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Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Gnadenlos brannte die Sonne vom stahlblauen Himmel und quälte die schwer schuftenden Männer und Frauen, deren Rücken wie Feuer brannten und deren Zungen wie festgeklebt am ausgedörrten Gaumen hingen. Wehe, wenn sich einer der Campesinos auch nur für kurze Zeit aus seiner gebückten Haltung erhob, damit sich seine Muskeln nicht vollends versteiften! Dann fassten das die lässig in der Landschaft herumstehenden Aufseher als Provokation, Meuterei oder Faulheit auf und handelten entsprechend. Knallend schlugen in solchen Fällen die dünngeflochtenen Bullenpeitschen auf das schmutzige, zerrissene Hemd des Arbeiters, der unter kaum noch erträglichen Schmerzen aufstöhnte und all seine Kräfte zusammennehmen musste, um nicht auf der Stelle zusammenzubrechen. Ein grausames Schicksal für jeden einzelnen der Campesinos, die von Luis de Mendoza mit eiserner Faust unterdrückt und schikaniert wurden! Mendoza war der allgewaltige Herrscher über die Hazienda – Besitzer von Grund und Boden und Richter über Tod und Leben. Sein Wort galt, sein Wille wurde befolgt. Wenn nicht freiwillig, dann eben mit Gewalt! Dabei war dieser Mann nicht etwa allein, sondern eine ganze Schar von brutalen, gefühllosen Aufsehern stand ihm zur Seite, die gut bezahlt wurden und treu zu ihrem Herrn hielten. Wie so viele Menschen auf der Welt, schlugen auch sie sich stets auf die Seite des Stärkeren. Dort lag das Geld, dort lag die Macht – dort waren sie sicher. Was kümmerte sie schon das Schicksal der vielen Campesinos, die von Geburt an dazu verdammt waren, schwere Arbeit unter mörderischen Bedingungen zu erfüllen! Ganz gleich, ob Mann oder Frau – jeder musste herhalten und seine Kräfte dem großen Don zur Verfügung stellen. Und der Lohn für diesen Einsatz? Dreimal am Tag eine spärliche Mahlzeit, eine verfaulte Matte aus Stroh in einer alten, muffig riechenden Hütte – und Schläge, wenn einer nicht genau das erfüllte, was die anderen von ihm erwarteten. »He, du da – was fällt dir eigentlich ein, verdammter Greaser?«, brüllte einer der Aufseher einen etwa 60-jährigen Campesino an, der sich mit zitternder Hand aufgerichtet hatte und rasselnd nach Luft schnappte. Das Gesicht des Alten war von tiefen Runzeln zerfurcht, die Haut ledrig und brüchig von der Arbeit im Freien. »Ich kann nicht mehr – ich bekomme keinen Atem – mein Herz macht nicht mehr mit!« »Soso, dein Herz macht nicht mehr mit«
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Gnadenlos brannte die Sonne vom stahlblauen Himmel und quälte die schwer schuftenden Männer und Frauen, deren Rücken wie Feuer brannten und deren Zungen wie festgeklebt am ausgedörrten Gaumen hingen.
Wehe, wenn sich einer der Campesinos auch nur für kurze Zeit aus seiner gebückten Haltung erhob, damit sich seine Muskeln nicht vollends versteiften! Dann fassten das die lässig in der Landschaft herumstehenden Aufseher als Provokation, Meuterei oder Faulheit auf und handelten entsprechend. Knallend schlugen in solchen Fällen die dünngeflochtenen Bullenpeitschen auf das schmutzige, zerrissene Hemd des Arbeiters, der unter kaum noch erträglichen Schmerzen aufstöhnte und all seine Kräfte zusammennehmen musste, um nicht auf der Stelle zusammenzubrechen.
Ein grausames Schicksal für jeden einzelnen der Campesinos, die von Luis de Mendoza mit eiserner Faust unterdrückt und schikaniert wurden!
Mendoza war der allgewaltige Herrscher über die Hazienda – Besitzer von Grund und Boden und Richter über Tod und Leben. Sein Wort galt, sein Wille wurde befolgt. Wenn nicht freiwillig, dann eben mit Gewalt!
