Verlag: Luzifer-Verlag Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Der Tod steckt im Detail E-Book

Martin Krist  

4.91666666666667 (36)
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E-Book-Beschreibung Der Tod steckt im Detail - Martin Krist

Tausende begeisterte Leser! Ein Polizist mit einer Knarre am Kopf. Ein Kronzeuge auf der Flucht. Ein Weichei als Killer. Und ein Hausdrache, der endlich Urlaub macht. - Dreizehn Mal Hochspannung vom Berliner Thriller-Autor Martin Krist. Exklusiv: der brandneue Kommissar Kalkbrenner-Fall - Der Tod steckt im Detail. ------------------------------------------------------------------- »Martin Krist ist der wirklich böse Bube unter den deutschen Thriller-Schreibern." [Claudia Keikus, Berliner Kurier] »Ein kleiner Leckerbissen für Fans von Martin Krist und für alle anderen eine gute Gelegenheit, den 'bösen' Buben aus Berlin in seiner Vielseitigkeit kennen zu lernen!" [Lesermeinung] »Martin Krist kann es auch kurz und spannend. Zugreifen!" [Lesermeinung]

Meinungen über das E-Book Der Tod steckt im Detail - Martin Krist

E-Book-Leseprobe Der Tod steckt im Detail - Martin Krist

Der Tod steckt im Detail

13 kriminelle Geschichten

Kommissar Kalkbrenner ermittelt

Impressum

Deutsche Erstausgabe Copyright Gesamtausgabe © 2015 LUZIFER-Verlag Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Cover: Michael Schubert

Dieses Buch wurde nach Dudenempfehlung (Stand 2015) lektoriert.

ISBN E-Book: 978-3-95835-098-4

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Inhaltsverzeichnis

Der Tod steckt im Detail
Impressum
Teil 1
Der Tod steckt im Detail
Erste Hilfe
Urlaub
Schwätzer!
Nicht reden, handeln!
Berliner Fritten sind die besten
Teil 2
Töten
Chefsache
Dortmunds Domina 09
Der Anruf
Schöner Gruß
Für immer
Grenzen
Teil 3
Fluch
Die Prinzessin
Beseelt
Über den Autor

Teil 1

Crime Scene Berlin

Der Tod steckt im Detail

Prolog

Denk nach!

Kriminalhauptkommissar Kalkbrenner starrt auf die Pistole, deren Mündung auf seine Nase zielt.

Lass dir was einfallen!

Stattdessen denkt er an seine Tochter. Jessy ist im sechsten Monat schwanger. Vor wenigen Stunden erst hat sie ihm voller Freude ein neues Ultraschallbild gezeigt.

Verdammt, konzentrier dich!

Ihm fällt nichts ein, nicht einmal eine seiner Weisheiten, die er Meine kleinen Helferlein nennt, ein unerschöpflicher Fundus an Ratschlägen, die ihn seit Jahren durch den Berufsalltag begleiten.

Die Wahrheit ist: Nichts kann einen auf eine solche Situation vorbereiten. Das Einzige, was hilft, ist –

Nicht bewegen!, ermahnt er sich. Er schluckt. »Hören Sie …«

»Schnauze!«, brüllt der Mann, und die Pistole in seiner Hand zuckt.

Kalkbrenners Herz klopft. Der Schweiß bricht ihm aus. Wieder muss er an seine Tochter denken. Die Vorstellung, dass er ihr Baby nicht mehr erleben wird, verkrampft ihm den Magen.

Er atmet schwer. »Wir sollten …«

»Ich sagte, Sie sollen die Schnauze …« Ein polterndes Geräusch lässt den Mann innehalten. Er schaut zur Tür.

Los doch!

Kalkbrenner macht einen Satz. Ein Schuss peitscht.

- 1 -

Kalkbrenners Blick irrte durch das Grand Rocka. Trotz der späten Abendstunde waren alle Tische in der Kneipe am Hackeschen Markt besetzt. Seine Tochter und ihren Freund konnte er in der plappernden Menschenmenge allerdings nicht entdecken.

Na toll!

Wahrscheinlich hatten die beiden sich bereits wieder auf den Heimweg gemacht, nachdem er zur verabredeten Zeit nicht aufgetaucht war, sich nicht gemeldet hatte und –

»Paps?«

Er drehte sich um.

