Der Traum von Mann und Frau - Osho - E-Book

Der Traum von Mann und Frau E-Book

OSHO

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10,99 €

Beschreibung

Als C.G. Jung von Anima und Animus sprach, klang das für westliche "psychologische" Ohren geradezu revolutionär. Zu diesem Zeitpunkt war nur wenigen bekannt, dass es in China eine uralte taoistische Schrift gab, die nicht nur die Existenz von Anima und Animus beschrieb, sondern auch Wege aufzeigte, wie der Mensch zu einer Harmonie zwischen diesen beiden, in sich als unvereinbar erlebten Seiten, gelangen kann. Für alle die an der Aufhebung der fixierten Rollenbilder interessiert sind.

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Seitenzahl: 343

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Dieses Buch ist eine gekürzte Version des unten genannten englischen Originaltitels. Alle Osho Diskurse sind als Originale publiziert worden und als Original-Audios erhältlich. Audios und das vollständige Text-Archiv finden sie unter der Onlinebibliothek „Osho Library“ bei www.osho.com

Titel der Originalausgabe:

The Secret of Secrets, Vol. I & II

Ebook-Ausgabe 2020

Umschlaggestaltung: Silke Watermeier

Übersetzung: Prem Nirvano

Copyright © 2005 Osho International Foundation. Alle Rechte vorbehalten

OSHO is a registered trademark of Osho International Foundation, Switzerland, used under license, www.osho.com

Copyright © 2006 Innenwelt Verlag GmbH, Köln, www.innenwelt-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten.

eISBN 978-3-947508-76-1

OSHO

Der Traumvon Mann und Frau

Osho über

die Auflösung

der Dualität

INHALT

1.Gehe vom Handeln zum Nichthandeln

2.Essenz ist deine Mitgift von der Existenz

3.Animus und Anima

4.Auf dem vertikalen Weg das Göttliche finden

5.Klarheit ist männlich, Verstehen ist weiblich

6.Trägheit und Zerstreutheit überwinden

7.Die goldene Blüte öffnet sich

Über den Autor

Gehe vom Handeln zum Nichthandeln

Meister Lu-Tsu sagt:

Das durch sich selbst Seiende nennt man das Tao.

Das Tao hat weder Namen noch Gestalt.

Es ist das eine Wesen, der eine Urgeist.

Die Essenz und das Leben kann man nicht sehen.

Sie sind enthalten im Licht des Himmels.

Das Licht des Himmels kann man nicht sehen.

Es ist enthalten in den beiden Augen.

Das Große Eine wird das genannt, was nichts mehr über sich hat. Das Geheimnis des Lebenszaubers besteht darin, sein Handeln so einzusetzen, dass daraus Nichthandeln wird.

Die Goldene Blüte ist das Licht. Man benutzt die Goldene Blüte als Symbol. Der Satz „Das Blei der Wassergegend hat nur einen Geschmack“ weist darauf hin.

Die Arbeit am Kreislauf des Lichtes beruht ganz auf der rückläufigen Bewegung, sodass die Gedanken eingesammelt werden. Das himmlische Herz liegt zwischen Sonne und Mond.

Das Buch vom Gelben Schloss sagt: „Auf dem zollgroßen Feld des fußgroßen Hauses lässt sich das Leben ordnen. Inmitten des Geviertzolls wohnt die Herrlichkeit. Im Purpur-Saal der Stadt von Jade wohnt der Gott der äußersten Leere und Lebendigkeit.“

Darum stellen sich, sobald das Licht im Kreis läuft, die Kräfte des ganzen Körpers vor seinem Thron ein, ebenso wie wenn ein heiliger König die Hauptstadt festgesetzt und die Grundordnung geschaffen hat, alle Staaten mit Tributgaben nahen; oder wie wenn der Herr ruhig und klar ist, die Knechte und Mägde von selbst seinen Befehlen gehorchen und jedes seine Arbeit tut.

Darum braucht ihr nur das Licht in Kreislauf zu bringen, das ist das höchste und wunderbarste Geheimnis.

Das Licht ist leicht zu bewegen, aber schwer zu fixieren.

Wenn man es lange genug zirkulieren macht, dann kristallisiert es sich. Das ist der Zustand, von dem es heißt: „Schweigend fliegst du des Morgens empor.“

Bei der Durchführung dieses Grundsatzes braucht ihr nach keinen anderen Methoden zu suchen, sondern müsst einfach die Gedanken darauf sammeln.

Durch das Sammeln der Gedanken kann man fliegen und wird im Himmel geboren.

Die Goldene Blüte ist das Lebenselixier.

Obwohl es sehr präzise funktioniert, ist es dennoch so fließend, dass es äußerste Intelligenz und Klarheit und äußerste Vertiefung und Stille erfordert.

Menschen ohne diesen höchsten Grad an Intelligenz und Einsicht finden den Weg nicht; Menschen ohne diese äußerste Aufnahmefähigkeit und Stille können es nicht festhalten.

Eine Parabel: Es war einmal ein sehr reicher Zauberer, der eine große Menge Schafe besaß. Doch dieser Zauberer war auch sehr geizig. Weder wollte er Schafhirten einstellen noch einen Zaun um seine Weidegründe ziehen. Daher verirrten die Schafe sich oft im Wald, stürzten in tiefe Schluchten, und vor allem rannten sie davon, denn sie wussten, dass der Zauberer hinter ihrem Fleisch und ihrem Fell her war, und das gefiel ihnen gar nicht.

Schließlich fand der Zauberer ein Hilfsmittel. Er hypnotisierte die Schafe und suggerierte ihnen als Erstes, dass sie unsterblich seien und dass ihnen kein Leid dadurch geschehe, dass ihnen das Fell abgezogen werde, dass es ihnen im Gegenteil sehr gut tun würde, ja, dass es ein Vergnügen sei.

Als Zweites suggerierte er ihnen, dass er, der Zauberer, ein so guter Herr sei, der seine Herde so sehr liebe, dass er bereit sei, alles in der Welt für sie zu tun. Und als Drittes suggerierte er ihnen, falls ihnen je wirklich etwas zustoßen würde, so wäre es auf jeden Fall nicht jetzt, nicht an diesem Tag, und deshalb brauchten sie sich darüber keine Gedanken zu machen.

