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Dieses Werk lässt sich, was das Genre angeht, vor allem als ein Liebesroman mit Elementen des Trillers bezeichnen; der Autor führt uns geschickt in eine Geschichte über einen anscheinend harmlosen Seitensprung vom Haupropagandisten Ivan (einem Kroaten) und Hauptpropagandistin Ruta Rabija (einer Muslimin aus Bosnien) ein. Sie ist nämlich die ehemalige Frau eines einflussreichen Mudjahedins, der zur Zeit der Kriegskonflikte auf dem bosnisch-herzegowinischen Gebiet sichtbare Spuren hinterließ - und der nach der Friedensstellung für viele weltweit operierende Geheimdienste als Angehörige des islamischen terroristischen Netzes interessant geworden ist. Die Frau dieses Werkes ist der größte Beweis, die Bestätigung und der Höhepunkt der göttlichen Macht, dass etwas Schönes nach seinem Maß erschaffen ist. Die Frau ist ein Wunder, an deren Schönheit sich der Schriftsteller berauscht und die er in seinem Werk feiert. Obwohl es uns scheint, das der Hauptprotagonist und der Autor selbst mit dem Thema des islamischen Terrorismus in der Welt beschäftigt sind - alles was im Text damit im Verbindung steht, dient als die Vorlage für die Schilderung der lokalen Mentalität und für die Entfaltung der Liebesgeschichte. Im diesem Sinne ist die Botschaft dieses Romans tief humanistisch und für die Leser annehmbar, unabhängig von ihrer nationaler oder ideologischen Angehörigkeit.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Der zweite Teil
Erbschaft vom Onkel Juro
Ivan in Deutschland
Eine Begegnung mit Ruta
Ivans Zweifel
Ivans Bekanntschaft mit Haris
Ruta verführt «Irfan»
Bei einem Freund in der Botschaft
Naho
Ruta kommt aus Deutschland
Militärische Ausbildung
Ivan in terroristischer Aktion
Ermittlung und Gerichtsverhandlung
Ende
über mich:
Die rezenzionen (die Buchbesprechungen):
Liebesintrige und Mentalitätseigenschaften
Der verlogene Kodex und die Menschen aus dem Schatten
An diesem Maitag, es soll Samstag gewesen sein, war der Markttag in der Stadt, aus der Richtung der Firma, die Schutzausrüstung produziert, fuhr Ivan in die Anka Topicstrasse, weil da einen Parkplatz zu finden am leichtesten ist; ausserdem gibt es nur noch in dieser Strasse nicht diese Invaliden, die nur darauf warten, dass man mit dem Auto anhält, um gleich nach einer Mark fürs Parken zu fragen. Das soll die Gemeindebehörde entschieden haben. Die Behörde sollte eine solche Entscheidung getroffen haben, aber dahinter steckt die Absicht, einen örtlichen Club zu finanzieren, den die Unternehmer betreiben; es wäre nicht schlecht, wenn wir etwas Geld von Leuten beschaffen würden, beschlossen die Untenehmer. Zwar, sieht das miserabel aus – doch, wenn man ausrechnet, wieviel in dieser Stadt täglich geparkt wird, dann dies mal dreihundertsechsundsechzig Tage im Jahr, hieraus ergibt sich die Geldsumme, die einen einjährigen Vertrag zwei durchschnittlicher Fussballspieler deckt, dessen Ablössesumme nach ihrem Verkauf wir Unternehmer natürlich untereinander aufteilen... Und so, während Ivan fuhr, mit der Absicht nach links abzubiegen, in die Anka Topicstrasse, begannen zwei Frauen den kaum sichtbar markierten Fussgängerübergang zu überqueren. Eine Ältere, ungefähr fünfzig Jahre alt, ziemlich klein und unansehnlich und die Zweite, jünger, fast dreissig, gross, blondhaarig.
Für einen Moment hielten sie an, wahrscheinlich durch die Erfahrung belehrt, dass in dieser kleinen bosnisch - herzegowinischen Stadt die rüpelhaften und unverantwortlichen Fahrer die Hauptverkehrsregel missachten, die den Fussgängern immer, besonders am Fussgängerstreifen, den Vortritt gewährt. Er hielt selbstverständlich das Auto an und gab ihnen ein Zeichen, dass sie die Strasse überqueren können.
Da sein Fenster, aus einem ihm unbekannten Grund geöffnet war, hörten sie auch seine Stimme, während er ihnen mit einem Lächeln sagte – Bitte, bitte. Als sie die Strasse überquerten, bog er nach links ab, aber im Rückspiegel bemerkte er, dass die jüngere Frau plötzlich anhielt und, so kam es ihm vor, zum Auto zurückging. Er hielt gleich das Auto am Bordstein an, ließ es im Leerlauf, und stieg aus.
