Die Begegnung - Ralf Wider - E-Book

Die Begegnung E-Book

Ralf Wider

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Beschreibung

Ferry hat die Meisterprüfung bestanden und einen ersten persönlichen Kontakt zu den Grauen hergestellt. Wie sich herausstellt, steht die Welt der Grauen – P2 – kurz vor dem totalen Aus. Es herrschen Krieg und Hungersnot. Die Grauen, die zunehmend menschliche Züge zeigen, werden von einer Sub-Spezies bedroht und bekämpft, so dass sie die Flucht nach P1 als einzigen Ausweg sehen. Doch das ist nicht so einfach, wie sich herausstellt. Ferry und Laura beschliessen, den Grauen in ihrem Kampf zu helfen und die Evakuation zu unterstützen. Eine kleine Truppe des Corps schliesst sich ihnen an und zusammen gehen sie nach P2. Dort treffen sie auf Wüste, Hitze und Zerstörung, doch gemeinsam schaffen sie es, ihre Mission zu beenden und die Grauen zu evakuieren. Auf der Erde bricht gleichzeitig ein Terrorkrieg aus und so sind am Schluss Menschen wie Graue in P1 gestrandet und können nicht zurück in ihre Heimat-Welten. Sie beschliessen, das Beste daraus zu machen und friedlich zusammenzuleben.

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Seitenzahl: 482

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Die Begegnung

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1 - Die Königin

Kapitel 2 - Verständigungsprobleme

Kapitel 3 - Der Ältestenrat

Kapitel 4 - Aufbruch

Kapitel 5 - Die Zelle

Kapitel 6 - Die Gefangene

Kapitel 7 - Die Wüste

Kapitel 8 - Unterwegs

Kapitel 9 - Feindkontakt, Teil 1

Kapitel 10 - Der Sturm, Teil 1

Kapitel 11 - Der Bunker, Teil 1

Kapitel 12 - Feindkontakt, Teil 2

Kapitel 13 - Der Sturm, Teil 2

Kapitel 14 - Der Bunker, Teil 2

Kapitel 15 - Feindkontakt, Teil 3

Kapitel 16 - Der Sturm, Teil 3

Kapitel 17 - Der Bunker, Teil 3

Kapitel 18 - Probleme

Kapitel 19 - Der Heimweg

Kapitel 20 - Danach

Kapitel 21 - Die Kinder

Kapitel 22 - Der letzte Auftrag

Kapitel 23 - Eine unerwartete Begegnung

Kapitel 24 - Erkenntnisse

Kapitel 25 - Eine Entscheidung und ein Anfang

Impressum neobooks

Kapitel 1 - Die Königin

Luís Guillermo schlief friedlich in den Armen seines Vaters, das blonde Wuschelköpfchen auf dessen Brust gelegt. Master Black staunte, dass sein Sprössling schlafen konnte, denn die väterliche Brust hob und senkte sich schnell und sein Herz raste.

Ferry wusste nicht, was ihm mehr Unbehagen bereitete: dass die Graue Königin seine Tochter in den Armen hielt, oder dass Laura im Gegenzug das graue Baby der fremden Spezies schaukelte.

Sein nervöser Blick löste sich von Guille und ging zu Laura. Anspannung war in Ferrys Gesicht zu lesen und Schweissperlen standen auf seiner Stirn. Laura hingegen schien total entspannt. Verzückt blickten ihre schwarzen Augen auf das graue Würmchen, welches sie sanft in ihren Armen hin- und her wog. Das graue Baby hatte kugelrunde, grosse Knopfaugen, welche Laura freudig anglänzten. Es gurgelte zufrieden. Ferrys Blick wanderte über das kleine, fremdartige Wesen. Es war von Kopf bis Fuss steingrau. Die Händchen mit den vier Fingerchen und den knubbligen Verdickungen an den Enden griffen nach Lauras langem Haar. Das Kind schien total vernarrt zu sein in die lockige Mähne. Irgendwie verständlich, fand Ferry, für ein Geschöpf, das selbst keine Haare hatte. Das Baby war total glatt. Es war kein einziges Haar am ganzen Körper zu sehen. Lauras Zeigefinger glitt langsam über den rundlich gewölbten Bauch des Babys und kitzelte es. Das Kindchen quietschte und gab ein Geräusch von sich, das man als Lachen werten konnte.

Ferry fiel auf, dass das Graue keinen Bauchnabel hatte, dafür aber Brustwarzen, was es als Säugetier auswies. Aber keinen Bauchnabel? Das erstaunte ihn, denn abgesehen von der abweichenden Anzahl Finger und Zehen waren ihm bisher nur erstaunlich viele Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Grauen aufgefallen. Das graue Kind hatte sogar ein kleines, graues Zipfelchen zwischen den dünnen Beinchen, was es - abgesehen von der Farbe - sehr humanoid wirken liess.

"Ist er nicht süss?", hauchte Laura und schaute zu Ferry auf. Ihre Blicke trafen sich. Ferry machte ein eher ratloses Gesicht. Was sollte er auf diese Frage antworten? Frauen fanden alle Babys süss. Männer nicht. Für Ferry sahen alle Babys gleich aus. Na ja, mit Ausnahme des grauen Kindes, vielleicht. Und seiner eigenen Zwillinge.

Auf der einen Seite war das graue Würmchen wirklich irgendwie niedlich, fand Ferry, doch andererseits tat er sich schwer darüber hinwegzusehen, dass es ein Nachkomme derjenigen Spezies war, mit der Ferry fast dreissig Jahre lang im Krieg gelegen hatte.

"Hm.", meinte er ausweichend. Er wollte niemandes Gefühle verletzen. Der Krieg war vorbei, immerhin hatte Ferry selbst mit Vehemenz den Waffenstillstand ausgerufen und durchgesetzt. Er hatte darauf hingearbeitet, Frieden zu schliessen mit den Grauen, seit er erkannt hatte, wie ähnlich sich die beiden Spezies waren. Er wollte nicht mehr gegen sie kämpfen. Es hatte bereits viel zu viel Blutvergiessen gegeben, zu viele Tote auf beiden Seiten. Er wollte den Frieden mit den Grauen, doch der Gedanke an seine gefallenen Kameraden löste einen tiefsitzenden Schmerz in seinem Inneren aus.

Er gab sich einen Ruck. Er musste über die Vergangenheit hinwegkommen. Nur nach vorne schauen. Vergessen, was gewesen war und es von jetzt an besser machen. Ferry nickte zögernd seine Zustimmung. Ja, das graue Baby war süss. Irgendwie. Doch Laura sah das Nicken nicht. Sie versuchte gerade, die Hand des Kleinen aus ihren Haaren zu lösen, die sich festgekrallt hatte und mit Inbrunst daran zog.

Ferry liess seinen Blick zu der olivgrün-golden schimmernden Königin gleiten. Auch wenn die Physiognomie der Grauen anders als die der Menschen war, so glaubte er doch, einen ähnlichen, mütterlichen Gesichtsausdruck bei ihr zu erkennen. Ganz entzückt schien sie zu sein von Lisa Moana. Die grossen, mandelförmigen Augen der fremden Kreatur glänzten verträumt und die Hand mit den vier Fingern strich unablässig über das dunkle Haar des Kindes. Möglicherweise war das ein ähnlicher Drang wie bei den Menschen, die gerne pelzige Tiere streichelten? Über weiches Haar oder einen flauschigen Pelz zu streicheln, war ein angenehmes Gefühl. Woher dieser Drang zu streicheln wohl kommen mochte? Ferry machte sich eine geistige Notiz, dass er seine Kolleginnen in der wissenschaftlichen Abteilung des CERN danach fragen musste. Ausserdem wollte er herausfinden, wieso die Grauen keine Haare hatten. Doch das würde vielleicht ein wenig schwieriger werden…

Ferry tauchte aus seinen Gedanken auf, als Moana zu brabbeln begann. Es war irgend etwas Unverständliches, doch dazwischen tauchten immer wieder "Ah-nu" und "Mo-a" auf. Der Name des grauen Babys und ihr eigener, in Babysprache. Sie schien stark daran interessiert, mit der Mama ihres neuen Spielkameraden Konversation zu machen. So hörte es sich jedenfalls für Ferry an. Aber vielleicht war seine Tochter auch einfach eine kleine Quasselstrippe. Das würde sich bald genug herausstellen.

Das Schwierigste würde die Sprache sein, davon war Ferry überzeugt, als er sich mit Laura, Hand in Hand, der Königin genähert hatte.

Die Kinder hatten sich sofort angefreundet gehabt bei dem überraschenden Besuch der Grauen im Garten des Blockhauses der Familie Black in P1. In ihrer kindlichen Neugier und Unschuld hatten die Kinder die Brücke geschlagen zwischen zwei Völkern, ohne dabei auf das Aussehen oder die Hautfarbe zu achten. Daraufhin hatten Laura und Ferry den Mut aufgebracht, sich der Fremden zu nähern und einen ersten persönlichen, physischen Kontakt mit der ausserirdischen Lebensform aufzunehmen.

Wie man das so aus dem Fernsehen kennt, wenn sich fremde Völker treffen, hatte man sich erst einmal vorgestellt.