Jessy und ihr Freund betraten die Kneipe. »Du hast dich verspätet?«

»Ihr euch etwa auch?«

»Nein, aber Leif und ich haben uns gedacht, dass du …«

»Also ich nicht«, unterbrach Leif, »das möchte ich klarstellen.«

»Ja, stimmt«, Jessy kicherte, »und deswegen schuldest du mir jetzt ein Abendessen.«

»Moment mal«, Kalkbrenner musterte seine Tochter, »du hast gewettet, dass ich …«

»Ach, Paps, es war einfach zu verlockend.«

»Und naheliegend, wenn man weiß, dass ich Bereitschaft habe.«

»Freu dich doch, dass ich dich so gut kenne.« Lachend drückte ihm Jessy einen Kuss auf die Wange. »Wollen wir uns nicht endlich setzen?« Sie strich über ihren kugelförmigen Bauch. »Ich habe einen Bärenhunger.«

»Du hast ständig Bärenhunger«, seufzte Leif.

Jessy verpasste ihm einen Stoß. »Ich muss ja auch für zwei essen.«

»Klingt, als geht es dir gut«, stellte Kalkbrenner fest.

»Klar, mir und dem Kleinen geht es gut.« Sie hatte einen freien Tisch erspäht. »Worauf wartet ihr?«

Kalkbrenner folgte seiner Tochter und ihrem Freund. Er setzte sich ihnen gegenüber. »Und was ist so wichtig, dass ihr euch noch heute unbedingt mit mir treffen wolltet?«

»Das habe ich dir gerade gesagt.«

- 2 -

Burkhart, den alle nur Burki nannten, riss es vor Freude vom Stuhl. »Hab ich's nicht gesagt?« Er klatschte seinem Kumpel die Hand auf den Rücken. »Verdammt, ich hab's dir gesagt, Chris, das hab ich, oder?«

»Himmel, Burki, ja«, stöhnte Chris, »aber das ist noch lange kein Grund, mir alle Knochen zu brechen.«

»Aber ich hab's dir gesagt, oder?« Burkis Stimme überschlug sich. »Der Tipp war heiß, der war so verdammt …«

»Ey, Mann«, rief einer der alten, schnauzbärtigen Männer, die auf den Stühlen hinter ihnen hockten, ihre Wettscheine in der einen Hand, qualmende Zigaretten in der anderen. »Krieg dich wieder ein!«

»Wohl neidisch, was?«

»Auf deinen lahmen Gaul?« Der Mann grunzte. »Ganz sicher nicht.«

»Wirst schon sehen.«

»Täte ich gerne, wenn du mir nicht die Sicht versperren würdest.«

Lachend ließ sich Burki zurück auf seinen Stuhl fallen. »Ich hab euch gesagt, gegen Damascus kommt heute …« Seine Stimme erstarb, als er seinen Blick wieder auf die Bildschirme richtete, die das Derby von der Trabrennbahn in Marienfeld übertrugen.

»Verdammt!«, fluchte Burki.

Der Mann hinter ihm lachte. »Wie war das? Gegen Damascus …«

»Halt bloß den Mund«, zischte Burki, der sich plötzlich in einen schlechten Traum versetzt fühlte.

Was soll der Mist?

Vor wenigen Sekunden noch hatte Damascus vorne gelegen. Jetzt war er nur noch Zweiter, nein, Dritter und –

»Komm schon«, feuerte Burki ihn an, »los, verdammt …« Die Pferde erreichten die Zielgerade. Damascus fiel auf den vierten Platz. Den fünften. »Los doch, los, los, los!« Burki heulte auf. »Oh verdammt, nein!«

Die Bildschirme verschwammen vor seinen Augen, und das lag nicht an dem Zigarettenqualm, der durch das Wettbüro waberte. Damascus war als Sechster ins Ziel gelaufen.

Burki zerknüllte seinen Wettschein und warf ihn wütend von sich.

»Gewonnen!«, sagte Chris.

Überrascht sah Burki seinen Kumpel an.

Der strahlte übers ganze Gesicht. »Hast du gehört? Ich hab gewonnen.«

»Du hast nicht auf Damascus gesetzt?«

»Nur gut, dass ich nicht auf dich gehört habe.«

»Aber der Tipp …«

»Dein Tipp war scheiße!«, knurrte Chris, bevor er zum Schalter eilte, seinen Wettschein vorlegte und sich seinen Gewinn auszahlen ließ. Fröhlich pfeifend zählte er das Geld, bevor er es in seine Hosentasche stopfte.

Auf dem Weg raus auf die Herrmannstraße sagte er: »Komm, Burki, ich lad dich auf einen Drink ein.« Er grinste. »Heute ist mein Glückstag.«

»Sehr witzig.«

»Willst du oder nicht?«

Burki presste die Lippen aufeinander und folgte seinem Kumpel bis zur Eckklause. Die Kneipe war eine dreckige Spelunke, deren Wirt die Fenster, die Tische und Stühle kurz nach der Wende das letzte Mal geputzt zu haben schien. Drinnen war es finster und staubig wie in der Hölle, aber die Drinks waren eisgekühlt und billig.

Genau richtig für einen verdammten Tag wie heute.