Warum hat er das getan? Es ist ihm mehrmals passiert, dass ihn manche Personen begrüssen, die er wegen kleinerer Sehprobleme nicht bemerkte, besonders diejenigen, die an seiner linken Seite vorbeigingen. Wenn diese Personen ihn später treffen, ärgern sie sich und denken, dass er sie absichtlich nicht begrüssen wollte, bzw. meinen sie, dass er sich wichtig tut. Als er auf diese Frau zuging, die sich auch zu ihm hinbewegte, konnte er sich nicht erinnern, ob sie sich schon kennen, er streckte seine Hand entgegen und fragte: Kennen wir uns nicht von irgendwo?
- Nein, aber wir können uns doch kennenlernen – antwortete sie.
- Ich bin Ivan.
- Ich bin Ruta – sagte sie mit einem festen, fast männlichen Händedruck.
- O!? Sie haben einen biblischen Namen. Ruta ist ein biblischer Name, der mir sogar gefällt.
Sie hielt inne und sah ihn an. Ivan hatte das Gefühl, dass dieser Blick tief in seine Seele eindringt.
- Ruta, ich erinnere mich nicht, ob ich schon die Gelegenheit hatte, Sie irgendwo früher gesehen zu haben?
- Nein, nein, ich habe Sie bis jetzt noch nie gesehen!
Sie blieb noch immer stehen, und zeigte keine Anzeichen irgendeiner Absicht, der Frau nachzugehen, welche sich langsam die Strasse entlang entfernte.
Nicht ahnend, was zu tun sei, sagte er, was ihm zu allererst einfiel.
- Sie könnten mir Ihre Handynummer geben, ich würde Sie anrufen und wir könnten dann etwas trinken gehen.
- Oh, ja. Schreiben Sie meine Nummer auf.
- Nur einen Moment Ruta, bitte, ich nehme mein Handy aus dem Auto und speichere gleich die Nummer.
So begann Ivans Saga mit Ruta.
Rief er sie gleich am nächsten Tag an? Sie sollen sich bei «Senci» verabredet haben, so sagte sie es ihm. Natürlich kam sie nicht. Was hatte er überhaupt erwartet?! Er ging weiter ein, zwei Kilometer bis zum Lokal «Verehrer» und da trank er schnell sein Glas aus.
Er rief sie ein paar mal an, aber ohne Erfolg, denn Rutas Handy war ausgeschaltet. Wie sah ihr nächstes Treffen aus? Wer rief an? Es mag Ivan gewesen sein, obwohl Ruta später behauptete, dass sie als Erste anrief. Eine Minute nach seiner Ankunft vor «Senci» kam auch sie an. In Begleitung ihres Bruders.
- Das ist mein Bruder Damir.
Hm?! Was soll er denken, Bruder Damir, und sie Ruta. Kroaten?! Nach ihrer Sprache zu urteilen, klingt sie wie eine Muslime. Der Bruder ist ziemlich jünger als sie. Beide gut aussehend, könnten sie tatsächlich als Geschwister durchgehen.
- Wohin gehen wir? – fragte Ivan
- Weiss ich nicht, fahr einfach nur irgendwohin.
- Vielleicht zur « Höhle»?
- Nein, lieber nicht.
- Na gut, dann lass uns mal zum « Förster» gehen. Ich glaube, dass das Lokal so heisst.
Beim Kaffee begannen sie sich zu unterhalten und sich kennen zu lernen.
- Ah, ich konnte nicht kommen, weisst du, ich lebe noch immer mit meinen Eltern zusammen. Ich war im Stall und molk die Kuh! Wie sollte ich mich da rausschleichen? Und meine Eltern, sie kontrollieren jeden meinen Schritt, wo ich bin und was ich mache. Das ist nicht mehr zum Aushalten. Frag mal einfach Damir.
Damir hat die Fachhochschule beendet. Er ist Architekt.
Nach fünfzehn Minuten wurde Ruta unruhig.
- Ah, hier gefällt es mir nicht. Komm, gehen wir. Lass uns nach Nemila fahren.
In Nemila gibt es nichts und sie fahren weiter nach Zenica. Ruta setzt die Geschichte über die Kuh und das Kalb, die Kinder und ihre Probleme mit den Eltern fort.
Um Gottes Willen, mit was für einer Person bin ich? Unglaublich, dass eine so schöne Frau ein solches Leben führt, fragte sich Ivan, während sie über Damirs Schule und seine Pläne für die weitere Ausbildung sprechen. Und dann lässt ihn Ruta wieder sprachlos.
- Ich ging nur bis zur sechsten Klasse in die Schule. Ich bin geschieden und muss mich alleine um alles kümmern.
- Na gut, Ruta, aber warum würdest du nicht die restlichen Klassen nachholen?
- Ah, ich würd’ sie gerne nachholen, aber wie?
- Du sollst nur den nötigen Stoff lernen und ich könnte überprüfen, wo man diese Prüfungen machen kann.
Während sie spricht, blickt Ruta ihm in die Augen, berührt ihn mit ihren Knien und legt ihre Hand auf seine. Während ihr Bruder auf die Toilette ging, blieben die zwei allein, und plötzlich sagte er ihr, sie solle ihn küssen. Sie tat dies, ohne zu zögern.
- Noch einmal – verlangte Ivan. Sie küsste ihn wieder und leckte ihn ein bisschen mit der Zunge. Diese Geschichte, mit der sie sich als ein kleines, naives, gutmütiges Mädchen darstellte, klang glaubhaft, aber...?!
