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Heiraten? Lieber nicht! Maja ist überzeugt davon, dass man Beziehungen befristen und gewisse Dinge in einem Vertrag regeln sollte. Als nach sieben Jahren Beziehung ihr Freund keine weitere Verlängerung mehr will, ist sie dennoch am Boden zerstört und hat erst mal genug von Männern. Doch dann trifft sie Chris, der sie davon überzeugen will, dass es keiner schriftlichen Beziehungsvereinbarung bedarf. Unterstützung bekommt er dabei von Majas bester Freundin, die gerade ihre Traumhochzeit plant. Wird Maja inmitten von Brautkleidern, Liebesschwüren und Ringen ihre Prinzipien überdenken? Seitenzahl der Printausgabe: 212
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Veröffentlichungsjahr: 2022
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Danach
Über die Autorin
Herbst
Jahrestag
Völlig durchnässt erreichte Maja das Restaurant. Sie hatte gedacht, das kurze Stück von der U-Bahn-Station hierher würde es ohne Schirm gehen. Doch der Regen hatte noch eine Schippe draufgelegt und ihre Jacke bis zur Bluse durchweicht. Ihre Hose war ab den Knien abwärts patschnass. Die Haare klebten an ihren Wangen. Wenn sie sich nicht zu heftig bewegte, konnte sie aber so tun, als wäre nichts. Um keinen Preis wollte sie sich den heutigen Abend verderben lassen.
Sieben Jahre waren sie und Basti nun ein offizielles Paar auf den Tag genau. Sieben weitere würden es ab heute wieder sein. Und wer weiß, vielleicht konnten sie sich diesmal auf die Kindersache einigen.
»Soll ich Ihren Mantel an die Heizung hängen?«, fragte ein Kellner und musterte sie mitleidig.
Maja schlüpfte aus dem Mantel und reichte ihn dem Kellner, der ihn mit spitzen Fingern entgegennahm.
Sein Blick fiel auf Majas Hose. »In den Toiletten ist ein Handföhn. Vielleicht möchten Sie sich dort frisch machen.«
Maja nickte kurz und schaute sich um. Basti saß im hinteren Teil des Restaurants in einer kleinen, intimen Nische. Ihr Herz machte einen Hüpfer, so aufgeregt war sie. Die neue Vereinbarung hatte sie glücklicherweise sicher in einer Folie in ihrer klitschnassen Tasche verstaut.
Basti entdeckte sie nun auch und nickte ihr zu.
Maja deutete auf ihren Kopf und dann Richtung Toiletten. Basti nickte.
Die Haare im fest in der Wand verankerten Handföhn einigermaßen trocken zu bekommen, war gar nicht so leicht. Maja musste die verrücktesten Verrenkungen ausführen, um überall heranzukommen. Aber sie wollte nur schnell zu Basti und achtete nicht auf die erstaunten Blicke der anderen Frauen.
Ein Blick in den Spiegel zeigte, dass die Frisur nicht optimal saß. Ihre halblangen braunen Haare standen vom Kopf ab. Maja tat ihr Bestes, um sie einigermaßen in die richtige Form zu bringen.
Schließlich sah sie obenrum wieder herzeigbar aus. Die Schuhe würde sie unter dem Tisch ausziehen, sodass es keiner bemerkte. Die Beine würde sie stillhalten, um die nasse Hose nicht zu spüren. Die Bluse war glücklicher-weise mit den Haaren getrocknet.
Maja betrachtete sich im Spiegel und nickte dann zufrieden. Ihre blauen Augen leuchteten, was eindeutig an Basti lag. Sie wollte ihn nicht länger warten lassen und verließ die Toilette.
Basti erhob sich und begrüßte sie mit einem Kuss auf die Wange. Er wirkte nervös. Dabei musste er das nicht sein. Die letzten sieben Jahre waren schön gewesen. Auf jeden Fall wollte Maja eine Verlängerung.
