Die Fassade des Ideals - A. M. Berger - E-Book

Die Fassade des Ideals E-Book

A. M. Berger

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Beschreibung

"Die Fassade des Ideals" ist der erste Text der den Zeitgeist der Postmoderne auf basis philosophischer Analyse definiert. Es wird dargelegt wie die Postmoderne auf Grundlage der Emotionalität einen neuen epistemologischen Vorgang erzeugt, aus welchem schlussendlich die Wahrnehmung einer emotionalen Realität und eines damit verbundenen zeitgeistlichen Narrativs hervorgeht. Dies ist der Ursprung des derzeitigen Konfliktes mit der rationalen Epistemologie der Moderne und die Auswirkungen dieses soziokulturellen Aufpralls werden anhand von abstrakter Analyse und anekdotischer Essays ausgelegt. "Die Fassade des Ideals" ermöglicht ein tiefgreifendes Verständnis des postmodernen Zeitgeistes und gibt Einblick in die aktuelle Entwicklung des gesellschaftlichen Mainstreams.

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Die Fassade des Ideals

Titelseite1. Vorwort2.1 Epistemologie der Postmoderne2.2 Praxis der postmodernen Epistemologie3.1 Das Narrativ – Woher es kommt, wohin es führt3.2 Ein Blick in die Zeitung3.3 Die Zeugung des Narratives3.4 Auswirkung des Narratives4. Sechs Essays über die Postmoderne4.1 Das Ende der Aufklärung4.2 Die Zeitung und der Untertanengeist4.3 Kunst und Kultur4.4 Die Anullierung des Individuums4.5 Lockdowns und die flache Erde4.6 Politik und Postmoderne5. NachwortImpressum

Titelseite

Die Fassade des Ideals

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Postmoderne

Traktat und Essays

von A. M. Berger

1. Vorwort

„Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke“, lauten die berühmten Worte aus Orwells „1984“. Die satirischen Parolen aus der von Orwell vorgestellten totalitaristischen Welt wurden in den letzten Jahren entstaubt um die Absurdität gewisser Alltagsgeschehnisse auf den Punkt zu bringen. Orwell hat womöglich schon früh, ende der 40er Jahre, die ersten Züge der Postmoderne erkannt und zu Papier gebracht, denn was an seiner Geschichte in diesem Sinne auffällig ist, ist dass die propagandistischen Parolen nicht von den Menschen durch Zwang wiedergegeben werden, durch Angst der staatlichen Überwachung aufzufallen, markiert und geächtet zu werden, wie es bis anhin in den Totalitarismen üblich gewesen war; sondern freudig und freiwillig durch die eigene Überzeugung als Resultat der Gehirnwäsche.

Die Parolen die aufs erste absurd erscheinen in ihrer schamlosen Gegenüberstellung erlangen aus sich des postmodernen Zeitgeist eine ganz andere Bedeutung, nämlich die komplett differenzierte Wahrnehmung der Realität. Die Akzeptanz dieses staatlich verbreiteten Narratives wird herbeigeführt auf dem Wege der Emotion, wie es die „zwei Minuten Hass“ sind. Über die emotionale Manipulation werden die Menschen dazu gebracht nicht eine Lüge zu akzeptieren, sondern die Lüge als Wahrheit zu verstehen, eine Wahrheit die auf einer emotional konstruierten Weltanschauung baut. Ebenso ist der Trumpf des emotionalen Denkens gegenüber des rationalen Denkens was die Grundlage der zeitgeistlichen Postmoderne ausmacht.

Derzeit erleben wir mit dem Anbruch dieser neuen Epoche den Zusammenstoss zweier Zeitgeiste welche aufgrund der fundamentalen Unterschiede nicht nur unfähig sind sich zu verstehen, sondern unfähig sind sich als solche zu erkennen, denn es sind verschiedene Dimensionen der Realität die jedem dieser Zeitgeiste beiwohnen, welche sich gegenseitig als Manipulation, Lügenkonstrukt oder Maskerade sehen, nicht aber den grundlegend verschiedenen Ursprung der anderen Realität begreifen können.

Es ist die Absicht dieses Traktates etwas Licht auf den noch wenig studierten Zeitgeist der Postmoderne zu werfen. Aus einer modernen und rationalen Ansicht soll versucht werden zu verstehen, wie das Denken dieser nun definitiv angebrochenen Epoche strukturiert wird. Der Ursprung und Aufbau dieser postmodernen Realitätswahrnehmung soll durch Beispiele sowie abstrakte Analyse definiert werden.

