Die drei ??? Der dunkle Wächter (drei Fragezeichen) - Ben Nevis - E-Book

Die drei ??? Der dunkle Wächter (drei Fragezeichen) E-Book

Ben Nevis

0,0
5,99 €

Beschreibung

Eigentlich sollte Bob in dem einsam gelegenen Haus nur Katzen füttern. Doch dann läuft etwas furchtbar schief. Als sich der dritte Detektiv nicht mehr meldet, tappen Justus und Peter im Dunkeln. Steckt etwa der verschrobene Besitzer des Hauses dahinter?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 151

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Der dunkle Wächter

erzählt von Ben Nevis

Kosmos

Umschlagillustration von Silvia Christoph, Berlin

Umschlaggestaltung von eStudio Calamar, Girona, auf der Grundlage

der Gestaltung von Aiga Rasch (9. Juli 1941 – 24. Dezember 2009)

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele

weitere Informationen zu unseren Büchern,

Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und

Aktivitäten findest du unter kosmos.de

© 2019, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan

Based on characters by Robert Arthur

ISBN 978-3-440-15795-4

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Der Auftrag

»Sie hatte blonde Haare«, sagte Peter, »ganz klar!«

»Schwarz!«, behauptete Justus.

»Höchstens dunkelblond. Du hast sie doch gar nicht richtig gesehen!«

»Willst du damit sagen, dass …« Justus holte Luft und suchte nach Worten, doch Bob ging dazwischen. Die drei ??? saßen in ihrer Zentrale und wollten eigentlich ganz andere Dinge besprechen als den Besuch von Justus und Peter in einem Sportgeschäft.

»Ist es nicht egal, wie die Verkäuferin im Outdoor World aussah?«, fragte der dritte Detektiv. »Und außerdem …«

»Nein, ist es nicht!«, sagte Peter. »Justus gibt ständig an mit seinem Supergedächtnis! Doch dieses Mal liegt er daneben.«

»Liege ich nicht.«

»Doch. Weißt du was? Du hast nämlich keinen Blick für Mädchen! Hast dich die ganze Zeit nur für die Technik der Taucheruhr interessiert und nicht für die Frau, die uns das alles erklärt hat.«

»Worauf es schließlich ja auch ankommt, wenn du unter Wasser überleben willst.«

»Interessantes Leben gibt es auch an Land!«

»Schluss jetzt!«, rief Bob. »Ich rufe im Laden an und frage einfach nach.«

Das sorgte für einen kurzen Moment der Stille. Bob grinste. Auf den Gesichtern von Justus und Peter las er, dass sie es dann vielleicht doch nicht so ganz genau wissen wollten.

»Anrufen? Das kann man doch nicht am Telefon nachfragen«, sagte Justus schließlich.

»Ich weiß auch nicht«, murmelte Peter. »Lieber gehen wir noch mal hin, irgendwann.«

»Dann ist es vielleicht zu spät«, sagte Bob. »Haare kann man farblich schnell verändern!« Er schnappte sich das Telefon.

Peter rollte mit den Augen. »Bob, bitte«, sagte er, »wenn du denen erzählst, dass wir uns hier über die Haarfarbe einer Verkäuferin streiten, kann ich mich da nie mehr blicken lassen.«

Doch Bob ignorierte den Einwand. Nach dem fünften Klingelton ging jemand dran. »Bob Andrews hier«, sagte der dritte Detektiv. »Dürfte ich mal den Chef oder die Chefin sprechen, bitte? … Ja, danke … Hallo! Bob Andrews. Vorhin waren zwei Freunde von mir bei Ihnen und haben sich über eine Taucheruhr beraten lassen. Ich habe dazu noch eine Nachfrage an Ihre Mitarbeiterin … Ah, ja. Ist das die blonde Kollegin oder die schwarzhaarige? Namen kann ich mir leider … Ach so … Nein, brauchen Sie nicht. Ich komme dazu noch mal vorbei … Ja, das geht besser vor Ort. Vielen Dank!« Bob legte auf und drehte sich um. »Alles klar«, sagte er und grinste erneut.

