Der süße Kuss des Todes - Dahlia von Dohlenburg - E-Book

Der süße Kuss des Todes E-Book

Dahlia von Dohlenburg

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Beschreibung

Als Raphaels beste Freundin Emma ermordet wird, bricht für ihn die Welt zusammen. Er war der einzige Zeuge, aber da er blind ist, ist er für die Polizei nutzlos. Doch um ihren Mörder zu schnappen, würde er alles tun. Selbst seine Seele verkaufen. --- Ich bin ein Schnitter, ein Diener des Todes. Als ich Raphael begegne, bin ich sofort von ihm fasziniert. Denn im Gegensatz zu anderen Menschen kann Raphael mich wahrnehmen. Aus Neugier lasse ich mich auf einen Pakt mit ihm ein: meine Hilfe bei der Suche nach Emmas Mörder im Austausch für Raphaels Seele. Doch was als einfache Zerstreuung beginnt, wandelt sich mit der Zeit zu etwas, was meine Existenz bedroht: Liebe.

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Kurzbeschreibung

Als Raphaels beste Freundin Emma ermordet wird, bricht für ihn die Welt zusammen. Er war der einzige Zeuge, aber da er blind ist, ist er für die Polizei nutzlos. Doch um ihren Mörder zu schnappen, würde er alles tun.

Selbst seine Seele verkaufen.

Ich bin ein Schnitter, ein Diener des Todes. Als ich Raphael begegne, bin ich sofort von ihm fasziniert. Denn im Gegensatz zu anderen Menschen kann Raphael mich wahrnehmen. Aus Neugier lasse ich mich auf einen Pakt mit ihm ein: meine Hilfe bei der Suche nach Emmas Mörder im Austausch für Raphaels Seele.

Doch was als einfache Zerstreuung beginnt, wandelt sich mit der Zeit zu etwas, was meine Existenz bedroht: Liebe.

Triggerwarnungen für dieses Buch findet ihr unter: https://rainbowrebel.de/trigger

Bücher von Dahlia von Dohlenburg

Der süße Kuss des Todes

Die Magie des Königs

Sündenfall – Jäger in den Schatten 1

Auferstehung – Jäger in den Schatten 2

Der Fluch des Puppenmachers

Meermänner küsst Mann nicht - Märchenhaft verliebt 1

Ein Kuss für den Eisprinzen

Omega wider Willen – Die Wölfe von Crescent Hill 1

Der süße Kuss des Todes

Dahlia von Dohlenburg

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Epilog

Über die Autor*in

Bücher von Dahlia von Dohlenburg

Leseempfehlung

Triggerwarnungen

1

Der Tod folgt mir auf Schritt und Tritt. Meine Existenz könnte kaum eintöniger sein.

Ich blicke auf die Liste, die ich im April abarbeiten muss. Bis auf einen Namen sind alle durchgestrichen.

Die Nummer zehn: Berthold Schmoell.

Ein Mann, Mitte sechzig. Graues, spärliches Haar. Er ruht in einem Krankenhausbett, wird von Schläuchen beatmet. Ein kleiner Monitor überwacht seine Lebensfunktionen. Ein stetiges Auf und Nieder begleitet von einem Piep, Piep, Piep.

In wenigen Augenblicken wird der Apparat verebben und den Tod des Mannes feststellen.

Am Bett sitzt ein junger Mann, vielleicht zwanzig. Braune Haare, ein braver Pagenschnitt. Er ist unauffällig, als wäre er nicht da. Die wuchtige Hand des Alten liegt in seiner. Pianistenfinger. Die Haut ist blass, makellos. Die Fingernägel abgekaut.

Er sitzt reglos da, hat den Blick unter einer Sonnenbrille verborgen und den Kopf leicht schräg liegen, als sähe er mich an.

Aber das kann er nicht.

Menschen können Schnitter nicht sehen. Manche spüren es, wenn wir uns nähern – ein eisiger Windhauch, ein Schaudern, das die Nackenhaare aufrichtet. Mehr nicht.

Und so soll es auch sein. Sie sollen mich nicht bemerken. Nicht, bis ihr Tag gekommen ist. Ich bin nur da, meine Arbeit zu verrichten. Auch heute werde ich einen Namen aus dem Buch streichen und die Seele des Alten mitnehmen.

Ob der Junge weinen wird?

»Wer bist du?« Seine Stimme klingt kratzig und schwach.

Er hat schon geweint.

Ich schaue mich um – außer uns ist niemand hier. Doch da sehe ich seinen Blindenstock. »Keine Sorge, Junge, bald bin ich fort.«

Der Junge dreht den Kopf ein Stück. »Geh nicht. Sag mir erst, wer du bist, was du bist.« Er presst die Lippen zusammen.

Ich zögere. Er kann mich nicht sehen. Und er dürfte mich nicht hören.

Ich gehe um das Bett herum und stelle mich direkt neben ihn.

Er folgt mir mit seinem Blick.

Faszinierend.

