Der Teufel spuckt dich an - James Renier Huerli - E-Book

Der Teufel spuckt dich an E-Book

James Renier Huerli

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Beschreibung

Mein Leben - ein Konglomerat von kleinen, großen und insbesondere von kriminellen Geschichten. Töten, Betrug, Fälschung, Intrigen und Korruption. Es sind Geschichten über die Zigarettenmafia, über die berüchtigte russisch-eurasische Mafia, über die Nigeria-Connection, über die Terrormiliz Al Shabaab und es ist die Geschichte von einem Geheimagenten, der während seiner Flucht vor der Mafia, in afrikanischen Ländern das Grauen knapp überlebt hat. Und es ist auch die persönliche Geschichte vom Autor: Die Jagd nach einem Herz.

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Seitenzahl: 281

Veröffentlichungsjahr: 2017

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James Renier Huerli

Der Teufel spuckt dich an

Thriller

© 2017 James Renier Huerli

Verlag und Druck: tredition GmbH, Grindelallee 188, 20144 Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7439-5614-8

Hardcover:

978-3-7439-5615-5

e-Book:

978-3-7439-5616-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Dieser Thriller beinhaltet fiktive Geschichten.

Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen oder Gegebenheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Lediglich die Kapitel „Die Jagd nach einem Herz“ und „Die Jagd nach einem Herz geht weiter“ sind reale Lebenserfahrungen des Autoren.

Mein Leben - ein Konglomerat von kleinen, großen und brisanten Geschichten.

Töten, Betrug, Fälschung, Intrigen, Korruption und es ist auch die Geschichte von einem Ex-Geheimdienstagenten, der im Kingsize-Format die Reise ins Grauen knapp überlebt hat.

Dieses Buch ist gewidmet:

- Meiner Lebensgefährtin Viola, die mich mit Liebe und Verständnis durch alle Höhen und Tiefen des Lebens begleitet hat.

- Meinen Freunden Helmut und Ilona, für deren Geduld ich mich herzlich bedanke.

- Frau N. Montag und allen bei der SBK, die dazu beigetragen haben, mein gesundheitliches Debakel zu überstehen.

- Meiner Lektorin AnKa, mit Dank.

- Meinem Freund und Partner Gernod; unsere Erlebnisse haben meine Sichtweise auf das Leben nachhaltig geprägt.

Der gezeichnete Stein

Man sagt, die Wahrheit ist wie Wasser, sie sucht sich ihren Weg. Der Weg zur Wahrheit ist auch die Geschichte von Roman. Nach über 20 Jahren folgte er wieder den Spuren zum >gezeichneten Stein<. Im Nordosten von Brasilien, im Bundesstaat Ceara, sollte an der Atlantikküste mit einsamen Fischerdörfern, den längsten, unberührten und paradiesischen Stränden, mit 365 Tagen Sonne im Jahr, ein neues Atlantis entstehen. Eine beinahe surreale Landschaft aus atemberaubenden und gewaltigen Dünen mit schneeweißem Sand, türkisfarbenen Süßwasser-lagunen, es gibt Flüsse, Seen, Quellen, Teiche und dichte Mangroven. Die Lagunen sind kleine Oasen im Sandmeer, ein Postkartenmotiv schlechthin. Auf der Route der Emotionen werden die verschiedensten Gefühle freigesetzt, eine unwirkliche Dünenlandschaft, eine unwirkliche Schönheit. Mit Staunen betrachtet man die skurril geformten Felsen, Hektik und Schnelligkeit werden im Sand erstickt. Und hier sollte das neue Atlantis, die einst legendäre griechische Metropole, entstehen. Ein gigantisches Tourstikprojekt mit 13 Fünf-Sterne-Hotels, 14 Ressorts, Clubanlagen, gebaut nach original phönizischen Plänen, 42 Projekte mit 120.000 Betten, ein Teil von Venedig sollte auferstehen, drei Full-Size-Golfplätze (18 Löcher), Eigentums-wohnungen, gebaut werden sollte ein Hafen, eine Marina für die Reichen und Schönen dieser Welt etc., etc. Es sollte der erste ökologisch geplante Touristenkomplex der Welt werden. Es sollte die Welthauptstadt für Umwelt entstehen. Für das Gesamtprojekt wurden rund 15 Milliarden Dollar veranschlagt. Investoren wurden gesucht und auch gefunden. Geld kam z.B. von japanischen Banken, von einer Investorengruppe aus Europa, von unzähligen anderen Kapitalgebern, aber auch von Roman, der für 1,7 Millionen DM 2 Millionen Quadratmeter Grund aus dem 5.000 ha großen Areal erwarb. Kurze Zeit später wurde ihm ein Gutachten vorgelegt, der tatsächliche Wert seines Grundstückes würde sich mittlerweile bei rund 7 Millionen Dollar bewegen. Er hatte es geschafft, jetzt war er reich. Dachte er. Und dann kam alles anders. Aus dem Traumland Brasilien wurde plötzlich der pure Albtraum. Die Initiatoren des Projektes spielten ihr eigenes perfides Spiel. Das Mantra der Verantwortlichen lautete: Ziehe deinen Kunden das Geld aus der Tasche und lass es in deiner verschwinden.