Dabei war der Tipp, den Burki erhalten hatte, heiß gewesen. Sehr heiß, hatte man ihm versprochen, sehr, sehr heiß. Also hatte er sich noch einmal Geld geliehen, alles auf Damascus gesetzt, mit dem guten Gefühl, dass schon bald –

»Hast du gehört?«, fragte Chris.

Burki schreckte aus seinen Gedanken auf. »Was?«

»Der Typ vor der Eckklause, der mit den langen Haaren und dem Ledermantel, kennst du den?«

Burkis Puls beschleunigte sich.

»Sieht aus, als warte er auf dich.«

Burki wirbelte herum, rannte los, geradewegs in die Arme eines Muskelpakets, das sich unbemerkt angeschlichen hatte.

- 3 -

Kalkbrenner war irritiert. Was genau hatte seine Tochter ihm gerade gesagt? Und was sollte daran so wichtig sein? »Ich habe keine Ahnung …«

»N'Abend«, unterbrach ihn die Kellnerin, die an ihren Tisch trat. »Sie wünschen?«

»Einen Fish-Burger mit Fritten«, rief Jessy, und noch ehe ihr Freund ihre Bestellung kommentieren konnte, verpasste sie ihm einen weiteren Stoß.

Kleinlaut murmelte Leif: »Für mich einen Barbecue-Burger.«

»Und ich nehme die Pasta«, sagte Kalkbrenner. Er wartete, bis die Kellnerin verschwunden war. »Jessy, was hast du mir gerade gesagt?«

»Hast du mir nicht zugehört?«

»Natürlich, aber …« Erneut rief er sich ihre Unterhaltung in Erinnerung, von seiner Verspätung angefangen über Jessys Wette mit ihrem Freund bis hin zum Bärenhunger. Kurzweiliger Small Talk, aber nichts von Bedeutung. »Geht es um Paris?«

Seine Tochter studierte Kunst und hatte vor kurzem ein Stipendium in der französischen Hauptstadt erhalten. Nach der Geburt des Babys wollte sie mit Leif dorthin ziehen. »Davon habe ich nichts gesagt.«

»Dann weiß ich nicht, was du meinst.«

Mit einem Lächeln gab Jessy ihrem Freund einen Wink. Leif kramte ein Briefkuvert aus seiner Jackentasche und legte es auf den Tisch.

Kalkbrenner betrachtete den Umschlag.

»Nun mach schon auf«, sagte Jessy.

Er öffnete das Kuvert und zog ein kleines Blatt Papier heraus. Es entpuppte sich als ein Ultraschallbild. Erst als Kalkbrenner den schwarzen Schemen betrachtete, fielen ihm Jessys Worte wieder ein.

Mir und dem Kleinen geht es gut.

Er löste seinen Blick von dem Bild. »Ist es das, was ich …?«

»Ja, Paps.«

»Es wird tatsächlich ein Junge?«

Jessy nickte aufgeregt.

Kalkbrenners Blick verschwamm. Hastig wischte er sich die Tränen aus dem Augenwinkel. Er holte Luft. »Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«

Lachend ergriff Jessy seine Hand. »Paps …« Sie wurde vom Klingeln seines Handys unterbrochen.

Für ein, zwei Sekunden dachte Kalkbrenner daran, den Anruf zu ignorieren. Doch er hatte Bereitschaft heute Abend. Und eines seiner kleinen Helferlein lautete: Was nicht zu ändern ist, ist nicht zu ändern. Er griff nach dem Telefon.

Es war Sera Muth. »Ein Raubüberfall«, sagte seine Kollegin, »in einem Spätkauf in der Falkensteinstraße in Kreuzberg.«

»Was hat die Mordkommission damit zu tun?«

»Es gab vier Tote.«

Kalkbrenner legte auf. Die Kellnerin servierte das Essen.

Jessy stopfte sich drei Fritten in den Mund. »Die Arbeit?«

»Tut mir leid …«

»Ist schon okay, Paps.«

»Ehrlich?«

»Wie ich schon sagte: Ich kenn dich doch.« Ihr Blick fand seinen Teller. »Und wenn du deine Pasta nicht mehr isst …«

Leif wollte protestieren. Wieder brachte ihn ein Stoß zum Schweigen.

Kalkbrenner nahm das Ultraschallbild in die Hand. »Darf ich es mitnehmen?«

Seine Tochter nickte.

Er schob das Bild in seine Jackentasche. Es wird ein Junge. Wieder wurde er von einem Gefühl überwältigt, das er nicht in Worte fassen konnte. »Ich muss dann mal los.«

- 4 -

Burki wand sich unter dem Griff des Muskelpakets. »Das tut weh.«

»Selber Schuld«, brummte der Typ und seine Pranken gruben sich tief in Burkis Schulter. »Hättest nicht wegrennen sollen.«

»Ehrlich, hatte ich nicht vor.«

»Sah mir nicht danach aus.« Der Hüne packte noch fester zu.

