Die Chroniken der Seelenwächter - Band 10: Liebe vs. Vernunft (Urban Fantasy) - Nicole Böhm - E-Book
Beschreibung

Jess und Jaydee genießen ihr erstes Zusammensein, doch ihr Glück währt nur kurz. Joanne und Ralf schlagen mit mehr Grausamkeit denn je um sich, und die Opferzahlen steigen. Nicht nur unter den Menschen, auch die Seelenwächter müssen herbe Verluste einstecken. Um zu siegen, bereiten sie sich auf einen skrupellosen Schlag gegen Ralf und den Emuxor vor. Wie weit darf ein Seelenwächter für das Wohl der Menschheit gehen? Magie, Mystery, gefährliche Rätsel und eine dramatische Liebe definieren den ewigen Kampf zwischen den Seelenwächtern und den Schattendämonen. Nicole Böhm verknüpft uralte Sagen mit Ereignissen der Gegenwart. Die Serie erscheint monatlich als E-Book mit ca. 120 Seiten Umfang. Alle zwei Monate werden die E-Books als Taschenbuch gedruckt.

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Ähnliche


Table of Contents

»Liebe vs Vernunft«

Was bisher geschah

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

Vorschau

Nachwort

Zwei neue Charaktere

Cassandra Harris

Mikael Bartholomäus Stevens

Glossar

Impressum

Die Chroniken der Seelenwächter

Band 10

»Liebe vs Vernunft«

 

von Nicole Böhm

Was bisher geschah

 

Auf der Suche nach ihrer verschollenen Mutter bricht die junge Jess in eine Kirchenruine ein. Sie möchte den Geist des toten Pfarrers beschwören, kennt er doch möglicherweise das Geheimnis um deren Verschwinden. Statt Antworten warten nur noch mehr Fragen. Sie lernt die geheimnisvollen Seelenwächter kennen, die seit Jahrtausenden unerkannt unter den Menschen leben und diese vor den Tod bringenden Schattendämonen schützen.

Im Verlauf turbulenter Ereignisse trifft Jess auf Jaydee, einen jungen Mann mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Er ist von Anfang an fasziniert von der jungen Frau, doch das erste Zusammentreffen endet in einem Desaster: Er versucht, sie zu töten.

Als wäre das nicht genug, sieht sich Jess bei ihrer Rückkehr nach Hause zum zweiten Mal mit der gefährlichen Schattendämonin Joanne konfrontiert. Sie hält Violet und Jess gefangen. Bei dem Versuch zu fliehen stirbt Ariadne – Jess’ Vormund – durch Joannes Verschulden.

Nach dem Verlust von Ariadne zieht Jess bei den Seelenwächtern in Arizona ein und versucht, ihre Trauer zu verarbeiten.

Kurz darauf gelingt den Schattendämonen der nächste Coup: Sie greifen den Rat der Seelenwächter an und infizieren alle mit einem Zauber. Drahtzieher dieser Aktionen ist Ralf, der Bruder von William. Er hat sich zu einem Mischwesen aus Schattendämon und Seelenwächter entwickelt. Nun will er mit Hilfe einer alten dämonischen Energie, die er den »Emuxor« nennt, die Schattendämonen auf eine höhere Bewusstseinsebene heben, um die Menschen als dominierende Spezies abzulösen.

Während die Seelenwächter ihre Wunden lecken und sich von den Schicksalsschlägen erholen, greift Ralf erneut an. Durch einen Zauber gelingt es ihm, in das Anwesen der Seelenwächter vorzudringen und Ilais Seele zu stehlen. Zumindest einen Teil davon. Halb lebendig, halb tot wird Ilai von Will in den Tempel der Wiedergeburt gebracht. Den letzten Ort, an dem Seelenwächter geheilt werden können. Doch Ilai hat andere Pläne. Er nimmt Will mit auf eine Gedankenreise, auf der Ilai Will sein Geheimnis zeigt: die wahren Umstände von Jaydees Geburt.

