Die Abbieger - Thomas Schweres - E-Book
Beschreibung

»Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Arbeitnehmer in diesem Land, die gezwungen sind, zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln, fühlen sich seit Jahrzehnten als Geiseln einer unfähigen Behörde, die sich Straßen.NRW nennt und uns alle quält. Diesen Spieß werde ich jetzt umdrehen. Denn einen Stau von Zeit zu Zeit, den hält jeder aus. Aber Sie, Herr Dr. Weissfeldt, sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie das ist, diese Situation täglich ertragen zu müssen. Morgens und abends wieder, wenn man sich nach Hause sehnt, zu seiner Mutter und seinen Tieren, und stattdessen auf der A 40 steht.« Zwei Kaninchenfreunde und Staugegner haben den Chef einer Landesbehörde entführt. Kommissar Georg Schüppe und der Reporter Tom Balzack tun alles, um das Leben der Geisel zu retten. Doch der Kampf gegen die Zeit und die Staus fordert Opfer. Beste Krimisatire – klug und saukomisch!

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Seitenzahl:347

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Thomas Schweres

Die Abbieger

Kriminalroman

Krimis mit Schüppe und Balzack:

Die Abtaucher

Die Abräumer

Die Abdreher

Die Abbieger

© 2017 by GRAFIT Verlag GmbH

Chemnitzer Str.31, D-44139 Dortmund

Internet: http://www.grafit.de

E-Mail: info@grafit.de

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlagbild: Nele Schütz

Der Autor

Thomas Schweres ist gebürtig aus Essen und wohnt in Dortmund. Im Hauptberuf ist er selbst Journalist und produziert Fernsehnachrichten für einen großen privaten Fernsehsender. Seine Erfahrungen und Erlebnisse im beruflichen Alltag bieten die Grundlage für seine Romane – in seinen Geschichten ist wenig erfunden.

Personen

Die Reporter

Tom Balzack, Reporter und Chef von Broadfacts.TV

Charly, seine Freundin

Harry Fitz, sein Kameramann

Christos Balzack, sein Sohn

Lydia Ferraro-Morscheck, dessen Lebensgefährtin und Redaktionsassistentin

Andreas Schneidengel, BILD-Chefreporter, Freund und Feind von Tom

Die Polizisten

Georg Schüppe, Erster Kriminalhauptkommissar, Sonderermittler

Amin Gültekin, kurdischstämmiger Oberkommissar

Ingo Ritterswürden, Polizeipräsident

Helmut Reichle, Leiter KK 11Polizei Essen

Die Entführer

Klausi (Klaus-Werner) Lippermann, Kaninchenfreund und Stauopfer

Alfred Kruppel, Schrotti und Kaninchenzüchter

Die Opfer

Dr.Rainer Weissfeldt, Chef von Straßen.NRW

Heribert Meister, sein Fahrer

Birgit Bergmann, Lebedame

Claudia Koslowski, Chefsekretärin bei Straßen.NRW und Amateurschlagersängerin

Und sonst

Elfriede Lippermann, Mutti von Klausi

Ahmet, Mevlüde, Suad und Fuad Yüksel, begeisterte Kleingärtner und Radsportler

Heinrich Gomez, Rentner mit Spürnase

Marianne Schröder, Beamtenwitwe mit Putzzwang

Emscherglück, eine Kleingartenanlage im Ruhrgebiet

Dixieland – Lippermanns Schrebergarten ebendort

Rabbit – Name des 1.Fluchtfahrzeugs

Möhre – Name des 2.Fluchtfahrzeugs

Montag

1

Klaus-Werner Lippermann war ein pflichtbewusster Mensch, der gern in Ruhe gelassen wurde und Kaninchen liebte. Stundenlang konnte Klausi, wie er sich von seiner Mutter ungern rufen ließ, vor dem Stall sitzen, selbst gebaut aus einem alten Kleiderschrank, bei dem er die Holzfüllung der Tür durch stabilen Maschendraht ersetzt hatte. Der Schrank lag auf der Seite, unterfüttert durch Ziegelsteine an jeder Ecke, um den Kontakt zum feuchten Boden zu vermeiden, unter dem nach vorn offenen Holzunterstand. Diesen hatte sein Vater einst aus ein paar Zaunpfählen und alten Dachlatten zusammengezimmert, um Kaminholz und Gartengeräte trocken lagern zu können.

Bei der Beobachtung seiner Lieblinge bediente sich Klaus-Werner eines niedrigen klappbaren Hockers, wie ihn auch Angler verwenden, und eines Regenschirms mit der Werbeaufschrift eines Futtermittelherstellers, der ihn vor Wind und Regen, aber auch vor der Sonne schützte, wenn er vor dem Schuppen saß. Außerdem trug Klaus-Werner Lippermann eine braune Schlägermütze aus Cordsamt, wie immer, wenn er sich außerhalb geschlossener Räume befand. Darauf bestand seine Mutter, »damit dir im Sommer der Lorenz nicht die Pläte verbrennt und du dir im Winter keinen Pips holst.«

Denn von seiner Achtzigerjahrefrisur, vorne kurz, hinten lang, Oberlippenbart, kurz Vokuhila-Oliba, waren ihm nur ein paar kragenlange Strähnen geblieben, die vereinzelt und ungeordnet unter der Schlägermütze hervorsprossen wie Löwenzahn auf dem Rasen nach einem sommerlichen Regenguss. Und eben der Schnurri, der von seiner Erscheinung her der Anordnung der Tasthaare seiner beiden Lieblinge nicht unähnlich war.

Damit dieser vielleicht etwas eigene, aber völlig harmlose Sachbearbeiter Klaus-Werner Lippermann, genannt Klausi, der in seinem ganzen Leben noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, der bei seiner Mutter wohnte und immer die SPD gewählt hatte, innerhalb weniger Wochen zum Verbrecher reifen konnte, verantwortlich für eines der schwersten Vergehen im deutschen Strafgesetzbuch, bedurfte es eines traumatischen Erlebnisses.

Denn zu seinem Kaninchenstall im Dixieland war des Nachts jemand geschlichen und hatte mit erheblicher krimineller Energie das stabile Vorhängeschloss geknackt, erworben für 3,99Euro an einem Samstag im Mai im örtlichen Baumarkt, und seine beiden Lieblinge dem Käfig entnommen. Auf der Rasenfläche der Kleingartenparzelle hatte der Unhold ihnen die Kehlen durchgeschnitten, am Morgen danach fanden sich dort nur die Köpfe von Molly und Whitey in einer angetrockneten Blutlache auf der von Klausi noch am Vortag gemähten Wiese. Ganz dicht aneinander und so, dass sich die Tiere noch im Tode aus starren Augen anblickten. Ihre Löffel waren von den Köpfen abgespreizt und derart drapiert, dass sie wie gegenüberliegende Rotoren eines Hubschraubers wirkten.

