Dicionum: Alle drei Bände der magischen Trilogie in einer E-Box! - Vivien Summer - E-Book
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Beschreibung

**Endlich die E-Box zur magischen Dicionum-Reihe!**
Zusammen mit elf anderen Jugendlichen soll Katie die Menschheit von allen Übeln dieser Welt befreien. Keine leichte Aufgabe für ein gewöhnliches Mädchen, das gerade erst von ihrer Bestimmung erfahren hat. Schon gar, da die ihr zugeordnete Prophezeiung vor allem Fragen aufwirft und ihr den Zugang zum eingeschworenen Dicio-Kreis zusätzlich erschwert. Dabei wird es dort gerade ihr größter Widersacher sein, der ihr Herz zum Schlagen bringt und sie auf den richtigen Weg führt…

//Die E-Box enthält alle Bände der magischen Trilogie »Dicionum«:
-- Dicionum 1: Du darfst dich nicht verlieben
-- Dicionum 2: Du darfst niemandem vertrauen
-- Dicionum 3: Du darfst dich nicht erinnern//

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Im.press Ein Imprint der CARLSEN Verlag GmbH © der Originalausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2017 Text © Vivien Summer, 2014, 2015 Coverbild: shutterstock.com / © doodko / © Claire McAdams / © Sofi photo Covergestaltung: formlabor Gestaltung E-Book-Template: Gunta Lauck / Derya Yildirim Satz und E-Book-Umsetzung: readbox publishing, Dortmund ISBN 978-3-646-60372-9 www.carlsen.de

Vivien Summer

Dicionum 1: Du darfst dich nicht verlieben

**Wenn das gesamte Schicksal der Menschheit auf deinen Schultern lastet** »Die Macht sei der Gedanke, erfüllt von Magie. Die Macht sei die Acht, erfüllt von Ewigkeit.« Das sind die Worte, die Katie nicht mehr in ihr altes Leben zurücklassen und sie jeden Tag daran erinnern, dass sie anders ist. Zusammen mit elf anderen Jugendlichen soll sie die Menschheit von Armut, Hunger und Krieg befreien, allerdings hat sie Zweifel. Die Prophezeiung, die ganz allein ihr zugeordnet ist, stimmt nicht mit der Realität überein. Was soll sie tun? Wem kann sie vertrauen? Wirklich willkommen scheint sie im Dicio-Kreis nämlich nicht zu sein, erst recht nicht von Will Fairchild, der ihr sein Missfallen bei jeder Gelegenheit unter die Nase reibt. Doch für Katie ist klar, dass nur Will derjenige ist, der ihr helfen kann.

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Vita

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© privat

Vivien Summer wurde 1994 in einer Kleinstadt im Süden Niedersachsens geboren. Lange wollte sie mit Büchern nichts am Hut haben, doch schließlich entdeckte auch sie ihre Liebe dafür und verfasste während eines Freiwilligen Sozialen Jahres ihre erste Trilogie. Für die Ausbildung zog sie schließlich nach Hannover, nahm ihre vielen Ideen aber mit und arbeitet nun jede freie Minute daran, ihr Kopfkino zu Papier zu bringen.

Aus dem Buch der Prophezeiungen

Die Geburt

Wenn der Stern sich erhellt am silbernen Himmelszelt,die Geburt der 13 der Zeit nicht mehr lang' verfällt.

PROLOG

Die orangefarbene Sonne schob sich für einen Moment hinter das spitze, dreieckige Dach eines Mehrfamilienhauses, auf das er schon seit Stunden starrte. Obwohl es längst nach acht Uhr abends war, prallte die Hitze der Sonne unbarmherzig durch die getönten Scheiben des Wagens. Nur durch das leicht geöffnete Fenster schlich sich in unregelmäßigen Abständen ein kleiner, kühlender Luftzug herein, der ihn daran hinderte, auf jegliche Art und Weise durchzudrehen.

William Fairchild hasste sich dafür, dass er darauf bestanden hatte, diesen Job zu erledigen. Inzwischen hatte er längst aufgehört, die Tage zu zählen. Wenn er es getan hätte, hätte er sowieso den Überblick verloren, denn jeder verdammte Tag in ihrem Leben lief gleich ab.

Er war der Dumme, der wieder einmal alles hatte an sich reißen müssen, ohne an die Konsequenzen zu denken. Bei bulliger Hitze in einem schwarzen Golf zu sitzen, auf die Queen Victoria Street zu starren und auf die Sekunde genau zu wissen, wann sie um die Ecke kommen würde, entsprach bestimmt nicht seinen Vorstellungen einer Observation – und erst recht nicht seiner Freizeitgestaltung.

Nur Alistairs Anweisungen hinderten ihn daran, nicht sofort aus dem Auto zu steigen, ihr einen blickdichten Sack über den Kopf zu ziehen und sie mitzunehmen, damit das Elend endlich ein Ende haben würde. Aber das konnte er sich getrost abschminken.

Statt weiter in Selbstmitleid zu versinken, heftete er seinen Blick auf den dunklen, etwa hundert Meter entfernten Eingang. In circa dreieinhalb Minuten würden die Neonröhren über der schwarzen Eisentür abwechselnd in verschiedenen Farben aufleuchten – zuerst weiß, dann pink, dann lilablau, zuletzt neongrün. Jedes Mal, wenn er das Schauspiel beobachtete, stellte er sich vor, wie er die Röhren mit seiner Pistole kaputt schoss, die neben ihm auf dem Beifahrersitz lag. Dann wäre dieses nervenraubende Bling-Bling nur noch ein Haufen winziger Glasscherben und glühender Drähte.

Vor ihm lag das Black Rock's. Oder wie er den Schuppen bezeichnen würde: Der Albtraum für alle verheirateten Frauen, deren Ehemänner gerne mal Überstunden machten. Dass sie diese in einem Stripclub verbrachten, wussten sie entweder nicht oder es war ihnen egal. Vielleicht hatten sie es aber auch längst aufgegeben.

Dank seiner ausgiebigen und wirklich unterhaltsamen Recherche wusste er, dass vor allem reiche Businessmänner in den Club gingen, um halbnackten Frauen ihre Scheinchen in die Unterwäsche zu stopfen.

Will war erst einmal selbst im Laden gewesen und wusste dennoch, wie es im Salon aussah, wie teuer jedes einzelne Getränk war, welche Musik um welche Uhrzeit gespielt wurde, ja sogar, dass die Fugen zwischen den Fliesen immer makellos sauber waren – auch, dass der Barkeeper insgeheim schwul war. Das wusste er, weil er eine Serviette mit seiner Handynummer zugeschoben bekam. Steve war aber nicht so sein Typ. Genauso wie jeder andere Kerl nicht sein Typ war.

Für Beziehungen hatte er sowieso keine Zeit. Sein einziger Lebensinhalt war eigentlich nur noch, einer der vielen Sklaven von Alistair zu sein. Eigentlich war es generell von Anfang an klar gewesen, dass Will die Aufgabe würde erledigen müssen – aber um die Farce aufrechtzuerhalten, meldete er sich (so gut wie) freiwillig, damit es wenigstens niemand versauen konnte.

Dass es dabei nur um sie ging, um Katharina, verdrängte er immer noch in die hintersten Ecken seines Verstandes. Er verbot es sich, sich auch nur für eine Millisekunde ihr Gesicht genauer in Erinnerung zu rufen, da er die Katastrophe längst kommen sah – und wenn er es nicht endgültig zerstörte, würde alles wieder von vorne anfangen. Will würde das nicht noch einmal mitmachen können und bezweifelte, dass Katharina dazu in der Lage wäre.

Am Rande seines Blickfeldes bemerkte er eine vertraute Bewegung. Er erkannte sie zuerst – wie er mit einem Stechen im Magen feststellen musste – an ihren dunkelroten Haaren, die sie zu einem lockeren Dutt zusammengebunden hatte. Wissend, dass sie sich im Club einen dazu passenden Lippenstift auftragen würde, verkrampfte sich etwas in seiner Brust mit dem dumpfen Gefühl unterdrückter Wut. Er hasste es, dass sie ihr Geld damit verdiente, mit ihrem nackten Hintern vor der Nase fremder Männer herum zu wackeln.

Aber es musste ja so kommen. Zu tanzen war schon immer ihr Traum gewesen – auch wenn er sich das irgendwie anders vorgestellte hatte.

Eine schwere Tasche hing ihr über die Schulter und schlug immer wieder in ihre rechte Kniekehle. Ihrem Tempo nach zu urteilen hatte sie es ziemlich eilig, doch als sie den bulligen Türsteher aus dem Club kommen sah, verlangsamte sie ihre Schritte wieder. Ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Lippen. Wie jedes Mal trug sie ihre weißen Chucks, eine schwarze Jeans mit Löchern an den Knien und einen übergroßen, grauen Kapuzenpullover, der an den Ärmeln bollerte.

Will musste zugeben, dass es süß aussah, auch wenn sie fast darin unterging und Hochsommer herrschte.

Mit einem breiten Grinsen begrüßte sie den muskelbepackten Türsteher, dessen Kreuz man gut mit dem eines Bären vergleichen konnte, und verschwand dann in die Dunkelheit des Clubs. Der Türsteher sah ihr hinterher, wobei er beiläufig die Fingerknöchel knacken ließ.

Will ließ sich tiefer in den Sitz des Wagens sinken. Er hasste nicht nur das Wetter und die Tatsache, dass er ihr gleich beim Tanzen zusehen musste, sondern auch diese Schrottkiste eines Autos, in dem nicht mal die Klimaanlage funktionierte. Um die Zeit des Wartens zu vertreiben, spielte er eine Weile am Radio herum, aber letztendlich ging ihm die Musik nur auf die Nerven. Dass seine Nerven zum Zerreißen gespannt waren, konnte auch kein Lied der Welt ändern.

