Die Berufseinstiegsbegleitung - Bernd Willers - E-Book

Die Berufseinstiegsbegleitung E-Book

Bernd Willers

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Beschreibung

Masterarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Pädagogik - Berufsbildung, Weiterbildung, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Sicherstellung gesellschaftlicher Partizipation stellt das zentrale Anliegen unseres Bildungssystems dar. Der friktionsarme Übergang in eine dauerhafte Erwerbstätigkeit, strahlt hierbei auf die langfristigen Entwicklungspotenziale des Einzelnen in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft aus. Trotz positiver Entwicklungen am deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und vielfältiger Bemühungen der beteiligten Akteure, bleibt für einen großen Teil der Jugendlichen in Deutschland die berufliche Integration stark gefährdet. Speziell für Schulabgänger der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen zeichnen sich mannigfaltige Problemlagen ab, die der Aufnahme stabiler Erwerbsbiografien entgegenstehen. Mit dem Gesetzesentwurf‚zur Verbesserung der Ausbildungschancen förderungsbedürftiger junger Menschen’ wurde im Januar 2008 eine politische Antwort auf die gewachsenen Herausforderungen im Übergangsprozess Schule – Arbeitsleben formuliert und der Grundstein für die Erprobung der Berufseinstiegsbegleitung gelegt. Nach dem Vorbild ehrenamtlicher Patenschaftsmodelle konzentriert sich das neu geschaffene Unterstützungsangebot auf die langfristige und individuelle Begleitung übergangsgefährdeter Jugendlicher.[...]Hierzu muss zunächst untersucht werden, welche inhaltlichen und organisatorischen Vorgaben die Arbeit der Berufseinstiegsbegleitung kennzeichnen, um in einem zweiten Schritt den Unterstützungsbedarf der Zielgruppe im beruflichen Integrationsprozess zu objektivieren. Die kritische Auseinandersetzung soll hierbei die Potenziale und Grenzen der Berufseinstiegsbegleitung beleuchten und etwaige Einflussfaktoren der Umsetzungsqualität offenlegen.[...]Die Komplexität des Untersuchungsgegenstands leitet sich aus der Berücksichtigung der vielfältigen Einflussfaktoren ab. Zur Steigerung der Übersichtlichkeit, erfolgt eine detailliertere Beschreibung der recherchierten Quellen deshalb in den Teilbereichen ihrer konkreten Nutzung. Die Motivation zur Bearbeitung dieses nur schwer überschaubaren Themenkomplexes entspringt in erster Linie dem Wissen um die individuellen und gesellschaftlichen Kosten einer misslingenden Eingliederung in unsere arbeitsteilige Gesellschaft. Darüber hinaus erscheint die Effektivität von Unterstützungsmaßnahmen vor dem Hintergrund eigener themenspezifischer Erkenntnisse, maßgeblich durch die konzeptionellen Grundlagen determiniert zu sein.

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Veröffentlichungsjahr: 2011

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Berufseinstiegsbegleitung
2.1 Der Mentoringansatz
2.2 Die Maßnahmenkonzeption der Bundesagentur für Arbeit
2.3 Einblick in die Praxis der Berufseinstiegsbegleitung
2.2.1 Erster Zwischenbericht zur Berufseinstiegsbegleitung
2.2.2 Berufseinstiegsbegleitung an Förderschulen
3 Integrationspotenziale des deutschen Ausbildungsmarktes
3.1 Der Ausbildungsmarkt als Bezugsrahmen
3.1.1 Die Angebotsseite des Ausbildungsmarktes
3.1.2 Die Nachfrageseite des Ausbildungsmarktes
3.2 Die drei Sektoren des Berufsbildungssystems
4 Unterstützungsleistungen im beruflichen Eingliederungsprozess
4.2 Konzeptionelle Grundlagen der Benachteiligtenförderung
4.2.1 Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife
4.2.2 Die Angebotsstruktur der BA
4.3 Übergangsverläufe in der Gesamtsicht
5 Entwicklungspotenziale im Übergangsprozess
5.1 Der ökosystemische Ansatz nach BRONFENBRENNER
5.2 Evidenzbasierte Ansatzpunkte effektiver Unterstützungsarbeit
5.2.1 Strukturen der Kooperation
5.2.2 Der sich entwickelnde junge Mensch
5.2.3 Die Familie
5.2.4 Schule und Lehrpersonen
5.2.5 Beratungs- und Interventionsangebote
6 Eine Passungsgradbestimmung
6.1 Teilziele der Berufseinstiegsbegleitung
6.2 Netzwerkarbeit der Berufseinstiegsbegleitung
6.3 Organisatorische Rahmensetzung
7 Fazit
8 Ausblick