»Und?«, fragte Justus, sichtlich froh darüber, dass Bob eine Ausrede benutzt hatte, um an die Information zu kommen.

Doch Bobs Gesicht verriet nichts. »Sag ich euch gleich. Zuerst müsst ihr mir zuhören. Ich wollte euch schon die ganze Zeit beichten, dass ich am Wochenende nicht mitfahren kann. Aber bei eurer Streiterei kam ich überhaupt nicht zu Wort.«

»Du meinst, du kannst nicht mit die Küste hoch zum Surfen?«, sagte Peter enttäuscht. »Du hast hoffentlich einen guten Grund!«

»Meine Cousine aus Seattle.«

»Die, die immer so viel redet?« Mit der Hand machte Justus eine schnappende Bewegung.

»Ja, Mary. Ich muss mich um sie kümmern. Das war alles etwas spontan. Meine Eltern sind ja in Europa und …« Bob sah Justus von der Seite an. »Oder sollen wir Mary vielleicht auf unseren Trip mitnehmen?«

»Kommt nicht infrage«, sagte Justus entschieden. »Sie … sie ist doch vor allem am Partyleben interessiert. Und außerdem haben wir keinen Platz mehr im Camper. Wenn es bei dir partout nicht geht, dann bleibt Peter und mir nichts anderes übrig, als ohne dich zu fahren.«

»Hm«, machte Bob enttäuscht. Seine Cousine Mary und Justus, das klappte einfach nicht. Spätestens nach fünf Sekunden lagen sie sich in den Haaren. Dann würde er also in den sauren Apfel beißen müssen und mit ihr das Wochenende in Rocky Beach verbringen.

»Zu dritt macht es immer am meisten Spaß!«, sagte Peter. »Aber auf die Fahrt möchte ich auch nicht verzichten. Wir treffen da noch andere Leute und …« Ebenfalls enttäuscht schlug er mit der Faust auf die Sessellehne.

»Ich weiß«, murmelte Bob, »es ist blöd.«

Peter holte Luft. »Aber los jetzt, Bob, die Haarfarbe! Wer hat recht? Justus oder ich?«

Bob wollte zu einer Antwort ansetzen, als von draußen Tante Mathildas Stimme hereindrang. Bei Mathilda Jonas und ihrem Mann Titus lebte Justus seit dem Tod seiner Eltern vor vielen Jahren. Sie betrieben einen Gebrauchtwarenhandel in Rocky Beach. Auf dem Gelände, versteckt unter allerhand Schrott, stand ein Campingwagen, in dem sich die drei ??? ihr Detektivbüro – die Zentrale – eingerichtet hatten, in dem sie gerade saßen.

Doch nun mussten sie ihren Lieblingsort verlassen: Tante Mathildas Befehl war eindeutig: »Besuch für euch! Wo steckt ihr denn? Kommt sofort raus!«

Die drei ??? verließen die Zentrale über das kalte Tor, einen ausgedienten Kühlschrank, an dessen Rückseite die Detektive einen kurzen Verbindungsgang zur Tür des Campinganhängers montiert hatten.

»Lesley!« Bob war als Erster draußen und entdeckte die junge Buchhändlerin sofort. Lesley Dimple arbeitete bei Booksmith, einem kleinen Laden in Rocky Beach, der neue und antiquarische – oft seltene und kaum mehr erhältliche – Bücher verkaufte.

Der Himmel hatte sich zugezogen, und während ein leichter Nieselregen einsetzte, traten auch Justus und Peter hinzu.

»Ich wollte nicht groß stören«, sagte Lesley.

Tante Mathilda räumte einen Kleiderständer mit Uniformen unter ein schützendes Vordach. Dass sie dabei neugierig die Ohren spitzte, war den drei ??? klar.

