Die Besteigung des Rum Doodle - William E. Bowman - E-Book

Die Besteigung des Rum Doodle E-Book

William E. Bowman

3,8
8,99 €

Beschreibung

»Die Besteigung des Rum Doodle« ist eine grandiose Bergsteigersatire aus den 50er Jahren, die niemals auf Deutsch erschienen ist. Das Buch genießt Kultstatus in Alpinistenkreisen und führte sogar dazu, dass ein ganzer Berg in der Antarktis »Rum Doodle« getauft wurde. Erzählt wird die abenteuerliche Geschichte einer Expedition, bei der so gut wie alles schief geht. Der Expeditionsleiter, ein ehrgeiziger und nicht zu beirrender Herr, ist mit der Zusammenstellung eines geeigneten Teams beauftragt. Er rekrutiert sieben sehr britische Gentlemen. Doch bald zeigt sich, dass keiner von ihnen seiner Aufgabe gewachsen ist. Der Navigator findet trotz Einsatz eines Kompasses nicht zum Ort der Vorbesprechung in London. Der Arzt ist ständig krank. Der Hauptkletterer leidet an Antriebslosigkeit. Die Qualitäten des Kochs spotten jeder Beschreibung. Der Übersetzer versteht die Sprache der Einheimischen nicht, und es werden 30 000 statt 3 000 Träger engagiert. Ein Missgeschick jagt das nächste und am Ende, na klar, haben sie den falschen Berg bestiegen.

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Seitenzahl: 225

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W. E. Bowman

Die

Besteigung

des

RUM

DOODLE

Mit einem Vorwort von Bill Bryson

Aus dem Englischen übersetzt von

Wolfgang Colden und Michael Hein

1. Auflage, März 2013

Copyright © W. E. Bowman 1956

Einleitung © Bill Bryson 2001

Nachwort der deutschen Ausgabe © Andreas Lesti

Die Originalausgabe erschien 1956

unter dem Titel

The Ascent of Rum Doodle bei Max Parrish

& Co Ltd.; Pimlico Ausgabe 2011

Für die deutsche Ausgabe

© 2013 by Rogner & Bernhard GmbH & Co. Verlags KG, Berlin

ISBN: 978-3-95403-010-1

e-Pub ISBN: 978-3-95403-011-8

www.rogner-bernhard.de

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der mechanischen, elektronischen oder fotografischen Vervielfältigung, der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, des Nachdrucks in Zeitschriften oder Zeitungen, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung oder Dramatisierung, der Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen oder Internet, auch einzelner Text- und Bildteile.

Umschlaggestaltung: Chrish Klose/Wednesday Paper Works

Umschlagabbildung: © Chrish Klose/Wednesday Paper Works

Layout und Herstellung: Leslie Driesener, Berlin

Gesetzt aus der Stempel Garamond

durch omnisatz GmbH, Berlin

E-Book Konvertierung: Exemplarr Worldwide Ltd., Chennai, India

Inhalt

Einleitung von Bill Bryson

Geleitwort

Zum Geleit

  1  Die Mannschaft

  2  Der Plan

  3  Zum Rankling La

  4  Der Gletscher

  5  Das Basislager

  6  Erster Angriff auf die Nordwand

  7  Die Nordwand bezwungen

  8  Von der vorgeschobenen Basis zum Lager 2

  9  Das verschwundene Lager

10  Höher als der Everest

11  Noch höher

12  Nicht hoch genug

13  Geschafft!

14  Die Rückkehr der Gipfelmannschaft

15  Abschied vom Rum Doodle

Nachwort von Andreas Lesti

Für George und Margot

Mit diesen Buch wird keinerlei Kritik an irgendeinem Bergsteigerbuch oder irgendeiner Methode des Bergsteigens und auch keinerlei Anspielung auf Bergsteiger aus der Vergangenheit oder Gegenwart beabsichtigt.

Einleitung von Bill Bryson

Vor vielen Jahren, in den Tagen, ehe mein Haar begann, von meinem Kopf zu verschwinden und sich ein geschützteres Dasein in meinen Ohren und Nasenlöchern zu suchen, verbrachte ich meine Nachmittage und frühen Abende als Redakteur des Wirtschaftsteils der Times.