Der Anblick seiner Lieblinge in ihrem Blut hatte zu einem erheblichen Schock geführt bei Klaus-Werner Lippermann, der so etwas Grausames in seinen bis dahin zweiundvierzig Lebensjahren noch nie gesehen hatte, nicht einmal im Fernsehen. Zunächst hatte er die Schuld seiner Mutter gegeben, bei der er wohnte und die »keinesfalls den Gestank der Karnickel und diesen Sarg in der Bude« hatte haben wollen, wie sie es ausdrückte. Sie war es, die ihn gezwungen hatte, Molly und Whitey in der Kleingartenanlage Emscherglück schutzlos ihrem Schicksal zu überlassen, obwohl in seinem Jugendzimmer zwischen Bett, Kleiderschrank und Schreibtisch noch genug Platz gewesen wäre. Aber wahrscheinlich hatte seine Mutter recht, denn da waren ja auch noch die im Stallboden, unter dem Stroh, von ihm durch einen 8er-Bohrer erzeugten Löcher zum Abfließen des von Molly und Whitey produzierten Urins. Und auch der alle drei Tage fällige Wechsel des feuchten Strohs mit den Kaninchenkötteln darin hätte sich bei dem geringen verbleibenden Platz in seinem Jugendzimmer schwierig gestaltet. Deshalb war es natürlich Quatsch, Elfriede für den Meuchelmord verantwortlich zu machen, seine Mutter hatte nur das Beste für ihn gewollt. Wie sie es immer wollte.

Natürlich hätte Klausi die Tiere auch in dem Garten hinter ihrem Zechenhaus unterbringen können, dann wären Molly und Whitey nicht ganz so weit von ihm entfernt gewesen. Aber wie schon sein Vater Ludwig immer gepredigt hatte: In der Entfernung wächst die Liebe. Papa hatte das damals auf Elfriede bezogen, als er trotz des großen eigenen Grundstücks noch einen Kleingarten angeschafft hatte. Zuerst hatte er sich damals einen Garten in einer Nachbarstadt angesehen, aber das war ein Zusammenschluss aus zwei Gemeinden. »Städte und Frauen mit Doppelnamen, das taugt nichts«, hatte Ludwig stets erklärt und Bayern München, Werder Bremen und Alice Schwarzer als abschreckende Beispiele genannt. So ganz weit entfernt befand sich der Garten deshalb gar nicht, lag nur ein paar Kilometer von Dorstfeld entfernt, kurz über die A 40 und A 43. Das Geheimnis um die Bedeutung des Namens ›Dixieland‹, mit einem Lötkolben in ein Stück Holz aus Treibgut graviert und über dem Eingang des Schrebergartens angebracht, hatte der alte Lippermann mit ins Grab genommen.

Klausi war überzeugt, dass der Kaninchenmörder, es musste sich nach seiner Einschätzung dabei um einen Mann handeln, irgendwo in einer der umliegenden Parzellen zu suchen war. Nicht in der direkt nebenan, die war von ihren Pächtern aufgegeben worden und wartete auf Neuvermietung. Er hatte keinen speziellen Verdacht, weil er die anderen Laubenpieper im Ranunkelweg nicht besonders gut kannte, diese Menschen ihn auch nicht weiter interessierten, und sich nur selten mit ihnen unterhielt. Klausi wusste trotzdem alles über sie von seiner Mutter. Obwohl sie allenfalls zwei- oder dreimal im Monat mitkam, »um nach dem Rechten zu sehen, sonst verkommt da ja alles«, reichten ihr diese wenigen Besuche, um in Gesprächen mit den Nachbarn alles über alle zu erfahren. Klaus-Werner selbst hingegen beschränkte seine Kontakte auf freundliches Grüßen und nahm an keinem ihrer Grillabende und keinen Vereinsfeiern teil. Bis auf ein Mal, das war vor zweieinhalb Monaten, also noch vor der Ermordung von Whitey und Molly, weil Mutti ihn gebeten hatte. »Da gehst du heute bei, und wenn ich dich persönlich dahin delschen muss. Kär, Kär, sonst lernst du doch nie eine kennen!«

Wahrscheinlich hatte sie recht, er konnte Elfriede ja auch keinen Wunsch abschlagen, deshalb war er allein und widerwillig zum jährlichen Sommerfest der Kleingartengemeinde getrabt. Er hatte dort verlegen herumgestanden, an seiner Sinalco genippt. Irgendwann hatte ihn eine dralle Frau angesprochen. Sie war ungefähr in seinem Alter, also Ende dreißig, Anfang vierzig. Ihre Haarfarbe hätte man in der Kaninchenzucht als lohfarben beschrieben, irgendwas zwischen rot und braun. Ihr Name sei Heidi, sie schien ihn zu kennen und hatte Klausi nach seinen Hobbys befragt. Erstaunlich aufmerksam lauschte sie seinen Ausführungen über die Kaninchenzucht und -haltung. Die Frau war besonders an Einzelheiten bezüglich der Vermehrung interessiert gewesen und hatte dabei immer Vergleiche angestellt: »Ich und der Meinige …« ›Der Meinige‹ war ihr Gatte, einer aus dem Rudel, das am anderen Ende des Saales vor der kleinen Bühne stand. Die Männer tranken dort abwechselnd Klaren mit Speck und Bier und stierten dabei der Sängerin, die zum Play-back Lieder von Ireen Sheer nachsang, in den Ausschnitt. Wenn Klausi sich nicht ganz täuschte, war das doch diese Claudia Koslowski aus der Zechenstraße, die auf der Fine-Frau-Grundschule zwei Klassen unter ihm gewesen war. Eine Chance, sich der Bühne zu nähern, hatte er nicht bekommen. Denn diese Heidi, die ihm jetzt überhaupt nicht mehr vom Pelz rückte, hatte ihn genötigt, Alkohol aus kleinen Fläschchen zu trinken. »Einer geht noch, mein kleiner Klopfer«, hatte sie dabei mit heiser versoffener Stimme geflötet. Vor jedem dieser Schnäpse musste man die Püllekes, einem ihm unbekannten Ritual gehorchend, mehrmals heftig auf die Theke schlagen, um sie dann mit untergehakten Armen in einem Zug zu leeren. Danach hatte Heidi ihm ihre Zunge in den Hals gesteckt wie eine läufige Häsin. Dieses ihm ungewohnte Verhalten nannte sie ›Brüderschaft trinken›. Bei Klausi löste es eine Reaktion aus, die man in seiner Welt ›Kaninchenstarre‹ nannte.

»Der Meinige ist als Rammler nämlich nicht mehr zu gebrauchen«, hatte Heidi ihm ins Ohr geflüstert und Klausi immer weiter in die dunkle Ecke neben der Bar geschoben, die nicht mehr von den bunten Lämpchen der Partylichterkette beschienen wurde. Sie habe jetzt Hitze und sei deckungsbereit, hatte sie brünstig gestöhnt und ihr Dekolleté gelüftet. Er solle doch mal an ihre Löffel fassen und an ihre Nippeltränke gehen, hatte sie gefordert, und als Klausi dazu keine Anstalten machte, seinen Kopf zwischen ihre Brüste gedrückt. Heidis Haut war so weiß und so weich wie das Fell am Bauch von Molly und roch verschwitzt. Verzweifelt versuchte Klaus-Werner, sich aus dem tiefen Tal zu befreien, und war zum ersten Mal im Leben froh gewesen, diesen ›Kuszmierz mit zwei Zett‹ zu sehen, der ihn schon in der Grundschule immer grundlos verkloppt hatte. Volltrunken kam er auf das Pärchen zugetorkelt.

