Verlag: Books on Demand Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Die AllerFrauen - Ilena Grote

Die Tatsache, dass die Dorfkneipe schließen wird, bringt Frauen und Männer eines Dorfes in den letzten Wochen vor Weihnachten dazu, einen Weihnachtsmarkt zu planen. Trotz unterschiedlicher Interessen müssen die Parteien erkennen, dass sie besser ihr Ziel erreichen, wenn sie gemeinsame Wege gehen. In 24 Geschichten wird dieser Plan zu einer lebendigen Adventsgeschichte.

Meinungen über das E-Book Die AllerFrauen - Ilena Grote

E-Book-Leseprobe Die AllerFrauen - Ilena Grote

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Hinweise f. den Leser

1. Dezember

1. Dezember (Hochdeutsch)

2. Dezember

3. Dezember

4. Dezember

4. Dezember (Hochdeutsch)

5. Dezember

6. Dezember

6. Dezember (Hochdeutsch)

7. Dezember

7. Dezember (Hochdeutsch)

8. Dezember

9. Dezember

10. Dezember

10. Dezember (Hochdeutsch)

11. Dezember

12. Dezember

13. Dezember

14. Dezember

15. Dezember

15. Dezember (Hochdeutsch)

16. Dezember

17. Dezember

18. Dezember

18. Dezember (Hochdeutsch)

19. Dezember

19. Dezember (Hochdeutsch)

20. Dezember

21. Dezember

21. Dezember (Hochdeutsch)

22. Dezember

23. Dezember

24. Dezember

Nachtrag

Vorwort

Hohnebostel, von den Jugendlichen auch liebevoll Hobo City genannt, liegt im niedersächsischen Kreis Celle am Rande der Lüneburger Heide und gehört zu der Gemeinde Langlingen. Die Gemeinde wird geteilt durch einen Fluss, die „Aller“, deren Quelle in Wanzleben- Börde, einem Ortsteil von Eggenstedt liegt und die bei Verden in die Weser mündet.

Nun mag der Leser meinen der Titel „Die AllerFrauen“ ist den Frauen gewidmet, die an der Aller leben. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Das Buch „Die AllerFrauen“ ist eine Hommage an jene Frauen, die sich um alle und alles kümmern.

Im Gegensatz zu ihren Geschlechtsgenossinnen in der Stadt, denen vieles verwehrt ist, einfach weil sie dort meist in der Anonymität leben, nutzen die Landfrauen die Möglichkeiten, die ihnen das Dorfleben bietet. Sie grüßen jeden, dem sie begegnen, und wünschen ihm einen schönen Tag, weil sie höflich und respektvoll mit ihren Mitmenschen umgehen. Sie helfen wo es Not tut, und sie sind ihren Männern mit Witz und Klugheit immer eine kleine Nasenlänge voraus.

Hinweise f. den Leser:

Dieses Buch enthält Unterhaltungen, die teilweise

auf Plattdeutsch geführt werden. Für den

unkundigen Leser dieses Dialektes ist jeweils im

Anschluss des Erzählteils eine Übersetzung in

Hochdeutsch zu finden. Allerdings sei noch gesagt,

dass plattdeutschsprechende Personen in erster

Linie in Norddeutschland zu finden sind. Trotzdem

gibt es hier unterschiedliche Formen des Dialektes.

Diese, in diesem Buch geschriebene Art der

Aussprache, ist meiner Herkunft geschuldet.

Fehler, die vom Leser gefunden werden, darf er gern behalten!

Nahezu an jedem Abend trafen sich Willi, Hartmut, Michael, Werner und Christian in der Dorfkneipe von Hohnebostel, um nach getaner Arbeit den Feierabend mit einem oder auch zwei Glas Bier zu beschließen. Zugegeben, manchmal wurden auch mehrere daraus und zu den Bieren wurden auch noch Schnäpse gereicht. Ein Gedeck, wie sie es nannten.

Auch an diesem Abend war es so. Müde von der Arbeit, aber durchaus noch einem Treffen zugeneigt, hatten die fünf sich an diesem ersten Dezember wieder bei der Wirtin Moni eingefunden.