Ferry hatte die Hand auf seine Brust gelegt und "Ferry" gesagt. Seine Stimme klang belegt. Er räusperte sich. Laura hatte seine Geste kopiert und "Laura" gesagt. Auch ihre Stimme wackelte ein wenig und sie schluckte trocken, um den Kloss in ihrem Hals loszuwerden. Der Kloss sass dort, seit sie vor wenigen Minuten geglaubt hatte, ihre Kinder seien in akuter Lebensgefahr.

Die Königin hatte ihren länglichen Kopf leicht zur Seite geneigt. Es sah aus, als ob sie zu verstehen versuchte, was die zwei Fremden Wesen ihr zu sagen versuchten. Schliesslich legte sie ihre Hand ebenfalls auf ihre Brust und sagte "Annunfala".

Ferrys Herz schlug bis in den Hals. Er spürte, dass seine Ohren zu glühen begannen. Sie sprachen mit einem Alien! Es war schier unfassbar. Die Grauen konnten sprechen und es klang zwar fremd, aber es schien eine richtige Sprache zu sein, wie die Menschen sie sprachen!

Die graue Königin, die eigentlich gar nicht grau war, wiederholte ihren Namen. Das A war langgezogen, und die Betonung folgte auf der nächsten Silbe. Es klang wie Ah-Nún-fala. Ihre Stimme war weich und melodisch, sie klang ein wenig wie heller Glockenklang. Doch es lag auch etwas Heiseres darin, etwas Kehliges, als ob das A mit viel Atem herausgepresst wurde.

Laura wagte den nächsten Schritt. Sie machte einen kleinen Schritt auf das fremde Wesen zu und streckte die Hand aus. Sie hielt sie dabei nicht senkrecht, wie zum Handschlag, sondern aufrecht, die Handinnenseite nach vorne. Das sollte wohl zeigen, dass sie nichts Böses wollte und nichts in der Hand hatte. So interpretierte Ferry das auf jeden Fall. Er hielt den Atem an und war gespannt, wie die Fremde darauf reagieren würde.

"Hallo, Ah-Nún-fala.", sagte Laura mit fester Stimme. Ferry fand, dass sie den Namen sehr ähnlich wie die Namensträgerin ausgesprochen hatte. Das mochte daran liegen, dass Laura einfach ein Sprachgenie war. Sie konnte sowas.

Annunfala blinzelte. Sie schien erstaunt. Sie starrte auf Lauras ausgestreckte Hand. Nach einem kurzen Moment machte sie jedoch auch einen Schritt auf Laura zu und hob ihren Arm in der gleichen Weise wie Laura. Zaghaft streckte sie den Arm aus, bis sich die beiden Handflächen berührten. Die beiden Frauen, oder Weibchen - Mütter war vermutlich die beste Bezeichnung - zuckten bei der Berührung simultan zusammen. Dieselbe Reaktion hatten sie zuvor schon bei den Kindern beobachten können. Doch sie liessen die Handflächen aufeinander liegen.

"Laura.", sagte Annunfala zögernd und blickte ihr Gegenüber mit grossen Augen an. Sie sprach Lauras Namen "Laa-uu-ra" aus, wobei das R sehr kehlig klang, ähnlich dem R, wie es französischsprachige Menschen aussprachen, fast schon ein "ch".

Laura lächelte. Die Königin blinzelte wieder, scheinbar erstaunt. Dann lächelte sie ebenfalls, wenigstens empfand Ferry es so. Dabei entblösste Annunfala einen Teil ihres Gebisses. Die Grauen hatten keine einzelnen Zähne, wie die Menschen. Es sah eher aus wie eine durchgehende Hornplatte, oder ein einziger, breiter Zahn, der an der Oberfläche fast glatt war und keine herausstehenden Kronen zeigte.

Laura drehte den Kopf zu Ferry und nickte ihm zu. Sie hatte ihren fordernden Blick aufgesetzt, der keine Widerrede zuliess. In ihren Augen schien "nun mach schon!" zu stehen. Ferry schluckte und machte einen zögernden Schritt auf die Königin zu. Ihm war heiss. Er schwitzte. Er wusste nicht, was er denken sollte. Er würde gleich einen Alien anfassen!

Wie ferngesteuert hob sich sein rechter Arm. "Anun-fala", brachte er hervor. Er war sich bewusst, dass seine Aussprache nicht so gut gewesen war wie Lauras. Er würde üben müssen. Er konnte spüren, dass er rot wurde.

Annunfala schien seine Bemühungen zu würdigen, denn sie lächelte auch ihn an. Sie löste ihre Hand von Lauras und legte sie zaghaft auf die seine. Ein kurzer Energiestoss fuhr durch Ferrys Hand. Auch er zuckte zusammen, während die Königin ruhig blieb. Sie schien sich bereits an das Phänomen gewöhnt zu haben. Doch Ferry hatte sich schnell wieder gefasst. Es war nicht unangenehm gewesen, nur überraschend. Es hatte sich wie ein kleiner Energietransfer angefühlt. Es war ähnlich gewesen wie damals, als er seine Hände auf Lauras schwangeren Bauch gelegt hatte. Eine Art Kribbeln, das anzeigte, dass die berührte Person viel Energie in sich trug. Laura hatte damals die Energie von gleich drei Menschen in sich getragen. Erstaunlicherweise schien der Energiefluss bei den Grauen ähnlich zu sein. Wiederum war Ferry verblüfft von der frappierenden Ähnlichkeit der Grauen mit den Menschen. Die Hand mit den vier Fingern fühlte sich warm an. Wärmer als Ferrys. Sie war glatt und weich, dennoch fest. Ferrys Hände waren dagegen schwielig und rauh. Das waren sie, seit er in der Küche seines Bistros gekocht hatte, aber mit dem Bau des Blockhauses hatten sich die Schwielen noch deutlich verstärkt.

Die Königin blinzelte wieder. "Ferry.", sagte sie. Es klang wie "Fää-rri", wobei das R wiederum fast ein "ch" war, ein sehr gutturales R.

Ferry setzte ein schüchternes Lächeln auf und nickte bestätigend, um Annunfala zu signalisieren, dass sie seinen Namen gut ausgesprochen hatte. Er hoffte, dass sie das Kopfnicken richtig würde interpretieren können. Es gab Völker, bei denen die Kopfbewegungen anders gedeutet wurden, auch bei den Menschen.

Doch die Königin lächelte und versuchte die Kopfbewegung zu imitieren. Es schien Ferry, als ob diese Art der nonverbalen Kommunikation nicht gebräuchlich war bei den Grauen. Offensichtlich gab sie sich Mühe, sich den Bräuchen ihrer Gegenüber anzupassen.

Wieder ging es Ferry durch den Kopf, dass es extrem schwierig sein würde, miteinander zu sprechen. Namen auszutauschen, war eines. Doch richtige Konversation zu machen, etwas ganz anderes.

Neben ihnen im Gras quietschte Moana auf. Es hatte energisch und ein wenig vorwurfsvoll geklungen. Sie fühlte sich vermutlich vernachlässigt und fand es gar nicht toll, dass sich die Erwachsenen nur mit sich selbst beschäftigten. Um einer Krise in Form von sehr lautem Geschrei entgegenzuwirken, hob Laura ihre Tochter hoch. Diese hörte augenblicklich auf, Geräusche von sich zu geben, doch sie schien unruhig und quängelig. Sie zappelte und strampelte, so dass Laura sie von sich strecken musste, um nicht getreten zu werden. Annunfala machte wieder eins dieser Muttergeräusche, einen ergriffenen, wimmernden Laut, der wohl in sämtlichen Kulturen als "Ach, wie niedlich!" erkannt werden würde.

Laura blickte erstaunt zu ihr hinüber und nach einem kurzen Zögern hielt sie der Königin ihr Kind hin. Ferry war so überrascht von dieser Geste, dass er es total verpasste, zu widersprechen. Er fand das gerade keine so gute Idee. Frieden hin oder her, aber er fand es äusserst befremdlich, dass ein Alien sein Kind in die Arme nehmen sollte! Was dachte sich Laura dabei?

Die grossen Augen der Fremden schienen noch grösser zu werden. Zögernd streckte sie ihre Arme aus und nahm das Kind behutsam aus Lauras Händen. Sie schloss ihre dünnen Arme um Moana und betrachtete sie eingehend. Dann berührte sie ganz zaghaft den dunklen Flaum auf dem kleinen Köpfchen. Wieder gab sie dieses sehnsüchtige Muttergeräusch von sich.

Moana schien sich bei der Fremden sehr wohl zu fühlen, die Agitation von vorhin war wie verflogen. Fasziniert betrachtete sie die Hand mit den vier langen, schlanken Fingern und den knubbligen Enden, die ihr übers Haar strich. Etwas verträumt, aber ohne sichtbare Eifersucht betrachtete Laura dieses harmonische Bild. Ferry konnte nur staunen. Mütter unter sich, dachte er bei sich.

"Moana.", flüsterte Laura und deutete auf ihr Kind. Annunfala schaute auf.

"Mo-áh-na.", wiederholte sie und lächelte.

Wieder quietschte etwas im Gras neben ihnen. Das graue Baby krabbelte auf Laura zu. Fragend blickte Laura zu Annunfala und streckte dabei die Arme in Richtung des Krabblers aus. Annunfala produzierte ein Kopfnicken. Sie schien einverstanden, dass Laura das Würmchen hochhob.