Weiterhin suggerierte der Zauberer den Schafen, sie seien überhaupt keine Schafe. Einigen suggerierte er, sie wären Löwen, anderen, sie wären Adler, und wieder anderen, sie wären Menschen, und einigen, sie wären Zauberer. Danach brauchte der Zauberer sich keine Sorgen mehr um die Schafe zu machen. Sie liefen nicht mehr weg, sondern warteten geduldig auf den Moment, da er ihnen das Fell abziehen würde.

George Gurdjieff liebte diese Parabel. Seine ganze Philosophie ist in dieser kleinen Parabel enthalten. Sie spiegelt den Menschen in seinem normalen unbewussten Zustand wider. Schöner lässt sich der Mensch – so, wie er ist –, nicht darstellen: Der Mensch ist eine Maschine.

Der Mensch wird nicht dazu geboren, eine Maschine zu sein, aber der Mensch lebt wie eine Maschine und stirbt wie eine Maschine. Der Mensch trägt in sich den Samen, dass sein Bewusstsein sich zu einer großartigen Blüte entfaltet; der Mensch trägt in sich die Möglichkeit, Gott zu werden; aber das geschieht nicht. Es geschieht deshalb nicht, weil der Mensch hypnotisiert worden ist – von der Gesellschaft, vom Staat, von den organisierten Kirchen, vom Establishment. Die Gesellschaft braucht Sklaven und der Mensch wird nur so lange ein Sklave bleiben, wie ihm nicht erlaubt ist, zu seiner äußersten Blüte heranzureifen. Die Gesellschaft braucht euer Fleisch und euer Fell, und das gefällt natürlich keinem. Somit also ist der ganze Prozess der Sozialisation, der Zivilisation nichts als eine sehr tiefe Hypnose.

Der Mensch wird vom Augenblick seiner Geburt an hypnotisiert. Er wird dahingehend hypnotisiert, dass die Gesellschaft zu seinen Gunsten, zu seinem Wohl bestünde. Das ist völlig gelogen. Er wird weiterhin so hypnotisiert, dass er unsterblich sei. Das ist er nicht. Er kann es sein, aber er ist es nicht. Und wenn die Hypnose weiter besteht, wird er niemals unsterblich.

Du lebst nur deshalb als Sterblicher, weil du im Körper lebst: Der Körper wird sterben. Was geboren wird, muss sterben; die Geburt ist der Beginn des Körpers und der Tod sein Ende. Kennst du irgendetwas in dir, das mehr ist als der Körper? Hast du je etwas erfahren, das höher ist als der Körper, tiefer als der Körper? Hast du je etwas in dir gesehen, das bereits da war, bevor du geboren wurdest? Wenn du das gesehen hast, bist du unsterblich. Wenn du dein Gesicht kennst – dein ursprüngliches Gesicht, das Gesicht, das du hattest, bevor du geboren wurdest – dann weißt du, dass du auch nach dem Tod da sein wirst; sonst nicht.

Der Mensch kann ein Unsterblicher sein, aber der Mensch lebt vom Tod, und zwar deshalb, weil er mit seinem Körper identifiziert ist. Die Gesellschaft erlaubt dir nicht, mehr als deinen Körper zu kennen. Die Gesellschaft ist nur an deinem Körper interessiert – er kann ihren Zwecken dienen; deine Seele ist gefährlich. Ein Mensch mit Seele ist immer gefährlich, denn ein Mensch mit Seele ist ein freier Mensch. Er lässt sich nicht zu einem Sklaven reduzieren. Ein Mensch mit einer unsterblichen Seele vertraut sich vor allem der Existenz selbst an, vertraut sich Gott selbst an. Die von Menschen geschaffenen Strukturen der Gesellschaft, der Zivilisation, der Kultur sind ihm völlig egal. Das sind Gefängniszellen für ihn. Er lebt nicht als Christ oder Hindu oder Muslime. Er kann nicht Teil der Masse sein. Er lebt als Individuum.

Der Körper ist Teil der Masse, die Seele nicht. Die Seele ist rein individuell. Ihr Aroma ist eines der Freiheit. Aber auf dem Marktplatz steht die Seele nicht zu Diensten. Die Gesellschaft braucht nur den Körper. Und die Gesellschaft fühlt sich bedroht, wenn jemand anfängt, nach seiner Seele zu streben, denn dann verändert sich sein Interesse. Dann wird man introvertiert, statt extrovertiert; man begibt sich nach innen.

Die Gesellschaft ist außen, sie will, dass du extrovertiert bleibst, dich für Geld, Macht, Prestige und dergleichen interessierst, sodass deine Energie nach außen gerichtet bleibt. Wenn du beginnst, dich nach innen zu wenden, dann heißt das, dass du ein Aussteiger geworden bist, dass du das Spiel, das draußen gespielt wird, nicht mehr mitspielst, dass du nicht dazugehörst. Dann fängst du an, dich tief in dein eigenes Sein zu versenken. Und dort befindet sich die Quelle der Unsterblichkeit. Die Gesellschaft hindert dich daran, nach innen zu gehen. Und am besten geht das dadurch, dass sie dir die falsche Vorstellung gibt, dass du bereits nach innen gingest.

Der Zauberer sagte zu den Schafen, sie seien Löwen, er suggerierte ihnen, sie seien unsterblich, er hypnotisierte sie zu glauben, dass sie nicht nur menschliche Wesen, sondern sogar große Zauberer wären.

Wenn ihr in die Kirche geht, geht ihr nicht nach innen; wenn ihr in den Tempel geht, geht ihr nicht nach innen. Aber die Gesellschaft hat euch hypnotisiert zu glauben, dass ihr, wenn ihr nach innen gehen wollt, in die Kirche gehen müsst. Aber die Kirche ist genau so sehr außen wie alles andere. Die Gesellschaft hat dich dahingehend hypnotisiert, dass du, wenn du nach innen gehen willst, zum Priester gehen musst. Und der Priester ist ein Agent des Staates und der Gesellschaft. Die Priester sind zu allen Zeiten gegen die Mystiker gewesen, denn wenn du zu einem Mystiker gehst, wirst du wirklich anfangen, nach innen zu gehen. Ein Mystiker lebt auf eine völlig andere Art und Weise. Seine Energie hat eine andere Gestalt: Sein Strom fließt nach innen. Wenn man also zu einem Mystiker kommt, sich auf den Mystiker einstimmt, wird man auf eine natürliche, einfache, spontane Art anfangen, nach innen zu fließen. Das ist der ganze Sinn und Zweck, bei einem Meister, bei einem Mystiker zu sein.