Die Arbeit war unproblematisch, und zu den weiteren Vorzügen des Jobs zählten Kantinenmahlzeiten, deren Wert im Wesentlichen darin bestand, dass sie keinerlei Auswirkungen auf den normalen Stoffwechsel zu haben schienen, das Recht auf eine kleine, jeden Monat in bar ausgezahlte Erstattung von gänzlich fiktiven Spesen (die nichtsdestoweniger gewissenhaft und erfinderisch auf einem länglichen Abrechnungszettel aufgelistet wurden) und die Gelegenheit, zwei- bis dreimal im Jahr Philip Howard dabei zu helfen, seinen Schreibtisch wiederzufinden, indem man ihm ein paar der zigtausend Bücher abkaufte, die seine Redaktion in den Monaten zuvor als Rezensionsexemplare erhalten hatte, die aber nicht in die engere Wahl gekommen waren, oft genug, weil sie sehr schlecht waren und niemanden im Geringsten interessierten. Die verkaufte Howard nun zu Schleuderpreisen an dankbare Mitarbeiter und spendete den Erlös wohltätigen Organisationen.

Da diese Verkäufe im Allgemeinen zwischen drei und vier Uhr nachmittags veranstaltet wurden – eine Zeit, zu der die meisten Reporter noch beim Mittagessen waren –, blieben die Redakteure dabei praktisch unter sich. Es passiert nicht oft, dass ein Redakteur Anzeichen plötzlichen Elans erkennen lässt, ja sich überhaupt bewegt, aber die Ankündigung eines solchen Bücherverkaufs hatte stets eine elektrisierende Wirkung auf das Redaktionsbüro. Es dauerte keine Minute, und 60 oder mehr Arbeitstiere mit tintenverschmierten Fingern drängten sich in Herrn Howards bescheidenem Heiligtum und wühlten sich mit einem mitunter beinahe unanständigen Eifer durch die Stapel größtenteils nutzloser Bücher.

Bei einer dieser Gelegenheiten, als ich mich gerade mit einer mageren, hartnäckigen Dame aus der Auslandsredaktion um eine detaillierte Geschichte der japanischen Marinecodes oder etwas dergleichen zankte, fiel mein Blick auf ein dünnes Taschenbuch, dessen Titelbild die Tuschzeichnung eines Bergabenteurers zierte, der bäuchlings im Schnee lag. Der Titel lautete Die Besteigung des Rum Doodle.

Da ich einen Fund witterte, ließ ich vom Dutt der Dame ab und erhob Anspruch auf das Buch. Später am Abend, als ich mich in der Kantine an Schweinepfötchen aus Lancashire oder irgendeiner anderen Köstlichkeit der guten alten englischen Küche labte, schlug ich das Buch auf, und binnen weniger Minuten war mir klar, dass ich etwas Besonderes gefunden hatte.

Es gibt wohl keine Art von Humor, die so schwer über die Länge eines ganzen Buches durchzuhalten ist wie die Parodie, und ich wüsste kein Beispiel, in dem dies mit mehr Gusto bewältigt wird als in Rum Doodle. Erstmals im Jahr 1956 erschienen, erzählt das Buch die Geschichte einer Gruppe wunderbar liebenswürdiger Stümper, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den höchsten Gipfel der Erde zu besteigen, den berühmten, aber selten gesehenen Rum Doodle (40 000 ½ Fuß H.) in der Schneefeste des Himalaja, neben dem mächtigen Rankling La.

Ich liebe dieses Buch einfach. Fast alles daran stimmt: die Namen der Figuren, ihre Eigenarten, ihre Launen und Zänkereien, ihr unvermeidliches Pech bei jeder neuen Herausforderung. Da ist Binder, der freundliche, zähe, zuverlässige Anführer der Truppe, der nie ganz im Bilde ist; da ist Jungle, der Streckenfinder, der sich auf dem Weg zu jedem Treffpunkt verirrt und ständig Entschuldigungstelegramme von den entlegensten und unmöglichsten Orten schickt; da ist Wish, der Wissenschaftler, der die Seereise damit verbringt, seine Ausrüstung zu testen, und dabei ermittelt, dass sich das Schiff auf einer Höhe von 153 Fuß über dem Meer befindet, Constant, der Fachmann für Sprachen, der mit seiner fehlerhaften Grammatik und Aussprache immer wieder den Zorn der 30 000 yogistanischen Träger hervorruft, und schließlich Pong, der furchtbare Koch, dessen Ankunft in jedem Lager die Männer unweigerlich in noch größere Höhen treibt.

Das alles ist reichlich albern, macht einen Riesenspaß und wird auf brillante Weise durchgehalten. Zunächst hatte ich angenommen, dass dies, wie 1066 and All That oder Diary of a Nobody, eines jener Bücher war, die in Großbritannien jeder kannte, auf die ich, Ausländer, der ich war, jedoch erst verspätet gestoßen war. Die Ausgabe, die ich besaß, enthielt keinerlei Information über den Verfasser. Um etwas über seinen Hintergrund zu erfahren und weil ich unbedingt herausfinden wollte, was er sonst noch geschrieben hatte, sprach ich mit Freunden über das Buch und fragte in Buchhandlungen danach, aber weder damals noch in späteren Jahren fand ich jemanden, der Bowman oder sein Buch kannte. Anscheinend war Rum Doodle das lustigste Buch, von dem die Leute nie etwas gehört hatten.