Willi, der Tischler, war immer der Erste. Wie immer kam er in die Gaststube, wenn es dunkel zu werden begann und besetzte den runden Tisch, damit niemand anderes sich dort niederließ. Wenn ihm dabei doch einmal ein Gast zuvorgekommen war, dann konnte das nur ein Fremder sein. Ein Ortsansässiger hätte es nicht gewagt. Der unrechtmäßige Platzeinnehmer wurde dann so lange von dem grimmig aussehenden Willi angestarrt, bis er ging oder sich einen anderen Platz suchte.

Als nächstes kam meist Hartmut. Er war Anfang 60 und hinkte ein wenig. Schnell setzte er sich zu Willi. Langes Stehen war ihm ein Graus. Die anderen drei trudelten in unregelmäßiger Reihenfolge ein. Ohne auf eine Bestellung zu warten, stellte Moni jedem sofort ein Bier vor die Nase.

„Tjo, do sünd wi nu wedder.“ Christian versuchte ein Gespräch zu beginnen.

„Tjo,tjo, tjo“, antwortete Michael und drehte versonnen das Bierglas zwischen Daumen und Zeigefinger.

„Tjo“, sagte jetzt auch Werner und nickte.

Was sollte man sich auch noch erzählen, hatten sie sich doch gestern erst gesehen.

Nach einer Pause, in der alle fünf einen Schluck getrunken hatten, versuchte Christian es noch einmal: „Is jetzt bald Wiehnachten.“

„Tjoo“, sagte Willi. „Tied geiht hen.“

„Moni“, rief Werner. „Dann bring üsch man noch mol `n Gedeck.“

Moni hatte die Biere schon vorgeschenkt, also brauchten ihre Gäste nicht lange zu warten. „Na?“ Moni blickte fragend in die Runde. „Was ist denn mit euch? So schweigsam kenne ich euch gar nicht. Habt ihr euch nichts mehr zu erzählen?“

„Ach Moni“, sagte Willi, „kumm man erstmol in use Oller. Do gift dat nix mehr tau vatellen. Bi jück junge Lüe, do is jeden Dach wat los, ober bi üsch passiert nix mehr. For use Oller is doch hier upn Dörpe nix mehr los.“

„Nun ja“, antwortete Moni bestimmt. „Aber für sein Glück ist noch jeder selbst verantwortlich. Und das nichts los ist, das stimmt doch nicht. Nächsten Sonntag ist zum Beispiel Kaffeestube im Allerhaus in Langlingen. Da kann man doch mal hingehen. Dann trifft man auch mal andere Leute und hat hinterher auch was zu erzählen.“

„Ach, dat is doch wat for Frunslüd- Kaffe drinken un Kauken äten un so wat.“ Werner schnaufte verächtlich. „Goh mick los. Un hinerher, do kummt miene Helga no Hus un weit allet wat so in Dörpe vatellt wart. Wer wieder mol ´n niet Kleed hat oder wecke Nachbor nich mehr tauhus is, weil hei in Urlaub feuert is. Oder schlimmer noch, wekke Fohrt sei mit de Landfruens mocken well.“ Die anderen vier aus der Runde hatten während seiner Rede zustimmend genickt.

Moni war fassungslos. „Merkste was, Werner? Ihr sitzt hier und blast Trübsal, weil angeblich nichts los ist in unserem Dorf und ihr euch nichts mehr zu erzählen habt, und wenn die Frauen was unternehmen, dann ist es auch wieder nicht richtig? Euch ist doch nicht mehr zu helfen.“ Moni schüttelte den Kopf und verschwand in der Küche.