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Abkürzungsverzeichnis

BA Bundesagentur für Arbeit BBiG Berufsbildungsgesetz BerEb Berufseinstiegsbegleitung BiBB Bundesinstitut für Berufsbildung BMAS Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung BvB Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit DJI Deutsches Jugendinstitut HEGA Handlungsempfehlungen und Geschäftsanweisungen der BA IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung KMK Kultusministerkonferenz OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation and Development SWA Schule- Wirtschaft/ Arbeitsleben VOL/A Vergabeordnung für Dienstleistungen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Merkmale mangelnder Ausbildungsreife ...................................... 25 Abbildung 2: Verteilung der Neuzugänge auf die drei Sektoren des beruflichen Ausbildungssystems............................ 28 Abbildung 3: Angebotsstruktur der Bundesagentur für Arbeit............................ 42 Abbildung 4: Der ökosystemische Ansatz nach BRONFENBRENNER.................. 46 Abbildung 5: Handlungsfelder der Unterstützungsarbeit.................................... 51

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1 Einleitung

Die Sicherstellung gesellschaftlicher Partizipation stellt das zentrale Anliegen unseres Bildungssystems dar. Der friktionsarme Übergang in eine dauerhafte Erwerbstätigkeit, strahlt hierbei auf die langfristigen Entwicklungspotenziale des Einzelnen in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft aus. Trotz positiver Entwicklungen am deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und vielfältiger Bemühungen der beteiligten Akteure, bleibt für einen großen Teil der Jugendlichen in Deutschland die berufliche Integration stark gefährdet. Speziell für Schulabgänger der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen zeichnen sich mannigfaltige Problemlagen ab, die der Aufnahme stabiler Erwerbsbiografien entgegenstehen.

Mit dem Gesetzesentwurf ‚zur Verbesserung der Ausbildungschancen förderungsbedürftiger junger Menschen’ wurde im Januar 2008 eine politische Ant-wort auf die gewachsenen Herausforderungen im Übergangsprozess Schule -Arbeitsleben formuliert und der Grundstein für die Erprobung der Berufseinstiegsbegleitung gelegt. Nach dem Vorbild ehrenamtlicher Patenschaftsmodelle konzentriert sich das neu geschaffene Unterstützungsangebot auf die langfristige und individuelle Begleitung übergangsgefährdeter Jugendlicher. Die inhaltliche und organisatorische Rahmung der Berufseinstiegbegleitung, die in erster Linie durch die Bundesagentur für Arbeit [BA] gesetzt wurde, ist Gegen-stand der vorliegenden Arbeit. In Form eines narrativen Reviews gilt es, die Berufseinstiegsbegleitung als neue Unterstützungsmaßnahme im beruflichen Integrationsprozess darzustellen und die konzeptionelle Passung vor dem Hinter-grund des spezifischen Unterstützungsbedarfs junger Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Schwerpunkt Lernen einzuschätzen. Hierzu muss zunächst untersucht werden, welche inhaltlichen und organisatorischen Vorgaben die Arbeit der Berufseinstiegsbegleitung kennzeichnen, um in einem zweiten Schritt den Unterstützungsbedarf der Zielgruppe im beruflichen Integrationsprozess zu objektivieren. Die kritische Auseinandersetzung soll hierbei die Potenziale und Grenzen der Berufseinstiegsbegleitung beleuchten und etwaige Einflussfaktoren der Umsetzungsqualität offenlegen.