Als die ersten Gäste erschienen – wie zu erwarten eine Gruppe bestehend aus fünf Männern, die gegenseitig mit ihren schmierigen Anzügen auftrumpfen wollten – fuhr Will mit dem Auto einige Straßen weiter und stellte es dort ab. Er wusste nicht, ob und wie sehr Katie sich gegen ihn wehren würde, daher ging er auf Nummer sicher. Er wollte nicht dabei beobachtet werden, wie er eine junge Frau in viel zu knapper Kleidung hinter sich herzerrte. Oft genug hatte er Probleme mit dem Gesetz gehabt – oder hätte sie gehabt, wenn es denn je soweit gekommen wäre.

Er legte den Weg zum Black Rock's zu Fuß zurück, die Hände dabei tief in die Hosentaschen seiner Jeans vergraben. In Momenten wie diesen hatte er sich angewöhnt den Blick immer auf seine Füße zu richten und die Schultern hochzuziehen, als wollte er seinen Kopf dazwischen verstecken. Es gab ihm ein Gefühl der Selbstkontrolle, dass er entscheiden konnte, ob er gesehen werden wollte oder nicht.

Da der Club etwas seriöser und exklusiver war als die üblichen Läden in der Gegend, hatte er sich extra für diesen überwältigenden Anlass in Schale geworfen. Zwar wollte er nichts mit den goldenen Kreditkartenspießern zu tun haben, allerdings musste er schick genug sein, damit er den Club überhaupt betreten durfte. Er trug einfarbige, schlichte Turnschuhe, die dieselbe Farbe wie sein dunkelblauer Blazer besaßen; passend dazu ein weißes T-Shirt und eine schwarze Jeans.

»Ich wusste, irgendwann würde ich es noch bereuen deinen Vater geheiratet zu haben«, hatte seine Mutter lächelnd zu ihm gesagt, als sie ihm den gebügelten Blazer gebracht hatte. »Eigentlich sollte ich mich für dich schämen und dir verbieten, so das Haus zu verlassen. Ich kann also nur hoffen, dass du niemandem unsere Adresse verrätst. Allmählich bin ich es leid, deine Verehrerinnen wieder wegschicken zu müssen, weil du ihnen falsche Hoffnungen machst.«

Bevor er beim Türsteher ankam, warf er einen prüfenden Blick nach links und betrachtete sich im Vorbeigehen in der Spiegelung des Schaufensters. Seine Mutter hatte wohl recht. Zu gerne nutzte Will sein Aussehen, um das zu bekommen, was er wollte. Jedes Mal wenn er sich selbst betrachtete, sah er in dieselben Augen wie die seiner Mutter und wusste genau, welche Wirkung sie auf andere hatten. Kurz fuhr er sich noch einmal durch seine kurzen, dunkelbraunen Haare und verwuschelte sie ein wenig am Hinterkopf. Es gefiel seinen – wie seine Mutter sie nannte – Verehrerinnen, wenn sie etwas zum Hineingreifen hatten. Dass Will es bis dato nur bei einer soweit hatte kommen lassen, wusste niemand. Und so würde es auch bleiben.

Bei dem Türsteher angekommen, musterte dieser ihn von oben bis unten mit einem mürrischen Blick und winkte ihn dann durch. Will konnte erkennen, wie er ihm mit einem spöttischen Lächeln hinterher sah.

Auch dagegen hätte Will gerne seine Waffe benutzt, die er sich zwischen Jeans und Rücken geklemmt hatte, aber dann hätte er Alistair erklären müssen, wieso er einen Türsteher erschossen hatte und das wäre überhaupt nicht lustig geworden. Abgesehen davon brauchte er seine gute Position im Kreis noch für eine Weile.

Im Club setzte er sich in eine unauffällige Ecke, die am weitesten von der Bühne entfernt war, aber trotzdem einen perfekten Überblick über den ganzen Salon bot. An der Decke baumelten Kronleuchter in verschiedenen Größen und Formen und verliehen dem Raum eine edle Atmosphäre. Seine Mutter hatte ein Faible für Kronleuchter, daher fesselte ihn der pompöse Anblick nicht mehr als gewöhnlich.

Da das Black Rock's immer gut gefüllt war, konnte er sich nur zu gut vorstellen, dass sich der Chef mit dem Verdienst Minimum ein Haus in Hollywood leisten könnte. Erst recht bei den unverschämt hohen Getränkepreisen. Er wollte gar nicht darüber nachdenken, wie viel ein Privattänzchen kosten könnte – das war das Einzige, worüber er keine genauere Recherche anstellen wollte. Es widerte ihn an, dass es genügend Männer gab, die dafür Kohle hinblätterten.

Wills Hände wurden schweißnass. Auch wenn er sich die Schwäche nicht eingestehen wollte, musste er zugeben, dass es ihn nervös machte, ihr gegenüber zu treten. Es war das erste Mal seit zwei Jahren, dass er mit ihr sprechen würde. Am liebsten wäre er bei dieser Erkenntnis aus dem Club gestürmt, aber sein Stolz und sein Pflichtgefühl nagelten ihn an die weichen Polster der Sitzbank und ließen ihn nicht gehen.

Der Kreis hatte schon lange oberste Priorität in seinem Leben, was sich so schnell auch nicht ändern würde. Keine Frau der Welt würde ihm das nehmen, wofür er sich seit Jahren seinen Hintern aufriss und mit Schweiß und vor allem mit Blut kämpfte. Für den Kreis würde er seine Ängste überwinden müssen.

»Kann ich dir etwas zu trinken bringen?«, erklang plötzlich eine Frauenstimme und katapultierte ihn somit aus seinen Gedanken wieder in die Gegenwart. Er müsste sie anstarren als wäre sie ein achtarmiges Alien, das er gerade zum ersten Mal sah. Als er realisierte, wie dumm und leichtsinnig er sich verhielt, riss er sich schnell zusammen und schenkte der Brünetten ein Lächeln, das ihr ein überraschtes Zwinkern entlockte.

Diese Tatsache überraschte Will allerdings weitaus weniger. Er war sich seiner Wirkung auf Frauen eben bewusst.

Mit dem Ellenbogen auf dem Tisch gestützt lehnte er sich näher zu ihr und fragte immer noch mit einem Lächeln: »Wie wäre es, wenn ich dich auf einen Drink einlade, Süße?«

Will bekam das kalte Kotzen. Eigentlich hatte er weder Lust noch Zeit seinen Abend mit einer Frau zu vergeuden, die ihn nicht im Geringsten interessierte, aber er war auf einer Mission. Und auf einer Mission zu sein, bedeutete, so zu handeln, wie man es von ihm erwartete. Er sah gut aus, er hatte diese von Gott geschenkte anziehende Wirkung auf Frauen, die er gerade mehr denn je verfluchte – also musste er alles anbaggern, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

Selbst bei der schummrigen Dunkelheit des Clubs und den Schwarzleuchten, die sich wie ein Labyrinth an der Decke erstreckten, erkannte er, wie die Brünette errötete. »Mein Chef sieht das nicht so gern während der Arbeit, sorry«, raunte sie ihm zu, auch wenn er ihr ansehen konnte, dass sie ihm gerne eine andere Antwort gegeben hätte. Einen Moment lang glaubte er, sie würde einfach wieder aus seinem Sichtfeld verschwinden, aber er rechnete nicht damit, dass sie einen kleinen Zettel aus der Brusttasche ihres dunklen Poloshirts zog und Will zuschob. »Ruf mich an.«

Will nahm den kleinen zusammengefalteten Schnipsel und betrachtete ihn mit einem hinreißenden Lächeln – als ob er noch weitere Handynummern gebrauchen könnte. »Das werde ich.« Vielleicht, wenn ich irgendwann aussehe wie 'ne abgetretene Fußmatte und mich nicht mehr alleine bewegen kann, fügte er grimmig in Gedanken hinzu.

Als die Kellnerin außer Sichtweite war, zerknüllte er das kleine Stück Papier und schoss es mit dem Zeigefinger quer durch den Raum. Sollte sich ein anderer über ihre Handynummer freuen.

Hierbei ging es nicht um ihn, aber nach all den Jahren war dieses Verlangen nach Normalität, nach dem Gewohnten und nach etwas, das er schon zu lange unterdrückte, Gefühle, die er nicht zulassen konnte, nur schwer zu bändigen.

Er dachte irgendwann nicht mehr genauer darüber nach, wie viel Zeit vergangen war, in der er immer wieder sein Mantra – Ich tue es für den Kreis. Ich tue es für ein besseres Leben aller Menschen dieser Welt – herunterbetete, als Katie aus dem dunklen Flur trat.

Bei ihrem Anblick legte sich eine dünne Eisschicht über seine Haut und ließ ihn schaudern.

Das weiße Kleid war viel zu kurz; da hätte man auch einfach komplett auf den Stoff verzichten können. Sein Blick klebte förmlich an ihren langen, schlanken Beinen und den roten High Heels, die sie viel größer machten, als sie eigentlich war. Inzwischen hatte sie ihre Haare geöffnet. Die dunkelrote Pracht fiel nun in sanften Wellen über ihre Schulter.

Katie ließ ihren Blick durch den Raum schweifen, wobei sie Will einfach überflog. Das bedeutete entweder, dass sie ihn nicht erkannte oder dass sie ihn nicht bemerkte. Will hatte keinen blassen Schimmer, welche der beiden Optionen die schlimmere war. Vermutlich, wenn sie ihn erkannte, denn darauf war er nicht vorbereitet.

