Der Trafikant. Königs Erläuterung. - Robert Seethaler - E-Book

Der Trafikant. Königs Erläuterung. E-Book

Robert Seethaler

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Beschreibung

Königs Erläuterung zu Robert Seethaler: Der Trafikant - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation ... - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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EPUB

Seitenzahl: 132




KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 329

Textanalyse und Interpretation zu

Robert Seethaler

DER TRAFIKANT

Von Volker Krischel

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Seethaler, Robert: Der Trafikant. Roman. Ulm: Kein & Aber Pocket, 15. Auflage 2015.

Über den Autor dieser Erläuterung: Arnd Nadolny wurde 1961 in Braunschweig geboren. Er ist verheiratet, hat einen Sohn und ist seit einigen Jahren als Schulbuchautor für verschiedene Verlage tätig. Er ist Lehrer (Studienrat) an den Berufsbildenden Schulen in Burgdorf bei Hannover und unterrichtet die Fächer Deutsch, Englisch und Wirtschaft.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2017

ISBN 978-3-8044-7033-0

© 2017 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: © picture alliance/IMAGNO/Austrian Archives

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Robert Seethaler: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Aufstieg des Nationalsozialismus in Österreich

Wichtige politische Ereignisse in Österreich im Überblick (1933–1938)

Sigmund Freud und die Psychoanalyse

Kurzbiografie von Sigmund Freud

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Chronologie der Handlung

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Franz Huchel

Franz und seine Mutter

Franz und Sigmund Freud

Franz und Anezka

Franz und Otto Trsnjek

Otto Trsnjek

Sigmund Freud

Anezka

Franz Huchels Mutter

Nebenfiguren in Der Trafikant

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Motive, Bilder und Symbole

3.7 Interpretationsansätze

Der Trafikant als Adoleszenzroman

Franz Huchel und die Liebe

Traumzettel und Traumdeutung

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

Äußerungen von Robert Seethaler

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 **

Literatur

Zitierte Ausgabe

Biografie und Biografisches

Über Der Trafikant

Sigmund Freud und Träume

Nationalsozialismus in Österreich

Theaterstück Der Trafikant

Verfilmung

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessanteste gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Robert Seethalers Leben und stellen den zeitgeschichtlichen Hintergrund dar.

Robert Seethaler, am 7. August 1966 in Wien geboren, ist ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler. Er lebt in Wien und Berlin.

Der Roman Der Trafikant (2012) spielt vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus in Österreich 1937/1938.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Der Trafikant – Entstehung und Quellen

Seethaler wollte über Sigmund Freud schreiben und zeigt ihn nun durch die Augen von Franz Huchel im Jahr 1937/1938.

Der Trafikant ist am 30. August 2012 im Verlag Kein & Aber, Zürich, erschienen.

Inhalt:

Österreich im Spätsommer 1937: Der 17-jährige Franz Huchel wird von seiner Mutter aus dem Salzkammergut nach Wien geschickt, um dort als Lehrling von Otto Trsnjek in einer Trafik – einem Tabak- und Zeitungsgeschäft – zu arbeiten. Dort begegnet er Professor Sigmund Freud und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen beiden. Als sich Franz kurz darauf in die Varietétänzerin Anezka verliebt, die seine Liebe nicht erwidert, sucht er bei Professor Freud Rat. Engen brieflichen Kontakt hält Franz auch mit seiner Mutter in Nußdorf. Ohnmächtig fühlen sich die Protagonisten im Roman angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse im nationalsozialistischen Österreich 1938: Otto Trsnjek wird von der Gestapo verhaftet und stirbt. Der Jude Freud flüchtet mit seiner Familie aus Wien. Franz Huchel wird am 7. Juni 1938 von der Gestapo verhaftet. Anezka kommt am 12. März 1945, kurz vor der Bombardierung Wiens, nochmals zur Trafik.

Aufbau, Chronologie und Schauplätze:

Der Roman setzt an einem Sonntag im Spätsommer 1937 in Nuß-dorf (Salzkammergut) ein und erzählt weitgehend chronologisch die Geschichte bis zu Franz’ Verhaftung am 7. Juni 1938 durch die Gestapo in Wien. Schauplätze sind das Salzkammergut (Nußdorf am Attersee) und Wien. Ein Zeitsprung zum 12. März 1945 zeigt Anezka vor der Trafik in Wien.