Das Geheimnis der Goldenen Blüte ist eine der esoterischsten Abhandlungen der Welt. Es wird dir den Weg weisen, wie du mehr als nur der Körper werden kannst. Es wird dir den Weg weisen, wie du über den Tod hinausgehen kannst. Es wird dir den Weg weisen, wie du zum Erblühen kommst – wie du es schaffst, nicht der Same zu bleiben, sondern zur goldenen Blüte zu werden. Was wir in Indien den „Tausendblättrigen Lotus“ nennen, wird in China die „Goldene Blüte“ genannt. Es ist ein Symbol. Die Blüte steht für Vollendung, Ganzheit. Die Blüte steht für den äußersten Ausdruck, die völlige Verwirklichung des Potenzials. Die Blüte steht für die Schönheit, die Großartigkeit, die Herrlichkeit des Seins. Und solange du noch kein tausendblättriger Lotus oder eine goldene Blüte geworden bist …

Und bedenke, es ist ein weiter Weg! Bedenke, dass du den Fallen entrinnen musst, die die Gesellschaft um dich her aufgestellt hat. Bedenke, dass du bisher die Arbeit, für die du auf diese Erde gekommen bist, noch nicht erledigt hast. Bedenke, du bist erst ein Same und noch keine Seele.

Diese Abhandlung, Das Geheimnis der Goldenen Blüte, ist uralt, vielleicht die älteste der Welt, sicher fünfundzwanzig Jahrhunderte alt, vielleicht sogar älter. Sie vereinigt in sich alles Schöne aus allen Traditionen der Welt. Jahrhundertelang wurde der Inhalt nur mündlich überliefert und das Buch blieb esoterisch. Es war der Öffentlichkeit nicht zugänglich, denn es enthält eine sehr geheime Lehre. Sie war nur den Wahrheitssuchern zugänglich. Erst wenn die Zeit reif war, gab der Meister sie an den Schüler weiter, denn sie gibt einem ein derartig machtvolles Geheimnis, dass zwangsläufig schädliche Wirkungen eintreten müssen, wenn man es nicht richtig versteht, wenn man falsch damit umgeht. Es muss richtig verstanden werden, und es darf nur in der Gegenwart eines Meisters damit gearbeitet werden. Es ist eine machtvolle Technik – so machtvoll wie Atomenergie.

Die Geheimnisse der Atomenergie werden heute vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Wenn sie einmal anfangen, an die Öffentlichkeit durchzusickern, entsteht große Gefahr. Wenn sich die Leute privat Atombomben basteln könnten, würde das zwangsläufig in ein heilloses Chaos ausarten. Deshalb wahrt die Atomforschung höchste Geheimhaltung. Auf ganz genau die gleiche Art und Weise lehrt dieses Buch eine der machtvollsten Methoden der inneren Explosion. Jahrhundertelang wurden die Geheimnisse gehütet – wurden sie den Schülern nur insgeheim, unter vier Augen anvertraut. Und alle, die dieser spezifischen esoterischen Schule folgten, widerstanden jeder Versuchung, das Buch zu schreiben. Jahrhundertelang wurde also Das Geheimnis der Goldenen Blüte nur mündlich weitergegeben.

Warum habe ich mich dazu entschlossen, darüber zu sprechen? – Damit es weiter wachsen kann. Es ist eine so wunderbare Botschaft an die Welt, es sollte nicht sterben. Ich möchte es wiederbeleben. Und jetzt kann ich zu Menschen sprechen, die Wahrheitssucher sind, die zu mir gekommen sind und bereit sind zu sterben, um wiedergeboren zu werden, die bereit sind, für ihr Erblühen zu sterben. Das Samenkorn muss sterben, nur dann kann es wachsen; das Samenkorn muss vergehen, nur dann kann der Baum entstehen. Ich werde zu euch über dieses kleine, aber ungeheuer wertvolle Buch sprechen, sodass das Buch wieder lebendig werden kann. Zwischen mir und euch kann es wieder lebendig werden. Es kann wieder ins Fließen kommen. Es steckt etwas ungeheuer Wichtiges darin; wenn ihr es versteht und es praktiziert, wird es euch bereichern.

Aber als Erstes müsst ihr verstehen, dass ihr hypnotisiert worden seid und dass ihr durch einen Enthypnotisierungsprozess gehen müsst. Bedenkt, dass ihr konditioniert wurdet und dass ihr dekonditioniert werden müsst. Bedenkt, dass der Tod kommt. Und glaubt nicht etwa, dass es heute wohl noch nicht geschehen kann; es kann jederzeit geschehen. In der Tat geschieht alles, was geschieht, immer jetzt.

Der Same stirbt jetzt, die Knospe wird jetzt zur Blüte, der Vogel beginnt jetzt zu rufen. Alles, was je geschieht, geschieht nur in dem Zeitraum, der durch das Jetzt, durch diesen Augenblick ermöglicht wird. Nichts geschieht je in der Vergangenheit, und nichts geschieht je in der Zukunft. Alles, was je geschieht, geschieht in der Gegenwart – nur auf diese Weise kann überhaupt etwas geschehen. Denn es gibt keine andere Zeit als die Gegenwart.

Die Vergangenheit ist nur eure Erinnerung, und die Zukunft ist nur eure Vorstellung. Aber ihr seid dazu hypnotisiert worden, in der Vergangenheit zu leben, und ihr seid dazu hypnotisiert worden, in der Zukunft zu leben. Ihr könnt wählen, entweder die Vergangenheit oder die Zukunft! Aber keine Gesellschaft gestattet euch, in der Gegenwart zu leben.

Die Christen und die Hindus und die Muslime erziehen euch dazu, in der Vergangenheit zu leben. Ihr goldenes Zeitalter liegt in der Vergangenheit. Die Kommunisten, die Sozialisten, die Faschisten erziehen euch dazu, in der Zukunft zu leben. Ihr goldenes Zeitalter liegt in der Zukunft – das Tausendjährige Reich kommt erst noch. Wenn erst mal die Revolution kommt, werdet ihr wirklich leben können, dann kommt das goldene Zeitalter! Entweder führt man euch in die Vergangenheit – und die ist erfunden – oder in die Zukunft, und die ist auch erfunden. Keine Gesellschaft bringt euch bei, in der Gegenwart, im Hierjetzt, zu leben.