Sie beherrschten das perfekte Schauspiel für aufwendige Betrügereien. Es reichte ein grell gemaltes Bild in leuchtenden Farben, um ihre Fantasien mit protzigen Autos, Luxushotels, erlesenen Speisen und Getränken, mit Tausend-Dollar-Huren in einem Luxusbordell hoch zu puschen. Sie berauschten sich an der Wirksamkeit der eigenen Lügen und Täuschungen, an der Kraft der eigenen Märchen, der eigenen Worte, die andere dazu bewegen Vertrauen und Millionen zu geben.

Ende der achtziger Jahre gab es für Roman nur ein Ziel: immer auf der Überholspur bleiben. Die Geschäfte mit seinen vier Firmen liefen prächtig und wann immer ihm der Sinn nach einer Auszeit stand, flog er mit seiner Familie zu seinem Freund Hans, dem Tauchlehrer, nach Ibiza. Tauchen verbindet und im Laufe der Zeit entstand eine feste Freundschaft. An einem Sonntag Abend wurde Roman von Hans zu einem Essen in Ibiza Stadt eingeladen. An dem Essen nahm auch Sabine teil, eine Ärztin, die auf Ibiza lebte und alles, was hip und reich war, zu ihrem Bekanntenkreis zählte. Unter anderem sprach sie auch von Rezell, der in den Räumen vom Bürgermeister der Stadt Ibiza mit Plänen und Zeichnungen sein Projekt >Neues Atlantis< in Brasilien präsentieren könne. Bei Interesse würde sie für Roman einen Termin vereinbaren. Einen Tag später fand ein persönliches Treffen statt. Roman bekam Einblicke in die Unterlagen und Rezell lud ihn nach Brasilien ein. Vor Ort könne er sich im Bundesstaat Ceara von dem traumhaft schönen Grundstück an der Atlantikküste überzeugen und Gespräche mit dem Gouverneur und anderen wichtigen Behörden führen. Sie alle hätten umfangreiche Kenntnisse über das Projekt und würden ohne Einschränkung ihre Unterstützung zusichern.

Zwei Wochen später flog Roman mit seinem Steuerberater Harald im Schlepptau nach Rio. Bei wichtigen Dingen hatte er stets Harald mit eingebunden, vier Augen sehen besser und vier Ohren hören genauer hin. Auf dem Weg nach Frankfurt zum Flughafen machte sein nagelneuer BMW schlapp, erst 1300 km auf dem Tacho und das Differenzial machte die Grätsche. Kurzfristig dachte er, ein böses Omen, ich sollte lieber hier bleiben. Er hätte es mal tun sollen, aber das Omen wurde ignoriert und man fuhr mit einem Leihwagen nach Frankfurt.

In Rio wurden die beiden von einem Chauffeur mit schwarzer Limousine abgeholt. An Bord gab es gut gekühlten Champagner, Kaviar und andere Leckereien. Sie wurden zu einem Luxushotel am Strand von Ipanema gebracht und bezogen im siebten Stock ihre Suite. Mit offenem Mund bestaunten sie am Abend den Lichterglanz der Stadt, danach brachte sie der Chauffeur mit der schwarzen Limousine zu einem Edelrestaurant, wo sie bereits von Rezell erwartet wurden. Vor dem Restaurant parkten mehrere Rolls Royce, die Gäste des Restaurants schienen ausnahmslos zu einer sehr reichen Elite zu gehören und im Hintergrund warteten diskret die Bodyguards. Womit sie zu Geld und Reichtum kamen, ist nicht bekannt, alles was man weiß, sie machen riesige Gewinne und dass Koks haufenweise durch Hundertdollarscheine geschnupft wird. Rezell führte seine Gäste zu einem Tisch in einen verwunschenen Garten, mit Springbrunnen, üppig blühenden Blumen und betörenden Düften. Sie betraten eine Welt des Reichtums mit ihren extravaganten Verlockungen. Zwei Ober wuselten um sie herum und brachten exotische Getränke mit erlesenen Speisen. Im Hintergrund glitzerten die Lichter von der gegenüberliegenden Bucht. Vom Meer kam eine leichte Brise auf und die betörenden Düfte der Blumen wurden immer intensiver. Weder Roman noch sein Steuerberater konnten sich dem Zauber des Augenblicks entziehen. Rezell als perfekter Gastgeber war in seinem Element, er verstand es wie kaum ein anderer, seine Gäste einzulullen, sie zu umgarnen und zu manipulieren. Schritt für Schritt kam er seinem Ziel näher. Für die folgenden Tage hatte er weitere Highlights eingeplant und war sich sicher, in nicht mehr allzu ferner Zeit würde er Roman an der Angel haben.