Bevor er sich erhob, zwang er sich, tief Luft zu holen und sich von jetzt an zusammenzureißen. Er war ein Mann und kein erbärmlicher Jammerlappen. In seinem Leben gab es schon aufregendere Herausforderungen und dieser Moment schaffte es mit Sicherheit nicht einmal in die Top Ten. Vielleicht gerade so Platz elf.

Ein Zittern durchfuhr seinen Körper, aber da war es bereits zu spät. Er ging auf Katie zu, die sich in ihrem immer knapper wirkenden Outfit keinen Millimeter rührte. Je näher er ihr kam, desto mehr erschien es ihm wie ein längst vergessener Traum. Oder besser gesagt ein Albtraum. Sie so zu sehen löste eine unfassbare Wut in ihm aus, die er nicht mal annähernd beschreiben konnte. Am liebsten hätte er sich auf sie gestürzt, um sie mit seinem Körper abzuschirmen.

Bei diesem Hauch von Stoff fragte er sich, ob es überhaupt noch einen Unterschied gemacht hätte, wenn sie einfach nackt durch den Club spaziert wäre.

Will war nur noch ein paar Meter von ihr entfernt, als sie ihn bemerkte. Ihr Kopf wandte sich in seine Richtung, wobei ihre im Licht glänzenden Haare wie ein Glockenspiel tanzten. Einen Moment lang erwiderte sie seinen Blick ausdruckslos, doch dann legte sich schließlich ein zartes, unschuldiges Lächeln auf ihre vollen Lippen, die sie (wie erwartet) rot bemalt hatte.

Noch während sich das süße Schmunzeln in ein verführerisches Lächeln verwandelte, begann Wills Puls zu rasen. Allerdings wirkte Katies Geste weder echt, noch sonderlich erfreut. Dasselbe spiegelte sich auch in ihren dunklen, braunen Augen wider, die sie für Wills Geschmack ein wenig zu extrem geschminkt hatte.

»Hallo schöner Mann«, sagte sie, als sie sich gegenüberstanden wie Mr und Mrs Smith, kurz bevor sie ihre Waffen auf den jeweils anderen richteten. Warum auch immer hatte Will das beklemmende Gefühl, dass es hier noch Ärger geben würde. Er erkannte es in dem wandelnden Ausdruck ihrer Augen, den er sofort auf eine natürliche Reaktion seines blendenden Aussehens zurückführen konnte. Beinahe konnte er die stumme Bitte, sie jetzt sofort und auf der Stelle zu seiner Frau zu machen, in seinen Ohren hallen hören.

»Was kann ich für dich tun?«, fragte sie weiter, weil Will immer noch nichts gesagt hatte. Sie legte dabei fast beiläufig eine Hand auf seinem Oberarm und strich mit einem verführerischen Funkeln in den Augen darüber, bis hinunter zu seiner Hand. Ihre warme Haut hinterließ ein kaltes Kribbeln auf seiner, weshalb er sich ihr entzog und die Hände zu Fäusten ballte, um sie nicht unüberlegt von sich zu stoßen. Sein ganzer Körper stand unter Hochspannung.

1

Ein brennender Schmerz loderte in meiner Wange auf. Kurze Zeit später verteilte sich das dumpfe Kribbeln mit rasender Geschwindigkeit in meinem kompletten Gesicht. Zur Krönung des Ganzen hatte ich mir auch noch auf die Lippe gebissen.

Automatisch berührte ich die schmerzende Stelle und tastete sie mit meinem Finger ab. Es blutete kaum, auch wenn das Pochen immer schlimmer wurde und ich mir dabei vorstellte, wie mir das Blut in Strömen über das Kinn laufen und mein weißes Kleid ruinieren würde.

»Was bildest du dir eigentlich ein, Miststück?«, schrie Mike mich an, packte mein Handgelenk und zog mich so dicht an sich, dass ich seinen bestialischen Atem riechen konnte. Gestank nach Rauch, Whiskey und Zwiebeln vermischte sich mit seinem beißenden Rasierwasser. Seine rot unterlaufenden Augen und seine kratzige Stimme jagten mir einen Schauer über den Rücken.

Normalerweise hätte ich mich wie ein elendiges Weichei fühlen müssen, aber diese Blöße wollte ich mir nicht geben. Ich hatte meine Würde und die konnte nicht mal er mir nehmen. »Dafür werde ich nicht bezahlt! Das war nicht unser Deal, Mike!« Wütend riss ich mich von ihm los und trat gerade noch rechtzeitig einen Schritt zurück.

Er pfefferte sein halbvolles Whiskeyglas gegen die Wand hinter mir. »Verfickte Scheiße!«, brüllte er unter dem krachenden Lärm zersplitternden Glases und drehte sich von mir weg. »Wenn du darum gebeten wirst, mit jemandem auf ein Zimmer zu gehen, um deine Beine für fünf verschissene Minuten breit zu machen, dann sagst du – verfluchte Scheiße – nicht nein!« Mit warnend erhobener Hand wandte er sich wieder um. In seinen Augen lag ein höhnischer Ausdruck, während er nach einem neuen Glas griff und sich seinen teuren, karamellfarbenen Whiskey einschenkte. »Weißt du, Cat«, spottete er weiter, »ich habe dich von der Straße geholt, dir ein Bett und einen Job geboten, weil du sonst wie ein elendiger Hund irgendwo zwischen Obdachlosen und ihren Kartonhütten verrottet wärst. Du hast es angenommen.« Er stürzte den Alkohol in einem Zug runter, knallte das Glas zurück auf den Tisch und wischte sich demonstrativ über den Mund.

Ich schüttelte mich vor Ekel. So hatte ich meinen Chef bisher nie erlebt; weder so betrunken, noch so aggressiv. Vielleicht hatte seine Frau ihn ja verlassen – wenn er denn überhaupt eine hatte. Wir redeten nicht viel über Privates.

Mike kam bedrohlich langsam auf mich zu und drängte mich dadurch an die Wand, wo die letzten Überreste des Whiskeys klebten und sich allmählich einen Weg gen Boden bahnten. »Du tust das, was ich dir sage, kapiert? Und wenn das eben heißt, dass du deinen Horizont ein klein wenig erweitern musst.« Seine Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Grinsen, als er meinen Rückzug bemerkte.

Aber dank meiner Wut spürte ich weder Angst noch den Drang, mich ihm zu unterwerfen. »Vergiss es!«, zischte ich wütend. »Ich werde nicht mit wildfremden Kerlen in die Kiste steigen, um mir ein paar Geschlechtskrankheiten zu holen.«

Ich ließ mir von Mike nichts bieten. Klar, sein Club war einer der populärsten in dieser Gegend, aber das bedeutete noch lange nicht, dass ich mir vor ihm in die Hosen machen musste. Nicht einmal für alles Geld der Welt hätte ich mich bis auf die Knochen vor einem Fremden ausgezogen, um mit ihm zu schlafen!

Mike, der seine blonden Haare wie immer nach hinten gegelt hatte, durchfuhr diese mit einer Hand. Mit der anderen griff er in die Tasche seines grauen Jacketts und zog eine Schachtel Zigaretten hinaus. »Du solltest lieber nicht vergessen, mit wem du sprichst, Cat«, murmelte er. Derweil zündete er sich eine Zigarette an und betrachtete mich mit einem abfälligen Blick. »Geh zurück an die Arbeit.«

»Ach, und das war's jetzt?«

Genüsslich zog er an seiner Zigarette und blies den Rauch provozierend in meine Richtung. Ich musste mir ein Husten verkneifen, als ich den stickigen Qualm einatmete.

»Jetzt hör mir mal zu«, erwiderte er daraufhin in einem Befehlston, den ich nicht von ihm gewohnt war. Ich war generell diese ganze Situation nicht gewohnt. »Du ziehst meinen Ruf in den Dreck, wenn du mir die ganzen geldgeilen Flachwichser vergraulst. Du musst doch nur mit ihnen vögeln, ein kleiner Quickie und das war's. Fang nicht an, davon zu träumen, dass ich mir alles von dir gefallen lasse. Wenn du mir meinen Laden, mein Baby, ruinieren willst, kannst du deinen Scheiß packen, geradewegs zur Tür hinausspazieren und meinetwegen in einem Pappkarton im East End vor dich hinvegetieren. Haben wir uns jetzt verstanden?«

Ich schnaubte. »Schmeiß mich doch raus«, zickte ich glorreich und marschierte erhobenen Hauptes Richtung Flur.

Ich war froh, dass er mich einfach kommentarlos – ja, das leise Kichern wie das eines zwölfjährigen Teenagers zählte ich als kommentarlos – gehen ließ. Vermutlich hätte ich ihm das Gesicht zerkratzt, wenn er mich heute noch einmal angefasst hätte. Dank ihm würde ich spätestens morgen früh sowieso beim Anblick meines Spiegelbildes das kalte Grauen bekommen.

Zu meinem triumphierenden Abgang gehörte natürlich auch noch, dass ich die Tür mit einem heftigen Knall hinter mir zuzog, bevor ich geradewegs die Umkleide ansteuerte und mir dabei einbildete, ich würde vor Wut kleine Rauchwolken in die Luft stoßen. Ich fühlte mich wie ein Stier, der gierig auf das rote Tuch wartete. Aber bevor es heute noch Tote geben würde, musste ich mich beruhigen, damit ich mir anschließend dieses Arschloch vorknöpfen konnte, dem ich die blutige Lippe zu verdanken hatte.

In der Umkleide saß Cookie vor ihrem Spiegel und betrachtete sich lächelnd. Sie wickelte sich gerade eine ihrer platinblonden Locken um den Finger, als sie mich bemerkte.

