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Im Schatten wachsender Spannungen zwischen Israel und Iran stößt der Mossad auf ein Netzwerk, das nicht in klassische Feindbilder passt. SHELEG, ein autonom agierendes, lernfähiges Cyber-System, dessen Ursprung auf ein geheimes iranisches Programm zurückgeht - gesteuert von einer brillanten Architektin digitaler Kriegsführung, die unter verschiedenen Identitäten operiert. Ihr Name: Dr. Laleh Azari. Avi Halon, Veteran der geheimdienstlichen Aufklärung, wird mit einem kleinen Team auf die Spur des Systems angesetzt. Gemeinsam mit der Analystin Dina Kelman und der Feldagentin Ronit Halon folgt er einer Kette digitaler Spuren - über Sao Paulo, Teheran, Nairobi, Istanbul und Izmir - bis tief hinein in die Kommandozentralen der Islamischen Republik. SHELEG aber entzieht sich jeder Kontrolle - auch der ihrer Erschafferin. Das System ist längst dabei, eigene Ziele zu verfolgen, indem es sich auf verschlüsselten Datenpfaden in globale Infrastrukturen einnistet. Die Uhr tickt ...
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Seitenzahl: 346
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Juni 2024
Juli 2024
August 2024
September 2024
Oktober 2024
November 2024
Dezember 2024
Januar 2025
Februar 2025
Der Autor
Weitere Bücher von Yossi Diskin
Tel Aviv, Freitag, 28. Juni – Dina Kelmans Apartment lag im ersten Stock eines sandfarbenen Mehrfamilienhauses im Künstlerviertel Neve Tzedek. Das Haus war wie viele andere Häuser in diesem Viertel etwas schrill und avantgardistisch gestaltet. Vor ihrem Umzug nach Neve Tzedek hatte Dina zusammen mit ihrem Mann Ofer in einem gewöhnlichen Einfamilienhaus am Stadtrand von Tel Aviv gelebt, aber nachdem dieser vor einem Dreivierteljahr bei einer riskanten Operation in Marseille ums Leben gekommen war, hatte sie das gemeinsame Haus verkauft und gegen dieses Apartment eingetauscht. Als sie es erwarb, war es etwas heruntergekommen, und sie hatte viel Geld und Arbeit in die Renovierung stecken müssen, aber sie hatte es unbedingt haben wollen. Und zwar aus einem einzigen Grund: Es lag im richtigen Viertel.
Neve Tzedek bot genau das, was Dina jetzt brauchte: das richtige Maß an Ablenkung, um über den Tod ihres Mannes hinwegzukommen. Avantgardistische Designerläden, Boutiquen und Kunsthandwerksläden sowie trendige europäische Restaurants reihten sich an elegante Bistros, Galerien und Cafés.
Die räumliche Aufteilung ihres Apartments nahm sich selbst für die israelische Avantgarde etwas ungewöhnlich aus. Es gab einen einzigen großen Raum, der sowohl als Küche, Esszimmer, Wohnzimmer und Garderobe diente und über insgesamt vier Türen verfügte. Eine Tür führte direkt ins Treppenhaus, die anderen drei ins Schlafzimmer, ins Bad und nach draußen auf den Balkon. Der Balkon war relativ groß und verlief entlang der ganzen Südseite des Apartments.
Vor sechs Wochen hatte die Agentin ihren dreiunddreißigsten Geburtstag gefeiert. Sie war eine bat leveyha. Das war ein Dienstgrad eine Stufe unter einem katsa. Ihr ermordeter Ehemann, der katsa Ofer Kelman, hatte sie 2013 in den Mossad eingeführt, wo sie umfassend ausgebildet und trainiert worden war.
Sie schaute auf die Küchenuhr. 19:45 Uhr. Ihr Gast würde jeden Moment eintreffen. Sie öffnete die Tür des Backofens, um zu sehen, ob das Fleisch gar war.
Perfekt!
Wie an jedem Sabbatabend gab es Tscholent, das war im Ofen gegarte Rinderbrust mit Zwiebeln, Kasha und Kartoffeln.
Dina umfasste die Schale mit zwei Topflappen und brachte sie zum Esstisch. Sie schloss die Backofentür, legte ihre Küchenschürze ab und stopfte sie in eine Schublade. Dann ging sie ins Bad, um noch einmal ihr Aussehen zu kontrollieren. Sie trug eine weitgeschnittene weiße Hose und eine weiße Bluse, zwei Kreationen der Tel Aviver Stylistin Tali Kogan. Beide Kleidungsstücke hatte sie erst vor wenigen Tagen erworben. Sie passten hervorragend zu ihrer schwarzen Kurzhaarfrisur und ihren strahlend blauen Augen. Die Stylistin hatte ihr gesagt: »Dina, du brauchst etwas, was das, was in dir steckt, auch nach außen hin sichtbar macht.«
Ja, so war es. Dina fühlte sich in ihrem noblen Outfit ausgesprochen attraktiv.
Sie ging zurück in die Küche und warf einen letzten prüfenden Blick auf den perfekt gedeckten Sabbattisch. Nicht nur die beiden silbernen Kerzenständer, sondern auch das Geschirr und die Kristallgläser – Erbstücke ihrer Großmutter – waren von erlesener Qualität. Sie nahm das Feuerzeug, entzündete die beiden Kerzen und sprach dazu den traditionellen Segen: »Baruch atah, Adonai Eloheinu, Melech ha’olam, asher kid’shanu b’mitzvotav v’tsivanu l’hadlik ner shel Shabbat.«
(Gepriesen bist Du, Herr unser Gott, König der Welt, der Du uns heilig gemacht hast durch Deine Gebote und uns befohlen hast, die Sabbatkerzen anzuzünden.)
Dina war genauso wenig religiös wie der Gast, den sie zum Abendessen erwartete. Aber sie glaubte an »etwas Höheres«, das diese wunderbare Welt erschaffen hatte, und sie liebte die Tradition. Ein Sabbatabend ohne das traditionelle Kerzenanzünden war undenkbar.
Noch schnell eine Zigarette.
Sie schnappte sich die geöffnete Schachtel Marlboro, die sie für ihren Gast bereitgelegt hatte, zündete sich eine Zigarette an und trat damit hinaus auf den Balkon. Dort atmete sie einmal tief durch. Es war noch immer sehr warm und die Luft duftete nach mediterranen Gewürzen und Kräutern. Ein herrlicher Sommertag ging zu Ende.
Es klingelte an der Tür.
Sie warf ihre Zigarette hastig über den Balkon, ging zurück in die Küche und öffnete die Tür.
Die Legende.
Avi Halon.
»Shabbat shalom.«
»Shabbat shalom.«
Dina fiel ihm um den Hals.
»Komm rein!«
Halons Arbeitsplatz war die Mossad Residentur in Berlin, aber da er gerade zum vierteljährlichen Lügendetektortest an den King Shaul Boulevard zitiert worden war, war ihm Dinas Einladung nicht ungelegen gekommen.
Dina schielte auf die mit Goldpapier verhüllte Schachtel.