Jahre vergingen. Mein Haar begann seinen langen Abstieg in die verschiedenen Höhlen meines Kopfes, und ich verließ die Times mit neuem Ziel. Rum Doodle begleitete mich bei meinem Umzug von London nach Yorkshire und von dort nach Amerika, aber über seinen Verfasser brachte ich nie etwas in Erfahrung. Erst als ich das Buch 1997 in einer Radiosendung in London erwähnte, erhielt ich einen freundlichen und fröhlichen Brief in eleganter Handschrift. Er stammte von Eva Bowman, der Witwe des Verfassers, und wir begannen einen Briefwechsel. Schließlich traf ich sie und ihren Sohn Ghee, und so erfuhr ich endlich doch ein wenig über die lange und wechselvolle Geschichte eines meiner Lieblingsbücher und des auf seine unspektakuläre Art so geheimnisvollen Mannes, der es geschrieben hatte.

The Ascent of Rum Doodle wurde Anfang 1956 von Max Parrish & Co. zum Preis von 10 Schilling 6 Pence veröffentlicht. Das Buch verursachte nicht gerade einen Wirbel. Beim Northern Dispatch in Darlington wartete man volle zwei Jahre, ehe man ihm eine positive Rezension widmete. In der Bristol Evening Post wurde der Name des Verfassers mit »W. E. Borman« angegeben und ihm rätselhafterweise ein zuvor erschienenes Buch über Fluggesellschaften zugeschrieben. Eine ehrenwerte Rezensentin für Good Housekeeping räumte ein, erst mitten im Buch begriffen zu haben, »dass es als Farce gedacht ist«. Bei den größeren überregionalen Blättern scheint man das Buch nahezu ganz übersehen zu haben. Lob, oft genug überschwängliches Lob, erhielt das Buch hingegen in Publikationen wie The Irish Catholic, The Border Telegraph, The Northern Whig, dem Western Independant, dem Kentish Observer, dem Daily Worker, der Bulawayo Gazette und The Times of India.

Kurzum, obgleich das Buch keineswegs ein Flop war und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, gelang es ihm doch nicht, ein breites Publikum zu finden. Auf Rum Doodlefolgte 1957 The Cruise of the Talking Fish, eine Parodie auf Thor Heyerdahls Expedition mit der Kon-Tiki, in der erneut Binder als Hauptperson auftrat. Das Buch verkaufte sich nicht so gut. Kurz darauf, während Bowman an einem dritten Buch dieser Reihe arbeitete, geriet Max Parrish & Co. in finanzielle Schwierigkeiten und blieb Bowman einen Teil der ihm zustehenden Tantiemen schuldig. Schließlich musste der Verlag ganz schließen, und Bowmans zwei komische Romane waren fortan nicht mehr lieferbar.

Unterdessen hatte Rum Doodle, ohne dass Bowman etwas davon wusste, unter Bergsteigern und Polarforschern eine treue Fangemeinde gefunden, und seine rätselhaften Fixpunkte und running gags wurden zum Gegenstand wilder Spekulationen, wo immer sich abenteuerlustige Männer trafen. Weshalb zum Beispiel stand die Zahl 153 im Mittelpunkt so vieler Witze im Buch? Vielen galt es als ausgemacht, dass Bowman ein Pseudonym für einen versierten und womöglich bekannten Bergsteiger sein musste. Allgemein herrschte die Überzeugung vor, dass kein Amateur es vermocht hätte, so unvergesslich idiosynkratische Charaktere zu schaffen oder mit einer derart unfehlbaren Leichtigkeit über die Strapazen des Bergsteigens zu schreiben, ohne dabei auf eigene Erfahrungen zurückzugreifen.

Tatsächlich war der Verfasser ein unscheinbarer Bauingenieur aus Guildford, der Großbritannien kaum je verlassen hatte und sich nie an der Besteigung einer größeren Erhebung als dem Sca Fell Pike im Lake District versucht hatte. Beim Wandern im Lake District war ihm die Idee zu Rum Doodle eingefallen. Vorbild dafür war der 1937 erschienene Bericht über Bill Tilmans Expedition ins Nanda-Devi-Schutzgebiet. Und die Zahl 153 leitete sich einfach aus der Adresse seiner Jugend her.

