Die drei ??? Die falschen Detektive (drei Fragezeichen) - Ben Nevis - E-Book

Die drei ??? Die falschen Detektive (drei Fragezeichen) E-Book

Ben Nevis

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Beschreibung

Ungeheuerlich: Drei Jungen, die noch nie zuvor in Rocky Beach gesehen wurden, geben sich als die drei ??? aus! Ganz klar: Justus, Peter und Bob müssen den falschen Detektiven das Handwerk legen.

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Seitenzahl: 152

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Die falschen Detektive

erzählt von Ben Nevis

Kosmos

Umschlagillustration von Silvia Christoph, Berlin

Umschlaggestaltung von eStudio Calamar, Girona, auf der Grundlage

der Gestaltung von Aiga Rasch (9. Juli 1941 – 24. Dezember 2009)

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele

weitere Informationen zu unseren Büchern,

Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und

Aktivitäten findest du unter kosmos.de

© 2019, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Mit freundlicher Genehmigung der Universität Michigan

Based on characters by Robert Arthur

ISBN 978-3-440-16052-7

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

»Bầu ơi thương lấy bí cùng,

tuy rằng khác giống nhưng chung một giàn.«

Vietnamesisches Sprichwort

Metalldetektor

Bob Andrews beschleunigte seinen Schritt, doch der Abstand reichte nicht mehr, um sich unauffällig an dem Jungen mit dem blonden Wuschelkopf vorbeizudrängeln. Dieser trat wie befürchtet an das Warenregal, in dem nur noch ein einziger Metalldetektor auf einen Käufer wartete. Mit dem Rücken zu Bob nahm er ihn prüfend in die Hand.

Hoffentlich legt er den Detektor wieder zur Seite, dachte Bob und versuchte, das Preisschild zu entziffern, das an der Leiste über dem Regalboden klebte. Billig war das Gerät nicht, mit dem die drei Detektive am Strand nach Schätzen suchen wollten. Ihr eigener Detektor hatte in Rocky Beach seinen Geist aufgegeben. Aber die Detektivkasse war zum Glück gerade gut gefüllt.

Justus und Peter würden verdammt sauer sein, wenn er ohne das Ding zurückkäme. Zusammen mit seinen Freunden war Bob die Küste hochgefahren, nach Santa Barbara, um für ein paar Tage das Haus eines Bekannten von Justus’ Onkel Titus zu hüten, der auf einer Fortbildung war. Die Zeit wollten die drei ??? sinnvoll nutzen: Sie mussten eine Präsentation für den Biologieunterricht vorbereiten. Thema: Einzigartig in Australien: das Schnabeltier. Aber man konnte ja schließlich nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen. Das war ungesund. Gesund hingegen war Bewegung. Zum Beispiel an den Strand gehen, im Meer baden und nach im Sand verborgenen Schätzen suchen. Bob ahnte, dass sich das schnell zu ihrer Hauptbeschäftigung entwickeln würde.

Der andere Junge hatte seine Produktstudie beendet. Er klemmte sich den Metalldetektor unter den Arm und suchte den Weg zur Kasse.

Enttäuscht sah sich Bob nach einem Mitarbeiter um. Vielleicht gab es ja noch ein Exemplar im Lager. Sein Blick fiel auf eine Frau in einem weißen Kittel, die sich von einer Versandkiste aufrichtete und den anderen Jungen ansprach, der gerade an ihr vorbeiging.

»Du nimmst ihn also?«

Der Junge, vermutlich etwa in Bobs Alter und etwas kleiner als er, nickte.

»Da hast du noch mal Glück gehabt!«, sagte die Frau. »Es ist der letzte, den wir haben. Und Detektive ohne einen Metalldetektor kann man sich ja schwerlich vorstellen.«

Bob zuckte zusammen. Der andere Junge war ein Detektiv?

»Da haben Sie recht«, antwortete dieser, »wie gut, dass Mrs Willard mich direkt zu Ihnen geschickt hat.«

»Grüße sie von mir, Bob!«

Unwillkürlich musste Bob grinsen. Er heißt wie ich, dachte er. Ungewöhnlich war das nicht. Bobs gab es in Amerika wie Sand am Meer.