Personen:

Franz Huchel:

geboren am 7. August 1920

naiv in seiner Offenheit, jedoch nicht dumm

freundet sich mit den jüdischen Professor Sigmund Freud an

verliebt sich unglücklich in die Böhmin Anezka

wird 1938 von der Gestapo verhaftet und verschwindet

Otto Trsnjek:

Trafikant, politisch interessiert, steht zu seiner Meinung

wird von der Gestapo verhaftet und stirbt am 14. Mai 1938

Sigmund Freud:

Jude und berühmter Psychoanalytiker

Kunde in Otto Trsnjeks Trafik

emigriert nach London

Anezka:

20-jährige Böhmin, Tänzerin im Nachtlokal „Die Grotte“

wechselnde Liebschaften, u. a. auch mit Franz Huchel

ist im Leben auf eigenen Vorteil bedacht

Nazi-Bekanntschaft, um sich zu retten

Franz Huchels Mutter:

alleinerziehend

schickt Franz nach Wien, als ihr Gönner Preininger stirbt

pflegt brieflich Kontakt mit Franz

Auch auf die Nebenfiguren im Roman gehen wir ein.

Stil und Sprache

Robert Seethalers österreichisch gefärbte Sprache ist reich an Metaphern. Er verwendet einen humoristischen, lakonischen Erzählstil mit ironischen Tönen. Die Erzählperspektive ist wechselnd, jedoch hauptsächlich aus der Sicht von Franz Huchel in der dritten Person.

Interpretationsansätze

Der Trafikant ist ein historischer Roman über das Erwachsenwerden (Coming-of-Age-Geschichte) im aufkommenden Nationalsozialismus 1937/1938 in Österreich. Auf folgende Themen gehen wir näher ein:

Der Trafikant als Adoleszenzroman,

Franz Huchel und die Liebe,

Traumzettel und Traumdeutung.

2.Robert Seethaler: Leben und Werk

Robert Seethaler (* 1966) © ullstein bild – Ulrich Baumgarten

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1966

Wien/Österreich

Robert Seethaler wird am 7. August in Wien geboren. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und wächst in Favoriten, 10. Bezirk, auf.[1]

Wien

Besuch der Grundschule für Sehbehinderte aufgrund eines angeborenen Augenfehlers (17 Dioptrien). Mit 15 Jahren verlässt Seethaler die Schule.

90er-Jahre

Wien Stuttgart, Hamburg, Berlin

Ausbildung an der Schauspielschule des Wiener Volkstheaters. Anschließend Engagements an diversen Theatern in Deutschland.

Seit 2003

Wien/Berlin

Seethaler verdient seinen Lebensunterhalt als Journalist, Drehbuchautor und Schauspieler in Kinofilmen und im Fernsehen. Einem größeren Publikum wird er u. a. als „Dr. Kneissler“ (2002–2006) in der Serie Ein starkes Team bekannt. Er lebt in Wien und Berlin.

37

2005

München

Verleihung des Tankred-Dorst-Drehbuchpreises der Drehbuchwerkstatt München für den Film Heartbreakin.

39

2006

Wien/Berlin

Seethaler holt das Abitur nach, beginnt ein Studium der Psychologie an der Universität in Potsdam, das er später wieder abbricht.[2] Sein Debüt-Roman Die Biene und der Kurt, für den Seethaler 2007 den Debütpreis des Buddenbrookhauses erhält, erscheint.

40

2008

Wien/Berlin

Veröffentlichung des zweiten Romans Die weiteren Aussichten. Verleihung des Kulturpreises des Landes Niederösterreich und des Alfred-Döblin-Stipendiums der Akademie der Künste in Berlin.

42

2009

Wien/Berlin

Spreewald Literaturstipendium. Grimme-Preis in der Kategorie „Bester Film” für Seethalers Drehbuch zu dem Film: Die zweite Frau. Geburt seines Sohnes Leo.

43

2010

Wien/Berlin

Veröffentlichung des Romans Jetzt wirds ernst.

44

2011

Wien/Berlin

Staatsstipendium der österreichischen Bundesregierung und Stipendium des Heinrich-Heine-Hauses der Stadt Lüneburg.

45

2012

Wien/Berlin

Der Trafikantwird im Verlag Kein & Aber, Zürich, veröffentlicht.

46

2014

Wien/Berlin

Der Roman Ein ganzes Leben erscheint im Hanser Verlag Berlin.

Die Hörbücher Der Trafikant und Nils Holgerson von Selma Lagerlöff, gelesen von Robert Seethaler, werden veröffentlicht.

48

2015

Gelnhausen

2015 erhält Seethaler für Ein ganzes Leben den Grimmelshausen-Preis.

49

2016

London

Ein ganzes Leben wird für den renommierten Man Booker International Prize nominiert.

50

Wien

Buchpreis der Wiener Wirtschaft.