Am nächsten Tag war für Roman und Harald zunächst Faulenzen, Relaxen und Baden angesagt. Der Strand von Ipanema mit seinen Girls und ihren Knackärschen in String-Tangas ist weltberühmt, dementsprechend war auch die Wirkung auf die beiden und brachte ihre Welt in erhebliche Turbulenzen. Am späten Nachmittag wurden sie von ihrem Chauffeur mit der schwarzen Limousine zu Rezells Anwesen gebracht. In einer Prachtstraße, die zum Strand an die Copacobana führte, logierte Rezell mit seiner Familie in einem Traumhaus. Die Wohnung und das Büro verteilten sich auf rund 450 qm Fläche. Egal, wohin man sah, ob Wände, ob Fußböden oder die Decken der Räume, überall glänzte feinster Marmor. An sämtlichen Wänden der Büroräume hingen Pläne, Zeichnungen und Entwürfe vom Projekt >Neues Atlantis<. Rezell nahm zu jedem Detail Stellung, referierte mit Eifer und Überzeugung vom Gelingen des riesigen Vorhabens und verwies nochmal auf die Unterstützung mit den maßgeblichen Behörden. Danach fuhr wieder die schwarze Limousine vor, Roman, Harald und Rezell stiegen ein und der Chauffeur brachte sie in der Nähe von der weltberühmten Christusstatue zu einem Restaurant der absoluten Spitzenklasse. Oben auf dem Berg, kurz vor Ende der Straße die zur Statue führte, ging ein kleiner Weg rechts ab, der sie zum Restaurant führte. Die Räumlichkeiten waren mit einem grandiosen Luxusinterieur ausgestattet, es gab reichlich devotes Personal und schillernde Gäste. Der Geschäftsführer brachte sie zu einer Terrasse auf der Rückseite des Gebäudes und auf dem Weg dorthin gingen sie durch ein irrsinnig gut duftendes Blumenmeer. Als sie auf ihren Plätzen saßen und mit der hereinbrechenden Dunkelheit auf Rio herab blickten, kämpften beide mit der Schnappatmung. Der Blick auf das gewaltige Lichtermeer der Stadt raubte ihnen den Atem. Das sieben-Gänge-Menü war eine Klasse für sich und der Wein wurde mit Stil kredenzt. Egal, was die beiden sahen, aßen oder tranken, >noblesse oblige< war angesagt. Nach dem Essen führte Rezell seine Gäste ins Zentrum der Stadt, in eine Bar, bzw. in ein Luxus-Bordell. An der Tür hing das Schild >members only<, im vorderen Bereich befand sich die Bar mit original englischen Clubsesseln und anschließend gelangte man über einen kleinen Steg in die geheiligten Räume zum Bumsen oder zu was auch immer. Rezell schien hier öfters zu verweilen, jede der Frauen begrüßte ihn aufs Herzlichste. Schampus, Austern, Frauen und nochmal Frauen, die Welt von Rezell. Die Ladys, die hier für viel Geld ihrem Job nachgingen, galten ausnahmslos als umwerfende Schönheiten. Sie gaben ihr Bestes um den Samenstau bei Roman und Harald abzubauen. Am nächsten Tag frühmorgens flogen sie zusammen mit Rezell nach Fortaleza, in die Hauptstadt von Ceara. Sie checkten in einem am Strand gelegenen Luxushotel ein und wenig später fand ein Gespräch mit dem Gouverneur statt. Mit Charme und viel Tamtam wurde über das Projekt >Neues Atlantis< gesprochen, die Genehmigungen lägen bereits vor, alle maßgeblichen Behörden seien mit an Bord und das Schaffen von tausende Arbeitsplätzen gäbe Anlass zur Euphorie. Danach folgte mit der Politprominenz in einem kleinen Lokal am Strand ein gemeinsames Essen. Es gab den besten Hummer der Welt, so die Einschätzung von Roman und Harald. Mit den Teilnehmern der Runde ließ es sich trefflich diskutieren und das Projekt wurde von Rezell und dem Gouverneur nochmal in den schillerndsten Farben dargestellt. Nur Roman merkte nicht, dass er sich bereits in einem Geflecht von Lügen, Halbwahrheiten, Geheimnissen und in den fatalen Kreisen des Unheils befand. Es war ein weiteres Lehrstück um den Mammon und die Moral. Er wurde verstörend, regelwidrig und böse ausgetrickst.