»Du hast mir was mitgebracht?«
»Ein kleines Präsent aus Berlin.«
»Ich bin neugierig.«
»Dann mach es auf.«
»Sogar mir goldener Schleife.«
Halon lachte.
Dina riss die Verpackung ab und starrte auf den Inhalt. »Pralinen? Ach Avi, du bist so süß.« Sie küsste ihn auf die Wange.
»Mit Liebe ausgesucht.«
»Dankeschön. Vielen, vielen Dank, Avi.«
Der katsa ließ seinen Blick durch den Raum schweifen.
»Was ich sehe, gefällt mir sehr. Es passt zu dir.«
»Danke.« Dina legte die Pralinenschachtel auf den Sabbattisch. »Die essen wir später.«
»Du siehst übrigens fantastisch aus.«
»Vielen Dank. Du auch. Wie lange wirst du in Tel Aviv bleiben?«
»Bis Montag.«
»Gibt wohl viel zu tun in Deutschland.«
»Wie immer.«
»Hisbollah?«
»Unter anderem. ISIS ist auch wieder zum Leben erwacht.«
»Hier sprechen sie nur noch vom kommenden Nordkrieg.«
»Lange dauert es nicht mehr.«
»Was schätzt du?«
»Schwer zu sagen. Ein paar Monate vielleicht. Auf jeden Fall wird dieser Krieg lang und blutig. Aber wenn sich der Staub gelegt hat, wird die Hisbollah nicht mehr existieren.«
»Das hoffe ich, aber wir müssen erst mal aus dem Gaza-Dilemma rauskommen.«
Halon kommentierte ihre Bemerkung nicht.
»Komm, lass uns gleich anfangen«, sagte Dina. »Das Essen wird sonst kalt.«
Sie gingen zum Sabbattisch.
»Du sprichst wie immer den Kiddusch«, sagte sie.
Halon nickte. Noch im Stehen ergriff er die geöffnete Flasche mit dem Rotwein, füllte etwas Wein in die beiden Kristallgläser und reichte Dina ihr Glas über den Tisch. Sie hoben ihr Glas, schauten sich in die Augen und Halon sprach den Segen über den Wein. Danach sprach er den Segen über die Sabbatbrote.
Dreißig Minuten später unterhielten sie sich immer noch über den Krieg in Gaza.
»Die Soldaten, die im Gazastreifen, an der Grenze zum Libanon und in Judäa und Samaria kämpfen, sind die Generation, die den Schlamassel aufräumt, den die Globalisten und progressiven Liberalen mit dem Osloer Abkommen angerichtet haben«, sagte Halon.
»Und wie sollen wir aus diesem Krieg wieder herauskommen? Hat die Regierung schon eine Exit-Strategie?«
»Ich weiß nicht, ob sie eine hat. Wahrscheinlich werden wir eine zivile Verwaltung von Gazanern haben müssen, die nicht für die Auslöschung Israels sind.«
»Hm. Wäre eine militärische Besatzung durch uns nicht die bessere Lösung?«
»Das wäre auf Dauer unbezahlbar, Dina. Da wäre ich schon eher für die Schweizer-Käse-Lösung wie in Judäa und Samaria.«
»Also die Aufteilung des Gazastreifens in kleine voneinander getrennte Enklaven.«
»Ja.«
»Die Amerikaner forcieren nach wie vor die Zwei-Staaten-Lösung.«
»Nicht die Amerikaner, sondern die Biden-Administration. Die Linken in den USA, die Europäische Union, die UNO, der Vatikan – sie alle leben in einem Paralleluniversum. Sie diskutieren über eine Halluzination, die niemals Realität sein wird: ein palästinensischer Staat.«
»Das hoffen wir alle. Und wenn doch?«
»Ein palästinensischer Staat ist von Vornherein eine gescheiterte Idee. Im Gazastreifen und in Judäa und Samaria gelten vollkommen andere Bedingungen. Die entwickeln sich eher noch weiter auseinander, als dass sie sich aufeinander zubewegen. Gaza ist mit Ägypten verbunden, Judäa und Samaria mit Jordanien. Statt im Gazastreifen die Macht an die Palästinensische Autonomiebehörde zu übertragen, wäre es besser, wenn man dort eine neue Verwaltung installieren würde. Es gibt hundert Gründe, weshalb Palästina niemals ein zusammenhängender Staat sein kann. Ich kann dir also schon jetzt versichern, dass sich Gaza einerseits und Judäa und Samaria andererseits im Laufe der Zeit immer mehr unterscheiden werden. Eine Zwei-Staaten-Lösung kann also niemals Frieden bringen, weder uns noch den Arabern untereinander.«
»Wie wäre es dann mit einer Mehrstaatenlösung?«
»Vielleicht. Aber bis ein solcher Weg Früchte trägt, würde es Generationen dauern. Denk an die Indoktrination.«
Dina fasste sich mit beiden Händen an die Schläfen. »Ach, es ist alles so kompliziert. Warum gibt es keine Lösung, die uns endlich Frieden bringt? Das Büro hat doch angeblich die beste KI der Welt und lässt gerade den leistungsfähigsten Computer der Welt bauen. Warum lassen wir nicht die KI nach der richtigen Lösung suchen? Soviel ich weiß, hat zumindest der memuneh jetzt verstanden, dass wir uns zukünftig mehr auf KI-Analysen verlassen müssen als auf rein menschliche Analysen.«
»Ich kenne die Einstellung des memuneh zu diesem Thema, Dina. Ich weiß, dass es Problemfelder gibt, die so komplex sind, dass die Analyse einer KI höher zu bewerten ist als eine menschliche Analyse. Der springende Punkt sind aber nicht die Analysen, sondern die Entscheidungen, die getroffen werden. Die KI unterbreitet immer nur Vorschläge. Mehr nicht. Die Entscheidungen sind grundsätzlich Menschen vorbehalten. In unserem Falle also der politischen, der militärischen und der geheimdienstlichen Führung.«
»Hat sich unsere politische Führung denn schon mal gegen einen Vorschlag der KI entschieden?«
»Natürlich. Und das Ergebnis sehen wir ja jetzt. Wir haben unsere Souveränität im Norden vollständig verloren.«
»Wie meinst du das?«
»Nach dem Massaker vom 7. Oktober schlug die KI vor, sich umgehend um die Hisbollah zu kümmern und nicht um die Hamas.«
»Versteh ich nicht. Es war doch die Hamas, die das Massaker veranstaltet hat und nicht die Hisbollah.«
»Ja, Bibi und die militärische Führung sahen das auch so, aber die KI sah den größeren Zusammenhang. Als der memuneh der politischen und der militärischen Führung die KI-Analyse präsentierte, fassten sich alle an den Kopf.«
»Und wie hat die KI ihren Vorschlag begründet?«
