was auch immer alte Frauen eben so reden. Eine andere alte Frau bemalt auf Knien ihren Briefkasten. Ein Junge liefert die Zeitung aus. Die Leute sind hier zu Hause, und sie leben in Frieden. Sie kennen mich nicht, achten nicht auf mich, als ich an ihren Fenstern vorbeiziehe und aus ihrem Leben verschwinde.

Langsam weicht die Januarhitze einer milden Brise. Blätter rascheln an den Birken, die zu beiden Seiten der Straße stehen und die hoch über mir, wo ihre fingerartigen Zweige einander durchdringen, eine grüne Kuppel bilden.Vögel spielen dort droben. In der Ferne kann ich Rasenmäher hören, die den Nachmittag beenden und den Abend einläuten. Es wird eine schöne Nacht werden.Es wird eine dieser Nächte werden,in denen ich froh bin,am Leben zu sein. Eine dieser Nächte, für die das sommerliche Neuseeland berühmt ist.

Schließlich fange ich an, mich zu entspannen. Ich schalte die Stereoanlage ein und höre dasselbe Lied, das in Angelas Haus lief. Na, so ein Zufall. Ich summe mit, fahre singend in den Abend. Meine Gedanken wenden sich von Fluffy ab, richten sich auf Angela, und dann kehrt endlich das Lächeln in mein Gesicht zurück.

Kapitel 4

Ich lebe in einem großen Mietshaus, das profitabler wäre, würde man es als Bauschutt verkaufen. Aber wegen seiner Lage wird man es nie abreißen und ersetzen, weil auch die neuen Wohnungen nicht mehr Miete einbrächten. Diejenigen, die hier leben, halten es eigentlich nicht für die übelste Gegend der Stadt; alle anderen schon. Das Haus ist kaum bewohnbar, aber es ist billig, also muss man gewisse Einbußen in Kauf nehmen. Der Gebäudekomplex hat vier Stockwerke und nimmt den größten Teil des Blocks in Anspruch; ich wohne ganz oben, wodurch ich den besten Blick auf die überaus armselige Umgebung habe. Insgesamt gibt es dreißig Wohnungen, glaube ich.

Ich begegne keinem meiner Nachbarn, als ich nach oben gehe, doch das ist weder unangenehm noch ungewöhnlich. Ich ertappe mich dabei, wie ich an die arme Fluffy denke, als ich die Tür aufschließe und eintrete. Meine Wohnung besteht aus zwei Zimmern.Eins davon ist mein Bad und das andere eine Kombination aus allem Übrigen, was man so zum Wohnen braucht. Kühlschrank und Herd sind so alt,dass man wahrscheinlich nicht mal mehr mithilfe der Radiocarbon-Methode ihr Alter bestimmen könnte. Der Boden besteht aus nackten Dielenbrettern, sodass ich die ganze Zeit Schuhe tragen muss, um mir keine Splitter einzufangen. An den Wänden klebt eine dunkelgraue Tapete, die so ausgetrocknet ist, dass jedes Mal ein paar Fetzen mehr davon abfallen, wenn ich die Tür öffne und etwas Zugluft reinkommt. An mehreren Stellen haben sich die Ränder gelöst und hängen runter wie schlaffe Zungen.An der einen Wand gibt es ein unterteiltes Fenster, das mir eine Aussicht auf Stromleitungen und ausgebrannte Autos verschafft. Ich habe eine alte Waschmaschine, deren Umdrehungen einen horrenden Lärm machen, und an der Wand darüber schwebt ein Trockner, der genauso laut ist.Vor dem Fenster befindet sich eine Leine, an der ich im Sommer meine Wäsche aufhänge. Im Augenblick ist sie leer.

Ich besitze ein schmales Bett, einen kleinen Fernseher, einen Videorecorder und eine Grundausstattung an Möbeln, die zusammen mit einer Bauanleitung in sechs verschiedenen Sprachen in Pappkartons verkauft werden. Nichts davon steht gerade, doch ich kenne niemanden, der mich besuchen und sich darüber beklagen würde. Mehrere Taschenbücher, romantische Liebesromane, liegen auf meinem Sofa. Alle Titelbilder zeigen kräftig aussehende Männer und schwach aussehende Frauen. Ich lasse meinen Aktenkoffer darauffallen, bevor ich zum Anrufbeantworter gehe. Das Lämpchen blinkt, also drücke ich den Abspielknopf. Es ist meine Mutter. Sie hat eine Botschaft hinterlassen, die mir verrät, wie brillant sie im Ziehen logischer Schlussfolgerungen ist. Weil ich weder daheim noch bei ihr bin, kann das ihrer Meinung nach nur bedeuten, dass ich mich auf dem Weg zu ihr befinde.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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