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INHALT: Der aufstrebende Journalist Jonas Kellermann veröffentlicht brisante Dokumente über verfassungsfeindliche Aktivitäten der rechts-populistischen "Partei für Deutschland (PD)". Der vermeintliche Scoop entwickelt sich jedoch zum Bumerang, da die Partei geschickt eine Gegenkampagne inszeniert und die Glaubwürdigkeit des Verlags zu zerstören droht. Getrieben von Wut, Enttäuschung und dem tiefen Wunsch nach Wahrheit beginnt Jonas eine gefährliche Recherche über die Abgründe digitaler Manipulation und die skrupellosen Strategien politischer Macht. Dabei gerät er in ein gefährliches Netz aus Verschwörung, digitaler Propagenda und politischer Gewalt, das die Grundfesten der deutschen Demokratie zu sprengen droht. In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit muss er nicht nur seine Karriere retten, sondern die deutsche Demokratie selbst - bevor die Wahrheit endgültig im Chaos versinkt. HINTERGRUND: DER VERLAG ist ein hochaktueller Politthriller rund um Medien, Macht und Manipulation. Der fiktive Roman ist mehr als Unterhaltung: Angesiedelt im heutigen Deutschland beleuchtet der Thriller die Mechanismen moderner Meinungsmanipulation und den fragilen Zustand der Gesellschaft, wenn professionelle "Trollfabriken" und Fake News die öffentliche Meinung vergiften. Eingebettet in eine packende Verschwörungshandlung setzt sich DER VERLAG mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und Fragen auseinander: den berechtigten Sorgen der "Abgehängten" ebenso wie die perfiden Methoden ihrer Verführer. Er stellt unbequeme Fragen: Wo endet legitimer Journalismus und wo beginnt Propaganda? Wie wehrhaft darf eine Demokratie sein? Und was passiert, wenn die Medien selbst zu Waffen werden? DER VERLAG ist ein Roman, der unterhält und gleichzeitig aufrüttelt. Ein Roman für unsere Zeit – spannend, kontrovers und erschreckend realistisch.
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Seitenzahl: 366
Veröffentlichungsjahr: 2025
DER VERLAG ist ein hochaktueller Politthriller, der die Mechanismen moderner Desinformation aus allen Perspektiven – Medien, Politik, Populisten und Bürger – authentisch seziert. Eingebettet in eine packende Verschwörungshandlung setzt er sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und Fragen auseinander:
Was passiert, wenn populistische Parteien die Mechanismen von Demokratie und Freiheit für die eigenen Ziele mißbrauchen? Wenn Politik wie Medien im Kampf gegen Rechtsextremismus selbst zu den Methoden greifen, die sie anprangern? Wenn die Verteidiger der Demokratie zu ihren eigenen Totengräbern werden? Wenn die Wahrheit ein Opfer wirtschaftlicher Interessen wird?
Stefan Voß, Jahrgang 1970, verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung als Experte für digitale Strategien in Führungspositionen bei Agenturen, Medienunternehmen und internationalen Unternehmensberatungen. Seine Expertise in der Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Medien & Marketing-Methoden verleiht dem Roman authentische Einblicke in die Mechanismen moderner Medienmanipulation.
In seinem Debütroman "Der Verlag" kombiniert Voß sein tiefes Verständnis digitaler Medien mit einer packenden politischen Verschwörungsgeschichte.
Stefan Voss
DER VERLAG
© 2025 Stefan Voss
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: Stefan Voss, Auf der Heide 18, 22393 Hamburg, Germany .Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Inhaltsverzeichnis
Das Buch
Der Autor
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Kapitel 56
Kapitel 57
Kapitel 58
Kapitel 59
Kapitel 60
Kapitel 61
Kapitel 62
Epilog
Das Geheimtreffen von PotsdamPlanen rechte Strategen aus ganz Europa den Sturz der Demokratie?
Eine investigative Recherche von "Europa Watch"Maria Schneider und David KowalskiVeröffentlicht am 23. Januar 2024
Es war ein unscheinbares Novemberwochenende im vergangenen Jahr, als sich in einer Villa südlich von Potsdam einige der einflussreichsten rechten Strategen Europas zu einem Geheimtreffen versammelten. Was zunächst wie ein harmloses Netzwerktreffen aussah, entpuppt sich nach monatelanger Recherche als etwas weitaus Bedrohlicheres:
Fand hier der Startschuss für eine koordinierte Kampagne zur Destabilisierung der europäischen Demokratien statt?
Die Adresse haben wir durch Zufall entdeckt. Wie uns besorgte Anwohner berichteten, herrschte an jenem Wochenende ungewöhnliche Aktivität rund um das 4,2 Millionen Euro teure Anwesen. "Normalerweise ist da nie jemand", erzählt eine ältere Dame aus dem Nachbardorf, die anonym bleiben möchte. "Aber da kamen plötzlich diese schwarzen Autos. Und die Männer... die sahen aus wie Geheimagenten. Richtig unheimlich war das."
Das Anwesen läuft über eine Briefkastenfirma auf den Cayman Islands. Eigentümer ist offiziell eine "European Heritage Foundation" – eine Organisation, die nach unseren Recherchen ausschließlich existiert, um solche Treffen zu finanzieren.
Was wir wissen: Zwischen dem 17. und 19. November 2023 trafen sich hier mindestens zwölf Personen aus sechs europäischen Ländern. Die Teilnehmer legten viel Wert auf Anonymität und bewegten sich mit der Diskretion von Leuten, die etwas zu verbergen haben.
Die Teilnehmer: Ein Who's Who der europäischen Rechten
Unsere Quellen, unter anderem ein uns aus Sicherheitskreisen anonym zugespieltes Bewegungsprotokoll, bestätigen die Anwesenheit hochrangiger Vertreter der "Partei für Deutschland" (PD) - darunter nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Informanten Bruno Richter, der als strategischer Kopf der Partei gilt und dessen Einfluss weit über Deutschland hinausreicht. Weitere, noch unbestätigte, Teilnehmer scheinen ein führender Vertreter der französischen "Reconquête" und mindestens zwei Abgeordnete der italienischen „Lega“ zu sein. Anscheinend war auch ein niederländischer Medienunternehmer mit Verbindungen zum "Forum voor Democratie" anwesend, sowie mehrere deutsche Großspender der PD, deren Namen wir aus rechtlichen Gründen hier nicht nennen können.
Besonders brisant: Die bestätigte Teilnahme von Viktor Steinfeld, dem österreichischen Ideologen und Mentor der "Identitären Bewegung". Im Verfassungsschutz will man uns offiziell keine Auskunft geben, inoffiziell teilte man uns aber mit, dass Steinfeld als einer der gefährlichsten rechten Denker Europas gilt. Seine Theorien über "Remigration" und die "Große Säuberung" haben bereits in mehreren Ländern zu politischen Skandalen geführt. Auffällig: offenbar ist die Einreise des bekannten Rechts-Extremisten durch die deutschen Grenzbehörden nicht dokumentiert worden.
Ein ehemaliger Offizier des MAD, dem wir diese Erkenntnisse vorgelegt haben, hat unsunter der Bedingung der Anonymität bestätigt: "Wenn das so stimmt, dann war das kein normales politisches Treffen. Die Teilnehmer, die Sicherheitsvorkehrungen, die Geheimniskrämerei – so etwas habe ich nur bei Operationen gesehen, die offiziell nie stattgefunden haben, die für alle glaubwürdig abstreitbar bleiben müssen."
Das Geld: Millionen für den Umsturz?