Für den nächsten Tag hatte Rezell zwei Jeeps mit ihren Fahrern organisiert. In den frühen Morgenstunden fuhren er und seine Gäste in Richtung Atlantikküste zum Grundstück. Neben Roman und Harald war überraschenderweise auch Sabine mit zwei weiteren Interessenten aus Frankreich dabei. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt kamen sie in den Ort Itapipoca, hier nahmen sie kleine Snacks zu sich, deckten sich mit Essen und Getränken ein und fuhren dann weiter bis zum Fluss Rio Mundau. Um auf das Grundstück mit den gewaltigen Dünen zu kommen, mussten sie erst den ca. 80m breiten Fluss überqueren. Kurz bevor der Rio Mundau in den Atlantik fließt, warteten zwei junge und kräftige Männer im flachen Wasser mit ihrem Floß auf die Fahrzeuge. Sie legten Planken zurecht und der erste der beiden Jeeps fuhr auf die zusammen gebundenen Baumstämme. Mit riesigen Stangen stießen sich vom Grund des Bodens ab und überquerten den nur eineinhalb Meter tiefen Fluss. Auf der anderen Seite angekommen, legten sie wieder die Planken zurecht und der Jeep fuhr vom Floß. Danach kehrten sie wieder zurück und mit demselben Prozedere wurde auch der zweite Jeep mit seinen Passagieren auf die andere Seite des Flusses gebracht. Erlebnisse bzw. Abenteuer ähnlicher Art gehörten zu Rezells Repertoire um Kaufinteressenten zu beeindrucken. Ca. 1 km von der Flussmündung entfernt befand sich ein kleiner Hain mit Palmen, hier legten sie ihre mitgebrachten Handtücher in den Schatten zurecht, zogen sich aus und stürzten sich mit ihren Badesachen ins Meer. Allen voran Roman, der mit dem Schwimmen und Tauchen nicht mehr aufhören wollte. 28 Grad Außentemperatur, glasklares Wasser, Sonne pur, leichter Wellengang und am Horizont ein grandioses Spiel der Farben. Nach und nach kamen alle wieder an den Strand zurück, legten sich für einige Zeit zum Sonnen auf die Handtücher und nahmen dann ein Picknick zu sich. Danach gab Rezell seinen Gästen ein Zeichen, wieder in die Jeeps einzusteigen, er würde jetzt die Umgebung und weitere Highlights zeigen. Sie fuhren den bis zu 60 Meter hohen Dünen hoch und oben angekommen hielten sie an und blickten auf ein umwerfendes Panorama. Was sie sahen, war das ganz große Kino. Auf der Rückseite der Dünen führte ein Weg ins Landesinnere, in ein Paradies. Überall eine üppige Vegetation mit Blumen und deren Blütenpracht, mit exotischen Pflanzen, Gemüse und Obstbäumen, mit Palmen, kleinen Teichen, Süßwasserquellen und dazwischen die Hütten der Bauern und der Fischer. Laut Rezell sollte sich an dem Anblick des Paradieses nichts ändern, alles, was man sah, werde behutsam und ökologisch in das Projekt mit eingebunden. Die Fahrt ging dann wieder zurück zum Fluss Rio Mundau und Rezell zeigte auf einen imaginären Grenzstein des zwei Millionen qm großen Grundstücks. Begrenzt wurde es zum Teil vom Verlauf des Flusses, vom Strand, den Dünen und von einer alten Ziegelei. Mit dem Floß wurde wieder der Fluss überquert und bei hereinbrechender Dunkelheit erreichten sie ihr Hotel in Fortaleza. Bei einem gemeinsamen Essen wurde nochmal über die gesammelten Eindrücke gesprochen und ein Termin für die Abwicklung des Kaufvertrages in Deutschland gemacht. Am nächsten Morgen flogen Roman und Harald zurück nach Frankfurt.

Zwischendurch holte Romans Bekannter Alexander, Vorstandsmitglied einer großen Bank, Auskünfte über Rezell ein. Die Antworten seiner verschiedenen Geschäftsbanken waren fast identisch, dass es sich bei Rezell um einen guten Freund und langjährigen Kunden dieser Bank handele. Er sei hier gut bekannt und genieße einen ausgezeichneten moralischen Ruf, wodurch verschiedene Touristik- und Immobiliengeschäfte gefördert wurden. So habe er zahlreiche städtische Erweiterungsbauten, Hotels, Wohnungen usw. errichtet. Er ist sehr aktiv auf internationalem Niveau und für Handelsgeschäfte sehr zu empfehlen.