Dabei war dieser Mann nicht etwa allein, sondern eine ganze Schar von brutalen, gefühllosen Aufsehern stand ihm zur Seite, die gut bezahlt wurden und treu zu ihrem Herrn hielten.
Wie so viele Menschen auf der Welt, schlugen auch sie sich stets auf die Seite des Stärkeren. Dort lag das Geld, dort lag die Macht – dort waren sie sicher. Was kümmerte sie schon das Schicksal der vielen Campesinos, die von Geburt an dazu verdammt waren, schwere Arbeit unter mörderischen Bedingungen zu erfüllen! Ganz gleich, ob Mann oder Frau – jeder musste herhalten und seine Kräfte dem großen Don zur Verfügung stellen.
Und der Lohn für diesen Einsatz? Dreimal am Tag eine spärliche Mahlzeit, eine verfaulte Matte aus Stroh in einer alten, muffig riechenden Hütte – und Schläge, wenn einer nicht genau das erfüllte, was die anderen von ihm erwarteten.
*
»He, du da – was fällt dir eigentlich ein, verdammter Greaser?«, brüllte einer der Aufseher einen etwa 60-jährigen Campesino an, der sich mit zitternder Hand aufgerichtet hatte und rasselnd nach Luft schnappte. Das Gesicht des Alten war von tiefen Runzeln zerfurcht, die Haut ledrig und brüchig von der Arbeit im Freien.
»Ich kann nicht mehr – ich bekomme keinen Atem – mein Herz macht nicht mehr mit!«
»Soso, dein Herz macht nicht mehr mit«, lachte der Mann mit der Bullenpeitsche satanisch, und seine schwarzen Augen begannen gefährlich zu glühen. Sein schmallippiger Mund verriet Grausamkeit, und seine zurückfliehende Stirn zeugte von ziemlich begrenzten geistigen Fähigkeiten.
»Wenn das so ist, dann braucht dein Herz wohl eine kleine Erfrischung, damit es wieder mitspielt? Oder glaubst du vielleicht, wir können es uns leisten, auf deine Mithilfe zu verzichten? Und hinterher würdest du dir dann noch den Wanst vollschlagen – so wie alle anderen, die fleißig gearbeitet haben?«
»Aber, ich bitte Sie, Señor …«
»Halt den Mund, verdammter Greaser – du hast hier nichts zu sagen! Überhaupt, wenn du nicht gefragt bist! Los – an die Arbeit, oder ich mach dir Beine!«
Der Aufseher holte aus und ließ die Peitsche auf den Rücken des alten Mannes klatschen, dass dieser aufschrie und mit letzter Kraft wieder an die Arbeit ging.
»Wirkt doch Wunder, so eine kleine Massage! Oder nicht? Dein Herz macht wieder mit, wie ich sehe! Also ist es gar nicht so schlecht, wie du mir weismachen wolltest. Lass dich nicht noch einmal beim Nichtstun erwischen, sonst kommst du mir nicht mehr so billig davon!«, drohte der brutale Kerl und wandte sich wieder den anderen Campesinos zu.
Diesen Vorgang hatte ein junger Mexikaner mit brennenden Augen verfolgt, der in einigem Abstand das Feld bestellte.
Sein Name war Miguel Velasco – und er war ein Mann, den noch nicht diese apathische Gleichgültigkeit erfasst hatte wie viele andere seiner Leidensgefährten, die sich selbst aufgegeben hatten und nichts mehr vom Leben erhofften.
Nein – Miguel würde sich nicht mit seinem Schicksal abfinden und darauf warten, bis ihn der Tod von diesem Martyrium erlöste! Dazu hing er viel zu sehr am Dasein und hatte noch zu große Erwartungen.
Miguel war bereit, alles zu tun, um sein Lebensschiffchen in eine neue Richtung zu lenken – um sich selbst und auch den anderen Fronarbeitern die Freiheit zu verschaffen. Doch zugleich wusste der junge Mann auch, wie schwierig so ein Unterfangen war.
Schon mancher hatte versucht, sich gegen die brutale Herrschaft aufzulehnen, aber Don Mendoza machte mit solchen Leuten kurzen Prozess.