Burki heulte auf. »Bitte, ich …«

»Halt den Mund!«

»Aber …«

»Was hab ich gesagt?« Der Muskelberg erhöhte noch einmal den Druck.

Burkis Stimme erstickte in einem schmerzerfüllten Gurgeln. Sein Kopf flog auf und ab, während seine Augen die Straße nach Hilfe absuchten. Doch weit und breit war kein Mensch zu sehen. Selbst von Chris fehlte plötzlich jede Spur.

Stattdessen erschien der langhaarige Zottel in seinem schwarzen Ledermantel. »Hallo, Burki.«

Burki schrumpfte unter dem finsteren Blick.

»Hat's dir die Sprache verschlagen?«

Burki schüttelte den Kopf. »Nein, Ozzy …«

»Dann sprich!«

»Aber dein … dein …«, Burki vermied es, den Hünen anzusehen, »… er sagte, ich soll …« Seine Stimme erstarb, als sich eine Faust in seinen Magen grub. Magensäure stieg seine Kehle hinauf. Ihm wurde schwarz vor Augen. Der Muskelprotz hielt ihn auf den Beinen.

»Krieg ich mein Geld oder nicht?«, fragte Ozzy.

Burki spuckte Speichel und Magensaft auf den Bürgersteig. »Ich … ich … kann es besorgen … schon bald.«

»Du hast drei Tage.«

»Drei Tage? Das ist …«

»… deine letzte Chance, andernfalls …« Ozzy ließ die Gelenke seiner Finger knacken. »Verstanden?«

Burkis Kopf hob und senkte sich wie von selbst. Der Hüne ließ ihn los. Nur mit Mühe hielt er sich auf den Beinen. Ihm war speiübel. Nur am Rande bekam er mit, wie Ozzy und sein Muskelpaket in einem schwarzen SUV davonfuhren.

Eine Hand legte sich auf Burkis Schulter. Erschrocken wirbelte er herum.

- 5 -

Kalkbrenner bahnte sich einen Weg durch die Menschenmenge, die sich in der Falkensteinstraße versammelt hatte. Hinter der Absperrung parkten ein halbes Dutzend Einsatzfahrzeuge, die Transporter der Spurensicherung sowie ein Rettungswagen. Dessen Blaulicht zuckte durch die Kreuzberger Nacht.

Kalkbrenner bückte sich unter das Flatterband hindurch. Seine Kollegin kam ihm entgegen, eine junge Frau mit exotischem Teint, kurzen schwarzen Haaren, Jeans und Kapuzenshirt.

»Ich weiß«, sagte Muth, »du warst mit deiner Tochter verabredet, aber …« Mit einem bedauernden Achselzucken zeigte sie auf den Spätkauf.

Zwischen den mächtigen Altbauten wirkte der kleine Kiosk wie eingepfercht. Im Schaufenster blinkte eine Coca-Cola-Reklame und im Laden wuselten Kriminaltechniker in weißen Ganzkörperoveralls herum.

Kalkbrenner fragte: »Was ist passiert?«

»Vor anderthalb Stunden ging ein Notruf ein«, sagte Muth. »Ein bewaffneter Raubüberfall. Als die Kollegen eintrafen, fanden sie vier Leichen vor, drei Kunden sowie die Ladenbesitzerin. Die Kasse war geplündert. Vom Täter fehlte jede Spur.«

»Ein Täter?«

»Sagt der Zeuge.« Muth richtete ihren Blick auf die Parterrewohnung neben dem Spätkauf. Hinter den Fenstern war in einem der Zimmer ein Streifenbeamter zu erkennen, außerdem ein Rettungssanitäter. Er verarztete einen jungen Mann, der zusammengesunken in einem Rollstuhl kauerte. »Der Sohn der Ladenbesitzerin. Von ihm kam der Notruf.«

»Er wurde angeschossen?«

»Nein, er ist seit einem Motorradunfall querschnittsgelähmt.«

»Aber er hat den Täter gesehen?«

»Gehört«, korrigierte Muth.

Kalkbrenner sah sie fragend an.

»Er steht zur Zeit unter Schock, seine erste Aussage klang entsprechend wirr. Soweit ich ihn verstanden habe, befand er sich zum Zeitpunkt des Überfalls auf dem Weg in den Lagerraum.«

Kalkbrenners Blick folgte der Falkensteinstraße bis zur Kreuzung am Schlesischen Tor. Wegen der vielen Restaurants, Bars und Diskotheken galt die Gegend als angesagter Kiez, noch mehr aber dank der unmittelbaren Nähe zum Görlitzer Park, in dem ungezählte Dealer seit Jahren nahezu unbehelligt Gras und Marihuana verkauften. Das zog nicht nur die Rucksacktouristen an, sondern vor allem Junkies.