»Mach ich!« Der Junge wandte sich zum Gehen.

Die Verkäuferin rief ihm nach: »Viel Erfolg bei der Suche!«

Lässig reckte der Junge den Daumen nach oben. »Den werden wir haben, schließlich sind wir die drei ???!«

»Eben«, sagte die Verkäuferin.

Im ersten Moment meinte Bob, sich verhört zu haben. Doch der Junge war klar zu verstehen gewesen. Schließlich sind wir die DREI ???! Bob setzte sich in Bewegung.

»Kann ich dir helfen?«, fragte die Verkäuferin, als er an ihr vorbeigehen wollte.

»Nein, ja … später!«, stotterte Bob und schob sich so hektisch an ihr vorbei, dass er über die Versandkiste stolperte. Eine Flut von Eieruhren ergoss sich auf den Boden.

»Ich … ich komme gleich zurück und räume … Ach … Entschuldigung! Bitte!«, stieß Bob hervor und hetzte weiter. Der andere Junge war gerade dabei, den Baumarkt zu verlassen. Bob beschleunigte sein Tempo.

Der kritische Blick des Kassierers traf ihn, als er, ohne etwas zu bezahlen, durch den leeren Kassengang joggte. »Warte mal! Warum so eilig?«

»Ich habe nichts«, sagte Bob und lief weiter.

Inzwischen hatte der Junge den Vorplatz des Ladens betreten. Bob sah, wie vom Parkplatz her ein Wagen heranrollte. Der Junge öffnete die Beifahrertür, stieg ein und das Auto brauste davon. Bob versuchte noch, die Nummer zu erkennen, sah das Auto aber nur von der Seite.

Mist!

Bob holte Luft und drehte sich wieder um. Der Kerl hinter der Kasse war von seinem Hocker aufgestanden und starrte ihn an. »Er … Ich dachte … ich kenne ihn, diesen Jungen, wissen Sie«, sagte Bob und lächelte. »Ein Freund von mir. Leider verpasst!«

Der Kassierer verzog den Mund und Bob ging wieder in den Baumarkt hinein. Inzwischen hatte die Verkäuferin alle Eieruhren eingesammelt.

»Jetzt ist es leider zu spät für deine Hilfe«, sagte sie, als sie Bob erkannte.

»Ich bitte noch einmal um Entschuldigung«, murmelte Bob. Tausend Gedanken flogen ihm durch den Kopf, aus denen er sich einen groben Plan zurechtlegte, wie er an die Information kommen konnte, die er nun brauchte. »Der Junge eben, ich glaube, ich weiß, wer das ist. Bob heißt er, oder?«

»Ja«, bestätigte die Verkäuferin, »Bob Andrews.«

Andrews. Es traf ihn wie ein Schlag. Sein Name! Nun war eindeutig klar, dass hier etwas nicht stimmte. Bob versuchte, die Fassung zu bewahren. »Ist er nicht Detektiv?«

Die Verkäuferin nickte. »Kennst du ihn? Oder hast du unser Gespräch mitgehört?«

»Ich kenne ihn«, sagte Bob. »Er wohnt in Rocky Beach. Zusammen mit seinen Freunden hat er meiner Tante geholfen, eine alte … Uhr wiederzufinden. Wir dachten erst, die Uhr sei gestohlen worden, aber dann hat sich herausgestellt, dass … Na ja, jedenfalls hat er bei der Sache sein Set für Fingerabdruckpulver vergessen, ich habe es für ihn aufbewahrt.« Bob griff in die Jackentasche, in der er für die Fahrt nach Santa Barbara sein eigenes Set eingesteckt hatte. Man konnte ja nie wissen! Der Deckel trug sogar die Initialen BA. »Hier!«, sagte er und wedelte damit in der Luft herum. »Ich würde es ihm gerne zurückgeben. Bob … sagte etwas von einer Mrs Willard, die Sie offenbar beide kennen?«

