Detektivin Kira - Ellen Hofmann - E-Book

Detektivin Kira E-Book

Ellen Hofmann

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Beschreibung

Kira liebt Pferde - nicht Rätsel. Doch als ihre Lieblingsstute spurlos verschwindet, wird sie zur unfreiwilligen Detektivin. Gemeinsam mit ihren Freunden verfolgt sie erste Spuren - und stößt auf ein gefährliches Geheimnis. Ein spannender Jugendkrimi ab 13 über Freundschaft, Mut und das Rätselhafte in vertrauter Umgebung.

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2025

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DANKSAGUNG

Einen besonderen Dank an meine Familie und meine Freunde.

Danke, dass es Euch gibt!

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Der Anfang

2. Stiller als Worte

3. Ferienzeit

4. Pferdediebstahl

5. Detektivrunde

6. Gefährliche Ermittlungen

7. Ausflug mit Hindernissen

8. Dunkle Schatten

9. Besorgniserregend

10. Ernstgemeint

11. Zum Schluss

Epilog

Nachwort

Über die Autorin

Prolog

Kira ist fünfzehn – und trägt mehr auf den Schultern, als ein Mädchen in ihrem Alter tragen sollte.

Der Tod ihres Vaters hat eine Wunde hinterlassen, die nicht heilen will. Dass er selbst schuld war – durch Alkohol, durch einen Unfall, der vier weitere Menschen mitriss – ist eine Wahrheit, die Kira kaum erträgt. Stattdessen gibt sie ihrer Mutter die Schuld, weil sie es ausgesprochen hat.

In der Reittherapie findet Kira langsam wieder zu sich – mit jeder Begegnung und der Stille im Stall. Ihr Freundeskreis steht ihr zur Seite, auch wenn Kira nicht immer zeigt, wie viel ihr das bedeutet.

Und dann sind da noch Thomas, der Reitlehrer mit Geduld und Blick fürs Wesentliche – und Robbie, der stille Junge aus ihrer Schule, der mehr mit ihr gemeinsam hat, als sie ahnt.

Doch als mehrere Pferde verschwinden – darunter auch Scally, ihre Seelengefährtin auf vier Hufen – beginnt für Kira ein Abenteuer, das alles verändert. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

1. Der Anfang

»Reiten ist toll, Reiten ist toll!«

Die fünfzehnjährige Kira murmelte die Worte leise wie ein Mantra, während des anstrengenden Reitunterrichts vor sich hin.

Sie nahm an diesem Reitunterricht nicht freiwillig teil. Nur wegen ihrer Mutter, damit diese Ruhe gab. In Wirklichkeit wäre sie jetzt gerne zuhause, in ihrem Zimmer, vergraben unter Kissen in ihrem Bett. Oder wie eine Emoji gelöscht. Kein Ton, kein Bild, einfach weg.

»Kira konzentrier dich! Nimm die Hände etwas höher!«, hörte sie Thomas Bender rufen. Den Reitlehrer und Besitzer des Reitstalls, in dem Kira seit drei Monaten ein Teil ihrer Freizeit verbrachte.

Auch das war ein Wunsch ihrer Mutter. Und ihres Therapeuten. Sie glaubten, die Verbindung zu Pferden und die Bewegung würden Kira helfen, aus diesem dunklen Loch herauszukommen.

»Reiten ist… irgendein Mist«, änderte Kira den Satz mürrisch.

Klar, Mama wusste ja immer alles besser. Sogar, was gegen Trauer hilft. Pferde. Logisch. Ihre perfekte Mutter, die auf alles eine Antwort hatte.

Auch darauf, wieso Kira ihren Vater vor zwei Jahren durch einen schweren Autounfall verlor.

Eine schonungslose Antwort: Zuviel Alkohol.

Kira glaubte ihrer Mutter kein Wort. Ihr geliebter Vater trank nicht so viel, dass er als Geisterfahrer eine komplette Familie, zwei Kinder, Vater und Mutter, sowie sich selbst, im Suff durch einen Frontalaufprall auslöschte. Nicht ihr Vater!