Kalkbrenner fragte: »Es könnten also auch zwei oder mehr Täter gewesen sein?«

»Durchaus.«

»Gibt es weitere Zeugen?«

»Bisher nicht.«

»Hast du Beamte losgeschickt, die die Passanten und Gäste in den umliegenden Restaurants und Bars befragen?«

»Natürlich.«

Kalkbrenner nickte zufrieden.

»Möchtest du mit dem Sohn reden?«

»Später.« Er ging zum Transporter der Spurensicherung, schlüpfte in einen Einwegoverall und streifte sich Plastiküberschuhe über. »Vorher will ich mir den Tatort ansehen.«

- 6 -

Burki starrte in das Gesicht seines Kumpels. Der Schmerz in seinem Magen war vergessen. Stattdessen verspürte er Wut. »Verdammt, Chris, wo hast du gesteckt?«

»Na ja«, Chris druckste herum, »die beiden sahen nicht gerade freundlich aus.«

»Was du nicht sagst!« Einem Impuls folgend schaute Burki die Straße hoch und runter, als erwartete er, dass Ozzy und sein Muskelberg jeden Augenblick wieder auftauchten.

Du hast drei Tage.

Burki rieb sich den Magen. »Kannst du mir Geld leihen?«

»Schuldest du denen Geld?«

»Ja oder nein?«

Chris dachte darüber nach. »Also …«

»Du hast doch heute gewonnen.

»… ich bin …«

»Das bist du mir schuldig«, fügte Burki hinzu.

Sein Kumpel warf die Stirn in Falten. »Bin ich das?«

»Du hast mich hintergangen.«

»Was soll das denn heißen?«

»Hab ich dir nicht erklärt, du sollst auf Damascus setzen?«, fragte Burki.

Chris lachte. »Nur gut, dass ich das nicht gemacht habe.«

»Und deshalb …«

»Pass mal auf«, unterbrach Chris und blähte seinen Brustkorb auf, als wollte er Ozzys Hünen Konkurrenz machen, aber dazu fehlten ihm etliche Kilogramm Muskelmasse. »Wenn überhaupt, hast du mich betrogen. Von wegen: Der Tipp ist heiß.«

»Gibst du mir das Geld oder nicht?«

»Wenn du willst, kann ich dir einen Drink spendieren.«

»Weißt du, was du mich mal kannst?« Burki ersparte sich die Antwort und schleppte sich zu seinem Wagen.

- 7 -

Kalkbrenner betrat den Spätkauf, ein kleiner, schlauchförmiger Kiosk, dessen Angebot dem Dutzender anderer in Berlin glich: Der übliche Kleinkram, für den man spät abends gerne noch mal vor die Haustür ging, Zigaretten, Süßigkeiten, Getränke, manchmal auch ein kurzer, freundlicher Schwatz.

Aber nicht zum Sterben, dachte Kalkbrenner, der im Türrahmen stehen blieb, den Blick auf die Leichen zweier junger Frauen gerichtet, die eine blond, die andere brünett, beide nicht älter als 20 oder 21. Blut hatte Teile ihrer Blusen rostig rot getränkt.

In ihren erstarrten Gesichtern glaubte er die Überraschung zu erkennen, die sie verspürt haben mussten, als sie in den Laden gekommen waren, um eine Cola zu kaufen, eine Tafel Schokolade, eine Tüte Chips, was auch immer – und stattdessen in die Mündung einer Waffe geblickt hatten.

Wahrscheinlich aber bildete er sich diese Überraschung auch nur ein, weil der Anblick der toten Mädchen ihn erschütterte. Morde an Kindern und Teenagern hatten ihm schon immer zugesetzt, aber seit seine Tochter schwanger war, machten sie ihm umso mehr zu schaffen.

Reiß dich am Riemen!

Er durchquerte den Raum, in dem die Kriminaltechniker Spuren am Boden und auf den Regalen vermaßen, markierten und fotografierten. Über ihnen durchpflügte ein Deckenventilator die stickige Ladenluft. Es roch nach Metall, Exkrementen. Und Bier.

Der Körper eines älteren Mannes lag in absurd verdrehter Haltung über einem Bierkasten ausgestreckt. Eine der Flaschen war auf die Erde gefallen, geplatzt und zersplittert. Das Bier hatte sich mit Blut vermischt und eine seltsam violette Färbung angenommen.

Hinter der winzigen Kassentheke lag eine korpulente Frau. Unter ihrem schütteren, grauen Haar klaffte ein blutiges Loch in ihrer Stirn.