Währenddessen kämpfen Jess und Jaydee an ihrer eigenen Front. Sie sind nach New York aufgebrochen, um dort mit einer abtrünnigen Seelenwächterin zu sprechen. Von ihr erhoffen sich die beiden eine Antwort, was es mit dem schwarzmagischen Zauber in Jess’ Blut auf sich hat. Sie erfahren, dass Jess’ Mutter dafür verantwortlich war. Die Magie in Jess’ Blut verbirgt die Gabe des Musizierens, und nicht nur das: Sie sorgt auch dafür, dass Jaydee Jess nicht anfassen kann, ohne dabei auszurasten.

Doch Jaydee entwickelt seine eigene Methode, dieses Problem zu umgehen. Er sticht sich magische Tattoos, wie sie bereits Keira verwendet hat, und erlangt auf diese Art die temporäre Fähigkeit, sich vor Jess’ Gefühlen zu schützen.

Die beiden kommen sich endlich näher.

1. Kapitel

 

Jessamine

 

Das war er also: mein erster richtiger Kuss.

Wenn man den Mitleidskuss von Zac mal außer Acht ließ.

Wieso hatte mir eigentlich nie jemand gesagt, dass es sich so irre gut anfühlte?

In meinem Kopf schwirrte alles. Ich verlor mich in Jaydees Umarmung aus Verlangen und Leidenschaft. Atmete ich überhaupt? Falls nicht, sollte ich dringend damit anfangen, denn mir wurde schwindelig. Meine Brust, mein Bauch, meine Hüften, meine Lippen, alles drängte sich ihm entgegen, und trotzdem war ich nicht nah genug.

Jaydee presste mich gegen die Wand. Ein dumpfer Schmerz jagte durch meine geprellte Rippe, doch es machte mir nichts aus. Das hier war zu gut. Zu richtig, um es sanfter anzugehen. Er kam kurz ins Stocken, vermutlich aus Angst, er könnte mir wieder wehtun, doch ich zog ihn einfach an mich.

Bloß nicht aufhören! Niemals!

Und tatsächlich dauerte es nur Augenblicke, bis er sich wieder auf mich einließ und mich ebenso gierig zurückküsste. Seine Hände hielten mich fest an sich gepresst und jagten Schauer durch mich. Sie vervielfältigten sich auf wundersame Weise in meinem Magen und stiegen weiter zu meinem pochenden Herzen. Gleichzeitig war ich mir nicht sicher, ob ich alles richtig machte. War es gut so oder schlecht, zu hart oder zu weich? Warum gab es keine Anleitung für so etwas?

Er griff unter meine Oberschenkel und hob mich hoch. Sofort umschlang ich ihn, klammerte mich fest, als gäbe es sonst keinen Halt für mich. Unsere Hüften rieben aneinander, und als ich seine Erregung spürte, verflogen meine Selbstzweifel. Er grub seine Nägel fester in meinen Hintern, ich keuchte in seinen Mund. Auf einmal war die Wand hinter mir weg, und wir steuerten das Bett an. Mein Puls beschleunigte sich sofort. Jaydee legte ein ordentliches Tempo vor, und ich war mir noch nicht sicher, wie weit ich auf dieser Fahrt gehen wollte.

»Vorsicht«, flüsterte er. In der nächsten Sekunde bettete er mich auf das Laken, so sanft, als wäre ich aus Porzellan. Meine Rippen ächzten dennoch, als er mich ablegte, aber ich küsste ihn einfach weiter wie besessen und vergrub meine Finger in seinen Haaren. Es war unglaublich, ihm so nahe zu sein. Seine Lust zu spüren, seinen Atem, der schnell und abgehackt ging. Es gab nur noch ihn und mich und unsere Berührungen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ er von mir ab und sah mich an. »Alles gut?«

»Nein.«

Er stockte.

Ich lächelte. »Besser als gut.«

Er brummte leise, beugte sich tiefer, küsste sich von meinem Schlüsselbein über meinen Hals nach oben. Mich schauderte bis in die letzten Zellen meines Körpers, ich klammerte mich enger an ihn, wollte ihn noch näher haben, und gleichzeitig fürchtete ich mich auch davor. Als würde er meine Nervosität spüren, küsste er sich wieder bis zu meinen Lippen vor. Raubte mir ein weiteres Mal den Atem, bis ich nicht mehr denken konnte.

Seine Hand glitt tiefer und schob sich unter mein Shirt. Ich schnappte nach Luft.