Sie setzte sich ihm gegenüber. Er hatte bereits eine halbe Flasche Wein getrunken und sah sie unsicher an.
»Du brauchst dir keine Sorgen machen.« Maja griff nach seiner Hand und sah ihm lächelnd ins Gesicht. Sie liebte seine dunkelblauen Augen, die im richtigen Licht fast braun wirkten. Dazu die dunkelbraunen Haare, die er immer eine Spur zu lang trug, sodass man die Ohren kaum sah.
Basti lächelte gequält.
Eigentlich hatte Maja bis nach dem Essen warten wollen. Aber auch sie wollte endlich Gewissheit.
»Die letzten sieben Jahre waren … ungewöhnlich.« Maja lächelte. »Doch das Experiment hat sich gelohnt.« Sie kramte die Folie mit der neuen Vereinbarung aus ihrer Tasche. Die Blätter hatten wirklich nichts abbekommen. »Ich weiß, wir haben noch nicht darüber geredet, wie es weiter geht. Aber ich gehe einfach mal davon aus, dass wir gute Chancen auf eine Verlängerung haben.«
Basti sah sie schweigend an. Immer noch unsicher. War sie nicht deutlich genug gewesen?
»Wieder sieben Jahre?«, fragte sie. »Und ich dachte, vielleicht können wir über Kinder reden.«
Basti zog seine Hand weg und starrte auf sein Weinglas.
»Was ist denn?« Maja hielt ihm den Vertrag hin. »Willst du ihn erst mal in Ruhe lesen? Den Passus mit dem Kino hab ich geändert. Liebesfilm nur jedes vierte Mal. Und die Jeder-für-sich-Klausel hab ich auch gelockert. Dafür hab ich den Umgang mit Flirtpartnern eingeschränkt. Das hat mich schon sehr gestört.«
Basti blickte hoch. »Ich möchte keine neue Vereinbarung.«
Maja sah ihn stirnrunzelnd an. »Wir waren uns doch einig, dass wir nicht heiraten. Wer heiratet, muss sich wieder scheiden lassen, wenn er die Beziehung nicht mehr will. Und weil es schwieriger ist, die Beziehung zu beenden, gibt man sich keine Mühe mehr und endet mit Lockenwicklern und Schnarchpflaster im Bett. Mit einer befristeten Vereinbarung, die immer neu abgeschlossen werden muss, bleibt die Beziehung spannend. Jeder bemüht sich, weil nach Ablauf der vereinbarten Zeit neu entschieden wird, ob die Beziehung weiter geführt wird.«
Basti nickte und holte tief Luft. »Ich gebe dir in allem Recht. Aber ich will keine Verlängerung.«
Es dauerte einige Sekunden, bis Maja den Sinn erfasste. »Du willst schlussmachen?«
»Richtig schlussmachen ist es ja nicht.« Basti setzte sich ganz aufrecht und sah ihr ernst ins Gesicht. »Es war die sieben Jahre okay. Aber für mich ist es Zeit für etwas Neues.«
»Okay?«, fragte Maja ungläubig. »Es war okay?«
»Wie du sagtest. Es war ein Experiment. Für meinen Geschmack waren das zu viele Regeln und zu wenig Spontanität. Immer wenn ich vom Plan abweichen wollte, hast du auf die Vereinbarung verwiesen.«
»Das sollte verhindern, dass einer den anderen in schwachen Momenten manipulieren kann. Wahrscheinlich hätten wir sonst immer gemacht, worauf nur du Lust hattest.«
Basti zuckte die Schultern. »Und wenn ich jemanden gefunden habe, der genau diese Sachen gern mit mir tut?«
»Hast du jemand anderen?« Majas Herz schlug bis in ihre Kehle. Das passierte grad nicht wirklich.
»Ich habe jemanden kennengelernt«, erklärte Basti. »Vor drei Monaten. Es läuft noch nichts, weil ja unsere Vereinbarung noch galt. Aber jetzt … Ich hab die letzten Wochen viel nachgedacht und mich entschieden.« Er griff nach ihrer Hand.
Maja war nicht in der Lage, sie wegzuziehen. Schlaff hing sie in seiner.
»Die letzten sieben Jahre waren wirklich schön«, sagte er. »Und sieh es doch mal so! Dass wir das nicht weiterführen, beweist deine Theorie. Hätten wir das nicht befristet, würde ich dich vielleicht schon seit Wochen betrügen und wer weiß, wie lange noch weiter. Das würde uns beide kaputtmachen. So ein sauberer Schnitt tut im ersten Moment vielleicht weh. Aber keiner kann dem anderen etwas vorwerfen.«
Maja war unfähig zu antworten.
Basti seufzte. »Ich hab die meisten meiner Sachen heute schon ausgeräumt. Du kannst die Wohnung behalten. Und die Möbel. Die anderen Dinge, bei denen ich nicht wusste, ob du sie behalten möchtest, hab ich dagelassen. Sortiere sie in Ruhe, ich hole sie irgendwann ab.« Er lächelte ihr aufmunternd zu, ließ ihre Hand los, erhob sich und gab ihr einen weiteren Kuss auf die Wange. »Mach’s gut, Maja!«
Maja schaute ihm nicht hinterher. Sie stierte auf den Stuhl, auf dem er eben noch gesessen hatte. Ihre Hand lag an der Stelle auf dem Tisch, wo er sie losgelassen hatte. Daneben der neue Vertrag.
Nie hätte sie sich vorstellen können, dass es zu Ende wäre. Oder nicht weiterlief. Je nachdem, wie man es betrachtete. Basti hatte sich damals schon nicht von der Vereinbarung begeistert gezeigt. Aber nachdem Maja ein paar Klauseln aufgenommen hatte, die das Treiben im Bett betrafen, hatte er zugestimmt und sich seinerseits immer wieder auf genau diese Klauseln berufen.
Wo war der Fehler? Natürlich hatte sie in Betracht gezogen, dass nach der Laufzeit die Gefühle nachgelassen haben würden. Den Zeitraum hatte Maja schließlich wegen des umgangssprachlichen verflixten siebten Jahres gewählt. Sie hatte gedacht, wenn es bis dahin gut liefe, ginge es auf jeden Fall weiter. Ihr Beziehungsmodell mochte ungewöhnlich sein. Aber sie glaubte daran, dass bestimmte Regeln in einer Beziehung diese besser machten.
Was also war schiefgelaufen? Was hatte sie übersehen? Die letzten Wochen waren wie immer gewesen. Die Arbeitsteilung, die Freizeitaktivitäten, der Sex. Nichts Ungewöhnliches.
Im Moment fühlte sie sich wie ein altes Auto, das zwar noch fuhr, aber gegen ein neues Modell ausgetauscht wurde. Das allerdings sollte eine Beziehungsvereinbarung nicht bezwecken. Wenn Basti die Beziehung nicht mehr wollte, wäre er ihr da nicht schuldig gewesen, Anzeichen zu zeigen? Wenn er sich hätte anmerken lassen, dass er die Nase voll hatte, dann hätte Maja sich darauf vorbereiten können.
Die Vereinbarung sah zwar vor, dass eine Verlängerung ohne die Angabe von Gründen abgelehnt werden durfte. Aber zumindest war er ihr doch schuldig, seine wahren Empfindungen zu zeigen. Stattdessen hatte er heute klammheimlich seine Sachen gepackt, um ihr dann zu verkünden, dass er keine Lust mehr auf ihre Beziehung hatte.
Von wegen, sie hätten einander nichts vorzuwerfen! Er hatte ihr etwas vorgemacht.
Ehe Maja darüber nachdenken konnte, griff sie nach der halbvollen Weinflasche und schleuderte sie gegen die Wand. Es schepperte und dunkelrote Flüssigkeit lief die weiß getünchte Tapete hinunter.
»Von wegen okay!«, schrie Maja.
Sofort waren drei Kellner bei ihr und redeten auf sie ein. Die Leute an den umstehenden Tischen starrten sie entsetzt an.
»Ich glaube, Sie gehen jetzt besser«, sagte einer der Kellner leise. Es war der, der ihr den Mantel abgenommen hatte. Er schob sie sanft am Rücken Richtung Tür, während die beiden anderen sich mit Tüchern an den Flecken an der Wand und mittlerweile auf dem Holzfußboden zu schaffen machten.
Beim Ausgang reichte ihr der Kellner den immer noch nassen Mantel, öffnete die Tür und schob sie hinaus.
»Kommen Sie nie wieder!« Mit diesen Worten schloss er die Tür vor ihrer Nase.
Maja behielt den Mantel in der Hand. Es hatte aufgehört zu regnen. Aber die Luft hatte schon den kalten Hauch des bevorstehenden Novembers. Wenn Maja den Mantel überzog, würde sie noch mehr frieren.
Sie lief zur U-Bahn-Station und fuhr nach Hause. In die Wohnung, in der sie ab jetzt allein leben würde.
Jammertage
»Wie sieht es denn hier aus?« Susi rümpfte die Nase und ließ ihren Blick über das Chaos in Majas Wohnung schweifen. Pizzakartons, offene, halbleere Colaflaschen, dreckiges Geschirr und herumliegende Klamotten.
Maja zog geräuschvoll die Nase hoch.
»Wen interessiert’s, wie es hier aussieht?«, fragte sie und ließ sich auf ihren Platz auf dem Sofa plumpsen, den sie nur kurz verlassen hatte, um ihrer Freundin die Tür zu öffnen.
Susi schob mit ihren Füßen herumliegende Sachen beiseite und beförderte mit einem Schubs einen Stapel Pizzakartons vom Sessel auf den Boden. Dann begutachtete sie den Stoff, bevor sie sich setzte.
Ihr Blick wirkte jetzt besorgt. »Was ist denn los?«, fragte sie. »Wo ist Basti? Wieso meldest du dich nicht?«
»Er ist weg«, brachte Maja hervor, bevor sie anfing zu schluchzen.
»Habt ihr Schluss gemacht?«
Maja schüttelte den Kopf.
Susi zuckte verständnislos mit den Schultern. Dann riss sie die Augen auf. »Oh, Gott! Ist ihm etwas passiert? Ist er tot?«
»Nein«, rief Maja. »Aber ich wünschte, er wäre es!« Sie nahm das Taschentuch, das sie gerade in der rechten Hand hielt, und warf es an die Wand. Es brachte nicht die Erleichterung, die Maja sich gewünscht hätte. Kurz überlegte sie, eine Flasche hinterherzuwerfen, aber dann würde Susi sie endgültig für geisteskrank halten.
Die sah sie erwartungsvoll an.
»Wir sind nicht mehr zusammen«, verkündete Maja.
»Also, habt ihr doch Schluss gemacht.«
Maja wiegte den Kopf hin und her. »Na ja, so kann man es nicht unbedingt nennen. Ich hab dir doch mal erzählt, dass wir einen Vertrag haben.«
Susi runzelte die Stirn. »Ich dachte, das sei ein Scherz. Sowas, was man an den Kühlschrank heftet, damit er mal den Müll rausbringt.«
Maja seufzte und ergriff den zerknüllten Beziehungsvertrag, auf dem sie die letzten Tage geschlafen hatte. Tatsächlich hatte sie Susi bisher noch nie Details über ihre Vereinbarung mit Basti erzählt. Sie kannten sich jetzt seit vier Jahren, und irgendwie hatte es sich nie ergeben. Eigentlich ging es ja auch niemanden etwas an.
»Ich meine einen echten Vertrag.« Sie hielt ihn Susi hin, die ihn ungläubig entgegennahm.
»Das sind ja viele Seiten«, kommentierte sie und überflog ihn. »Das ist doch wirklich ein Scherz, oder? Eine Beziehung für den Lauf von sieben Jahren?« Sie las kopfschüttelnd weiter. »Was habt ihr denn alles geregelt?« Sie blätterte um. »Ihr habt sogar Vorschriften für euer Sexleben?« Susi blätterte durch die letzten Seiten. Dann sah sie Maja schweigend an.
»Er wollte keine Verlängerung«, sagte Maja und schluchzte einmal laut auf. »Dabei dachte ich, wir könnten diesmal etwas wegen Kindern vereinbaren.«
»Man kann doch eine Beziehung nicht in einem Vertrag regeln«, erwiderte Susi.
»Es gibt immer einen Vertrag in einer Partnerschaft. Egal, ob man die Regeln offen anspricht oder nicht. Du zum Beispiel kochst und machst die Wäsche. Tom macht was? Den Müll rausbringen, wie du so schön gesagt hast? Auf jeden Fall ist das zwischen euch klar, oder? Es ist nicht möglich, keinen Beziehungsvertrag zu haben.«
Susi schien darüber nachzudenken. Dann nickte sie. »Ich verstehe, worauf du hinauswillst. Aber schriftlich fixiert bedeutet dann, dass es keine Nachverhandlungen gibt, bis die sieben Jahre um sind. Was, wenn sich die Bedürfnisse ändern? Ein schriftlicher Vertrag ist unflexibel und sperrig. Die Beziehung wächst nach sieben Jahren doch zwangsläufig aus ihm heraus, weil er sich nicht mit der Beziehung weiterentwickelt.« Sie tippte auf eine Stelle im Vertrag. »Wobei die Bettregeln die Spannung aufrecht erhalten. Die schaden sicher nicht.«
Maja nickte. »Was das angeht, lief es auch total super.«
»Warum will er denn nicht mehr? Hat er das gesagt? Auch wenn er das anscheinend nicht musste.« Susi las eine Stelle am Ende des Vertrags und zog dabei die Nase kraus. Dadurch zogen sich die Sommersprossen darauf so weit zusammen, dass sie fast wie ein einziger dunkler Fleck wirkten. Normalerweise brachte Maja dieser Anblick zum Lachen. Aber heute nicht.
»Er hat jemanden kennengelernt. Wenn es den Vertrag nicht gäbe, hätte er mich längst mit ihr betrogen, hat er gesagt.« Tränen kullerten aus Majas Augen über ihre Wangen.
Susi seufzte laut. »Also, unabhängig davon, wie schräg das mit dem Vertrag ist und wie du das Ende eurer Beziehung auch bezeichnest. Das hier ist eindeutig ein Fall von Trennungskummer.« Sie stand auf und begann, das Geschirr wegzuräumen.
Maja war zu erschöpft, ihr zu helfen.
»Lass stehen!«, sagte sie. »Ich mach das später weg.«
»Nein, ich erledige das. Leg dich hin! Du bekommst jetzt das volle Liebeskummerpaket.«
Eine halbe Stunde später saßen sie nebeneinander auf dem vom Müll befreiten Sofa in einem aufgeräumten Wohnzimmer und schauten fern.
Irgendwo hinten im Eisfach hatte Susi noch eine Packung Karamell-Brownie-Eis gefunden, das sie mit Löffeln bewaffnet niedermachten.
»Ein Beziehungsvertrag.« Susi schüttelte wieder den Kopf. »Hast du dir das aus dieser Serie abgeschaut?«
»Welche Serie? Nein, ich bin von selbst drauf gekommen.«
»Lass mich raten – es ging zuerst darum, wie viel er im Haushalt helfen muss und wie es im Bett abläuft?«
»So ähnlich. Aber wir haben ihn immer weiter aus-gefeilt. Und mit dem Ergebnis waren wir eigentlich zufrieden.« Wieder füllten sich Majas Augen mit Tränen. »Das dachte ich jedenfalls. Ich fand das so fortschrittlich und irgendwie einfacher, weil man immer wusste, worauf man sich einstellen musste.«
Susi strich ihr über den Kopf. »So funktioniert das aber nicht.«
Maja wischte die Tränen weg. »Das sollte es aber.«
»Ich kann nicht fassen, dass ihr geregelt habt, wie oft ihr Sex habt und wie der abläuft.«
»Ja, das klingt jetzt etwas unromantisch. Aber irgendwie war es auch aufregend. Wenn er krank war, galt das nicht.«
»Und wenn du krank warst?«
»Ich konnte ja still liegen dabei.«
»Das klingt irre romantisch. Was noch?«
»Abwechselnd einkaufen, die Anteile an der Haushaltskasse, regelmäßige Kinobesuche und Abendessen. Einmal im Jahr Urlaub.« Maja seufzte. »Ich war glücklich damit. Sehr sogar.« Sie schnappte sich die Fernbedienung. »Was ist das für eine Serie? Gibt’s die auf Netflix? Vielleicht finde ich heraus, was ich hätte besser machen können.«
»Wozu? Du lässt dich doch hoffentlich auf sowas nie wieder ein.«
Maja schnaubte. »Ich hab erst mal die Nase voll von Beziehungen. Wenn mir noch mal jemand unterkommt, dann muss er eine niet- und nagelfeste Vereinbarung unterschreiben.«
Zusammenriss
Fünf Phasen Liebeskummer? Von wegen. Maja würde es in dreien schaffen. Höchstens.
Vorahnung hatte sie sowieso ausgelassen. Und die Erstarrung hatte die Verhandlung übersprungen und war sofort der Wut gewichen, gleichzeitig mit der Akzeptanz. Verzweifelt würde sie auf keinen Fall mehr sein. Nein, Maja weigerte sich. Das hatte sie hinter sich. Basti war weg, ohne große Worte – das war der Zweck der Vereinbarung gewesen. Wenn er nach vorne blickte, konnte sie das erst recht.
Sie hatte ihre Arbeit vernachlässigt. Als selbstständige Webdesignerin war sie zum Glück keinem Boss Rechenschaft schuldig. Aber als sie zwei Wochen nach der Trennung ihre Mailbox das erste Mal öffnete, warteten neben neuen Projektanfragen auch etliche böse Mails auf sie, in denen an die rechtzeitige Erfüllung von Aufträgen erinnert wurde.
Einige Kunden ließen sich beschwichtigen, nachdem sie eine heftige Krankheit als Grund für ihre Abstinenz angab. Aber zwei Auftraggeber hatten inzwischen die Zusammenarbeit gekündigt. Keine gute Werbung für sie. Sie musste sich zusammenreißen und durfte nicht wegen Basti ihre Karriere ruinieren.
Sie schrieb aufrichtige Entschuldigungen und schob diesmal Familiennotfälle vor. Außerdem bot sie großzügige Rabatte für künftige Aufträge an. So hoffte sie, zumindest keine negativen Bewertungen einzufahren und weitere Kunden zu verlieren.
Von jetzt an würde sie sich vor allem auf ihre Arbeit konzentrieren. Sie erledigte in Rekordzeit sämtliche offenen Aufträge, erstellte Websites, pflegte bestehende und überarbeitete ihre eigene.
Nichts lief ohne ihre To-Do-Listen. Sonst verlor sie den Überblick. Sie arbeitete alles der Reihe nach ab, bis sie auf dem Laufenden war. Wenigstens kam sie nicht mehr dazu, allzu viel über Basti nachzudenken.
Allerdings hatte das Arbeiten von Zuhause auch einen Nachteil. Maja verließ die Wohnung kaum. Sie arbeitete von morgens bis abends und ließ sich Lebensmittel und Haushaltswaren nach Hause liefern.
Susi schaute regelmäßig vorbei, und irgendwann Ende November reichte es ihr.
»Du musst mal wieder raus«, ermahnte sie Maja. »Du hockst nur noch hier in der Bude und gehst nicht mehr unter Leute.«
»Ich habe alles, was ich brauche«, knurrte Maja.
»Nein, hast du nicht. Lass uns mal wieder ausgehen. Bitte! Jetzt kommt die Adventszeit. Die solltest du mit Freunden verbringen.«
Sie würde wohl nicht lockerlassen, bis Maja nachgab.
***
Maja hatte geahnt, dass es ein Fehler sein würde.
Sie hatte sich von Susi auf die Geburtstagsfeier von Dani mitschleppen lassen. In eine kleine Bar, die extra dafür gemietet worden war. Es gab kaltes Büffet und Getränke ohne Ende.
Maja plauderte mit Freunden, die sie lange nicht gesehen hatte, weshalb es sich fast normal anfühlte.
Doch dann kam Basti. Mit seiner Neuen, einer schlanken Rothaarigen mit einem umwerfenden Lächeln. Allerdings waren die Haare gefärbt und wirkten grell. Anders als bei Susi, deren Haare von Natur aus rot waren.
Bisher hatte Maja die beiden nur von Weitem angegafft. Doch jetzt kam Basti rüber.
Das war zu viel. Wie stand sie da? Allein und immer noch betroffen. Hoffentlich sah er ihr das nicht an!
Sie flüchtete zur Bar und stieß mit einem Typen zusammen. Dabei ergoss sich sein Drink über ihre Bluse.
»So eine Schiete!«, fluchte Maja.
»Tut mir leid!«, sagte der Typ. »Du warst plötzlich da.« Er sah sie aufrichtig bekümmert an.
Maja hatte ihn noch nie gesehen. Dabei bestand ihr Freundeskreis aus meist denselben Leuten. Der hier wäre ihr sicher schon mal aufgefallen. Er hatte grünblaue Augen und braunes Haar, das ihm vorne in die Stirn fiel. Er war kein Schönling, aber sah ungemein gut aus, mit seiner langen Nase und den schmalen Lippen.
»Kann ich das wiedergutmachen?«, fragte er. »Darf ich dir was ausgeben?«
Maja sah ihn mit gerunzelter Stirn an. »Einen ausgeben, wo die Getränke umsonst sind?«
Der Typ grinste schief und kratzte sich verlegen am Kopf. Ob er wusste, welche Wirkung das wohl auf Frauen haben musste?
Aber natürlich nicht auf Maja.
»Nee, danke!«, sagte sie und stürmte zu den Toiletten. Eine gute Gelegenheit, einen klaren Kopf zu bekommen.
Sie zog die Bluse aus und reinigte sie so gut, es ging. Wieder einmal stand sie vor einem Handföhn und trocknete etwas, bevor sie Basti gegenübertreten würde.
Nach einer halben Ewigkeit fühlte sie sich dem gewachsen und verließ mit halbwegs fleckenfreier Bluse den Waschraum.
Doch keine Spur von Basti.
Susi kam ihr entgegen. »Wo warst du denn?«
»Auf Klo«, antwortete Maja knapp. Darauf hätte Susi auch selbst kommen können. Doch die schien schon etwa angeheitert zu sein und schleppte Maja an die Bar.
»Basti ist weg«, sagte Susi. »Brauchst dich nicht verstecken.«
»Das tue ich doch gar nicht«, murrte Maja.
Jemand tippte ihr von hinten auf die Schulter.
»Alles wieder okay?«, fragte der Kleckertyp, als Maja sich zu ihm umdrehte.