Ganz vorsichtig griff Laura unter die Ärmchen des kleinen Grauen und hob ihn hoch. Nun entfuhr auch ihr einer dieser Mutterlaute. Behutsam strich sie mit ihrer Hand über das kahle Köpfchen des Babys. Dann drückte sie einen sanften Kuss auf die Stirn des Kindes und sog dabei den Duft des Kleinen ein. Ferry kannte das von den Zwillingen. Laura tat das andauernd. Annunfala legte den Kopf schief. Vermutlich kannte sie diese Geste nicht. Der kleine Graue schien es jedoch zu geniessen, denn er gurgelte zufrieden. Damit war auch die Mutter des Babys zufrieden.

"Annungach.", flüsterte die Mutter Laura zu. Es hatte irgendwie stolz geklungen und Ferry glaubte so etwas wie ein Erröten auf ihren olivgrün-goldenen Wangen zu sehen. Die Stellen unter ihren hohen Wangenknochen wurden auf jeden Fall etwas dunkler, dunkel-olivgrün. Es sah recht apart aus, fand Ferry, ungewohnt, aber passend.

"Ah-nún Gach.", wiederholte Laura. Sie hatte die Aussprache wieder perfekt getroffen. Sogar das kehlige "ch", das wie ein Zischen am Ende des Namens stand, hatte sie stilsicher reproduzieren können. Annunfala nickte bestätigend. Sie schien wirklich stolz zu sein. Laura gab Annungach noch einen Kuss, was dieser mit einem lauten Quieken fröhlich quittierte.

"Er riecht wie ein Menschenbaby!", flüsterte Laura sowohl entzückt, wie auch erstaunt. Sie blickte hoch zu Ferry, der immer noch wie ein Holzklotz dastand und sich nicht rührte. Sie nickte mit dem Kinn in Richtung von Guillermo, der sich im Gras eingerollt hatte und schlief. Das bedeutete wohl, dass Ferry sich gefälligst auch nützlich machen, und ihren Sohn hochheben sollte. Der Vater kam der wortlosen Bitte unverzüglich nach. Vorsichtig hob er Guille hoch und dieser nestelte sich an Ferrys Brust, ohne dabei aufzuwachen.

"Guillermo.", flüsterte Ferry erklärend und deutete mit dem Kopf auf das Kind in seinen Armen.

"Gíí-èch-moo.", wiederholte Annunfala. Ferry musste ein Lächeln unterdrücken. Die Königin musste auch noch ein bisschen üben, wie er selbst. Doch er nickte bestätigend.

So kam es, dass sie alle drei, leicht entrückt, im hohen Gras in Neuseeland-P1 standen, und Kinder schaukelten.

Ferry fand, dass der erste Schritt der Annäherung gelungen war, doch er hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.

Wieder kamen ihnen die Kinder zu Hilfe: fast simultan begannen alle drei zu schreien.

Kapitel 2 - Verständigungsprobleme

Annungach hatte erstaunlicherweise die lauteste Stimme, obwohl er der kleinste der drei Kinder war. Wenn man nicht hinschaute, hätte man das Geschrei problemlos als menschliches Babygeschrei einstufen können.

Entsetzt schauten sich die Eltern reihum an. Das Dunkelgrün auf Annunfalas Wangen schien sich zu vertiefen. Ferrys Gesichtsfarbe fühlte sich purpurn an. Laura blieb cool, wie immer.

"Sie haben Hunger.", konstatierte sie schlicht. "Zeit für die Fütterung der Raubtiere.", setzte sie mit einem Seufzen hinzu. Sie deutete mit dem Kopf zum Blockhaus. "Lass uns rübergehen. Ich möchte mich setzen."

Sie und Annunfala tauschten ihre Kinder zurück, ein Unterfangen, das nicht ganz einfach war, weil die beiden nun wieder ganz zappelig waren. Laura hielt Moana auf dem einen Arm und deutete mit dem andern in Richtung der Hütte. Sie ging selbstsicher los und winkte den anderen, ihr zu folgen. Die Königin hatte erneut den Kopf zur Seite gelegt und schien zu überlegen, was Laura ihr mitteilen wollte. Ferry hatte begonnen, Laura langsam nachzugehen. Guille hatte er an die Schulter gelegt und streichelte ihm besänftigend den Rücken. Er wusste von seiner Mutter, dass es ihn selbst immer beruhigt hatte, wenn er am Rücken gestreichelt wurde als Baby, doch bei Guillermo schien das nicht zu wirken. Ferry machte sich eine geistige Notiz, dass er den Rat der Grossmutter einholen musste in dieser Sache. Vielleicht gab es da einen Trick beim Streicheln? Vielleicht war aber auch nur der Hunger der Kinder zu gross. Er blickte über die Schulter zurück. Er fand, es wäre schade, wenn das erste persönliche Treffen mit der fremden Spezies in diesem Kindergeschrei zu Ende sein sollte. Zu seinem Erstaunen entdeckte er Annunfala direkt hinter sich. Sie war ihnen nachgegangen. Ferry lächelte die Königin aufmunternd an.

Laura hatte sich bereits vor der Hütte auf die Holzbank gesetzt, die Dan, ein Freund aus dem P1-Corps, gebaut hatte.

Weil es tatsächlich das Natürlichste der Welt war, zog Laura ganz selbstverständlich den Reissverschluss ihrer Uniform nach unten und holte eine pralle Brust heraus, an die sie Moana legte. Die laute Nachwuchs-Latina liess sich schnell von dem Angebot überzeugen und begann zu saugen. Annunfala war stehengeblieben und betrachtete die Szene mit schiefgelegtem Kopf. Dann nickte sie. Auch wenn Ferry glaubte, dass diese Geste nicht zu ihrem natürlichen Repertoire gehörte, schien sie der Fremden zu gefallen.

Mit wenigen, eleganten Schritten gesellte die Königin sich zu Laura und setzte sich neben sie auf die Bank. Mit einem Finger der freien Hand fuhr sie auf Brusthöhe über den hauchdünnen Stoff, der ihren Körper wie eine zweite Haut überspannte. Der Finger beschrieb einen Kreis und sofort zog sich der Stoff innerhalb des Kreises zurück. Zum Vorschein kam eine goldig glitzernde, olivgrüne Brust mit einer hellgrauen Brustwarze. Ferry stand da wie ein Spanner und brachte vor Staunen den Mund nicht zu. Laura blickte geflissentlich zur Seite und hob überrascht eine Augenbraue, sagte aber nichts.

Annunfala legte ihren Sohn an die kleine, runde Brust und sein Geschrei legte sich augenblicklich. Annungach nuckelte, was das Zeug hielt und grunzte dabei zufrieden. Jetzt wimmerte nur noch Guille. Ferry versuchte, ihn zu vertrösten, indem er ihm den kleinen Finger zum Saugen hinhielt. Das funktionierte genau drei Sekunden lang, bevor Guille den Beschiss bemerkte. Dann ging das Geschrei wieder los. Hilfesuchend schaute Ferry zu Laura.

"Komm zu Mami, du gieriger kleiner Kerl. Moana ist schon fertig.", sagte Laura liebevoll und winkte Ferry heran, damit sie Kinder tauschen konnten. Sie holte die andere Brust heraus und sofort dockte Guillermo an. Moana lag derweil zufrieden und satt in Ferrys Armen. Endlich war wieder Ruhe eingekehrt, was Ferry Gelegenheit gab, seine sich überschlagenden Gedanken etwas zu ordnen.

"Hast du das gesehen? Das ist der Wahnsinn!", raunte Ferry seiner Frau zu.

"Was? Goldene Brüste? Muss ich mir von jetzt an Goldstaub über den Körper schütten, damit du mich noch attraktiv findest?", schnappte sie zurück. Doch Ferry merkte, dass sie es nicht böse meinte. Sie schien nur ziemlich verwirrt von den Erkenntnissen der letzten halben Stunde.

"Blödsinn. Das meine ich nicht.", erwiderte er aufgeregt. "Sie sind Säugetiere! Also, Säuger, meine ich, ohne Tiere. Das ist doch erstaunlich! Diese Übereinstimmung mit uns Menschen! Findest du nicht auch?" Laura nickte gedankenversunken ihre Zustimmung.

"Es ist fast beängstigend, wie ähnlich sie uns sind.", gab sie leise zurück. "Vielleicht hast du recht, und sie sind wirklich mit uns verwandt… Irgendwie?"

Ferry nickte und schaute wieder zu der stillenden Königin.

"Wir müssen es irgendwie schaffen, mit ihnen zu sprechen. Es gibt so viele Fragen, die ich stellen möchte…" Er brach ab. Das würde schwierig werden und vielleicht Jahre dauern. Er würde noch einen Weg finden müssen. Einen Weg, zu kommunizieren. Der Gedanke frustrierte Ferry. Also tat er, was er immer tat, wenn er nicht weiter wusste: er holte sich Kaffee.

Zuerst hatte er das Kindergehege aus dem Schlafzimmer geholt und auf die Veranda gebracht. Er setzte Moana hinein, hob die Tasse hoch, die er hatte fallenlassen, als er die Grauen entdeckt hatte und ging dann in die Blockhütte, um Kaffee zu holen.

Als er wieder heraustrat, waren bereits alle drei Kinder in dem selbstgebastelten Gehege. Sie hatten sich aneinander gekuschelt und schliefen friedlich.