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Diese Gegenüberstellung erzwingt vier aufeinander bezogene Arbeitsschritte, die in der Erläuterung der inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung der Berufseinstiegsbegleitung ihren Startpunkt finden. Neben den Geschäftsanweisungen und Vergabeunterlagen der Bundesagentur für Arbeit, erfolgt hierbei eine ergänzende Betrachtung der Umsetzungsqualität über den ersten Zwischenbericht der Maßnahmenevaluation und recherchierter Stellungnahmen praktisch tätiger Berufseinstiegsbegleiter. In einem zweiten Schritt, steht die Klärung der gegenwärtigen Rahmenbedingungen des Ausbildungssystems im Zentrum des Interesses, um die Wirkungsspielräume und Zielsetzungen der Maßnahme beurteilen zu können. Einerseits durch die Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage beeinflusst, wirken andererseits auch strukturelle Besonderheiten des Berufsbildungssystems, speziell des so genannten Übergangssystems, auf die beruflichen Integrationsprozesse der Gruppe Jugendlicher mit Förderbedarf im Lernen ein. An die so gewonnenen Erkenntnisse anknüpfend gilt es, das gewachsene Unterstützungssystem in den Blick zu nehmen, da dessen Akteure und Angebote potenzielle Kooperationslinien zur Berufseinstiegsbegleitung bilden. Die Berücksichtigung entwicklungsförderlicher Aspekte des Übergangsprozesses Schule - Arbeitsleben ist Gegenstand des vierten Teilabschnitts. Über den ökosystemischen Ansatz Urie Bronfenbrenners wird die Operationalisierung subjekt- und umweltbezogener Einflussfaktoren angestrebt, um die potenzielle Wirkungsweise der Maßnahmenkonzeption einschätzen zu können. Die abschließende Passungsgradbestimmung stellt den ermittelten Unterstützungsbedarf, welcher sich sowohl auf behinderungs- als auch rahmenspezifische Handlungsansätze bezieht, der Maßnahmenkonzeption gegenüber und ermöglicht damit eine Einschätzung der Potenziale und Grenzen der Berufseinstiegsbegleitung.

Die Komplexität des Untersuchungsgegenstands leitet sich aus der Berücksichtigung der vielfältigen Einflussfaktoren ab. Zur Steigerung der Übersichtlichkeit, erfolgt eine detailliertere Beschreibung der recherchierten Quellen deshalb in den Teilbereichen ihrer konkreten Nutzung.

Die Motivation zur Bearbeitung dieses nur schwer überschaubaren Themenkomplexes entspringt in erster Linie dem Wissen um die individuellen und gesellschaftlichen Kosten einer misslingenden Eingliederung in unsere arbeitsteili-

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ge Gesellschaft. Darüber hinaus erscheint die Effektivität von Unterstützungsmaßnahmen vor dem Hintergrund eigener themenspezifischer Erkenntnisse, maßgeblich durch die konzeptionellen Grundlagen determiniert zu sein. Auch wenn der Kernansatz eines individuellen und langfristigen Begleitangebots mit Blick auf die überaus komplexen Eingliederungsprozesse Jugendlicher mit Förderbedarf in Bereichen des Lernens augenscheinlich als sinnvolle Ergänzung des Unterstützungssystems zu bewerten ist, leiten sich die Potenziale maßgeblich aus der Berücksichtigung der subjekt- und umweltbezogenen Rahmenbedingungen ab. Ein tieferes Verständnis über die Wirkungsweisen der Maßnahme und die spezifischen Einflussfaktoren ihrer Umsetzung liefern letztlich Implikationen für die aktive Unterstützung der herausfordernden Arbeit der Berufseinstiegsbegleiter.

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2 Die Berufseinstiegsbegleitung

Mit dem Ziel, eine nachhaltige „Verbesserung der Ausbildungschancen förderungsbedürftiger junger Menschen“ (DEUTSCHER BUNDESTAG 2008, 1) zu erreichen, wurde im Januar 2008 mit der Änderung des SGB III der Grundstein für die Erprobung der Berufseinstiegsbegleitung gelegt.

Als gesetzliche Umsetzung zentraler Qualifizierungsansätze der Bundesinitiative „Jugend - Ausbildung und Arbeit“ erfolgte im September 2009 die vorübergehende Implementierung an 1000 ausgesuchten Schulen, um durch eine mittelfristige Maßnahmenevaluation über die Aufnahme ins Regelangebot entscheiden zu können.