»Darf ich vorstellen: Das ist Arturo, der Meinige. Kommt wie immer zu früh«, hatte Heidi resigniert gesagt und ihre Auslage wieder in Form gebracht. Der dicke Kuszmierz, der die Situation zum Glück nicht erfasste, hatte gelallt: »Was machst du denn hier mit dem Lippermann, diesem Guildo Horn für Arme, Häschen?«, während er kichernd versuchte, Klaus-Werners Hosenbeine hochzuziehen, weil er die orthopädischen Strümpfe sehen wollte. Klausi hatte sich schnell verabschiedet, er müsse sich um seine Tiere kümmern.

Artur Kuszmierz hatte am nächsten Tag bestimmt keine Erinnerung mehr an das Fest gehabt, deshalb glaubte Klausi auch nicht, dass sich der Dicke aus Rache später an seinen Lieblingen vergriffen hatte.

Theoretisch kamen auch Herr Yüksel als Kaninchenmörder infrage oder einer seiner beiden halbwüchsigen Söhne, die früher immer in die Blumenkästen seiner Mutter am Eingang zum Dixieland gepinkelt hatten, woraufhin regelmäßig die Geranien eingegangen waren. Neuerdings hielten sich die Yüksel-Jungs auffällig häufig im und auch vorm Gewächshaus ihres Vaters auf.

Oder Jonathan, der siebzehnjährige Sohn des Sozialarbeiters und der Lehrerin, deren Garten weiter oben an der Ecke zum Dopheideweg lag. Denn Jonathan sollte »etwas mit Drogen zu tun« haben, wie Klausi von seiner Mutter wusste.

Oder dieser Rentner, Herr Gomez, der im Emscherglück überhaupt keinen Garten besaß. Der kam extra hierher, um seinen Terrier Rocky an ihren Zaun kacken zu lassen, wenn er sich unbeobachtet fühlte. Schon mehrmals hatte Klausi beim Löwenzahnschneiden in diese ekligen Hundehaufen gefasst.

Angesichts der Brutalität und Grausamkeit der Tat traute Klausi sie im Grunde aber niemandem zu, den er auch nur flüchtig kannte. Die beiden Polizisten, die am Nachmittag des 6.Juni 2016 gekommen waren, um »den Schaden aufzunehmen«, wie sie es ausdrückten, hatten ihm versprochen, mit Hochdruck in dieser Angelegenheit zu ermitteln. In alle Richtungen. Doch als sich schon bei seiner neunten Nachfrage, auf den Tag zwei Wochen nach der Tat, auf dem Revier niemand mehr an den Vorfall erinnern konnte oder wollte, gab Klaus-Werner Lippermann die Hoffnung auf zügige Ergreifung und Bestrafung dieses menschenverachtenden Kaninchenmörders auf.

Seine Trauer um die beiden Riesenschecken hatte Klausi noch nicht bewältigt. Er begann, die männlichen Erwachsenen in seiner Umgebung mit anderen Augen zu sehen. Schließlich, nach längerem Nachdenken, bezog er auch weibliche Personen in seine Verdächtigungen mit ein, da diesem Geschlecht ja das Merkmal der Heimtücke innewohnte. Außer seine Mutter natürlich, die schon ihr Leben lang für ihn da war, ihn bekochte, seine Wäsche wusch und gern mit guten Ratschlägen aushalf.

Sie war es auch, die ihm empfahl, oder beinahe befahl, mit seinen Grübeleien aufzuhören: »Wat vorbei is, is vorbei. Da ändersse nix dran, Junge. Denk lieber an die schöne Zeit, die du mit deine Tierkes hattest.«

Natürlich hatte Elfriede Lippermann, geborene Koschanek, damit recht. Wie immer.

Klausis Gedanken gingen nun in eine andere Richtung: Er betrauerte immer mehr die Zeit, die er nicht mit Molly und Whitey verbracht hatte. Sondern völlig sinn- und zwecklos im Stau auf der A 40.

Es hatte vor rund vier Jahren angefangen. Damals, als er zum ersten Mal von dem Zechenhaus in Dortmund-Dorstfeld zu seinem neuen Arbeitsplatz nach Duisburg fahren musste, wo er bei Thyssen-Krupp als Buchhalter im Rechnungswesen arbeitete. Am Vorabend, einem Sonntag, hatte Spanien mit 4:0 die Europameisterschaft gegen Italien gewonnen, was Klaus-Werner im Wesentlichen durch Torschreie aus dem Vereinsheim vom Emscherglück mitbekommen hatte.

Er hatte sich an diesem ersten Arbeitstag, es war Montag, der 2.Juli 2012, extra schon um 07:11Uhr vom Stall gelöst, wo Molly, Whitey und er wie gewöhnlich zu dritt an ihren morgendlichen Mohrrüben knabberten. Selbst um 07:31Uhr, als er sich zu Hause umgezogen hatte und zur exakt vorausberechneten Zeit nach einem Abschiedskuss an Mutti in den Volkswagen stieg, der schon seinem Vater gute Dienste geleistet hatte, war er guten Mutes gewesen.

In den Nachrichten hatten sie keine Staus angesagt, laut Navigationsgerät war auch alles frei, aber schon vor Gelsenkirchen hatte er zum ersten Mal gestanden und dann wieder dort, wo die A 52Richtung Düsseldorf von der A 40 abging. Er trommelte mit den Fingern auf dem Lenkrad herum, wurde immer nervöser, bekam Magenschmerzen, musste schließlich dringend zur Toilette. Klaus-Werner fühlte sich in seinem Auto gefangen wie in einem viel zu kleinen Kaninchenstall. Auch der Anblick von Molly und Whitey, deren Fotos am Armaturenbrett befestigt waren, direkt unter der Christophorus-Plakette, einem Geschenk seiner Mutter, hatte ihn nicht beruhigt, wie es sonst der Fall war. Dass er es nicht geschafft hatte, am ersten Arbeitstag pünktlich um 08:30Uhr seine Tätigkeit aufnehmen zu können, schien allerdings nur Klaus-Werner selbst zu bekümmern. Die neuen Kollegen quittierten seine Entschuldigung für die achtminütige Verspätung mit Schulterzucken, man habe flexible Arbeitszeiten, da müsse er am Nachmittag eben ein paar Minuten später ausstempeln. Und trotzdem. Ihn hatte das gewurmt, weil er nicht schon am ersten Tag als unpünktlicher und damit unzuverlässiger Mitarbeiter gelten wollte.

Er hatte begonnen, Buch zu führen. Exakt hatte er seine Abfahrts- und Ankunftszeiten notiert, jeweils morgens und abends. Daneben die Minuten, die er im Stau verbracht hatte, und daneben, in Rot, die Zeit in überflüssigen Staus. Erzeugt durch schlechte Planung, Schlafbaustellen und so weiter. Auf den Baustellenschildern waren Beginn und Ende der jeweiligen Maßnahme aufgedruckt. Die Daten mit dem Ende wurden immer wieder überklebt, von Woche zu Woche neu, weil sich alles verzögerte. Im Sommer wegen Hitze oder Regen, im Winter wegen Kälte oder Schnee. Also wirklich nicht vorhersehbar.