Ferry hatte drei Tassen mit süssem Kaffee gebracht. Laura nahm dankend eine entgegen. Er hielt Annunfala eine Tasse hin. Er überlegte gerade, wie er ihr klarmachen sollte, dass man das trinken konnte und das es nicht giftig war, als sie danach griff. Sie führte das Getränk an ihr Gesicht und ihre schlitzartigen Nasenlöcher öffneten sich. Das sah lustig aus, fand Ferry. Wie ein Pferd, das die Nüstern bläht. Die Grauen hatten keine hervorstehende Nase wie der Homo Sapiens. Die Nasenlöcher waren Schlitze, die direkt im Gesicht lagen. Ähnlich wie bei einer Schlange.

Annunfala sog den Duft des Getränks ein und machte ein gurgelndes Geräusch. Es klang irgendwie neugierig und wohlwollend.

Ferry nahm einen Schluck aus seiner Tasse und schlürfte dabei, wofür er einen tadelnden Blick von Laura erntete.

"Was?", fragte er. "Ich will nur zeigen, dass der Kaffee heiss ist! Sonst verbrennt sie sich womöglich!"

Lauras Blick signalisierte, dass sie es trotzdem unnötig fand. Sie pustete auf ihren Kaffee und nahm dann einen geräuscharmen, kleinen Schluck.

Ihr Gast blickte von Ferry zu Laura und dann wieder zurück. Sie betrachtete die Tasse, blähte erneut die Nüstern und pustete dann auf das heisse Getränk. Laura strahlte. Triumphierend blickte sie zu ihrem Mann hoch. "Geht doch!", sollte dieser Blick vermutlich heissen. Dann schlürfte Annunfala geräuschvoll einen Schluck des bittersüssen Getränks. Nun war es an Ferry, übers ganze Gesicht zu grinsen. Die Königin hatte den diplomatischen Weg gewählt und beide Ratschläge beherzigt.

Gespannt lagen die Blicke von Laura und Ferry auf ihrem Gast. Sie waren gespannt, ob sie Kaffee mochte. Annunfala hatte die Augen geschlossen und die Lüftungsschlitze weit gebläht. Sie machte ein kehliges Geräusch, das dem Schnurren einer Katze glich. Dann öffnete sie die grossen Augen und gönnte sich noch einen geräuschvollen Schluck. Anschliessend klackerte sie einige Male kurz mit ihren beiden hornähnlichen Zahnplatten aufeinander und gab schliesslich eine Art Schnauben von sich.

"Ah-nanah!", seufzte die Königin aus einer anderen Welt. Ferry hob erstaunt die Augenbrauen. Er hatte keine Ahnung, was sie gesagt hatte, doch es hatte wohlwollend und anerkennend geklungen, fast schon glücklich. Annunfala schien Kaffee zu mögen. Definitiv ein Pluspunkt für die Grauen in der Verständigungsstatistik. Wer Kaffee mochte, konnte Ferrys Freund werden. Von Laura ganz zu schweigen: ihre Familie in P0 lebte davon, dass Leute Kaffee mochten. Und vermutlich war es ihnen egal, woher die Leute kamen, die ihren Kaffee tranken.

Schweigend genossen die drei den starken Kaffee, Marke La Negrita. Aus El Salvador, natürlich, Lauras Heimat.

"Ist dir aufgefallen, dass ihre Sprache viele As und Ns hat?", fragte Laura.

"Hm.", grunzte Ferry bestätigend, der gerade die Tasse an den Lippen hatte.

"Was das wohl zu bedeuten hat? Wir müssen ihre Sprache lernen, so schnell wie möglich!", spann Laura den Gedanken weiter. Ferry nickte zustimmend.

"Um-hm.", gab er zurückhaltend von sich. Das sollte "ja" bedeuten. Darauf war er auch schon gekommen. Doch vielleicht stellte sich Laura das etwas zu einfach vor?

Ferry fand die Gelegenheit günstig, nach all der Aufregung eine Zigarette zu rauchen. Das Adrenalin in seinem Körper war dabei, abzubauen und er fühlte sich erschöpft, wie nach einer grossen Kraftanstrengung. Er holte seine Parisienne aus der Brusttasche und zündete sich eine an. Er inhalierte tief, kniff die Augen dabei zusammen und liess den Kopf nach links und nach rechts fallen. Die Halswirbel knackten geräuschvoll. Laura verzog angewidert das Gesicht. Sie mochte das Geräusch nicht. Die Königin schaute erstaunt auf, jedenfalls interpretierte Ferry ihren Gesichtsausdruck so.

Wieder blähte Annunfala ihre Nasenschlitze und sog den Rauch ein, der zu ihr hinüberwaberte. Sie musste fast augenblicklich niesen. Oder husten, es war schwer zu sagen. Auf jeden Fall stiess sie lautstark die Luft aus, so dass die kleinen Hautlappen an den Nüstern flatterten. Sie wedelte mit der Hand den Rauch weg, die Nasenschlitze fest zusammengepresst.

"Pch-ch-ch!", zischte sie und es klang, als ob sie schimpfte.

Erschrocken liess Ferry die Zigarette fallen und trat sie aus. Er begann ebenfalls mit den Armen zu rudern, um den Rauch wegzuwedeln. Laura machte ein säuerliches Gesicht.

"Na toll. Willst du sie vergiften? Was denkst du dir dabei? Dazu noch direkt neben den Kindern!", fauchte sie Ferry vorwurfsvoll an.

"'Tschuldigung! Ich habe nicht nachgedacht… Ich dachte nicht, dass sie so sensibel darauf reagiert! Tut mir leid.", gab er kleinlaut zurück. "Wenigstens hast du jetzt ein Wort, das keine As und Ns hat…" Er zuckte entschuldigend mit den Schultern. Dann begann er spitzbübisch zu grinsen. "Lieselotte würde sie mögen!" Er musste bei dem Gedanken laut auflachen. Seine Schwiegermutter lag ihm ständig in den Ohren, dass er das Rauchen aufgeben sollte. Lauras nicht amüsierter Gesichtsausdruck liess Ferry verstummen. Der Witz war nicht gut angekommen, also versuchte er, das Thema zu wechseln.

"Und wie stellst du dir vor, dass wir die Sprache lernen?", fragte er. Laura schien gewillt, sich ablenken zu lassen. Sie stieg sofort auf sein Manöver ein.

"Vielleicht mit Bilderbüchern? Oder diesen bebilderten Wörterbüchern? Wir zeigen auf ein Bild, sagen unser Wort und sie sagt ihr Wort. Dann schreiben wir es auf und machen ein Wörterbuch: Grau-Mensch / Mensch-Grau." Sie strahlte. Sie schien überzeugt davon, dass sie so die fremde Sprache lernen konnte. Ferry nicht.

"Das wird Jahre dauern. Ausserdem gibt es in unseren Wörterbüchern vielleicht Objekte, die sie gar nicht kennt? Ein Fahrrad, zum Beispiel. Wie soll sie dafür ein Wort sagen, wenn sie das Ding nicht kennt? Ich glaube nicht, dass wir so weiterkommen. Es muss einen anderen Weg geben…", gab er nachdenklich zurück.

Annunfala war aufgestanden. Besorgt schauten Laura und Ferry sie an. Ob sie vielleicht verärgert war wegen der Raucherei? Das wäre ein schwerwiegender Rückschlag in ihren noch jungen diplomatischen Bemühungen! Doch die Königin schien ganz ruhig und kramte in einem ihrer weichen Beutel, die an ihrem Gürtel hingen. Sie schien etwas zu suchen.

Langsam brachte sie einen kleinen Gegenstand heraus und beäugte ihn kritisch. Es war ein metallisch glänzendes, anthrazitfarbenes Klötzchen, etwa so gross wie eine Streichholzschachtel. Es erinnerte Ferry unangenehm an die Sprenggranaten des Corps, die ähnlich aussahen und in etwa die gleiche Grösse hatten. Sein Körper spannte sich an und seine Nackenhaare stellten sich auf. Er witterte Gefahr! Mit einem kurzen Seitenblick lokalisierte er seine Waffe, die immer noch dort am Boden lag, wo er sie hatte fallenlassen. Keine drei Meter von ihm entfernt.

"¡Cálmate!", zischte Laura. Beruhige dich!

Sie hatte seinen Blick gesehen und richtig interpretiert. Sie kannte ihren Mann. Er war ein ausgebildeter Kampfpilot und Soldat. Ein gut trainierter Killer. Seit seiner frühen Jugend gewesen. Eine vermeintliche Gefahrensituation löste in Ferry Black einen konditionierten Reflex aus. Wenn er angegriffen wurde, verhielt er sich nach einem antrainierten Schema: ausweichen, abwehren, erfassen, angreifen, töten. Er war mit seinen fünfundvierzig Jahren nicht mehr so schnell wie früher, aber er würde dem Schema folgen. Das konnte verheerend sein in der aktuellen Situation. Wenn man ihn nicht stoppte. Doch Laura konnte ihn stoppen, und das wusste sie.

"Cálmate!", wiederholte sie eindringlich. Ferry begann, sich zu entspannen. Er schloss die Augen und atmete tief durch. Er wusste, er wollte das nicht. Doch ein Reflex war ein Reflex. Er würde daran arbeiten müssen, seine Konditionierung zu brechen. Er würde Hilfe brauchen. Er machte sich eine geistige Notiz dazu.