»Kira, setze dich mehr in den Sattel, du rutschst nach vorne!«

Thomas Bender, der in der Mitte der großen Reithalle stand und Kira Einzelunterricht erteilte, bemerkte sehr wohl, dass seine Reitschülerin wieder einmal total unkonzentriert und nicht wirklich bei der Sache war.

Zum Glück besaß sie ein natürliches Talent zum Reiten. Das Pferd unter ihr lief wie ein Uhrwerk, von Anspannung keine Spur.

Thomas kannte sein Lieblingspferd, eine reinrassige Tinkerstute, die er damals vor acht Jahren, direkt aus Irland geholt hatte. Zusammen mit vier anderen Tinkern, die den Grundstock seines neu eröffneten Reitbetriebes bildeten.

Scarlett, die rotbraun-weiße Tinkerstute war zickig. Nicht viele konnten mit ihr umgehen. Aber zu Kira hatte sie ein besonderes Verhältnis aufgebaut. Nur deshalb ging sie unter ihrer Reiterin locker und konzentriert, obwohl diese gerade nicht sehr aufmerksam dem Unterricht folgte.

Der Reitlehrer wusste von den Problemen Kiras. Das Trauma nach dem Tod des Vaters. Als ehemaliger Kinderpsychologe kannte er sich aus. Sah die Traurigkeit in Kiras Augen, die Ausdruckslosigkeit und das selten lächelnde Gesicht.

Er erkannte Depressionen bei Kindern. Wie Kiras Therapeut erwähnt hatte, litt sie auch unter Schlafstörungen, hatte an nichts Spaß und es fehlte ihr an Selbstwertgefühl.

Das Unglücklichsein war ihr ins Gesicht geschrieben.

Nur für Scarlett zeigte sie Gefühle.

Bei Scarlett, von Kira liebevoll „Scally“ genannt, taute sie auf. Streicheln, leise Gespräche. Manchmal lachte sie sogar. Heimlich, wenn sie sich unbeobachtet fühlte.

Die Arbeit zusammen mit Kira im Stall, war für Thomas Bender eine echte Herausforderung. Kira zeigte sich gern unkooperativ, aufsässig, schlecht gelaunt, überhaupt sehr anstrengend. Aber das Mädel konnte reiten... und wie!

Außerdem tat sie ihm leid. Trotz ihrer Aufsässigkeit mochte er sie. Sie erinnerte ihn an sich selbst als Teenager.

Auch im Studium war er schwierig gewesen, aber auch erwachsener. Jetzt wusste er was er wollte.

»Machen wir Schluss für heute!«, rief er der Reiterin zu. »Kannst du bitte noch den Auslauf von Scally ausmisten?«

Wie immer verzog Kira missmutig das Gesicht bei solchen Anweisungen. Aber Thomas Bender wusste, dass sie trotzdem sehr sorgfältig ausmisten würde. Vielleicht blieb die Schubkarre mitten im Gang stehen oder die Wassereimer. Aber auf Scarlett würde Kira aufpassen.

Er zuckte mit den Schultern. Noch wollte er die Hoffnung, Kira wieder zurück in ein normales Leben zu führen, nicht aufgeben.

»Kira Aufstehen!«

Anna Kessler, Kiras Mutter, versuchte mittlerweile das dritte Mal, ihre Tochter aus dem Bett zu bekommen. Jeden Morgen das Gleiche.

Es fiel ihr nicht leicht Kira immer und immer wieder anzutreiben.

»Kira tue das, Kira tue dies!«

Lieber würde sie sich genauso gehen lassen, wie Kira es tat. Einfach im Bett liegen bleiben und Decke über den Kopf.

»Kira, komm jetzt frühstücken, bevor du in die Schule gehst!«

Das Frühstück, das sie hergerichtet hatte, stand unangerührt auf dem Küchentisch.

Auch Anna fiel es schwer einen normalen Alltag aufrecht zu erhalten.

»Scheiß auf die Verantwortung und Scheiß auf Kinder, Haus, Arbeit!«, hätte Anna am liebsten geschrien. Aber sie biss die Zähne zusammen, um Kira nicht auch noch zu verlieren.