Ein Sannyasin zu sein, ein echter Sucher zu sein, bedeutet, hierjetzt zu leben – und es gibt kein anderes Leben. Aber dafür werdet ihr euch de-automatisieren müssen, müsst ihr Mensch werden und keine Maschine. Und ihr müsst ein wenig bewusster werden. Ihr seid nicht bewusst.

Ich saß einmal an der Seite eines Sterbenden – er war an der gleichen Universität Professor wie ich. Er war auf der Höhe seiner erfolgreichen Karriere, da kam der Herzinfarkt – er kommt immer auf dem Höhepunkt der Karriere. Dem Erfolg folgt immer der Herzinfarkt. Was erwartet ihr sonst danach? Er hatte also einen Herzinfarkt und lag im Sterben. Ich ging zu ihm. Er war tieftraurig – wer will schon sterben? – und er war voller Qual und Verzweiflung. Ich sagte zu ihm: „Keine Angst, du wirst nicht sterben!“

Er sagte: „Was redest du da? Die Ärzte … alle Ärzte sagen, dass keine Aussichten mehr bestehen. Wie kommst du also darauf, dass ich nicht sterben werde?“

Ich sagte: „Zunächst einmal kannst du nicht sterben, weil du gar nicht gelebt hast. Du hast die Grundvoraussetzung zum Sterben nicht erfüllt. Diese fünfundfünfzig Jahre bist du geschlafwandelt, hast du geträumt, hast du nicht gelebt. Ich habe dich jahrelang beobachtet.“

Er war geschockt – er wurde ärgerlich, so ärgerlich, dass er einen Moment lang den Tod ganz vergaß. In seinen Augen flackerte der Ärger und er sagte: „Behandelt man so einen Sterbenden? Kannst du nicht ein wenig höflich sein? Warum gehst du so hart mit mir ins Gericht? Ich liege im Sterben, und du hältst mir philosophische Vorträge – ‚Du hast nicht gelebt‘! Ist dies der Augenblick, solche Dinge zu sagen?“

Ich hörte ihm schweigend zu. Ich wurde einfach total still. Da verschwand seine Wut, und Tränen traten ihm in die Augen und er begann zu weinen. Er hielt meine Hand voller Liebe in seiner, und schließlich sagte er: „Vielleicht hast du recht. Ich habe nie gelebt. Vielleicht bist du ja gar nicht grob, sondern einfach nur ehrlich. Ich kenne niemanden anders, der mir das gesagt hätte.“

Und plötzlich große Dankbarkeit! Und einen Moment lang war er so bewusst, dass man das Licht auf seinem Gesicht hätte leuchten sehen können – es war da, er war ganz Aura. Und er dankte mir. In dieser Nacht starb er. Ich blieb bis zum letzten Augenblick bei ihm.

Und er sagte: „Wenn du nicht bei mir gewesen wärest, hätte ich auch meinen Tod verpasst, so wie ich mein Leben verpasst habe. Aber ich sterbe bewusst. Wenigstens über eins bin ich glücklich – ich sterbe nicht unbewusst!“ Und sein Tod war schön. Er starb ganz ohne Bedauern, er starb entspannt. Er starb fast mit einem Willkommen im Herzen, er starb voller Dankbarkeit. Er starb voller Andacht. Sein nächstes Leben wird von einer anderen Qualität sein. Wenn der Tod so schön ist, bringt er dir ein neues Leben. Aber man muss jeden einzelnen Augenblick leben, ganz gleich, ob er von Leben, Liebe, Ärger oder Tod geprägt ist. Ganz gleich, wie er ist, man muss jeden Augenblick so bewusst wie möglich leben.

Der zerstreute Professor ging zum Friseur, um sich die Haare schneiden zu lassen. Er setzte sich in den Frisierstuhl, behielt aber seinen Hut auf.

„Könnten Sie wohl Ihren Hut abnehmen?“, sagte der Friseur.

„Oh, Entschuldigung, ich hatte gar nicht bemerkt, dass Damen anwesend sind.“

Beobachte deine eigene Zerstreutheit! Wenn du sie beobachtest, erzeugt das Aufmerksamkeit in dir. Beobachte, was in dir geschieht: Gedanken ziehen vorbei, Erinnerungen tauchen auf, eine Wolke von Ärger, eine dunkle Nacht voller Traurigkeit oder ein wunderschöner Morgen voller Freude. Beobachte alles, was in dir geschieht. Werde immer aufmerksamer. Langsam und allmählich wirst du zu einer einzigen Wachsamkeit. Und die Methode, die von dem Geheimnis der Goldenen Blüte gelehrt wird, ist genau dies: Wie du eins wirst mit deinem inneren Licht.

Aber bevor wir auf die Verse eingehen, hier kurz die Geschichte dieses Buches. Das Buch entstand in einem esoterischen Kreis in China. Der Begründer des Kreises soll der bekannte taoistische Weise Lu Yen gewesen sein. Wo erhielt Lu Yen seine geheime Schulung? Er selber schreibt die geheime Lehre dem Meister Kuan Yiu-hsi zu, für den Laotse gemäß der Überlieferung sein Tao Te King niederschrieb.

Laotse schrieb sein Leben lang nie eine Zeile. Er lebte sehr lange, aber als er den Tod nahen fühlte, verließ er China auf einem Wasserbüffel. Warum auf einem Wasserbüffel? Seine ganze Lehre war es, wie der Lauf des Wassers zu werden.

Er sagte, man solle wie Wasser sein – strömend, fließend, frisch, sich immer auf den Ozean zubewegend. Man solle wie Wasser sein – sanft, feminin, empfänglich, liebevoll, gewaltlos. Man solle nicht wie ein Felsbrocken sein. Der Felsen scheint sehr stark zu sein, ist es aber nicht; und das Wasser scheint sehr schwach zu sein, ist es aber nicht. Lass dich niemals von äußeren Erscheinungen täuschen. Am Ende siegt das Wasser über den Felsen, wird der Felsen zerstört, wird er zu Sand und ins Meer gespült. Letztendlich vergeht der Felsen – im Gegensatz zum sanften Wasser.