Genauer gesagt war es die Nummer des Hauses in der Borough Road in Middlesborough gewesen, in das Bowman mit seinen Eltern kurz nach seiner Geburt in Scarborough im Jahr 1911 gezogen war. Seine Kindheit scheint glücklich verlaufen zu sein, doch als er fünfzehn war, starb seine Mutter. Zwei Jahre später verlor er auch seinen Vater, woraufhin er dauerhaft von seinen beiden jüngeren Brüdern getrennt wurde. Diese Erfahrungen warfen einen Schatten auf sein Leben, der nie völlig daraus verschwand.

Nach Abschluss der Schule trat Bowman eine Stelle als technischer Zeichner in einem Ingenieurbüro in Middlesborough an; nebenbei entwickelte er eine zwangsläufig auf Lektüre beschränkte Leidenschaft fürs Bergsteigen und wurde zum passionierten Wanderer, der viele glückliche Wochenenden in den Bergen des Lake District verbrachte. (Echte Berge sah er nur ein einziges Mal, auf einer Reise in die Schweiz.) Im Zweiten Weltkrieg diente er bei der Royal Air Force und arbeitete anschließend von 1947 bis 1950 im International Voluntary Service, um beim Wiederaufbau Deutschlands mitzuhelfen. Im Jahr 1950 dann trat er in eine Londoner Hochbaufirma ein und verbrachte fortan seine Zeit mit Entwürfen für Brücken, Kraftwerke und andere imposante Bauten; seine Abende widmete er dem Schreiben.

Er heiratete spät, nämlich 1958 im Alter von 47 Jahren, und zog mit seiner Frau ins grüne Surrey, wo das Paar zwei Kinder großzog. Dort schloss er auch das dritte Buch seiner Serie um die Hauptfigur Binder ab, das jedoch nie veröffentlicht wurde. Ebenso wenig wie alles Übrige, das er schrieb. In den letzten 25 Jahren seines Lebens malte er und konzentrierte sich auf andere literarische Werke: ernste und heitere Dichtung, ein Buch mit Kurzgeschichten, Polemiken verschiedener Art, eine Abhandlung über den Buchstaben A und – als sein Opus magnum – eine Überarbeitung von Einsteins Relativitätstheorie.

Jahrelang war Rum Doodle entweder vergriffen oder nur in Fachgeschäften für Bergsteiger zu bekommen, in einer Faksimile-Ausgabe, die von einer Sheffielder Firma für Bergsteigerbedarf namens Dark Park herausgebracht worden war. Beinahe 30 Jahre nach der Erstveröffentlichung erschien schließlich 1983 bei Arrow Head eine Neuausgabe als Taschenbuch. Dem ließ Pimlico 1992 eine Ausgabe von Rum Doodle und Talking Fish als Doppelband folgen. In beiden Fällen waren die Verkaufszahlen nicht berauschend, und abgesehen von einer begeisterten Rezension in der Sunday Times nahm die Presse kaum Notiz davon.

Unterdessen hatte Bowman 1981, also ein Vierteljahrhundert nach Erscheinen des Buches, zu seiner Verblüffung entdeckt, dass in den späten 1950er Jahren Mitglieder der australischen Antarktisexpedition Namen aus seinem Buch verwendet hatten, um damit liebevoll markante geografische Punkte zu bezeichnen, und manche dieser Bezeichnungen hatten es sogar in Karten der Antarktis geschafft. So ist darin seit 1966 der Mount Rumdoodle »(Einw.: 153, Höhe: 153)« offiziell verzeichnet. Bowman hatte nur deshalb davon erfahren, weil er zufällig auf ein Spiel namens The Great Rum Doodle Puzzle gestoßen war, das von einem Teilnehmer an den australischen Expeditionen gestaltet worden war. Ungefähr zu dieser Zeit eröffnete in Katmandu ein Restaurant namens Rum Doodle. Es bietet 250 Gästen Platz und erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit.

Am 1. Januar 1985 starb Bill Bowman in Guildford im Alter von 73 Jahren. Zwar wurde sein Tod in ein paar Fachzeitschriften für Bergsteiger vermerkt, aber in der überregionalen Presse erschien kein Nachruf auf ihn.

All das kann man sicherlich enttäuschend finden, aber so sehe ich es nicht. Natürlich ist es nicht fair, dass Bowman mit seinem Werk nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden hat, aber das Leben ist eben oft nicht fair. Auf der anderen Seite konnte er mit Befriedigung feststellen – denn das wird er gewusst haben –, dass er einen Klassiker der komischen Literatur geschrieben hatte. Und ebenso muss es ihn mit einiger Befriedigung erfüllt haben zu sehen, wie The Ascent of Rum Doodle eine gewisse Unsterblichkeit erlangt hatte, obwohl das Buch von Pech und Rückschlägen ebenso verfolgt schien wie dessen Held Binder. Immer hat es Menschen gegeben und wird sie immer geben, die dieses Buch abgöttisch lieben – so abgöttisch, dass sie es um die halbe Welt mit sich schleppen und sogar Berge danach benennen.