»Wo warst du denn so – oh mein Gott!« Ihr Lächeln erfror, bevor ihr alle Gesichtszüge entgleisten. Wie vom Donner gerührt wirbelte sie auf ihrem Hocker herum und starrte mich entsetzt an. »Was ist denn mit dir passiert?«

Oh, sie meinte damit wohl Mikes eher weniger schönen Handabdruck in meinem Gesicht.

»Ich habe eine Einführung in meinen neuen Job bekommen«, erwiderte ich bitter. Ohne ein weiteres Wort ließ ich mich auf meinen Hocker neben ihr fallen und betrachtete mich im Spiegel.

Korrigiere: Ich bekam nicht erst morgen früh das kalte Grauen, sondern schon jetzt. Unterhalb meines linken Wangenknochens schimmerte meine Haut bereits dunkelrot, fast violett. Mit dem Blut an meiner Lippe sah ich irgendwie gefährlich aus. Wären da nicht die dröhnenden Kopfschmerzen und das Klirren in meinen Ohren gewesen, hätte ich mir für meine Tapferkeit selbst auf die Schulter geklopft. Das würde lange eine schöne Erinnerung bleiben.

»Ich bin jetzt ganz offiziell eine Edelnutte.«

Cookie sah mich schief von der Seite an. Ihr Lippenstift war ein wenig verschmiert, bestimmt, weil sie schon wieder ihre Finger nicht bei sich behalten konnte. »Doch nicht wegen dem Typen, oder?«

»Doch, genau seinetwegen.« Das Gesicht meines Spiegelbildes verdüsterte sich bei dem Gedanken daran. Er sollte dafür sorgen, dass er längst über alle Berge verschwunden war – oder beten, dass ich ihn nicht unfruchtbar machen würde. »Du hättest Mike erleben sollen. Der ist komplett ausgerastet, nur, weil ich nicht mit dem auf ein Zimmer gegangen bin.«

»Pah! Das steht gar nicht in deinem Vertrag!«, schnaubte sie empört. Dann stand sie auf und ging zu dem Kleiderständer mit den Kostümen. Sie suchte uns die Polizeiuniformen raus. »Weißt du, ob dieses Arschloch noch da ist?«

Ich schüttelte mit dem Kopf. »Wie denn, wenn ich von Jack sofort in Mikes Büro geschleift worden bin, nachdem dieser Typ gepetzt hat wie ein kleines Mädchen? Aber ich hoffe, dass er sich nicht noch einmal bei mir blicken lässt.« Immer noch wütend wühlte ich in meiner Schminktasche herum und suchte mein Make-up. Dieses Ding in meinem Gesicht musste dringend versteckt werden.

Über die Schläge von Mike verloren wir kein Wort mehr. Manche mochten ihn vielleicht als brutalen Zuhälter abstempeln, doch das war er keineswegs. Wir waren alle seine Mädchen. Eigentlich behandelte er uns sogar (üblicherweise) nicht wie seine Angestellten, sondern wie seine Kinder. Er war Ende vierzig und hatte selbst keinen Nachwuchs, soweit ich wusste. Mike behandelte uns gut, er war uns dankbar, schließlich waren wir diejenigen, die den Laden zum Laufen brachten. Wir waren die Köder, eine Falle für die reichen Kunden, die, wenn sie zu tief ins Glas geschaut hatten, noch großzügiger waren als sowieso schon.

Seit ich vor zwei Jahren in die Großfamilie aufgenommen worden war, wusste ich nur von zwei Ausrutschern. Einmal hatte er Penny geschlagen, weil sie ihm ins Gesicht gespuckt hatte. Naomi hatte er wohl ein bisschen zu heftig von sich gestoßen, als sie sich für eine Gehaltserhöhung an ihn heranmachen wollte. Diese Ohrfeige war die erste seit langem und so etwas wie eine Premiere für mich.

And the slap goes to – oder so ähnlich.

Im Gegensatz zu Cookie zog ich mir keines der Kostüme an. Obwohl es meine Aufgabe gewesen wäre, heute Nacht noch auf der Bühne zu stehen, war mir jegliche Lust darauf vergangen. Durch Mikes Ohrfeige fühlte ich mich äußerlich total misshandelt, auch wenn man nach dem Überschminken kaum noch etwas erkennen konnte. Außerdem waren die Kopfschmerzen keine gute Voraussetzung für eine abenteuerliche Akrobatik auf der Bühne.

»Kommst du mit oder willst du hier weiter schmollen?«, zog das aufgedonnerte Püppchen mich auf und warf sich ihre scheinbar meterlangen Haare über die Schultern. Schnell schlüpfte sie noch in ihre High Heels und stolzierte, ohne auf mich zu warten, aus der Umkleide.

Ich folgte ihr genervt.

Als ich das erste Mal das Black Rock's betrat, fühlte ich mich wie in eine andere Welt versetzt. Bei dem Anblick der schweren Kronleuchter, der mit schwarzen Leder überzogenen Sitzbänken, der goldenen Stühle und der mit Diamanten besetzten Sektgläser war ich schier überwältigt gewesen. Nicht nur die Größe des Salons war atemberaubend, sondern auch der glamouröse Touch des Ambientes. Ein Besuch in diesem Club war teuer, was man den Gästen hier kaum ansah. Lag aber eher daran, dass hier alle ein Jahreseinkommen von mehr als fünfhunderttausend Pfund hatten.

Für einen privaten Tanz bezahlte man mindestens dreihundert Pfund und höchsten siebenhundert Pfund, wobei es auf die Länge und den Wunsch ankam. Alles Weitere war Trinkgeld. Auch der Alkohol war nicht gerade billig – nicht, wenn es der Clos d'Ambonnay von Krug war, der pro Flasche locker an die zweitausend Pfund kostete.

Zugegeben, es war nicht die feine Art, halbnackt vor rund zwanzig Männern zu tanzen, aber solange es keine andere Perspektive in meinem Leben gab und solange ich über die Runden kommen musste, war es ein Geschenk des Himmels (und von Mike) in diesem Laden zu arbeiten. Ich hatte keine Sorgen mehr. Wenn überhaupt, wann ich endlich etwas Sinnvolles tun würde – was wirklich schwierig war, da ich ohne Ausbildung ziemlich gut verdiente.

Seitdem ich hier arbeitete, fühlte sich mein Leben wie ein Fünf-Sterne-All-inclusive-Urlaub an.

Auf dem Weg zur Bar spürte ich unzählige Blicke auf mir, aber ich lächelte nur blind durch den Raum, der in ein schimmerndes, goldenes Licht getaucht war, das je nach Musik mit dem Schwarzlicht harmonierte. Mein weißes Kleid strahlte in einer zunehmend auffälligen hellblau-violetten Färbung, mit der man mich schon von weitem erkennen konnte.

Ich setzte mich mit überschlagenen Beinen auf einen der Barhocker und ließ mir von Steve das Übliche geben. Ein Glas Wasser – während der Arbeitszeit vermied ich es zu trinken. Alkohol war sowieso nichts für mich, es sei denn, ich wollte am nächsten Tag nur über der Kloschüssel hängen.

Gerade nahm ich einen Schluck des kühlen Getränks, als ich im Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Jemand – ein gutaussehender Mann, vielleicht Ende zwanzig, Anfang dreißig, schmal, aber mit breiten Schultern, einem süßen Lächeln und gestylten Haaren – setzte sich zu mir. Irgendwie wirkte er nervös, so wie er mich anlächelte und sich dabei die dunkelrote Krawatte richtete. Sein Anzug war Armani.

Weil es mein Job war, lächelte ich zurück. Irgendetwas kratzte dabei von Innen an meinem Schädel. »Hallo schöner Mann«, säuselte ich und lehnte mich ein Stück zu ihm. Das war meine Standardbegrüßung. Nichts Besonderes. Besondere Männer gingen nämlich nicht in Stripclubs, sondern waren anständig und suchten sich eine nette Bekanntschaft in irgendeinem Café oder in einer Bar.

Fakt war leider, dass viele der Gäste vergaßen, dass das Black Rock's ein edler Club war und kein Freudenhaus. Wie das aber in der Wirtschaftswelt so war, geschah es oft genug, dass die Mädchen sich für eine Nacht an die Männer verkauften.

Ich gehörte nicht dazu. Ich wollte auch nicht zu ihnen gehören; ich hatte meinen Stolz.

Der Anzugträger, sein Name war Marvin, bat mich um einen Tanz, einen kurzen für vierhundert Pfund. Fünfzig Prozent davon würden sofort mir gehören, die restlichen wanderten in Mikes Tasche. Mit diesem Gedanken nahm ich Marvin an die Hand und verschränkte unsere Finger miteinander. Ich ging vor, zog ihn hinter mir und lächelte ihm dabei immer wieder zu. In Gedanken zählte ich schon die Dinge, die ich mir für zweihundert Pfund kaufen könnte. Ich setzte einen neuen Wasserkocher ganz oben auf die Liste.

Ich steuerte eine ruhige Sitzecke an, in der wir uns noch ein bisschen unterhalten konnten. Die Musik dröhnte nur im Bühnenbereich so laut, hinten hatten wir unsere Ruhe. Unauffällig sah ich mich dabei nach dem unbekannten Mann um, dessen eisblaue Augen sich wie ein Brandmahl in mein Gedächtnis verewigt hatten. Ich konnte ihn weder bei der Bühne, noch an der Bar erkennen. Vielleicht war er längst verschwunden oder hatte sich ein anderes Mädchen ausgesucht – oder auch nicht.