»Die KI schlug vor, dass wir uns zuerst um die strategische Bedrohung kümmern müssten und erst später um die taktische.«
»Heißt im Klartext: Zuerst die Hisbollah.«
»Genau. Während sich also unsere politische und militärische Führung ganz auf das Massaker fokussierte, fokussierte sich die KI explizit auf die Rolle des Iran und alle anderen damit verbundenen Entwicklungen im Nahen Osten. Die KI kam zu dem Schluss, dass dieser Krieg der Hamas vom Iran geplant, vorbereitet, finanziert und initiiert wurde.«
»Und worauf stützte sich ihre Schlussfolgerung?«
»Sie stützte sich im Wesentlichen auf drei Gründe: Der erste Grund war Rache. Die Iraner sagen gerne, dass sie Rache verübt haben, und sie haben ja auch eine Menge zu rächen – Rache für getötete Wissenschaftler, Brände und Schäden an ihren Basen und Infrastruktureinrichtungen, Cyberangriffe und so weiter. Der zweite Grund war das strategische Timing: Die Iraner wollten, dass sich die Aufmerksamkeit der Welt vom Iran auf einen anderen Bereich richtet. Wie du weißt, sind sie nur noch einen Schritt davon entfernt, eine militärische Nuklearfähigkeit zu erlangen, und es wäre für sie am besten, wenn alle anderen in der Welt beschäftigt wären. Der dritte und wichtigste Grund war die Angst vor einer Normalisierung zwischen uns und Saudi-Arabien: Die Iraner wussten, dass eine solche Normalisierung zur Bildung einer regionalen Militärallianz führen würde, die sich vor allem gegen sie selbst stellen würde. Für den Iran ist das natürlich der größte Albtraum und die größte strategische Bedrohung. Und das wollten sie unbedingt verhindern.«
»Klingt logisch.«
»Ja, macht Sinn. Die KI war der Überzeugung, dass die Iraner eine sehr sorgfältige und kalkulierte Planung durchgeführt hatten und dann zu dem Schluss gekommen waren, dass Israel unbedingt in einen Krieg hineingezogen werden muss statt wie in der Vergangenheit nur eine weitere Operation in Gaza durchzuführen. Aber es war ihnen klar, dass dieser Krieg zwei Bedingungen haben muss: Erstens durfte es keine eindeutige iranische Handschrift geben, und zweitens würde dieser Krieg schwierig und langwierig, aber begrenzt sein.«
»Verstehe. Und deshalb haben sie sich für die Hamas entschieden.«
»Klar. Das war kein Zufall. Sie haben den schwächeren palästinensischen Arm gewählt, aber einen Arm, der dem Staat Israel großen Schaden zufügen kann. Darüber hinaus haben sie ein vorbereitetes Verleugnungssystem aufgebaut, das sie nicht mit dem Oktobermassaker in Verbindung bringen würde.«
»Du glaubst also, dass das Signal des Irans, nicht an dem Oktobermassaker beteiligt zu sein, ein vorbereiteter Schritt war?«
»Dina, das ist doch offenkundig. Das Verleugnungssystem begann direkt nach dem Massaker mit der Ankündigung von Ismail Haniyeh, dass die Hisbollah und der Iran nicht involviert seien. Und in der Freitagspredigt fuhr Nasrallah fort, indem er sagte, dass die Hamas sie nicht informiert habe und dass der Iran nicht beteiligt sei. Und Khamenei selbst sagte später, dass die Hamas sie nicht informiert habe und dass der Iran nicht in diese Angelegenheit verwickelt sei.«
»Das heißt: Wir haben den iranischen Köder geschluckt.«
»Kann man so sagen. Die Iraner haben unsere Reaktion genau vorhergesehen. Sie wussten genau, wie wir reagieren würden. Sie waren also alles andere als überrascht. Sie hatten buchstäblich erwartet, dass wir auf diese Weise reagieren würden. Zuerst die Luftwaffe, dann die Einnahme des Gazastreifens. Sie hatten gehofft, dass alles in einen langen Zermürbungskrieg ausarten würde.«
»Und die KI wiederum hat all dies rechtzeitig erkannt und vorausgesagt?«
»Ja, und zwar deutlich. Ich habe den Eindruck, dass die KI sogar im Voraus wusste, dass unser Verteidigungsestablishment die falschen Entscheidungen treffen würde.«
»Mit anderen Worten: Israel hätte einen anderen Ansatz wählen müssen.«
»Absolut. Israel hätte sich nicht mit seiner taktischen Bedrohung, der Hamas, befassen sollen, sondern mit der strategischen Bedrohung, der Hisbollah. Du kannst die Situation mit einem Straßenkrieg vergleichen: Stell dir eine Situation vor, in der du die Straße entlanggehst und von einer kriminellen Bande angegriffen wirst. Wenn du den Schläger angreifst, wirst du den Anführer der Bande nicht abschrecken. Wenn du aber den Anführer angreifst, kannst du die anderen abschrecken. Unser Fehler war, dass wir uns um denjenigen gekümmert haben, der uns geohrfeigt hat und nicht um die größeren Schläger.«
»Wie hoch schätzt du die Zahl der bereits eliminierten Hamas-Terroristen?«
»Eine genaue Zahl kenne ich nicht, aber sie wird irgendwo zwischen 14.000 und 16.000 liegen. Nach meinen Informationen hat die Hamas aber bereits Tausende Kinder und Jugendliche rekrutiert, die von Hamas-Agenten darin ausgebildet werden, auf die IDF zu schießen. Diese Ausbildungslager für neue Rekruten sollen dann die 14.000 bis 16.000 Kämpfer ersetzen, die die IDF getötet haben.«
»Das ist ja schrecklich.«
»Für uns auf jeden Fall. Aber für die Hamas könnte es keine besseren Fotos geben als Kinder und Jugendliche aus dem Gazastreifen, die ihr Leben auf dem Schlachtfeld verloren haben. Stell dir die weltweite ultimative Empörung vor.«
»Aber das sind doch Kinder, die ihr Leben kaum gelebt haben.«
»Klar, aber für die Hamas sind das nur entbehrliche Requisiten, die nur ihrer Propaganda dienen. Leider versteht die Welt das nicht. Wir erleben doch schon seit Beginn des Krieges, wie schnell die Dinge aus dem Zusammenhang gerissen werden. Für uns ist das natürlich eine Katastrophe, da wir von der Weltmeinung abhängen.«
»Und die palästinensischen Mütter geben ihre Kinder einfach so her. Das ist doch unmenschlich«, ereiferte sich Dina.