Und nun ist es wieder da. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies nur die erste von 153 Auflagen ist. Wie dem auch sei, meine Damen und Herren: Es ist mir ein Vergnügen und eine Ehre zugleich, Ihnen das lustigste Buch zu präsentieren, das Sie je lesen werden.

Bill Bryson, 2001

Geleitwort von Sir Hugeley Havering, AISC, MPL, Vorsitzender des Rum- Doodle-Komitees

Mit großem Vergnügen und einem Gefühl der Ehre verbinde ich meinen Namen mit diesem Bericht über die Besteigung des höchsten Berges der Welt. Der Schwierigkeiten waren viele. Sie wurden überwunden durch die Entschlossenheit jedes einzelnen Mitglieds der Expedition, sein Bestes für die gemeinsame Sache zu geben. Kein Lob ist groß genug für diese Männer. Dies ist ein Buch, das von jedem Schuljungen wie auch von allen, denen menschliches Streben und Standhaftigkeit etwas gilt, gelesen und wiedergelesen werden sollte.

Zum Geleit von O. Totter

Es ist ein Vergnügen und eine Ehre, seinen Namen mit diesem Bericht über die Besteigung des höchsten Berges der Welt zu verbinden. Die Hindernisse waren gewaltig. Dass sie überwunden wurden, ist der hartnäckigen Ausdauer zu verdanken, mit der jedes Mitglied der Mannschaft die gemeinsame Sache vorantrieb. Man kann diese Männer gar nicht genug loben. Jeder Schuljunge sollte dieses Buch zweimal lesen und ebenso jeder, der Mut und Unternehmungsgeist in Ehren hält.

1

Die Mannschaft

Als das Rum- Doodle-Komitee mich bat, beim Angriff auf den Berg die Führung zu übernehmen, war ich mir der mir zuteilgewordenen Ehre zutiefst bewusst. Den Mont-Blanc über die Grépon-Route zu besteigen ist eine Sache, den Rum Doodle zu besteigen ist, wie Totter einmal gesagt hat, eine völlig andere. Ich zögerte, eine derart große Verantwortung zu übernehmen, und nur das Beharren des Komitees, insbesondere seines Vorsitzenden, Sir Hugeley Havering, veranlasste mich zu einem Sinneswandel.

Gleich eingangs möchte ich hier meine große Wertschätzung für den selbstlosen Einsatz und das gesunde Urteilsvermögen, mit dem das Rum- Doodle-Komitee – und insbesondere sein Vorsitzender – seine Aufgabe erledigte, zu Protokoll geben. Nirgendwo erwies sich die Richtigkeit dieses Urteilsvermögens so deutlich wie bei der Auswahl der Mannschaft. Müsste ich alles noch einmal machen, würde ich dieselben Gefährten wählen, die mich so selbstlos und aus vollem Herzen unterstützt haben. Ich wage zu behaupten, dass keinem Expeditionsleiter je besser gedient worden ist.

Unser Erfolg war zwei Dingen zu verdanken: ausgezeichnetem Teamgeist und der großartigen Arbeit der Träger, ohne welche die Expedition gescheitert wäre.

Als ich das Komitee bei der Zusammenstellung der Mannschaft beriet, ging ich von einem Grundsatz aus, der sich mir bei vielen Gelegenheiten als nützlich erwiesen hat: nämlich ein jedes Ding zwei Zwecke erfüllen zu lassen. Jedes Mitglied der Mannschaft wurde ausgesucht, um die Verantwortung für eine bestimmte organisatorische oder technische Aufgabe zu übernehmen, und jedes verfügte außerdem über eine bestimmte Eigenschaft, die ihm als Bergsteiger und Gefährten besonderen Wert verlieh.

Es wird sich zeigen, wie erfolgreich dieser Grundsatz war.

Die Mannschaft bestand aus folgenden Mitgliedern:

TOM BURLEY, Major im Königlichen Armee-Transport-Korps RASC. Zuständig für die Versorgung. Wohlbekannt wegen seiner außergewöhnlichen Ausdauer, die er auf vielen Bergen bewiesen hat, und ausgewählt als unser starker Mann. War hoch gewesen. Unterbrach einen Bergsteigerurlaub in den Alpen, um zu uns zu stoßen.

CHRISTOPHER WISH, der Wissenschaftler der Expedition. Ausgezeichnet am Fels. War höher gewesen als die meisten. Gerade von einer erfolgreichen Erstbesteigung in den Anden zurückgekehrt.

DONALD SHUTE, unser Fotograf. Großartig im Eis. War so hoch gewesen wie die meisten. Vor kurzem aus den Rockies zurückgekehrt.