Er stoppte. »Zu schnell?«

»Nein. Ja. Vielleicht. Ein bisschen?« Oh Gott, was redete ich da nur? »Können … können wir uns erst mal aufs Küssen beschränken?« Erstens war es grandios, zweitens konnte ich noch ein wenig üben, und drittens … ach, wen kümmerte das schon? Hauptsache, es ging einfach so weiter.

Er lächelte. Es war ein sanftes, betörendes Lächeln. Sexy. Das sollte er öfter tun.

»Was auch immer du willst.«

Und schon lagen seine Lippen wieder auf meinen. Seine Hand strich die Rundungen meines Körpers nach – ganz brav über dem Shirt –, seine Bartstoppeln kratzten an meinem Kinn.

Lippen, Finger, Berührungen, Jaydee. Mehr existierte im Moment nicht.

Mehr brauchte ich auch nicht.

Seine Hand glitt zurück an meinen Hintern, er packte mein Bein, schlang es um seine Hüfte und presste sich an mich. Sanft rieb er seinen Unterleib gegen meinen. Stoff glitt über Stoff. Unangenehm und schützend zugleich. Er wiederholte die Bewegung, drängte sich noch fester, noch härter an mich. Die Berührung bohrte bis in mein Innerstes und zog all meine Empfindungen an die Stelle zwischen meinen Schenkeln. Oh … das war … ich meine: Oh, verdammt!

»Noch mal«, keuchte ich.

Er ließ von meinem Bein ab, damit er sich abstützen konnte, griff nach dem anderen und schlang auch das um sich. Dann glitt er ein weiteres Mal über mich. Langsam, fordernd und so verheißungsvoll, bis mir die Sinne schwanden. Ich stöhnte auf. Jaydee biss mir in die Unterlippe. Heftig. Aber auch das war mir egal.

Die Hitze in meiner Körpermitte stieg wie mein Verlangen nach ihm. Es war, als müsste ich all die Momente der vergangenen Wochen aufholen, in denen wir uns nie hatten berühren dürfen. Er stützte sich auf beide Arme und bewegte sich sachte auf mir. Ich krallte meine Nägel in seine Rückenmuskeln, umschlang ihn mit meinen Beinen, presste seine Hüfte härter gegen meine, genoss es, ihn so drängend auf mir zu spüren.

»Verdammt, Jess, du machst mich wahnsinnig«, keuchte er zwischen Küssen.

Oh-oh. »Und ist das jetzt ein gutes oder schlechtes Wahnsinnig?«

Er lachte. »Ich gebe dir einen Tipp.«

Und schon glitten seine Lippen über mein Kinn, hinunter in diese Kuhle zwischen Schlüsselbein und Hals, und da war es wieder, dieses herrliche Oooh … mit einem Mal schwanden all meine Hemmungen. Ein neues Gefühl mischte sich in unsere Umarmung: eine intensive Wärme, die mein Herz ausfüllte. Ich wollte ihm noch näher sein.

Ich wollte mehr!

Jetzt sofort!

Ich nahm meine Hände von seinem Rücken, schob ihn ein Stück von mir. Er tauchte wieder von meinem Schlüsselbein auf und blickte mich fragend an. Seine Augen leuchteten silbrig, aber dieses Mal war es nicht die Gier des Jägers, die dieses Funkeln auslöste. Da war etwas Neues.

Ich studierte sein Gesicht, das so viel weicher, so viel zärtlicher wirkte als sonst.

»Ich finde es schön, wenn du mich so ansiehst«, sagte ich. Es war mir ein Bedürfnis, das auszusprechen. Keine Ahnung, warum.

»Ich habe ja auch etwas Schönes, was ich ansehen kann.«

Hitze schoss mir in die Wangen. Ich biss auf meine Unterlippe. Meine Finger wanderten über seine Schulter nach vorn zu seiner Brust. Jaydee war wie aus Stein gemeißelt. Kraftvoll, stark, perfekt. Nicht eine Narbe zierte seine Haut, keine Unebenheit, kein Makel. Ich strich die Konturen seiner Tattoos nach, die noch immer satt und tiefschwarz herausstachen. Wie lange würden sie halten? Was, wenn sie ihren Dienst quittierten, während wir mittendrin …

»Ich weiß es nicht«, sagte er, als hätte er meine Gedanken erraten. »Wir kosten einfach jede Sekunde aus, die sie uns schenken.«

Ich nickte, glitt tiefer, strich die Wölbungen seines Six-Packs nach. Jetzt durfte ich den endlich auch mal anfassen. Er schloss die Augen, stöhnte kehlig, rührte sich keinen Millimeter, als wolle er alles von mir in sich aufsaugen. Meine Finger strichen über seinen Bauchnabel und fanden doch noch eine kleine Narbe.