Am Abend des Todestages von Molly und Whitey hatte Klausi mangels anderer Beschäftigung diese Tabellen zusammengerechnet. Vom 2.Juli 2012 bis zum 6.Juni 2016 hatte er, abzüglich Urlaub und Krankheit, an 1021 Arbeitstagen 352Stunden im Stau gestanden. 143Stunden davon hatten Unfälle, notwendige Baumaßnahmen oder einfach zu hohes Fahrzeugaufkommen den Verkehrsfluss behindert. Dafür hatte er Verständnis. Aber sage und schreibe 209Stunden davon hatte Klausi Lippermann in seinem Jetta völlig sinn- und eigentlich grundlos auf der Bundesautobahn Nummer 40 verbracht. 209Stunden, das waren 8 komplette Tage und 9 volle Stunden, in denen er Molly und Whitey hatte allein lassen müssen, während sie, davon war er überzeugt, sehnsüchtig auf ihn gewartet hatten. Für diese im Stau vergeudete Lebens- und Leidenszeit würde jemand bezahlen. Jemand von Straßen.NRW, dem Landesbetrieb, der für den Autobahnbau und -unterhalt zuständig war.

Denn wer für all dieses Chaos verantwortlich war, das wurde ihm mehr als deutlich vor Augen geführt. Wenn Klausi mal wieder minutenlang stillstehen musste vor Schildern mit Aufschriften wie: Straßen.NRW – wir bauen für Sie! Oder, das empfand er als noch demütigender, wenn er kilometerweit im Stau an unbenutzbaren, weil abgesperrten Fahrspuren vorbeigeschlichen war, natürlich ohne einen einzigen Bauarbeiter bei der Arbeit zu sehen, und ihn an deren Ende noch ein Straßen.NRW – vielen Dank für Ihr Verständnis! verhöhnte.

Jedes Mal, wenn er sich auf dem Ruhrschleichweg, wie er im Volksmund hieß, als Geisel der Straßenbauer empfand, die anderen Hunderte, wahrscheinlich Tausende von Mitleidenden und Mitverhafteten sah, die genauso verzweifelt wie er herumstanden, verfestigte sich die Idee etwas mehr in seinem Kopf: Es gab für diesen ganzen Irrsinn einen Schuldigen.

Irgendwann hatte Klaus-Werner Lippermann begonnen, einen exakten Plan auszuarbeiten. Er hatte, vor dem jetzt leeren Stall sitzend, nachgedacht. Und im Internet herumgesucht, wo er sich seit dem Tod seiner Tiere immer häufiger aufhielt und sich immer besser auskannte. Er hatte recherchiert, was er wissen musste, und besorgt, was er benötigen würde.

Und heute war es so weit, der Tag der Rache war gekommen. Klaus-Werner Lippermann war auf dem Weg zur Hauptverwaltung von Straßen.NRW in Gelsenkirchen. Vorher würde er noch seinen besten, weil einzigen Freund abholen. Vielleicht war Freund auch zu viel gesagt. Aber Partner passte.

2

Toms Blick auf Lydia hatte sich verändert, wie sich ihr Äußeres verändert hatte. Wenn er jetzt von seinem Schreibtisch aus gewohnheitsmäßig in den Nachbarraum hinüberschaute, wo seine Redaktionsassistentin Rechnungen an ihrem Computer schrieb, dann konnte niemand, selbst wenn er Balzack gut kannte, unterdrückte Lüsternheit in seinen Augen erkennen. Ihre langen, schlanken, meist gebräunten Beine, die auch heute wieder aus lässigen Shorts herauswuchsen, regten seine Fantasie nicht mehr an. Denn endlich war der seit fast zwei Jahrzehnten schon achtunddreißigjährige Reporter nicht mehr die Person mit dem dicksten Bauch in der Redaktion. Wohlwollend sah er auf die kugelige Wölbung, die sich mehr als deutlich unter Lydias weitem Holzfällerhemd abzeichnete. Dort schlummerte sein erster Enkel.

»Lydia, alles okay? Überanstrengst du dich auch nicht?«, fragte Balzack sie nicht zum ersten Mal heute.

Ohne sich vom Bildschirm abzuwenden, antwortete die Frau: »Tom, jetzt ist aber langsam gut. Ich bin schwanger und nicht krank!«

»Ja, aber immerhin im achten Monat. Offiziell bist du längst im Mutterschaftsurlaub, solltest dich schonen und auf die Geburt vorbereiten.«

»Ach, willst du meine Arbeit lieber selbst machen? Wenn ich mir deinen Schreibtisch so ansehe, scheint die Büroorganisation nicht zu deinen Kernkompetenzen zu gehören. Und dir fehlt ja auch die Zeit. Es sei denn …«, kam die ironische Replik.

Ja, die Büroorganisation. Jeden Morgen lagen mehrere Stapel Papier auf Toms Schreibtisch. Recherchen, denen er nachgehen musste, Rechnungen, die er unterschreiben sollte, Korrespondenz seiner Mieter, die irgendetwas wollten, und Mahnungen. Dieser Stapel war momentan am höchsten. Während er auf seinem Schreibtisch die Unterlagen hin und her schob, um ein wenig Platz zu schaffen, sie in Wirklichkeit aber nur durcheinanderbrachte, dachte er über Lydias Anliegen nach. Immer wieder fing sie davon an.

Es ging um Christos, seinen ältesten Sohn. Und bald Vater seines ersten Enkels. In seinem Beruf als Koch war der Junge spitze, kam aber nicht weiter. Auch lange nach Ende seiner Ausbildung schuftete er für einen Hungerlohn rund um die Uhr bei einem Sternekoch. Dessen Laden, hatte Tom erfahren, wie die meisten Toprestaurants finanziell wenig abwarf. Um einen besseren Job zu bekommen, müsste Christos räumlich flexibel sein. Man hatte ihm bereits Angebote als stellvertretender Küchenchef im Schwarzwald und in Hamburg unterbreitet. Doch jetzt, mit Frau und demnächst Kind … Tom blickte auf das Foto an der Wand und wunderte sich mal wieder, wie sehr Christos dem darauf abgebildeten Mann mit der Kamera auf der Schulter ähnelte, das scheinbar ihn selbst zeigte. Nur mit einem etwas dunkleren Teint. Fünfundzwanzig Jahre war das jetzt her, dass diese Aufnahme entstanden war … Andererseits kein Wunder, derselbe Genpool, und Christos war schließlich ebenfalls Halbgrieche.