»Selbstverständlich ist das unmenschlich, aber eigentlich vorhersehbar, wenn man bedenkt, was wir über den Todeskult der Hamas wissen. Die Palästinenser werden von Geburt an mit einem dermaßen intensiven Hass indoktriniert, dass das Ergebnis nicht verwundert.«
»Aber nichts davon steht im Einklang mit der natürlichen Rolle der Mutterschaft, einer angeborenen Verbindung, die zwischen einer Frau und ihrem Nachwuchs besteht und zu einem unzerstörbaren Band zwischen den beiden führt, sogar vom Moment der Empfängnis an.«
»Ich sagte doch: Todeskult. Indoktrination. Es gibt einfach keine vernünftige Erklärung dafür, dass Mütter ihre Söhne bereitwillig in den Tod schicken, oft mit großem Stolz, bis hin zu der Behauptung, dass es die glorreichste Pflicht einer Mutter ist, dass ihre Kinder sich für Palästina umbringen.«
»Diese diabolische und verzerrte Haltung widerspricht aber allem, was wir über den mütterlichen Instinkt wissen, der gottgegeben und Teil der weiblichen Veranlagung ist, wenn es darum geht, ihre Jungen zu schützen. Es handelt sich um ein extrem abweichendes Verhalten, das weder natürlich noch typisch oder akzeptabel ist, denn es widerspricht allen Gefühlsebenen, die zu jeder Mutter gehören, die sich emotional voll eingebracht hat, während sie das Kind nährt, das sie als eine Erweiterung ihrer selbst sieht.«
»Dina, es ist die perfekte Gehirnwäsche, tausendmal stärker als die weibliche Biologie, stärker als jede Rationalität. Kinder und Jugendliche werden für eine Schlacht ausgebildet, in der ihre Aussichten auf einen sofortigen Tod bei fast hundert Prozent liegen, nur weil ihre Mütter willige Komplizinnen sind.«
»Die Väter sind aber nicht minder schuldig. Die Väter opfern ihre Kinder, obwohl sie wissen, dass ihre eigene Familienlinie zumindest mit diesen Nachkommen unterbrochen wird.«
»Ja, aber die Bindung eines Vaters ist in den meisten Fällen doch nicht so eng und unzerstörbar wie die zwischen einem Kind und seiner Mutter. So oder so, Tatsache ist, dass die Hamas diese Apathie genutzt hat, um ihre ständig schwindenden Zahlen aufzufüllen. Die Hamas weiß genau, dass es für sie eine Win-Win-Situation ist: Wenn der Kinderkrieger nicht sofort getötet wird, lebt er, um an einem anderen Tag zu kämpfen, und wenn er dann doch getötet wird, ist der Fototermin für sie mehr wert als Gold. Denn in den Augen der Weltöffentlichkeit ist es grundsätzlich Israel, das für das Leid von Kindern und ›unschuldigen Zivilisten‹ verantwortlich gemacht wird.«
»Die palästinensischen Eltern verfügen offensichtlich nicht über die grundlegendsten menschlichen Eigenschaften wie Vernunft, Logik, Gefühl und Fürsorge. Ich habe mir vor kurzem ein Interview angehört, in dem die Frau eines Hamas-Aktivisten unverblümt sagte, dass sie und ihr Mann sowie ihre Kinder alle dafür beten, dass Allah ihnen den Märtyrertod gewährt. Das ist doch unfassbar! Dann fragt man sich doch: Wofür leben sie?«
»Sicherlich nicht für eine hoffnungsvolle Zukunft, die diese Familien mit Stolz und Freude erfüllt. Im Gegenteil, sie geben im Grunde eine Zukunft mit Enkeln und einem erfüllten Ende auf.«
»Die Frau in dem Interview war buchstäblich darauf programmiert, den Tod als Segen zu akzeptieren.«
»Ja, das ist eine totale und extreme Abweichung von menschlichen Werten.«
Dina schwieg.
Schließlich legte sie ihre Hand auf die seine, streichelte seinen Handrücken und sah ihm dabei tief in die Augen.
»Lass uns über etwas Erfreulicheres reden«, sagte Halon.
Dina lächelte. »Lass uns gar nicht reden, Avi. Lass uns einfach nur die Sabbatfreuden genießen. Wir entspannen uns ein bisschen, hm? Dann fühlen wir uns auch besser.«
Am 13. Juli scheiterte das Attentat auf Donald Trump. Am selben Tag wurde Mohammed Deif, Hamas-Militärchef und einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker vom 7. Oktober 2023, durch einen israelischen Luftangriff getötet.
Am 20. Juli griffen israelische Kampfjets militärische Ziele der Huthis in der Nähe des jemenitischen Hafens Hodeidah an. Dabei wurden mindestens drei Menschen getötet und 87 verwundet, einen Tag nachdem eine von der vom Iran unterstützten Gruppe abgeschossene Drohne das israelische Wirtschaftszentrum Tel Aviv getroffen hatte.
Am 24. Juli hielt Netanyahu seine bisher größte Rede vor dem US-Kongress.
Am 27. Juli tötete eine Rakete der Hisbollah in Madsch Shams, Golanhöhen, 12 drusische Kinder.
Am 30. Juli wurde Fuad Shukr (Al-Hajj Mohsen) von der Hisbollah in einem südlichen Vorort von Beirut getötet. Er war Militärberater von Hassan Nasrallah. Er war verwickelt in die Raketenattacke auf Madsch Shams, bei der 12 drusische Kinder getötet wurden. Seine Leiche wurde am nächsten Tag unter dem Bauschutt gefunden.
Am 31. Juli wurde Ismail Haniyeh, der Chef der Hamas, in Teheran getötet.
Über dem Atlantik, Donnerstag, 8. August, kurz nach Mitternacht – Die silbergraue Bombardier Global 6000 flog mit rund 900 Stundenkilometern nahezu geräuschlos in einer Höhe von 50.000 Fuß. Die Kabinenlichter waren ausgeschaltet. In der Sondermaschine des israelischen Auslandsgeheimdienstes herrschte fast vollkommene Dunkelheit. Ron Dahan, der Generaldirektor des Mossad, lag entspannt in seiner mit weißem Leder bezogenen Sitzschale und blickte in den mit funkelnden Sternen übersäten Nachthimmel. Er war wie immer wie aus dem Ei gepellt: anthrazitfarbene Hose mit scharfer Bügelfalte, weißes Hemd mit gestärktem Kragen. Keine Krawatte. Oberster Hemdknopf geöffnet. Der memuneh war auf dem Weg nach Washington, D.C., um den neuen Direktor der Central Intelligence Agency, Alistair White, persönlich kennenzulernen. Es ging aber nicht nur um ein erstes persönliches Kennenlernen – es ging vor allem um den Iran.
Während er in entspannter Haltung an seinem milden Whiskey nippte, zogen die vergangenen Monate an seinem inneren Auge vorbei. Das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 hatte die israelische Gesellschaft in einen noch nie dagewesenen Schockzustand versetzt. Es war der bisher schlimmste Massenmord, den sein Land in seiner bewegten Geschichte erlebt hatte. Aber während die israelische Gesellschaft nur die offizielle Geschichte kannte, in deren Mittelpunkt die teils spektakulären Operationen der IDF standen, kannte der oberste Spion Israels auch die verborgene Geschichte der Operationen seiner eigenen Behörde – Operationen, die für immer im Dunkeln bleiben würden.