Jemand packte mich fest am Arm, bevor ich ihn überhaupt wahrnahm. Bei seiner Berührung erschrak ich und ließ aus Reflex meinen Kunden Marvin los. Vor Schock brachte ich kein Wort heraus, als ich mich umdrehte und ihn wieder vor mir stehen sah. Er war größer als ich, muskulös und seinem Griff nach zu urteilen kräftig. Der vernichtende Blick seiner gnadenlosen, blauen Augen verschlug mir die Sprache.

»Wir müssen reden«, sagte er wieder und warf einen kurzen Blick auf Marvin. »Allein.«

Damit holte er mich Gott sei Dank gleich wieder aus meiner Starre. Empört riss ich an meinem Arm, aber er ließ ihn nicht los.

»Nein!«, zischte ich in seine Richtung ohne meine Stimme zu dämpfen. Hilfesuchend sah ich mich nach Jack um, der mir lieber diesen Mistkerl vom Hals halten sollte, als draußen gemütliche eine zu qualmen. »Was verstehst du an Ich-werde-nicht-mit-dir-ins-Bett-gehen nicht?«

Der Fremde zog verwirrt, aber wütend seine Augenbrauen zusammen, als hätte er tatsächlich nicht verstanden, was ich da gerade gesagt hatte.

»Ähm«, meldete sich plötzlich Marvin wieder, der wie bestellt und nicht abgeholt neben uns stand und mich fragend ansah, »aber ich glaube, dass ich-«

»Mich jetzt verpisse?«, beendete der junge Mann seinen Satz, allerdings ohne ihn anzusehen. Sein Blick lag immer noch bestimmt auf mir – als könnte er mich hypnotisieren oder mir Angst einjagen.

Als Marvin sich nicht rührte, flog der Blick des Blauäugigen zum Anzugträger.

»Hervorragende Idee. Es wird dich niemand davon abhalten, dir eine andere Dumme für deine Sexspielchen zu suchen. Wenn du uns jetzt entschuldigen würdest.«

Ohne auf eine weitere Reaktion zu warten, verstärkte er seinen Griff und zerrte mich mit sich. Ich schrie empört auf.

Das konnte doch jetzt nicht wirklich passieren, oder? Warum musste ausgerechnet ich immer an die Kerle geraten, die sich einfach das nahmen, was sie wollten, ohne auch nur einmal nachzufragen?

Ich wollte gerade nach Jack rufen, als ich über meine eigenen Füße stolperte – kein Wunder, wenn man von einem Irren halb über den Boden geschliffen wurde – und gerade noch von dem Unbekannten aufgefangen wurde. Erfolgreich schaffte ich es, mich in diesem Moment loszureißen.

»Ich komme nicht mit dir mit«, weigerte ich mich und fand mich Sekunden später schon in den Armen des jungen Mannes wieder, der mich überraschend sanft hielt. Das war jetzt schon das zweite Mal, dass ich sprachlos war – sein süßer Geruch nach irgendeinem sehr, sehr gut duftenden Duschgel vernebelte mir die Sinne. Dazu auch noch die plötzliche Nähe und die Tatsache, dass seine Augen mich gefangen hielten. Mit ein bisschen Fantasie könnte man meinen, dass ich mich diesem Mann gerade an den Hals schmiss. »Was willst du von mir? Wenn du nur eine zum Vö-«

»Nein, danke. Ich verzichte«, zischte er mir ins Ohr. Bei dem Klang seiner Stimme durchfuhr mich ein Schauer, den ich nicht weiter definieren konnte. Eigentlich hätte ich Angst vor ihm haben sollen, ich hätte schreien müssen, aber warum auch immer dachte ich nicht eine Sekunde darüber nach.

»Und was willst du dann von mir?«

Kurz darauf schob er seinen dunklen Blazer beiseite und gab den Blick auf den Griff einer … hatte er da etwa eine Pistole? Mit großen, erschrockenen Augen wollte ich von ihm weichen, aber er verhinderte es wieder.

Vollkommen erschüttert zog ich scharf die Luft ein. »Das wagst du nicht!«

Wie zur Hölle konnte ich eigentlich so dumm sein und so etwas in so einer Situation von mir geben?

2

Bei einem erneuten Blick auf die Waffe in seiner Hand beschleunigten sich meine Atmung, mein Puls sowie der Wirbel an Durcheinander in meinem Kopf.

Warum tat er das? Warum schrie ich nicht? Warum rannte ich nicht weg? Warum zur Hölle sah ich nur immer wieder die Waffe und dann ihn an?

Ich wusste, dass ich weglaufen sollte. Ich musste. Aber ich konnte nicht. Vielleicht lag es an meiner festen Überzeugung, dass er nicht schießen würde. Nicht hier vor all den Menschen. Vielleicht täuschte ich mich aber auch – er sah mich an, als würde er mir gerne das Gegenteil mit der Ich-werde-nicht-schießen-Sache beweisen.

»Worauf wartest du? Beweg dich«, zischte er wieder und drückte die Waffe fester gegen meine Bauchmuskeln. Automatisch zog ich ihn ein Stückchen ein und betete, dass mir irgendwer helfen würde.

Hastig blickte ich mich um. »Kann ich mir wenigstens noch eine Jacke holen?«, fragte ich, wobei mein Blick immer noch durch den Raum glitt. Aber kaum einer beachtete uns. Wo war denn nur Cookie, wenn man sie mal wirklich brauchte? Oder Mike – dann könnte er sich wenigstens selbst davon überzeugen, was dieser Typ hier für ein kranker Mensch war. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, ob ich darüber lachen oder weinen sollte. Am liebsten hätte ich geschrien, aber meine Kehle war zu trocken.

Der junge Mann packte mich am Kinn und zwang mich dazu, ihn anzusehen. Ich hörte mein Herz bis in meine Ohren schlagen. »Es ist Hochsommer. Und jetzt beweg dich endlich«, zischte er mir zu, was mich total zur Weißglut trieb. Er konnte mich doch nicht einfach wie einen Löffel aus einem Café mitgehen lassen!

Als ich mich immer noch kein Stück rührte, seufzte der junge Mann entnervt, steckte seine Waffe wieder weg und hielt mir seinen Arm zum Einhaken hin. Das wäre eigentlich der perfekte Moment zur Flucht gewesen, aber irgendetwas an ihm, vielleicht sein düsterer Gesichtsausdruck, vielleicht die Waffe an seinem Körper, hinderte mich daran, es zu versuchen.

Gegen alle Naturgesetze nahm ich sein Angebot an und hakte mich bei ihm ein.

Kurz nachdem er sich in Bewegung setzte, lehnte er sich näher an mein Ohr. Sein Atem kitzelte meine Haut. »Wenn du versuchst, wegzulaufen, hast du ein echtes Problem mit mir, verstanden?«, raunte er mir zu. Ich sah ihn an, wollte irgendetwas Schlagfertiges sagen – aber in dem Moment, in dem ich das Lächeln in seinem Gesicht sah, hatte sich die Hirnfunktion Sprechen längst abgeschaltet.

Schnell wandte ich den Blick wieder ab. Ich musste mich jetzt konzentrieren, mir einen Plan überlegen – dazu zählte es bestimmt nicht das Lächeln meines potenziellen Entführers anzuschmachten.

Ich war wütend. Ja, genau. Ich war so unfassbar wütend.

Statt mir also einen cleveren Plan zu überlegen, begann ich, dem Mann an meiner Seite gedanklich Schimpfwörter an den Kopf zu werfen, die sich auf Mixer und Hungerlohn reimten. Ob er meine Vergewaltigung wohl schon länger geplant hatte? Er sah zumindest nicht aus wie ein Serienkiller. Aber andererseits, wer sah schon aus wie ein Mörder, bei dem man sofort wusste: Hey, das ist bestimmt einer, der wahllos unschuldige Mädchen misshandelt.

Als wir den Club verließen und ich versuchte, Jack heimlich S.O.S.-Zeichen zu senden, er diese aber nicht wahrnahm, starb der letzte Funken Hoffnung in mir. Wäre auch zu schön gewesen, wenn er mich nicht hätte gehen lassen. Nein, stattdessen wünschte er uns einen wunderschönen Abend zu zweit und zwinkerte mir vielsagend zu. Mir schoss der Gedanke, Jack darauf aufmerksam zu machen, dass dieser Fremde hier eine Waffe trug, zwar durch den Kopf, aber mein Mund wollte ihn nicht aussprechen. Ich konnte ihn nicht mal öffnen, so verkrampft war ich.

Kurz nachdem wir außer Hörweite waren, hielt mein Peiniger an. Er entzog mir seinen Arm, ließ mich aber nicht aus den Augen, während er sich seinen dunkelblauen Blazer auszog und mir über die Schultern warf. Ich weigerte mich mit verschränkten Armen vor der Brust, seine Jacke anzuziehen. Makabrer ging's wohl echt nicht.

Mal abgesehen davon: Hatte er nicht gerade selbst gesagt, dass Hochsommer war?

Er nahm die Waffe wieder in seine Hand und legte mir diesen Arm um die Hüfte. Als würde die Waffe an meinem Körper meine Panik lindern! Schnell und ohne etwas zu sagen, setzte er sich wieder in Bewegung und schob mich vorwärts.

Was sollte ich nur tun?

Mein Kopf war so leer wie nie zuvor. Wenn mir in den nächsten Minuten nicht irgendetwas einfallen würde, konnte ich mich gleich schon mal von meinem Leben verabschieden. Ich fragte mich, was wohl auf meinem Grabstein stehen würde.

Wenn ich es mir aussuchen könnte: Katharina Blackwell, armes, dummes Ding, das mit neunzehn Jahren diese Erde zu früh verlassen musste, da sie vom Lächeln ihres Mörders zu fasziniert war. Ruhe in Frieden. Nein, das wäre wohl eher kein guter Spruch.