Zielgruppe des komplexen und weitreichenden Unterstützungsangebots der Berufseinstiegsbegleitung [kurz BerEb] sind junge Menschen, „die voraussichtlich Schwierigkeiten haben, den Abschluss der allgemeinbildenden Schule zu erreichen und den Übergang in eine berufliche Ausbildung zu bewältigen“ (ebd., 8). Die individuelle Begleitung der Jugendlichen fokussiert hierbei vier Handlungsfelder, die den beruflichen Integrationsprozess befördern sollen und gleichzeitig den langfristigen Charakter der Maßnahme unterstreichen.

Kerngedanke der BerEb ist die langfristige und individuelle Begleitung junger Menschen im Übergangsprozess Schule - Arbeitsleben, die sich entgegen klassischer Unterstützungsmaßnahmen nicht nur über einzelne Abschnitte, sondern den gesamten Eingliederungsprozess erstreckt.

In der bis zu vier Jahre andauernden, freiwilligen Maßnahme ergeben sich in Abhängigkeit zum einzelfallbezogenen Eingliederungsprozess unterschiedliche Handlungsansätze für die Berufseinstiegsbegleiter.

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Die inhaltliche Ausgestaltung des Unterstützungsangebots leitet sich dabei aus der konzeptionellen Auslegung der allgemeingefassten Gesetzesgrundlage ab. Es oblag der Bundesagentur für Arbeit „durch Anordnung das Nähere über Voraussetzungen, Art, Umfang und Verfahren der Förderung zu bestimmen“ (ebd.). Neben der Übersetzung der allgemeingefassten Zielformulierung in einen praxistauglichen Maßnahmenentwurf, galt es, die vorgabenkonforme Einführung und Betreuung der BerEb sicherzustellen.

Der Gesetzgeber sah hierbei die Berücksichtigung und Unterstützung ehrenamtlicher Ausbildungspatenschaftsprojekte vor, die auch als konzeptionelles Vorbild der BerEb dienten (DEUTSCHER BUNDESTAG 2008, 11). Das hier angesprochene ‚Mentoring’ bildet daher den Ausgangspunkt einer detaillierten Auseinandersetzung mit der Maßnahmengestaltung der BerEb.

2.1 Der Mentoringansatz

Der Ansatz individueller Begleitungs- und Beratungsleistungen in herausfordernden Lebenssituationen kann auf eine lange Tradition zurückblicken, die ihre ersten Zeugnisse in der griechischen Mythologie findet. So sorgt sich Odysseus in Homers Odyssee um die Erziehung seines Sohnes und bittet den Gelehrten Mentor, diesen durch seine Erfahrungen und Kontakte zu unterstützen (EHLERS/ KRUSE 2007, 20).

Die begriffliche Eingrenzung dieses Mentoringansatzes wird durch die vielgestaltigen Schwerpunktsetzungen und variierenden Organisationsformen nachhaltig erschwert. Einen begrifflichen Eingrenzungsversuch liefert POPOFF:Eine (berufs-)erfahrene und meist ältere Person (Mentor) bietet einer jüngeren Person (Mentee) hierarchieübergreifend Unterstützung, Beratung, Zugang zu Netzwerken und informellen Informationen und begleitet sie so für einen Zeitraum in ihrem (beruflichen) Werdegang (Popoff 2005, 43, zit. n. EHLERS/ KRUSE 2007, 21).

In Abgrenzung zum professionellen Coaching basiert Mentoring in der Regel auf einem ehrenamtlichen Engagement und ist dabei als langfristige Unterstützungsmaßnahme konzipiert. Klassischerweise in Form der one-to-one Beziehung umgesetzt, existieren auch Ausprägungen als Gruppen-, Peer- oder vernetzte Mentorings. Ein wichtiges Unterscheidungskriterium stellt das Zustandekommen der Mentoringbeziehung dar. Während informelles Mentoring meist

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zufällig durch übereinstimmende Interessenlagen entsteht und ohne konkrete Vereinbarung frei gewählte Ziele und Inhalte umfasst, ist formelles Mentoring in eine Programmstruktur eingebettet, die das Handlungsfeld der Akteure eingrenzt (EHLERS/ KRUSE 2007, 22). Im Rahmen des sogenannten Matching-Prozesses wird auf Grundlage der räumlichen und zeitlichen Ressourcen, der fachlichen Ausrichtung und akteursspezifischen Merkmale (Nationalität, Alter, Geschlecht) eine optimale Passung zwischen Mentor und Mentee angestrebt. Neben dem berufsspezifischen Erfahrungsvorsprung des Mentors, liegt der Kernansatz des Unterstützungsangebots in der konstruktiven Beziehungsgestaltung, die durch emotionale Verbundenheit und gegenseitiges Vertrauen gekennzeichnet ist. Der Mentor bietet „seine Begleitung mit dem Ziel an, [den Mentee] bei der Entwicklung von Kompetenzen und Persönlichkeit zu unterstützen“ (ebd., 32).