Öffentliche Auspeitschung im Hof der Hazienda, dann Erschießen durch die eigenen Leute – das war die einzige Antwort des grausamen Tyrannen auf derartige Bemühungen.
Und Flucht? Nein, auch daran war ein Campesino gescheitert. Denn was die Hunde von ihm übrig gelassen hatten, mit denen die Aufseher den armen Kerl verfolgt hatten, konnte man nicht mehr als menschliche Überreste identifizieren. Genauso gut hätte die formlose Masse ein blutiges Kleiderbündel sein können, das zur Abschreckung im Hof der Hazienda den anderen Arbeitern gezeigt wurde.
Also, einfach würde die Sache nicht werden – dessen war sich Miguel Velasco sicher. Er musste wohlüberlegt handeln und keine Einzelaktionen versuchen. Nein, die brachten keinen Erfolg! Es musste ihm gelingen, die Arbeiter als Ganzes gegen die Aufseher einzusetzen, gemeinsam zu einem festgelegten Zeitpunkt mussten sich der Hass und der Zorn, den jeder Campesino tief in seinem Herzen trug, entladen, sodass die zahlenmäßig weit unterlegenen Aufseher den kürzeren ziehen würden.
Aber Miguel wusste, dass sie dann viel Glück nötig hätten – sehr viel Glück, das ein einfacher Mann wie sie nicht verdiente.
Nun – man würde sehen!
Tief in seinem Innern spürte der junge Mexikaner den unbändigen Drang nach Freiheit, Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit. Und da war noch Maria – dieses schlanke, schwarzhaarige Mexikanermädchen, bei dessen Anblick das Herz des jungen Mannes höherschlug.
Er wusste, dass dort bei ihr das Glück zu finden wäre, aber in Freiheit, nicht hier in der Gefangenschaft, wo Frauen nur als Produktionsmittel für neue, willige Arbeiter angesehen wurden.
Nein, ein solches Los würde Miguel seinem Mädchen ersparen. Sein Sohn – falls es jemals dazu kommen sollte – würde in Freiheit geboren werden!
»Du träumst wohl am helllichten Tag!«, riss ihn die harte Stimme eines der Aufseher aus seinen Gedanken – und ein bulliger, gedrungen wirkender Mann in weißer Leinenhose stand gefährlich nahe hinter ihm.
»Woran hast du jetzt gedacht? Los, sag’s mir!«
Miguel Valesco biss die Zähne zusammen und fuhr mit der Arbeit fort. Er schluckte seinen Hass, seine Wut hinunter und hoffte, den Aufseher so am ehesten bei Laune zu halten.
»Ich habe dich was gefragt!«, bohrte der Mann jedoch, griff mit seiner Rechten nach dem zerschlissenen Hemd des jungen Arbeiters und zog ihn aus der gebückten Stellung in die Höhe.
»Los – antworte, verdammter Kerl, oder ich peitsch dich aus, dass dir die Haut in Fetzen fliegt!«
Miguel bekam fast keine Luft mehr, so sehr schnürte der Aufseher seinen Hals ab. Aber sein Blick richtete sich fest und voller Verachtung auf das feiste Gesicht unmittelbar vor ihm.
Nur keine Angst zeigen!, hämmerte es im Kopf des jungen Mannes. Dieser Kerl soll nicht glauben, dass jemand vor ihm in die Hosen macht. Stark sein, Widerstand bieten – den anderen beweisen, dass man auch wer ist. Und nicht einfach ein Stück Vieh, mit dem man machen konnte, was einem gerade einfiel.
»Na los – ich warte!«
Doch Miguel gab keine Antwort. Er blickte fest und unerschrocken in die Augen des anderen und rührte sich nicht, obwohl alles in ihm danach schrie, dass er sich zur Wehr setzen sollte. Schließlich waren seine Muskeln durch dir harte Arbeit gestählt – er war jung, und an seinem Körper fand sich kein überflüssiges Gramm Fett.
Miguel wäre es sicher leicht gelungen, mit diesem dicken, verweichlichten Aufseher fertig zu werden.