Hatte es bei Roman je Zweifel und Bedenken gegeben, jetzt wurden sie restlos ausgeräumt. Drei Wochen später war es dann soweit, Rezell kam mit seinem Anwalt nach Deutschland, sie wurden in einem edlen Landgasthof einquartiert und am Abend wurde ein Fest mit einem opulenten Ritteressen ausgerichtet. Eingeladen waren auch zahlreiche Freunde und Bekannte aus Romans Kreisen, der eine oder der andere Wichtigtuer aus der Politprominenz und die Presse. Roman und Rezell unterschrieben feierlich den Kaufvertrag und die Anwälte der beiden Parteien zeichneten als Zeugen gegen. Danach überreichte Rezell im Blitzlichtgewitter der Presse an Roman den genehmigten und unterschriebenen General-Bebauungsplan für das Projekt >Neues Atlantis<. Dabei waren auch verschiedene Satellitenfotos, die das Grundstück mit seinen Dünen, den Strand, das Meer und das Landesinnere zeigten. Der anschließende Bericht der Presse hatte eine Lawine losgetreten, plötzlich wollten zahlreiche Leute aus dem In- und Ausland Informationen über das Projekt haben, sie würden gerne Kapital investieren und sie seien auch an dem Kauf von Grund und Boden interessiert. Zwischenzeitlich erhielt Roman aus Brasilien seinen Eintrag ins Grundbuch, dass es sich hierbei um eine Fälschung handele, wusste er zum damaligen Zeitpunkt nicht. Er gründete eine weitere Firma, stellte einen Mitarbeiter ein und wurde von Rezell zum offiziellen Repräsentanten für Gesamteuropa ernannt. Ausgenommen war das Land Spanien. Er bereiste alle möglichen Länder, hielt Vorträge und war mit sich und dem Rest der Welt im Reinen. Mittlerweile hatte auch Alexander, sein Banker Blut geleckt und flog mit Roman nach Brasilien, um sich vor Ort über das geplante Projekt und den Baubeginn zu informieren. Beide bezogen in einem 5-Sterne-Hotel am Strand von Ipanema ihre Zimmer und genau wie mit Roman und Harald zuvor, wurde Rezell wieder zum perfekten Gastgeber, er lud seine Gäste zu erlesenen Speisen und Getränken ein. Allerdings blieb dieses Mal der Besuch in einem Luxus- Bordell außen vor, stattdessen führte Rezells Anwalt Alexander und Roman in einen Club der privilegierten Millionäre. Am Pool wurden sie von sambatanzenden Schönheiten und ihren Verlockungen empfangen und führten dann bei einem Barbecue der Spitzenklasse ihren Smalltalk. Später stieß Rezell dazu und machte die Mitteilung, dass ein Besuch der Dünen und des Grundstücks morgen aus zeitlichen Gründen nicht per PKW möglich sei, vielmehr hätte er einen Flug mit einem Heli-kopter organisiert. Am nächsten Morgen fuhr er mit seinen Gästen zum Flughafen von Fortaleza, wo sie bereits vom Piloten erwartet wurden. Eine Stunde später überflogen sie das riesige Gebiet mit den Dünen und ihren schneeweißen Sand, sie sahen, wie sich die Wellen des Meeres auf den Strand zubewegten, sahen auf die zahlreichen türkisfarbenen Süßwasserlagunen, auf die verstreuten Hütten der Fischer und Bauern, auf einen Teil des Landesinneren und Rezell erklärte noch den Grenzverlauf des Gebietes. Aus der Luft sahen sie auch, dass am Rand der Grundstücke das eine oder das andere Baufahrzeug stand, aber von den angekündigten Bauarbeiten war weit und breit nichts zu sehen. In Nähe der Flussmündung am Rio Mundau setzte dann der Helikopter am Strand auf und der Pilot gab zu verstehen, dass er spätestens nach 30 Minuten wieder zurück fliegen müsse. Auf Romans Frage, weshalb von den zugesagten Bauarbeiten nichts zu sehen sei, hatte Rezell bereits eine passende Antwort parat: wegen der Dünen müsse nachträglich noch ein geologisches Gutachten gefertigt werden, dann würde es endlich mit dem Baubeginn losgehen. Die im Generalbebauungsplan angegebenen Richtwerte stimmten nicht mit denen des Statikers überein und müssten überarbeitet werden. Es sei nur eine reine Formsache und eine Abschrift des Gutachtens mit der beglaubigten Übersetzung werde er nachreichen. Die Begründung von Rezell war für Roman o.k. und er dachte, bei dem riesigen Komplex des Projektes kann es vermutlich immer wieder mal zu Störungen kommen. Zwischenzeitlich nutzte Alexander die verbleibende Zeit, zog seine Sachen aus, sprang in das Meer, schwamm ein paar Runden und guckte dann auf das opulente Bühnenbild der Dünen. Roman legte seine Schuhe ab, krempelte die Hosenbeine hoch, hing seinen Gedanken nach und lief barfuß im seichten Wasser auf und ab.

Erst viele Jahre später rief er sich nochmal die heutigen Bilder ab und wusste dann, was ihn hätte warnen müssen. Es war das suspekte Verhalten von Rezell, wie er während des Wartens auf den Rückflug sich ständig nervös umguckte und als erster im Helikopter verschwand. Und erst nach verdammt langen Jahren konnte er die damalige Reaktion von Rezell deuten, hätte ihn einer der Fischer oder der Bauern erwischt, sie hätten ihn gelyncht. Rezell hatte rechtswidrig Indianerland verhökert und gab an, er sei der rechtmäßige Besitzer. Leider kamen das Wissen und die Erkenntnisse für Roman viel zu spät und das Inferno war nicht mehr aufzuhalten.

Immer noch von den Eindrücken und den Bildern des heutigen Tages tief beeindruckt, war für Alexander klar, er wollte zusammen mit Roman beim Projekt >Neues Atlantis< mitwirken. Zurück in Fortaleza kam es bei einem Essen nochmal zu einem Gespräch mit Vertretern der zuständigen Behörden und dem Gouverneur. Unter anderem wurde auch die Angelegenheit mit der geologischen Untersuchung besprochen bzw. bestätigt. Danach flogen sie mit der Abendmaschine zurück nach Rio, Rezell musste sich nach der Landung um weitere Kaufinteressenten kümmern und Roman und Alexander hatten für den nächsten Tag einen Rückflug nach Deutschland gebucht.

Das Interesse der Investoren am Projekt >neues Atlantis< wuchs stetig und Roman wollte sich jetzt mit weiterem Kapital ein größeres Stück vom Kuchen sichern. Hängen geblieben ist er bei einem gewissen Olszewski von der Firma >Central Agency und Trustee for International and Credit-Banks<. Und schon war er mittendrin in einer Welt voller Abgründe. Er musste sich mit fiesesten Monstern auseinandersetzen, plötzlich befand er sich in einem intensiven und beklemmenden Nervenkrieg und wurde in eine apokalyptische Stimmung versetzt. Die Schattenseiten seines Traums vom Erfolg und Wohlstand wurde in ein grelles Licht getaucht und die ewige Party endete in einer Katastrophe. Dramaturgisch gesehen stellte er sich selbst ein Bein.