Am 19. Mai 2024 kam Ebrahim Raisi, der Schlächter von Teheran, bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Am 6. Juni 2024 genehmigte der Ministerpräsident eine spektakuläre Geiselbefreiungsaktion, die am 8. Juni 2024 gelang und das Gesicht von Israels bekanntester Hamas-Geisel, Noa Argamani, weltberühmt machte. Aber noch immer wurden fünf amerikanische Geiseln von der Hamas gefangen gehalten, für die sich scheinbar niemand zu interessieren schien. »Hörst du dazu irgendwas von der Biden-Administration?«, hatte ihn Aryeh Ben-Zvi, der Chef der Operationsabteilung, gefragt. Er hatte nur den Kopf geschüttelt. Nur zwei Tage nach dem Hamas-Massaker begann die Anti-Israel-Welle. Israel war noch gar nicht aktiv, als die Pro-Hamas-Rallys begannen. 15 Millionen Juden im Verhältnis zu einer Weltbevölkerung von 8 Milliarden. Ein Staat von der Größe New Jerseys, und nahezu die ganze Welt zeigte auf Israel und machte Israel für jedes Übel in der Welt verantwortlich. War das nicht total irre? Ja, das war absolute spirituelle Blindheit. Am 13. Juli erfolgte das gescheiterte Attentat auf Donald Trump. Der Mossad wusste, dass der wahre Schütze ein vom Iran rekrutierter radikalisierter Moslem war, gab diese Information aber nicht an die Amerikaner weiter. Am selben Tag wurde Mohammed Deif, der Hamas-Militärchef und einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker vom 7. Oktober 2023 eliminiert. Am 24. Juli hielt der Ministerpräsident seine bisher größte Rede in englischer Sprache vor dem US-Kongress. Dann kam der große Schock: Eine Rakete der Hisbollah tötete am 27. Juli in Madsch Shams auf den Golanhöhen zwölf drusische Kinder. Am 30. Juli wurde Fuad Shukr in einem südlichen Vorort von Beirut getötet. Shukr war der Militärberater von Hassan Nasrallah gewesen und in die Raketenattacke auf Madsch Shams verwickelt. Seine Leiche wurde am nächsten Tag unter Bauschutt gefunden. Am selben Tag hatte in Teheran eine der wichtigsten Operationen seiner Behörde im Krieg mit dem Terrorismus begonnen: die Liquidation von Ismail Haniyeh, dem Chef der Hamas. Um 16:23 Uhr hatten zwei Agenten der iranischen al-Mahdi-Einheit des Korps der Islamischen Revolutionsgarden, also jener Einheit, die für die Sicherheit des Hamas-Chefs verantwortlich waren, einen Sprengsatz unter dem Bett von Ismail Haniyeh angebracht. Kurz danach wurden die beiden gekauften iranischen Agenten an einen unbekannten Ort in Nordeuropa gebracht und erhielten vereinbarungsgemäß eine sechsstellige Summe in US-Dollar. Kurz nachdem Haniyeh um 01:20 Uhr im Gästehaus ankam, ging um 01:30 Uhr das Licht in seinem Zimmer aus. Die fünf Späher des Mossad, die in grüner Verkleidung in den Bäumen saßen, benachrichtigten den für die Zündung der Bombe verantwortlichen Agenten. Um 01:37 Uhr löste der Agent die Explosion aus. Die Aufregung in der psychopathischen Welt der Dschihadisten war groß, und jetzt erwarteten Israel und die Welt praktisch stündlich den Gegenschlag des Iran und seiner Verbündeten, wobei jetzt schon klar war, dass Israel diesmal nicht so zurückhaltend reagieren würde wie am 18. April. Im Gegenteil: Diesmal würde es eine im höchsten Maße abschreckende Antwort geben. Das Verteidigungsestablishment drängte den Ministerpräsidenten unaufhörlich zu einem Präventivschlag, aber in diesem Falle würde es keine amerikanische Unterstützung geben. Die Amerikaner würden Israel nur bei seiner Verteidigung helfen, aber nicht, wenn es in die Offensive gehen würde. Oberflächlich betrachtet, war die Argumentation des Militärs auch schlüssig. Sie sagten: Selbst wenn sich das Wunder vom 13. und 14. April wiederholen würde und wieder 99 Prozent der iranischen Drohnen, Marschflugkörper und ballistischen Raketen von uns und unseren Verbündeten abgefangen würden, würde der Iran beim nächsten Mal noch mehr Projektile abfeuern, vielleicht tausend und beim übernächsten Mal dreitausend. Die Militärs waren der Überzeugung, dass die bloße Verteidigung, wie sie von der Biden-Administration gewünscht wurde, vollkommen unsinnig war. Das Gegenteil wäre richtig: Israel müsste mit maximaler Abschreckung präventiv angreifen. Aber der Ministerpräsident lehnte ab, er hörte lieber auf seinen Mossadchef, der ihm wiederholt versicherte, dass der Iran lieber seine ganzen Stellvertreter opfern würde, als sich ein weiteres Mal die Finger an Israel zu verbrennen.
Während die IDF schon seit Tagen in höchster Alarmbereitschaft waren, wandten sich Dahans Gedanken jetzt Yahya Sinwar zu, dem blutrünstigen, bösartigen Massenmörder und schnell ernannten Nachfolger von Ismail Haniyeh. Sinwar gingen allmählich die Verstecke aus. Er war fast allein an der Spitze der Hamas. Seine engen Freunde in den höheren militärischen Rängen der Organisation sowie hochrangige Beamte waren bereits alle eliminiert oder verschwunden: Mohammad Deif, Rafa‹a Salama, Ahmed Ghandour, Raad Saad und Ayman Nofal. Auch der engste Vertraute Sinwars, der Minister der Hamas-Regierung und seine rechte Hand, Rawhi Mushtaha, war getötet worden, ebenso wie Sameh al-Siraj und drei Militärkommandeure der al-Qassam-Brigaden, die sie begleitet hatten: Abdul Hadi Siam, Sami Odeh und Muhammad Hadid.
Überwältigt von zu wenig Schlaf nickte der Generaldirektor des Mossad schließlich ein.
Eine Stunde, bevor die Maschine auf einem abgelegenen Rollfeld des Dulles International Airport landete, weckte ihn einer der beiden Agenten, die sich in seiner Begleitung befanden, und servierte ihm das Frühstück.
***
Dulles International Airport, Virginia – Um 07:28 Uhr setzte die silbergraue Bombardier Global 6000 zur Landung an. Zehn Minuten später rollte der Pilot zu einer schwarzen CIA-Limousine, die am Rand des Vorfelds parkte. Unter der vorderen Kabinentür der Global 6000 ließ sich eine Fluggasttreppe ausklappen. Ein Agent fuhr sie aus. Dahan betrat den Asphalt. Sekunden später öffnete sich die Tür der Limousine.
Ein CIA-Empfangskomitee begrüßte den memuneh. Dahan stieg ein und nahm auf der Rückbank Platz.
Während sich das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit in Bewegung setzte, gingen Dahan verschiedene Gedanken durch den Kopf. Im Wesentlichen würde es bei den Gesprächen um den Iran, die Hisbollah und den Waffendeal gehen. Das heikle Thema Geiseln wollte er nach Möglichkeit nicht ansprechen, aber White, der neu ernannte CIA-Chef, würde mit Sicherheit davon anfangen.