Die Effektivität des Unterstützungsangebots wird deshalb in großem Maße durch die Beziehungsqualität des ‚Tandems’ (Mentor und Mentee) beeinflusst. Ein Aspekt, der sich auch im evidenzbasierten Praxismodell des Jugend-Mentoring von Jean E. Rhodes findet:

Die Dynamik, durch welche die Mentoring-Beziehung eine positive Entwicklung fördern kann, hängt von einer andauernden interpersonellen Verbindung ab, die von Gegenseitigkeit, Vertrauen und Empathie geprägt ist (Rohdes 2002, zit. n. EHLERS/ KRUSE 2007, 98).

Die Unterstützungsleistungen begrenzen sich dabei nicht auf die konkreten Angebote, sie liegen auch in der Vermittlung emotionalen Rückhalts und der Unterstützungsbereitschaft generell. „Mentoren, die gerade in schwierigen Situationen die Ruhe bewahren und Hoffnung geben, können dazu beitragen, dass die Jugendlichen Probleme als Herausforderungen annehmen und Problemlösekompetenzen entwickeln“ (ebd., 99).

RHODES sensibilisiert in diesem Zusammenhang auch für die förderliche Wirkung sozialen Beistands auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten (ebd., 100). In Abhängigkeit zur Beziehungsqualität kann der Mentor als Rollenmodell indirekt auf die Persönlichkeitsentwicklung des Mentee einwirken und zur Modifizierung und Anpassung des Verhaltensrepertoires beitragen. In der aktiven Ausei-nandersetzung mit dem Lern- und Erfahrungsfeld ‚Arbeitsleben’ können neu gewonnene Einblicke und Erkenntnisse zur Konstruktion klarer beruflicher Inte-

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ressen beitragen (ebd., 102). Eine Grundvoraussetzung hierfür ist die individuelle Aushandlungsfähigkeit der Ziele und Inhalte im Mentoringprozess.Wenn die Jugendlichen die Möglichkeit haben, die Inhalte ihrer Mentoring-Beziehung aufgrund ihrer Bedürfnisse auszuhandeln, dann nehmen sie Mentoring in der Regel sehr positiv wahr und erkennen wichtige Unterstützungsleistungen, die sie von der Erfahrung gemacht haben (Colley 2002, zit. n. EHLERS/ KRUSE 2007, 113).

Die hierin liegende Forderung einer subjektbezogenen und individuellen Ausgestaltung des Mentoringprozesses führt dabei zu zahlreichen Ansatzpunkten der einzelfallbezogenen Förderung, deren Umsetzung in Abhängigkeit zum Kompetenzprofil und Engagement des ehrenamtlichen Mentors stehen. Die vertrauensvolle Beziehung zu einem ‚außenstehenden’, berufserfahrenen Erwachsenen kann nach Meinung RHODES zur Gewinnung, Strukturierung und Bewertung berufsspezifischer Informationen genutzt werden, liefert aber auch die Gelegenheit den eigenen Berufsorientierungsprozess zu reflektieren und berufliche Interessen und Wünsche zu erkunden.

Entgegen dem Vorbild ehrenamtlicher Mentoringprogramme ist die BerEb durch klare inhaltliche Zielvorgaben gekennzeichnet, die von professionellen und bezahlten Mitarbeitern im Rahmen eines detaillierten Maßnahmenkonzepts anzuvisieren sind. Der nachstehende Teilabschnitt setzt sich das Ziel, diese umfassende Rahmenstruktur zu erfassen, um sie dem Unterstützungsbedarf junger Menschen mit Förderbedarf in Bereichen des Lernens gegenüberstellen zu können.