»Siehst du mich?«

»Nein. Nicht wirklich. Ich spüre, dass du da bist, wie ein gleißend heller Schatten. Ich höre deine Stimme, deine Schritte. Aber du atmest nicht.«

Ich muss mich nicht beeilen mit dem alten Mann. Der Junge ist interessanter. Er sitzt dort, unbewegt, und die Stimme ist ruhig, als würde meine Gegenwart ihn nicht überraschen. Doch sein Atem, der etwas schneller geht, deutet an, dass er vielleicht nur ein guter Schauspieler ist. Was denkt er jetzt wohl? Ob er sich vor mir fürchtet? Seine linke Hand ruht auf seinem Knie. Der Zeigefinger zuckt aufgeregt auf und ab. »Wie heißt du?«

Der Junge grinst breit, entblößt weiße, gerade Zähne. »Raphael Engels. Bist du ein Engel?«

Ich zucke mit den Schultern. »Manche nennen mich so. Ich bin hier, um seine Seele abzuholen.«

Raphael senkt den Blick. Er lässt die Hand des Mannes los. Seine Finger graben sich in den Stoff seiner Hose. »Großvater stirbt also wirklich.« Seine Stimme ist fest. »Dann bin ich bald ganz allein.«

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich finde Menschen sehr interessant – aber mit ihren Gefühlen verwirren sie mich. Soll ich ihn trösten oder ihm Mut machen? Soll ich ihm erklären, dass ich seinen Großvater nicht leben lassen kann. Auch wenn er mir leid tut. Tut er mir denn leid? Ach, ich …

»Nimm mich mit.«

»Was? Das kann ich nicht so einfach.«

»Aber ich will nicht mehr leben. Wenn er fort ist, habe ich niemanden. Meine Eltern starben bei einem Unfall vor Jahren. Und meine beste Freundin …« Er stockt im Satz, schweigt ein, zwei Minuten, dann schüttelt er den Kopf und sein Blick fixiert mich wieder. Er holt tief Luft. Seine Nasenflügel flattern, die Wangen sind gerötet. »Sag, ist es möglich, mit dir zu handeln? Wenn du mich nicht einfach so mitnehmen kannst, dann … dann vielleicht als Gegenleistung für deine Hilfe?«

»Ein Pakt?« Ich erinnere mich nicht, dass es jemals vorgekommen ist. Dämonen schließen andauernd Pakte, ja, um die Seelen von Menschen zu stehlen. Aber wir sind anders. Wir sind neutral, geleiten die Seelen nur zum Tor, haben keinen Nutzen davon, eine Seele in die Hölle zu verbannen. Außerdem …

Ich blicke hinab auf mein Buch, in dem sein Name nicht steht. Soll ich ihm die Wahrheit sagen? Dass die Dinge nicht so einfach liegen? Nein, das hier scheint interessant zu werden. Mir ist keine Regel bekannt, die mir verbietet, ihm zu helfen. Er macht mich neugierig. Ich liege diesen Monat gut in der Zeit – niemand würde mich vermissen, wenn ich erst später zurückkehre. »Erzähl, was willst du von mir?«

Der Junge schluckt, atmet tief ein und aus, legt die Hände in den Schoß. »Meine beste Freundin wurde vor Kurzem entführt und dann ermordet.« Er leckt sich über die Lippen. »Sie haben den Täter noch nicht gefasst. Ich möchte, dass du mir hilfst, ihn zu finden. Du hast doch bestimmt besondere Kräfte.«

Ich verziehe mein Gesicht, wie es Menschen tun, wenn sie verdrossen sind. Zu spät fällt mir ein, dass er mich gar nicht sehen kann und aufgesetzte Mimik überflüssig ist. Stattdessen seufze ich langgezogen. »Besondere Kräfte, ja, das wäre schön. Aber leider nein. Ich bin nur ein Beobachter – nicht mehr und nicht weniger.«

In Raphaels Miene spiegelt sich Enttäuschung. Er hebt die Hand und schiebt seine Sonnenbrille ein Stück die Nase hoch. »Du kannst sehen, nicht wahr? Das ist mehr als ich kann.« Bitter lächelt er, schüttelt den Kopf. »Ich war dabei, als Emma entführt wurde. Ich habe den Täter gehört und gerochen – aber nicht gesehen. Für die Polizei ist meine Aussage wertlos.« Er verzieht den Mund und schnalzt mit der Zunge. »Doch ich bin sicher, hätte ich ein Paar Augen, das für mich sieht, dann könnte ich den Täter finden, bevor sie es tun.«

Ich lege den Kopf zurück und schließe die Augen. Einen Mörder aufspüren … Das ist es also, was er von mir will. Ein Lächeln umspielt meine Lippen. Auf jeden Fall interessanter, als die Seelen verstorbener Menschen einzusammeln. »Vierzehn Tage«, flüstere ich.

Er runzelt die Stirn.