Obgleich der postmoderne Zeitgeist durch seinen Aufbau, der anschliessend beschrieben wird, diese Schrift als unsinnig, abstrus oder sonstwie wertlos abtun sollte, so möge das zumindest Zeugnis sein für die hierin enthaltene kritische Hinterfragung des nun vorherrschenden Denkens und dessen Verleugnung seiner selbst.

2.1 Epistemologie der Postmoderne

Der Mensch ist im Ursprung, wie jedes andere Geschöpf, kein rein rationales Lebewesen, sondern wird geleitet von gewissen Trieben, Instinkten und Verlangen welche ihm das Überleben und schliesslich seine weitere Entwicklung überhaupt erst ermöglichten. Erst das Aufkommen des abstrakten Denkens konnte die Grundlage für jegliches rationale Denken erstellen, wenngleich nicht jedes abstrakte Denken ohne weiteres rational ist. Seither lebt der Mensch in einem Zwiespalt zwischen seinen Ur-Sein, dem Irrationalen, und dem Rationalen. Die soziale Natur des Menschen erlaubte in Zusammenhang mit dem rationalen Denken komplexe Gesellschaften aufzubauen, während die irrationalen Triebe und Instinkte ein entgegengesetzter Ausschlaggeber für die zeitgeistliche Entwicklung sein sollte; eine Entwicklung die keineswegs linear ist, sondern zirkular: Auf Epochen in welche Rationalität im Zeitgeiste vorherrschend ist, folgen Epochen in welchen die Ur-triebe die Überhand erlangen.

Die Postmoderne ist, einfach gesagt, die Epoche die logischerweise der Moderne folgt. Übergänge zwischen Epochen sind meistens fliessend, so kann man die ersten Anfänge der Postmoderne um die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg platzieren, in Schwung kam der Wandel aber sicherlich mit Einbruch des 21. Jahrhunderts. Die «Pandemie» von 2020-21 kann aber mit voller Klarheit als zeitgeistlicher Katalysator verstanden werden der diesen Übergang vollendet, und Phänomene der Moderne nur noch residual vorkommen lässt. Die Moderne hingegen begann mit dem Übergang vom Mittelalter in das Zeitalter der Aufklärung, um das 17. bis 18. Jahrhundert.

Wenn die Moderne ein Zeitalter der Rationalität war, so ist die fundamentale Eigenschaft der Postmoderne ist dass der Zeitgeist auf dem emotionalen Denken beruht. Dies ist eine tendenzielle Umkehr gegenüber dem Zeitgeist der Moderne, während sich der vormoderne oder mittelalterliche Zeitgeist hingegen ebenfalls durch eine Abwesenheit von Rationalität auszeichnet und stattdessen durch das dogmatische Denken definiert wurde.

Um die Epistemologie der Postmoderne zu verstehen ist es vorangehend unablässig zu verstehen dass die Realität wie sie in der Moderne verstanden wurde nicht eine absolute sondern lediglich eine rationale Realität ist. Die Wahrnehmung der Realität ist uns Menschen durch unsere unvollkommenen Sinne nur begrenzt möglich, und die Entwicklung der Rationalität beruhte darauf, eine Reihe von Analysen und logischen Prozeduren zu erstellen, welche uns trotz der Unzulänglichkeiten unserer Wahrnehmung gewisse faktische Wahrheiten festzuhalten. Dieser Prozess, dessen sich die Allermeisten gar nicht explizit aber doch implizit bewusst sind, ist es, welcher in tiefgreifendster Weise modifiziert wird um statt über diesen Prozess des rationalen Vorganges einen emotionalen Vorgang zu schaffen der schlussendlich in einer komplett unterschiedlichen Wahrheitswahrnehmung mündet. Dies Geschieht über drei wesentliche Schritte: Eine emotionalisierte Wertvorstellung wird erstellt, von dieser wird eine emotionale Moralität abgeleitet, und diese definiert schlussendlich die emotionale Realität.

Im ersten Schritt der Epistemologie der Postmoderne wird Wertvorstellung mit Emotion. Die gesellschaftlichen Werte definieren sich nicht mehr durch Prinzipien die sich der Rationalität unterordnen, sondern durch das emotionale Empfinden. Die richtige Wertvorstellung ist das, was dem Gemüt bekommt.