»Ach, Renault, du hast es gut. Faulenzt hier den ganzen Tag herum, wirst bespaßt und gefüttert und hast mit allem nichts zu tun«, sagte der Reporter zu dem Hund, der zu seinen Füßen unter dem Schreibtisch lag. Renault öffnete einmal kurz ein Auge und wedelte mit dem Schwanz gegen Toms Unterschenkel. Bei dem Labradoodle, einer Mischung aus friedlich verschnarchtem Labrador-Retriever und munterem und gelehrigem Königspudel, hatte der Pudel die Oberhand gewonnen, auch wenn das jetzt gerade nicht so aussah. Renault war mittlerweile zu einem stattlichen Herrn von fast sechzig Zentimetern Höhe und fünfunddreißig Kilo Gewicht herangewachsen. Eigentlich war er der Hund von Charly, Toms Freundin. Und eigentlich war die Absprache, dass ausschließlich sie sich um das Tier kümmerte. Uneigentlich hatte die freie Kamerafrau und Cutterin aber heute einen Job, zu dem sie Renault nicht hatte mitnehmen können. In den Räumen der Produktionsfirma, die Charly gebucht hatte, waren Tiere verboten. Also hatte Tom sich erbarmt und knurrend den Hund in seine Redaktion mitgenommen, als seine Freundin ihn in Essen abgesetzt hatte. Hier könnte ja such Lydia auf Renault aufpassen, falls er selbst drehen müsste, hatte Charly gemeint. Tom konnte ihr diesen Gefallen schlecht abschlagen, schließlich bereitete sein Zustand nach der Amputation, wegen dem er seit fast vier Wochen nicht mehr selbst Auto fahren durfte, auch ihr reichlich Ungelegenheiten.

Tom blickte sehnsüchtig aus dem Fenster auf seinen geliebten Flugpanzer. So nannte er seinen VW Touareg, weil er damit wie mit einem Panzer überall durchkam und er sich mit dem dicken Dieselmotor gleichzeitig fast wie im Flugzeug fühlte, wenn er mit 230km/h über eine ausnahmsweise freie Autobahn brettern konnte. Seit der Amputation war das vorbei. Zu ihren Drehs fuhr jetzt eben Harry, das ging. Aber privat war Tom für seinen Transport von zu Hause zur Redaktion und abends zurück auf fremde Hilfe angewiesen. Deshalb war er nicht mehr Herr seiner Zeit, musste sich nach Charly oder den Fahrplänen des ÖPNV richten. Weil Tom ungern andere Menschen um Gefallen bat, er seine Probleme lieber selbst löste, bereitete ihm die Situation regelrecht Schmerzen. Keine körperlichen, man hatte ihm ja nicht einen Arm oder ein Bein abgenommen. Aber den Führerschein. Er war auf dem Rückweg von einem Dreh gewesen, wollte in Dortmund sein Material überspielen, zeitlich war das kaum zu schaffen gewesen, unterwegs klingelte dauernd das Telefon mit der Nachfrage der Redaktion, wo seine Bilder denn blieben. Dabei war es passiert, er war in einer fest installierten Tempomessanlage mit 95km/h nach Toleranzabzug geblitzt worden. Also ungefähr hundert gefahren, das erlaubte Tempo auf dieser Landstraße hundert Meter vor und hundert Meter nach dem Starenkasten.

Die ersten Briefe des Kreises Unna hatte er nicht ernst genommen, für die zwei weiteren Punkte war auf seinem Konto in Flensburg genügend Luft, hatte er gedacht. Leider basierten alle dort gesammelten Verstöße auf Tempoüberschreitungen. Für die Kreisverwaltung Unna Grund, den Reporter aus pädagogischen Erwägungen für vier Wochen von seiner Fahrerlaubnis zu amputieren. Dagegen zu klagen, machte wenig Sinn, wusste Tom aus Erfahrung. Weder Kommunalbeamten mit Gleitzeit noch Verkehrsrichtern, die Herren ihrer Zeit waren und zur Arbeit kommen konnten, wann sie wollten, war der zeitliche Druck, unter dem ein Reporter stand, nahezubringen. Natürlich könnte er langsamer fahren, aber dann wäre er eben nicht rechtzeitig an einem Tatort oder wieder zurück. Und dadurch würde er nur einen Ausfall statt seines normalen Honorars kassieren können. Oder, viel schlimmer, er würde seinen Ruf verlieren, es immer irgendwie zu schaffen, und nicht mehr eingesetzt werden. Wegen Blitzanlagen, die nur den Einnahmen der Städte und Kreise dienten und nicht der Verkehrssicherheit, würde jedenfalls niemand im deutschen Fernsehen eine Sendung nur eine Minute zu spät beginnen lassen, dachte der Reporter bitter. Vor allem diese Ungerechtigkeit, die dahintersteckte, er hatte schließlich niemanden im Straßenverkehr gefährdet oder genötigt, bereitete Tom seelische Pein. Na ja, dachte er, nur noch zwei Tage. Dreiundvierzig Komma fünf Stunden, um genau zu sein, rechnete der Reporter mit Blick auf seine Uhr aus.

In diesem Moment zersplitterte neben ihm eine der Scheiben des Landhausfensters, das durch hölzerne Stege in vier Rechtecke unterteilt war. Etwas zischte an Tom vorbei und prallte von der gegenüberliegenden Wand ab. Eine silberne Stahlkugel fiel zu Boden, tuppte mehrfach auf und rollte dann in eine Ecke des Raumes. Renault sprang auf und begann sofort, aufgeregt zu bellen. Der Reporter brauchte einen Augenblick, um zu verstehen, was passiert war.

Lydia!

Sie saß genau im Schussfeld. Er hechtete von seinem Schreibtisch hinüber in Richtung seiner Assistentin und schloss die Verbindungstür zwischen den Redaktionsräumen.

»Lass die Rolllade herunter und verhalte dich still«, rief er und robbte über den Steinboden zur Haustür. Er bräuchte jetzt eine Art Schutzschild, was konnte er da nehmen?

Als er an der Küchenzeile vorbeikroch, öffnete er die Tür des Geschirrschrankes und zog ein großes Holzbrett heraus, etwa sechzig mal dreißig Zentimeter, zwei Zentimeter dick. Das müsste reichen. Mit dem Brett vor dem Gesicht öffnete er vorsichtig die Haustür. Er sah niemanden, hörte nur ein Knacken von sich entfernenden Schritten im dichten Unterholz des Waldes gegenüber.

Der lautstarken Aufforderung: »Renault, fass!«, bedurfte es nicht, der Hund zwängte sich schon an dem Reporter vorbei, schoss aus der Tür und rannte in den Wald. Tom hörte den Hund laut bellen, während gleichzeitig hinter den Bäumen ein Wagen angelassen wurde, der Motor heulte laut auf. Tom tippte auf einen Benziner mit löchrigem Sportauspuff, wahrscheinlich tiefergelegt, das verrieten ihm die polternden Geräusche, die vom Aufsetzen des Wagens auf dem holprigen Feldweg stammten.

Er wartete noch einen Moment, rief: »Renault, bei Fuß!«, und pfiff dann durchdringend, woraufhin das Tier widerwillig aus dem Wald zurückgetrottet kam. Als es sich schwanzwedelnd vor seinem Herrchen aufbaute, strich Tom ihm kurz über den Kopf und lobte es: »Braver Hund, gut gemacht.« Zum Glück hast du den Typen nicht gekriegt, dachte Tom, sonst hätte der noch gemerkt, dass du nur bellst, weil du gestreichelt werden willst.