Aber was hätte das schon genützt? Dann wären die anderen Kerle aufmerksam geworden, über ihn hergefallen und hätten ihn so verdroschen, dass er kein Glied mehr rühren konnte. Außerdem wäre er als Aufwiegler und Hitzkopf bekannt geworden, falls man ihn überhaupt am Leben ließ – und dann hätte er es sehr schwer gehabt, das in die Tat umzusetzen, was ihm vorschwebte.
Nein – jetzt musste er ruhig bleiben, ganz ruhig. Nur nicht den Mann vor ihm provozieren – das allein war wichtig!
»Du bist dir also zu stolz dazu, mir eine Antwort zu geben«, fauchte der Mann und schüttelte Miguel voller Wut. »Glaubst wohl, du bist was Besseres und dürftest nicht mit mir reden, wie? Aber warte, ich werde dir deine Flausen schon austreiben.«
Der junge Mexikaner wusste, was kommen würde, und biss die Zähne noch fester zusammen, bis seine Lippen bluteten.
Kein Schrei kam aus seinem Mund. Er ertrug tapfer das Schicksal, das es heute nicht besonders gut mit ihm meinte.
Als der dicke Aufseher fertig war, rollte er die Peitsche ein und stapfte wütend davon.
Miguel hatte kein Wort gesagt – sein Stolz hatte es nicht zugelassen, und seine Tapferkeit hatte gesiegt.
Ja, auch wenn sein Rücken wie Feuer brannte, fühlte sich der junge, freiheitsliebende Mann dennoch als Sieger. Denn er hatte trotz allem seinen Willen durchgesetzt. Er und nicht der brutale Aufseher, der geglaubt hatte, die ganze Welt würde nach seiner Pfeife tanzen …
*
Der Abend hatte sich über das Land gesenkt.
Die Sonnenstrahlen tauchten langsam hinter die fernen Berge, die drückende Hitze verschwand.
Die Campesinos hatten die Felder verlassen und drängten sich in ihren armseligen Behausungen, in denen es nach Schweiß, Schmutz und Elend roch.
Hinter den hohen Fenstern des Herrenhauses wurden die Petroleumlampen entzündet. Hier herrschten Wohlstand, Reichtum und Sauberkeit.
Die Campesinos starrten oft mit tränenden Augen und mit wehmütigen Herzen durch die rissigen Bretter ihrer Behausungen hindurch zu den weißgetünchten, blitzblanken Fassaden der Bauten, in denen Luis de Mendoza mit seinen engsten Vertrauten residierte.
Nur sehr selten ließ sich der wohlhabende, unsympathisch wirkende Mann sehen – meist nur, wenn es darum ging, irgendein Exempel zu statuieren und die Arbeiter einzuschüchtern.
Dann trat er heraus aus seinem Bau und sonnte sich in der Macht seines Schreckens, den er verursachte.
Einige Wachposten patrouillierten auf dem Wehrgang innerhalb der Mauer, die die Hazienda umgab. Das Tor ließ man offenstehen, denn wer sollte auch von außen abgehalten werden?
Miguel Valesco, der junge Mexikaner mit dem unbändigen Drang nach Freiheit, lag auf seiner Strohmatte. Ein alter Mann beugte sich über seinen Rücken, wo er die Wunden versorgte, die der Aufseher mit seiner Peitsche geschlagen hatte.
Die Salbe, die der Alte auftrug, wirkte kühlend und schmerzlindernd, und Miguel fühlte, wie seine Lebensgeister wieder zurückkehrten.
»Danke dir, Martinique – das hast du gut gemacht! Der Verband sitzt ausgezeichnet!«
Miguel stülpte sein Hemd über und stand auf.
Er blickte in viele Gesichter – ausgemergelte, hohlwangige und abgezehrte, aus denen jeder Lebenswille gewichen war.
Nur ein paar strahlten noch Zuversicht und Kampfbereitschaft aus – und Miguel wusste, er würde mit diesen Leuten anfangen müssen.
»Kommt mal alle her, Leute!«, rief er, und die Campesinos traten zu ihm hin.