Die Finanzströme, die wir nachverfolgen konnten, werfen beunruhigende Fragen auf. Ist es Zufall, dass über ein Netzwerk von Stiftungen und Briefkastenfirmen in den Monaten vor und nach dem Treffen mindestens 15 Millionen Euro an rechte Parteien und Organisationen in ganz Europa flossen? Und woher stammt dieses Geld wirklich?
Ein uns zugespieltes internes Bankdokument zeigt Verbindungen zu führenden Köpfen der deutschen Rüstungsindustrie, einem österreichischen Immobilienmogul, der bereits wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, amerikanischen "Think Tanks" mit zweifelhaften Verbindungen und Geldströmen, die über die Schweiz möglicherweise bis nach Russland reichen. Steckt hinter diesen komplexen Finanzierungsstrukturen ein koordinierter Plan zur Destabilisierung Europas?
Ein Insider aus Kreisen der PD, der anonym bleiben möchte und um seine Sicherheit fürchtet, bestätigte uns unter vier Augen: "Es ging nicht um normale Parteienfinanzierung. Das war etwas anderes. Etwas Größeres. Sie haben über Europa gesprochen, als wäre es ein Schachbrett. Und Bruno... Bruno sprach von 'historischen Gelegenheiten' und 'dem Ende einer Ära'."
Der Plan: Europa fallen lassen?
Was also wurde in der Villa besprochen? Darüber können wir nur spekulieren, doch nach Aussagen mehrerer Quellen scheint sicher, dass nicht nur über normale Wahlkampfstrategien diskutiert wurde. Entwickelten die Teilnehmer einen konkreten Fahrplan für den systematischen Sturz demokratischer Regierungen in ganz Europa?
Eine mit den Umständen des geheimen Treffens vertraute Person, die aus Gewissensgründen mit uns sprach, aber um sein Leben fürchtet, beschreibt eine Strategie, die er vorsichtig als "Domino-Theorie" umschreibt: Deutschland als Schlüssel zur Machtübernahme durch die PD, einen anschließenden Dominoeffekt in anderen europäischen Ländern, die systematische Zerstörung der EU von innen heraus und schließlich die Errichtung eines "Europas der Vaterländer" unter deutscher Führung. Wörtlich und mit zitternder Stimme berichtete uns die Quelle: "Sie sprachen von Deutschland als dem 'Herzstück' Europas. Wenn Deutschland fällt, sagten sie, fallen alle anderen wie von selbst. Es war wie... wie eine Kriegsplanung."
Besonders beunruhigend sind die mutmaßlich diskutierten Methoden. Nach Hinweisen aus Geheimdienstkreisen, die uns unter dem Siegel der Verschwiegenheit zugespielt wurden, könnten konkrete Pläne zur Manipulation der öffentlichen Meinung besprochen worden sein.
Offenbar befürchten westliche Geheimdienste nach dem Abfangen verschlüsselter Telegram-Chats den Aufbau von "Troll-Fabriken" nach russischem Vorbild, systematische Desinformations-kampagnen in sozialen Medien und Hack-Angriffe auf politische Gegner.
Planen die Teilnehmer möglicherweise auch die Übernahme regionaler Zeitungen und Radiosender, die Finanzierung scheinbar unabhängiger "Bürgerjournalisten" und die systematische Diskreditierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Wie uns ein besorgter Mitarbeiter eines großen Medienkonzerns mitteilte, sind bereits mehrere Übernahmeversuche im Gange, "die alle das gleiche Muster zeigen: anonyme Investoren, undurchsichtige Finanzierung, plötzliche Richtungsänderungen."
Und was ist mit der Orchestrierung scheinbar spontaner "Bürgerproteste", der Radikalisierung bestehender Bewegungen und der Provokation von Gewalt zur Rechtfertigung autoritärer Maßnahmen? Ein Verfassungsschützer, der nicht genannt werden möchte, warnt: "Wir beobachten eine beunruhigende Professionalisierung des Protests. Das sind keine zufälligen Bürgerinitiativen mehr."
Das Beunruhigendste an unserer Recherche: Es passiert bereits
Alles nur Verschwörungstheorien? So dachten wir am Anfang unserer Recherche auch. Doch je tiefer wir einstiegen, desto klarer wurde uns: Vieles von dem, was möglicherweise in der Villa besprochen wurde, ist bereits Realität geworden.
Die mysteriösen Finanzierungen der PD, die koordinierten Angriffe auf demokratische Institutionen, die internationale Vernetzung rechtspopulistischer Parteien – all das entspricht exakt dem Fahrplan von Potsdam.
Ein hochrangiger Verfassungsschützer, der nicht namentlich genannt werden möchte und sichtlich nervös war, warnt: "Wir sehen Bewegungen, die wir nicht verstehen. Geldflüsse, die keinen Sinn ergeben. Koordination, wo keine sein sollte.“ Und mit Blick auf die „Partei für Deutschland“: „Was wir hier sehen, ist nicht mehr normale Opposition. Das ist eine systematische Unterwanderung unserer demokratischen Ordnung. Und sie sind weiter, als die meisten Menschen denken. Viel weiter."
Auch ein ehemaliger EU-Beamter berichtete uns über ähnliche Muster, die inzwischen in ganz Europa beobachtet werden: "Die Methoden sind überall die gleichen. Die Finanzierung läuft über die gleichen Kanäle. Das ist kein Zufall."
Die Reaktionen: Schweigen und Dementis
Trotz unserer Recherchen und den beunruhigenden Hinweisen wollte niemand offiziell mit uns sprechen. Auf unsere Anfragen reagierten die mutmaßlichen Teilnehmer erwartungsgemäß. Bruno Richter ließ über seinen Anwalt mitteilen, er kenne "weder die besagte Villa noch die beschriebenen Personen". Viktor Steinfeld antwortete gar nicht erst.
Die PD bezeichnete unseren Bericht als "linke Verschwörungstheorie" und "Verleumdung". Gleichzeitig kündigte die Partei rechtliche Schritte an – ein Vorgehen, das Experten als typisch für Organisationen bewerten, die etwas zu verbergen haben. Doch auch die offiziellen Stellen ließen uns abblitzen und reagierten oft nicht einmal auf unsere Bitte nach Stellungnahme.
Beunruhigend ist jedoch: Seit Beginn unserer Recherchen wurden wir mehrfach von unbekannten Nummern angerufen. Unser Büro wurde zweimal "eingebrochen", ohne dass etwas gestohlen wurde. Ein Sicherheitsexperte, der unsere IT-Systeme überprüfte, fand Spuren von Überwachungssoftware. Zufall?
Fazit: Die Demokratie in Gefahr
Was konkret in der Villa südlich von Potsdam besprochen wurde, bleibt ein Geheimnis. Klar ist nur, es war kein harmloses politisches Strategietreffen. Vielleicht wird erst im Rückblick klar werden, dass es sich um die Geburtsstunde einer Verschwörung gegen die europäische Demokratie handelt.
Die Frage ist nicht mehr, ob diese Pläne existieren – sondern wie weit sie bereits umgesetzt wurden.
Ein pensionierter Geheimdienstchef hat uns unter dem Siegel der Verschwiegenheit bestätigt: "In meiner gesamten Laufbahn habe ich nie eine so gut organisierte, so gut finanzierte und so rücksichtslose Bedrohung der demokratischen Ordnung gesehen. Das ist kein politischer Wettbewerb mehr. Das ist Krieg. Und die Uhr tickt."
Europa steht vor der größten Herausforderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und diesmal kommt die Bedrohung nicht von außen, sondern aus den eigenen Reihen.