»Und, wie heißt mein Vergewaltiger?«, fragte ich leise, aber giftig. Er sollte ruhig zu spüren bekommen, dass ich das hier nicht freiwillig machte. Aber als ob das etwas ändern würde.

»Wüsste nicht, was dich das angeht.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Ich dachte, es wäre ganz sinnvoll. Wenn ich das hier überlebe, dann-«

»Selbst für den Fall das, kann es dir vollkommen egal sein. Und wenn du tot bist, interessiert es dich auch nicht. Vielleicht verrate ich ihn dir in dem Moment deines letzten Atemzugs.«

Bei diesen Worten schielte ich (wahrscheinlich ziemlich) verstört zu ihm rüber und konnte nicht verhindern, dass ich kurz das Atmen vergaß.

Er grinste nicht gerade ernsthaft darüber, oder?

»Hört sich gut an«, sagte ich und schluckte heftig. »Aber ich dachte eher daran, mich an dir zu rächen.« Ich könnte mich für diesen Satz selbst ohrfeigen. Wie dumm war das denn? Ich bezweifelte, dass man ihn mit Small Talk aus dem Konzept bringen konnte.

Noch fassungsloser war ich, als er auch noch zu lachen anfing. »Hast du etwa vor, Flugblätter aufzuhängen? Dafür kann ich dir gerne ein paar Bilder geben. Ich kann Handynummern von willigen Frauen immer gut gebrauchen.«

Ich konnte darüber nicht mal schmunzeln. »Was spielst du hier?«

»Was willst du denn spielen?«

Dieser Kerl war irre, wirklich echt richtig irre. Wie jemand, der aus der Klapse ausgebrochen war und jetzt fröhlich durch die Weltgeschichte spazierte, obwohl er eigentlich eine Gefahr für jedes Mädchen dieser Welt darstellte.

Wie alt er wohl war? Ob man in seinem Alter wohl schon wahnsinnig sein konnte? Vermutlich lautete die Antwort: Ja.

Ich antwortete ihm nicht mehr und er fügte auch nichts hinzu. Statt also unsere absolut spannende Unterhaltung fortzuführen, marschierten wir stumm nebeneinander. Mit jedem Schritt wurde ich unruhiger und ängstlicher. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen – so gut es eben ging.

Ich hatte nicht mal mein Handy dabei, um heimlich die Polizei zu rufen. So wurde ich also vom Schicksal dafür bestraft, dass ich mit nackter Haut mein Geld verdiente. Ich wäre auch lieber mit jedem beliebigen Megastar auf Tour gefahren, aber ohne eine Tanzschule besucht zu haben, hatte ich nicht die geringste Chance.

Das war jetzt wirklich der falsche Zeitpunkt, darüber nachzudenken, ermahnte ich mich sauer. Begleitet von einem mulmigen Gefühl im Magen ging ich tapfer weiter und dachte nur noch an die Pistole an meiner Hüfte. Ich überlegte, wohin sie überall schießen könnte, aber als sich mir ein ziemlich ekelhaftes Bild meines zerschossenen Gesichts aufdrängte, zwang ich mich ganz schnell dazu, wieder an etwas anderes zu denken – in diesem Fall sogar sehr dankbar an das (leider) süße Lächeln meines Vergewaltigers. Wenn er nicht so gestört wäre, wäre er sicherlich ein echt toller Mann. Obwohl …

Männer mit solch einem Aussehen wussten, wie sie damit umzugehen hatten und auch, dass sie alles haben konnten, was sie wollten.

Ich – für meinen Teil – würde mir gerne einen Eimer eiskaltes Wasser überkippen. Dafür, dass meine Gedanken ständig irgendwo dahin abdrifteten, wo sie nichts zu suchen hatten, und dafür, dass ich keine Ahnung hatte, wie zur Hölle ich aus der Nummer wieder herauskommen sollte.

Ich versuchte, mir wirklich etwas einfallen zu lassen, aber dummerweise landete eine Antwort nicht einfach vor meinen Füßen. Sollte ich versuchen, ihm seine Waffe zu klauen? Wegzulaufen und zu beten, dass ich auf meinen High Heels nicht wie eine betrunkene Giraffe aussehen würde? Wäre es vielleicht das Beste, wenn ich weiter mit ihm mitgehen würde? Gerade zog ich es aber noch vor, ihm in seine Weichteile zu treten und zu hoffen, er würde erstens unfruchtbar und zweitens vor Schmerz ohnmächtig werden.

Wir bogen schließlich in eine unauffällige Seitenstraße ein. Meine Beine versteiften sich instinktiv, als ich realisierte, dass er mich dort wahrscheinlich in irgendeine Gasse locken wollte.

Erst würde er mich vergewaltigen und mir dann die Kehle aufschlitzen so wie Jack the Ripper. Bei dieser Vorstellung begann ich, wie ein durchnässter Pudel, den man vor eine Windmaschine gestellt hatte, zu zittern.

Das war das Ende meines gottverdammten Lebens.

»Was ist?«, fragte der Fremde (obwohl – inzwischen war er nicht mehr ganz so fremd, immerhin konnte ich ihn als vollkommen verrückt einstufen) entnervt und zerrte mich schon weiter, bevor ich antworten konnte.

Das alles war so unwirklich, dass ich glaubte, ich würde träumen. Und ich wollte verflucht nochmal sofort aufwachen. »Ich schreie«, drohte ich – und ohrfeigte mich innerlich für das jämmerliche Stottern in meiner Stimme.

»Danke für die Warnung«, sagte er und überquerte mit mir im Schlepptau die Straße, ohne sich umzusehen. »Aber an deiner Stelle würde ich es gar nicht erst versuchen.«

»Warum? Weil du mich dann erschießt?«

Er schob nachdenklich die Unterlippe vor. »Ich denke eher, dass ich dich bewusstlos schlage.« Dann wanderte sein Blick zu mir. Ein undefinierbares Funkeln in seinen Eisaugen kombiniert mit einem spöttisch verzogenen Mundwinkel versetzte mich erneut in Panik. »Das gibt mir immer einen gewissen Kick.«

Ein paar Meter weiter blieben wir direkt neben einem kleinen, schwarzen Auto stehen. Ich erkannte, dass es ein Golf war und dass er wohl ihm gehörte. Er öffnete den Wagen, wobei er mich losließ. Schweigend öffnete er die Tür der Rückbank und lehnte sich hinein. Ich hörte etwas rascheln – aber dann nutzte ich die Gelegenheit. So schnell ich konnte schlüpfte ich aus meinen High Heels und rannte los. Ich betete dabei, dass ich keinen Lärm veranstaltet hatte und genug Vorsprung kriegen konnte. Ich wollte wieder zurück ins Black Rock's.

Mein Atem ging schwer, aber ich hatte so viel Adrenalin im Blut, dass ich einfach immer weiterlief. Ich dachte auch überhaupt nicht daran, mein Tempo zu drosseln.

Kurz nachdem ich wieder die Queen Victoria Street erreichte und um die Ecke bog, hörte ich, wie er mir hinterherrief.

Mit einem kurzen Blick über meine Schulter stellte ich fest, dass er mir längst auf den Fersen war. Ich wusste zwar nicht wie, aber irgendwie musste ich es schaffen, mich zu verstecken, bevor er ebenfalls um die Ecke kam – aber nein, dann würde er bestimmt sofort wissen, wo ich mich verkrochen hatte. Er war nicht dumm. Er würde abschätzen können, wie weit ich gekommen war und in welcher kleinen Gasse oder hinter welcher Mülltonne ich abgetaucht war.

Blindlinks lief ich weiter. Auch wenn er nicht mehr nach mir rief, wusste ich dennoch mit grausamer Gewissheit, dass er immer noch an mir klebte, nur etwas im Rückstand lag. Es gab absolut keinen Zweifel, dass er mich bald eingeholt hatte. Um etwas Zeit zu schinden, warf ich meine High Heels nach ihm. Wenigstens traf ich ihn mit einem Schuh an der Schulter. Allerdings interessierte ihn das herzlich wenig; er fluchte nicht mal.

Ich wusste einfach nicht, wie ich ihn austricksen sollte. Vor mir lag nichts außer eine Reihe Häuser, die mir keine Versteckmöglichkeiten boten.

Plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz im linken Oberschenkel.

Mein Bein knickte weg, ich fiel hin und schlitterte dabei gut zwei Meter über den Boden. Ein Brennen erfüllte meine Handflächen, meinen rechten Ellenbogen und meine Knie. Ich blieb auf der Seite liegen, mit dem Gesicht in die Richtung aus der ich gekommen war und wo mein Entführer stand. Er hatte seine Pistole gerade noch erhoben, doch dann steckte er sie weg und kam auf mich zu gejoggt.

Währenddessen tastete ich mit rasendem Herzen meinen Oberschenkel ab. Ich erwartete, dass ich blutete, aber statt einer offenen Wunde fand ich eine kleine silberne Kapsel mit einer einzigen roten Feder. Ich zog sie aus meiner Haut und betrachtete die Nadel mit einer Mischung aus Erleichterung und noch mehr Angst. Es war beruhigend, dass er nicht vorhatte mich zu töten, aber noch beunruhigender, dass er mich betäubte.