Nicht, dass sie ihrem Mann nachtrauerte. Die Ehe war bereits seit Jahren ein Desaster. Die Spielsucht und die Alkoholexzesse ihres Mannes waren ihr noch sehr gut in Erinnerung. Vor allem deshalb, da sie alles Menschenmögliche versucht hatte, Kira diese zu verheimlichen. Alle nur denkbaren Ausreden und Lügen zu erfinden, damit Kira in ihrem Vater immer noch den Vater sah, den sie anhimmelte und liebte.

Bis ihr der Kragen geplatzt war und sie versuchte, ihren Mann von seinem „Thron“ zu stoßen und Kira endlich die Augen öffnen wollte. Ihr die Todesursache und die ‚Nebeneffekte‘, wie den Alkohol und die vier Toten um die Ohren zu hauen – aber das hatte alles nur noch schlimmer gemacht.

»Das war schlecht, Anna, ganz schlecht!«

Danach wurde Kira Verhaltensauffällig. Die Beziehung zu ihrer Mutter noch viel schlechter. Auch die Leistungen im Gymnasium ließen nach.

Von der Schulleitung wurden Besuche beim Therapeuten angeraten.

Seit drei Monaten ging Kira jetzt zum Reitunterricht. Eine Idee des Therapeuten, der mit Kiras Reitlehrer befreundet war. Auch der Reitlehrer war vom Fach und hatte als pädagogisch geschulter Trainer, Erfahrungen mit verhaltensauffälligen Kindern.

Anna hoffte, dass der Umgang mit Pferden Kira helfen würde, wieder etwas mehr aus sich heraus zu gehen und ihre Umwelt wieder vernünftig wahrzunehmen.

Während sie das Wohnzimmer lüftete, erinnerte sie sich, dass sie als Kind selbst sehr gern mit Pferden zusammen war.

Für einen Moment stand sie regungslos im Wohnzimmer und fing an zu träumen. Sie stellte sich vor, gemeinsam mit Kira auszureiten.

Ein schönes Gefühl, bis ihr einfiel, dass Kira sie nie mitnehmen würde. Nicht mehr. Sie seufzte hörbar.

Im Türrahmen stand Kira und beobachtete heimlich ihre Mutter. Sie sah momentan ziemlich friedlich aus, fand sie. An was sie wohl gerade dachte?

»Mum! Frühstücken?«, unterbrach sie den Gedankengang ihrer Mutter und betrat die Küche. Anna folgte ihr. Beide setzten sich an den kleinen Küchentisch, den ihre Mutter bereits gedeckt hatte und begannen schweigend ihr Frühstücksbrot zu essen.

2. Stiller als Worte

Kira lehnte wie immer in ihrer Lieblingsecke auf dem Schulhof – dem Ort mit Überblick. Dem Ort zum Nachdenken. Hier war sie allein – und genau das wollte sie.

Ihre Clique, die diese Eigenart bereits kannte, ließ ihr hier auch meistens den gewünschten Freiraum. Die Fünf wussten, dass Kira den Verlust ihres Vaters vor zwei Jahren immer noch nicht verkraftet hatte, obwohl sie das nie wirklich zugeben würde. Kira war oft still und in sich gekehrt. Selten sprach sie über Gefühle. Ihre Freunde schätzten aber auch ihre andere Seite: loyal, aufmerksam und zuverlässig.

Gerade machte sich Kira Gedanken, wie sie ihrer Mutter beibringen könnte, dass sie gerne ein Pferd hätte. Aber nicht irgendeines – nein, sie wollte Scarlett. Doch eigentlich war von Anfang an klar, dass sie nie ein eigenes Pferd bekommen würde. Die finanziellen Mittel waren einfach nicht vorhanden.

Vielleicht, wenn sie sich um einen Job nach der Schule bemühen würde?

Sie seufzte sehnsuchtsvoll und sah zu ihren Freunden, die am anderen Ende des Hofes beieinanderstanden und sich gut zu amüsieren schienen.

Leonie fuchtelte wild mit den Händen – irgendwas musste sie wieder leidenschaftlich erklären. Ihr kastanienbraunes Haar war wie immer ein bisschen zerzaust, aber das passte zu ihr. Zu viel Meinung für zu wenig Frisur, hatte Jonas mal gesagt.