Lesley sah in die Runde. »Ich habe nur eine Frage. Genauer gesagt eine kleine Bitte.«

Bob nickte. »Worum geht es?«

»Eine Katze. Genauer gesagt um zwei.«

Justus’ Gesichtszüge verzogen sich. Nur Katzen. Wenn überraschend Besuch kam, hoffte er immer auf einen neuen Fall. Dafür hätte er sogar den Ausflug ans Meer sausen lassen. Doch dieses Mal klang es nicht so spannend.

»Die beiden müssen gefüttert werden«, sagte Lesley. »Mr Pinches, ein guter Kunde von uns, hat mich heute Vormittag angerufen. Er musste überraschend nach San Francisco fahren und hat die Person, die den Job sonst übernimmt, nicht erreicht.«

»Und du hast keine Zeit für die Tiere?«, fragte Justus. »Warum hast du die Bitte dann angenommen?«

»Ich habe vorhin spontan eine Einladung bekommen, übers Wochenende nach Catalina Island zu fahren, die würde ich sehr gern annehmen.«

»Wie lange ist er denn weg?«, fragte Bob.

»Mr Pinches? Bis Dienstag. Aber Montagfrüh kann ich wieder übernehmen.«

»Geht klar«, sagte Bob. »Justus und Peter sind nicht da, aber ich kann das machen. Die Katzen müssen allerdings meine quasselnde Cousine ertragen können!« Er lächelte und warf einen Blick zum dunklen Himmel. »Sollen wir nicht mal ins Trockene gehen?«

Die anderen nickten und die Gruppe verzog sich unter das Dach der Veranda.

Tante Mathilda war inzwischen beruhigt im Haus verschwunden. Katzen füttern, das klang ungefährlich. Hilfsbereit sollten die Jungs ruhig sein! Sehr suspekt waren ihr hingegen Detektivaufträge, die die drei ??? ihrer Ansicht nach meist in viel zu große Gefahr brachten.

»Und wo wohnt dieser Mr Pinches?«, wollte Bob von Lesley wissen. »Ach ja, möchtest du was trinken?«

»Nein danke. Ich muss gleich weiter. Sonst immer sehr gerne, das weißt du.« Sie lächelte Bob an. »Mr Pinches’ Haus liegt im Canyon. Ich habe dort mal Bücher angeliefert. Ein abgelegenes Anwesen ein Stück hinter der Kurve mit dem Felsen. Man muss aufpassen, damit man die Zufahrt nicht übersieht. Ich fand es da etwas … unheimlich.«

Bob sah Justus grinsen. Er wusste genau, was der Erste Detektiv dachte. »Unheimlich« – typisch Mädchen. Da war ein Justus Jonas natürlich aus anderem Holz geschnitzt!

Wind kam auf und drückte den stärker gewordenen Regen weit unter das Terrassendach. Um nicht nass zu werden, trat Lesley ein paar Schritte auf die Hauswand zu. »Der Schlüssel zum Haus ist in einer Art Totenkopf aus Plastik vor der Veranda versteckt. Das Futter steht in der Küche. Da liegt auch ein Zettel, wie oft die Katzen was bekommen.«

»Krieg ich hin«, sagte Bob.

»Geht es schon heute Abend? Dann kann ich gleich packen und losfahren.«

Bob nickte.

Lesley nannte ihm noch die genaue Adresse und verabschiedete sich. »Danke, Bob«, warf sie hinterher, »du hast was gut bei mir!« Dann rannte sie durch den Regen und verschwand hinter der Toreinfahrt aus dem Blick.

»Hättest ihr ruhig einen Schirm ausleihen können«, sagte Peter.

Bob wurde rot. »Wenn es so weiterregnet, werdet ihr wenig Spaß beim Surfen haben!«, wechselte er schnell das Thema und rieb sich frierend die Arme.