Bedeutend ist hierbei wie teils die selben Ideale der Aufklärung, welche Grundlage für das rationale Denken der Moderne waren, zu verzerrten emotionalen Maximen gestaltet werden welche zumal das emotionale Denken begründen. Anders gesagt werden die Ideale, die einst das rationale Denken einführten, in einem engen, emotional ausgerichteten Interpretationskorsett dogmatisiert, wobei jegliche Abweichung sofort als moralisch verwerflich gilt. Der postmoderne Zeitgeist obliegt somit der Moderne entsprechend den Begehren nach Freiheit, Gerechtigkeit, Ordnung, Gleichheit, usw., doch im Gegensatz zur Moderne werden diese Ziele nicht als ein rationales Vorgehen ersucht, sondern durch ein emotionales Vorgehen, bei welchem das Gemüt in seinem Wunsche diese Begehren zu erreichen befriedigt wird, obgleich sie erreicht werden oder nicht. Es entsteht die bereits erwähnte emotionalisierte Wertvorstellung.

Das darauf folgende Vorgehen gemäss der emotionalisierten Wertvorstellung kann in kompletten Widerspruch zum rationalen Vorgehen der Moderne bezüglich des ursprünglichen Ideals stehen, ohne dass dieser Widerspruch erkannt wird, weil es hingegen im zweiten Schritt dieses epistemologischen Vorgehens die Moralität selbst ist, welche dieser emotionalisierten Wertvorstellung untergeordnet wird. Es gibt kein rationale Vorstellung der Moralität mehr welche sich vom emotionalen Denken loslösen könnte, weil die Wertvorstellung selbst dem emotionalen Diktat folgen muss. Stattdessen wird die emotionale Moralität abgeleitet welche entsprechend der zuvor etablierten emotionalisierten Wertvorstellung definiert wird: Das was der emotionalisierten Wertvorstellung entspricht, ist auch moralische Richtlinie.

Diese neugeschaffene emotionale Moralität ist es welche schlussendlich die Grundlage bildet für die Wahrnehmung der Realität, sodass nun der epistemologische Vorgang nicht mehr auf der Berücksichtigung des Dogmas (Prä-moderne) oder der Rationalität (Moderne) beruht, sondern auf der Emotionalität. Allerdings hat es mit dem Dogma die Gemeinsamkeit dass es ein Verständnis der Realität ist, welches sich nicht mit dem Versuch einer rationalen Analyse und Interpretation auseinandersetzt und der Begrenzung der eigenen Wahrnehmung bewusst ist, sondern eine Interpretation der Realität zugrundeliegt welche schon a priori über die Emotionalität definiert wurde, und die Interpretation der Realitätswahrnehmung an diese Definition anpasst.

Dieser Vorgang wird vor allem dadurch ersichtlich, dass die Aktion (im Sinne des menschlichen Handelns) nicht mehr auf eine rational erdachte Reaktion ausgelegt ist, sondern auf die emotionale Erwartung davon. Eine bewusste oder unbewusste Unterscheidung zwischen der Wahrnehmung der Realität und der Realität selbst, fällt weg, und die Definition der Realität bezieht sich nun einzig und allein auf das was als Realität wahrgenommen wird, in diesem Falle die emotionale Realität.

Epistemologie der Postmoderne: Emotionalisierte Wertvorstellung → Emotionale Moralität → Emotionale Realität.

Hier entstehen zweierlei Konflikte: Einerseits wird die gemeinsame, unabdingbare Grundlage der Epistemologie, nämlich die rationale Interpretation der Realität, entzogen und anstelle dessen werden unzählige, gegensätzliche Interpretationen der Realität Möglich. Hierin liegt der Ursprung für die in der Gesellschaft nun erkennbare Häufung von Auseinandersetzungen; von Ansichten die gemäss anderer Realitätswahrnehmungen als extremistisch oder Radikal gelten; von Unmöglichkeit Kompromisslösungen zu finden; von selektiver Sentimentalität; von Doppelmoral; usw., usf.

Andererseits wird die rationale Realität nicht unbedingt vom folglichen, auf die emotionale Realität bezogene Handeln betroffen sein. Stattdessen wird, in Unbewusstsein über die postmoderne emotionale Realität, ein solches vorgehen als oberflächlich und unecht interpretiert. Dem modernen Blickpunkt erscheint die Postmoderne wie die Fassade des Ideals, ein leeres Abbild der gewünschten Utopie, während diese Fassade für die Postmoderne insofern real ist, dass sie die ersuchten, emotional gefällige Wahrnehmung erbringen kann. Die wahrgenommene Realität ist nun die einzige Realität.