Er spürte Lauras Finger auf seiner Stirn, nahe den Schläfen, gleich oberhalb der äusseren Enden seiner Augenbrauen. Laura strahlte positive Energie aus, die in ihn floss und ihn zusätzlich beruhigte. Ferry öffnete die Augen und schaute in die schwarz glänzenden Augen seiner Frau, die ihn eindringlich musterten. Sie wusste, dass sie ihn mit dieser Berührung herunterholen konnte, von was auch immer. Ferry war wieder ganz ruhig. Laura löste den Druck ihrer Finger auf sein Stirnbein und zog die Hand schliesslich ganz zurück.

"Geht es?", fragte sie besorgt. Ferry nickte langsam.

"Ja. Alles in Ordnung.", sagte er. "Danke."

Sein Blick wanderte zur Königin der Grauen. Sie hatte scheinbar dem Treiben der beiden aufmerksam zugeschaut. Wieder lag ihr Kopf leicht zur Seite geneigt. Sie schien verstehen zu wollen, was vor sich ging.

"Ah-nun-gálan.", sagte sie und hob das Kästchen hoch, so dass Ferry es anschauen konnte. Es klang wie Babysprache, und schien ausdrücken zu wollen, dass das kleine, metallische Teil ungefährlich war.

"Ein A-N-Wort! Ich glaube, das ist gut!", flüsterte Laura. Ferry nickte. Es war ihm auch aufgefallen. Er senkte seinen Blick auf das Objekt. Es war glatt und schien aus Metall gefertigt zu sein. Auf der Oberfläche des Objekts erkannte er zwei kleine Leuchtdioden, die gelb leuchteten. Ausserdem war da eine Art Knopf, eine kleine, runde Erhebung, in der Mitte des Kästchens. Immer noch misstrauisch, zwang er sich, zu nicken. Es war okay. Er gab Annunfala damit das Zeichen, dass sie mit dem Kästchen machen sollte, was sie vorhatte.

Die Königin drückte einen ihrer Finger auf den Knopf. Dann führte sie das Objekt an Ferrys Kopf heran. Langsam liess sie es vor seinem Gesicht und danach um seinen Kopf herum wandern. Als sie an seiner linken Schläfe angekommen war, piepte das Gerät. Ferry drehte den Kopf zu dem Kästchen und sah, dass eine der Dioden nun blau leuchtete. Annunfala nickte. Sie schien zufrieden. Wieder drückte sie den Knopf. Die zweite Leuchtdiode sprang auf Blau und das Gerät gab ein neuerliches Piepen von sich, diesmal etwas sonorer. Dann entfernte sie das Gerät von Ferrys Schläfe, um es sich selbst an den Kopf zu halten. Sie hielt es ebenfalls an ihre Schläfe. Wieder drückte sie den Knopf. Die beiden Leuchtdioden sprangen zurück auf Gelb, um gleich darauf wieder auf Blau zu wechseln. Es piepte lange. Fasziniert schaute Ferry dem Vorgang zu.

"Ah-nun-gálan.", wiederholte die graue Königin. In Ferrys Kopf hallte es. Ihm wurde ein wenig schwindelig, als ob er zu schnell aufgestanden wäre. Der Hall in seinem Kopf glich einem Echo, das zwischen zwei steilen Felswänden hin- und her geworfen wurde. Das "Ah-nun-gálan" wurde dutzendfach in seinem Kopf gespiegelt, verworfen, zerschellte, wurde wieder zusammengeführt, schwoll an zu einem Kanon mit hundert Stimmen. Ferry schüttelte den Kopf, um den fremden Klang loszuwerden. Doch urplötzlich war der rauschende Geräuschpegel verschwunden und Ferry hörte in seinem Kopf nur noch ein einziges Wort, klar und deutlich: "Dolmetscher".

Er blickte Annunfala in die grossen, schwarzen Augen, ungläubig. Sie schien zu lächeln. Dann wiederholte sie das Wort. In Ferrys Ohren kam "Ah-nun-gálan" an, er war sich dessen bewusst, doch sein Hirn registrierte simultan und messerscharf, dass die Königin "Dolmetscher" gesagt hatte. Es war, als ob eine Stimme direkt in seinem Kopf sprechen würde, während das akustische Signal, das von den Ohren kam, unterdrückt wurde.

Annunfala legte den Kopf leicht zur Seite.

"Ah-nanah?", fragte sie. Gut? Ferry hatte sie sofort verstanden. Seine Augen wurden gross und rund.

"Ja, es funktioniert! Das ist fantastisch!", antwortete er atemlos.

Annunfala nickte. Sie hatte "Ah-ta, nana-to! Ah-naga naga ho!" verstanden.Genau, was Ferry gesagt hatte.

Die Königin wandte sich Laura zu und wiederholte den Vorgang.

Kapitel 3 - Der Ältestenrat

Lisa Moana und Luís Guillermo lagen in ihrem Zweier-Kinderwagen ein paar Meter vom Tisch entfernt und schliefen.

Tony hatte mit einem verschwörerischen Grinsen eine zweite Flasche des hauseigenen Chardonnays gebracht, sich selbst auch ein Glas eingeschenkt, um sich darauf dezent zurückzuziehen. Essen würde es später geben. Monica hatte ihm signalisiert, dass die kleine Gruppe zuerst noch etwas Wichtiges zu besprechen habe.

An dem Tisch auf der Terrasse des Restaurants Te Whau sassen vier Master und ein Commander. Der Ältestenrat, angeführt von Master Monica, die wie immer ein luftiges, langes Sommerkleid trug, unter dem man ihre Uniform nur erahnen konnte, hatte sofort ein Treffen anberaumt, als er die Nachricht von Laura und Ferry erhalten hatte. Die weiteren Mitglieder des Rates, Master Wei und Master Paris, hatten sich nicht die Mühe gemacht, sich umzuziehen. Auf der kleinen Künstler- und Weinidylle-Insel vor Auckland scherte sich niemand darum, wie man herumlief. Ihre weissen Master-Uniformen, auf deren Epauletten je ein Stern prangte, leuchteten in der Sonne. Obwohl es Winter war in Neuseeland, strahlte die Sonne von einem tiefblauen Himmel.

Es war tatsächlich ungewöhnlich warm für diese Jahreszeit, und Commander Laura Hidalgo räkelte sich genüsslich in der Sonne. Sie liebte die Wärme. Es war ihr erstes Treffen mit dem Ältestenrat auf Waiheke, bisher kannte sie diese Treffen nur aus den Erzählungen ihres Mannes. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, ein schickes Sommerkleidchen anzuziehen, in leuchtendem Rot mit weissen Tupfen. Sie fand es nicht richtig, in P0 in Uniform herumzulaufen. Ausserdem war es ihr immer noch etwas peinlich, dass sie als Commander des Black Commands eine schwarze Uniform bekommen hatte. Sie sagte immer, dass sie darin wie Catwoman aussähe. Ferry vermutete jedoch insgeheim, dass sie nach der Geburt der Zwillinge noch nicht ganz auf ihrem Wunschgewicht zurück war und sich der etwas weiblicheren Rundungen schämte. Ihm gefiel das, er fand, dass sie zum Anbeissen aussah. Aber sie gefiel ihm auch in dem Sommerkleidchen.

Master Ferry Black, Leiter der P1 Armed Forces, nahm geniesserisch einen weiteren Schluck von dem kräftigen Weisswein. Daran konnte man sich gewöhnen, fand er. Auch er trug seine Uniform, im Gegensatz zu den anderen Mastern war seine jedoch schwarz. Er hatte immer eine schwarze Uniform gehabt, seit er als junger Pilot die Black Squad übernommen hatte. Eine Spielerei der Toilette, die alle Uniformen bereitstellte, und auf deren Entscheidungen man keinen Einfluss nehmen konnte. Toiletten funktionierten fast komplett autonom.

Auf Ferrys Schultern prangte seit Neuem der Master-Stern. Er war zu stolz gewesen, um diese Uniform heute nicht zu tragen. Am Tag nach der Begegnung mit Annunfala hatte ihm die Toilette die Master-Uniform zugestanden. Obwohl - es gab nebst der Farbe noch einen weiteren, kleinen Unterschied an seiner Uniform. Master Paris hatte ihn soeben darauf angesprochen.

"Sag mal, Ferry, was soll der Kringel da neben dem Stern?" Paris deutete auf Ferrys Epauletten. Neben dem Stern, der den Grad eines Meisters bekundete, prangte ein weiteres Symbol in Gold. Es war bogenförmig und ähnelte einer Rune, oder einem Zeichen, das mit Pinsel gemalt worden war.

Ferrys Ohren begannen zu leuchten. Es war ihm peinlich, dass er, als jüngster Master der Runde, etwas Zusätzliches auf den Schultern trug. Auch Laura hatte dieses Zeichen auf ihren Gradabzeichen, neben den vier breiten Goldstreifen.

"Also, wenn wir Fala richtig verstanden haben, dann ist das ein Zeichen in der Schrift der Grauen, die einen hohen Funktionsträger bezeichnet. So etwas wie einen Staatsmann oder einen Diplomaten oder so. Die Erklärung war ein wenig verwirrend, da ihr Staatssystem und ihr soziales System irgendwie anders aufgebaut sind. Wir glauben, dass ihr die richtigen Worte gefehlt haben, um es genau zu erklären. Und der Dolmetscher scheint nur Worte zu übersetzen, die in beiden Sprachen deckungsgleich sind. Es ist ein bisschen schwierig…", erklärte Ferry.