»Ja, das ist eine alte Schulfreundin von mir. Sie wohnt zurzeit oben in den Bergen. Direkt am Canyon. Sonst kommt sie immer selbst zu mir, aber da sie die Operation an den Knien hatte …«

Interessiert zog Bob die Augenbrauen hoch. »Und sie sucht einen verlorenen Gegenstand?«

Die Verkäuferin nickte. »Ja, so ähnlich, und die drei ??? helfen ihr dabei. Den Tipp hat sie von mir!«

»Okay«, sagte Bob und überlegte schnell. Konnte er die Verkäuferin noch weiter ausquetschen, ohne dass es auffiel? Er entschied sich dagegen. Wichtig war zunächst einmal die Adresse. »Dann könnte ich das Pulver ja bei Mrs Willard vorbeibringen«, sagte er. »Wo genau –?«

Eine ältere Dame hatte sich genähert und baute sich direkt neben Bob auf. »Geht es vielleicht mal vorwärts?«, blaffte sie. »Wo finde ich die Eismaschinen? Im Gegensatz zu Ihnen beiden habe ich heute noch was zu erledigen!«

Die Verkäuferin zwinkerte Bob zu. »Am Ende der Barranco Road«, sagte sie schnell. »Nummer dreizehn.«

»Wollen Sie mich auf den Arm nehmen, junge Frau?«, rief die Kundin. »Ich suche eine Eismaschine und keinen Ausflugstipp!«

»Schade«, sagte die Verkäuferin trocken. »Die Eismaschinen stehen einen Gang weiter, hinten links!«

Bob grinste die Verkäuferin an und machte sich davon. Der Kassenbereich war nach wie vor leer. Vermutlich typisch für die frühe Nachmittagszeit. »Metalldetektoren sind leider ausverkauft«, rief Bob dem Kassierer zu, bevor der seinen Mund aufmachen konnte.

Kaum hatte Bob den Baumarkt verlassen, spurtete er los, um Justus und Peter zu berichten, was er eben erlebt hatte. Die drei ??? gab es also zweimal. Auch Bob Andrews gab es zweimal. Und wenn man es logisch zu Ende dachte, musste es auch Peter Shaw zweimal geben und Justus Jonas erst recht. Wie das wohl dem Ersten Detektiv gefallen würde?

Der falsche Bob

Als der dritte Detektiv eintrat, waren seine Freunde dabei, die Kleidung aus den Rucksäcken auszupacken und in einem offenen Wandregal zu verstauen. Der Freund von Onkel Titus, Brad Capote – passenderweise Biologielehrer und Autor von Büchern wie Die Bäume Kaliforniens oder Heilige, teure und gefährliche Pflanzen Südostasiens –, hatte ihnen das Gästezimmer seines kleinen, aber schön gelegenen Hauses zurechtgemacht. Dessen zwei Stockwerke schmiegten sich leicht versetzt an einen der großen Hügel, die Santa Barbara umgaben. Vom Fenster aus hatten die drei Detektive einen Blick in den kleinen Garten und sogar auf das in der Hitze flimmernde Zentrum der Hafenstadt. Dahinter lag glitzernd das Meer.

Die Jungen durften die Küche benutzen, den Schreibtisch im Arbeitszimmer und die umfassende Bibliothek. Aber nur, wenn sie mit entsprechender Vorsicht zu Werke gingen und nachher alles wieder säuberlich an den dafür vorgesehenen Platz stellten. Brad Capote war ein sehr ordentlicher Mensch.

Sie hatten die Aufgaben verteilt. Justus würde das mit dem Ordnunghalten übernehmen, Bob sich um die Küche und das Essen kümmern. Peter übernahm den Job, die exotischen Gartenpflanzen nach einer extra dafür angefertigten Anleitung mit Wasser zu versorgen.

»Wo ist der Metalldetektor?«, begrüßte Justus seinen Freund.

»Ausverkauft«, sagte Bob knapp.

»Mist!« Wütend pfefferte Peter Socken in das Regal, die prompt wieder herausfielen. »Wir wollten doch nachher zum Strand gehen und Schätze suchen! Ich habe echt keine Lust auf irgendwelche Schnüffeltiere!«

»Schnabeltiere«, korrigierte Justus.