Als er bei mir ankam, ging er in die Hocke. »Ich habe dir ja gesagt, du sollst nicht weglaufen.«

»Was hast du mit mir gemacht?«, fragte ich und zwang mich, die Schmerzen in meinen Gliedern auszublenden. Er berührte meine Hände und sah sich die Schürfwunden an. »Was passiert jetzt mit mir?«

Er seufzte. »Du wirst in ein paar Minuten für eine ziemlich lange Zeit die Klappe halten und gezwungenermaßen schlafen. Dann muss ich wenigstens deine Stimme nicht mehr hören.«

Ich blinzelte ihn verstört an. Am liebsten wäre ich auf der Stelle in Tränen ausgebrochen, aber er bedachte mich auf einmal mit einem ganz anderen Blick. Fast hatte ich das Gefühl, dass es ihm sogar leidtat. Dann, bevor ich etwas auf seinen dummen Spruch erwidern konnte, hob er mich plötzlich hoch und drückte mich an seine Brust. Sein Blazer hing dabei nur noch halbwegs über meiner Schulter. Es war ein Wunder, dass ich ihn auf meiner Flucht nicht verloren hatte.

»Wo bringst du mich hin?« Meine Zunge wurde schwer, auch wenn ich sonst noch keine Müdigkeit spürte. Möglicherweise begann es, in meinen Fingerspitzen zu kribbeln – ich könnte mich aber auch täuschen. Keine Ahnung.

»Zum Auto.«

»Und dann?«

Er antwortete mir nicht und ich fragte nicht noch einmal nach. Das Sprechen fiel mir schwer. Irgendwann merkte ich, wie ich die Kontrolle über meine Gesichtsmuskeln verlor und nicht mal die Lippen verziehen konnte. Mein Kopf fiel schlaff nach hinten. Nur meine Gedanken funktionierten noch so weit, dass ich mir selbst immer mehr Panik machen konnte.

Ziemlich schnell waren wir wieder beim Auto. Die Tür stand immer noch offen, weshalb er mich ziemlich umständlich auf die Rückbank schmiss. Jetzt spürte ich das Kribbeln deutlich. Es breitete sich von meinen Händen über meine Arme aus. In den Füßen begann es auch langsam. Ob das normal war?

Ich versuchte, meine Hand zu bewegen, wobei ich einen kitzelnden Schmerz spürte, als würde man seine schlafenden Glieder wecken.

Meine Panik flachte plötzlich ab und driftete davon; wie ein Luftballon, der vom Wind erfasst wurde, war sie zwar noch zu sehen, aber nicht mehr zu greifen.

Der junge Mann holte mit einem genervten Gesicht (falls er jemals überhaupt etwas anderes zum Ausdruck bringen konnte) eine kleine Tasche aus dem Kofferraum und schmiss sie in den Fußraum. Dann kramte er darin herum und redete, bevor ich nachfragen musste. »Du hast Schnittwunden unter deinen Füßen – falls dir das nicht aufgefallen ist. Das sollte desinfiziert werden.«

Ich wollte nicken, schaffte es aber nicht. Alles fühlte sich plötzlich total flauschig an. So schön hatte ich mir das Verlieren des Bewusstseins gar nicht vorgestellt.

Am Rande meines Blickfeldes sah ich, wie er ein Tuch mit einer alkoholischen Flüssigkeit tränkte und dann die Wunden unter meinen Füßen sauber tupfte. Dank des Betäubungsmittels spürte ich überhaupt nichts davon. Er kümmerte sich auch um die Schürfwunden an meinem Knie.

Ich wollte, dass er noch irgendetwas sagte, dass er mit mir sprach. Plötzlich hatte ich unglaubliche Sehnsucht nach einer guten Geschichte, zu der man einschlafen konnte.

Von Sekunde zu Sekunde wurden meine Augenlider schwerer. Mit Mühe konnte ich sie offenhalten und ihn dabei beobachten, wie er meine Handballen desinfizierte. An der rechten Hand waren auch einige Knöchel betroffen.

Es war nett, dass er das tat. Dafür, dass er mich betäubt hatte. Dafür, dass er mich entführen wollte.

3

»Oh, mein Gott, Will, wo hast du sie denn ausgegraben?«, kreischte eine grelle Mädchenstimme in meinem Kopf, als ich langsam wieder zu mir kam. Aus Sicherheitsgründen zwang ich mich aber, meine Augen geschlossen zu halten. Solange ich selbst kaum bei mir war, sollte ich besser so tun, als würde ich noch schlafen.

»Warum fragst du sie das nicht einfach selbst?«, entgegnete eine andere, männliche Stimme. Da ich sie wiedererkannte und dieses Mädchen ihn mit Will ansprach, vermutete ich mal, dass er der Übeltäter war. Gut, dann wäre schon mal geklärt, wem ich das Desaster zu verdanken hatte.

Ich lag in einem ziemlich bequemen Bett, auch wenn sich mein Nacken schmerzhaft steif anfühlte. Es roch vage nach Desinfektionsmittel, weshalb ich vermutete, dass ich mich wohl ein einem Krankenhaus befand. Aber was machte dieser Will hier und wer was das Mädchen?

Ich erinnerte mich mehr oder weniger daran, dass Will mich angeschossen hatte. War ich doch schlimmer verletzt, als ich dachte?

Ein zischendes Geräusch, das mich an das Öffnen einer Flasche erinnerte, drang an meine Ohren. »Beruhigt euch, alle beide«, sagte wieder jemand anderes direkt neben meinem Kopf. Seine Stimme klang deutlich älter und rauer als die von Will. »William, geh und hol bitte Moira. Sie soll dem Mädchen etwas zum Anziehen mitbringen.«

Ganz meinem Gehör nach zu urteilen, füllte der Mann ein Glas mit einer Flüssigkeit.

In meinem Mund kribbelte es. Der Durst meldete sich langsam und kratzte in meiner trockenen Kehle, aber ich traute mich immer noch nicht, meine Augen zu öffnen. Wenn es hart auf hart kam, einfach die Augen geschlossen halten und so tun, als wäre man tot. Das klappte immer. Meistens. Hoffentlich in meinem Fall.

Bevor ich nicht herausgefunden hatte, in welcher Sekte ich hier gelandet war, würde ich auch auf keinen Fall meine Augen öffnen.

Ich spürte, wie mein Herz zu rasen begann. Nur einem wirklich glücklichen Zufall hatte ich es zu verdanken, dass ich an keinem EKG angeschlossen war.

»Was ist mit ihren Händen, Thomas?«, fragte die Kreischstimme wieder, die sich dieses Mal aber deutlich weniger schrill anhörte. Sie klang dadurch aber nicht wirklich netter.

Schritte erfüllten den Raum. »Laut William ist sie hingefallen. Über ihre eigenen Füße gestolpert. Oder …«

»Oder er will vertuschen, dass er ausnahmsweise wirklich mal geschossen hat.«

»Das bezweifle ich«, erwiderte der ältere Mann mit einem Lächeln in der Stimme. »William kennt keine Skrupel, wenn es um einen Auftrag geht. Er hat nichts zu verbergen.«

Das Mädchen seufzte. »Wohl wahr.« Kurz darauf erklang ein dumpfes Geräusch, als hätte sich jemand hingesetzt. In einen Sessel vielleicht. »Ich finde nur, dass er sich da zu sehr hineingesteigert hat. Konnte ja bestimmt nicht so schwer gewesen sein, sie einzufangen und hierherzubringen.«

»Wie du siehst, hat er es auch geschafft.«

»Ich habe auch nicht das Gegenteil behauptet.« Die Stimme schoss aufgeregt eine Oktave höher. Ich konnte mir gut vorstellen, wie sie dort saß, die Augen zusammenkniff und Thomas anstarrte.

Fast hätte ich kichern müssen, doch dann erinnerte ich mich wieder daran, dass ich keine Ahnung hatte, wer diese Menschen überhaupt waren und was sie von mir wollten. Vielleicht wollten sie mir den Kopf aufschneiden und mein Gehirn untersuchen? Irgendwelche Tests an mir durchführen, mich zu einem Experiment machen?

»Ach, Chloé«, seufzte dieser Thomas. »Ich denke, dass William in der Lage ist, zwischen Notwendigkeit und Überflüssigkeit zu unterscheiden.«

»Wenn Will eines nicht kann, dann ist es, objektiv zu denken«, zischte das Mädchen, das Thomas mit Chloé angesprochen hatte. Dann schien sie, näher zu kommen, ihre Stimme wurde lauter. »Wenn er auch nur einen Funken davon besitzen würde, hätte er sie nicht angeschossen. Offensichtlich hat sie genug durchgemacht.«

»Ich verstehe nicht, was du meinst.«

»Sieh sie dir doch mal an! Sie hat sich kein Stück verändert. Die Haare? Ein einziger Heuhaufen. Das Make-up? Total verschmiert. Und erst diese Fingernägel! Was hat die damit gemacht? Steine geschliffen?« Ihr Parfüm kitzelte in meiner Nase. »Das – Sie! – ist eine Katastrophe!«

»Chloé«, mahnte er. Dabei klang er wie ein Vater, doch ich bezweifelte, dass Thomas ihr Vater sein konnte. Thomas hörte sich an wie jemand, der schon ein Jahrhundert hinter sich hatte. »Das Wichtigste ist doch nicht, wie sie aussieht, sondern dass es ihr gut geht.«

»Thomas«, setzte sie zum Sprechen an, »du hast eindeutig zu viel Fa-«

Im nächsten Moment verstummte Chloé schlagartig. Es hörte sich an, als hätte jemand die Tür geöffnet. Dann quietschte etwas – es müssten Schuhsohlen sein, die über den Boden schliffen – und ging durch den Raum.

»Ach, du meine Güte!«, rief plötzlich eine Stimme, die mich an meine Grandma erinnerte. »William Fairchild! Du solltest sie hierherbringen, aber doch nicht gleich ihr Gesicht grün und blau schlagen! Ich bin enttäuscht von dir, mein Junge. Was hast du dir nur dabei gedacht!?« Die Frau redete so schnell und hitzig, dass der Angesprochene gar nicht zu Wort kommen konnte. »Was ist mit ihren Händen passiert?«

»Das mit ihrem Gesicht war ich nicht«, konnte Will nur sagen, da wurde er schon wieder unterbrochen.