2.2 Praxis der postmodernen Epistemologie

Betrachten wir ein Beispiel für die Funktionsweise des beschriebenen Vorganges in Form eines Themas welches der Postmoderne nahe liegt: Diskriminierung, von Frauen, Minderheiten, Randgruppen, usw.. Das Ideal der Aufklärung welches hier den Ausgangspunkt darstellt ist das der Gleichheit, die Idee, damals in einer Welt von Adel und Kasten revolutionär, dass jeder Mensch gleichwertig ist und die gleiche Behandlung verdient. Die Ungleichheiten die in der Gesellschaft seit eh und je aufzufinden sind wurden von der Moderne stets in rationaler Denkensweise verstanden als dass man sie nur immer weiter reduzieren aber nicht absolut eliminieren kann, da sie auf eine oder andere Art dem menschlichen Wesen intrinsisch sind. Unterschiedliche Personen haben unterschiedliche Eignungen. Vorurteile welche der menschlichen Psyche zwanghaft innewohnen. Andere individuelle Umstände. Je mehr man von diesen Einflüssen bewusst wurde, umso mehr konnte man sie, so weit wie realistisch möglich, überwinden. Dies ist aber, wenn man sich der Utopie des Ideals verschreibt, unbefriedigend, da diese Überlegung akzeptiert dass die Utopie nie vollkommen erreicht werden kann. Die Utopie der absoluten Gleichheit wird zur emotionalen Wertvorstellung.

Nun gilt es einen Grund zu finden wieso diese Utopie nicht erreicht werden kann. Die Realität, dass Utopien grundsätzlich kaum bis gar nicht zu erreichen sind, muss ausgeblendet werden und stattdessen ein Störfaktor definiert werden, in diesem Falle indem eine leicht zu definierende, antagonistische Figur geschaffen wird: Der weisse, christliche, heterosexuelle Mann. Eine Figur die als Verkörperung des Ur-privilegs gesehen werden kann, da wahrlich ein grossteil der privilegierten Personen der westlichen prämodernen Geschichte in diese Definition passen (wenngleich nur eine winzige Minderheit derer dieser Definition tatsächlich eine Position von Privileg besassen). Mit definiertem Bild des Störfaktors, des Schlechten, ist die emotionale Moralität geschaffen.

Nun kann jegliches Vorkommnis der emotionalen Wertvorstellung durch die emotionale Moralitat behoben werden: Gibt es irgend eine Ungleichheit gegen die moralisch guten Personen (welche nicht zum Feindesbild gehören), so kann dies dem Feindesbild aufgestülpt werden. Wenngleich eine Ungleichheit dem Feindesbild entgegen wirken sollte, so ist es lediglich eine bitter nötige Kompensation für die übrigen Ungerechtigkeiten gegen die Opferfiguren.

Hierdurch ist die Funktionsweise der postmodernen Identitätspolitik erläutert, und man kann verständlich machen, wie ein Gedankengang auf der suche nach dem ursprünglichen aufgeklärten Ideal, die Gleichheit, eine systematische Unterscheidung nach Identitäten, nach Gruppierungen vornimmt, ohne darin einen Gegensatz oder eine Doppelmoral zu sehen, denn es entspricht der emotionalen Wertvorstellung, der damit verbundenen emotionalen Moralität und somit auch der emotionalen Realität.

Ich habe schon vor einiger Zeit das Axiom postuliert, es sei nicht Moralität die objektiv und Ästhetik die subjektiv ist, wie gewöhnlich gedacht wird, sondern im Gegenteil, Moralität ist subjektiv und Ästhetik objektiv. Wenn wir die Zivilisation der alten Römer betrachten, so war es dort vollkommen geläufig sich für ein gewöhnliches Vergnügen in den Circus zu begeben, wo man beiwohnen konnte wie zum Tode verurteilte Verbrecher von Löwen gefressen wurden, oder Gladiatoren bis zum Tode kämpften. Ein abscheuliches Spektakel für unsere zeitgenössischen Augen, da es sich gegen unsere geläufige Moralvorstellung richtet. Und das obwohl das alte Rom ein wichtiger Vorläufer zur modernen westlichen Zivilisation war und, bis zum Anbruch der Moderne in Form der frühen Neuzeit, also der «Renaissance», die Wiedergeburt der Antike, auch in vielerlei Hinsicht die fortschrittlichste. Die alten Römer waren nicht alle geistesgestörte, emotionslose Soziopathen die sich am fremden Leide erfreuten, es waren lediglich ihre Moralvorstellungen die anders waren. (Wenn wir hingegen ihre Kunst und ihre Architektur betrachten, so würde niemandem jemals in den Sinn kommen, dessen ästhetischen Wert in Frage zu stellen.)