„Hm.“ Christian strich sich nachdenklich mit der Hand durch seinen dunklen Bart. „Recht hat sei jo. Velleicht schöt wi uck mol wat daun. De Winter fängt doch grod an. Un wenn hei genauso lang duat wi de leste, dann langwielt wi üsch bannich, dat sech ick jück.“

„Do kannst Recht hebm.“ Michael war der Jüngste in der Runde. Eigentlich konnte er gar kein Plattdeutsch sprechen. Aber er versuchte es immer, weil er sich den anderen anpassen wollte. Manchmal kamen dabei lustige Worte heraus, aber seine Tischgenossen vermieden es, ihn zu korrigieren und verdrehten höchstens mal die Augen, wenn es dann doch zu dumm war, was Michael gerade über die Lippen kam. „Wi höt gor nix worup wi üsch freun könnt.“

Willi schnaufte: „Freun! Du kannst dick jo up Wiehnachten freun. Wi de Kinners. Kannst jo uck jeden Dach n Dörchen upmokken, un Schokolode rutgriepen. Nee, in use Oller is dat vorbi mit den „Freun“. Ick freu mick, wenn ick hier süttn kann un krich mien Gedeck. Moni!“ Er winkte Moni zu und kreiste mit dem Finger über den Tisch. „Noch`n Gedeck!“

Moni schüttelte lächelnd den Kopf. „Kommt sofort.“ Nachdem sie die Getränke zwischen den nun wieder schweigenden Männern verteilt hatte, zog sie sich einen Stuhl ran und setzte sich dazu. Die Männer sahen sie erstaunt an. Dass Moni sich zu ihnen gesellte, kam selten vor.

„Nun“, sagte Moni, „jetzt wo wir unter uns sind, will ich euch sagen, dass ich die Wirtschaft aufgebe. Ihr seht ja selber, dass hier nichts mehr los ist.“ Sie zeigte auf den leeren Gastraum vor der Theke. „Von so treuen Gästen wie euch habe ich leider zu wenige, um davon leben zu können. Anfang des kommenden Jahres habe ich eine neue Arbeitsstelle. Deshalb schließe ich zum Ende Dezember.“

„Dat is jo mol wat niet!” Werner war entsetzt. „Dat mut ick glicks miene Helga vatellen. Schrief an!“ Er sprang auf und rannte raus. Die vier anderen sahen aus wie ein Häufchen Elend.

„Und wo sollen wir uns dann treffen?“ Vor Schreck vergaß Michael plattdeutsch zu sprechen.

Christian murmelte bei sich: „Wir brauchen einen Plan.“

Nahezu an jedem Abend trafen sich Willi, Hartmut, Michael, Werner und Christian in der Dorfkneipe von Hohnebostel, um nach getaner Arbeit den Feierabend mit einem oder auch zwei Glas Bier zu beschließen. Zugegeben, manchmal wurden auch mehrere daraus und zu den Bieren wurden auch noch Schnäpse gereicht. Ein Gedeck, wie sie es nannten.

Auch an diesem Abend war es so. Müde von der Arbeit, aber durchaus noch einem Treffen zugeneigt, hatten die fünf sich an diesem ersten Dezember wieder bei der Wirtin Moni eingefunden.

Willi, der Tischler, war immer der Erste. Wie immer kam er in die Gaststube, wenn es dunkel zu werden begann und besetzte den runden Tisch, damit niemand anderes sich dort niederließ. Wenn ihm dabei doch einmal ein Gast zuvorgekommen war, dann konnte das nur ein Fremder sein. Ein Ortsansässiger hätte es nicht gewagt. Der unrechtmäßige Platzeinnehmer wurde dann so lange von dem grimmig aussehenden Willi angestarrt, bis er ging oder sich einen anderen Platz suchte.

Als nächstes kam meist Hartmut. Er war Anfang 60 und hinkte ein wenig. Schnell setzte er sich zu Willi. Langes Stehen war ihm ein Graus. Die anderen drei trudelten in unregelmäßiger Reihenfolge ein. Ohne auf eine Bestellung zu warten, stellte Moni jedem sofort ein Bier vor die Nase.

„Ach ja, da sind wir wieder.“ Christian versuchte ein Gespräch zu beginnen.

„Ja, ja, ja“, antwortete Michael und drehte versonnen das Bierglas zwischen Daumen und Zeigefinger.

„Jaa“, sagte jetzt auch Werner und nickte.

Was sollte man sich auch noch erzählen, hatten sie sich doch gestern erst gesehen.