Peter sah zum Himmel. »Das ist in einer Stunde vorbei. Morgen lacht wieder die Sonne!«

»Aber erst einmal gehen wir rein«, entschied Justus. »Und dann kann Bob uns endlich bestätigen, dass meine Beobachtungsgabe selbstverständlich die beste ist!«

Sie verzogen sich in die Küche. Tante Mathilda hatte Tee gemacht. Die drei ??? setzten sich an den Tisch und bedienten sich.

»Wie ist das nun mit der Haarfarbe?«, fragte Justus.

»Also …«, begann Bob und trank langsam einen Schluck aus seiner Tasse.

»Mach es nicht so spannend!«, drängelte der Erste Detektiv. Inzwischen war er sich seiner Sache sehr sicher. Eigentlich täuschte er sich nie.

Peter hingegen zog die Schultern zusammen. Warum auch immer, aber Justus traf ja regelmäßig ins Schwarze. Bestimmt hatte ihm, Peter, die Vorstellung einen Streich gespielt. Wahrscheinlich hatten sich in seinem Hirn die Bilder der Verkäuferin und einer anderen Person überlagert. Die ersten Ausreden jagten Peter durch den Kopf.

Jetzt setzte Bob einen Gesichtsausdruck auf wie ein Quizmaster beim Millionenspiel. Verschmitzt blickte er seine Freunde an. »Ob ihr es glaubt oder nicht … die Verkäuferin im Outdoor World hatte …«, sagte er langsam, trank noch einen Schluck Tee und dann noch einen, »… sie hatte Haare … und die waren … dunkelblond! Eine Schwarzhaarige arbeitet dort gar nicht! Nicht mehr! Gratulation, Peter! Du bist der Sieger des Tages!«

Justus verschluckte sich am Tee und prustete ihn über den halben Tisch.

Wasserspeier

Fast hätten sie die Einfahrt verpasst. Wie es Lesley beschrieben hatte, lag das Tor ziemlich versteckt, ein paar Meter neben der Straße und halb hinter Büschen verborgen.

»Halt«, rief Bob, »hier muss es sein!«

Onkel Titus sah in den Rückspiegel und bremste scharf ab. »Bist du sicher, dass du nachher problemlos zurück nach Rocky Beach kommst?«

»Das sind nicht mehr als zwanzig Minuten zu Fuß«, sagte Bob. »Wenn du von deiner Einkaufstour in die Berge zurückfährst und ich laufe hier immer noch rum …«

»…dann packe ich dich wieder ein«, sagte Titus Jonas und lachte. »Aber nur, wenn du dann noch in den Wagen passt. Schließlich muss ich mich um den Nachlass eines Antiquitätensammlers kümmern.«

Bob stieg aus. »Danke fürs Mitnehmen!«

»Kein Thema.« Justus’ Onkel nickte Bob zu und gab wieder Gas. Der dritte Detektiv sah ihm nach. Sein eigener Wagen, ein alter VW Käfer, stand zu Hause und sein Fahrrad noch auf dem Schrottplatz. Als er von dort hatte losradeln wollen, hatte er festgestellt, dass es einen Platten hatte. Da war es ein glücklicher Umstand gewesen, dass Onkel Titus gerade in den Canyon fahren wollte und Bob mitnehmen konnte. So hatte er sich zumindest den Weg hinauf erspart.

Bob ließ einen Toyota passieren und überquerte die Straße. Ein brüchiger Teerweg führte auf das Tor zu, auf dessen rechtem Begrenzungsstein eine fratzenhafte Gestalt aus Stein thronte. Beim Näherkommen sah Bob, dass es sich um einen Hund mit drei Köpfen handelte. Darunter war ein Briefkasten montiert, an dem ein kleines Schild angebracht war, dessen verwitterte Buchstaben man als A. Pinches interpretieren konnte.

Das Tor war nur angelehnt und Bob schlüpfte hindurch. Er wollte die Katzen möglichst schnell füttern, damit er rechtzeitig nach Hause kam. Duschen, umziehen – und dann Mary vom Flughafen abholen und sich wortreich mit ihr ins abendliche Rocky Beach stürzen. Das war der Plan. Wobei die Redeanteile in etwa bei neunzig zu zehn liegen würden. Und selbst an den zehn Prozent würde er noch arbeiten müssen.