Auf Büttenpapier geschrieben, das Firmenzeichen in Gold geprägt, erhielt Roman von Olszewski für das Projekt >Neues Atlantis< ein Angebot über einen Bau- und Grundstückskredit in Höhe von 43 Millionen Schweizer Franken. In einem dreiseitigen Pamphlet wurden die Bedingungen für einen Kredit dargestellt, die Konditionen für die Provision des Vermittlers und die Zinsen festgelegt, dass hinter der Kreditsumme eine Versicherungsbürgschaft stehe und die Garantiestellung durch die IAfF über London erfolgen solle. Beide Vertragsparteien sicherten sich über die Vorgänge eine absolute Vertraulichkeit und Verschwiegenheit zu und alle Verhandlungs- Ergebnisse seien vertraulich zu behandeln. Und dann wären noch 70.000.- DM für die Bürgschaftskosten zu zahlen und zwar im Voraus. Des Weiteren müsse Olszewski nach Fortaleza fliegen um vor Ort entsprechende Auskünfte einzuholen. Die Kosten für den Flug, Hotel und Verpflegung gingen ebenfalls zu Romans Lasten. Bevor er den Vertrag unterschrieb, holte er Auskünfte über die Firma Central Agency and Trustee for International and Credit-Banks ein. Es gab keine Auffälligkeiten, zudem stand er seit einiger Zeit mit einem Professor von der Deutschen Entwicklungs-Förderungsgesellschaft im Kontakt, der ebenfalls bei der Firma eine größere Kreditsumme beantragte. Zwar kam es bis jetzt noch zu keiner Auszahlung, aber der Professor hätte schon die Zusage von der bürgschaftsgebenden Versicherung erhalten. Roman schickte darauf seinen Mitarbeiter und Olszewski nach Brasilien und nach Rückkehr der beiden lag das positive Ergebnis ihrer Recherchen für die auszahlende Bank schriftlich vor. Danach hatte Rezell nochmal sein Projekt wuchtig inszeniert, Roman zahlte im Voraus die 70.000,- DM für die Beschaffungskosten und unterschrieb den Kreditvertrag. Bei Nichtzustandekommen des Vertrages würde die Summe wieder an ihn zurückgehen. So die schriftliche Vereinbarung. Drei Wochen später erhielt er per Post die Versicherungsbürgschaft aus London und brachte sie umgehend zu seiner Bank. Sein Banker überflog die Unterlagen und gratulierte ihm herzlich. Danach fuhr Roman in sein Büro zurück und ließ die Korken knallen. Zwei Stunden später rief ihn sein Banker an, er müsse nochmal wegen einer wichtigen Angelegenheit in die Bank kommen. Als er vor seinem Banker stand und ihm frostig mitgeteilt wurde, die Unterlagen von der Versicherungsbürgschaft seien gefälscht, kollabierte alles in ihm und dann erfolgte die absolute Schockstarre. Erst viele Stunden später schaffte er es Olszewski anzurufen, der aber war bereits weg und hatte sich nach Thailand abgesetzt. Am nächsten Tag ging Roman zum Staatsanwalt und stellte eine Strafanzeige wegen Betruges. Geld weg, Olszewski weg, dies war der erste Teil des noch folgenden Debakels.

Und dann kam es richtig knüppeldick, plötzlich interessierte sich die Justiz für ihn. Man unterstellte Roman, dass er vermutlich Gelder von Investoren und Kapitalgebern für das Projekt >Neues Atlantis< auf sein eigenes Konto in der Schweiz verschwinden ließ. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Ermittler einen Beleg von der Bank de Societe in Genf. Auf einer Reise in die Schweiz hatte er damals auf Empfehlung von Rezell ein Konto eröffnet und 87 Schweizer Franken eingezahlt. Und schon hatte er den Makel von einem Nummernkonto an der Backe. Alles was Roman zu seiner Verteidigung sagte, wurde von der Staatsanwaltschaft als schwammig und als Lügengespinst abgetan. Verfälscht und manipuliert geriet er in die Mechanismen der Justiz, in die gnadenlose Spirale der Macht. Er wurde zum Schatten seiner selbst. Erst durch den Wechsel zu einem anderen Anwalt kam wieder Bewegung in die festgefahrene Situation. Endlich hatte Roman jemanden mit >Eiern in der Hose< an seiner Seite. Der Anwalt ging mit voller Breitseite auf den Staatsanwalt los, er würde nur einseitig ermitteln und hätte seine Aufklärungspflicht massiv verletzt. Er hielt ihm vor, der Amtsermittlungsgrundsatz verpflichte dazu, alle zur Aufklärung des Sachverhaltes dienliche Ermittlungen anzustellen. Roman hatte bei seiner Vernehmung den Staatsanwalt aufgefordert nach Brasilien zu fliegen um die wahren Gründe aufzuklären. Lapidar bekam er die Antwort: Nie und nimmer würde er für einen Flug die Genehmigung kriegen, aber Rezell könne ja zu einer Vernehmung nach Deutschland kommen und man würde ihm freies Geleit zusichern. Rezell kam natürlich nicht, weshalb sollte er auch. Laut seiner Aussage gingen ihm Romans Probleme buchstäblich am Arsch vorbei und er denke nicht daran, seine kostbare Zeit mit der Staatsanwaltschaft in Deutschland zu verbringen.