Der Felsen ist maskulin, er ist der männliche Verstand, der aggressive Verstand. Das Wasser ist feminin, sanft, liebevoll, ganz und gar nicht aggressiv. Aber das Nichtaggressive gewinnt. Das Wasser ist immer bereit sich anzupassen, aber durch diese Anpassung erobert es – das ist die Methode der Frau. Die Frau passt sich immer an und erobert dadurch. Und der Mann will erobern, aber schließlich und endlich muss er doch nur die Waffen strecken, sonst nichts. Daher wählte Laotse einen Wasserbüffel, als er das Land verließ. Wohin ging er? Er ging in den Himalaja, um sterbend in dessen ewige Schönheit einzugehen.

Der echte Mensch versteht zu leben und versteht zu sterben. Der echte Mensch lebt total und stirbt total. Der echte Mensch lebt in Segen und stirbt in Segen.

Laotse wollte in das absolute Alleinsein des Himalaja gehen. Aber an der Grenze wurde er abgefangen.

Der Mann, der ihn am letzten Wachtposten der chinesischen Grenze erwischte, war Meister Kuan Yiu-hsi, der Wächter des letzten Grenzpostens. Und Kuan Yiu-hsi überredete Laotse: „Du wirst bald sterben. Jetzt verlässt du das Land für immer, und bald wirst du deinen Körper verlassen. Bitte, schreib nur ein paar Worte auf, sonst erlaube ich dir nicht, das Land zu verlassen. Diesen Preis musst du zahlen.“ Drei Tage musste Laotse in Kuan Yiu-hsis Hütte sitzen, und dort schrieb er das Tao Te King.

Die Überlieferung vom Geheimnis der Goldenen Blüte soll auf Lu Yen zurückgehen. Lu Yen selbst schreibt sie dem Meister Kuan Yiu-hsi zu, für den Laotse sein Tao Te King geschrieben haben soll. Auf diese Weise also ist die Überlieferung von der Goldenen Blüte mit Laotse verbunden.

Dieses Buch vom Geheimnis der Goldenen Blüte ist eine der ewigen Quellen, durch die man wieder lebendig werden kann, durch die man wieder die Pforte zum Ewigen finden kann.

Meister Lu Tsu sagt:

Das durch sich selbst Seiende nennt man das Tao.

Das Wort Tao bedeutet im Grunde „der Weg“. Über das Ziel kann nichts gesagt werden. Das Ziel bleibt ungreifbar, unsagbar, unaussprechbar. Aber über den Weg lässt sich etwas sagen. Daher haben die Taoisten niemals Worte wie „Gott“, „die Wahrheit“, „Nirvana“ benutzt; ihr Wort ist einfach „der Weg“. Buddha sagt: „Die Buddhas können euch nur den Weg weisen. Wenn ihr dem Weg folgt, werdet ihr zur Wahrheit gelangen.“

Die Wahrheit muss deine eigene Erfahrung sein. Niemand kann die Wahrheit definieren, aber den Weg kann man definieren, der Weg dahin kann erhellt werden. Der Meister kann dir die Wahrheit nicht geben, aber der Meister kann dir den Weg zeigen. Und wenn der Weg einmal da ist, dann brauchst du ihn nur noch zu gehen. Das hat vom Schüler aus zu geschehen. Ich kann nicht für euch gehen und ich kann nicht für euch essen. Ich kann nicht für euch leben und ich kann nicht für euch sterben. Das alles muss man schon selber tun. Aber ich kann euch den Weg zeigen. Ich bin den Weg gegangen. Tao bedeutet einfach „der Weg“.

Das durch sich selbst Seiende nennt man das Tao.

Diese Definition ist wunderschön. Lu-Tsu sagt: „Das, was durch sich selbst existiert, das, was von niemandem unterstützt werden muss, das, was schon immer existiert hat, ob du seinem Lauf nun folgst oder nicht …“

Ob jemand seinem Lauf folgt oder nicht, ist völlig belanglos. Tatsächlich folgt die ganze Existenz seinem Lauf, ohne sich dessen bewusst zu sein. Wenn du ihm bewusst zu folgen vermagst, wird dein Leben ein großer Segen sein. Wenn du ihm unbewusst folgst, dann wirst du immer wieder stolpern, dann kannst du dich nicht so daran erfreuen, wie du es solltest. Zum Beispiel kann man jemanden in einen Garten bringen. Vielleicht ist er betrunken oder im Koma oder unter Chloroform. Man kann ihn in den Garten bringen, er ist bewusstlos. Der Vogelgesang wird von seinen Ohren gehört werden, aber er weiß es nicht. Der Duft der Blumen dringt mit dem Wind an seine Nase, aber er weiß es nicht. Die Sonne wärmt ihn und schickt ihm ihr Licht, aber er merkt es nicht. Die Lüfte streicheln ihn, aber er merkt es nicht. Vielleicht legt man ihn in den kühlen Schatten eines Baumes, aber er weiß nichts davon. Genau so ist der Mensch.

Wir sind im Tao, denn wo könnten wir sonst auch sein? Leben heißt, auf dem Weg sein. Leben heißt, in Gott leben. Atmen heißt, in Gott atmen. Wo sonst könnten wir sein? Aber so wie der Fisch im Ozean lebt und den Ozean total vergisst, so leben wir im Tao und haben das Tao total vergessen. Tatsächlich vergessen wir es nur deshalb, weil es so selbstverständlich ist. Der Fisch kennt den Ozean ganz genau, er wurde in ihm geboren, er hat ihn niemals verlassen. Er nimmt ihn als gegeben hin, deshalb ist der Fisch sich des Ozeans nicht bewusst.

Wir sind auf dem Weg, wir sind in Gott, wir leben im Tao, durch das Tao, aber wir sind uns dessen nicht bewusst. Das Tao existiert, denn ohne das Tao wüchsen die Bäume nicht, zögen die Sterne nicht ihre Bahn, zirkulierte das Blut nicht in unseren Adern, gäbe es kein Ein- und Ausatmen. Das Leben würde vergehen.

Leben ist nur möglich, wenn ein grundlegendes Gesetz es zusammenhält. Leben ist nur möglich, wenn es etwas gibt, das es trägt. Betrachtet die unermessliche Ordnung in der Existenz! Sie ist kein Chaos, sie ist ein Kosmos. Was macht sie zum Kosmos? Warum gibt es so viel Harmonie? Es muss eine Gesetzmäßigkeit geben, die die Harmonie aufrechterhält, in Gang hält, alles miteinander abstimmt. Aber davon wissen wir nichts. Wir wissen nichts von unserem eigenen Sein, und durch unser Sein sind wir mit dem Tao verbunden.