Hinter dem Tor führte die Auffahrt zwischen Bäumen hindurch. Deren Wurzeln hatten lange Rippen in den Teerbelag gedrückt. Wasserpfützen zeugten vom Regen, der heftig, aber kurz über die Küste hinweggezogen war. Es war eine seltsame Stimmung, nicht mehr Tag und noch nicht Nacht. Die Sonne war zwar hinter den Bergen verschwunden. Doch das Wasser dampfte immer noch vom warmen Teerweg auf.

Bob blieb stehen und sog die herrliche Luft ein. Schade, dass Justus und Peter nicht dabei waren. Doch die hatten ihr Gepäck zusammensuchen und den Campingwagen beladen wollen und daher wenig Interesse gezeigt, ihm beim Katzenfüttern zuzusehen.

Bob lief weiter, kam um eine Kurve und plötzlich öffnete sich der Blick. Jenseits eines breiten Vorplatzes lag Mr Pinches’ Haus. Es war größer, als Bob es sich vorgestellt hatte. Und dunkler. Er konnte jetzt gut verstehen, dass Lesley es unheimlich fand. Vor allem auch wegen der vielen seltsamen Figuren an den Außenwänden und an der Dachrinne. Ähnlich dem Hund, der ihn am Eingangstor begrüßt hatte. Sie erinnerten Bob an Fotos von Steinfiguren, die die mittelalterlichen Kathedralen in Europa durch ihr gruseliges Aussehen vor anderen bösen Geistern schützten.

Finster hoben sich die Monster vor dem rosarot leuchtenden Abendhimmel ab. Bob konzentrierte sich und entdeckte immer mehr dieser fratzenartigen Gesichter. Tiermenschen, Kobolde und Dämonen. Sie konnten einem schon Angst machen, wenn man so alleine da war.

Er hielt inne und zog sein Mobiltelefon aus der Jacke. Netzverbindung war da, wenn auch sehr schwach. Bob hatte Lust, Justus anzurufen. Das mit den Figuren würde ihn interessieren. Peter weniger, der hatte schnell Angst – Angst vor Dämonen, aber natürlich auch Angst um sein Surfwochenende. Der dritte Detektiv ließ die Hand mit dem Telefon wieder sinken. Das mochte ihm Bob nicht verderben.

Er wollte sein Handy gerade wieder einstecken, als er rechts vor sich im Unterholz ein Knacken hörte. Bestimmt irgendein Tier. Bob ließ den Blick schweifen und sah einen lehmigen Weg, der schräg in den Wald führte. Plötzlich hatte er eine Idee. Er stellte das Handy auf Aufnahmefunktion und hielt es sich an den Mund. »Ich stehe vor dem Haus von Mr Pinches«, sprach er in das Mikrofon. »Ich nehme eine Sprachnachricht für euch auf, Justus und Peter, damit ihr die spannende Geschichte miterleben könnt, wie ich die Katzen füttere.«

Bob unterbrach die Aufnahme und starrte auf den Boden. Da waren Bremsspuren auf dem Vorplatz. Als hätte Mr Pinches vor seiner Abfahrt noch die Funktionsfähigkeit seines Autos überprüft. Oder war ihm etwas vor den Wagen gelaufen? »Ich sehe merkwürdige Reifenspuren auf dem Vorplatz«, murmelte Bob in das Handy. »Und ich habe einen zweiten Fahrweg entdeckt, der vom Haus in den Wald führt.« Er ging auf den Weg zu und bückte sich. »Auch hier Reifenspuren, aber ziemlich verwaschen. Ich frage mich: Warum ist Mr Pinches nicht die reguläre Ausfahrt hinausgefahren? Wo führt dieser Waldweg hin?« Bob spürte, dass auch ihn jetzt ein leicht unheimliches Gefühl beschlichen hatte und dass ihm das Sprechen auf das Handy Sicherheit gab. Irgendwie fühlte er sich nicht mehr ganz so allein, auch wenn das natürlich Blödsinn war.

Gleichzeitig war seine detektivische Neugier geweckt. Er trat näher an die Reifenspur, die sich im feuchten Lehm nur undeutlich abzeichnete. Wahrscheinlich war sie vor dem Regen entstanden. »Ich gehe jetzt den Weg in den Wald entlang«, flüsterte Bob in das Telefon. »Ich will wissen, wo er hinführt. Er macht eine Kurve … nun eine weitere … immer noch sind die Reifenspuren zu sehen. Seltsam, da scheinen auch Fußabdrücke zu sein. An manchen Stellen jedenfalls, dort, wo der Regen nicht so stark war. – Au!«

Bob fuhr herum. Etwas hatte ihn an der Jacke gepackt. Er wollte losrennen, doch es ging nicht. Es hielt ihn fest! Dann, mit einem lauten Ratsch, stolperte er plötzlich vorwärts. Gerade noch konnte er einen Sturz verhindern. Schwer atmend blieb Bob stehen.

Er griff sich an die Seite und ertastete, dass seine Jacke auf Höhe der rechten Tasche zerfetzt war. Entschlossen drehte er sich um. Da war niemand! Er blickte den Weg zurück. Ein paar Meter hinter sich konnte er im Zwielicht der Dämmerung ein Stück Stoff erkennen, das an einem Ast baumelte. Erleichtert atmete er aus. »Sorry für den Schreck!«, hechelte er ins Handy. »Bin einfach irgendwo hängen geblieben.«

Ausgerechnet seine neue Sommerjacke. Auf die er so stolz war. Bob ging die paar Schritte zurück, um den Stofffetzen zu betrachten. Ob man ihn wieder annähen konnte? Doch er hatte sich so fest um den Dorn gewickelt, dass Bob ihn nicht abbekam. Es hätte ohnehin keinen Sinn mehr gehabt, den Fetzen zu Tante Mathilda zu bringen: Der Riss in der Jacke war viel zu ausgefranst, als dass man ihn hätte flicken können.

Bob wandte sich ab und ging wieder los. Es war noch dunkler geworden. »Ich laufe nun weiter«, sprach er in sein Handy. »Links und rechts Buschwerk, Unterholz. Dahinten … glänzt etwas … Es ist … ein Auto?« Bob stockte. Tatsächlich. Ein Stück vor ihm stand links an einer Böschung ein dunkel lackiertes Auto. Doch die Parkposition war seltsam unnatürlich. Die Frontpartie des Wagens ragte so weit den Hang hinauf, dass das Heck auf dem Boden aufgesetzt hatte. Die beiden hinteren Reifen waren zerfetzt, die Fahrertür stand offen.

Vorsichtig näherte sich Bob dem Wagen. Es schien niemand darin zu sein. Der dritte Detektiv schaltete die Taschenlampe seines Handys an und leuchtete in das Fahrzeuginnere. Alles verlassen. Offenbar hatte der Fahrer wegen der geplatzten Reifen die Kontrolle über das Auto verloren. Er war seitlich vom Weg abgekommen und dann von einem jungen Baum gebremst worden, der den Wagen dabei leicht angehoben hatte.

Bob beschrieb, was er sah. Dann fügte er hinzu: »Vom Fahrer keine Spur. Er scheint den Unfall unverletzt überstanden zu haben. Ich entdecke zumindest kein Blut. Dann hat er sich wohl vom Ort entfernt. Vielleicht im Schock. Der Zündschlüssel steckt noch. Ich sehe, dass das Handschuhfach geöffnet ist. Es ist leer. Und der Kofferraum?« Bob ging ans Heck. »Der lässt sich nicht öffnen. Abgeschlossen oder durch den Unfall verformt.«