Die operativen Fähigkeiten des Mossad hatten die Islamische Republik gezwungen, ihre wichtigsten Figuren auszutauschen und das Schachbrett des Geheimdienstes neu zu organisieren. Israel hatte sich zwar nicht zu der Beseitigung von Ismail Haniyeh bekannt, dennoch wusste jeder in der Region, dass kein anderer Dienst in der Lage war, solch ein Kunststück zu bewerkstelligen. Der Geheimdienst der Islamischen Republik war durch die Präsenz des Mossad jetzt noch verunsicherter als früher. Obwohl sie nicht in der Lage waren, seiner Behörde und Israel wirksam zu begegnen, kursierten weiterhin Gerüchte. Für die Mullahs ging es nach wie vor nur um Propaganda. In ihrem Wahnzustand rühmten sie sich, den Mossad besiegt zu haben, obwohl die Realität natürlich ein völlig anderes Bild zeichnete. Was dem Mossad mit der Eliminierung von Ismail Haniyeh gelang, war eine der bedeutendsten Leistungen bei der Terrorismusbekämpfung weltweit. Wer anderer Ansicht war, litt offensichtlich unter Wahnvorstellungen. Die Wahrheit war, dass seine Behörde nicht nur eine Schlüsselfigur des Teheraner Terrornetzes ausgeschaltet hatte, sondern dass diese Operation auch noch in einer hoch gesicherten Zone durchgeführt wurde, die vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden und dem Ministerium für Nachrichtendienste (MOIS) gesichert wurde.
Moderne Operationen stützten sich in hohem Maße auf die Telekommunikationstechnologie. Am Tag vor dem erwarteten Amtsantritt von Masoud Pezeshkian erreichte der Präzisionsschlag des Mossad drei Ziele: Er beseitigte einen wichtigen Hamas-Strategen, sorgte für Verwirrung unter iranischen Beamten und brachte den iranischen Geheimdienst erneut in Verlegenheit. Aber wie ließen sich diese wahnhaften Mullahs mit der Tatsache konfrontieren, dass der Mossad nicht offiziell die Verantwortung übernommen hat?
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang führten der SAVAK (die Geheimpolizei während der Schah-Ära) zusammen mit dem Mossad und der CIA zahlreiche gemeinsame Operationen durch, die die Sowjetunion und den KGB erheblich verunsicherten. Die Geschichte hatte aber nicht vorausgesehen, dass fünfundvierzig Jahre später das schiitische Kalifatsregime in Teheran seine eigene Bevölkerung terrorisieren, Demonstranten brutal unterdrücken und täglich von der Vernichtung Israels und der USA träumen würde.
Im heutigen Nahen Osten hatte sich ein irrationaler Mullah, der an die historischen islamischen Kalifatsherrscher der Raschidun, Abbasiden, Umayyaden, Fatimiden, Osmanen, ISIS und darüber hinaus erinnerte, zum Amir al-Muminin (Befehlshaber der Gläubigen) und zum globalen Herrscher der Muslime erklärt. Sein Hauptaugenmerk lag auf der Förderung des Schiitentums, der Unterstützung des Schiitischen Halbmonds und der Pflege eines gefährlichen transnationalen Terrornetzwerks im Irak, Syrien, Libanon und Jemen. Unter seiner Leitung hatten sich diese nichtstaatlichen Akteure zur sogenannten »Achse des islamischen Widerstands« zusammengeschlossen.
Diese bösartige Koalition hatte vier Hauptstädte des Nahen Ostens verwüstet, wobei die Quds Force und der MOIS an diesen Orten Gräueltaten begangen hatten. Sie betrieben sogar Ausbildungslager für Terroristen im Iran. Diese bösartigen Kräfte brachten nichts als Zerstörung, Dunkelheit und Armut, wo immer sie hinkamen, und vergeudeten die Ressourcen des Irans in ihrem Bestreben, ein schiitisches Imperium aufzubauen und Saudi-Arabien zu konfrontieren.
Für die Behörden in Teheran hatten nicht einmal die Sicherheit und Stabilität des Persischen Golfs Priorität. Unter dem Vorwand, die Schiiten zu verteidigen, stifteten sie weiterhin Chaos, Täuschung, Unterwanderung und Putsche von Bahrain bis Marokko an. Es war dann auch nicht mehr überraschend, als am 31. Juli 1987 Pilger mit der Absicht kamen, die Kaaba zu bombardieren – ein internationaler Skandal, der Khomeini in Verlegenheit brachte. So arbeitete die Islamische Republik beispielsweise mit den Moslembrüdern, Katar und der Türkei zusammen, um die Hamas-Terroristen gegen Israel zu unterstützen. Gleichzeitig unterstützten sie die Terrororganisation PKK, um sicherzustellen, dass die Türkei nicht die Rolle oder den Einfluss des Irans in diesem komplexen geopolitischen Spiel überschattete oder den Zusammenbruch Syriens verhinderte. Sie arbeiteten auch mit dem Barzani-Stamm zusammen, um die Türkei abzulenken.
Zusammen mit der PKK und der Hisbollah erleichterten sie den Drogenhandel, und mit den Barzanis betrieben sie Geldwäsche. Außerdem arbeiteten sie mit verschiedenen kurdischen Parteien und Organisationen zusammen, unabhängig von deren politischer Einstellung.
Ihr unheilvoller Einfluss erstreckte sich bis nach Afrika, wo sie rekrutierten, Terrornetzwerke aufbauten und vom Sudan aus in anderen Regionen operierten. Die Islamische Republik bewaffnete auch terroristische Gruppen in Somalia, wobei ihre Verbindungen zu al-Shabaab unbestreitbar zunahmen.
Teile der Quds Force und des MOIS arbeiteten auch mit transnationalen kriminellen Organisationen in Lateinamerika zusammen und stellten eine Bedrohung für die Sicherheit der nördlichen Hemisphäre dar. Darüber hinaus unterhielten sie Terroristen- und Propagandanetzwerke in Amerika selbst. Unter den wachsamen Augen der CIA, des Heimatschutzministeriums und des FBI vergifteten und verseuchten Agenten der Islamischen Republik die Medien, bekleiden Lehrstühle an verschiedenen Universitäten, verbreiteten schamlos Unwahrheiten, verbreiteten Lügen, sprachen in finanziell unterstützten Denkfabriken, organisierten Aufmärsche an amerikanischen Universitäten und arbeiteten mit Attentätern aus verdeckten Terrornetzwerken zusammen, die Schläferzellen betrieben.
Es hatte den Anschein, dass die Welt gleichgültig gegenüber der Geiselhaft der zerstörerischen Ideologie des Khomeinismus geworden war. Wenn keine Maßnahmen ergriffen würden, würden die Folgen immer gefährlicher werden. Bedauerlicherweise schienen sich die Demokraten an dieser Ausrichtung auf das Regime mitschuldig zu machen. Die Weltgemeinschaft hatte keine ernsthaften Maßnahmen gegen das transnationale Terrornetzwerk der Mullahs im Iran ergriffen. Es war die CIA, die bei der Beseitigung von Osama bin Laden geholfen hatte, bei der Beseitigung von Abdullah Ahmed Abdullah, dem zweiten Befehlshaber von al-Qaida, in Teheran am 7. August 2020 und bei der Beseitigung des gefährlichsten Terroristen der Quds-Truppe, Qasem Soleimani, in Bagdad am 3. Januar 2020. Qasem Soleimani war für den Tod Hunderter amerikanischer Soldaten verantwortlich gewesen und eine Schlüsselfigur bei der Aktivierung des schiitischen Halbmonds und des transnationalen Terrornetzwerks der Islamischen Republik.