HUMPHREY JUNGLE, unser Funkfachmann und Pfadfinder. War beinahe so hoch gewesen wie die meisten. Wurde aus dem Kaukasus zurückgerufen.

LANCELOT CONSTANT, Diplomat und Linguist. Für die Träger verantwortlich. Eigens wegen seines Taktgefühls und Kameradschaftsgeistes ausgesucht. Von ihm wurde erwartet, dass er hoch hinauskäme. Gerade aus dem Atlasgebirge zurück.

RIDLEY PRONE, Arzt der Expedition und unser Sauerstofffachmann. War hoch genug gewesen. Gerade erst aus dem Himalaja heimgekehrt.

2

Der Plan

Am Vorabend unserer Abreise trafen wir uns nach drei Monaten hektischer Vorbereitungen in London, um unsere Pläne abschließend zu überprüfen. Nur Jungle, der über die Benutzung der Funkausrüstung und seine eigene Navigationsmethode hatte referieren sollen, fehlte. Er rief an, um mitzuteilen, dass er den falschen Bus genommen habe und sich seines gegenwärtigen Standorts nicht ganz sicher sei; er habe aber soeben den Polarstern gesichtet und erwarte, in Kürze zu uns zu stoßen.

Burley, wenngleich nicht in bester Form – er sagte mir, er leide unter London-Trägheit –, gab uns ein detailliertes Bild der Transportvorbereitungen. Ziel der Expedition sei es, zwei Männer auf den Gipfel des Rum Doodle zu bringen. Dafür sei es erforderlich, in 39 000 Fuß Höhe ein Lager mit einem Vorrat von 14 Tagen für zwei Personen zu errichten, so dass im Fall ungünstigen Wetters die Mannschaft unbesorgt eine Besserung abwarten könnte. Die Ausrüstung für dieses Lager werde von der Eisenbahnendstation Chaikhosi über eine Entfernung von 500 Meilen getragen werden müssen. Dafür seien fünf Träger nötig. Zwei Träger seien erforderlich, um das Essen für diese fünf zu tragen, und ein weiterer würde das Essen für diese zwei tragen. Sein Essen würde von einem Jungen getragen werden. Der Junge werde sein eigenes Essen tragen. Die erste Unterstützungsmannschaft sollte ihr Lager auf 38 000 Fuß aufschlagen, ebenfalls mit Vorräten für 14 Tage, wofür weitere acht Träger und ein Junge gebraucht würden. Alles in allem werde der Transport der Zelte, der Ausrüstung, der Lebensmittel, der Funkgeräte, der wissenschaftlichen und fotografischen Apparate, der persönlichen Habe und so weiter 3000 Träger und 375 Jungen erfordern.

In diesem Moment klingelte das Telefon. Es war Jungle, der ausgezeichneter Stimmung zu sein schien. Er teilte mit, er habe die Gegend, in der er sich befinde, definitiv als Cockfosters identifiziert. Wir gratulierten ihm und teilten mit, dass wir ihn in Kürze erwarteten.

Burley wurde zu seiner meisterhaften Kenntnis der Einzelheiten gratuliert, wenngleich Wish die Meinung äußerte, das für die wissenschaftliche Ausrüstung bestimmte Höchstgewicht sei skandalös niedrig. Er wollte insbesondere eine mechanische Gletscherschaufel und einen drei Tonnen schweren pneumatischen Geologenhammer mitnehmen, aber keiner dieser unentbehrlichen Gegenstände sei berücksichtigt worden. Burley fertigte ihn recht knapp ab. Er verwies darauf, dass das Eisschaufeln auf dem Rum Doodle etwas ganz anderes sei als das Eisschaufeln auf dem Montblanc und dass die dünne Luft auf dem Berg die pneumatische Ausrüstung vermutlich funktionsuntauglich machen werde. Wish brach in Tränen aus und sagte, er könne genauso gut gleich nach Hause gehen, da auf ihn anscheinend kein Wert gelegt werde. Constant sagte auf seine taktvolle Art, er sei gewiss, Burley habe Wishs Bedeutung für die Expedition nicht herabsetzen, sondern lediglich zum Ausdruck bringen wollen, dass eine wissenschaftliche Ausrüstung für eine Expedition, die nur das eine Ziel habe, zwei Männer auf den Gipfel des Rum Doodle zu bringen, fehl am Platze sei. Das rief Shute auf den Plan, der erklärte, er bedaure die Unterstellung, die wissenschaftliche Ausrüstung sei reine Geldverschwendung. Eine unserer wichtigsten Arbeiten werde es sein, die Auswirkungen der dünnen Höhenluft auf dreidimensionales Farbfernsehen zu untersuchen. Prone, der an einer schweren Erkältung litt, murmelte etwas von »bichdigem bedizinischen Baderial«, was keiner so recht verstand.