»Ich gebe dir und deinem Großvater eine Galgenfrist von zwei Wochen. In der Zeit werde ich dir helfen, den Mörder zu suchen. Finden wir ihn, dann nehme ich deine Seele mit. Finden wir ihn nicht, dann nehme ich sie auch mit. Einverstanden?«

Er nickt und hält mir die Hand entgegen. Er wartet einen Augenblick und lässt sie dann sinken. »Einverstanden.«

2

Großvater hustet.

Ich drehe den Kopf in die Richtung, aus der ich die Gegenwart des Engels spüre. Oder was auch immer er ist. Er ist nicht die erste Erscheinung, die ich habe. Seit meine Eltern gestorben sind, sehe ich sie immer wieder. Die Geister von Toten und seltsame strahlende Wesen, die Menschen wie Schatten folgen. Bisher habe ich sie immer für Monster gehalten. Bisher habe ich es aber auch nie gewagt, einen von ihnen anzusprechen. Oder gar versucht, ihnen für irgendetwas meine Seele zu verkaufen.

Bisher hatte ich noch etwas zu verlieren. Etwas anderes als meinen Verstand.

»Er wird aufwachen und kerngesund sein – für zwei Wochen.« Seine dunkle Stimme lässt mich erschauern.

Sie hatten noch nie zu mir gesprochen. Sie waren nie mehr als stumme Mahnmale des Todes. Mein Mund fühlt sich trocken an. »Danke.«

»Raphael?« Großvaters Stimme ist ein dünnes Krächzen.

»Ja, Opa.« Ich lache – das erste Mal seit langer Zeit. Zitternd taste ich nach Großvaters Hand. Ich drücke sie kurz, halte sie danach fest, streiche mit dem Daumen über die faltige, raue Haut. »Schwester!«, rufe ich, so laut ich kann. Mein Hals schmerzt, als hätten Katzen ihre Krallen in meine Stimmbänder geschlagen. Die Oberschwester kommt herein. Ihr humpelnder Gang und die Mischung aus billigem Parfum und Desinfektionsmittel verraten sie, bevor sie einen Ton sagt.

Die nächste Stunde ist das Krankenhaus in heller Aufregung. Großvater ist auf wundersame Weise genesen – allein ich weiß, dass es ein Wunder auf Zeit ist. Der Engel steht in einer Ecke des Zimmers. Er strahlt eine Kälte aus, vor der ich mich im ersten Moment fürchtete, die mir ein unangenehmes Schaudern über den Rücken jagte. Aber etwas Vertrautes liegt in ihr. Etwas, was ihn von den vielen, vielen Anderen unterscheidet. Vielleicht weil er mein Tod sein wird?

Da es Großvater wieder gut geht und er ein Starrkopf ist, lässt er sich auf eigene Gefahr entlassen. Er fährt mich in seinem kleinen Opel Käfer nach Hause. Ich kuschle mich in den Sitz und sauge den Geruch von altem Leder in mich auf.

Noch zwei Wochen.

Als wir zu Hause ankommen, macht Großvater sich als erstes einen starken Kaffee – das Aroma erfüllt die Luft, schwer und wohlig. Nicht wie der billige Krankenhauskaffee. »Das ist nicht gut für dein Herz«, ermahne ich ihn, obwohl ich weiß, wie sinnlos das ist.

Er lacht mit diesem tiefen Grummeln. »Mach dir nicht so viele Gedanken um das Herz eines alten Mannes, Raphael!«

Nach dem Kaffee legt er sich hin und ich gehe auf mein Zimmer. Der Engel folgt mir.

Ein Seufzen dringt mir über die Lippen, als ich die Tür mit einem Klacken hinter mir schließe. »Danke«, flüstere ich noch einmal in die Stille.

»Nichts zu danken.« Seine Stimme klingt monoton. Wie ein Roboter. Als hätte er keine Gefühle. »Erzähl mir von deiner Freundin.«

Ich schüttle den Kopf. »Sag mir erst, wie du heißt.«

Er schweigt. Ich höre nur mein Atmen. »Ich trage keinen Namen«, antwortet er schließlich. »Keinen, den ein Mensch aussprechen könnte.«

Ich zucke mit den Schultern. »Du bist also ein Niemand?« Ich muss schmunzeln. »Darf ich dich so nennen? Niemand?«

»Meinetwegen.« Er kommt näher und steht jetzt vor mir. »Erzählst du mir jetzt von deiner Freundin?«

Ich nicke, setze mich auf mein Bett. »Ihr Name war Emma Freyning. Wir waren Nachbarskinder, bevor meine Eltern starben. Danach kam sie mich bei Großvater besuchen. Jedes Wochenende, manchmal auch nach der Schule. Obwohl sie dafür eine Stunde mit dem Bus fahren musste. Sie war immer da.« Einen Augenblick bilde ich mir ein, dass sie wieder neben mir sitzt. Der Geruch ihrer Haare, nach Vanille oder Apfel. Der Rosenduft ihrer Haut. Ich höre fast ihr glockenhelles Lachen. Das Klimpern ihrer Absätze auf der Veranda, wenn sie die Stufen hinauf läuft. Die Sanftheit ihrer Stimme, wenn …

»Was ist mit ihr passiert?«