"Aber als sie uns das zweite Mal besuchte, hat sie das Zeichen sofort erkannt!", warf Laura ein. "Es schien sie auch nicht weiter zu stören, dass wir diese Zeichen trugen, sie fand es gut." Mit einem Augenzwinkern in Ferrys Richtung ergänzte sie: "Viele A-und-N-Worte!" Sie lachte ihr ansteckendes Lachen. Ferry stimmte in ihr Lachen ein.

Die Meister des Ältestenrates schauten sich jedoch fragend an und Laura beeilte sich, ihnen die Interna zu erklären.

"Uns ist aufgefallen, dass in der Sprache der Grauen die guten Dinge unüblich häufig mit A beginnen und viele Ns haben. Diese Worte werden hell und offen ausgesprochen. Schlechte Dinge werden eher gezischt oder geknurrt und enthalten überdurchschnittlich viele CHs und Konsonanten wie P, T, G und K, zum Beispiel. Also haben wir uns jedes Mal gefreut, wenn wir ein Wort nicht übersetzt bekamen, wenn es viele As und Ns hatte… Wir sind dann einfach davon ausgegangen, dass es etwas Gutes ist… " Die drei Master nickten gewichtig, zum Zeichen, dass sie verstanden hatten. Sie schienen sehr beindruckt.

"Und wie genau funktioniert dieser Dolmetscher?", hakte Master Wei in seinem chinesisch gefärbten Englisch nach. Ferry tippte an die linke Seite seines Kopfes.

"Annunfala hatte diese kleine Black Box, mit der sie unsere Köpfe abgesucht hat. Scheinbar hat das Gerät unsere Funkverbindungs-Implantate im Wernicke-Zentrum gefunden und dort eine Art Übersetzungs-Software installiert. Wenn Fala spricht, unterdrückt das Gerät das akustische Signal, das vom Ohr geliefert wird, und man hört die Übersetzung direkt im Kopf. Als ob man vom HQ angefunkt wird. Wahnsinn, nicht?" Ferry gestikulierte wild mit den Armen um seinen Kopf herum, um die Worte zu unterstreichen.

Jedes Mitglied des P1-Corps hatte dieses Implantat im Wernicke-Zentrum, dem sensorischen Sprachzentrum des Gehirns. Es ermöglichte den Funkkontakt vom Hauptquartier an den Träger, ohne weitere Hilfsmittel. So konnte zum Beispiel ein Pilot angefunkt werden, auch wenn er seinen Helm gerade nicht trug oder nicht in seinem IFO war.

"Und dein Störsender?", fragte Paris mit einer hochgezogenen Augenbraue. Es war ihm immer ein Dorn im Auge gewesen, dass Ferry eine Abschirmung aus Permalloy in Form eines Ohrrings gebaut hatte, die das schwache Signal dieser Funkkommunikation abfangen konnte. Ferry grinste.

"War nicht eingeschaltet.", gab er knapp zur Antwort. "Aber so oder so: die Technik der Grauen ist scheinbar der Unseren um einiges voraus…" Er zuckte mit den Schultern. Paris machte ein säuerliches Gesicht. Es schien ihm nicht zu schmecken, dass Ferry die Grauen als technisch überlegen bezeichnete. Obwohl das eigentlich schon lange klar gewesen war: allein die Grösse und Feuerkraft der grauen Zerstörer-IFOs zeigte diese Überlegenheit mehr als deutlich.

"Heisst die graue Königin nun Fala oder Annunfala? Und ist sie wirklich eine Königin?", fragte Monica dazwischen. Ferry und Laura hatten ihr Zusammentreffen mit der grauen Königin und ihrem Baby so detailliert wie möglich geschildert - bei der ersten Flasche Wein - doch verständlicherweise gab es von Seiten des Rates noch viele offene Fragen.

Nach einem kurzen Blickwechsel zwischen den Eheleuten setzte Laura zur Erklärung an. Was sprachliche Dinge betraf, war sie die Fachfrau.

"Beides ist richtig. Es ist so: ihr Rufname ist Fala. Annun ist eher so etwas wie ein Familienname. Nur, dass die Familie in diesem Fall sehr gross ist. Ihr ganzer Stamm, oder Clan oder ihre soziale Einheit, wenn man so will, trägt diesen Namen.", erklärte sie.

"Und bedeutet der Name etwas?", hakte Monica nach. Laura und Ferry nickten simultan.

"Annun heisst Mensch. Eigentlich sogar Gut-Mensch, dabei steht das An für gut und Nún für Mensch.", antwortete Laura. In perfekter Choreographie gingen die Augenbrauen der erstaunten Ratsmitglieder nach oben.

"Ja, das hat im ersten Moment für etwas Verwirrung gesorgt, auch bei uns.", fiel Ferry ein. "Als Fala uns erklärt hat, dass ihr Volk die "Annun" sind und wir die "Gach" - ein gezischtes Wort übrigens, mit einem heftigen "ch", also negativ konnotiert -, kam die Übersetzung vom Dolmetscher als "Menschen" und "Andere". Wir haben einen Moment gebraucht, um zu verstehen, dass sich die Grauen als Menschen bezeichnen. Als wir dann erklärt haben, dass wir Menschen seien und sie Graue, hat das wiederum zu grosser Verwirrung bei Fala geführt. Nach einigem Hin- und Her haben wir zusammen gelacht und uns geeinigt, dass wir beide Annun sind, aus jeweils unserer eigenen Perspektive."

"Sie lachen?", fragte Paris ungläubig. Er hatte sich den Erzfeind immer als grimmig, verbissen und düster vorgestellt. Es schien irgendwie absurd, sich den Gegner lachend vorzustellen.

"Ja, und es klingt ganz drollig.", entgegnete Laura. "Es ist so eine Art helles Gurgeln und Pfeifen, und dazu klappern sie mit ihrem Gebiss, oder ihren Zahnplatten, das trifft es eher." Sie versuchte, das Lachen der Grauen nachzuahmen, was urkomisch klang, worauf die ganze Runde in Gelächter ausbrach.

"Auch Fala hat eine Bedeutung, die sich uns erst nach einigem Nachfragen erschlossen hat.", fuhr Laura fort, als das Gelächter abgeklungen war. Sie zog damit neugierige Blicke des Rates auf sich. "Fala bedeutet Königin."

"Ha! Also ist sie wirklich eine Königin!", rief Monica. Laura hob die Hand zum Zeichen, dass sie noch nicht fertig war.

"Fala heisst auch Mutter. Und ebenso Leben. Die drei Bedeutungen sind in ihrer Kultur scheinbar gleichbedeutend. Die Mutter ist die Lebensbringerin und damit auch eine Art Königin. Wir vermuten, dass ihre Gesellschaft auf einem Matriarchat aufbaut, doch der Dolmetscher hat bei diesem Wort gestreikt. Wir müssen dieser Sache noch auf den Grund gehen…"

Die drei Räte nickten bedeutungsvoll. Sie waren beeindruckt, was Laura und Ferry bereits hatten herausfinden können. Schweigen trat ein.

Natürlich, es gab noch unendlich viele Fragen, die den Ältesten auf der Zunge brannten, aber es würde Zeit brauchen, alles herauszufinden und alle Fragen zu beantworten. Monica brach das Schweigen.

"Und was wollen sie?", fragte sie.

Ferry und Laura antworteten gleichzeitig: "Frieden."

Man konnte spüren, wie sich eine gewisse Anspannung, die sich aufgebaut hatte, verflüchtigte. Monica atmete hörbar aus.

"Seid ihr sicher? Es könnte ein Trick sein, eine Falle.", fragte sie und fixierte die beiden.

Wieder reagierten die beiden gleichzeitig: "Ganz sicher."

"Wie könnt ihr das wissen?", hakte Wei nach, sein ewiges Chinesenlächeln auf dem Gesicht. Ferry holte tief Luft und machte mit den Armen eine rudernde Bewegung.

"Es ist kompliziert. Wir haben nicht alles verstanden, was Fala uns erzählt hat. Doch es scheint, dass in ihrer Welt Krieg und Not herrscht. Die An-Nun scheinen von einem anderen Volk bedrängt zu werden, sie nennen sie die Pch-Nun, die bösen Menschen."

"Siedeln sie deshalb in P1?", fragte Paris und kniff dabei die Augen zusammen.

"Genau. Es scheint nicht gut zu stehen um ihre Welt. Fala sagt, dass sie weg müssen von dort, weil sie sonst sterben. Entweder durch die Pch-Nun, oder vor Hunger."

Wieder trat betretenes Schweigen ein. Nach einem kurzen Moment fuhr Ferry fort.

"Die An-Nun sind die Hüter der Welten. Nur sie besitzen die Fähigkeit, aus ihrer Welt - wir haben sie unter uns P2 genannt - nach P1 zu reisen. Es scheint aber nicht ein Kopf-Ding wie bei uns zu sein, sondern ein technischer Vorteil gegenüber den Pch-Nun. Die An-Nun besitzen eine Technologie, die es jedermann ermöglicht, nach P1 zu transferieren! Die Pch-Nun wollen diese Technologie an sich bringen. Sie scheinen dabei sehr aggressiv vorzugehen. Um den Attacken des Feindes zu entgehen, haben die An-Nun begonnen, nach P1 auszusiedeln. Es erklärt auch, zumindest bedingt, warum sie uns so hartnäckig angegriffen haben. Sie waren verzweifelt, sie mussten sich einen neuen Siedlungsraum schaffen, respektive erobern." Er pausierte, damit sich das Gesagte setzen konnte.