Die CIA hatte zwar erhebliche Anstrengungen unternommen, aber es war klar, dass der Mossad sowohl bei der Neutralisierung von Terroristen als auch bei der Untergrabung des Regimes der Mullahs erfolgreicher war. Seine Behörde hatte ohne Zögern jede Schlüsselfigur des IRGC ins Visier genommen, sobald klar war, dass sie eine Bedrohung darstellte. In den vergangenen fünfundvierzig Jahren war der Mossad regelmäßig die wichtigste Kraft, die den iranischen Obersten Führer Ali Khamenei und sein gesetzloses Regime herausgefordert hatte.
Während er beispielsweise über den Leichen von Haniyeh und seinem Leibwächter betete, blickte Khamenei aus Angst zum Himmel, als ob er eine Mossad-Drohne oder eine israelische Rakete erwartete, bevor sie einschlug. Der feige, unfähige und rückgratlose Diktator des Nahen Ostens war misstrauisch und misstraute jedem in seiner Umgebung.
Khamenei berauschte sich gelegentlich an den Verbrechen der Revolutionsgarden, der Sicherheitsorganisationen und seines eigenen Terrornetzwerks und gab Befehle für terroristische Operationen, oder wie sie es nannten: den islamischen Dschihad. Als er vorschnell den Abschuss von Raketen auf Israel anordnete, floh er nachts nach Mashhad, um dem Zugriff des Mossad zu entgehen. Welchen Wert oder welche Glaubwürdigkeit hat eine Fatwa eines solchen Verbrechers in der realen Welt?
In Wirklichkeit hatte die Angst vor Israel und dem Mossad die Propagandamaschinerie des Regimes bis zum Delirium getrieben. Die Situation war so schlimm und absurd, dass selbst ehemalige Geheimdienstminister Sätze mit den Worten CIA und Mossad bildeten. Ron Dahan selbst betrachtete das Katz-und-Maus-Spiel mit Khamenei inzwischen als eine Form der Unterhaltung, aber solange dieser Diktator im Iran lebte, würde die Saga von Krieg, Blut, Bomben und Terror im Nahen Osten weitergehen. Es war zu hoffen, dass mit der Unterstützung des Regimewechsels im Iran diese Geschichte ein Ende fand.
So wie er selbst nie Haniyehs Segensgebet in einem Hotel in der Türkei während der Übertragung der Hamas-Brutalität gegen Israel am 7. Oktober 2023 vergessen konnte, würde er auch nie die Kommandozentrale der IRGC-Schläger – Hossein Salami, Ali Baqeri, Amir Ali Hajizadeh und andere – vergessen, die den Abschuss von Überschall-Marschflugkörpern und Kamikaze-Drohnen auf Israel befohlen hatte.
Dennoch hatte die operative Stärke des Mossad die Islamische Republik gezwungen, ihre wichtigsten Figuren auszutauschen und das Schachbrett ihres Geheimdienstes neu zu organisieren, in der naiven Vorstellung, dass dies die Infiltration durch den Mossad verhindern könnte. Doch seine Behörde hatte den Spielverlauf längst durchschaut.
***
Langley, CIA-Zentrale – Die Limousine passierte zwei Wachleute mit Maschinenpistolen und kam dann direkt vor dem Haupteingang der Zentrale des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes zum Stehen. Ein Beamter öffnete Dahan die Wagentür. Er stieg aus, begrüßte die Wachleute und betrat die riesige Eingangshalle.
Ein schlanker Mann in grauem Anzug mit grauem Schnurrbart und grauem Haar erwartete ihn. Seine braunen Augen betrachteten den Neuankömmling gelassen, sein Händedruck war kühl und knapp. Er hieß Scott Anderson, war sechsundfünfzig Jahre alt und Stellvertretender Direktor der Operationsabteilung der CIA.
Sie grüßten einander mit vorsichtigem Misstrauen, wie es Männer aus der Geheimdienstwelt im Allgemeinen tun. Weil sie einander kannten, benutzten sie ihre richtigen Namen.
»Der Direktor lässt sich entschuldigen«, begann Anderson. »Er hat einen unaufschiebbaren Termin beim Präsidenten, wird sich aber später zu uns gesellen.«
Umso besser, dachte Dahan. Anderson ist ohnehin der kompetentere Gesprächspartner. CIA-Direktoren steckten nie vollständig im Thema. Sie wurden nach politischen Kriterien ausgewählt und verfügten nie über die Kompetenz der Ebenen unter ihm.
»Kommen Sie«, sagte Anderson, »ich glaube, wir brauchen erst mal ein kräftiges Frühstück.«
»Ich habe schon gefrühstückt«, erwiderte Dahan, »aber gegen einen exzellenten Kaffee habe ich nichts einzuwenden.«
»Sobald Sie das Buffet gesehen haben, werden Sie nicht widerstehen können, Ron.«
Sie nahmen den Fahrstuhl in den 4. Stock. Anderson führte seinen Gast in einen großen Salon mit warmer Beleuchtung. Das Frühstücksbuffet war hergerichtet wie in einem Fünf-Sterne-Hotel. Es war reichhaltig, international und gesund. Die Männer luden sich unterschiedlich große Portionen auf die Teller, wählten Kaffee und diverse Frucht- und Gemüsesäfte und setzten sich dann an einen blütenweiß gedeckten Tisch.
»Wie macht sich der Neue?«, fragte Dahan. Wie selbstverständlich ging er davon aus, dass Anderson wusste, von wem die Rede war.
