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Im Jahr 2027 haben wissenschaftliche und technologische Fortschritte eine atemraubende neue Ära für die Menschheit eingeläutet. Biologie ist zur neuen Software geworden. Auf einem turbulenten Flug von Tokio nach Berlin wird Dr. Etoile Noire, ein Chaosforscher mit einer traumatischen Vergangenheit, durch eine temporäre Falte in der Raumzeit in ein mysteriöses Abenteuer geschleudert. In einem futuristischen Berlin abonnieren die Bewohner zelluläre Algorithmen und Unsterblichkeit ist als genommodifizierendes App erhältlich. Auf der Suche nach seinem im Sterben liegenden Bruder, ein brillanter Biotech-Unternehmer, blüht eine romantische Freundschaft mit einer ungewöhnlichen Verbündeten auf: der enigmatischen Pilotin seines Flugtaxis, eine androide künstliche Intelligenz. Doch hinter der leuchtenden, utopischen Fassade der Stadt lauern tödliche Gefahren und seine Ankunft setzt eine Reihe unaufhaltsamer Ereignisse in Gang, die ihn in einen spannungsvollen Kampf ums blanke Überleben zwingen. Gefangen zwischen Wunder und Kollaps, kommt es bald noch schlimmer: Er wird von einer seltsamen, sich beschleunigenden Krankheit befallen und entdeckt einen verborgenen Code in seinen Genen, den Algorithmus "Die Antimaterie des Todes", bevor ein grauenvolles Geheimnis seine gesamte Existenz in Frage stellt. Seine einzige Chance ist sein Bruder, doch der ist spurlos verschwunden. Stattdessen nehmen unbekannte Feinde seine Spur auf. Die Zeit läuft ab, doch Überleben ist kein Feature, sondern ein Programmfehler. Ein futuristischer Science Fiction-Thriller mit einer Spur Humor, basierend auf realer Forschung, der die Zeit stehen lässt und dich bis zum überraschenden Ende gepackt hält. Diese Novelette ist ebenfalls in Englisch erschienen und ist momentan als Roman in Arbeit.
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Seitenzahl: 54
Veröffentlichungsjahr: 2018
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E A SOLARIS
DIE ANTIMATERIE
DES TODES
ÜBERLEBEN IST EIN PROGRAMMFEHLER
EIN KURZER SCIENCE FICTION-THRILLER
COPYRIGHT
Erstmals weltweit erschienen 2017
Copyright © 2017 EA Solaris
Alle Rechte vorbehalten. Keine Portion dieses Werks darf kopiert, verteilt, reproduziert oder sonst in einer Form verfügbar gemacht werden ohne die explizite schriftliche Zustimmung des Autors. Zuwiderhandlung wird zivil-und strafrechtlich verfolgt.
Alle Charaktere und Ereignisse dieses Werkes sind rein fiktiv. Ähnlichkeit zu existierenden Organisationen und Individuen, lebend oder verstorben, sind rein zufällig.
Kontaktieren Sie bitte den Autor via Website (www.thebiofuturist.io) oder Email ([email protected]) für Anfragen und Rechte.
WIDMUNG
Für all die andern Weltraumreisenden, die sich über die
verborgenen Kräfte unserer Existenz wundern.
LIES OF THE MOON
Wearing my heart
inside out
over the skins
of the night
I dare to bloom
I drink them all,
the pale lies
of the moon
— E A SOLARIS —
You hack people. I hack time.
—WHITEROSE, MR. ROBOT—
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INHALT
EINS (001)
ZWEI (010)
DREI (011)
VIER (100)
EPILOG
DANKSAGUNG
DER AUTOR
AUCH VOM AUTOR
EINS (001)
Während das Flugzeug durch den schwarzen Himmel gleitet, der von den geisterhaften Sternenhüllen erhellt wird, ist der Schlund des Universums gerade dabei, nach meinem Herzen zu greifen, um alles zu verschlingen, was ich liebe.
Alle Sterne sind tot. Nichtsdestotrotz ist unsere gesamte Existenz aus eben dieser Materie gewoben; wir sind ins Gewebe des Universums eingestrickt; ihr atomisierter Staub atmet in uns. Wie pulsierende Massen sind wir auf Kollisonskurs auf vorbestimmten Bahnen voneinander angezogen. Doch manchmal geschieht das Außergewöhnliche — das Grauenvolle — und wir werden aus unserem Orbit geschleudert.
Die Boeing ruckelt durch Turbulenzen und schüttelt mich wach, gerade als die Räder mit einem vibrierenden Brummen ausgefahren werden. Es war ein langer Flug von Tokio.
»Meine Damen und Herren, wir werden in Kürze in Berlin landen!«, verkündet die Stimme des Piloten über die Lautsprecheranlage. Er bittet uns, unsere Sitze in die aufrechte Position zu bringen und setzt die üblichen Hinweise fort, als jemand sanft an meine Schulter tappt. Ich drehe mich um.
Die Frau auf dem Fenstersitz zu meiner Linken hält mir ein Foto entgegen. Sie trägt eine Hipster-Brille, die ihr ausgezeichnet steht. »Sie haben das verloren, während Sie geschlafen haben«, erklärt sie mit einem Lächeln.