»Sie ist hingefallen«, warf Chloé sarkastisch ein.

»Das arme, arme Ding«, flüsterte die ältere Frau – als ich auch schon einen unerwarteten Schmerz im Gesicht spürte. Eine warme Hand betastete meinen Wangenknochen. Es tat so höllisch weh, dass ich mein Schauspiel abbrechen musste.

Als ich die Augen öffnete, blendete mich schneidend helles Licht, was den Schmerz in meinem Kopf nur noch schlimmer machte. Wie auch immer man das Geräusch, das aus meinem Mund kam, definieren konnte, war eines klar: Es hörte sich schrecklich gequält an. Die vier Menschen um mich herum waren bloß schemenhafte, verschwommene Schatten.

»Schnell, Thomas!«, rief die alte Frau und fuchtelte mit ihren Händen vor meinem Gesicht herum. Sofort zuckte ich vor ihr zurück und versuchte, meinen Kopf noch tiefer in das Kissen zu drücken, auf dem ich wohl lag. Ich musste mehrmals blinzeln, bis ich wieder klarsehen konnte. »Gib ihr etwas zu trinken. Du musst ja verdursten, Liebes«, sagte sie dann an mich gerichtet und lächelte mich zuckersüß an; so ähnlich wie die Hexe von Hänsel und Gretel gelächelt haben musste, um sie in ihr Haus zu locken. Doch sie schien nicht, wie die alte Hexe zu sein. Ihre klugen, grünen Augen blickten mich sorgenvoll an.

Sie half mir dabei, mich im Krankenbett aufzusetzen (auch wenn ich mich anfangs dagegen wehrte) und reichte mir das Glas Wasser, das Thomas ihr von hinten gab. Bevor ich einen Schluck nahm, roch ich vorsichtshalber noch einmal dran – man konnte ja nie wissen. Während ich trank, verzog ich sofort das Gesicht. Wasser schmeckte mir nicht besonders.

»Hast du Hunger, Liebes?«, fragte Moira mich. »Willst du noch etwas trinken?«

Doch ich verneinte beides. Stattdessen musterte ich die Fremden. Diese Chloé durchbohrte mich mit einem abschätzigen Blick. Als sie ihren Arm beinahe arrogant in ihre Hüfte stemmte, fielen ihr einige Strähnen ihrer langen blonden Haare ins Gesicht, doch das schien sie nicht weiter zu stören. Immerhin musste sie mich finster anstarren, als wäre ich ein Eindringling in ihre perfekte Welt. Will, den ich ja schon kannte, starrte Löcher in die Luft, während er am weitesten von mir entfernt gegen die Wand lehnte. Moira und Thomas waren mir am nächsten.

»Ich bin Thomas Glendale«, stellte sich der Mann vor. Seine sanften, blauen Augen ruhten auf mir, sahen mich durch eine zu moderne Brille an. Auch er hatte Falten wie Moira, dennoch machte er ebenfalls einen netten Eindruck – zumindest wirkte er nicht so, als würde er mir den Kopf aufschneiden wollen. »Und das ist meine Frau, Moira Glendale.« Als ich einen Blick auf die alte Dame warf, lächelte sie mich an. »Wir sorgen dafür, dass es dir hier gut geht.«

Ich konnte nur nicken.

Er grinste mich an, wobei sich Fältchen um seine Mundwinkel bildeten, die ihn wie einen alten Teddybären aussehen ließen. »Wie geht es dir? Tut es weh?« Thomas schob seine Frau beiseite, die leicht empört das Gesicht verzog, dann aber auf Will einredete, wieso ich ein Veilchen am Auge hatte.

»Es geht schon«, erwiderte ich mit rauer Stimme und konnte es natürlich nicht lassen, an meinen Wangenknochen zu fassen, dort wo Mike mich gestern Abend geschlagen hatte. Ich konnte mich gar nicht daran erinnern, dass es so intensiv gewesen war. »Wo bin ich hier?«

»Wir schauen nur, ob es dir gut geht«, entgegnete er ausweichend. »Du willst doch bestimmt noch etwas trinken?« Während er mir, ohne auf eine Reaktion zu warten, das kühle Wasser in ein Glas goss, schaute ich mich in dem krankenzimmerähnlichen Raum um.

Sobald ich nach rechts sah, konnte ich viele Schränke erkennen, in denen einige Medikamente untergebracht waren. Daneben stapelten sich Verbände, sterilisierte Nadeln und Ampullen. Vieles erinnerte mich an das Behandlungszimmer meines Arztes. Die Behandlungsliege rechts in der Ecke, wenn man den Raum betrat. Einen Schreibtisch, auf dem sich Unterlagen stapelten, kleine Kisten mit Pflastern, Stäbchen, Medikamentenpackungen und so weiter und so fort. In diesem Zimmer hätte man guten Gewissens Dr. House spielen können.

»Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich es nicht gewesen bin?«, seufzte William und versteckte sein Gesicht halb hinter seiner Hand und vermittelte so den Eindruck, als hätte er weder Lust, sich Moiras Klagen anzuhören, noch, überhaupt hier zu sein.

»Solange bis du mir erklärt hast, wo sie es sonst herhaben soll!«, zischte Moira immer noch entsetzt.

»Moira«, preschte Chloé hochnäsig und genervt dazwischen. »Da, wo sie herkommt, hätte es doch nicht anders laufen können. Er hat sie von der Straße aufgesammelt.«

Von der Straße? Wir waren uns nicht auf der Straße begegnet. Ich zog meine Augenbrauen fragend zusammen.

Doch gerade, als ich etwas sagen wollte, hielt Thomas mir mein Glas voll Wasser hin. »Darf ich?«, fragte er höflich und ich nickte. Er legte mir eine Blutdruckmanschette um.

»Du bist Arzt?«, fragte ich, obwohl das mehr als offensichtlich war. Ich wollte mich nur von diesen Schmerzen ablenken, die meinen Kopf gleich zum Explodieren brachten.

Trotzdem lächelte er und sah mich mit strahlenden Augen an. Nebenbei tastete er mit zwei Fingern nach meinem Puls am Handgelenk. »Ich habe mein Studium in Cambridge abgeschlossen und sofort ein Angebot dieser Institution hier erhalten – du solltest dich noch etwas ausruhen, damit sich dein Puls wieder normalisiert.« Er reichte mir nochmals ein Glas Wasser und sagte zu seiner Frau: »Liebling, hast du ihr neue Kleidung mitgebracht?«

Das schien sie sofort von ihrer Predigt für William abzulenken, denn kaum hatte er seinen Satz beendet, wirbelte sie herum und zog ein kleines Köfferchen hervor. Mit zwei kurzen Klicks öffnete sie die Schlösser und hob den Deckel an.

»Liebes, was sind deine Lieblingsfarben?«, fragte sie mich.

Chloé stöhnte genervt, riss irgendetwas aus dem Koffer, egal ob es mir passen würde oder nicht, und schmiss es auf mein Bett. Ich nahm das blaue T-Shirt in die Hand, wobei sie mir einen finsteren Blick zu warf.

»Du denkst, du kannst hier einfach so hineinplatzen«, giftete sie. Ihre Augen wurden immer schmaler »Das kannst du nicht.«

»Chloé, es wäre besser, wenn du an die frische Luft gehst«, mischte Thomas sich ein und nahm mir derweil endlich die Blutdruckmanschette ab.

Ohne auf ihn einzugehen, wandte sie sich an Will, der schon wieder mit verschränkten Armen an der Wand lehnte. »Kommst du mit? Oder willst du weiter mit der da in einem Raum sein?«

»William bleibt noch eine Minute, Chloé«, sagte Thomas ruhig, bevor dieser selbst antworten konnte.

»Ich habe Besseres zu tun, Thomas.« William beachtete mich nicht. Ich wusste nicht ganz, ob das seine Absicht war oder ob es nichts zu bedeuten hatte. Wegen ihm hatte ich ein blaues Auge – da hatte ich auch keine Lust, mit Mister Ich-bin-so-unglaublich-cool in einem Raum zu sein.

Anscheinend ignorierten sich hier wohl alle gegenseitig, denn Thomas sagte nur noch einmal, dass William eine Minute bleiben würde und Chloé an die frische Luft gehen sollte. Beinahe frustriert verließ die blonde Furie den Raum und knallte die schwere Tür so laut hinter sich zu, dass es in meinen Ohren gewitterte. Bye-bye, Sonnenschein.

»Will, ich möchte, dass du dich um sie kümmerst, bis Alistair heute Abend wieder hier ist. Außerdem muss deine Mutter ein Zimmer für das Mädchen herrichten.«

»Wir sind kein Bed and Breakfast«, erwiderte er matt und wartete dennoch nicht auf Widerworte. »Und was soll ich mit ihr anstellen?«

Moira ergriff das Wort, wobei sie den Koffer wieder zuklappte, nachdem sie einige Kleidungsstücke hinausgelegt hatte. »Das Mädchen braucht ihre eigene Kleidung, eine Zahnbürste und vielleicht persönliche Dinge. Du begleitest sie in ihre Wohnung und wirst sie beschützen. Ich will nicht, dass sie noch einmal so etwas erleben muss.«

William stieß ein gequältes Geräusch aus. »Kann das nicht einfach wer anders machen?«

Doch Moira wollte gar nicht zuhören und half mir stattdessen, aus dem Knotenberg der Decke zu kommen. Dann gab sie mir noch ein Paar Turnschuhe und eine helle Jeans, die ich dankend annahm.

»Bitte sei um halb sechs mit ihr zurück, William. Alistair will mit ihr reden.«

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