Die Recherche zu diesem Artikel dauerte drei Monate und wurde unter erheblichen Sicherheitsrisiken durchgeführt. "Europa Watch" ist ein unabhängiges Investigativ-Portal, das sich der Aufdeckung antidemokratischer Netzwerke in Europa widmet. Unterstützen Sie unsere Arbeit.
Haben Sie weitere Informationen zu diesem Fall? Schreiben Sie uns:[email protected]
„Nein! Nein, Karen. So geht das nicht. Nicht hier und nicht mit mir. Vergiss es!“.
Erschrocken blickte Jonas, und mit ihm die gesamte Redaktion, in Richtung Konferenzraum. Völlig untypisch für ihn, war Gert Wernlein, der schwergewichtige Chefredakteur des „Tagesspiegels“, plötzlich laut geworden, bevor er mit hochrotem Kopf und schnaufend aus dem Konferenzraum stürmte und in Richtung der Fahrstühle eilte. Kurz bevor er diese erreichte, drehte er sich noch einmal um und wollte wohl noch etwas hinterherschicken. Doch angesichts der vielen Gesichter seiner Redaktion, die ihn erschrocken und verwundert ansahen, besann er sich eines Besseren und stapfte nach wie vor sichtlich aufgewühlt in die Fahrstuhlkabine.
In der jetzt einsetzenden Stille war jedes Hüsteln zu hören. Keiner sprach, doch alle Blicke richteten sich auf Karen Wieger im Konferenzraum. Wortlos suchte die hochdekorierte Ressortleiterin „Politik“ des Tagesanzeigers ihre Unterlagen zusammen, packte einzelne Blätter, die ausgebreitet auf dem Tisch lagen zusammen und in eine beige Papp-Mappe. Unverkennbar war der rote Balken mit dem Wort „Geheim“ sichtbar, der sich quer über die Mappe zog.
Als Karen sich und ihre Unterlagen gesammelt hatte, ging sie gerade aufgerichtet und stumm aus dem Konferenzraum, über den kurzen Flur bis in ihr verglastes Eckbüro, in dem sie sich für alle sichtbar schwer in ihren Ledersessel fallen ließ und sich eine Zigarette anzündete.
Berlin schien an diesem trüben Montagmorgen nur widerwillig aus einem ebenso feuchten wie kalten Wochenende zu erwachen. Wie eigentlich immer seit Herbst war die Stadt von einem bleifarbenen, einheitlichen Wolkenhimmel bedeckt, der jede Farbe und jede Energie aufzusaugen schien. In den Straßen stauten sich die Autos rund um die unvermeidlichen und ebenso unendlich bestehenden Baustellen, die unterirdischen Bahnen spuckten unzählige Menschen aus, die sich wie ferngesteuerte Drohnen in die Büros rund um den Potsdamer Platz verteilten. Die Kleidung war vorwiegend schwarz oder dunkelgrau und war typisch für die hiesige Mischung aus Bankern, Politikern, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern. Die cooleren Agenturmenschen waren eher in Kreuzberg oder Friedrichshain angesiedelt. Inmitten der gleichförmigen Masse stachen vereinzelte Touristen raus, sowohl durch bunte Funktionsjacken und Rucksäcke, aber auch weil sie den steten Strom der Büromenschen blockierten und leicht umlenkten. Von oben aus dem 18. Stockwerk wirkten sie fast wie knallbunte Steine in einem Fluss aus grauschwarzem Wasser.
Doch Jonas hatte dafür keinen Blick. Wie immer am Montagmorgen hatte seit 8:30 die große Redaktionskonferenz getagt, in der die Woche vorbereitet wurde. Zuerst die „weichen“ Themen wie Gesellschaft, Kultur oder die Sport-Nachlese vom Wochenende. Danach die Wirtschaft, die angesichts der eher trüben Konjunktur und erratischen Wirtschaftspolitik der Regierung von den Zynikern im Verlag inzwischen auch eher zu den weichen Themen gerechnet wurde.
Doch danach wurde es spannend. Jonas fand es Woche für Woche faszinierend, wie sich ohne einen Ton oder ein sichtbares Zeichen, allein durch die Spannung und Dynamik im Raum, der Moment abzeichnete, in dem die Themen auf Politik umschwenkten. Erst Außen- und als Highlight zum Schluss die Innenpolitik. Das waren die Themen, die für die kommende Woche die Schlagzeilen und Titelseiten bestimmen würden, wieder einmal. Und genau dafür war Jonas hier, in dieser Stadt, in diesem Gebäude und in diesem Stockwerk. Hier, bei dem „Anzeiger“, wie der „Tagesanzeiger“, die führende Nachrichtenmarke und eine der letzten unabhängigen und kritischen journalistischen Institutionen in Deutschland allgemein genannt wurde.
Während Jonas immer noch den jetzt leeren Konferenzraum beobachtete, den seine Vorgesetzte Karen Wieger, gerade verlassen hatte, dachte er an das vergangene Jahr zurück. Himmel, was war das für ein Ritt gewesen.
Angefangen hatte es damit, dass er, Jonas Kellermann, sich im Wettbewerb um die Stelle des Junior-Redakteurs Politik durchgesetzt hatte. Das war der begehrteste Nachwuchs-Job im deutschen Journalismus. In einem harten Auswahlverfahren hatte er sich gegen hunderte, wenn nicht tausende, Bewerber durchgesetzt. Dem Sieger winkte eine Titelstory, und ein hartes Jahr, nach dessen Ende die Übernahme als Vollredakteur keineswegs sicher war. Doch Jonas hatte es geschafft. Seine Recherche über rechtsradikale Personen und Strukturen in der PD, der „Partei für Deutschland“, hatte ihm nicht nur den Job verschafft.
Die letzte Bundestagswahl war gerade vorbei gewesen, und alle Welt hatte den damals knapp unterlegenen Parteivorsitzenden der PD, Günther Wicznewski gehört, der drohend in alle TV-Kameras und Journalisten-Mikros gerufen hatte „Wir werden sie jagen. Wir werden diese Regierung jagen und vor uns hertreiben. Bis Deutschland, bis Europa, bis die ganze Welt sieht, dass dieses Kartell aus etablierten, rückwärtsgewandten Welt-verbesserern nicht in der Lage ist, die Probleme des Landes zu lösen. Wir werden sie jagen, bis alle sehen, dass nur die PD den gewaltigen Herausfordernden gewachsen ist.“ Damals klang es wie die Frustration eines Wahlverlierers, der sich trotz besserer Wahlprognosen mit dem Platz der größten Oppositionsfraktion begnügen musste.
Doch Jonas hatte gleich in seinem ersten Artikel aufgedeckt, dass „jagen“ durchaus wörtlich verstanden wurde, zumindest in einigen lokalen Kreisverbänden der Partei und ihnen nahestehenden rechten Gruppierungen. Er hatte aufgedeckt, wie sich bisher unauffällige Jugendliche über Telegram-Nachrichten organisierten und abstimmten, um gezielt Veranstaltungen und Auftritte der anderen Parteien zu stören. Und nicht nur das: in einer exklusiven Reportage hatte er Belege und Indizien zusammengetragen, dass dies nicht nur im Wissen, sondern auch mit expliziter Billigung der PD geschah. Nicht zuletzt wegen dieses Artikels waren einzelne Funktionäre und Gruppierungen der PD unter Beobachtungsstatus durch das Bundesamt für Verfassungsschutz genommen worden.