Franzi saß daneben, ruhig wie ein Stein im Wasser. Ihre Hände lagen gefaltet auf den Knien, ihre Augen beobachteten – still, aber wach. Wenn Franzi etwas sagte, hörten alle zu. Vielleicht, weil sie es selten tat.

Beide waren Kiras Freundinnen. Die besten, die man haben konnte. Auch wenn sie das nie laut sagte.

Kiras Blick blieb ein wenig abseits an dem Außenseiter ihrer Klasse hängen. Der lehnte entspannt an einem Eisenzaun und bediente eifrig ein Tablet.

Sie wusste, dass er Schülern an ihrer Schule Nachhilfeunterricht gab. Vielleicht kannte er eine Möglichkeit, wie man an einen Job kam? Und sie nahm sich vor, Robbie bei nächster Gelegenheit nach einem Nebenjob zu fragen.

Kira beobachtete jetzt die Jungs ihrer Clique: Noah und Jonas. Die beiden waren wie immer zu laut. Jonas versuchte, Franzi einen Witz zu entlocken, während Noah probierte, Leonie mit Papierkügelchen zu treffen. Beide in Bewegung, beide gleichzeitig nervig und liebenswert.

Und dann war da noch Melli, mit ihrer riesigen Brille, die mehr Gesicht bedeckte als zeigte. Aber das schien sie nicht zu stören. Sie war leise, aber immer zur Stelle, wenn’s wichtig wurde – wie ein Notfallset mit Herz.

Sie war eben die, die immer vorbereitet war – auf Klassenarbeiten, Chaos und auf die Tatsache, dass jemand einen Stift brauchte.

Kira wusste: Wenn Melli in der Nähe war, ging nichts wirklich schief – und wenn doch, hatte sie Pflaster, Taschentücher und eine klare Meinung griffbereit.

Kira zog die Kapuze ihres Pullis etwas höher. Sie liebte diese Truppe – auch wenn sie manchmal Abstand brauchte. Und sie wusste: Genau das verstanden die anderen. Ohne Fragen. Ohne Druck.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Ihre Freunde. So unterschiedlich. So schräg. So genau richtig.

Die Schulglocke läutete zum Pausenende und Kira mischte sich unter die anderen Schüler, die in ihre Klassenräume strömten. Sie dachte an Robbie, der immer schon ein Außenseiter war. Und das seit der sechsten Klasse, als er in ihre Schule kam.

Es war nicht so, dass er keinen Anschluss fand. Im Gegenteil. Die Mädels schwärmten heimlich von ihm. Er war groß, dunkelhaarig und attraktiv, außerdem zuvorkommend.

Selbst die Jungs versuchten ihm nachzueifern. Nicht nur im Sport, wo er der beste Läufer der Oberstufe war. Aber er besaß nicht nur Muskeln sondern auch Hirn.

Nein, Robbie wollte keinen Anschluss, er sonderte sich ab. Er war gerne für sich und beobachtete einfach nur, oder spielte an seinem Computer.

Im Klassenzimmer trudelten nach und nach die Schüler ein. Einige unterhielten sich, andere spielten auf ihren Handys, oder blätterten in ihren Schulbüchern. Kira steuerte direkt zu ihrem Tisch.

Das Schulgebäude war ein schlichter U-förmiger Bau mit großen Fenstern, und sie saß an einem davon.

Geistesabwesend wanderte ihr Blick nach draußen und blieb schließlich an einem Baum hängen - etwas weiter weg. Sie bemerkte nicht, dass die Lehrerin den Klassenraum betrat. Sofort wurde es ruhig. Alle Schüler hatten ihre Plätze eingenommen und warteten.

Das Augenmerk der Lehrerin fiel auf Kira, die völlig abwesend zu sein schien.

Sie räusperte sich. Erst leise, dann etwas lauter. Sie wusste, Kira galt als schwierig. Sie war zwar eine gute Schülerin, aber manchmal konnte sie sehr empfindlich sein und ließ sich dann nichts mehr sagen. Zudem war Kira unbequem. Niemals tat sie das, was man von ihr erwartete. Dennoch mochte sie das Mädel. Eigentlich hatten sie einen guten Draht zueinander. Deshalb wunderte es sie, wieso Kira so unaufmerksam war.