Romans Anwalt ging jetzt in die Vollen, er wollte den Staatsanwalt wegen unterlassener Aufklärungspflicht anzeigen und eine Dienstaufsichtsbeschwerde hinterher schicken. Zufälligerweise hielt sich zum damaligen Zeitpunkt Professor Nectaro aus Sao Paulo in Deutschland auf, unter anderem auch um mit Roman über verschiedene Dinge in Brasilien zu sprechen. Für das Projekt >Neues Atlantis< hatte er diverse Gutachten über die Beschaffenheit der Grundstücke gefertigt. Als er von den Einwohnern über die wahren Grundstücksbesitzverhältnisse informiert wurde, hatte er sich umgehend von Rezell wegen Betruges getrennt. Nachdem er von Romans Debakel hörte, machte der Professor in Deutschland vor der Staatsanwaltschaft seine wichtige Aussage. Beim Gespräch mit Roman rückte er gemäß seinen Kenntnissen über Rezell einige Dinge gerade bzw. hatte ihn vor weiteren Folgen und nicht nur über die der Grundstücksgeschichten gewarnt. Jeder verstellt sich, alle betrügen alle, keiner sagt die Wahrheit. Seiner Meinung nach würde die Wahrheit einfach zurück gelassen, willkürlich verbogen oder umgangen. Gesprochen hatte er auch über das allgegenwärtige Korruptionsgerangel in den Politikerkreisen und weshalb sie Rezell fördern und unterstützen. Danach erfolgte bei Roman der totale Absturz, er befand sich im freien Fall, er fiel so tief wie ein Mensch nur fallen konnte. Seine Firmen gingen in Konkurs, die Ehe geschieden und bis auf wenige Ausnahmen hatte er auch keine Freunde mehr. Ursprünglich wollte Roman mit nichts und niemandem mehr über sein Debakel sprechen, er wollte ganz einfach die Vergangenheit begraben. Erst viele Jahre später war er wieder bereit darüber zu reden und bat mich seine Geschichte zu Papier zu bringen. Immer wieder war er kurz davor, nach Brasilien zu fliegen und Rezell zur Strecke zu bringen. Barbara, seine jetzige Lebensgefährtin, hielt ihn davon ab, ihr Credo: Gerechtigkeit ist gut, kalte Rache ist besser, und irgendwann würde auch die Zeit der Abrechnung kommen. Mittlerweile übernahm eine Top Anwaltskanzlei aus Holland Romans Anliegen, um mit weiteren Geschädigten gegen Rezell vorzugehen.

Die Geschichte vom >Neuen Atlantis< wurde zur >never-ending-Story<, immer wieder kam es zu neuen Überraschungen und Wendungen. Niemand hatte mit weiteren Ebenen, doppelten Böden und Winkeln gerechnet. Nach fast 30 Jahren wurde noch immer kein Stein zum Bauen gesetzt, Rezell suhlte sich weiterhin in seiner Scheinwelt, bis es zum Ende seines Größenwahns kam.

Die Ereignisse in dieser Geschichte wurden zunehmend rau, hart, radikal, brutal und packend. Plötzlich befindet sich das Projekt >Neues Atlantis< mit seinen Initiatoren im Fadenkreuz des brasilianischen Geheimdienstes ABIN, der COAF (Ministerium für Finanzen) und der Bundespolizei. Es bestehe der Verdacht der Geldwäsche, der Steuerhinterziehung und der internationalen organisierten Kriminalität. Auch gibt es eine gemeinsame polizeiliche Untersuchung in der Schweiz, Italien und in Frankreich. In den Kreisen der internationalen Mafia-Jäger war Rezell kein Unbekannter. Die COAF analysierte die finanziellen Transaktionen von Rezell und kam zu der Schlussfolgerung, seine Geldbewegungen stünden im krassen Gegensatz zu seinem Einkommen. Es sei absurd zu glauben, er könne die Projektkosten in Höhe von 15 Milliarden Dollar stemmen. Mehr denn je kamen dann die Behörden zu der Überzeugung, nur die Mafia wäre imstande eine Summe in dieser exorbitanten Höhe aufzubringen. Das Projekt >Neues Atlantis< sei geradezu prädestiniert, um für die Mafia Geld zu waschen. Ein Mafia-Jäger aus der Schweiz setzte sich auf Rezells Spur und beschuldigte ihn, er würde das durch den Drogenhandel gewonnene Geld der italienischen Mafia und des Terrorismus >recyceln<. Bei seinen Recherchen stieß er auch auf ein Geflecht von weiteren 26 Firmen, die er Rezell zuordnen konnte und jede dieser Firmen seien die beste Voraussetzung um Geld zu waschen. Auffällig sei auch gewesen, dass das Vermögen von Rezell innerhalb von 10 Monaten um weitere

30 Millionen Dollar anwuchs, peu à peu hatte er das Geld von Spanien nach Brasilien transferiert. Trotz der Ungeheuerlichkeit gab es zunächst in der Öffentlichkeit keine weiteren Kommentare. Eine Armada von Top Anwälten verstand es immer wieder, dank der Unterstützung vieler korrupter Politiker die Vorwürfe der Behörden zurückzuweisen. Und plötzlich wurde der Mafia-Jäger selbst zum Gejagten. Er verlor sich in einer Welt bizarrer Bedrohungen. Sein Leben und das seiner Familie war nicht mehr sicher und er musste sich als einsamer Kämpfer im korrupten System zurückziehen.