Im Laufe des Jahres war die Situation dann häufiger eskaliert. Politiker waren mehrfach gezwungen, Auftritte abzubrechen oder aus Sicherheitsgründen sogar ganz abzusagen. Vor allem im Thüringischen Landtagswahlkampf gab es einzelne Angriffe und körperliche Drohungen gegen Kandidaten der Grünen und ein SPD Bürgermeister im Ort Wasungen wurde sogar krankenhausreif geschlagen, als er während des Wahlkampfes an den falschen Haustüren geklingelt hatte.
Jonas hatte über all das berichtet und immer wieder Hintergrund-Geschichten, brisante Zitate und personelle Verbindungen öffentlich gemacht. Dadurch war er in der Redaktion schnell ernst genommen worden und immer enger in die innenpolitische Berichterstattung eingebunden worden. Er reiste zu politischen Kundgebungen und sammelte „O-Töne“, die er dann als Zuarbeit für die Redakteure und deren Berichterstattung in der Zeitung, online und im TV beisteuerte. Dadurch erwarb er sich die Aufmerksamkeit von Karen Wieger, die ihn irgendwann wie selbstverständlich mit in die Ressortkonferenz einlud.
Und erst seit wenigen Wochen war er tatsächlich fest übernommen worden. Nicht nur Karen und Gert Wernlein, sondern auch Dr. Hollebeck persönlich, der Verlagschef und CEO, hatten ihn beglückwünscht. Und heute war er nicht nur fester Bestandteil des Politikressorts Innen, sondern inoffizieller PD-Spezialist.
Um Jonas erwachte die Redaktion aus ihrer Erstarrung. Erst leise, dann lauter und in Gruppen diskutierten die Journalisten. Erste Vermutungen schwirrten durch den Raum, was die ominöse Mappe enthalten haben könnte und aus welchem Ministerium sie wohl käme. Jeder wusste, dass diese Mappen vertrauliche, als Verschluss-Sache gekennzeichnete Dokumente der Regierung und ihrer Organe enthielten. Nicht, dass diese noch nie den Weg in die Redaktion gefunden hätten, doch es war allen klar, dass diese offenbar brisanten Dokumente die eben erlebte heftige Reaktion ausgelöst haben mussten. Und sie wären keine Journalisten gewesen, wenn sich nicht sofort gefragt hätten, was diese Mappe für Sprengstoff enthielte, wie Karen da ran gekommen sein könnte und wie sie dies für einen weiteren spektakulären Coup nutzen könnten.
Jonas hatte Schwierigkeiten sich dazu durchzuringen, sich seinen Tagesaufgaben zu widmen. Um 10:30 würde die tägliche Ressortkonferenz beginnen, und anschließend würde er sich auf den Weg nach Jena machen, um von der montäglichen Demonstration der „Omas gegen Rechts“ zu berichten.
„Aber vorher brauche ich noch einen Kaffee“, dachte er sich, und erhob sich in Richtung Kaffeemaschine. Dort traf er Daniela, die Praktikantin aus dem Social Media Team der Online-Redaktion.
„Na Jonny, hartes Wochenende gehabt? Du siehst aus, als ob du noch gar nicht richtig hier wärst?“ neckte sie ihn. Er konnte Daniela gut leiden, die immer keck und selbstsicher war und mit ihren aktuell blau gefärbten Stoppelhaaren auffiel wie der sprichwörtliche bunte Hund.
„Passt schon, Wochenende war chillig, aber hier geht's ja heute Morgen schon rund. Was war das denn eben mit Karen und dem Alten?"
Jonas sprach natürlich von Wernlein. Der Chefredakteur war mit seinen 64 Jahren und gut 150 Kilo eigentlich immer der Fels in der Brandung. Mit unerschütterlicher Ruhe und Souveränität leitete er die Redaktion auch durch die hektischsten Nachrichtenlagen. Nach außen wirkte er oft fast schon gelangweilt. Doch die Redaktion wusste, und schätzte, dass Wernlein immer angetrieben war durch die Gier nach Wahrheit und die Neugier auf die Menschen – die, die Nachrichten produzierten und die, die selbst Teil der Nachricht waren. Ein messerscharfer Verstand durchschaute die politischen Manöver derer, die sich nicht in die Karten blicken lassen wollten ebenso wie die mehr oder weniger geschickt platzierten Indiskretionen derer, die die Nachrichtenlage zu ihren Gunsten beeinflussen wollten.
„Keine Ahnung, klang ziemlich heftig." Daniela senkte die Stimme und sah sich um. „Ich war noch am Kaffee holen, als es schon losging. War zwar laut, aber durch die Glaswand konnte ich nicht alles verstehen."
„Aber du hast was mitbekommen?" Jonas beugte sich näher.
„Na klar. Du kennst doch Wernlein." Daniela stellte sich gerade auf, drückte den kaum vorhandenen Bauch raus und imitierte die charakteristische tiefe Stimme des Chefredakteurs: „'Fünfunddreißig Jahre beim Anzeiger, Karen! Fünfunddreißig Jahre, und ich hab‘ noch nie etwas veröffentlicht, was ich nicht hundertprozentig belegen konnte!'"
Jonas musste grinsen. Die Imitation war perfekt. „Und dann?"
„Dann hat er was von 'journalistischer Sorgfalt' gebrummt und 'das ist nicht unser Job'. Du weißt ja, wie er ist." Daniela wurde wieder ernst. „Aber ehrlich, Jonas, so aufgebracht hab‘ ich ihn noch nie gesehen. Der zitterte richtig vor Wut."
„Was hat Karen gesagt?"
„Die war genauso sauer. Hat was von 'historischer Chance' und 'wir schreiben Geschichte, statt nur darüber zu berichten' geschrien." Daniela schüttelte den Kopf. „Klang nach einem ziemlichen Clash der Generationen."
Jonas runzelte die Stirn. „Worum ging es denn konkret?"
„Irgendwelche Dokumente. Diese Mappe mit dem roten Balken – hast du gesehen?" Daniela senkte wieder die Stimme. „Wernlein hat mehrmals gesagt: 'Kopien von Kopien, anonyme Quellen – das ist nicht Journalismus, das ist Glücksspiel!' Und dann kam sein Lieblingsspruch."
„Welcher?"
Daniela imitierte wieder Wernleins Tonfall: „'Weißt du, was schlimmer ist als Fake News, Karen? Echte Nachrichten, die wegen mangelnder Belegbarkeit erfolgreich als Fake News verunglimpft werden können. Damit pissen wir uns als vierte Gewalt selbst ans Bein!'"
Jonas lachte trotz der angespannten Situation. „Das klingt wie er. Aber dass er so explodiert..."
„Ja, total ungewöhnlich. Normalerweise bleibt er doch eisern ruhig, auch wenn er innerlich kocht." Daniela balancierte ihren Kaffee und die Kekse. „Aber bei dem Thema journalistische Standards kennt er echt keinen Spaß. Du weißt ja, wie er über Clickbaiting und schlecht recherchierte Artikel herzieht."
„Und Karen? Wie hat sie reagiert?"
„Die war richtig giftig. Hat was von 'alter Schule' und 'verpassten Chancen' gesagt. Und dass die Konsequenzen des Nicht-Handelns schlimmer seien." Daniela zuckte mit den Schultern. „Ehrlich gesagt, ich weiß ja nicht, um was es geht. Wernlein mit seinen Prinzipien, ok. Das nervt manchmal. Aber Karen... die wirkte, als wüsste sie was, was der Rest von uns nicht weiß."
„Wie meinst du das?"
„Na, es ging um diese Mappe. Das war offenbar nicht nur irgendein Tipp - das war was Großes. Und Karen schien überzeugt, dass es wichtig ist." Daniela sah zur Kaffeemaschine, wo sich eine Schlange bildete.