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Robert Seethalers Roman Der Trafikant spielt 1937/1938 vor dem historischen Hintergrund des Austrofaschismus und eines zunehmenden nationalsozialistischen Zeitgeistes in Österreich, der sowohl zu individuellen als auch zu gesellschaftlichen Veränderungen führt. Exemplarisch bekommen dies der Trafikant Otto Trsnjek, sein Lehrling Franz Huchel und der Trafikkunde Professor Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse und Jude, in Wien zu spüren.

Aufstieg des Nationalsozialismus in Österreich

Seethalers historischer Adoleszenzroman[3] spielt in Wien zu der Zeit, als der aufkommende Nationalsozialismus auch in Österreich, der Heimat Adolf Hitlers, immer mehr Anhänger fand (1937/1938).[4]

In Deutschland war die NSDAP unter der Führung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht gelangt, in Österreich errichtete Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im März 1933 unter Ausschaltung des Parlamentes eine austrofaschistische Diktatur. – Der Austrofaschismus in Österreich war eine zwischen 1933 und 1938 entwickelte Ausprägung des Faschismus und orientierte sich inhaltlich am italienischen Faschismus. – Das kleine Österreich wurde in der Folgezeit durch politische und wirtschaftliche Repressalien vom nationalsozialistischen Deutschland konsequent unter Druck gesetzt: Mit der „Tausend-Mark-Sperre“ (27. Mai 1933) mussten deutsche Bürger vor einer Reise nach Österreich 1.000 Reichsmark entrichten, was den Tourismus in Österreich schwer schädigte. Gewalttätige Anschläge und Putschversuche durch nationalsozialistische Kräfte, die den österreichischen Staat zu unterwandern suchten, nahmen zu. Am 25. Juli 1934 („Juliputsch“) stürmten österreichische Nationalsozialisten und als Soldaten des Bundesheeres verkleidete deutsche SS-Leute in das Bundeskanzleramt, wobei Bundeskanzler Engelbert Dollfuß angeschossen wurde und verblutete. Der Putsch misslang letztendlich, rund 4.000 Putschisten wurden festgesetzt und Kurt Schuschnigg wurde anschließend zum Bundeskanzler ernannt.

Auch Schuschnigg sah sich dem fortgesetzten Druck der deutschen Nationalsozialisten ausgesetzt und musste das „Juliabkommen“ (11. 7. 1936) mit Adolf Hitler unterzeichnen: Österreich durfte souverän bleiben, die „Tausend-Mark-Sperre“ wurde wieder aufgehoben, im Gegenzug wurden verbotene deutsche nationalsozialistische Zeitungen in Österreich wieder zugelassen und die inhaftierten Juliputschisten amnestiert, die sich nach ihrer Freilassung reorganisierten. In der Folgezeit gewannen die Nationalsozialisten so stark an Einfluss, dass Schuschnigg auch innenpolitisch immer mehr unter Druck geriet.

Am 12. Februar 1938 fand auf Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden (Oberbayern) eine Unterredung zwischen Hitler und Schuschnigg statt, bei der Hitler Schuschnigg zum Berchtesgadener Abkommen nötigte, das unter anderem der seit 1933 in Österreich verbotenen NSDAP die freie politische Betätigung zusicherte und stärkere Regierungsbeteiligung nationalsozialistischer Politiker vorsah. Da sowohl Italien als auch Großbritannien und Frankreich die Bemühungen Schuschniggs um eine direkte Hilfe gegen Hitler ablehnten, ernannte er wie von Hitler gefordert den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart am 16. Februar zum Innenminister. Am 24. Februar 1938 beschwor Schuschnigg in einer öffentlichen Rede die Unabhängigkeit Österreichs: „Bis in den Tod! Rot-Weiß-Rot! Österreich!“ Kurze Zeit später kündigte Schuschnigg am 9. März überraschend eine Volksabstimmung für den 13. März 1938 über die Unabhängigkeit Österreichs an: „für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich“. Die deutschen Nationalsozialisten setzten den österreichischen Bundeskanzler daraufhin massiv unter Druck und zwangen Schuschnigg zur Absage der Volksabstimmung, während die Mobilmachung des Deutschen Reiches zum Einmarsch in Österreich schon im Gange war. Der Kanzler konnte sich aus dieser ausweglosen Situation nicht mehr befreien und verkündete am 11. März gezwungenermaßen seinen Rücktritt. In Seethalers Text heißt es dazu:

„Es war die letzte Rede des Kanzlers an das Volk, das längst nicht mehr seines war. Von Hitlers massiven Gewaltandrohungen gezwungen, sagte er die Volksabstimmung für ein freies Österreich ab und gab seinen Rücktritt bekannt. [...] Er schloss die Ansprache mit den Worten: ‚So nehme ich denn in dieser Stunde Abschied vom österreichischen Volke mit dem Gruß, der tief aus meinem Herzen kommt: Gott schütze Österreich!’“ (S. 143)

Am 12. März 1938 marschierten deutsche Wehrmacht-, SS- und Polizeieinheiten unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung in Österreich ein, am 13. März 1938 wurde der „Anschluss“ Österreichs und damit die Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich faktisch vollzogen. Bereits in den ersten Tagen nach dem „Anschluss“ inhaftierten die neuen Machthaber unter Mithilfe österreichischer Nationalsozialisten rund 70.000 Menschen, insbesondere in Wien. Darunter waren viele Politiker und Intellektuelle sowie vor allem Juden.