Als guter Führer auf das menschliche Klima reagierend, erkannte ich eine versteckte Uneinigkeit und erinnerte alle mit ruhiger Stimme an Totters Worte: Den Montblanc kann man vielleicht mit einer zerstrittenen Mannschaft besteigen, den Rum Doodle niemals. Dieser ernüchternde Gedanke hatte die gewünschte Wirkung, wozu vielleicht beitrug, dass Burley, von London-Trägheit übermannt, eingeschlafen war. Wish, der ein Zelt mit ihm teilen sollte, war schockiert, als er bemerkte, dass Burley laut schnarchte. Er wurde jedoch durch Shute getröstet, der ihn daran erinnerte, dass aufgrund der dünnen Luft das Schnarchen in großen Höhen eine weit geringere Belästigung darstellen werde.

Als Nächstes skizzierte Wish das wissenschaftliche Programm. Neben der Untersuchung der hypographischen und topnologischen Versteinerungsprozesse in dem Gebiet hoffte er, neue Daten über die Auswirkung der biochronischen Disastrifikation der geneosphärischen Pandiculae auf den Extrakt von Whartons Warpeln zu sammeln. Außerdem hoffte er, von jeder Spezies der auf dem Berg entdeckten Lebewesen je ein Paar mit nach Hause zu bringen, um zu untersuchen, ob es möglich sei, Bergsteiger zu züchten, die ein normales Leben in großer Höhe führen könnten.

In diesem Moment rief Jungle erneut an. Er sei nicht in Cockfosters, sondern in Richmond. Er habe den Namen Cockfosters an einem Bus gelesen, aber es hatte sich herausgestellt, dass der Bus nach Cockfosters fuhr. Aus diesem Grund sei er natürlich in die falsche Richtung losgefahren, werde nun aber bald bei uns sein.

Danach beschrieb Shute die fotografische Ausrüstung, deren wichtigstes Stück die dreidimensionale kinematografische Farbkamera war. Er erhoffte sich, alle Aspekte der Expeditionsarbeit auf Film zu dokumentieren. Passende Liebes- und Unfallszenen würden von der Gesellschaft, die den Apparat zur Verfügung gestellt hatte, später ergänzt werden. Wenn dann das Originalmaterial auf ein Minimum zusammengeschnitten und noch ein patriotisches Lied eingefügt wäre, sollte der Film weltweit als ein Epos britischen Heldentums auf den Markt gebracht werden. Falls der Gipfel erreicht werde, würden dem erfolgreichen Paar – sofern die beiden jünger als sechzig und fotogen wären – Verträge für einen Kinofilm mit dem Titel »Tarzan und der abscheuliche Schneemensch« angeboten werden.

In diesem Moment wurde ein Telegramm abgegeben. Es lautete:

BARKING CREEK GESICHTET NEUNZEHN UHR DREISSIG KURS WEST NORDWEST ERWARTET MICH IN KUERZE WETTER KALT ABER SCHOEN JUNGLE. Der Poststempel lautete Hounslow.

Burley wachte mit einem geräuschvollen Gurgeln auf und sagte, es sei völlig verkehrt, eine Bergexpedition, deren Ziel es sei, zwei Männer auf den Gipfel des Rum Doodle zu bringen, mit einem Haufen wissenschaftlichen Plunders zu belasten. Er äußerte die Meinung, ein Wissenschaftler sei für eine Expedition ein noch größeres Ärgernis als seine Ausrüstung, und das sei bereits beträchtlich. Dann erzählte er uns von seinem Freund Groag, der 1923 während der Expedition zum Tum Teedle das Zelt mit einem Wissenschaftler geteilt hatte. Wie alle Wissenschaftler war auch dieser sehr zerstreut. Eines Tages hatte er Tee versehentlich mit einer Kupfervitriollösung statt mit Wasser gekocht, woraufhin er und Groag blau anliefen und farbenblind wurden, so dass sie zwei Wochen lang Blau von Weiß nicht unterscheiden konnten. Ein paar Tage später war der Wissenschaftler über den Rand eines Schneefeldes hinaus weitergegangen, weil er den blauen Himmel dahinter für eine Fortsetzung des Schnees hielt. Er wurde nur durch den aufopferungsvollen Einsatz Burleys gerettet, der das Pech hatte, mit ihm zusammen angeseilt zu sein. Burley sagte, jeder normale Mensch hätte ihn seinem Schicksal überlassen.