„Aber vielleicht weiß ja einer da draußen im wide wide Web wieder mehr als die anderen und kann sich nicht zurückhalten, damit zu protzen. Würdest du deine allwissenden Augen und Ohren für mich aufhalten?" versuchte Jonas es mit Schmeicheln.
Doch Daniela kannte das Spiel: „Wait a Minute, Marcel hat mich schon auf den Geheimdienst-Ausschuss angesetzt und dafür eine Erwähnung in seinem Artikel angeboten. Und mein Online-Chef würde mir sicher eine Eilmeldung und mindestens drei Drehungen für den Opener freiräumen, wenn ich es ihm als ersten stecke. Du müsstest also schon mindestens Co-Autor für eine Titelstory anbieten." lachte sie, während sie Kaffee und einen kleinen Teller mit Keksen balancierte.
Bevor sie die Kaffeeküche verließ, drehte sie sich noch einmal um: „Aber pass auf, Jonas. Wenn Wernlein so reagiert, dann ist da was richtig Heißes dran. Und bei solchen Sachen gibt es meistens keine Gewinner."
Jonas grinste und lief zurück zu seinem Rechner, in Gedanken schon bei der Demo am Nachmittag. Er erwartete nichts Besonderes, aber vielleicht konnte er ein paar gute O-Töne einfangen. Trotzdem, Danielas Warnung hallte noch nach.
Karen ließ sich in der Ressort-Konferenz vertreten. Direkt nach der eskalierten Redaktionskonferenz hatte der Vorstandsvorsitzende Dr. Ernst Hollebeck sie und Gert Wernlein zum Rapport bestellt. Jetzt saßen Karen Wieger und Gert Wernlein in den tiefen Ledersesseln von Dr. Ernst Hollebecks Büro im 22. Stock. Durch die bodentiefen Fenster blickte man über ganz Berlin, von der Spree bis zum Fernsehturm. An den Wänden hingen gerahmte Titelseiten historischer Ausgaben des Tagesanzeigers neben Fotos von Hollebeck mit Bundeskanzlern, Ministerpräsidenten und CEOs der DAX-Konzerne.
Hollebeck saß hinter seinem makellosen Schreibtisch aus dunklem Holz, die Hände gefaltet, und musterte seine beiden wichtigsten Mitarbeiter mit der gleichen kühlen Präzision, mit der er Bilanzen prüfte. Mitte fünfzig, stets tadellos in maßgeschneiderten Anzügen, verkörperte er jenen Typus Manager, für den Medienunternehmen keine publizistische Mission waren, sondern Assets in einem größeren Portfolio – Instrumente zur Maximierung von Rendite und Einfluss.
Erst vor fünf Jahren hatte er die Führung des Tagesanzeigers übernommen, jenes Blattes, das sein Großvater in den Wiederaufbau-Jahren gegründet und sein Vater ins wiedervereinte Deutschland geführt hatte. Nach seinem Studium in Princeton, Internationales Management, hatte Hollebeck jahrelang mit seinem guten Namen als Unternehmensberater und Investment-Manager im Medien- und Technologiesektor operiert - stets dort, wo sich Kapital und Macht überschnitten. Seit seinem Antritt hatte er den Tagesanzeiger konsequent modernisiert und zu neuer Profitabilität geführt – nicht aus Sentimentalität gegenüber dem Familienerbe, sondern weil er verstand, dass profitabler Journalismus nur die Basis war für das eigentlich Wertvolle.
Denn während ihm jeglicher journalistische Pathos fremd blieb, hatte er eine Erkenntnis verinnerlicht, die seine Vorgänger bestenfalls intuitiv erfasst hatten: Die Steuerung öffentlicher Meinung war kein Nebenprodukt des Verlagsgeschäfts, sondern dessen eigentlicher strategischer Wert. Wer die Narrative kontrollierte, schrieb die Bedingungen, unter denen Politik und Wirtschaft agierten. Das machte einen Verlag wertvoller als seine Bilanzsumme – es machte ihn zu einem Hebel.
Jetzt lag die rot gebänderte Mappe vor ihm auf dem Tisch wie eine unentschärfte Bombe. „Also," sagte Hollebeck schließlich und seine Stimme schnitt durch die angespannte Stille. „Karen, zeigen Sie uns, was Sie da haben." Karen schlug die Mappe auf und schob die Dokumente über den Tisch. „Ein interner Vermerk des Bundesamtes für Verfassungsschutz an die Innenministerin, datiert vom 21. Februar. Eine Vorab-Information über die Heraufsetzung der PD von 'Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen' auf 'In Teilen gesichert verfassungsfeindliche Aktivitäten."
Wernlein griff nach den Papieren und studierte sie intensiv. „Woher kommt das?" „Anonyme Quelle, vermutlich aus dem Innenministerium. Kam gestern Nacht über unseren Investigativ-Briefkasten rein." Karen lehnte sich vor. „Die Quelle sagt, der Bericht sollte letzte Woche an den Kanzler weitergeleitet werden. Wurde er aber nicht."
„Warum nicht?" fragte Hollebeck.
„Das ist die entscheidende Frage, nicht wahr?" Karen zog ein weiteres Blatt hervor. „Hier, von der gleichen Quelle: Ein interner Chat zwischen der Innenministerin und ihrem Staatssekretär, Werner Ziegler. Zitat: 'Der Zeitpunkt ist ungünstig. Wir verschieben die Weiterleitung bis nach der Sommerpause.'"
Wernlein blickte auf. „Das kann politisch motiviert sein. Kurz vor einer wichtigen Landtagswahl..."
„Oder es ist Vertuschung", unterbrach Karen ihn scharf. „Gert, schauen Sie sich die Belege in dem Bericht an. Der PD werden Finanzströme aus Russland nachgewiesen. Verbindungen zu militanten Gruppen. Konkrete Pläne zur Unterwanderung von Polizei und Bundeswehr." Sie zeigte auf verschiedene Passagen. „Das hier ist nicht irgendein politisches Manöver. Das ist Staatsschutz."
Hollebeck beugte sich über die Dokumente. „Wenn das stimmt, und die das unterdrücken ... das wäre der größte politische Skandal seit der Wiedervereinigung."
„Großes Wenn", murmelte Wernlein. „Karen, wie sicher können wir sein, dass diese Dokumente echt sind?"
Karen blicke genervt zur Decke. „So sicher wie man bei Whistleblowern nun mal sein kann. Aber die Namen stimmen, die Dokumente sind authentisch.“
„Das reicht nicht." Wernlein stand auf und ging zum Fenster. „Wir können die Echtheit nicht unabhängig verifizieren. Keine zweite Quelle, keine offizielle Bestätigung. Das ist journalistisches Vabanquespiel."
Hollebeck lehnte sich zurück. „Aber stellen Sie sich vor, es stimmt, und wir bringen es nicht. Die PD steht in Thüringen bei fünfundzwanzig, vielleicht 30 Prozent. Veröffentlichung oder nicht – das kann wahlkampf-entscheidend sein.“
„Genau. Stellen Sie sich vor, es ist eine Fälschung", konterte Wernlein heftig. „Die PD verklagt uns erfolgreich, diskreditiert uns als Fake-News-Schleuder, und wir liefern ihnen den perfekten Wahlkampf-Aufhänger."
Karen wurde ungeduldig. „Gert, wir sind Journalisten. Unser Job ist es, die Wahrheit zu veröffentlichen, nicht sie zu verstecken. Wenn es aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente …"
„Unser Job ist es, verifizierte Wahrheit zu veröffentlichen, keine Enten.", schoss Wernlein zurück. „Ganz schlechtes Wortspiel. Was Sie hier vorschlagen, ist Aktivismus, nicht Journalismus."
„Aktivismus?" Karens Stimme wurde schrill. „Wenn eine verfassungsfeindliche Partei Deutschland übernehmen will, und wir schauen zu, dann ist das Kollaboration!"
Wernlein drehte sich um, sein Gesicht war rot angelaufen. „Karen, hören Sie sich zu! Das ist exakt die Rhetorik, die sie uns vorwerfen. Schwarz-weiß-Denken. Wir gegen sie. Gut gegen böse."
„In diesem Fall ist es gut gegen böse!"
„Nein!" Wernlein schlug mit der Faust auf den Tisch. „Es ist kompliziert gegen einfach. Es ist sorgfältig gegen sensationsgeil. Es ist verantwortlich gegen verantwortungslos!"
Hollebeck hob die Hand. „Beruhigen Sie sich, beide." Er stand auf und ging um seinen Schreibtisch herum. „Gert, ich verstehe Ihre Bedenken. Aber manchmal muss man Risiken eingehen."
„Ernst, ich kenne Sie seit fünf Jahren. Sie sind ein Geschäftsmann, kein Journalist. Ihnen geht es um Auflage und Klickzahlen."
Hollebecks Augen wurden kalt. „Das ist eine Unterstellung."
„Ist es das?" Wernlein zog sein Handy hervor. „Soll ich Ihnen die Zahlen der letzten Quartale vorlesen? Minus zwölf Prozent Print, minus acht Prozent Online. Die Konkurrenz frisst uns auf."
„Eben deshalb brauchen wir solche Coups."
„Aha!" Wernlein zeigte auf Hollebeck. „Da haben wir es. 'Coups'. Nicht Berichterstattung. Nicht Aufklärung. Coups."
Karen mischte sich wieder ein. „Gert, Sie waren früher mutiger. Erinnern Sie sich an die Visa-Affäre? Da haben Sie auch publiziert, bevor alles hundertprozentig sicher war."
„Bei der Visa-Affäre hatten wir drei unabhängige Quellen und Dokumente, die von mehreren Experten verifiziert wurden." Wernlein setzte sich wieder. „Hier haben wir... was? Kopien von Kopien von einer anonymen Quelle."
Hollebeck begann im Raum auf und abzugehen. „Aber die Alternative ist, dass wir nichts tun. Dass wir zusehen, wie entweder eine demokratiefeindliche Partei an die Macht kommt. Oder wie die Innenministerin aus welchen taktischen Überlegungen auch immer diesen Bericht missbraucht."
„Die Alternative ist, dass wir unseren Job machen", sagte Wernlein ruhig. „Dass wir recherchieren. Dass wir Quellen suchen. Dass wir belegen, was belegbar ist."
„Dafür haben wir keine Zeit", warf Karen ein. „Bis wir drei Monate recherchiert haben, ist die Sache gelaufen. Und die Landtagswahl auch."
„Karen, hören Sie sich zu. Sie wollen Wahlen beeinflussen. Das ist nicht unser Job."
„Doch, ist es!" Karen stand ebenfalls auf. „Wenn die Demokratie in Gefahr ist, dann ist es verdammt noch mal unser Job!"
Wernlein schüttelte den Kopf. „Wissen Sie, was das Perfide an Fake News ist? Nicht, dass sie falsch sind. Das Perfide ist, dass sie echte Nachrichten vergiften. Dass sie das Vertrauen zerstören." Er zeigte auf die Dokumente. „Wenn wir das hier publizieren, ohne es zu verifizieren, und es stellt sich als Fälschung heraus, dann haben wir nicht nur uns diskreditiert. Dann haben wir jeden investigativen Journalisten in diesem Land diskreditiert."
Hollebeck blieb vor seinem Schreibtisch stehen. „Aber wenn es echt ist, und wir publizieren es nicht..."
„Dann finden wir andere Wege, es zu belegen. Dann machen wir unseren Job."
„Gert", Hollebecks Stimme wurde leise, fast bedrohlich. „Ich schätze Ihre Erfahrung. Aber Sie vergessen, wer hier die Entscheidungen trifft."
Ein langes Schweigen folgte. Wernlein starrte Hollebeck an, dann Karen, dann wieder Hollebeck.
„Ernst", sagte er schließlich. „Wenn Sie das durchziehen..."
„Dann was?"
Wernlein stand langsam auf. „Dann nicht mit mir."
Karen schnappte nach Luft. „Gert, Sie können nicht ernsthaft..."
„Doch, kann ich." Seine Stimme war ruhig geworden, fast traurig. „Fünfunddreißig Jahre beim Anzeiger. Ich habe diese Zeitung durch zwei Wirtschaftskrisen, drei Kanzler und die Digitalisierung gebracht. Aber das..."
„Das was?" fragte Hollebeck herausfordernd.
„Das macht uns zu dem, was sie uns schon immer vorwerfen. Zu einer Propaganda-Maschine. Nur mit umgekehrten Vorzeichen."
Hollebeck verschränkte die Arme. „Das ist Ihr letztes Wort?"
„Das ist es."
Wernlein sammelte seine Notizen zusammen und ging zur Tür. Bevor er sie öffnete, drehte er sich noch einmal um.
„Ich hoffe, Sie wissen, was Sie tun, Ernst. Und ich hoffe noch mehr, dass Sie falsch liegen."
Der Demonstrationszug schlängelte sich träge vom Johannistor durch den Leutragraben. Jonas schätzte die Teilnehmerzahl auf knapp dreihundert – nicht schlecht für eine fast schon routinierte Veranstaltung an einem Montagnachmittag, aber auch nicht gerade überwältigend. Die Mischung war vorhersehbar: ältere Herren mit Hornbrillen und Jute-Beuteln, die ihre Empörung durch energisches Nicken ausdrückten, Rentnerinnen mit bunten Kopftüchern und fest entschlossenen Mienen, junge Mütter, die ihre Kinderwagen wie Rammbocke vor sich herschoben. Dazwischen ein paar Lokalpolitiker der Grünen und Linken mit professionellen Bannern, die wie Leuchttürme der Ordnung aus dem Meer der handgeschriebenen Pappkartons ragten.
„Kein Platz für Nazis in Jena!" und „Unsere Stadt bleibt bunt!" – die üblichen Parolen flatterten träge in der überraschend milden Frühlingsluft. Jonas ging seitlich neben dem Zug her, den kleinen Digitalrecorder locker in der Hand, und suchte nach brauchbaren O-Tönen. Bisher war alles erschreckend vorhersehbar verlaufen.
Sein Blick blieb an einer Gruppe jugendlicher Punks hängen. Offenbar eher wegen des sonnigen Wetters hatten sie sich dem Zug angeschlossen. Zwei Mädchen am Rand der Gruppe fielen ihm besonders auf: eine schlanke, großgewachsene mit wilder Lockenmähne und einem Netz aus silbernen Ketten um den Hals, die andere etwas fülliger mit einem markanten Nasenring und einem bauchfreien T-Shirt, das einen deutlich gerundeten Bauch freigab. Sie unterhielten sich kichernd über eine Gruppe älterer Demonstranten, die mit erstaunlich kräftigen Stimmen Gospel-Lieder anstimmten.
Jonas näherte sich der Gruppe. „Entschuldigung, ich bin Journalist vom Tagesanzeiger. Darf ich fragen, was Sie heute hierherführt?"
Die größere der beiden Mädchen musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen, als würde sie ihn taxieren. „Journalist, ja. Kommt drauf an, was SIE schreiben.“ Das ‚Sie‘ zog sie verächtlich in die Länge, lachte dann aber und strecke ihm mit einem angedeuteten Knicks die Hand hin. „Ich bin Maja," und deutete mit dem Daumen auf ihre Begleiterin. „Und das ist Bettina. Kampfname Boje." Bettina klopfte grinsend auf ihren kleinen Bauch. „Weil ich so rund bin wie 'ne Boje im Meer."
Jonas schaltete den Recorder ein. „Und was treibt euch heute auf die Straße?"
„Die Faschos werden immer dreister", antwortete Boje mit einer Härte in der Stimme, die Jonas überraschte. „Aber nicht nur die Glatzen in Springerstiefeln. Die neuen Rechten, die PD-Wichser."
Maja ergänzte: „Wir sind von hier, also an der Uni, aber auch aus Thüringen. Und dass die Nazis hier Fuß fassen, dagegen müssen wir alle was tun, jeder von uns. Da muss man gegen an. Haltung zeigen. Die gegen uns. Darum geht’s doch.“
Jonas wollte gerade nachhaken, doch Boje winkte ab. Eher resigniert als vorwurfsvoll sagte sie zu Maja: „Ach, lass doch. Das ist zu kompliziert für die Presse. Is‘ halt nicht so reißerisch, nicht so schön einfach schwarz-weiß.“ An Jonas gewandt, fügte sie hinzu: „Seit die Nazis hier groß auftrumpfen hat man ja fast das Gefühl, dass alle anderen vergessen wurden. Früher waren die Augen rechts fest zugekniffen. Und heute? Da ist der Osten abgeschrieben. Alles ganz schlimm, Empörung und Betroffenheit und so, aber die können’s halt nicht besser.“
Maja gab noch nicht auf. Sie griff sich den Presseausweis, der Jonas an einem Band um den Hals hing und drehte ihm um. „Ok, Herr Kellermann vom, Tagesanzeiger‘. Dann schreib mal was Gescheites über das, was hier wirklich abgeht. Ich könnte dir unzählige Beispiele erzählen, wie die Nazis hier schon Fuß fassen. Da geht es gar nicht um Skins mit Springerstiefeln, die Ausländerheime anzünden. Nee, ich finde es viel schlimmer, wie selbstverständlich heute rechte Parolen in der Schule und im täglichen Leben sind. Das ist nicht mehr nur so am Rand bei den dummen Glatzen, das ist bei uns schon mitten im Leben angekommen.“
Der Demonstrationszug war kurz vor dem Teichgraben, als die Stimmung auf einmal umschlug. Viele Teilnehmer blickten besorgt auf ihre Handys. Auch Maja und Boje bekamen zeitgleich eine Nachricht, offenbar eine Warnmeldung. Majas Gesicht wurde blass, während sie auf das Display starrte.
„Scheiße, verdammte", zischte sie und zeigte Jonas den Bildschirm. „Die PD-Truppe ist auch da. Gegendemonstration am Kirchplatz. Sieht nach richtig Ärger aus."
Boje fluchte leise vor sich hin. „Wie viele?"
„Steht hier nicht. Aber wenn sie Alarm schlagen..." Maja blickte nervös um sich. „Lass uns außen rum gehen, die anderen sind schon los, zur Uni. Wir treffen uns am Wohnheim.“
Die beiden begannen sich langsam und unauffällig vom Hauptzug zu lösen, bewegten sich zum Rand der Demonstration, wo sie zwischen den Passanten und Schaulustigen verschwinden konnten. „Jonas, kommst du mit? Das hier könnte gefährlich werden, aber ich würde dir gerne mehr erzählen, was hier abgeht. Wenn es Dich interessiert …“
Jonas zögerte einen Moment. Als investigativer Journalist hatte er schon einige brenzlige Situationen erlebt – Drogenrazzien, Gerichtsprozesse gegen Rechtsextreme, ein aufgelöster Parteitag der NPD. Aber das hier fühlte sich anders an, direkter, persönlicher.
Jonas entschied sich spontan. Sie waren gerade am Holzmarkt angelangt, dem zentralen Platz der Altstadt, als sich die Geräuschkulisse merklich veränderte. Aus der Richtung des Kirchplatzes drang aggressives Gegröle herüber, das sich bedrohlich mit den friedlichen Parolen der Demonstranten vermischte. Vuvuzelas und Trillerpfeifen übertönten bereits die ersten Ansprachen.
„Da geht schon was ab", murmelte Boje und beschleunigte ihren Schritt. Sie liefen zielstrebig die Löbderstraße hinauf Richtung Markt, weg von der offiziellen Demo-Route. Jonas spürte, wie sich seine Pulszahl erhöhte. „Wo wollt ihr hin?"
„Erstmal treffen wir uns am Studentenwohnheim. Und dann schauen, was die Nazi-Schweine so treiben", antwortete Maja über die Schulter. „Vielleicht können wir verhindern, dass die durchkommen zu unserer Demo."
Sie bogen in die Greifgasse ein – eine ruhige Seitenstraße mit Altbauten aus der Gründerzeit, deren Fassaden von efeuüberwachsenen Balkonen geprägt waren.
„Shit", zischte Maja und blieb abrupt stehen. Ihre Hand wanderte instinktiv zu ihrer Jacken-Innentasche. Jonas bemerkte die vier Gestalten, die ihnen etwa fünfzig Meter entfernt entgegenkamen. Schwarze Bundeswehrhosen, schwere Springerstiefel, weiße Hemden oder T-Shirts und schwarze Baseballkappen, tief ins Gesicht gezogen.
Auch Boje hatte die Gruppe erspäht. „Fuck. Das sind die vom Saalkreis. Kenn ich vom Sehen."
Jonas spürte, wie sich seine Kehle zusammenzog. Die Atmosphäre war plötzlich elektrisch aufgeladen, wie vor einem Gewitter. Aus der Ferne drang das Dröhnen von Polizeisirenen und das zunehmende Geschrei der Demonstranten herüber. Instinktiv griff er nach seinem Presseausweis und ließ ihn sichtbar um den Hals hängen. Das rote Band mit dem Plastikausweis fühlte sich plötzlich wie ein Schutzschild an – fragil, aber besser als nichts.
Nach kurzem Zögern kam die kleine Gruppe auf sie zu, mit der zielstrebigen Entschlossenheit von Menschen, die genau wussten, was sie vorhatten. Die Entfernung zwischen den beiden Gruppen schmolz zusammen, während sich die vier Schläger sich verteilten mit der Routine von Raubtieren, die ihre Beute umkreisen. Der Anführer – ein bulliger Typ mit einer frischen Narbe am Kinn und Oberarmen wie Baumstämme – grinste höhnisch. Seine Augen waren klein und dunkel, darin lag eine Kälte, die Jonas erschaudern ließ.
„Na, seht mal an", sagte er mit einer Stimme wie Schmirgelpapier. „Zeckenbande auf Abwegen. Habt ihr euch verlaufen?"
Seine Begleiter – zwei jüngere Typen mit kurz ausrasiertem Scheitel und ein weiterer kräftiger Mann mit tätowiertem Hals und Glatze – kicherten gehässig. Sie bewegten sich langsam, aber zielstrebig, um die drei einzukreisen.
Boje zog mit zitternden Fingern ihr Handy heraus, um eine Nachricht zu schreiben. Ihre Finger tanzten hektisch über das Display.
„Weg mit dem Handy, du Schlampe!" Der Anführer machte einen drohenden Schritt nach vorn. Seine Fäuste ballten sich. „Hier wird nicht telefoniert."
Jonas trat vor und hielt seinen Presseausweis hoch. Seine Stimme klang überraschend ruhig, obwohl sein Herz hämmerte wie ein Presslufthammer. „Ich bin Journalist vom Tagesanzeiger. Ich bitte Sie höflich, zurückzutreten. Wir haben Ihnen nichts getan."
„Na toll, und die Lügenpresse ist auch gleich da.“ Der Anführer betrachtete den Ausweis mit gespieltem Interesse, dann brach er in schallendes Gelächter aus. Mit einer schnellen Bewegung schlug er Jonas den Ausweis aus der Hand. „So, und jetzt?“ fragte der Anführer, während er Jonas vor die Brust schubste. „Nix mehr mit großer Presse-Fresse, was?“ Pflichtschuldig kichernd über den eher unabsichtlichen Wortwitz wurde Jonas hart an die Wand hinter ihm gestoßen. „Hey hey, mal langsam“ versuchte er zu deeskalieren. Jonas spürte, wie sich der Kreis um sie schloss. Die Wände der alten Häuser schienen näher zu rücken, die Straße enger zu werden. In der Ferne wurde das Geschrei lauter und aggressiver – offenbar eskalierte die Situation am Kirchplatz dramatisch. Polizeisirenen heulten in der Ferne, doch ihre Gasse wirkte wie ausgestorben.
Weiterhin um eine friedliche Lösung bemüht hob Jonas beschwichtigend die Hände. „Wir haben euch wirklich nichts getan. Wir gehen einfach unseres Weges."
„Eures Weges?" Der Anführer trat so nah heran, dass Jonas seinen Schweiß und Alkoholgestank riechen konnte. „Euer Weg führt durch unser Revier, Zeckenfreund."
Als Antwort rammte einer der dünneren Typen seine Faust mit voller Wucht in Jonas' Magen. Der Schlag traf ihn völlig unvorbereitet. Die Luft entwich explosionsartig aus seinen Lungen, er klappte zusammen wie ein Taschenmesser und rang nach Atem.
„So ist brav", grunzte der Schläger zufrieden.
Der Anführer baute sich drohend vor dem keuchenden Jonas auf, der sich mühsam an der Hauswand abstützte. „So, Presse-fuzzi. Jetzt lernst du mal, was passiert, wenn man hier mit den falschen Leuten rumhängt." Er ballte demonstrativ die rechte Faust und ließ sie vor Jonas' Gesicht kreisen. „Das wird dir eine Lehre sein. Dein Zahnarzt wird Überstunden machen müssen."
Jonas wurde klar, dass reden diesmal nicht helfen würde. Diese Kerle waren nicht hier, um zu diskutieren – sie waren hier, um Gewalt auszuüben. Er hörte Maja irgendwo hinter sich schimpfen, ihre Stimme voller Wut und Angst.
Mit einem verzweifelten Ruck riss er beide Arme nach oben und traf den Anführer mit den Ellenbogen mitten ins Gesicht. Er spürte, wie Knorpel nachgab. Der Schlag war nicht so hart, wie er gehofft hatte, aber hart genug, um den bulligen Kerl zum Torkeln zu bringen und ihm einen überraschten Schmerzensschrei zu entlocken.
„Du Hurensohn!" brüllte der Anführer und fasste sich an die blutende Nase.
Die Überraschung nutzend, verteilte Jonas hastig und unkoordiniert Tritte und Schläge in alle Richtungen, mehr aus Panik als aus Berechnung. Er traf mal Fleisch, mal Luft, aber schaffte es tatsächlich, sich ein paar Schritte von der Hauswand wegzubewegen und wieder freier atmen zu können.
Doch der Anführer hatte sich bereits wieder gefangen. Blut lief aus seiner gebrochenen Nase über sein Kinn und tropfte auf sein weißes Hemd. Seine Augen funkelten vor Wut wie die eines verwundeten Tieres.
„Du verdammtes Arschloch!" brüllte er mit einer Stimme voller Hass. „Jetzt mach ich dich kaputt!"
Er stürzte sich mit einem wutverzerrten Gesicht auf Jonas wie ein tollwütiger Stier. Von der Wucht des Aufpralls wurde Jonas von den Füßen gerissen und krachte hart auf das Kopfsteinpflaster. Der Aufprall raubte ihm erneut den Atem, Schmerz schoss durch seine Rippen.
Sofort war der Schläger über ihm, seine Masse drückte Jonas zu Boden. Er setzte sich auf seinen Oberkörper und blockierte seine Arme mit den Knien. Warmes Blut tropfte von seiner Nase auf Jonas' Gesicht. Ein brutales Flackern trat in seine Augen. „Jetzt zeig ich dir, was passiert, wenn man sich mit den falschen Leuten einlässt", keuchte er und ballte die rechte Faust. Seine Knöchel waren blutig geschrammt. „Ich werde dir deine Pressefresse so zurichten, dass dich deine eigene Mutter nicht wiedererkennt."
Jonas lag hilflos da, eingeklemmt unter dem Gewicht seines Angreifers. Er konnte die Arme nicht bewegen, konnte kaum atmen. Aus den Augenwinkeln sah er die anderen drei, die Maja und Boje bedrängten. Eine der Frauen schrie, aber er konnte nicht erkennen, wer.
Der Anführer hob seine Faust, tätschelte damit fast zärtlich Jonas' Kinn, als wolle er ihm zeigen, wo es gleich einschlagen würde. Sein Grinsen war das eines Sadisten, der seine Macht auskostete.
„Das wird dir eine Lehre sein, die du nie vergessen wirst, Presseschwein."
Jonas schloss die Augen und spannte unwillkürlich jeden Muskel an, erwartete den vernichtenden Schlag, der seine Zähne zertrümmern und seinen Kiefer brechen würde.
Doch plötzlich hörte er zwei Dinge fast gleichzeitig: erst ein scharfes Zischen und dann einen markerschütternden Aufschrei direkt über seinem Gesicht. Der Schläger krallte sich beide Hände vor die Augen und schrie wie am Spieß – ein animalischer Laut voller Schmerz und Panik.
„Meine Augen! Meine verdammten Augen!"
Jonas nutzte die Verwirrung und wand sich mit aller Kraft unter dem blinden, schreienden Kerl hervor. Dabei bekam er Hilfe, die er als die Hände von Maja identifizierte. „Komm, los! Wir müssen hier weg!" Majas Stimme war schrill vor Adrenalin. „Die anderen Scheiss-Nazis sind schon abgehauen. Bis auf die Heulsuse da."
Tatsächlich – die drei Begleiter waren verschwunden, wahrscheinlich beim ersten Anzeichen ernsterer Gegenwehr. Nur der Anführer kniete noch wimmernd auf dem Pflaster und rieb sich die brennenden Augen.
Maja trat ihm noch einmal kräftig in die Rippen. „Das hast du dir selbst zuzuschreiben, du faschistisches Schwein!"
Jonas hörte schwere Schritte und Funkgeräusche aus der Richtung des Holzmarkts, war sich aber nicht sicher, ob es sich um Polizei oder Unterstützung für den Nazi-Schläger handelte.
„Wo ist Boje?", keuchte Jonas, während Maja ihn durch einen schmalen Durchgang zwischen zwei Häusern zerrte.
„Schon weg, über die Parallelstraße. Wir treffen uns später." Maja führte ihn durch einen dunklen Innenhof, vorbei an Mülltonnen und verwilderten Gartenparzellen, dann durch eine offene Hinterhaustür in ein muffiges Treppenhaus und auf der anderen Seite wieder hinaus ins Freie.