In der Postmoderne wird eine besonders grosse Bedeutung auf die Evolution der Wertvorstellungen gelegt, erkennbar zum Beispiel daran wie kulturelle Werke der jungen Vergangenheit plötzlich als unsensibel, also eigentlich als unmoralisch, verpönt werden und man versucht sie aus dem kulturellen Kanon zu verbannen. Doch obgleich diese Entwicklung der Moralvorstellungen als Gegebenheit akzeptiert wird, so wird die Subjektivität der Moral verleugnet, was logisch ist: Nur eine objektive, absolute Moral kann sich Toleranz und freiheitliches Denken auf absolute Weise zuschreiben und somit andere moralische Vorstellungen verpönen und ächten. Für die Postmoderne ist das auch keine Doppelmoral: Toleranz und freiheitliches Denken gelten nur innerhalb der Begrenzung des Moralischen, und moralisch ist das, was für unsere Wertvorstellung emotional gefällig ist. Sobald etwas emotional verstörend ist, darf diesem Denken auf moralischer Grundlage jegliche Toleranz und Freiheit entzogen werden.

Der rationalen Analyse hält dieses Verständnis kaum stand, da es nicht möglich ist gleichzeitig zwei bedeutend unterschiedliche Moralvorstellungen zugleich festzustellen, was die Subjektivität der Moral beweist, und gleichzeitig einer dieser Moralvorstellungen eine absolute Hoheit zu gewähren. Das bringt die Frage über den Ursprung der Moralvorstellung der Gesellschaft auf. Bis in die Epoche der Moderne war die Moralität des europäischen Kulturraumes durch die christliche Moral geprägt, so wie in den meisten Kulturen Religion und Moralvorstellung stets ineinander verflochten auftreten. In der moderne konnte die Realität von der Moralität abgetrennt werden, das was der Realität entsprach musste nicht unbedingt mit unserer Moralität vereinbar sein. Somit war Moralität als ein Konstrukt akzeptiert, und die Realität als eine absolute Wahrheit welches sich der menschlichen Kontrolle weitgehend entzieht.

In der Postmoderne wird der christliche Glaube nach und nach aus dem gesellschaftlichen Leben verbannt: Auch hierin pflanzte die Moderne den Samen der Postmoderne in Form des Laizismus, welcher zeitgenössisch als «Trennung von Religion und Staat» missverstanden wird, im Ursprung allerdings als «Trennung von Kirche und Staat» erdacht war. So ist zum Beispiel im Präambel der schweizerischen Bundesverfassung von 1848 zu lesen «Im Namen Gottes des Allmächtigen!», obgleich die schweizerische Eidgenossenschaft von 1848 als säkularer Staat begründet wurde. Ähnlich geschieht es in einigen anderen säkularen Ländern welche in ihrer Verfassung oder Grundgesetz einen Gottesbezug beinhalten. Man muss hierzu verstehen dass die Kirche in gewisser Hinsicht auch eine politische Macht war und ist, somit galt es die Staatsgründung von dieser als Unabhängig zu definieren, nicht allerdings von einer generellen christlichen Weltanschauung.

Die in der Postmoderne geläufige Abwendung vom traditionellen Glauben, obgleich in einer passiven, unterschwelligen Verbreitung, negiert zugleich auch die gesellschaftlich geteilte Grundlage der christlichen Moral. Das fehlen einer solchen gesellschaftsübergreifenden Moralvorstellung wird durch die Moralvorstellung ersetzt, welche von der emotionalisierten Wertvorstellung abgeleitet wird: Was gegen die emotionalisierten Wertvorstellungen geht, wird als unmoralisch definiert. Über Begriffe wie «Hass», «toxisch», «problematisch», etc. wird dieser Ächtung von unmoralischen Werten kundgetan.

Wenn in der Moderne versucht wurde durch Empirismus einer objektiven Realität immer näher zu kommen, so flüchtet die Postmoderne vor dieser objektiven Realität, welche im Widerspruch steht zu den Erwartungen der emotionalisierten Wertvorstellung, in eine selbstgeschaffene Realität die mit dieser Erwartung im Einklang ist. In der Praxis wird dies ermöglicht durch den extremen Überfluss an Daten, Informationen, Analysen, usw.

---ENDE DER LESEPROBE---