Mittlerweile gehen in Brasilien junge ambitionierte Staatsanwälte massiv gegen die Korruption aus allen Gesellschaftsschichten vor. Sie kümmern sich um Finanzverbrechen im Land und es kam zu einer wahren Hatz auf Politiker und Konzerne. Landauf, landab agieren bestechliche Politikerkasten, raffgierige Beamte und Unternehmer, die sich schwarzer Kassen bedienen. Es hatte zur Folge: viele der engagierten Ermittler wurden immer wieder von ihren Chefs gestoppt, sie wurden bedroht und einige ermordet. Bis dato fehlten bei Banken, Behörden, Wirtschaftsprüfer, Rechnungshöfen und Staatsunternehmen durchschlagende Kontrollmechanismen, es gab keine Rechenschaftspflichten. Über viele Monate hatten die Fahnder gegen internationale Geldwäscher ermittelt und erst 2014 wurde allen klar, dass sie gegen ein riesengroßes, systemweites Netzwerk vorgehen, das bis in die Spitzen der Politik reicht.

Nach und nach erkannten die Ermittler, dass bei Projekten verschiedenster Art über Jahre hinweg ganz selbstverständlich drei Prozent der Vertragssumme abgezweigt wurden und das Geld über internationale Geldwäscher weiter geschleust wurde. Skrupel, Moral, Bedenken? Die gab es nicht. Politiker aus allen großen Parteien waren in den Skandal verwickelt, beispielsweise konnte ein Abgeordneter nicht nachvollziehbar erklären, wie er an Nummernkonten voller Millionen in der Schweiz gekommen war. Von nun an setzten die Fahnder weit oben in der Hierarchie an. Ein Teil der Elite glaubte über den Gesetzen zu stehen. Geständigen Korrupten boten sie eine umfangreiche Kronzeugenregelung an und so brachen sie das Kartell des Schweigens auf. Nunmehr sitzen Senatoren, Oligarchen und andere überführte Mächtige in den Gefängnissen. Mit einem brasilianischen Baukonzern wurde eine spektakuläre Vereinbarung getroffen, wenn die Chefs umgerechnet 250 Millionen Euro zahlen und die Namen der korrupten Politiker nennen, können sie mit einer milderen Strafe rechnen. Zu früheren Zeiten wäre Gegendruck von der Politik gekommen, gegen den die Ermittler nicht hätten bestehen können. Und Karrieren wären beendet worden.

Die Untersuchung der Strafverfolgungsbehörden machte auch nicht vor dem Projekt >Neues Atlantis< halt. Der Präsident der Umweltbehörde wurde wegen betrügerischer Berichte von der Bundespolizei festgenommen und zu 32 Jahren Haft verurteilt. Die Aufgabe der Behörde ist, Berichte über die Umweltverträglichkeit zu erstellen, Umweltressourcen mit ihren Wechselwirkungen darzustellen und die Durchführung des Projektes charakterisieren. Die Initiatoren vom >Neuen Atlantis< sahen sich schon kurz vor dem Ziel, nunmehr mussten sie mit dem Ärgernis leben, dass es keine Baugenehmigung gab. Ein Großteil des von Rezell, bzw. von der spanischen Investorengruppe beanspruchten Geländes, insbesondere der sensible Bereich mit den Dünen, wurde zum Schutzgebiet ausgewiesen. Trotz vieler anhänglicher Gerichtsverfahren machten die Spekulanten weiter, dass es keine Bewilligungen für den Baubeginn gab, interessierte sie nicht wirklich, sie buhlten jetzt unter den Namen Eco-City-Resort um Investoren.

Seit über zwei Jahrzehnten wurde das Gebiet der Tremembé-Indianer mit 120 Familien von der spanischen Investorengruppe >Neues Atlantis< mit seinem Präsidenten Rezell den Eingeborenen streitig gemacht. Es ist der althergebrachte Lebensraum des indigenen Volkes der Temembré. Obwohl die Indianer seit Jahrhunderten ihr Stammesland bewohnen, stellten die Investoren die Behauptung auf, sie seien keine Indianer, sondern nur Zugezogene und hätten kein Recht auf das Land. 2002 erschien die Investorengruppe aus Spanien mit Plänen in der Hand bei den Einwohnern und teilte ihnen mit, sie hätten das Land gekauft und scheibchenweise an verschiedene Konzerngesellschaften übertragen. Sie kamen mit irgendwelchen Dokumenten und sagten zu ihnen, dass sie jetzt aus ihren Häusern vertrieben werden. Danach herrschte unter den Temembré-Indianern nur noch die blanke Panik, ihr Land war bis dato noch nicht kartographiert und jeder der kam und sagte, dass er der Besitzer sei, gab sich als Eigentümer aus. So auch Rezell, der das Land besetzte und noch zu Zeiten des Militärregimes in Brasilien auf dubiose Art und Weise zu seltsamen Befugnissen kam und deshalb glaubte, er könne die Indianer vertreiben. Rezell hatte auf das Land Wertpapiere ausgegeben und später wurde vom Gericht festgestellt, dass die ausgestellten Sicherheiten keinen rechtlichen Wert hätten und verfassungswidrig seien. Bis zu diesem Zeitpunkt und bevor das rechtskräftige Urteil erging, hatten die Indianer keine Kenntnisse über ihre rechtlichen Möglichkeiten, ließen sich von massiven Drohungen einschüchtern und Rezell nutzte es eiskalt aus. Die Gruppe der Investoren befiehlt und zerstört. Die Ureinwohner versuchten jetzt ihr Problem in der Öffentlichkeit vorzutragen, aber weil sie Indianer sind, wurden sie am Sprechen gehindert. Es ist die Schreckensvision einer amoralischen und gleichgültigen Gesellschaft.