»Die Ladenbesitzerin Gerda Malikowski«, sagte Muth. »Der Spätkauf gehörte ihrem Mann, der vor neun Jahren starb. Seitdem führte sie den Laden alleine. Beziehungsweise mit Unterstützung ihres Sohnes.«

»Er arbeitet hier?«

»Er war … er ist gelernter Geomatiker. Ein besserer Vermessungstechniker. Seit seinem Motorradunfall ist er arbeitslos.«

Kalkbrenner wandte sich einem der Kriminaltechniker zu. »Was können Sie mir zum Tathergang sagen?«

»Viel ist es noch nicht.«

»Trotzdem!«

»Wir sind erst seit einer halben Stunde vor Ort, aber unter Berücksichtigung der Auffindepositionen der Opfer lässt sich zumindest dies schon jetzt sagen: Der Täter betrat den Kiosk. Er erschoss den älteren Mann mit zwei Schüssen in die Hüfte und in die linke Schläfe. Dann tötete er mit einem Kopfschuss die Ladenbesitzerin hinter der Kasse.«

»Könnte es auch umgekehrt gewesen sein: erst die Frau, dann der Mann?«

»Natürlich, entschuldigen Sie, das hätte ich erwähnen sollen.«

»Was ist mit den beiden Mädchen?«

»Mit großer Wahrscheinlichkeit betraten sie den Laden noch während oder kurz nach den ersten beiden Morden. Das schließe ich aus ihrer Auffindeposition direkt am Eingang und ihren Schussverletzungen von vorne direkt in die Brust. Sie haben den Täter mit ihrem Hereinkommen überrascht.«

Kalkbrenner presste die Lippen aufeinander. So in etwa hatte er sich den Tatablauf bereits gedacht.

»Gibt es einen Hinweis auf den Täter?«, fragte Muth.

Der Kriminaltechniker schüttelte den Kopf. »Wir haben bereits eine Vielzahl Finger- und Schuhabdrücke, Haare, sogar Speichelspuren gesichert, aber wie gesagt, wir stehen erst am Anfang. Außerdem dürfte ein Kiosk wie dieser an einem Ort wie dem Schlesischen Tor erfahrungsgemäß stark frequentiert sein. Insofern werden erst die Analysen Aufschluss darüber geben, welche der Spuren tatsächlich dem Täter zuzuordnen sind.«

»Also können Sie nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um einen oder mehrere Täter gehandelt hat?«, fragte Kalkbrenner.

»Nein, beim besten Willen, wir müssen die Analysen abwarten.«

Kalkbrenner trat einige Schritte zurück, bis er etwa die Mitte des Ladens erreichte. Er stand unter dem Ventilator und genoss die frische Luft, während er seinen Blick durch den Kiosk gleiten ließ.

Auf den Regalen stapelten sich Fernsehzeitschriften, Klopapier, Mikrowellennahrung, Süßigkeiten, Knabberzeug und Getränke, vor allem Bierflaschen. Neben der schmalen Kassentheke surrte ein Tiefkühlschrank. Über den Zigarettenschachteln, die auf einem Regal hinter der Kasse geschichtet lagen, war eine kleine Webcam montiert.

»Ich habe die Kamera schon überprüfen lassen«, sagte Muth, die seinem Blick gefolgt war. »Die Aufzeichnungen wurden auf einem Festplattenrekorder im Büro gespeichert.«

»Wurden?«

»Die Festplatte wurde zerstört.«

»Da ist nichts mehr zu retten«, fügte der Kriminaltechniker hinzu.

Kalkbrenner dachte nach. »Wer immer den Laden überfallen hat, wusste also nicht nur von der Kamera, sondern auch, wo sich der Festplattenrekorder befindet.«

»Es scheint, als kannte er sich im Laden aus«, bestätigte Muth.

»Und der Festplattenrekorder befand sich im Büro? Von wo der Lagerraum abgeht?«

»Ja.«

»In dem sich der Sohn der Ladenbesitzerin versteckt hielt?«

»Er sagte, er sei auf dem Weg dorthin gewesen.«

Kalkbrenner kratzte sich den Kopf. Der Overall knisterte unter seinen Fingern. Ein anderes seiner kleinen Helferlein lautete: Vertraue niemals dem ersten Eindruck. »Jetzt möchte ich mit Herrn Malikowski reden.«

- 8 -

Burki fand eine Parklücke vorm Saturn, direkt gegenüber der Sparkasse am Alex. Er atmete tief durch. Der Schmerz in seinem Magen hatte glücklicherweise nachgelassen. Er trat auf die Straße, während er in seiner Geldbörse nach Münzen für den Parkschein kramte. Er fand nur nutzlose Cents.

Als wenn das dein größtes Problem wäre!

Er ging in die Sparkasse. Vor den Bankautomaten reihten sich die Menschen.

Du hast drei Tage.