Er atmete tief durch und ging mit Renault in die Redaktion zurück, um nach seiner Assistentin zu sehen. »Alles okay, Lydia?«

»Was ist denn überhaupt passiert?«

Tom versuchte, seine Stimme belanglos klingen zu lassen. Seine Demnächst-Schwiegertochter durfte sich nicht aufregen, in ihrem Zustand.

»Ach, da hat nur irgendein Idiot vom Waldrand aus mit einer Zwille ein Kügelchen in die Redaktion abgefeuert. Die Durchschlagskraft hat gerade mal für die einfach verglaste Fensterscheibe gereicht. Wahrscheinlich ein Dummejungenstreich.«

Zum Beweis hielt er der ungläubig schauenden Lydia die gerade mal erbsengroße silberne Kugel entgegen.

»Du meinst wohl, ich hätte einen nassen Hut auf? Erstens, wenn so ein Ding dich an der richtigen Stelle des Kopfes trifft, kannst du blind sein. Oder tot. Zweitens war das kein Dummejungenstreich. Das war eindeutig eine Warnung. Hast du jemanden im Verdacht?«

»Hm, lass mal nachdenken. Der Geldeintreiber vom Finanzamt vielleicht? Die bekommen noch 2.000Ocken Umsatzsteuer von uns. Oder der Bote von DHL, weil ich mich geweigert habe, das Paket für den Nachbarn anzunehmen, den ich auch nie antreffe?«

Sein Versuch, die Sache auf die lustige Schiene zu ziehen, verfing bei seiner Assistentin nicht. »Tom, ich würde das ernst nehmen. Willst du nicht wenigstens die Polizei anrufen?«

»Lydia, ich habe niemanden gesehen, wirklich nicht. Als Beweismittel haben wir eine winzige Kugel, als Spurenträger ungeeignet. Außer der armen Fensterscheibe ist niemandem etwas passiert. Ersparen wir uns und der Polizei doch besser die Arbeit mit einer Anzeige gegen Unbekannt, die sowieso nach vier Wochen eingestellt wird. Und ich glaube, dass unser Renault hier dem oder den Tätern so einen Schrecken eingejagt hat, dass die so schnell nicht wiederkommen.«

Lydia blickte skeptisch. »Ausgerechnet Renault? Das friedlichste Tier unter der Sonne?«

»Aber das weiß doch jemand nicht, der sich gerade in sein Auto gerettet hat und von ihm verbellt wird.«

»Okay, klingt logisch. Ich rufe jetzt einen Glaser an und mache einen Termin aus. Der soll mal sagen, ob er in die alten Holzfenster schusssichere oder wenigstens dreifach verglaste Scheiben einbauen kann.«

»Aber …«

»Ich weiß, Tom, die zum Fachwerkhaus passenden Fensterrahmen müssen erhalten bleiben. Keine typverändernden Maßnahmen. Das kennen wir ja von deiner Frisur.«

»Und …«

»Und wegen der Kosten verhandele ich mit der Versicherung. Wahrscheinlich werden die nicht alles übernehmen, aber du bist bei denen so ein guter Kunde, mit deinen ganzen Häusern …«

Weitere Diskussionen wurden durch Fanfarenklänge unterbrochen. Der Anfang des Musikthemas der Rocky-Filme diente als Klingelzeichen des Festnetztelefons. Wie der sonst so gar nicht technikaffine Tom die Installation dieser nervenden Melodie hinbekommen hatte, war Lydia schleierhaft. Aber wenn der etwas wirklich wollte …

Sie schaute auf das Display. Andreas Schneidengel. Der hatte ihr gerade noch gefehlt. Lydia drückte den grünen Knopf und nahm das Gespräch an.

»Ach, Frau Ferrero-Morscheck, der Name stimmt doch noch? Oder muss man schon einen ›Balzack‹ anhängen, hahaha?«

Die Redaktionsassistentin und Assistenzreporterin strich sich eine Strähne ihrer langen blonden Haare aus dem Gesicht und verdrehte die Augen. »Schrei-Bengel, was willst du?«

»Aber, aber, ist das pränatale Amnesie, oder was haben wir hier? Wenn schon, dann Schreib-Engel, das weißt du doch, liebste Lydia. Gibst du mir bitte mal den Seniorchef?«, flötete Andreas Schneidengel.

Ohne ein weiteres Wort stellte sie das Gespräch zu Toms Apparat weiter. Sie war leicht verärgert, aber nicht verwundert über die Anspielungen des BILD-Reporters. Anscheinend schien der schon wieder alle Interna von Broadfacts.TV zu kennen.

Lydia war nämlich im Zusammenhang mit dem Familiennachwuchs und der beruflichen Perspektive ihres Freundes auf eine, wie sie fand, logische Idee gekommen: Chris, wie sie und seine Freunde ihn nannten, sollte auch bei Broadfacts.TV anheuern. Ihr Partner hatte das Journalistenleben schon mit der Muttermilch aufgesogen, war genauso neugierig wie sein Vater, durch seinen Beruf als Koch stressresistent und ungewöhnliche Arbeitszeiten gewohnt. Schon als Jugendlicher, hatte Chris ihr erzählt, musste er gelegentlich in der Firma aushelfen, als Kameraassistent. Der Junior kannte den Job also. Tom hingegen, hatte Lydia in den letzten drei Jahren festgestellt, baute immer mehr ab, vergaß vieles und hätte mal dringend Urlaub nötig. Zumindest in diesem Punkt war sie sich mit Toms Freundin Charly sehr einig. Man müsste ihn, nach dem gerade Erlebten kam ihr das besonders sinnig vor, aus der Schusslinie nehmen. Was läge also näher, als dass Chris die Rolle des Terriers einnähme, der den heißen Storys hinterherhetzt, und Tom die des Seniorchefs, der alle und alles beaufsichtigt und nur ab und zu mal eingreift, wenn bei einer Geschichte seine Beziehungen und seine Erfahrung vonnöten waren? Und sie selbst wäre dann nicht nur Assistentin, sondern auch Partnerin eines Polizeireporters Balzack, dem sie super zuarbeiten könnte – hatte Tom sich das nicht immer schon gewünscht? Wenn vielleicht auch mit einer anderen Besetzung auf der männlichen Seite …

Sie hörte, was Tom sagte: »Andreas, ich rufe dich später zurück. Wir hatten hier ein kleines Malheur und müssen erst aufräumen … – Nein nix Schlimmes, ich erzähle es dir später.«

Nachdem er den Kollegen abgewürgt hatte, blickte Tom sich suchend um. »Äh … Lydia, ich, also, wegen der Scherben … Wo haben wir denn einen Besen, Handfeger und ein Kehrblech?«

Die Redaktionsassistentin schüttelte fassungslos den Kopf. »Das ist mal wieder typisch. Der, der das meiste Chaos und den größten Dreck verursacht, weiß nach Jahren nicht, wo in seiner Redaktion die Putzsachen stehen. Aber diese Arbeit kann ich dir wirklich nicht abnehmen, Tom, da nützt auch dein Dackelblick nichts. Du weißt doch, in meinem Zustand …«

3

»Legalize it.«

»Wie bitte?«

»Sie haben mich doch gefragt, wie wir das Problem mit den Cannabisplantagen in den Griff bekommen können, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Die Niederlande haben gute Erfolge mit ihrer Methode, auch in den USA wird Cannabis in immer mehr Bundesstaaten legalisiert. Voraussetzung ist natürlich, dass der Staat über die Herstellung, den Vertrieb und den Verkauf an Endverbraucher die Kontrolle behält.«

Amin Gültekin sah seinen Chef erstaunt an. Sie hatten das Telefon auf laut gestellt, so konnte er das Gespräch, das Georg Schüppe mit dem Polizeipräsidenten führte, mithören.