Mittlerweile reagierten jedoch Kiras Mitschüler und ihre Sitznachbarin stieß sie leicht mit dem Ellenbogen an. Erschrocken, wie aus einem Traum erwacht, schaute sie verwirrt um sich.

»Sind wir wieder anwesend?«, amüsierte sich die Lehrkraft. Sie schaltet das Whiteboard ein. Kira sah mit großen Augen in die Klasse, als erfasse sie eben erst wo sie war. Erstaunt sah sie in die grinsenden Gesichter ihrer Freunde, die sich zu amüsieren schienen und lächelte zögerlich zurück.

Zwei Stunden Geschichte mussten sie über sich ergehen lassen. Als es endlich läutete und sie für heute erlöst waren, kam Leben in das Klassenzimmer. Stühle wurden gerückt, die Jugendlichen schnappten ihre Taschen und Rucksäcke und drängten sich in den Schulkorridor. Kira verabschiedete sich hastig von ihrer Clique und mischte sich eilig unter die Schüler, die das Gebäude verließen. Sie hatte Robbie am Ausgang entdeckt.

Robbie schien ihren Blick zu bemerken, denn er drehte sich irritiert zu ihr um. Ein flüchtiges

Lächeln huschte über sein Gesicht.

Hastig senkte Kira ihren Blick, konnte aber ein kleines glückliches Lächeln nicht unterdrücken.

»Robbie, hast du kurz Zeit?«, fragte sie nervös, als sie ihn schließlich erreichte. Robbie nickte und wartete geduldig, während die anderen Schüler an ihnen vorbeiströmten.

»Ich wollte dich fragen, ob du weißt, wo ich einen Nebenjob finden kann?«, fuhr sie fort, bemüht ruhig zu bleiben. »Ich brauche dringend etwas, um mein Taschengeld aufzubessern.«

Robbie kratzte sich nachdenklich am Kinn, wo der zarte Flaum eines Bartes zu sehen war.

»Hm, ich glaube, mein Onkel sucht Aushilfen für sein Café in der Stadt. Ich kann mal nachfragen, wenn du willst?«

Kiras Augen leuchteten auf. »Echt? Das wäre der Hammer! Ich zahl dir auch ein Kuchen, falls es klappt!«

»Kein Problem«, antwortete er mit einem breiten Grinsen. »Ich sag dir Bescheid, sobald ich was höre.«

In diesem Moment vibrierte sein Handy. Robbie zog es aus der Tasche, warf einen schnellen Blick darauf – und sein Gesichtsausdruck änderte sich.

»Sorry, Kira«, murmelte er. »Ich muss los.«

Und ehe sie etwas sagen konnte, war er schon im Strom der Schüler verschwunden.

Kira blieb wie angewurzelt stehen, während Robbie in der Menge verschwand. Ihr Herz pochte schneller, obwohl sie nicht genau wusste, warum. Irgendetwas an seinem plötzlichen Aufbruch fühlte sich komisch an. Sie biss sich auf die Unterlippe und sah ihm nach, bis er ganz aus ihrem Blickfeld verschwunden war.

»Was war das denn jetzt?«, murmelte sie leise. Das warme Gefühl in ihrer Brust war noch da – aber vermischt mit einer leisen Unruhe.

Den Nachmittag verbrachte Kira im Stall. Dort war es still. Nur das leise Schnauben der Pferde, das sie so mochte, drang aus den Paddocks.

Ihr Lieblingspferd Scally lag ruhig in einer Ecke des eingezäunten Auslaufs und döste – entspannt und zufrieden.

Eine Zeitlang hatte Kira einfach nur dagestanden und ihr zugeschaut. Sie genoss den Geruch der frischen Hackschnitzel und die Sonne auf der Haut.

Danach wurde es Zeit, die Stallgasse zu kehren, wie jeden Tag. Die Arbeit tat gut – nicht, weil sie leicht war, sondern weil sie den Kopf frei machte.

Besen, Schubkarre, rhythmische Bewegung – keine Fragen, keine Erinnerungen.

Später saß sie auf der Umrandung des Reitplatzes, die Beine angewinkelt, die Hände umklammerten ein Glas Wasser, als müsste es sie festhalten.

Thomas trat neben sie, die Arme locker verschränkt.