Sofort zog sich sein Magen wieder zusammen. Er entnahm seiner Jackentasche ein Feuerzeug und eine Schachtel Lucky Strike.

Eine ältere Dame rümpfte despektierlich die Nase. »Hier ist das Rauchen verboten.«

Burki ignorierte sie.

»Haben Sie nicht verstanden?«

Er setzte zu einer Antwort an. Aus dem Augenwinkel bemerkte er den Security-Beamten, der auf ihn zukam. Fluchend stopfte er die Lucky Strike zurück in die Tasche.

Das Rumoren in seinem Magen nahm zu, während er darauf wartete, dass er endlich an der Reihe war. Endlich schob er seine EC-Karte in den Automaten und wählte die Auszahlung. Er entschied sich für 500 Euro und tippte seine Geheimzahl ein.

Die Maschine verweigerte die Auszahlung.

Burki versuchte es mit 200 Euro. Erneut spuckte der Automat kein Geld aus.

Notgedrungen beließ er es bei 50 Euro. Besser als nichts. Obwohl ihm klar war, dass der Betrag bei weitem nicht ausreichte, um Ozzy zu besänftigen.

Der Automat ratterte. Dann ließ er wissen, dass die Karte eingezogen wurde. Verfügungsrahmen überschritten und –

»Oh verdammt!« Burki schlug auf den Automaten ein.

Der Security-Beamte tauchte auf. »Irgendetwas nicht in Ordnung?«

»Gar nichts ist in Ordnung!«, brüllte Burki und rannte aus dem Gebäude.

Vor seinem Wagen stand eine Politesse und klemmte einen Strafzettel unter den Scheibenwischer.

- 9 -

Kalkbrenner legte seinen Einwegoverall ab, während er seiner Kollegin in die benachbarte Altbauwohnung folgte. In der Diele, deren weiß getünchte Wände mit stilvollen Landschaftsbildern geschmückt waren, wartete der Sanitäter.

Kalkbrenner fragte: »Wie geht es Herrn Malikowski?«

»Er steht unter Schock, aber das ist kaum verwunderlich, seine Mutter wurde vor seinen Augen erschossen.«

»Können wir trotzdem mit ihm reden?«

»Ich habe ihm ein Beruhigungsmittel verabreicht. Sie dürfen ihm einige Fragen stellen, aber …«

»Danke!«, unterbrach Kalkbrenner und ließ den Sanitäter stehen.

Im Wohnzimmer lehnte der Streifenbeamte mit unbewegter Miene am Fensterbrett. Vor einem Holztisch saß Malikowski in seinem Rollstuhl, den Kopf gesenkt. Mit den Fingern klammerte er sich an eine Decke, die ihm über Bauch und Beine ausgebreitet worden war.

»Herr Malikowski«, sagte Kalkbrenner, nachdem er sich vorgestellt hatte, »bitte erzählen Sie mir, was passiert ist.«

Malikowski schaute auf. Sein Gesicht war blass, seine Augen von Tränen gerötet. »Meine Mutter …« Seine Stimme erstarb mit einem Keuchen. Sein Rollstuhl knirschte, als er sich zu einem Glas Wasser auf dem Holztisch vorbeugte. Er trank einen Schluck.

Kalkbrenner wartete geduldig. »Können Sie reden?«

»Ich …« Ein Zittern ging durch Malikowskis Körper. Wasser schwappte über den Glasrand und auf die Decke. »Ich habe doch schon alles Ihrer Kollegin gesagt.«

»Leider müssen Sie es mir noch einmal erzählen, reine Routine.«

»Ich … ich habe doch kaum etwas mitgekriegt.«

»Bitte!«

Malikowski hustete und trank erneut. Er leerte das Glas in einem Zug. »Ich war auf dem Weg in … ins Lager. Da hörte ich plötzlich diesen Typen.«

»Sind Sie sicher, dass es nur ein Mann war?«

»Ich … ich hab nur ihn gehört. Er schrie herum. Und dann …«, Malikowskis Stimme bebte, »… und dann waren da die Schüsse. Immer wieder. Es war so … so schrecklich.«

Kalkbrenner schwieg und betrachtete das Wohnzimmer, das ebenfalls geschmackvoll eingerichtet war. Eine senffarbene Couch, der furnierte Holztisch, darunter ein Perserteppich. An den Wänden hingen weitere Landschaftsbilder in Öl.

Kalkbrenner fragte: »Wie viel Geld wurde aus der Kasse gestohlen?«

»Wie bitte?« Malikowskis Kopf flog wütend empor. »Glauben Sie, das spielt noch eine Rolle? Dieser Scheißkerl hat meine Mutter und … und …« Sein Zorn erlosch so rasch, wie er in ihm explodiert war. Er sackte in sich zusammen. Der Rollstuhl knirschte. Im selben Moment brach auf der Straße vor dem Haus ein Tumult aus.