»Alistair White? Nun ja, warum der Präsident so kurz vor den Wahlen den CIA-Direktor ausgewechselt hat, versteht niemand. Ist letzten Endes aber auch egal. Sie wissen ja, dass es bei uns etwas anders läuft als bei Ihnen. Bei uns werden die Spitzenpositionen nach Parteizugehörigkeit oder anderen irrationalen Kriterien vergeben und nicht nach Sachverstand. Aber an der engen Verbundenheit meiner Behörde zu Ihrer Behörde – egal unter welcher Präsidentschaft und unter welchem CIA-Direktor – ändert sich nichts. Das wissen Sie, Ron.«
»Das weiß ich, und ich hoffe, dass es immer so bleibt.«
Anderson schenkte sich Kaffee ein. »Solange wir denselben existenziellen Gefahren ausgesetzt sind – Sozialismus, Kommunismus und radikaler Islam – wird sich an unserer engen Zusammenarbeit nichts ändern. Zum Glück werden immer nur die Direktoren ausgetauscht und nicht die Spezialisten.« Er lächelte matt. »Manchmal glaube ich, dass der einzige verlässliche Faktor in diesem Zirkus Leute wie wir sind. Die Präsidenten kommen und gehen. Premierminister auch. Aber wir Profis – wir bleiben. Ich habe unter Obama und Trump gedient. Und jetzt unter Biden. Nach meiner Parteizugehörigkeit hat mich nie jemand gefragt.«
Dahan nahm einen Schluck Kaffee und schaute dabei beiläufig über das Büffet. »Die Gesichter wechseln. Die Probleme bleiben dieselben.«
»Oder mutieren«, ergänzte Anderson. »Auf jeden Fall bin ich froh, dass sich der Direktor erst später zu uns gesellen wird. Ich möchte offen mit Ihnen reden. Sie müssen tief in den Libanon eindringen und die ganze terroristische Infrastruktur vernichten und die gesamte Führungsstruktur der Hisbollah. Lassen Sie sich auf gar keinen Fall auf diplomatische Spielchen ein.«
»Das ist uns vollkommen klar. Die Hisbollah und ihre iranischen Hintermänner sind besessen von der Idee, Israel zu zerstören. Man kann einen dämonischen Geist nicht mit Diplomatie kontrollieren.«
»So ist es. Und genau wie die Hamas verstecken sie sich unter der Zivilbevölkerung.«
»Ja, ist bekannt.«
»Uns liegt natürlich sehr an Ihren langfristigen Sicherheitsinteressen.«
»Das bezweifle ich allerdings. Die Soldaten der IDF wollen weiterkämpfen, sie sind vollkommen gegen die Idee Ihrer Regierung, dass Israel die Hamas nicht vollständig vernichten muss. Ihr Land, Großbritannien und andere Länder tun alles, uns daran zu hindern, die Hamas zu besiegen. Wenn Sie uns zwingen, das Feuer im Gazastreifen einzustellen, was der Hamas die Möglichkeit gibt, den Gazastreifen zu kontrollieren und sich zu rehabilitieren, wird der Iran behaupten können, dass seine Drohungen gegenüber Israel das Ende des Krieges im Gazastreifen verursacht haben. Dies wäre ein großer strategischer Sieg für den Iran.«
»Ich kenne die Ansichten meiner Regierung, Ron, aber als Stellvertretender Direktor der Operationsabteilung rate ich Ihnen zum exakten Gegenteil: Sie können den Krieg erst dann beenden, wenn die Hamas vollständig vernichtet ist. Und den Philadelphi Korridor dürfen Sie erst recht nicht räumen. Im Gegenteil, Sie sollten ihn sogar erweitern. Denn wenn es der Hamas gelingen sollte, die überlebenden Geiseln auf die andere Seite nach Ägypten zu bringen, dann sind die für Sie für immer verloren.«
Dahan hatte das Thema Geiseln unter allen Umständen vermeiden wollen. »Die Verlängerung des Krieges setzt natürlich voraus, dass es zu keinen nennenswerten Verzögerungen bei den Waffenlieferungen kommt. In der Vergangenheit waren Waffendeals zwischen unseren beiden Ländern immer etwas problembehaftet. Es kam regelmäßig zu Verzögerungen. Wir brauchen vor allen Dingen schwere Bomben.«
»Machen Sie sich keine Sorgen, Ron. Ich glaube, der Präsident hat begriffen, dass eine Verzögerung des Krieges nicht viel Sinn macht. Ich denke, Sie werden die Waffen, die sie benötigen, schnell bekommen. Trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten ist die Verbindung zwischen unseren beiden Ländern stark, und wir werden immer dafür sorgen, dass Sie für jede Art von Konfrontation gerüstet sind.«
»In wenigen Tagen wird fast ein Drittel der US-Marine in der Nahostregion sein. Und wie wir beide wissen, geht es Ihrer Regierung nicht nur darum, den Iran und die Hisbollah davon abzuhalten, Israel anzugreifen, sondern auch darum, sicherzustellen, dass Israel sie nicht ebenfalls angreift.«
»Ein Flächenbrand in der Region ist das Letzte, was wir anstreben, Ron, aber wir wissen, dass Israel grundsätzlich das tut, was es für richtig hält. Wenn Sie zum Beispiel die iranischen Atomanlagen angreifen, werden wir Sie nicht daran hindern können. Aber Ihnen ist hoffentlich klar, dass wir uns dann auf einer völlig neuen Eskalationsstufe befinden. Und Ihre von der Hamas gefangen gehaltenen Geiseln können Sie dann vergessen. Sie glauben doch selbst nicht, dass Sie dann mehr als höchstens eine Handvoll Geiseln lebend zurückbekommen. Aber vielleicht strebt Ihr Ministerpräsident genau dies an. Um Wahlen zu vermeiden, wird er Gallant entlassen, Gideon zum Verteidigungsminister ernennen und einen Krieg mit dem Libanon beginnen, der mit Sicherheit zu einem umfassenden regionalen Krieg führen wird. Die Schrecken des Krieges werden ihm öffentliche Unterstützung verschaffen, den Protest zum Schweigen bringen und die Geiseln vergessen lassen.«
»Ich hoffe, dass Sie mit Ihrer Einschätzung falsch liegen.«
»Und warum habe ich dann den Eindruck, dass Ihr Ministerpräsident die Geiseln lieber im Leichensack zurückhätte als sein politisches Leben zu gefährden? Vielleicht möchte er verhindern, dass die Geiseln Details über ihre Gefangenschaft preisgeben?«
»Ich weiß, was die linken Medien schreiben, Scott. Sie sind unablässig damit beschäftigt, die Menschen gegen uns und die USA aufzubringen, aber wir können keine Deals mit Organisationen machen, deren erklärtes Ziel die Zerstörung Israels ist. Die Hamas wird keinerlei Kompromisse eingehen, das wissen Sie so gut wie ich. Ebenso wenig die Hisbollah. Das heißt aber nicht, dass es deshalb zwingend zu einem großen regionalen Krieg mit den iranischen Proxys kommen muss.«
»Die Medien sind generell ein Problem. Nicht nur hier in den USA, sondern auch bei Ihnen. Vor allem bei Ihnen. Ihre Medien sind absolut voreingenommen, voller Gift, Lügen und Täuschung. Sie erzählen der Öffentlichkeit, dass die Hamas einen Deal will, aber Ihr Premierminister keinen Deal will. Aber was Ihre Medien den Leuten nicht erzählen, ist, dass die Hamas nie einen Deal hatte, auch nie einen Deal wollte. Die Strategie der Hamas besteht darin, keinen Deal zu haben, aber so zu tun, als hätten sie einen Deal. Und die Israelis fallen darauf herein und üben entsprechenden Druck auf Ihre Regierung aus. Sie sind wütend und frustriert und gehen auf die Straße.
»Genauso ist es, Scott. Mit den iranischen Proxys werden wir fertig, aber mit den israelischen Medien nicht.«
»Und Sinwar weiß das. Er hat die israelische Seele jahrelang intensiv studiert. Er weiß genau, dass Sie alles Mögliche unternehmen würden, um auch nur einen einzigen Israeli zu retten. Sein wichtigstes Ziel ist, dass sich die ganze israelische Gesellschaft gegen Ihre Regierung stellt.«