"Aber die Grauen sind schon seit Jahrzenten in P1!", warf Paris kritisch dazwischen.

"Stimmt. Der Krieg in ihrer Welt scheint schon seit mehreren hundert Jahren anzudauern. Lange schienen die An-Nun dabei die Oberhand zu behalten. Doch irgend etwas muss sich verändert haben, im Laufe der Zeit. Was, wissen wir auch nicht. Auf jeden Fall scheinen ihnen langsam die Ressourcen auszugehen. Das hat sie dazu bewogen, sich nach Alternativen umzusehen. Die früheren Kontakte, die wir mit Grauen in P1 hatten, waren eigentlich reine Aufklärungsflüge ihrerseits. Sie haben die Lage gepeilt, weil sie wissen wollten, was sie dort erwartet. Dazu gehörte wohl auch, dass sie uns angegriffen haben, um herauszufinden, ob wir ein ernstzunehmender Gegner sind. Vielleicht haben sie auch gehofft, dass wir uns aus P1 zurückziehen, wenn sie uns immer wieder angreifen, was aber nicht eingetreten ist. Mit der Zeit ist wohl die Lage in ihrer Heimat immer brenzliger geworden und schliesslich haben sie begonnen, umzusiedeln, unabhängig davon, ob wir nun auch in P1 waren oder nicht." Wieder pausierte Ferry kurz, um dann mit einem schweren Seufzer weiterzufahren.

"Ich denke, dass wir sie bei Mollis enorm geschwächt haben. Wir haben damals einen Grossteil ihrer Armada vernichtet. Damit hatten sie auch in ihrer Heimat kaum noch eine Chance, gegen ihren Feind zu bestehen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Es sind nur noch wenige An-Nun in P2 und sie gehen jedem Gefecht aus dem Weg, weil sie zu schwach sind. Sie sind ständig auf der Flucht."

"Warum kommen sie dann nicht alle nach P1?", bohrte Wei nach. Ferry schüttelte den Kopf.

"Sie sind die Hüter der Welten. Sie müssen das Tor bewachen. So hat Fala es ausgedrückt. Sie könnten alle nach P1 kommen, aber dann würden sie die Technologie - das "Tor" - dem Feind überlassen. Es würde nicht lange dauern, und die Pch-Nun würden in P1 einfallen."

"Und so wie es klingt, müssten wir uns dann mit einem weitaus schlimmeren Gegner auseinandersetzen.", warf Laura mit finsterer Miene dazwischen.

Monica, Wei und Paris machten betroffene Gesichter. Sie hatten in den letzten Jahrzehnten genug Ärger mit den Grauen gehabt. Das Corps hatte über die Jahre grosse Verluste hinnehmen müssen. Eine Spezies, die noch stärker und blutrünstiger war als die Grauen, die sie kannten, wollte sich niemand zum Feind machen.

"Können sie dieses Tor denn nicht schliessen?", fragte Monica und ein Ansatz von Verzweiflung war in ihrer Stimme zu hören. Wei und Paris nickten zustimmend, das hatten sie auch gerade fragen wollen. Laura und Ferry schüttelten die Köpfe.

"Scheinbar nicht.", antwortete Ferry. "Es scheint ähnlich zu funktionieren wie eine Toilette: fliegst du mit der Toilette nach P1, geht die Tür in P0 automatisch wieder auf, sobald du gelandet bist…" Das stimmte, und das war dem Rat auch klar. Man konnte die Toilettentür in P0 nicht beeinflussen, wenn man sich selbst in P1 aufhielt. Das war ein ganz schönes Dilemma.

"Und nun? Wie soll es weitergehen? Was will Annunfala?", fragte Monica langsam.

Ferry räusperte sich und wechselte einen vielsagenden Blick mit seiner Frau. Laura nickte.

"Sie hat um Frieden gebeten. Sie möchten so viele An-Nun wie möglich nach P1 evakuieren und dort ansiedeln. Im Gegenzug hat sie uns versprochen, dass sie uns nicht mehr angreifen. Mittlerweile sind sie so dezimiert, dass sie alle auf Atlantis Platz fänden. Fala sagt, dass ihnen Atlantis genügen würde, und sie alle anderen Siedlungen zu unseren Gunsten aufgeben wollen."

"Und was meint ihr zu diesem Plan?", kam die Frage von Monica. Ferry überlegte einen Moment. Wieder tauschte er einen Blick mit Laura, die wiederum nickte.

"Ich - wir - sind der Meinung, dass ihnen Atlantis zusteht. Allein hätten wir die Insel gar nie gefunden. Wir haben weder Anspruch darauf, noch Bedarf. P1 ist mehr als gross genug für unsere beiden Spezies." Erwartungsvoll schaute er in die Runde.

Nacheinander stimmten die Räte seiner Ausführung zu.

"Das ist in Ordnung für uns. Wenn wir dafür Frieden bekommen, ist Atlantis, das niemand ausser euch beiden kennt, ein geringer Preis.", sagte Monica bedächtig. "Doch was ist mit dem Tor? Wie wollen sie dieses Problem lösen?"

Ferry hielt den Kopf gesenkt, doch er spürte die fragenden Blicke des Rates, die auf ihm ruhten. Laura stupste ihn an. Ferry blickte auf und atmete zweimal tief in sein Qì.

"Annunfala will das Tor zerstören. Sie sagt, es gibt keinen anderen Weg, um ihr Volk zu schützen.", sagte er.

"Das klingt doch gut! Wo ist das Problem dabei?", horchte Paris auf. Wieder atmete Ferry tief durch.

"Das Tor muss in P2 zerstört werden. Es geht nicht von P1 aus."

"Na und? Dann braucht es halt einen Freiwilligen, der sich opfert! Um ein ganzes Volk zu retten, ist das doch wohl nicht zu viel verlangt?", gab Paris zurück.

"Annunfala sagt, dass es das Wissen und die Kraft einer Königin braucht, um das Tor zu zerstören."

"Dann braucht es eine freiwillige Königin!", warf Wei ein.

"Annunfala ist die letzte Königin der Grauen.", gab Ferry zurück. Er hatte den Kopf wieder gesenkt.

"Und sie will es trotzdem tun? Und zurückbleiben?", fragte Monica behutsam. Ferry nickte langsam und hob dann den Kopf.

"Wenn die letzte Königin stirbt, dann können sich die An-Nun nicht mehr fortpflanzen. Sie werden in Atlantis in Ruhe ihr Leben zu Ende leben können, aber sie werden aussterben…" Eine Träne rollte über seine Wange. Der Gedanke schien ihm schwer zu schaffen zu machen. Ausser dem leisen Rauschen des Meeres unter ihnen in der Bucht war nichts zu hören. Die Tragweite dieser Entscheidung lastete schwer auf ihnen allen.

"Jahrzehntelang haben wir um P1 gekämpft. Wir wollten es immer für uns haben. Nun können wir es haben, es ist nur eine Frage der Zeit. Aber wir löschen damit eine gesamte Spezies aus... Ein Genozid, um P1 für uns zu haben! Dieser Preis ist zu hoch für mich!", sagte Ferry. "Sie sind gute Wesen. Sie sind eine wertvolle und interessante Spezies und sie sind hochentwickelt. Seit ich sie kennengelernt habe, sehe ich Vieles mit anderen Augen. Ich mag die Grauen. Ich will nicht untätig zuschauen, wie sie aussterben.", fügte er betreten hinzu.

"Und was willst du dagegen tun?" Betroffen schauten ihn die Räte an.

"Ich will nach P2 gehen, um mir die Sache vor Ort anzuschauen. Es muss einen anderen Weg geben! Mittlerweile bin ich recht gut darin, Wege zu finden…" Ferry hatte sehr leise gesprochen. Laura gab ihm einen harten Knuff auf den Oberarm. Er schaute zu ihr hoch.

"Oh! Entschuldigung. WIR wollen nach P2 gehen, um das zu regeln." Laura nickte energisch.

"Aber ihr habt Kinder! Ihr müsst an eure Familie denken! Auf keinen Fall lassen wir euch nach P2 gehen, abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das überhaupt möglich ist!", rief Monica entrüstet. "Nein, wir verbieten es!" Auch die beiden anderen Ältesten protestierten energisch.

Ferry war aufgestanden, hatte sich an die Brüstung der Terrasse gestellt und sich eine Zigarette angezündet. Er inhalierte tief und liess die Halswirbel knacken. Laura war aufgestanden, um sich um die Kinder zu kümmern, die aufgewacht waren. Als er zu Ende geraucht hatte, drehte sich Ferry zum Ältestenrat um.

"Wir werden nach P2 gehen, mit oder ohne eure Erlaubnis. Wir werden einen Weg hinein und auch wieder einen hinaus finden. Wir werden alle Annun evakuieren und das Tor schliessen, wie auch immer. Jedenfalls werden wir es versuchen. Das sind wir ihnen schuldig.", sagte er mit fester Stimme. Weiterer Protest erhob sich. "Ihr wisst, dass es niemanden ausser uns gibt, der es machen kann. Niemand sonst hat diesen Draht zu den Grauen, niemand sonst kennt sie so gut wie wir. Wir gehen auf eigene Verantwortung. Alles, was wir verlangen, ist dass unsere Kinder versorgt werden. Falls wir nicht zurückkommen…"

Kapitel 4 - Aufbruch

"Hast du alles?", fragte Laura zum gefühlten siebzehnten Mal. Petra rollte mit den Augen. Ferry auch, jedoch hinter Lauras Rücken, weil sie ihn sonst gleich wieder geknufft hätte. Sie mochte es nicht, wenn er mit den Augen rollte.