»Wollt ihr, dass unser ganzes Leben so weitergeht? Jeden Tag Arbeit, Hunger und dafür noch Schläge? Wollt ihr das wirklich – oder habt ihr euch nicht schon selbst gedacht, dass wir etwas organisieren müssen, um …«
»Das hat doch alles keinen Sinn!«, meldete sich ein hagerer Mexikaner zu Wort, der einen geflickten Poncho um seinen Leib geschlungen hatte. »Denk doch nur an die Freunde von uns, die es versucht haben …«
»Ja, ja, ich weiß«, unterbrach Miguel, und seine Augen glühten vor Erregung. »Die hatten von Anfang an keine Chance, weil sie es allein versucht haben. So was musste ja ins Auge gehen! Aber gemeinsam – gemeinsam sind wir stark und müssten mit den Kerlen fertig werden. Wir müssen uns nur trauen und uns sagen, dass es sich rentiert, für unsere Freiheit zu kämpfen, denn die Freiheit ist das größte und höchste Gut, das es auf Erden gibt. Und gerade die haben sie uns genommen!
Aber wir sollten uns zur Wehr setzen und ihnen zeigen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen. Wir sind Menschen so wie sie – und sicher die Besseren. Auch wenn viele dabei draufgehen, so sterben sie für eine gute Sache, denn ein jeder weiß dann, wofür er das getan hat. Für seine Freunde, für sein Mädchen, für seine Kinder, die sonst das gleiche Schicksal erleiden würden wie wir. Wollt ihr das vielleicht?«
Gemurmel setzte ein. Mehrere Menschen schüttelten die Köpfe, und einer sprach: »Das klingt ja alles recht schön, aber sieh uns doch an! Wir sind nicht mehr die Jüngsten, und unsere Kraft geht dem Ende zu. Wir haben mit dem Leben abgeschlossen und können nichts mehr erwarten.«
»Das ist es ja eben!«, unterbrach ihn der junge Mexikaner mit Feuereifer, und seine Stimme hob sich. Dazu bewegte er aufmunternd die Hände und blickte die Umstehenden fest an.
»Ihr gebt euch selbst auf! Das ist der größte Fehler, den ihr begehen könnt! Denn damit rechnet Mendoza doch nur einschließlich seiner gesamten Revolverbande. Sich selbst aufgeben ist gleichbedeutend mit sterben! Wo ist da der Unterschied? Man verzagt doch nicht, bevor man nicht alles versucht hat – wirklich alles! Ich meine, bevor man nicht auch sein eigenes Leben eingesetzt hat! Was haben wir schon groß zu verlieren? Nichts! Daher sollten wir alle zusammenhalten und gemeinsam kämpfen. Ihr wisst doch gar nicht mehr, was leben heißt!«
Miguel hatte sich in Fahrt geredet. Seine Wangen glühten, sein Atem ging keuchend.
»Das Leben kann doch so schön sein, Freunde! Ihr wisst es nur nicht mehr oder habt es nie gewusst. Aber ich sage euch: Zeigen wir es Mendoza und seinen Schergen! Reißen wir das Steuer herum, und beweisen wir, dass wir Menschen sind, die ihren eigenen Willen haben!«
Der junge Mexikaner stellte voll Freude fest, dass der Funke seiner Begeisterung auch auf einen Teil der Anwesenden übergesprungen war. So manches am Anfang seiner Rede teilnahmslose Gesicht schien jetzt aufgehellt zu sein, durchsetzt von dem eingeschlummerten oder ausgeprügelten Urbedürfnis nach Freiheit, das jeder Mensch in sich trägt …
Als die Nacht in völliger Schwärze über Mexiko hereingebrochen war, lagen noch viele Campesinos schlaflos auf ihren Matten und blickten mit tränenverschleiertem Blick in die Dunkelheit vor sich.
Ihre Gedanken waren weit fort – irgendwo in einer glücklichen Zukunft.
Aber würde es die für die armen, geschundenen Kreaturen jemals geben?
Keiner konnte so recht daran glauben.
Der kühle Nachtwind säuselte über die Hazienda, wirbelte leicht den Sand auf und drang zwischen die Ritzen der Unterkünfte …
*
Luis de Mendoza, der grausame Herrscher über die Hazienda, betätigte den zitronengelben, seidenen Klingelzug und wartete ungeduldig auf das Erscheinen seines Dieners.
Der dicke, schwergewichtige Mann mit dem breiten Doppelkinn und den kleinen, stumpf blickenden Augen machte einen äußerst unsympathischen und gefährlichen Eindruck.