»Das ist doch jetzt wirklich nebensächlich!«, maulte der Zweite Detektiv.

»Peter! Wie willst du denn deine Prüfung bestehen, wenn du nach ein paar Stunden Fahrt sogar schon die Bezeichnung des Tieres vergessen hast?«

»Das hat doch Zeit bis morgen.«

»Moment mal!« Bevor die beiden in Streit gerieten, zog Bob die Aufmerksamkeit wieder auf sich. »Justus! Peter!«, sagte er und gab seiner Stimme den Ton eines Nachrichtensprechers. »Ich muss euch mitteilen, dass in Santa Barbara eine Detektivgruppe am Werk ist, und zwar unter dem Namen … Die drei ???!«

»Netter Versuch«, sagte Justus und wollte sich wieder Peter zuwenden.

»Die drei Schnüffeltiere«, witzelte Peter. »Das würde doch besser passen!«

»Schnabeltiere!«, rief Justus.

»Ich meine es ernst.« Bob holte Luft. Und dann erzählte er, was er erlebt hatte.

Mit großen Ohren hörten Justus und Peter zu. Schnüffel- oder Schnabeltiere, Meer, Strand und Metalldetektor waren sofort vergessen.

»Da kopiert uns jemand«, schloss Bob. »Ich kann euch gar nicht sagen, wie mich das schockt!«

»Das ist eine ungeheuer vermessene Anmaßung«, sagte Justus. »Die drei ??? – das sind wir! Wir sind doch …« Ihm fehlten kurzzeitig die Worte, und das passierte nicht oft. »Einzigartig!«, fügte er dann hinzu und schwieg wieder.

Peter grinste Bob an. »Dann läuft da bestimmt auch ein zweiter Peter Shaw rum! Wie sah er denn aus, der andere Bob? Besser als du?«

»Ich habe ihn nicht genau gesehen«, gestand Bob. »Eigentlich nur von hinten. Er ist kleiner als ich, blond und … doof.«

»Doof?«

»Ja, doof!« Bob lachte. »Nein, natürlich nicht. Keine Ahnung. Ich kann doch schlecht sagen: ›Was für ein toller Typ! Ich bin begeistert!‹ Pass du lieber auf, dass du gegen den anderen Peter sportlich nicht abschmierst!«

»Ich finde das nicht lustig«, sagte Justus. »Wir müssen der Sache auf den Grund gehen, das ist doch klar, oder? Das kann ja wohl kaum ein Zufall sein. Jemand gibt sich für uns aus!«

»Woher wissen die überhaupt, dass es uns gibt?«, fragte Peter.

»Wir haben schon viele Fälle gelöst«, sagte Justus. »Da kennen uns eine Menge Leute. Ab und zu waren wir sogar in der Zeitung – wenn wir in letzter Zeit auch versuchen, öffentlich zugängliche Fotos von uns zu vermeiden. Schließlich ermittelt es sich nicht so gut, wenn einen die halbe Welt kennt!«

»Genau, wir bleiben lieber inkognito«, sagte Peter.

Überrascht sah Justus seinen Freund an. »Woher kennst du derartige Begriffe?«

»Tja …« Peter grinste. »Inkognito: Geheimhaltung dessen, was man eigentlich ist«, dozierte Peter im Justus-Ton.

»So ähnlich.« Bob warf ein Blick auf das Bett, auf dem eine Sportzeitung lag. Basketballstar im Interview: Im Urlaub bleibe ich lieber inkognito lautete der Titel.

»Vielleicht ist alles nur ein Spiel.« Justus zupfte an seiner Unterlippe. »Die Jungs haben von uns gelesen und spielen nun auch Detektiv«, überlegte er. »Vielleicht sind wir ein … richtiges Vorbild!«

»Gib nicht so an«, sagte Bob. »Und außerdem glaube ich das nicht. Die ganze Situation hat sich nicht so angefühlt, sondern irgendwie ernster. Wenn man ein Spiel spielt, erzählt man doch nicht der Verkäuferin im Baumarkt, man sei Mitglied der drei ???. Ich glaube: Jemand ermittelt unter unserem Namen!«

»Wir werden es herausfinden«, sagte Justus.