Wish sagte, er glaube kein Wort von der Geschichte. Er selbst habe gallonenweise Kupfervitrioltee getrunken, ohne Schaden zu nehmen. Der Bläueeffekt sei zweifellos auf die durch die dünne Höhenluft hervorgerufene Kardiosynthese im Blutkreislauf zurückzuführen. Die Behauptung, alle Wissenschaftler seien zerstreut, nahm er sehr übel.

In diesem Moment klopfte es an der Tür. Es war ein Wachtmeister vom örtlichen Polizeirevier. In Lewisham hatte ein Polizist einen verdächtigen Fremden entdeckt, der sich in der Nähe des Gaswerks herumtrieb. In seinem Besitz waren Landkarten und Navigationsinstrumente gefunden worden, und man hatte ihn infolgedessen als Spion verhaftet. Er hatte als seinen Namen Forest und als Referenz unsere Adresse angegeben. Wir gaben die erfoderlichen Versicherungen ab und baten den Wachtmeister, die Botschaft zu übermitteln, dass wir Jungle in Kürze erwarteten.

Constant erzählte uns dann von Yogistan, dem Land, das wir durchqueren mussten, um zum Berg zu gelangen. Die Eingeborenen, so Constant, seien ein robustes, unabhängiges Volk, das freundlich und von unerschütterlicher Würde und Fröhlichkeit sei. Ihre Sprache, die er eigens untersucht hatte, stelle einen Zweig der aneroid-megalithischen Sprachfamilie dar. Sie enthalte keine Verben und werde ganz aus dem Magen gesprochen.

Prone sagte, das sei Blödsinn; wenn sie ausschließlich aus dem Magen sprächen, müssten sie unter chronischer Gastritis leiden. Constant erwiderte, das sei in der Tat die Nationalkrankheit, die bei 95 Prozent der Bevölkerung hypodermisch auftrete. Wenn dies der Fall sei, so Prone, dann sei ihm unerfindlich, wie sie fröhlich bleiben könnten. Constant erwiderte, das sei auf ihre Charakterstärke zurückzuführen. Er sagte, er sei es nicht gewohnt, dass man sein Wort in Zweifel ziehe, und falls Prone bei seiner gegenwärtigen unkooperativen Haltung bleibe, so sehe er, Constant, sich gezwungen, ein Ultimatum zu stellen.

Als Nächstes sprach Prone zu uns über die Notwendigkeit, unsere Gesundheit zu erhalten, die so wichtig für unseren Erfolg war. Er beschwor uns, die von ihm festgelegten Vorsichtsmaßnahmen streng einzuhalten, und überreichte jedem von uns mehrere eng mit der Maschine beschriebene Blätter. Er sagte, wenn wir seine Ratschläge befolgten, könne er Immunität gegen jede Krankheit garantieren. Als er fertig war, brach er mit einem so heftigen Hustenanfall zusammen, dass man ihm auf den Rücken klopfen musste. Constant besorgte das Klopfen, und ich hatte den Eindruck, dass er wesentlich stärker klopfte als notwendig. Wie auch immer, Prone jedenfalls gab die Schläge zurück, und es wäre vielleicht zu einem bösen Zwischenfall gekommen, wäre Prone nicht von einem Niesanfall überwältigt worden, der es ihm unmöglich machte, sich weiter zu verteidigen.

Ich ergriff die Gelegenheit, allen für ihre Beiträge zu danken, und bemerkte, ich zweifele nicht daran, dass kleine Meinungsverschiedenheiten, die zwischen uns aufträten, für die löbliche Freimütigkeit und Offenheit zeugten, die in unseren Beziehungen herrschte. Ich sei sicher, dass wir ein leistungsfähiges und geschlossenes Team abgeben würden. Und ich erinnerte alle an Totters Worte: In einer Expedition dieser Art müssen die Wünsche des Einzelnen der gemeinsamen Sache untergeordnet werden. Constant sagte Amen, und in dieser feierlichen Stimmung weckten wir Burley und machten uns an die Vorbereitungen für die Abreise am folgenden Morgen.

*

Am nächsten Tag stachen wir von Tilbury aus in See. Als ich an Bord ging, wurden mir zwei Telegramme ausgehändigt.

Das eine lautete:

ALLES GUTE DENKT DARAN IHR BESTEIGT

NICHT MONTBLANC TOTTER.

Das andere besagte:

IN ABERCWMSOSPANFACH GESTRANDET

KOMME MIT FLUGZEUG NACH SCHICKT

HUNDERT PFUND JUNGLE.

3

Zum Rankling La

Die Reise verlief ohne besondere Vorkommnisse. Meine Verantwortung als Leiter hinderte mich daran, mit den anderen so viel Zeit zu verbringen, wie ich es gern getan hätte. Mit Genugtuung beobachtete ich jedoch, dass der für eine Expedition wie die unsrige so wichtige esprit de corps