Ein Pressefotograf war unter der Absperrung hindurchgeschlüpft. Streifenbeamte stürzten sich auf den Mann.

Kalkbrenner fragte: »Ihre Mutter hat gut verdient mit dem …«

»Entschuldigung!«, unterbrach ihn einer der Kriminaltechniker, der mit raschelndem Ganzkörperanzug ins Wohnzimmer trat. »Ich glaube, ich habe da was gefunden.«

- 10 -

Burki bog in die kleine, schmale Allee in Königswusterhausen. Er hielt am Straßenrand, stieg aber nicht aus. Er griff nach den Lucky Strike in seiner Jackentasche. Die Zigarettenschachtel war verschwunden.

»Scheiße!«, fluchte er, wütend auf sich selbst, weil er die Kippen bei seiner Flucht aus der Bank dort hatte liegen lassen.

Als wenn das der einzige Grund ist!

Weil er dem Tipp vertraut hatte. Weil er Geld von Ozzy geliehen hatte. Weil er alles auf Damascus gesetzt hatte.

Und weil du jetzt am Arsch bist!

Er klappte das Handschuhfach auf. Irgendwo mussten Zigaretten sein. Doch statt Lucky Strike fand er die Pistole. Für einen Moment starrte er die Waffe an.

Dann nahm er das kleine Tütchen mit dem weißen Pulver, das daneben lag, und schlug die Klappe wieder zu. Sein Blick glitt über die Straße. Weit und breit war niemand zu sehen. Der Nachmittag ging in den Abend über. Hinter den Fenstern der kleinen, gepflegten Einfamilienhäuser waren die Lichter entflammt.

Er spürte, wie die Verzweiflung ihm die Luft raubte. Es war noch gar nicht so lange her, dass auch er in einem dieser Häuser gelebt hatte. Damals war in seiner kleinen Welt noch alles in Ordnung gewesen.

Du hast drei Tage.

Er wollte nicht daran denken. Trotzdem hatte er das Geräusch knackender Gelenke im Ohr. Mit dem Autoschlüssel schaufelte er das weiße Pulver aus dem Tütchen und schnupfte es in zwei schnellen Zügen weg. Wenig später floss das Koks durch seine Nervenbahnen. Er genoss das Gefühl und versuchte sich zu entspannen. Er stieg aus dem Wagen und durchquerte den Vorgarten, auf dessen Rasen Spielzeugschaufeln, Eimerchen, ein Springseil und ein Fußball verstreut lagen.

Noch ehe er die Klingel drücken konnte, flog die Tür auf. Seine Frau funkelte ihn an. »Was willst du hier?«

»Auch dir einen guten Abend, Emma.«

»Die Kinder sind bei Freunden.«

Er wollte seine Frau auf das Spielzeug hinweisen, das im Garten verstreut lag.

»Dein Besuchstag ist erst in zwei Wochen«, kam sie ihm zuvor.

Er schniefte. »Ich weiß …«

»Außerdem erwarte ich zum Abendessen Besuch.«

»Wen?«

»Spielt das eine Rolle?«

Es lag ein Tonfall in ihrer Stimme, der ihm nicht gefiel. Er rieb sich die Nase. »Wen?«

»Lass es …«

»Wen?«, knurrte er.

Sie seufzte. »Meinen Freund.«

»Deinen Freund?«

»Du wolltest es ja unbedingt wissen.« Sie zuckte mit den Schultern.

Burki spürte Hitze in sich aufsteigen. Und Wut. Das Koks tat sein übriges. »Kaum bin ich also ausgezogen, da …«

»Das ist anderthalb Jahre her!«

»Aber ich dachte …«

»Ach komm«, seine Frau lachte, »wach endlich auf!«

Burki starrte sie an.

»Also, was willst du?«

Er schluckte die gehässigen Worte hinunter, die er ihr entgegenschleudern wollte. Seine Stimme war ein Krächzen. »Mir geht es nicht gut.«

»Was habe ich damit zu tun?«

»Ich brauche deine Hilfe.«

»Steckst du wieder in Schwierigkeiten?«

»Nein, ich …«

»Lüg mich nicht an, du hängst immer noch in den Wettbüros ab, richtig?« Sie wartete seine Antwort nicht ab. »Du hast dich keinen Deut verändert.«

»Kannst du …«

»Nein.«

»Nur dieses eine Mal noch.«

»Nein! Was ist so schwer daran zu verstehen?«

Er ballte die Hände zu Fäusten. »Emma, ich …« Ein Räuspern ließ ihn innehalten. Er drehte sich um.

Im Vorgarten stand ein Mann. »Gibt es ein Problem, Emma?«