»Aber wir können doch nicht einfach bei Mrs Willard klingeln und dezent darauf hinweisen, dass wir die echten drei ??? sind«, warf Peter ein.

Bob legte den Kopf schief. »Und warum nicht?«

»Weil wir auf diesem Wege dem Geheimnis nicht auf die Spur kommen würden«, sagte Justus. »Es würde eine heftige Auseinandersetzung geben. An deren Ende würden wir zwar beweisen, dass wir die echten drei ??? sind, und alles fliegt auf. Aber wir würden nicht herausbekommen, was für eine Geschichte hinter der Sache steckt. Im Zweifel haben die drei falschen Detektive irgendeine lapidare Erklärung parat und verschwinden. Es mag zwar unschön sein, sich für uns auszugeben, aber es ist beileibe kein Verbrechen.«

»Da ist was dran«, überlegte Bob. »Es wäre besser, wenn wir die anderen Detektive beobachten könnten. Aus der Distanz. Undercover. Geheim. Inkognito.«

»So ist es!«, bestätigte Justus. »Ich schlage vor, wir fahren in die Barranco Road und schauen uns Gegend und Haus einfach mal an.«

»Und das Schnabeltier?«, fragte Peter scheinheilig.

»Für die Schule lernen können wir auch noch morgen«, entschied Justus, ohne eine Miene zu verziehen.

Sie ließen die Rucksäcke halb ausgepackt stehen und suchten die wichtigsten Detektivutensilien zusammen. Dazu gehörte Peters Dietrichset ebenso wie der Peilsender, drei Taschenlampen, ein Fernglas und eine Fotokamera. Sie packten alles in eine Sporttasche. Justus sah sich um und schnappte sich aus dem Vorrat des Biologielehrers noch einen Teleskopkescher und eine Insektensammelbox. Notfalls brauchten sie einen Grund, warum sie durch die Gegend streiften. Und laut Stadtplan war das entsprechende Wohngebiet umgeben von Natur. Dann verließen sie das Haus und schlossen ordnungsgemäß dreimal ab.

»Warte, Bob!«, sagte Justus, als sie in den VW einsteigen wollten. »Erkennt dich der falsche Bob wieder?«

Bob schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht. Ich war die meiste Zeit hinter ihm. Wir haben keine Blicke gewechselt und nicht miteinander gesprochen.«

»Okay«, sagte Justus, war aber noch nicht ganz zufrieden. »Trotzdem müssen wir vorsichtig sein. Wir wissen nicht, ob die falschen drei ??? wissen, wie wir aussehen. Bis wir einen guten Plan haben, sollten wir ihnen nicht über den Weg laufen.« Justus öffnete die Beifahrertür und kletterte auf die Rückbank. »Fahren wir!«

Das Haus am Canyon

Die Barranco Road lag außerhalb von Santa Barbara und die Detektive mussten ein Stück in die Berge hineinfahren. Immer wieder gab die kurvige Strecke die atemberaubende Sicht auf die Bucht von Santa Barbara frei. Doch die drei hatten keinen Sinn dafür, anzuhalten und Erinnerungsfotos zu machen.

Nach einer Weile sahen sie nicht allzu weit entfernt ein Wohngebiet an einem Höhenzug, der mit wildem Macchiagestrüpp bewachsenen war. Weiter abwärts führte das Gelände in einen Canyon, dessen Flusslauf für üppigere Vegetation sorgte. Sogar Bäume wuchsen hier.

Sie überquerten die Schlucht auf einer schmalen Brücke und wenig später bog Bob in die Siedlung ein. Es gab eine Hauptstraße, die direkt in Richtung Meer führte, das in der Ferne auf die Strände von Santa Barbara zurollte. An beiden Seiten der Straße zweigten je drei palmenbestandene Alleen ab, an denen die Häuser lagen. Sie wirkten alle sehr vornehm.