Das Tao hat weder Namen noch Form. Es ist das eine

Wesen, der eine Urgeist.

Es ist der Ozean des Lebens, der uns umgibt. Es ist innen und außen – die pure Essenz. Es ist die Existenz, es ist der Urgeist. Es ist die Existenz, es ist der ursprüngliche Geist. Kein Name kann es enthalten. Alle Namen sind sein Name. Und das Tao hat keine besondere Form, denn alle Formen sind die Form des Tao. Das Tao existiert in Millionen von Formen. Im Baum ist es grün, in seiner Blüte ist es rot. Im Menschen ist es Mensch, im Fisch ist es Fisch. Es ist die gleiche Gesetzmäßigkeit. Man kann das Wort Tao durch Gott ersetzen, und es wäre dasselbe. Was Christen und Muslime Gott nennen, nennen die Taoisten Tao. Die Buddhisten nennen es dharma. Die Griechen pflegten es Logos zu nennen, aber sie meinen dasselbe. Kein Name kann es enthalten; oder: Es kann durch jeden beliebigen Namen ausgedrückt werden.

Die Essenz und das Leben kann man nicht sehen.

Sie sind enthalten im Licht des Himmels.

Das Licht des Himmels kann man nicht sehen,

es ist enthalten in den beiden Augen.

Die Form kann man sehen, den Körper kann man sehen – der Körper ist die Form, die Substanz, die das Wesen, die Essenz umgibt – aber das Wesen kann man nicht sehen. Die Essenz ist nicht mit Augen zu sehen, nicht mit Sinnen zu erfassen. Sie muss unmittelbar gespürt werden, nicht durch ein Mittel. Ihr seht meinen Körper, ich sehe euren Körper – es geschieht durch ein Medium. Meine Augen teilen mir mit, dass ihr hier seid, eure Augen teilen euch mit, dass ich hier bin. Aber wer weiß?

Die Augen können täuschen, und manchmal täuschen sie. In der Dunkelheit der Nacht kannst du ein Seil für eine Schlange halten, und wenn du es für eine Schlange hältst, dann wirkt es auf dich wie eine Schlange: Du kriegst Angst, du läufst davon. Oder du siehst in der Wüste eine Oase, die gar nicht da ist, die nur eine Projektion ist, weil du so durstig bist, dass du dir wünschst, sie wäre da, also schaffst du sie dir. Die Augen täuschen uns auf vielerlei Weise. Also – wer weiß? Wenn die Wahrheit durch ein Medium erfahren wird, wird sie immer suspekt, zweifelhaft bleiben. Dann kann sie keine Gewissheit werden, kann sie keine absolute Gewissheit werden. Und eine Wahrheit, die keine absolute Gewissheit ist, ist überhaupt keine Wahrheit. Die Wahrheit muss absolut gewiss sein, sie kann nicht „in etwa“ gewiss sein. Es gibt also nur eins: Die Wahrheit muss ohne jegliches Hilfsmittel erkannt werden, direkt, unmittelbar. Man muss sie ohne alle Sinne erkennen. Und nur so wird sie auch erkannt: Leben kann man nicht sehen, aber man kann es fühlen. Es ist eine subjektive Erfahrung, kein Objekt.

Die Essenz und das Leben kann man nicht sehen.

Sie sind enthalten im Licht des Himmels.

Das Licht des Himmels kann man nicht sehen.

Es ist enthalten in den beiden Augen.

Ihr habt diese beiden Augen. Für den Taoisten sind diese beiden Augen äußerst bedeutsam. Erst die moderne Wissenschaft war in der Lage, die Wahrheit hierin zu erkennen. Diese beiden Augen sind nicht nur die sichtbaren Augen. Diese beiden Augen stehen für das Männliche und das Weibliche in euch. Heute sagt die moderne Wissenschaft, dass das Gehirn des Menschen in zwei Hemisphären unterteilt ist, und dass die eine Hemisphäre männlich und die andere Hemisphäre weiblich ist.

Die rechte Seite eures Gehirns ist weiblich, und die linke Seite eures Gehirns männlich. Das eine Auge repräsentiert also den Mann in euch und das andere repräsentiert die Frau in euch. Und wenn sich euer innerer Mann und eure innere Frau begegnen, so wird diese Begegnung „Himmel“ genannt – diese innere Kommunion des Männlichen und des Weiblichen in euch.

Jesus sagt: „Wenn deine zwei Augen eins werden, so ist da Licht.“ Er spricht wie ein taoistischer Alchimist. Wenn deine beiden Augen eins werden, dann ist da Licht. Wenn deine beiden Augen eins werden – wenn dein innerer Mann und deine innere Frau ineinander aufgehen –, so ist das die höchste orgasmische Erfahrung. Das, was ihr fühlt, wenn ihr euch mit einem Mann oder einer Frau liebt, ist nur ein schwacher Abglanz davon, ein ganz flüchtiger Abglanz. Es ist so flüchtig, dass es in dem Augenblick, da ihr euch dessen bewusst werdet, bereits vergangen ist. Ihr werdet euch dessen nur im Nachhinein bewusst, so flüchtig ist es. Aber es ist ein flüchtiges Aufleuchten, ein Aufblitzen der Begegnung zwischen dem Mann und der Frau.

Das ist eine äußerliche Begegnung. Es ist ein Wunder, dass sie überhaupt geschieht, wenn auch nur für einen einzigen Augenblick. Aber sie eröffnet eine tiefe Möglichkeit. Und genau darum haben sich Tantra, Tao, Yoga und all die großen Geheimlehren der Welt bemüht: euch zu helfen, euch eures inneren Mannes und eurer inneren Frau bewusst zu werden – dessen, was die Tantriker Shiva und Shakti und die Taoisten yin und yang nennen. Die polaren Gegensätze, das Positive und das Negative in euch, der Tag und die Nacht in euch – die müssen sich dort vereinigen.

Das Licht des Himmels kann man nicht sehen.

Es ist enthalten in den beiden Augen.

Aber solange sie nicht eins werden, wirst du dir dessen nicht bewusst werden.

Es ist enthalten in den beiden Augen.

Du kannst es nicht eher sehen, als bis sie eins werden. Erst dann wird es freigesetzt. Dann gibt es eine große Explosion von Licht. Zarathustra nennt es „die Explosion des Feuers“. Laotse nennt es „die Explosion des Lichts“. Es ist dasselbe. Ihr müsst schon einmal gehört haben, was Johannes der Täufer gesagt hat. Er pflegte zu seinen Jüngern zu sagen: „Ich taufe euch mit Wasser. Nach mir wird einer kommen, der euch mit Feuer taufen wird.“ Genau das hat er damit gemeint: „Nach mir wird einer kommen, der euch mit Feuer taufen wird“, die Wassertaufe ist eine äußere Taufe. Für Johannes den Täufer symbolisiert Wasser das äußere Fließen.

Merkt euch gut, dass das Abwärts- und das Auswärtsgerichtete dasselbe bedeuten, und dass das Aufwärts- und das Einwärtsgerichtete gleichbedeutend sind. Alles, was nach unten geht, geht auch nach außen, und alles, was nach oben geht, geht auch nach innen, und umgekehrt. Wasser fließt immer nach unten, also steht es für den Auswärtsfluss. Es geht von sich selber weg, seine Reise geht nach außen. Feuer geht nach oben, immer nach oben, und das „Nach oben“ ist gleichbedeutend mit „Nach innen“, seine Reise geht immer nach innen.

Was Johannes der Täufer damit sagt, ist dies: „Ich taufe euch mit Wasser, ich gebe euch den äußeren Körper der Religion. Nach mir wird Christus kommen, der euch die innere Taufe, die Feuertaufe geben wird.“ Jesus selber sagt immer wieder: „Bereut, kehrt um!“ Aber die Christen haben dieses Wort falsch gedeutet. Sie haben daraus das Bereuen von Sünden gemacht. Es hat nichts mit Sünden zu tun.

Der Ausdruck: „Bereut!“ bedeutet in Wirklichkeit „Kehrt um, geht nach innen, kommt zurück.“ Es bedeutet umkehren, die Ursprünglichkeit wiederherstellen. Das Wort „bereuen“ bedeutet metanoia, Umkehr – eine Wendung um hundertachtzig Grad. Wenn ihr weiterhin nach außen fließt, bleibt ihr Wasser. Wenn ihr euch nach innen wendet, werdet ihr zu Feuer. Und wenn diese zwei Augen, wenn diese zwei Flammen, wenn diese zwei Hemisphären deines Bewusstseins sich miteinander vereinigen, wenn sie absolut verbunden sind und du zu der einen Flamme wirst, dann ist diese Flamme das, was Plotinus den „Flug des Alleinen zum All-Einen“ nennt.

Das Große Eine wird das genannt, was nichts mehr über sich hat.

Und wenn du dieses Eine werden kannst, bist du das Große Eine geworden. Das ist die Art der Taoisten, etwas über Gott auszusagen, ohne dabei das Wort „Gott“ zu benutzen. Wenn du eins wirst, bist du Gott geworden.

Das Geheimnis des Lebenszaubers besteht darin, sein Handeln so einzusetzen, dass daraus Nichthandeln wird.

Das sind bedeutungsschwangere Worte. Was ist das Geheimnis, wie man aus diesen zwei Augen eins macht? Wie man das Männliche und das Weibliche in sich vereint? Wie man den Mann und die Frau sich ineinander auflösen lässt, sodass man keine Dualität mehr ist, sodass man nicht mehr ein in sich gespaltenes Haus ist, sodass Konflikte und Spannungen aufhören, sodass alles eins wird? In diesem Einssein ist Seligkeit, denn da vergeht alle Spannung, verschwindet aller Konflikt, lösen sich alle Ängste auf. Aber wie wird man zu diesem Einen?

Das Geheimnis des Lebenszaubers besteht darin, sein Handeln so einzusetzen, dass daraus Nichthandeln wird.

Der Mann steht für Handeln, die Frau steht für Nichthandeln. Man muss Handeln benutzen, um zum Nichthandeln zu gelangen, man muss sich bemühen, um mühelos zu werden. Man muss hingehen und all seine Energien daransetzen, man muss so aktiv werden, dass nichts übrig bleibt. Alle Energien werden in diesen Schaffensakt einbezogen, und dann – plötzlich –, wenn alle Energien in Anspruch genommen sind, geschieht die Transformation. Genau wie Wasser bei hundert Grad verdampft, so verdampft alles Handeln, wenn es total wird, und Nichthandeln bleibt zurück.

Zuerst müsst ihr lernen, wie man tanzt, und ihr müsst all eure Energien ins Tanzen stecken. Und eines Tages macht ihr dann diese seltsame Erfahrung, dass der Tänzer plötzlich im Tanz verschwunden ist und der Tanz völlig mühelos geschieht. Dann ist es Nichthandeln.

Um zum Nichthandeln zu gelangen, muss man zuerst das Handeln lernen. Eben darum geht es bei unseren Meditationen. Das ist die einzige Methode, um zum Nichthandeln zu finden: Tanzt bis zum Äußersten, tanzt bis zur Raserei, tanzt wie wahnsinnig! Und wenn eure ganze Energie darin aufgeht, kommt der Augenblick, wenn ihr plötzlich feststellt, dass der Tanz ganz von selbst passiert – es ist keinerlei Anstrengung dabei. Es ist Handeln, ohne zu handeln.

Die Goldene Blüte ist das Licht.

Man benutzt die Goldene Blüte als Symbol.

Der Satz: „Das Blei der Wassergegend hat nur einen Geschmack“ weist darauf hin.

Die Goldene Blüte ist ein Symbol – das Symbol für den Augenblick, da deine Energien nicht mehr zwiegespalten, sondern eins geworden sind. Großes Licht wird dann freigesetzt, und das Licht ist golden. Es ist, als hätte sich in dir eine Blüte aus goldenem Licht geöffnet. Und es ist nicht einfach nur ein Symbol. Wohl auch ein Symbol, aber es ist fast wirklich und buchstäblich so. Ganz genau so geschieht es. So wie du jetzt bist, existierst du als Dunkelheit, als dunkle Nacht. Dann existierst du als Sonnenaufgang. Die Sonne ist zwar nirgendwo zu sehen, aber das Licht ist da. Es gibt keinerlei Lichtquelle – es ist ein Licht ohne Quelle. Aber wenn du das goldene Licht in dir erst einmal kennst, bist du ein Unsterblicher geworden. Dann gibt es keinen Tod mehr, denn das Licht stirbt niemals. Das ganze Leben, die gesamte Existenz besteht aus nichts anderem als Licht. Alles ist eine Form von Licht. Das bestätigt auch die moderne Physik, und die moderne Physik stimmt völlig mit dem Tao darin überein, dass alles Licht ist. Die Formen ändern sich ständig, doch das Licht bleibt. Das Licht ist ewig.

Viele Schriften der Welt beginnen mit dem Wort „Licht“. „Am Anfang sagte Gott: Es werde Licht!“ Das ist der Anfang. Falls es je einen Anfang gegeben hat, muss es so gewesen sein, muss es mit Licht angefangen haben. Aber es hat nie einen Anfang gegeben, das hier ist nur ein Gleichnis. Das Licht hat schon immer existiert. Der Koran sagt: „Gott ist Licht.“ Einer der Namen der Sufis für Gott ist „Nur“. „Nur“ bedeutet „Licht“. Der Geschmack ist der gleiche. Ob es nun mir geschieht oder dir, der Geschmack ist der gleiche. Der Geschmack des Buddhaseins ist der gleiche. Buddha hat gesagt: „Der Geschmack des Buddhaseins ist wie der Ozean. Man kann im Norden oder im Süden, an der Küste oder auf hoher See, hier oder dort davon kosten, aber der Geschmack des Ozeans ist immer gleich. Genauso ist es auch mit dem Geschmack des Buddhaseins.“ In dem Augenblick, da ein Mensch dieses ewige Licht erfährt, hat sein Leben nur noch ein einziges Aroma. Dieses Aroma ist die Begleiterscheinung absoluter Bewusstheit. Das Unbewusste dieser Person ist nicht mehr. Es gibt nichts Dunkles mehr in ihrem Dasein.

Wenn nun ein Freudianer in so einen Menschen hineinschaut, findet er nur noch Bewusstsein, nichts als Bewusstsein; er wird kein Unbewusstes vorfinden.

Wenn ein Freudianer in dich hineinschaut, ist nur ein Teil bewusst, im Gegensatz zu neun Teilen, die unbewusst sind – nur ein Zehntel von dir ist bewusst. Ein Buddha ist hundert Prozent Bewusstsein.

Die Arbeit am Kreislauf des Lichtes beruht ganz auf

der rückläufigen Bewegung, sodass die Gedanken

eingesammelt werden. Das himmlische Herz liegt

zwischen Sonne und Mond.

Erinnert euch noch einmal: Die Sonne steht für die männliche Energie, der Mond steht für die weibliche Energie. Und das Herz liegt zwischen den beiden. Das Herz ist weder männlich noch weiblich, und gerade das macht die Schönheit des Herzens aus: Das Herz ist göttlich, weder männlich noch weiblich. Und es liegt genau zwischen beiden. Wenn du zu sehr zur männlichen Energie hinneigst, dann bist du zu aktiv und verstehst nicht, passiv zu sein.

Genau das ist im Westen geschehen. Der Westen ist sonnenorientiert – zu viel Aktivität. Die Leute machen sich verrückt mit ihrer Geschäftigkeit. Zu viel Eile – alles muss sofort passieren – keine Geduld, kein Warten. Sie haben vergessen, wie man passiv ist, wie man geduldig ist, wie man auf Dinge wartet. Sie haben die Fähigkeit, nichthandelnd zu sein, vollkommen verloren. Sie wissen nicht, wie man Ferien macht. Und wenn sie mal in Ferien gehen, sind sie sogar noch aktiver als sonst. Im Westen passieren am Sonntag mehr Herzinfarkte als an jedem andern Tag, denn der Sonntag ist ein freier Tag und die Leute sind zu beschäftigt. Während der ganzen Arbeitswoche haben sie vor, sich auszuruhen, wenn der freie Tag kommt. Aber wenn er dann da ist, haben sie tausenderlei Dinge zu tun. Nicht, dass sie sie wirklich tun müssten, dass das wirklich wichtig wäre – nein, ganz und gar nicht! Aber sie können nicht in Ruhe leben. Sie können nicht einfach auf dem Rasen liegen und mit der Erde sein. Sie können nicht einfach still unter einem Baum sitzen und nichts tun. Nein, sie fangen an, dies und das zu tun, im Haus etwas zu reparieren oder kaputtzumachen, die Motorhaube ihres Autos hochzuklappen und sich am Motor zu schaffen zu machen. Irgendetwas werden sie tun, irgendwie bleiben sie aktiv. Ihr ganzes Leben lang träumen die Menschen davon, wie sie ihren Ruhestand genießen werden. Aber sie können ihn nicht genießen, sie können nicht zur Ruhe kommen. Sie sterben sehr bald, nachdem sie sich zur Ruhe gesetzt haben. Die Psychologen sagen, sie sterben zehn Jahre früher, weil sie nicht wissen, was sie sonst tun sollen. Der Tod scheint der einzige Ausweg aus einem Leben zu sein, das bedeutungslos geworden ist, das tatsächlich schon immer bedeutungslos war, immerzu nur eine Hetze.

Die Menschen hetzen hierhin und dahin, ohne zu wissen, wohin sie eigentlich gehen. Sie wissen nur eins: Es muss immer schneller und schneller gehen. Sie fragen sich nie: Wohin rennen wir eigentlich? Vielleicht laufen wir ja im Kreis. Genau das ist es, was geschieht: Die Menschen laufen im Kreis herum.

Der Westen ist sonnenorientiert. Der Osten ist mondorientiert. Der Osten ist zu passiv, zu fatalistisch geworden. „Es gibt doch gar nichts zu tun – wartet einfach! Gott wird schon für alles sorgen.“ Das ist eine andere Art von Narrheit und Dummheit.

Der Osten ist arm, faul, lausig, und den Menschen ist alles egal. All das Elend um sie herum, die Armut, die Bettler, die Krankheiten – niemanden kümmert das, alles wird hingenommen. „Was kann man da schon machen. Es ist Gottes Wille. Wir müssen es hinnehmen. Wir müssen einfach nur warten. Wenn es zu viel wird, wird Gott schon kommen. Was sonst könnten wir tun?“ Das ist die weibliche Einstellung. Das Geheimnis der Goldenen Blüte