Nach einer Pause, in der alle fünf einen Schluck getrunken hatten, versuchte Christian es noch einmal: „Bald ist Weihnachten.“

„Ja“, sagte Willi. „Die Zeit geht vorbei.“

„Moni“, rief Werner, „dann bring uns man noch ein Gedeck.“

Moni hatte die Biere schon vorgeschenkt, also brauchten ihre Gäste nicht lange zu warten. „Na?“ Moni blickte fragend in die Runde. „Was ist denn mit euch? So schweigsam kenne ich euch gar nicht. Habt ihr euch nichts mehr zu erzählen?“

„Ach Moni“, sagte Willi, „Komm man erst einmal in unser Alter. Da hat man sich nichts mehr zu erzählen. Bei euch jungen Leuten ist jeden Tag was los, aber bei uns passiert nichts mehr. Für unser Alter gibt es auf dem Dorf nichts.“

„Nun ja“, antwortete Moni bestimmt. „Aber für sein Glück ist noch jeder selbst verantwortlich. Und das nichts los ist, das stimmt doch nicht. Nächsten Sonntag ist zum Beispiel Kaffeestube im Allerhaus in Langlingen. Da kann man doch mal hingehen. Dann trifft man auch mal andere Leute und hat hinterher auch was zu erzählen.“

„Ach, das ist doch was für Frauen- Kaffee trinken und Kuchen essen und so was.“ Werner schnaufte verächtlich. „Geh mir los. Und hinterher, da kommt meine Helga nach Haus und weiß alles was im Dorf erzählt wird. Wer wieder mal ein neues Kleid hat oder welcher Nachbar nicht zu Haus ist, weil er in den Urlaub gefahren ist. Oder schlimmer noch, welche Fahrt sie mit den Landfrauen machen will.“ Die anderen vier aus der Runde hatten während seiner Rede zustimmend genickt.

Moni war fassungslos. „Merkste was, Werner? Ihr sitzt hier und blast Trübsal, weil angeblich nichts los ist in unserem Dorf und ihr euch nichts mehr zu erzählen habt, und wenn die Frauen was unternehmen, dann ist es auch wieder nicht richtig? Euch ist doch nicht mehr zu helfen.“ Moni schüttelte den Kopf und verschwand in der Küche.

„Hm.“ Christian strich sich nachdenklich mit der Hand durch seinen dunklen Bart. „Recht hat sie ja. Vielleicht sollten wir auch mal was tun. Der Winter fängt doch grade an. Und wenn er genauso lang dauert wie der letzte, dann langweilen wir uns richtig, das sage ich euch.“

„Da kannst du Recht haben.“ Michael war der Jüngste in der Runde. Eigentlich konnte er gar kein Plattdeutsch sprechen. Aber er versuchte es immer, weil er sich den anderen anpassen wollte. Manchmal kamen dabei lustige Worte heraus, aber seine Tischgenossen vermieden es, ihn zu korrigieren und verdrehten höchstens mal die Augen, wenn es dann doch zu dumm war, was Michael gerade über die Lippen kam. „Wir haben gar nichts auf das wir uns freuen können.“

Willi schnaufte: „Freuen! Du kannst dich ja auf Weihnachten freuen. Wie die Kinder. Kannst ja auch jeden Tag ein Türchen aufmachen, und Schokolade rausholen. Nee, in unserem Alter ist das vorbei mit dem „Freuen“. Ich freue mich, wenn ich hier sitzen kann und mein Gedeck krieg. Moni!“ Er winkte Moni zu und kreiste mit dem Finger über den Tisch. „Noch´n Gedeck!“

Moni schüttelte lächelnd den Kopf. „Kommt sofort.“ Nachdem sie die Getränke zwischen den nun wieder schweigenden Männern verteilt hatte, zog sie sich einen Stuhl ran und setzte sich dazu. Die Männer sahen sie erstaunt an. Dass Moni sich zu ihnen gesellte, kam selten vor.

„Nun“, sagte Moni, „jetzt wo wir unter uns sind, will ich euch sagen, dass ich die Wirtschaft aufgebe. Ihr seht ja selber, dass hier nichts mehr los ist.“ Sie zeigte auf den leeren Gastraum vor der Theke. „Von so treuen Gästen wie euch habe ich leider zu wenige, um davon leben zu können. Anfang des kommenden Jahres habe ich eine neue Arbeitsstelle. Deshalb schließe ich zum Ende Dezember.“

„Das ist jetzt mal was Neues!” Werner war entsetzt. „Das muss ich gleich meiner Helga erzählen. Schreib an!“ Er sprang auf und rannte raus. Die vier anderen sahen aus wie ein Häufchen Elend.