Das schwarze, ölig glänzende Haar lag wie festgeklebt auf seinem runden Schädel – und auf der rechten Wange prangte eine dicke, hässliche Warze, die sich bei Aufregungen stets rot verfärbte.
»Sie haben gerufen, Señor?«, fragte die zaghafte Stimme des Dieners von der Tür her, und Mendoza wedelte ärgerlich mit seinen dicken Händen.
»Allerdings habe ich das! Der Tee ist ja schon ganz kalt! Was fällt dir ein, Castello, ihn mir in diesem Zustand zu servieren? Ist das vielleicht der Dank dafür, dass du nicht mehr wie die anderen draußen auf dem Feld arbeiten musst?«
»Nein, Señor, ich bitte vielmals um Entschuldigung!«, verbeugte sich der ältere Mann devot und trat zögernd näher. Mit unsicheren Handgriffen tastete er nach dem silbernen Tablett mit dem feinen Porzellangeschirr und warf dabei immer wieder zaghafte Blicke zu seinem Herrn.
»Los, beeil dich schon, oder was soll das ganze Getue?«, herrschte ihn Luis de Mendoza an. »Schau, dass du hinauskommst!« Mit schroffer Handbewegung scheuchte der Don seinen Diener wie ein lästiges Insekt weg und tastete nach einer mit Elfenbein eingelegten Zigarrendose, der er einen dicken schwarzen Kolben entnahm.
Nachdem er die Zigarre entzündet hatte, paffte er mächtige Rauchwolken in den Raum, die sanft wirbelnd zur Decke stiegen.
Genüsslich setzte sich der Dicke zurück und lehnte sich in die weichen Polster, die er hinter sich aufgetürmt hatte.
Sein Blick schweifte zu dem großen Fenster, von dem er den ausgedehnten Vorhof der Hazienda übersehen konnte.
Die Sonne stand jetzt schon ziemlich hoch am Firmament. Die Campesinos waren längst bei ihrer Arbeit, während er erst vor Kurzem aufgestanden war.
Einige Aufseher und Mägde gingen über den sandigen Boden, und ein paar Kinder krabbelten herum, die noch zu klein waren, um auf dem Feld zur Arbeit verwendet zu werden. Aber es würde nicht allzu lange dauern, dann würden sie die Härte des Mannes kennenlernen, der über das Wohl und Gedeih von vielen Menschen entschied. Denn auch Kinder, wenn sie über das Säuglingsalter hinaus waren, konnten durchaus nützliche Arbeit verrichten, sagte sich Luis de Mendoza und nahm keine Rücksicht auf die noch schwachen, zum Teil unterentwickelten Körper.
Alle Menschen sollten für ihn arbeiten – ganz gleich, ob jung, ob alt! Sie alle waren nur Mittel zum Zweck, um möglichst großen Profit zu erzielen, damit sich das Leben für ihn, den großen Herrscher, auch einigermaßen rentierte.
Denn Wohlstand musste sein – aber nur auf der Seite des Stärkeren, und Mendoza gehörte nun mal zu dieser Sorge!
Er hatte das Geld – er hatte die Mittel, seinen Willen jedem aufzuzwingen, der in seinen Diensten stand.
Die Tür öffnete sich nach zaghaftem Klopfen, und der Diener brachte das Tablett mit dem Tee, der aus dem Gefäß nur so dampfte. Diesmal war er sicher nicht zu kalt. Nein, er war sogar so heiß, dass sich Mendoza die Lippen verbrannte, und anstatt die Schuld bei sich selbst zu suchen – schließlich hätte er ja sehen müssen, wie glühend die Flüssigkeit noch war – schob er die Schuld gleich dem Diener zu, der es seinem Herrn einfach nicht rechtmachen konnte.
»Du Idiot – du hirnloser, verdammter Idiot!«, schimpfte der Don, und seine Warze glühte rot auf. »Du bist anscheinend zu dämlich für die Hausarbeit. Na warte, verdammter Hurensohn! Noch einmal so ein Missgeschick, und ich jage dich hinaus in die frische Luft. Du hast mich wohl hoffentlich verstanden, oder?«