Aus dem Bild strömt mir die Wärme aus den Augen meines Bruders zu. Sein Gesicht ist von sorglosen, in alle Richtungen abstehenden Locken umrahmt und pustet eine Kerze auf einem Geburtstags-Cookie aus, ungefähr dreißig, meine genetische Kopie. Doch ich trage meine halblangen Haare zusammengebunden — ich weiß eine gewisse Ordnung der Dinge zu schätzen, wie man es von einem Forscher des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik auch erwarten darf. Alles hat seine vordefinierte Ordnung; wir müssen sie nur erkennen. Wie er jetzt wohl aussieht? Tragödien verändern uns, besonders wenn sie uns so unerwartet treffen, wie ein Dolch in der Dunkelheit.
Ich zögere, bevor ich das Foto mit meiner behandschuhten Hand entgegennehme. Nicht jeder muss sehen, was sich seit dieser grauenhaften Nacht im Labor darunter verbirgt. Ich will sie ja nicht erschrecken.
»Danke.« Erleichtert halte ich es an meine Brust, wie ein verlorener, doch wiedererlangter Schatz. Niemals würde sie die dunkle Wahrheit ihrer Worten erahnen.
»Jemand Nahestehendes?«, fragt sie lachend und fügt hinzu: »Verzeihen Sie, ich will nicht aufdringlich erscheinen. Ich konnte nicht anders, als die Ähnlichkeit zu bemerken.«
»Sie brauchen sich nicht entschuldigen. In der Tat. Zwillinge. Ich bin gerade auf dem Weg zu ihm.«
Falls ich nicht schon zu spät bin. Hinter meinen Augen sickert der Schmerz, den ich zu verbannen versucht habe, in mein Bewusstsein zurück. Während ich durchs Leben schlafgewandelt bin, ist mit meinem Bruder etwas Ungeheuerliches geschehen. Ich senke meinen Blick auf meine verhüllte Hand hinab. Was darunter liegt, ist das Mindeste, was ich verdient habe.
Ein Grunzen in meinem Ohr lässt mich nach rechts drehen. Ein schnarchender Berg des Mannes auf dem Korridorplatz hat seinen Kopf auf meine Schulter gelegt. Herrliche Mittelsitze! Eine Stewardess huscht vorbei; lächelt mich an.
Das Letzte, was ich wahrnehme, sind plötzliche Turbulenzen, ihr gellender Schrei und der Ausbruch eines Pixelsturms, der durch den Bildschirm vor mir rauscht; dann wird alles um mich herum von absoluter Dunkelheit verschluckt.
Ich schlage die Augen auf, aufgeweckt von der Durchsage des Piloten:
»Meine Damen und Herren, wir werden bald in Berlin landen. Oder wie die Einheimischen es nennen, die lebende Stadt!«
Was? Das fühlt sich ja an wie eine Schlaufe, nur mit infinitesimal kleinen Veränderungen.
Jemand berührt meine Schulter.
»Ähm, Sie haben das hier verloren.« Die Frau neben mir reicht mir ein Foto. Brillengläser, dick wie ein Flaschenboden, verschrobener Rahmen— falsche Wahl— doch ein seltsam vertrautes Charisma glimmt dahinter auf, wie das einer entfernten Bekannten. Sie scheint genauso orientierungslos wie ich zu sein, schaut sich verwundert um und zuckt dann mit den Schultern.
Ich bedanke mich und lächle, nehme das Foto entgegen und stecke es in meine Tasche.
»Familie?«, fragt sie und ergänzt rasch: »Verzeihen Sie, ich will nicht—«
Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und unterbreche sanft: » …Aufdringlich sein? Ja, es ist mein Zwillingsbruder, Richard.«
Sie nickt und lacht kurz; ich lache mit ihr zusammen.
Nach einem Zögern fragt sie: »Ihr Bruder Richard, er ist nicht etwa …der Richard Noire?«
Ich blinzle überrascht — wie hat sie das denn erraten? Sie tippt auf das Spiegel-Magazin in ihrer Hand. Oh. Vom Cover blitzt mir das unverwechselbare Siegeslächeln meines Bruders entgegen. Wie konnte ich nur solche Ereignisse seines Leben versäumen?
»Na, ist die Story lesenswert oder was fürs Altpapier?«
»Eine Geschichte über ein aufstrebendes Biotechnologie-Wunderkind, seine bahnbrechenden Erfindungen und seinen in Asien verschollenen Bruder? Ich würde sagen, Hochspannung pur!« Sie gestikuliert theatralisch; Lachfältchen sammeln sich in ihren Augenwinkeln.
Mein Blick schweift ab. Es ist deutlich, dass sonst noch niemand die Wahrheit weiß — dass mein Bruder, dessen Entdeckungen unzählige Leben gerettet haben, selber im Sterben liegt. Ein Krebs so selten und aggressiv, dass seine eigene Brillanz dagegen machtlos ist.
Das widerliche Gefühl feuchten Atems an meinem Hals lässt mich mit aufgerissenen Augen meinen Kopf drehen. Der Passagier zu meiner Rechten hat seinen Kopf auf meine Schulter sinken lassen. Ein Speichelfaden hängt ihm aus dem Mund. Mittelsitze! Ich taste nervös nach meinem Tüchlein in der rechten Brusttasche meines Blazers, doch da ist nichts. Stattdessen ist es links. Seltsam.