"Jaaaa…", bestätigte die kleine Rothaarige in besänftigendem Ton. "Alles da: Windeln, Milchpulver, Nuckelflaschen, Schmusedecken, Salbe, Puder, und zehn Tonnen anderes Material!" Sie hielt die Riesentasche hoch, die Laura gepackt hatte. "Ach ja, und zwei süsse Kinder!", fügte sie hinzu und nickte mit dem Kopf in Richtung des Doppel-Kinderwagens. "Alles gut, Laura, alles im Griff."

Laura seufzte, schaute noch einmal alles durch und gab sich schliesslich zufrieden.

Sie standen im Flur der Black'schen Wohnung an der Bertastrasse. Petra, Lauras Assistentin aus der Zentrale, hatte sich noch so gerne bereit erklärt, auf die Kinder aufzupassen. Sie war total vernarrt in die Zwillinge und diese mochten Petra ebenso. Tagsüber würden die Kinder bei Mario im Kinderhort sein und den Rest der Zeit würde Petra auf sie aufpassen.

Es hatte eine kurze Diskussion zwischen Ferry und Laura darüber gegeben, ob sie die Kinder mitnehmen wollten. Laura wollte die Kinder am liebsten um sich haben, und sie fand, dass sie möglichst viel Kontakt zu Annungach, dem grauen Baby der Königin haben sollten. Ferry fand, dass sie später noch lange genug mit Annungach würden spielen können. Für ihn war klar, dass diese Mission viel zu gefährlich war, um die Kinder mitzunehmen. Sie selbst wussten ja nicht einmal, was sie erwartete. Er hatte Laura vor die Wahl gestellt, mit den Kindern zu Hause zu bleiben, oder ohne die Kinder mitzukommen. Für Laura war jedoch klar, dass sie ihren Mann auf keinen Fall würde allein in eine fremde Parallelwelt reisen lassen. Also hatten sie schweren Herzens beschlossen, die Kinder in Petras Obhut in P0 zurückzulassen. Da sie nicht abschätzen konnten, wie lange sie fort sein würden, hatte Laura eine Milchpumpe eingepackt. Wenn sie zu lange nicht stillte, würde die Muttermilch sonst versiegen. Mit der Pumpe konnte sie die Produktion aufrecht erhalten, auch wenn sie sich dabei ein wenig seltsam fühlte.

Sie verabschiedeten sich ausgiebig von den Zwillingen. Sie waren sich bewusst, dass es vielleicht das letzte Mal sein würde.

Petra packte die Sachen und schob den Kinderwagen aus der Wohnung.

"Mami und Papi sind bald zurück!", winkte Laura ihren Kindern hinterher. Ferry sah, dass sie sich heimlich eine Träne aus dem Augenwinkel wischte. Auch er hatte ein mulmiges Gefühl bei der Sache, doch er spürte, dass es keinen anderen Weg gab. Was getan werden musste, musste getan werden.

Ferry umarmte seine Frau und vergrub seine Nase in ihren Haaren. Er sog ihren Duft ein. Seife und Puder, frisch wie immer.

"Bereit?", fragte er. Sie schaute zu ihm hoch.

"Ja, bereit. Lass uns gehen.", antwortete sie.

Sie traten in ihre geräumige Badezimmer-Toilette ein und Ferry schloss die Tür hinter sich. Sie stellten sich nebeneinander vor die gekachelte Wand hinter der Türe und drückten die Kacheln, hinter denen sich ihre Spinde verbargen. Schweigend holten sie ihre Uniformen heraus und zogen sich um.

Anschliessend fuhr Ferry die Systeme hoch und wandte sich dann der Toilette und dem Bidet zu, ihren beiden Rocket Stools, um sie vorzubereiten. Laura gab in der Zwischenzeit die Koordinaten für ihren Flug nach P1 ein.

Sie fuhren erschrocken herum, als es plötzlich an der Badezimmertür klopfte.

"Petra? Hast du etwas vergessen?", rief Laura und beeilte sich, die Türe zu öffnen. Sie prallte zurück, als ob sie gegen einen Baum gelaufen wäre.

"Was…?", stammelte sie und starrte entgeistert in den Flur.

Ferry war schnell neben sie getreten, um zu schauen, was im Flur vor sich ging. Sein Mund klappte auf, ohne dass ein Ton herauskam.

"Hallo! Dürfen wir reinkommen?", rief Dan Parker, der Australier, in breitestem Aussie-Englisch. Die Frage war vermutlich rhetorisch gewesen, denn er war bereits in die Toilette getreten und hatte die verdutzte Laura einfach zur Seite geschoben.

Hinter ihm folgten Jane McCarthy, Carla Suarez, Youssef El Kaouini und zuletzt Judy Grant.

"Schön habt ihr es hier!", meinte Jane fröhlich und sah sich um, als ob sie bei einer Hausbesichtigung wäre.

"Hola!", rief Carla, die aus Panama stammte, und fiel Laura um den Hals. Die Latinos und Latinas des Corps hatten schon immer ein besonderes Verhältnis zueinander gehabt. Egal, woher sie stammten, Latinos sahen sich immer als eine einzige, grosse Familie an.

Youssef, der Marokkaner, hielt sich wie immer dezent im Hintergrund. Er tat zwar so, als ob er die alten Armaturen des Bades interessant fände, doch Ferry wusste aus Erfahrung, dass sein eigenes Bad um einiges schöner und eleganter war.

"Hallo.", grüsste Judy knapp. Sie war kein Mensch der vielen Worte. Die Afro-Amerikanerin schien ein wenig zu erröten, als Ferry ihr die Hand zum Gruss reichte. Dann umarmte sie Laura. Die beiden waren gute Freundinnen.

"Was macht ihr hier?", fragte Ferry in autoritärem Ton, als sich die erste Begrüssungswelle gelegt hatte.

"Wir sind der Begleitschutz.", meldete sich ein Bass aus dem Türrahmen. Dort stand Master Paris mit finsterer Miene. Er sah nicht aus, als ob er eine Diskussion über ihr Auftauchen dulden würde.

"Paris!", riefen Laura und Ferry gleichzeitig.

Der grossgewachsene Schwarze trat ein, schloss die Tür hinter sich und verriegelte sie.

"Flieg los. Keine Diskussion. Wir sind alle erwachsen und wissen, was wir tun.", brummte er.

Ferry schüttelte nur stumm den Kopf in schierer Ungläubigkeit.

"Aber…", begann er, doch Paris unterbrach ihn mit einer Handbewegung.

"Ihr seid nicht die einzigen Sturköpfe des Corps, nur um das mal klarzustellen. Ausserdem muss man manchmal die Zeichen der Zeit lesen…" Paris machte ein wichtiges Gesicht und deutete mit dem Zeigefinger auf seine Schulter.

Jetzt erst fiel Ferry auf, dass alle ihre Uniformen trugen. Er fragte sich, ob sie so durch die Stadt gefahren waren. Das musste ein ulkiges Bild im Tram gewesen sein.

Er musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um auf Master Paris' Schulter schauen zu können. Laura hatte sich zu Carla umgedreht, die etwas kleiner als sie selbst war und stiess einen kurzen Schrei des Erstaunens aus.

Auf Paris' Schulterpatte erkannte Ferry dasselbe runenartige Zeichen, welches er und Laura selbst trugen: den goldigen Bogen, das Zeichen der Grauen.

"Die Toilette hat uns ausgesucht.", meinte Paris knapp. "Heute morgen haben wir alle unsere Uniformen so in unseren Schränken gefunden. Die Leute haben mich kontaktiert, und wir sind uns schnell einig geworden, dass wir diesem Aufruf Folge leisten." Er schaute Ferry mit hochgezogenen Brauen an. Er wusste, dass Ferry an die Entscheidungen der Toilette glaubte und sie akzeptierte. Dieser konnte nur wieder ungläubig den Kopf schütteln. Er drehte sich im Kreis und vergewisserte sich, dass wirklich alle das Zeichen trugen.

"Wir sind alle freiwillig hier.", sagte Jane eindringlich, mit ihrem starken schottischen Akzent. "Niemand hat uns gezwungen, diesem Zeichen zu folgen. Paris hat uns ausdrücklich die Wahl gelassen!"

"Also ich bin froh, dabei sein zu dürfen!", rief Dan. "Endlich wieder etwas zu tun! In dem Verein stirbt man ja vor Langeweile!" Er brach in lautes Gelächter aus. Ferry war sich sicher, dass er es so meinte, wie er es sagte. Dan kannte keine Furcht. Obwohl diese vielleicht ratsam gewesen wäre, in dieser Situation.

"Ich glaube, ich schulde euch noch was. Es ist mir eine Ehre, dabei sein zu dürfen.", meldete sich Youssi. Er spielte wohl darauf an, dass er Laura und Ferry beinahe abgeschossen hätte bei ihrer Rückkehr aus Atlantis. Ferry drehte sich zu dem drahtigen, zähen Araber um und drückte seine Hand. Youssef war ein erfahrener Pilot und Ferry war froh, ihn dabeizuhaben.