„Und wo sollen wir uns dann treffen?“ Vor Schreck vergaß Michael plattdeutsch zu sprechen.

Christian murmelte bei sich: „Wir brauchen einen Plan.“

Gisi und Sabine trafen sich am Morgen vor dem Hanzlmarkt in Langlingen. Beide hatten noch am gestrigen Abend durch ihre Männer Christian und Michael von der Schließung der Dorfkneipe gehört und unterhielten sich über Moni.

„Oh“, sagte Gisi. „Das ist aber schade. Aber ich kann Moni verstehen. Eine Kneiperin war sie ja nie. Bier trinken mag sie nicht und zum Kochen hat sie keine große Lust.“

„Na ja“, meinte Sabine. „und seitdem die Gäste in den Kneipen nicht mehr rauchen dürfen, geht ja auch kaum noch jemand hin. Das hört man ja überall.“

„Und weitermachen, nur weil ihre Eltern ihr die Gaststätte vermacht haben? Aber sie wird es sich schon gut überlegt haben. Schade ist es trotzdem. Eigentlich wollte ich meinen Geburtstag in zwei Jahren dort feiern. Da muss ich mir jetzt wohl etwas anderes suchen.“ Gisi zog einen Einkaufswagen aus dem Ständer. „Da fällt mir ein: heute Nachmittag gibt Helga ein Kaffeetrinken zu ihrem Geburtstag. Kommst du auch?“

Sabine schlug sich erschrocken mit der Hand vor den Kopf. „Ja klar. Gut dass du es sagst. Hätte ich doch beinahe die Pralinen vergessen, die ich ihr schenken will.“

Die beiden trennten sich, um die Einkäufe zu erledigen.

Helgas Haus lag unweit der Dorfkneipe von Moni. Es war ein alter Bauernhof, der in den vergangenen Jahren immer mal umgebaut wurde, um allen Lebensumständen gerecht zu werden. Erst lebten die Schwiegereltern von Helga im Erdgeschoss. Dann heirateten Helga und Werner und zogen ins Obergeschoss ein. Als dann die Kinder Jasmin, Bastian und Lara geboren waren, wurden die Wohnungen getauscht, so blieben die Alten vom Trampeln der Kinderfüße über sich verschont. Beim zweiten Kind wurde es eng und der erste Anbau erfolgte. Da es sinnvoll war, gleichzeitig die obere Wohnung zu vergrößern, hatten die Schwiegereltern nun auch mehr Platz. Die Kinder wurden größer und die Schwiegereltern älter und schwerfälliger, sodass sie die Treppen nur noch mit Mühe hochkamen. Also begann der Rückbau. Die Schwiegereltern zogen nach unten, Helga, Werner und die Kinder nach oben. Danach geschah was geschehen muss: Die Schwiegereltern starben, die Kinder zogen aus und Helga und Werner konnten in ihrem Haus Verstecken spielen, weil es für sie beide allein viel zu groß war.

An diesem Nachmittag saß nun eine gut gelaunte, ausschließlich weibliche, Gesellschaft bei Helga im Wohnzimmer und plauderte munter durcheinander. Über Themen wie das Wetter (es ist aber schon kalt, ich hatte schon den Ofen an) oder Krankheiten (das hatte unsere Katze auch, nach 14 Tagen war sie tot) oder Politik (die kann auch nicht damit aufhören. Muss man denn zu jedem Ereignis ein Gesetz erlassen?) wurde diskutiert.

Außer Sabine und Gisi und selbstverständlich der Gastgeberin Helga waren auch Elsa, die Frau von Willi und Gesine, die Frau vom Bürgermeister Ginster, dabei. Marie kam wieder einmal so spät, das der Kaffee getrunken und der Kuchen bereits abgeräumt war, sodass Helga für sie noch einmal alles hervor holen musste. Luise und Hanna hatten abgesagt, weil Luise auf einer Versammlung war und Hanna nicht ohne Luise kommen wollte. Auch das alles wurde in der Runde ausführlich besprochen. Allerdings unterhielten sich die Frauen ausnahmslos auf Hochdeutsch, aus Rücksicht auf diejenigen, die zugezogen waren.

Als der Sekt auf dem Tisch stand und sich alle zugeprostet hatten, kam das Gespräch auch auf die Dorfkneipe. Einige wussten von nichts und wurden erst einmal auf den Stand gebracht. Gesine trug mit ihrem Wissen aus erster Hand, wie sie sagte, dazu bei, dass weitere Informationen zu hören waren.

„Also“, sagte Gesine. „Mir hat die Moni erzählt, dass sie bereits einen großen Schuldenberg vor sich herschleppt. Der bestand wohl schon als sie die Wirtschaft geerbt hat. Ihr Vater hat ja, das wissen wir alle, allzu gern getrunken – nicht nur Bier. Nachdem er dann verstorben ist, hatte ihre Mutter versucht, seine Verpflichtungen zu erfüllen, deswegen kam dann ja die Moni zurück und hat sie dabei unterstützt. Aber die Wirtschaftlichkeit war hier auf dem Dorf nun einmal nicht gegeben. Deshalb hat sie sich entschlossen zu schließen.“

„Also mir ist das ganz recht.“ Schnippisch schaute Gisi in die Runde. „Mein Christian ist viel zu oft dort.“

„Ja, das finde ich auch.“ Sabine stimmte ihr zu. War sie doch immer etwas eifersüchtig auf Moni, weil sie meinte, die würde ihr den Mann ausspannen wollen.

Marie, die die ganze Zeit an der Tischdecke herumfingerte, weil sie sie anscheinend gerade ziehen oder mit den Händen eine Falte herausbügeln wollte, warf ein: „Mein Rainer geht da sowieso nicht hin. Dafür hat er gar keine Zeit. Der macht lieber Sport und geht Fahrradfahren, zum Tennis oder ins Fitnesszentrum. Vielleicht sollten eure Männer, das auch mal ausprobieren. Das ist auch viel gesünder.“

Für ihren Einwand erntete sie nur verständnislose und mitleidige Blicke. Das konnte sich nun wirklich keine der Frauen vorstellen.

„Das kann ich mir nun wirklich nicht ausmalen. Mein Werner im Tennisdress.“Helga lachte laut auf.

„Oder mein Christian auf dem Laufband.“ Gisi kringelte sich vor Lachen.

„Nun ja“, meinte Sabine. „Fahrrad fährt Michael ja. Von zu Hause bis zu Moni!“

Helga mischte sich ein. „Also, ich war immer ganz froh, dass Werner abends noch dorthin ging. Da konnte ich in Ruhe meine Sendung sehen. Wenn er zuhause ist, dann muss ich immer Sport schauen. Oft gehe ich schon freiwillig um acht Uhr ins Bett, weil ich dort den Krimi gucken kann, ohne mit ihm streiten zu müssen.

„Außerdem“, meinte Gesine. „Außerdem konnten sie sich bei Moni immer darüber unterhalten, Fußball, Tennis, Autorennen. Diese Themen interessieren alle unsere Männer, auch ohne dass sie selber Sport treiben. Aber mich doch nicht!“ Gesine wurde immer lauter: „Ich will mir das nicht anhören müssen.“

Aufgeregt stimmten ihr alle Frauen zu. Jede der Anwesenden dachte plötzlich daran, wie es wäre, wenn der eigene Mann plötzlich jeden Abend zu Haus ist.

Schrecklich!

In der plötzlich eingetretenen Stille wurde eine Stimme laut. Elsa, die Älteste unter ihnen, sagte: „Mädels, wi bruckt `n Plon!“

Am nächsten Tag kam Luise zu Besuch zu Helga, um ihr nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren. Wieder kam das Gespräch auf die Dorfkneipe und darauf, dass Moni schließen wolle.

„Schade“, meinte auch Luise dazu. „So ein altes Gebäude. Na dann können wir ja nur darauf warten, dass es zusammenfällt. Moni und ihre Eltern haben ja auch schon lange nichts mehr daran renoviert.“