»Von der Bekämpfung der Drogenkriminaltität habe ich keine Ahnung, Herr Ritterswürden, in diesem Bereich habe ich nie gearbeitet. Ich habe mich nur mit der Rolle von Cannabis in der Schmerztherapie beschäftigt, wegen meines Knies. Dabei habe ich vieles gelesen, was mich zu dem Ergebnis führt: Legalize it.«

»Erster Kriminalhauptkommissar Georg Schüppe, von Ihnen hatte ich staatstragendere Ansichten erwartet!«, antwortete der Polizeipräsident lachend. »Wird diese schmerzlindernde Therapie eigentlich gerade bei Ihren Schalkern getestet, so, wie die spielen? Aber jetzt mal ernsthaft: Die Gesetze können wir zwei nicht ändern, selbst wenn wir wollten. Und so lange der Hanfanbau nicht legal ist, müssen wir diese Plantagen austrocknen. Nur: Dazu müssen wir sie finden. Unser KK 22 ist sich sicher, dass sich eine größere Aufzuchtanlage in Dorstfeld befindet. Von dort scheint eine türkische Organisation schwunghaft zu handeln, ohne dass Ware von außerhalb hereinkommt. Die Dealer müssen das Zeug also dort selbst anbauen.«

»Dann sollen die doch DONETZ fragen, das ist das übliche Prozedere.«

»Sie meinen die Firma, die bei uns in Dortmund die Zähler abliest, wegen des extremen Stromverbrauchs? Für so eine Rasterfahndung sind die Vorschriften sehr streng. Das ist alles in §31Polizeigesetz NRW geregelt und bedarf eines richterlichen Beschlusses, den ich selbst beantragen muss. Schwierig, schwierig. Ich erwarte ja nicht, dass der Spaten den Dortmunder Süden und Westen persönlich umgräbt auf der Suche nach Haschischplantagen, haha. Aber machen Sie sich doch bitte mal ein paar kreative Gedanken.«

Schüppe legte auf, lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück und fuhr sich mit der Hand durch die raspelkurzen grauen Haare.

»Machen Sie sich mal ein paar kreative Gedanken … Polizeipräsident müsste man sein«, brummte er und griff in die Schreibtischschublade, aus der er eine Schachtel mit Voltaren-Schmerztabletten hervorzog. Er nahm eine Pille und spülte sie mit einem Schluck Kaffee aus seiner Schalke-Tasse hinunter.

»Diese Witzchen mit deinem Spitznamen ›der Spaten‹ macht auch fast nur noch Ritterswürden, oder?«, fragte Gültekin.

»Unser Polizeipräsident ist eben ein Freund von Traditionen, Amin. Er setzt nicht ausschließlich auf Computerprogramme und Logarithmen, sondern weiß Werte wie Erfahrung, Menschenkenntnis und Eingebungen noch zu schätzen. Vergiss nicht, dass auch du davon profitierst. Jedenfalls, solange wir liefern.«

»Dann muss uns nur etwas wegen dieser Plantage einfallen.«

»Das ist nicht eine, Amin, das sind mehrere. Und die finde ich garantiert auch nicht in Dorstfeld. Aber in der Nähe.«

»Das sind jetzt für zwei Minuten kreatives Nachdenken schon eine ganze Menge Erkenntnisse …«

»Ganz einfach: Eine große Plantage wäre bereits über ihren enormen Energieverbrauch aufgefallen. Die Wärmelampen fressen einfach viel Strom. Also sind es mehrere kleine Anbaustellen. Und die sind bestimmt nicht im Aktionsgebiet der Dealer, sondern in einem Rückzugsraum in der Nähe. Dortmunder Süden oder Westen, Witten, Bochumer Osten … Relativ dünn besiedelte Gegenden, alleinliegende Gehöfte oder leer stehende Hallen ohne Nachbarn. Nach so etwas muss man suchen.«

»Eine türkische Organisation, hat er gesagt …«, dachte Amin Gültekin laut nach.

»Kommst du da mit deinen Connections nicht weiter?«, fragte ihn sein Chef.

»Ich müsste mal meine Verwandten und Freunde fragen. Die betreiben ja intensive Feindbeobachtung«, grinste der kurdischstämmige Oberkommissar. »Natürlich streng auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung«, beeilte er sich hinzuzufügen, als er das Stirnrunzeln seines Chefs sah.

Ob das möglich ist, wenn man als Kurde die Türkei für die Unterstützung des Islamischen Staates bei der Zerstörung der Heimat verantwortlich macht, fragte Schüppe sich. Amin hatte sich in der Vergangenheit wenig zurückgehalten mit seinen politischen Aktivitäten, was ihn mindestens eine Beförderung gekostet hatte. Deshalb hatte Schüppe ihn ja auch ausgewählt. Jemanden mit einer Überzeugung und einer Haltung. Die musste er nicht teilen, aber so jemand war ihm lieber als ein opportunistischer Karrierist, der ihm beim ersten Gegenwind in den Rücken fiel.

Schüppe blickte auf das an allen vier Ecken angesengte bunte Plakat mit der Ansicht einer orientalischen Stadt, geprägt von einer prächtigen Moschee mit zwei Minaretten, das hinter Amins Schreibtisch an der Wand hing. Arbil vor dem Besuch von ISIS, hatte Gültekin mit schwarzem Edding an den oberen Rand geschrieben. Das vor war unterstrichen.

4

Während der Fahrt zu Freddy, Klaus-Werner Lippermann stand mal wieder vor Essen-Kray auf der A 40 im Stau, aber den hatte er einkalkuliert, dachte er über seinen Partner nach.

Sie hatten sich vor einigen Jahren kennengelernt, auf einer Vereinsschau in der Dortmunder Gaststätte Zum Steigerturm. Wenn Alfred ihn nicht angesprochen hätte, »Tach, ich bin der Freddy«, wären sich diese beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Männer nie nähergekommen. Auf Klausi wirkte Freddys Gestalt wegen der Größe und der Muskeln einschüchternd, und nicht nur wegen des schwarzen Integralhelms und der Motorradjacke hielt er sein Gegenüber zunächst für einen Altrocker. Hells Angels? Bandidos?