Hitlers Kolonne rollt im März 1938 durch Wien, im Hintergrund das Burgtheater. © ullstein bild – Süddeutsche Zeitung Photo / Scherl

Die Menschen in Österreich reagierten unterschiedlich auf die Ereignisse, die Auswirkungen auf ihre eigene Lebenssituation hatten. Jüdische Mitbürger waren durch die Rassenlehre der Nationalsozialisten aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen: Sie durften nicht arbeiten, Theater- oder Kinobesuche waren ihnen verboten. Wer konnte und die Zeichen der Zeit rechtzeitig deutete, ging – wie Sigmund Freud – ins Exil. Geschäfte, die Juden bedienten, gerieten buchstäblich unter Beschuss, wie Trsnjeks Trafik in Der Trafikant:

„Auf der Theke lagen die Innereien eines oder mehrerer großer Tiere. [...] Zwischen den Glasstücken lag ein abgeschlagener Hühnerkopf und blickte mit bläulichen, toten Augen zu ihm herauf. [...] Schweigend betrachtete er die Angelegenheit: den über den Eingang schief hingeschmierten Schriftzug HIER KAUFT DER JUD! [...].“ (S. 152)

Wer sich der Bevormundung durch die Nationalisten entziehen wollte, riskierte, durch die Gestapo verhaftet zu werden. Das führte vielfach zu einer allgemeinen Verunsicherung in der Bevölkerung, denn mit der „falschen politischen Einstellung“, indem man beispielweise wie Otto Trsnjek in seiner Trafik nach wie vor Juden bediente, konnte es schon der „nette Nachbar von nebenan“ wie Fleischermeister Roßhuber sein, der denunzierte und damit Bürger der Gestapo und dem nahezu sicheren Tod auslieferte.

Trotzdem gab es Einzelpersonen oder Gruppen, die das antisemitische totalitäre gesellschaftliche System mit seinen starren Strukturen ablehnten und deshalb zu zivilem Ungehorsam aufriefen. Ihnen widerstrebte die verordnete Unmündigkeit und Konformität des neuen gesellschaftlichen Gedankenguts: In Der Trafikant sind das exemplarisch Otto Trsnjek, der „Rote Egon“, Heinzi und natürlich auch Franz Huchel.

Wichtige politische Ereignisse in Österreich im Überblick (1933–1938)

1933

März: Der christsoziale österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß errichtet unter Ausschaltung des Parlamentes eine austrofaschistische Regierung.Juni: Verbot der österreichischen NSDAP.

1934

Februar: Bewaffneter Kampf von Sozialdemokraten gegen Regierungstruppen; Verbot der österreichischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).Mai: Gründung der Partei Vaterländische Front unter Führung von Dollfuß als Nachfolgeorganisation der Christlichsozialen Partei.Juli: Gescheiterter Putschversuch der Nationalsozialisten gegen die austrofaschistische Regierung, wobei Dollfuß jedoch ums Leben kommt. Nachfolger von Bundeskanzler Dollfuß wird Kurt Schuschnigg. Inhaftierung von rund 4.000 Nationalsozialisten.

1935

Schuschnigg ist gegen den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und versucht mit Hilfe Italiens Österreichs staatliche Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten. Italien gerät jedoch durch die Eroberung des damaligen Abessiniens in politische Bedrängnis und benötigt Hitlers Rückendeckung, womit Österreich einen wichtigen Schutzherrn seiner Unabhängigkeit verliert.

1936–1938

Mai 1936: Die Vaterländische Front wird zur einzigen legalen politischen Partei in Österreich erklärt.11. Juli 1936: Juliabkommen zwischen Österreich (Schuschnigg) und dem Deutschen Reich (Hitler): Zugeständnisse an die Nationalsozialisten (Amnestie der inhaftierten Putschisten, Aufhebung des Verbotes nationalsozialistischer deutscher Zeitungen), im Gegenzug Zusicherung der Unabhängigkeit Österreichs, Aufhebung der „Tausend-Mark-Sperre“. Der Einfluss der im Zuge des Juliabkommens amnestierten österreichischen Nationalsozialisten wird bis 1938 immer stärker.

1938

12. Februar: