Der träumende Turm - Simon R. Green - E-Book
Beschreibung

Während das Heldenpaar Prinz Rupert und Prinzessin Julia unter den Decknamen Falk und Fischer durch die Lande ziehen, reißt andernorts der Kontakt zu einer der wichtigsten Grenzfestungen des Waldkönigreichs ab. In Ermangelung einer Heldentruppe entsendet man Duncan MacNeil mit einer Gruppe Waldläufer zu der Zitadelle. Bei ihrer Ankunft finden sie die Festung jedoch verlassen vor, alles weist auf ein grauenhaftes Verbrechen hin. Als Duncan und seine Getreuen tiefer in die Zitadelle vordringen, wird ihnen bald klar, dass ein uraltes Übel unter der Festung erwacht ist - und über all dem erhebt sich ein blauer Mond.

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Seitenzahl:298

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Autor: Simon R. Green

Deutsch von: Oliver Hoffmann

Lektorat: Solveig Tenckhoff

Art Director, Satz und Gestaltung: Oliver Graute

© Simon R. Green 1993

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2014

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-216-5

Originaltitel: Down Among the Dead Men

ISBN der Printausgabe 978-3-86762-215-8

Der träumende Turm ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Simon R. Green 2014. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Simon R. Green.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Prolog

Jenseits des Schlingforstes lag Finsternis. Solange man sich zurückerinnerte, hatte in einem Teil des Waldes ewige Nacht geherrscht. Kein Sonnenstrahl durchdrang dieses Gebiet, und was dort lebte, scheute das Tageslicht. Kartographen nannten es Düsterwald und warnten: „Vorsicht, Dämonen!“

Vor zehn Jahren hatte sich der Düsterwald ausgedehnt, und zum ersten Mal seit ungezählten Jahrhunderten hatte die lange Nacht auf immer weitere Teile des Waldes übergegriffen. Aus der Dunkelheit waren Dämonen und entsetzlich verwachsene Gestalten gedrungen, die alles niedermetzelten, was sich ihnen in den Weg stellte. Man hatte sie dann zwar aufgehalten und zurückgeschlagen, dies aber kam den Wald und seine Einwohner teuer zu stehen. Die lange Nacht hatte sich mit ihren Vasallen hinter die ursprünglichen Grenzen des Düsterwaldes zurückgezogen. In das verwüstete Land war langsam Frieden eingekehrt, und man hatte sich an den Wiederaufbau gemacht.

Der Dämonenkrieg ist mittlerweile zehn Jahre her. Allmählich heilen die Wunden im Wald. Im Düsterwald ist es still, und nur wenige Dämonen wagen sich aus der endlosen Nacht hervor. Doch unweit der Grenze schlummert in einem Dickicht, das kein Sonnen- oder Mondstrahl je durchdringt, ein uraltes Übel und träumt Böses.

1

Steingewordene Stille

Duncan MacNeil zügelte sein Pferd und blickte hinter sich. Dünne, goldene Sonnenstrahlen drangen durch die Baumkronen und das Halbdunkel des Waldes. Dicht an dicht ragten zu beiden Seiten des ausgetretenen Pfades hohe Bäume auf, die Zweige voll üppigen Sommerlaubes. Die schwülwarme Luft roch nach Erde, Blättern und Rinde. Vögel sangen in den Wipfeln und warnten das Wild vor dem Reiter.

MacNeil rutschte nervös im Sattel hin und her. Zwei Wochen war er nun unterwegs. Der Wald hatte für ihn an Reiz verloren. Tatsächlich glaubte MacNeil, für den Rest seines Lebens durchaus auf Bäume verzichten zu können. Er sah hinter sich, doch von seiner Begleitung war noch immer nichts zu sehen. MacNeils Gesicht verfinsterte sich. Er hasste warten. Er sah nach vorn, doch das dichte Gehölz versperrte ihm schon bald die Sicht. Er ließ das Pferd im langsamen Schritt weitergehen. Die Grenzfeste konnte nicht mehr weit sein, und er brannte darauf, endlich einen Blick darauf zu werfen.

Der dumpfe Hufschlag zerriss die Stille des Waldes. Die Vögel verstummten, und das Wild floh in die Schatten ringsum. MacNeil führte die Hand an das Schwert an seiner Seite und lockerte die Klinge in der Scheide. Er traute dem Frieden nicht und wollte kein Risiko eingehen. Sein Blick fiel auf eine Gruppe toter Laubbäume zur Linken. Sie waren verwachsen und hohl, von innen heraus verfault. Über das knorrige, kahle Astwerk wucherten Flechten. Auch nach zehn Jahren gab es Stellen im Wald, die sich von der langen Nacht noch nicht erholt hatten.

Zu beiden Seiten wichen die Bäume zurück, und MacNeil verhielt sein Pferd und beugte sich vor. Das Licht war so grell, dass er die Augen mit der Hand abschirmen musste. Er lächelte. In der Mitte der weiten Lichtung stand die Grenzfeste, ein großes, steinernes Bauwerk mit zwei massiven, eisenbeschlagenen Toren. Statt Fenstern wies es nur eine Reihe schmaler Schießscharten auf. MacNeil sah sich die Festung genauer an. Die Tore waren fest verschlossen, und es schien sich dahinter nichts zu rühren. In der späten Nachmittagssonne brüteten die dicken Mauern still und dunkel vor sich hin.

MacNeil richtete sich in den Steigbügeln auf und runzelte argwöhnisch die Stirn. Weder an den Toren noch auf den Zinnen waren Wachposten zu sehen. Nirgends flatterten Fahnen oder Wimpel, und aus keinem der vielen Schornsteine stieg Rauch auf. Wenn in der Festung jemand war, gab er sich alle Mühe, unbemerkt zu bleiben. MacNeil warf einen Blick über die Schulter zurück. Von den anderen war noch nichts zu sehen. Er schaute mit unglücklichem Blick wieder nach vorn auf die Festung. Dass er sich so unvernünftig weit von seinen Leuten entfernte, kam nicht oft vor. Doch vor lauter Neugier, was es mit der Festung auf sich hatte, hatte er sich nicht beherrschen können.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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