Hinzu kam Freddys Gesichtsausdruck. Seine Mimik schien wie erstarrt, Klausi fragte sich, ob Alfred vielleicht mal einen Schlaganfall erlitten hatte. Der immer gleiche Ausdruck wirkte auf Klausi anfangs unheimlich. Er empfand es als schwierig, Alfreds Mimik und Tonfall richtig zu interpretieren. Wobei Freddy nicht viel sprach. Wenn, dann redete er laut, wie die meisten Menschen, die schlecht hören. Er konnte sich nur für wenige Themen begeistern, Kaninchen gehörten aber eindeutig dazu. Schon bei den ersten Sätzen dieses grobschlächtigen Mannes hatte der überraschte Klaus-Werner geglaubt, eine große Liebe zu Deutschen Riesenschecken heraushören zu können. Seit der Begegnung damals standen sie in ständigem Kontakt, Alfred hatte ihn sogar ein paar Mal im Dixieland besucht. Dort ließ dieser große, gefährlich anmutende Mann sich das extra für ihn besorgte Kronen schmecken und erzählte Klausi seine Lebensgeschichte.

Alfred war jetzt achtundfünfzig Jahre alt und hatte seit fast zwanzig Jahren nicht mehr versicherungspflichtig gearbeitet. Er war eigentlich Fernfahrer gewesen, aber auch für das Be- und Entladen seines Brummis zuständig. Und dabei war er passiert, der Unfall mit dem Gabelstapler. Alfred hatte wegen der medizinisch nicht erklärbaren anhaltenden Schmerzen an der Bandscheibe zunächst zwei Jahre krankgefeiert, dann war es ihm nach viel Hin und Her gelungen, einen Amtsarzt von seiner Berufsunfähigkeit zu überzeugen. Seitdem war er Frührentner und amtlicher ›Aufstocker‹, da die kleine Rente zur Aufzucht von drei Kindern nicht reichte. Seine Familie war ihm nach und nach abhandengekommen. Ein Kind nach dem anderen zog aus, sobald es alt genug war, mit dem jeweiligen Partner eine eigene Familie, im Amtsdeutsch hieß das in diesen Fällen Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft, zu gründen. Zum Schluss hatte ihn auch noch seine Frau verlassen. Und als Erstes seinen guten Namen abgelegt.

Als Kind hatte Alfred unter ›Kruppel‹ gelitten, die Alten in der Nachbarschaft hatten von ihm als »dat Krüppken« gesprochen, weil in seinem Namen auch etwas Krupp drinsteckte, was in Essen eigentlich nie schlecht war. Die anderen Kinder hatten allerdings den Spitznamen ›Krüppel‹ bevorzugt. Aber nur, bis er vierzehn Jahre alt war und im BC Essen-Steele mit dem Boxtraining begonnen hatte. Seitdem nannten ihn alle Freddy.

Nun waren ihm als wesentliche Sozialkontakte nur die Tätigkeit als Beisitzer im erweiterten Vorstand des Kaninchenzüchtervereins und zwei Riesenschecken geblieben, dieses Hobby verband ihn mit Klausi Lippermann. Auch wenn er offensichtlich andere Ziele mit seinen Tieren verfolgte. Denn die Kaninchen von Freddy wurden nicht alt. Jedes Mal, wenn Klausi seinen Freund am Telefon nach dem Befinden seiner Rammler befragte, kamen Auskünfte wie »schon sechs Kilo« oder »nimmt nicht zu, die Sau«. Alfred ging es als Ergebnis seiner Nachzucht weniger um die klare Zeichnung der Tiere als um seinen persönlichen Fleischbedarf, worüber sie häufig erbittert diskutierten. Freddy argumentierte, dass seine Karnickel schließlich ständig Preise bei Leistungsschauen abräumten. Klaus-Werner hatte ihm recht geben müssen, auch wenn das zuletzt nur deshalb so war, weil er selbst mit Molly und Whitey aufgrund ihres Ablebens nicht mehr hatte antreten können.

Dabei war Klausi nicht der Erste, dem das passiert war. Letztes Jahr hatte es mit Hermann Kuzorskys Lola ebenfalls den absoluten Favoriten erwischt. Auch nachts abgestochen, auch diesen Täter hatte die Polizei nie gekriegt.

Darüber, wie wenig ernst die Staatsmacht die berechtigten Anliegen ihrer Steuerzahler nahm, nicht einmal Morde verfolgte, waren sich Klausi und Freddy sehr einig. Die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Männer verband letztlich doch die bedingungslose Liebe zu den Deutschen Riesenschecken.

Alfred war außerdem sportbegeistert. Natürlich sah er sich sämtliche Boxübertragungen im Fernsehen an, darüber hinaus war er Fan der Formel 1. Schon seit damals, als Michael Schumacher seine Boliden ähnlich präzise um die Ecken gedroschen hatte wie er selbst seinen Dreißigtonner. Eine riesige Ferrari-Flagge, von der A 40 aus gut sichtbar, schmückte die Außenwand seiner Wohnung über dem Balkon, auf den sich Freddy auch Strom- und Antennenkabel gelegt hatte. Ferrari-Aufkleber waren ebenfalls auf seinem Gespann angebracht, einem Mofa mit selbst gebautem Anhänger. Damit fuhr er tagsüber durch die Gegend, sammelte Alteisen und brachte es zum Schrottplatz an der Hafenstraße. Abends transportierte er mit dem Gefährt den vom Erlös erstandenen Kasten Stauder-Pils, ein paar Lebensmittel und das Kaninchenfutter nach Hause, wo er das ganze Zeug hoch in die dritte Etage trug. Mit dieser privaten und wohl auch steuerfreien weiteren Aufstockung seiner kleinen Rente verbrachte Alfred seine Arbeitstage. Die Wochenenden gab er sich frei. Dann saß er mit dem Rücken zu seiner Ferrari-Flagge auf dem überdachten Balkon, sah abwechselnd auf die A 40, auf seine Kaninchen Tyson IV. und Mayweather VII. in ihrem Stall und auf den Fernseher mit der 46-Zoll-Diagonale, den er extra jedes Mal auf den Balkon raperte. Besonders bei Rennen, wenn das laute Kreischen der Motoren aus dem TV-Gerät den von der A 40 über die Schallschutzwand zu ihm hochschwappenden Autolärm übertönte, empfand sich Alfred als glücklichen Menschen.

Und, das hatte Klausi damals sofort geahnt: Freddy wusste, wie der Hase läuft. Sein Freund kannte sich in den praktischen Dingen des Lebens aus, in Bereichen, in die Klaus-Werner Lippermann in seiner Existenz zwischen Aktendeckeln und Kaninchenstall nie vorgedrungen war. Als er ihm zum ersten Mal von seinem Plan erzählte, schien Alfred nicht überrascht.

»Ich habe schon lange bemerkt, dass in dir etwas brodelt. Lern mich nicht die Menschen kennen«, hatte er lapidar gesagt. Und dann wissen wollen: »Wie viel ist da denn wohl drin?« Als sein Gegenüber nicht sofort antwortete, setzte Alfred hinzu: »Mensch, ich spreche von Kohle. Fördern und fordern, kennst du doch. Also, wie viel?«