Die Barranco Road war die letzte der drei Alleen. Bob bremste ab und lenkte den Wagen geschickt um ein viel zu knapp vor der Kreuzung geparktes gelbes Cabrio nach rechts in die Seitenstraße hinein. Langsam ließ er den VW die Grundstücke entlangrollen. Beiderseits lagen etwas zurückversetzt die Einfamilienhäuser. Es waren stattliche Anwesen mit gepflegten Gärten und offenbar gut gewässerten bunten Blumenstauden. Blitzblanke Autos parkten vor großen Garagen. Neben einer Villa spielten zwei kleine Kinder, ansonsten war die Straße menschenleer.

»Es muss das letzte Haus sein«, sagte Justus, der die Hausnummern im Blick hatte, »das letzte Haus auf der linken Seite.«

»Direkt am Canyon«, sagte Peter, »und wahrscheinlich mit Meeresblick. Nicht schlecht.«

»Neidisch?«, fragte Bob.

Peter schüttelte den Kopf. »Ich? Nein! Viel zu weit vom Strand weg!«

Bob lachte und verlangsamte noch einmal das Tempo. »Da vorne ist es!«

Doch viel sehen konnten sie nicht. Eine hohe Mauer aus großen anthrazitfarbenen Steinquadern versperrte ihnen den Blick auf das Grundstück. Sie wurde lediglich durch ein stählernes Einfahrtstor unterbrochen. Justus gelang es, im Vorbeifahren den Namen, der rechts neben dem Tor in den Stein eingraviert war, zu entziffern. E. Nguyen.

»Nguyen. Nicht Willard?«, fragte Justus erstaunt. »Sind wir etwa falsch?«

»Die Verkäuferin hat diese Adresse genannt«, sagte Bob. »Barranco Road Nummer dreizehn. Sie kann sich natürlich geirrt haben.«

»Schade, dass wir nicht durch die Mauer sehen können«, sagte Peter.

Dann waren sie am Grundstück vorbei. Hinter dem Anwesen führte die Straße nur noch wenige Meter weiter und endete in einem Wendekreis. Dahinter stieg das Gelände an, trockener Boden, Gestrüpp, in dem sich Plastikmüll verfangen hatte, Macchia, Niemandsland.

Bob lenkte den Wagen in den Wendekreis und hielt an. »Vielleicht können wir vom Hügel aus das Grundstück einsehen«, sagte er und zeigte auf einen kleinen Pfad, der nach wenigen Metern zwischen den Büschen verschwand. »Möglicherweise entdecken wir den falschen Bob. Dann wissen wir, ob wir hier richtig sind.«

»Einen Versuch ist es wert«, sagte Justus und griff sich die Sporttasche mit den Detektivutensilien. »Setzt die Sonnenbrillen auf, Kollegen. Und eure Kappen!«

»Was sagen wir, wenn uns jemand fragt, warum wir hier sind?«, wollte Peter wissen.

Justus grinste. »Wir wollen seltene Tiere beobachten! Eine gute Tarnung liegt oft knapp neben der Wahrheit. Dann verplappert man sich nicht so schnell.«

»Und wer soll uns schon begegnen?«, ergänzte Bob und stieg aus. »Kein Mensch ist hier unterwegs. Zumal bei der Hitze!«

Justus schnappte sich noch den Teleskopkescher, den er eingepackt hatte, und hängte die Insektenbox an seinen Gürtel. »Dann los«, sagte er und schritt selbst voran.

Der Trampelpfad erwies sich als ein kleines Labyrinth durch das Gestrüpp. Aber es war einfach, die Orientierung zu behalten. Man musste nur immer bergan abbiegen.

Schon nach kurzer Zeit kam Justus ins Schwitzen, doch erst als sie den Hang zur Hälfte hinaufgeklettert waren, stoppte er an einer sandigen Ausbuchtung des Weges. »Hier passt es«, sagte er schnaufend, »die Büsche geben uns Sichtschutz von unten. Und die Höhe reicht, um einen guten Überblick zu erhalten.«