»Die ist von deinem Dolch«, sagte er.

Als er mich zum ersten Mal attackiert und danach auf sich selbst eingestochen hatte.

Unfassbar, was seit dem geschehen war.

Ich umkreiste die Narbe, fuhr ihre Konturen nach. Ein kleiner Schnitt, der mir damals das Leben gerettet hatte. Wie von selbst machten sich meine Finger weiter auf den Weg nach unten, strichen über den feinen Saum aus Haaren, die irgendwo unter dem Bund seiner Jeans endeten.

Jaydees Atem stockte, doch noch immer rührte er sich nicht. Ich blickte ihn wieder an, ließ von seiner Hose ab und suchte nach seiner Hand. Sanft verwoben sich unsere Finger ineinander, sein Daumen strich über meinen Handrücken. Eine Bestätigung, dass alles gut war, dass er warten würde, bis ich soweit war, ihm mehr zu geben.

»Küsst du mich noch mal?«, fragte ich.

»Für den Rest der Nacht, wenn ich kann.«

Schon lagen seine Lippen wieder auf meinen, drängten mich liebevoll; forderten mich heraus, zogen sich wieder zurück. Das war einfach himmlisch. Grandios. Fabelhaft. Unbeschreiblich. Alles, was ich denken konnte, war: Mehr! Mehr! Mehr! Und: Oh! Und: Ja! Und: Bitte, hör nie auf damit!

Langsam führte ich seine Hand zum Bund meines Shirts und schob den Stoff ein Stück hoch.

Er verstand die Einladung. »Sicher?«

»Ja.«

Vorsichtig wanderten seine Finger unter den Stoff, fuhren meine nackte Haut an meinem Bauchnabel entlang nach oben. Seine Finger so sanft und angenehm wie warmes Öl. Blitze jagten durch meinen Körper. Die Berührung war sachte und trotzdem kaum zu ertragen. Er glitt höher, küsste mich dabei am Hals, am Ohrläppchen und – oh ja – wieder an dieser herrlichen Stelle am Schlüsselbein. Ein kurzer Blitz des Schmerzes durchzog mich, als er die Schwellung an meiner Rippe streifte.

»Wenn du es nicht aushältst …«

»Sssht, Jaydee. Wie gesagt: Ich bin nicht aus Zucker.«

Seine Finger strichen weiter nach oben, zwischen meiner Brust hindurch. Ich presste mich fester in die Matratze. Keine Ahnung, ob ihm gefallen würde, was er da zu spüren bekam. Vielleicht wollte er vollbusigere Frauen, vielleicht war das alles nicht genug, vielleicht … Er fand meine Brust, umfasste sie und stöhnte leise … Seine Hüfte rieb noch einmal an meiner und vertrieb ein weiteres Mal die Zweifel aus meinem Kopf. Er kam zurück zu meinem Mund, küsste mich im gleichen Rhythmus, wie er sich auf mir bewegte. Gierig, leidenschaftlich, als wolle er in mir ertrinken.

Auf einmal war seine Hand weg. Die Perspektive wechselte. Ich stieß einen leisen Schrei aus, und in der nächsten Sekunde saß ich auf ihm. Kurz musste ich die Luft anhalten, bis der Schmerz in meiner Rippe abebbte.

»So herum geht es vielleicht besser für dich.« Seine Hände ruhten an meiner Taille, ohne etwas zu fordern. Er gab mir schon wieder Zeit, wollte, dass ich die Entscheidung traf, wie weit wir gehen würden. Ich strich noch mal über seine Brust. Die Tattoos schienen etwas blasser zu sein als vorher. Sie brannten aus. Jetzt schon.

»Wir werden nichts überstürzen, nur weil uns diese Dinger im Nacken sitzen«, sagte er. »Wir können warten.«

Ich rutschte auf seiner Hüfte nach vorn und rieb mich an seiner Härte. »Wirklich?«

Jaydee keuchte und schloss die Augen. Es war schön, ihn so zu sehen. Dass ich ihn ausnahmsweise auf eine andere Art zur Raserei brachte. Zögerlich legte ich seine Finger auf den Saum meines Shirts.

»Hilfst du mir noch mal, das auszuziehen?« Die Frage kam so leise, dass ich sie selbst kaum hörte. Jaydee richtete sich auf, so dass wir uns direkt ansehen konnten. Er zog mich enger auf seinen Schoß. Unsere Körper dicht aneinander gedrängt. Ohne mich aus den Augen zu lassen, rollte er mein Shirt genauso zaghaft über meinen Kopf wie vorhin. Die kühle Luft strich über meine nackte Haut. Bevor er mich ansehen konnte, drückte ich meine Brüste gegen ihn. Er strich über meinen Rücken, ließ die Nägel sachte über das Rückgrat gleiten und küsste dabei meine Schulter.

Ich umschlang seinen Hinterkopf und drückte ihn an mich. Er sollte mich noch mal an dieser Kuhle küssen, dort, wo die herrlichen Ooohs zustande kamen. Nein, eigentlich wollte ich überall von ihm geküsst werden, auf jedem einzelnen Zentimeter meiner Haut. Als würde er ahnen, was ich brauchte, glitt er mit seinem Mund wieder an die Stelle. In dem Moment, als seine Lippen die Kuhle berührten, grub ich meine Nägel in seine Kopfhaut und keuchte. Unglaublich. Wirklich.

Langsam beugte ich mich nach hinten, ließ wieder Spielraum zwischen unseren Körpern und gewährte ihm Einblick auf meine Vorderseite. Sein nackter Bauch drückte gegen meinen. Hart und weich und warm und – so gut.

Jaydee musterte mich. Noch immer kam ich mir schrecklich entblößt vor. Ich beobachtete ihn genau, und mit jedem Zentimeter, den seine Augen tiefer wanderten, wurde mir heißer. Da war so viel Leidenschaft, so viel Zuneigung, so viel Bewunderung. Die Wärme, die in seinem Blick lag, umfasste mich und schloss mich wieder in diese herrliche Glocke, in der ich mich oft mit ihm befand, wenn er mir seine Aufmerksamkeit schenkte.

Er blickte noch einmal zu mir hoch, als würde er um Erlaubnis bitten. Ich biss auf meine Unterlippe und nickte. Eine Hand stützte meinen Rücken und ermöglichte es mir, mich weiter zurückzulehnen. Er hielt mich fest und sicher, während seine Lippen ihre betörende Erkundungstour fortsetzten. Von der Oooh-Kuhle bis hinunter zu meinem Dekolleté, noch tiefer zum Ansatz meiner rechten Brust. Er ließ sich unendlich viel Zeit, gab mir alle Möglichkeit, mich an ihn zu gewöhnen, an dieses Gefühl, ihm auf einmal so nahe zu sein. Und genau das brauchte ich. Oder vielleicht brauchten wir beide das. Nach der Zeit der Angst, der Schrecken, nach all unseren Erlebnissen miteinander und gegeneinander benötigten wir Ruhe und Zärtlichkeit.

Ein leises Keuchen drang aus seiner Kehle, dann legten sich seine Lippen um meine Brustwarze. Er biss vorsichtig zu. Mir wurde schwindelig, seine Berührung sendete Schauer meinen gesamten Körper hindurch, bis sie sich zwischen meinen Beinen sammelten. Ich drückte ihn fester an mich, rieb meinen Unterleib an seinem. Er warf mich zurück auf die Matratze, schneller, als ich damit gerechnet hatte. Schmerz mischte sich mit Liebkosung. Dann war er wieder auf mir, küsste mich gierig, saugte alles von mir in sich auf, und ich wollte das gleiche mit ihm tun.

Unsere Körper rieben aneinander. Die Leidenschaft zwischen uns stieg von Sekunde zu Sekunde. Er glitt tiefer, küsste mich zwischen meinen Brüsten, hinunter zu meinem Bauchnabel, wieder zurück nach oben. Dabei schob er eine Hand von unten in das kurze Hosenbein meiner Shorts und steuerte die Mitte an. Dieses Mal würde ich ihn gewähren lassen. Ich wollte ihn fühlen, überall. Seine Muskeln spannten sich, er keuchte kehlig.

Tu es! Wollte ich ihm entgegenschreien. Halt dich nicht mehr zurück.

»Ich …«, ächzte er und stemmte sich nach oben. »Ich glaube, …«

»Ist alles okay?«

Er schüttelte den Kopf und blickte auf seine Brust hinab. Die Tattoos verblassten. Oh, nein, nein!

Er lächelte gequält. »Schätze, das ist dann doch zu intensiv.«

Ich legte eine Hand auf seine Brust. Sie glühte fiebrig. »Wie lange noch?«

»Keine Ahnung, aber deine Emotionen sickern schon wieder durch.«

»Hast du noch mehr von der Tinte?«

»Nicht genug.«

Ich schloss die Augen. Natürlich nicht. Warum auch? Das wäre schließlich ein netter Zug vom Schicksal gewesen. Also unmöglich!

»Was sollen wir tun?«

Er beugte sich zu mir, strich mit der Nase über meine Wange. »Solange weitermachen, bis es nicht mehr geht.«

»Wirst du dich denn zurückhalten können?«

Er antwortete nicht. Vermutlich, weil er es selbst nicht wusste, doch ich vertraute ihm. Vertraute uns. Wir beide hatten unsere Erfahrung mit dem Jäger. Wir würden wissen, wann es Zeit war, aufzuhören.

So hoffte ich zumindest.

Also küssten wir uns. Fanatisch, als gäbe es kein Morgen mehr, und im Grunde war es auch so. Wir würden das hier brauchen, diese Erinnerung, damit wir weiter daran arbeiten konnten, die Distanz zwischen uns zu überbrücken.

»Jess …« Er stöhnte gepresst und vergrub sein Gesicht in meinen Hals. Seine Hand ruhte noch immer in meinen Shorts in Höhe meiner Hüfte.

Ich umschlang ihn mit den Beinen, den Armen, sog alles aus ihm heraus, was er mir noch geben konnte.

»Ich … es geht nicht mehr.«

»Okay«, flüsterte ich, doch es war nicht okay. Ich war nicht bereit, das zu beenden. Noch nicht. Ich brauchte noch eine Minute, noch zwei, noch eine Stunde … Bitte.

Er bohrte die Nägel in mein Fleisch. Sein Körper spannte sich, die Muskeln an seinen Armen traten scharf hervor, er knurrte leise, es schoss mir durch Mark und Bein.

»Ich wünschte, es wäre anders«, flüsterte er.

Ich umarmte ihn ein letztes Mal, fühlte die harten Sehnen in seinem Rücken. Er küsste mich auf den Hals, ich schloss die Augen, gab mich ganz diesen Empfindungen hin.

Und dann war er weg.

Einfach so.

Jaydee war abgehauen.

Wie im Kerker.

Wie bei all den anderen Begegnungen, bei denen er meine Nähe nicht mehr ertragen hatte.

Mir war klar, dass er einen Moment für sich brauchte, dass er sich sammeln musste. Dennoch füllte sich mein Herz mit einer ekelhaften Leere, wie ich sie noch nie zuvor empfunden hatte.

Die kalte Luft strich über meinen erregten Körper. Ich bekam Gänsehaut und fühlte mich mit einem Schlag so verlassen, als wäre ich der letzte Mensch auf Erden. Mein Magen krampfte, meine Kehle schwoll an. Ich wollte schreien, heulen, ihn zurückholen, doch ich lag einfach nur da und starrte an die Decke, bis der Stuck vor meinen Augen tanzte.

Irgendwo knallte eine Tür. Er war in sein Zimmer geflohen oder hinaus in die Nacht. Weg von mir. Von uns. Von dem, was wir hatten.

Ich rollte mich auf die Seite, schnappte mir das Bettlaken, das nach ihm roch, und versenkte meine Nase darin. Meine Muskeln fühlten sich auf einmal schlapp und müde an. Die Energie war aufgebraucht. Übrig blieben nur noch Schwere und Einsamkeit. Ich drückte den Stoff an mich, schmiegte meinen Hals, die Kuhle am Schlüsselbein dagegen. Es kamen keine Ooohs mehr.

Auch sie waren aufgebraucht.

 

 

2. Kapitel

 

Jaydee

 

Raus! Nur noch raus!

Ich knallte die Zimmertür hinter mir zu und rammte die Faust in die nächste Wand. Der Putz bröckelte ab, Schmerz jagte meinen Arm nach oben bis in mein Hirn. Nur genügte das nicht! Ich brauchte mehr! Mehr Ablenkung! Mehr Schmerz! Sonst würde ich wieder zurück zu ihr rennen und dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten. Egal, ob es vernünftig wäre oder nicht. Ob ich sie dabei verletzen könnte … ob der Jäger sich losreißen würde.

Ein weiterer Schlag.

Schmerz.

Heilung.

Vorbei.

Die Überreste der Tattoos brannten auf meiner Haut. Das letzte Aufflackern ihrer Macht, eine letzte Erinnerung an das, was sie mir geschenkt hatten.

Ein Kuss.

Ich hatte sie geküsst.

Mehr als das.

Ich war ihr nahe gewesen, hatte sie gerochen, geschmeckt, gehalten. Und ich hätte es die ganze Nacht getan. Mir war bis eben nicht klar, dass es sich so dermaßen gut und richtig anfühlen konnte, mit einer Frau zusammen zu sein. Obwohl wir nicht weit gegangen waren, stellte es jedes bisherige Erlebnis in den Schatten. Verflucht noch eins, ich wäre schon zufrieden, wenn ich neben ihr einschlafen und dabei ihre Nähe in mich aufsaugen könnte. Ich raufte meine Haare, lief im Zimmer hin und her, sah zum Bett, auf dem noch die Tätowierpistole lag. Ich hob sie auf, prüfte das Tintenfass. Es war fast leer. Das reichte höchstens noch für ein paar Striche. Fertig. Ich brauchte mehr davon. Dieser verdammte Drecksack Anthony hatte die Lösung für mich. Für uns. Vorübergehend. Ich warf die Pistole wieder zurück, lief weiter auf und ab. Mein Blick wanderte zur Tür. Sollte ich zurück? Sollte ich mit ihr sprechen? Und was sagen? Wie sollte ich ihre Nähe aushalten, jetzt, da ich wusste, wie sie sich anfühlte, wie sie roch, wenn sie erregt war, wie sich die Härchen an ihrem Nacken aufrichteten, wenn ich sie über ihrem Schlüsselbein küsste.

Toll, Jaydee. Wirklich ganz toll.

Erst vom Kuchen kosten – und ihn dann halb aufgegessen zurückstellen.

Ich trat gegen die Wand und keuchte, als es in meinen Zehen krachte. Es dauerte nur Sekunden, bis die Knochen wieder heilten und auch dieser Schmerz nachließ. Das hatte keinen Zweck. Ich brauchte frische Luft. Mit ein wenig Glück fand ich ein paar Schattendämonen, an denen ich meinen Frust auslassen konnte.

Ich krallte mir den Block, auf den ich vorhin das Tattoo gemalt hatte, riss ein weiteres Blatt ab und schrieb eine Nachricht an Jess:

 

Jess,

ich bin nicht … ich weiß nicht, was ich … ich wäre jetzt gerne bei dir. Ich will nicht, dass es so zwischen uns ist. Dass wir uns nicht nahe sein können, dass ich dich nicht …

 

Scheiße! Ich zerknüllte das Papier und warf es in den Müll. Nächster Versuch:

 

Jess,

bitte mache dir keine Sorgen. Wir finden eine Lösung für uns. Wir kehren den Zauber um. Deine Mum. Wir finden sie. Wir müssen …. Wir werden … Wir …

 

Noch mal:

 

Jess,

ich will, dass du dich ausruhst und deine Kräfte sammelst. Das heute … mit uns … das war … schön. Wunderschön. Fantastisch. Besser, als ich es je für möglich gehalten hatte… Ich …