Unmöglich, dass die ganze ganze Geschichte wahr ist. Wer ist eigentlich Ruta? Man darf nicht vergessen, aus welchem Ort sie kommt. Das zwingt ihn, auf der Hut zu sein. Ah, was soll’s. Er wird einen äusserst offenen und ein wenig naiven Typen spielen, der zugleich auch viel Geld hat. Das wird ihm nicht schwer fallen, denn diese Rolle hat er schon mehrmals gespielt, entschied Ivan. Auf der Rückfahrt erklärt er ihr seine Pläne.
- Ich bin für drei,vier Tage unterwegs. Ich habe ein wichtiges Geschäft zu erledigen, ich muss verreisen. Aber Ruta, mein Schatz, sobald ich zurückkomme, rufe ich dich an.
Am Sonntag gegen eins, vor dem Reiseauftakt, ruft er sie an.
- Mein Schatz , komm für einen Moment zu «Senci», in einigen Minuten fahre ich dort vorbei, ich möchte dir eine Schokolade geben.
- Oh man, ich kann jetzt nicht, meinem Kind geht es nicht gut und ich muss im Stall die Kühe melken.
- Aber nur für eine Minute mein Schatz, ich möchte dich sehen; nimm die Schokolade und gehe.
- Ich kann wirklich nicht – versuchte Ruta ihn zu überzeugen – und die Schokolade, wenn es das Schicksal schon so will, werde ich bekommen.
In diesen drei Reisetagen bekommt er ihre SMS- en und beantwortet sie. Er kam am Mittwoch zurück und rief sie an.
- Gegen vier komme ich bei dir vorbei, kannst du dann kommen und die Schokolade nehmen?
Wieder die gleiche Geschichte.
- Oh man, ich kann wieder nicht....
Er weiss nicht mehr, wie oft sie ihn verarscht hat. Endlich haben sie etwas ausgemacht, aber immer wieder ruft sie ihn an.
- Hallo, da bin ich, ich bin losgefahren. - Und dann erscheint sie nicht. Bald bekommt er eine SMS: Oh, mein Liebling, ich habe erfahren, dass mein Kind vom Balkon gestürzt ist, ich muss zurück und sehen, wie es ihm geht. Sei nicht böse, setzt dich irgendwohin, nimm einen kafa1und warte eine halbe Stunde auf mich – sie schreibt nicht kahva1, sondern kafa2 bemerkt Ivan - Ich melde mich noch bei dir. Natürlich kommt sie nicht. Später, es ist schon sechs, ruft er sie an, aber jetzt ist sie nicht erreichbar. Sie hat das Handy ausgeschaltet. Er sendet ihr eine SMS: Ich verstehe es nicht, Ruta? Warum treibst du Spässchen mit mir? Und am nächsten Tag ruft sie an.
- Kannst du hier in einer halben Stunde sein? Ich warte auf dich in «Senci».
Es war ein wahres Wunder, aber sie war da, doch wieder in Begleitung ihres Bruders.
- Bitte, lass uns nach Nemila gehen.
Jetzt nimmt die Geschichte einen anderen Lauf. Ihre Probleme sind noch grösser geworden
- Ich hab’ entschlossen, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich habe mit meinen Eltern gestritten. Es ist nicht mehr zum Aushalten. Ich habe über deine Worte nachgedacht. Es ist höchste Zeit, dass ich selbtständig werd’. In einem Stübchen, in einem einzigen, aber da wird mir keine’ mehr Prädigen halt’n. Weisst du, ich hab ein Haus gefunden, wo ich wohnen werde.
- Wie wirst du das zahlen? Hast du Geld? – fragt er.
- Tja, das ist das Haus von einem Verwandten. Er lebt schon lange in Deutschland. Ich würd’ im ersten Stock ein Zimmer und ein Bad mieten und sie schon irgendwie einricht’n.
- Ich glaub’ nicht, dass er nicht nach dem Geld fragen wird. Vielleicht beabsichtigt er, dir die Einrichtung in die Miete einzurechnen.
- Nein, nein, das ist kein Problem, da kann ich die folgenden zehn Jahre ruhig wohnen, ganz sicher wird er kein Geld von mir fordern. Nur, wie soll ich diese Räume einrichten? Ich sollt’ morgen in die Elektrodistribution gehen und Antrag auf Stromanschluss stell’n. Wieviel Geld und Kabel brauche ich dafür? Es sollte auch der Mörtel aufgetragen werden, aber am meisten werde ich für die Fenster- und Türrahmen ausgeben...
- Schon gut Ruta, zum Teufel noch mal, willst du gleich den Anschluss zahlen gehen, wieso eilst du damit? Wie weit ist der erste Strommast vom Haus entfernt?
- Ungefähr fünf-sechs Meter – mischt sich ihr Bruder ins Gespräch ein.
- Na gut, Ruta, meinst du wirklich, dass die Reichen sich damit beeilen, alle ihreVerpflichtungen zu erfüllen? Was ist denn los mit dir?
- Aber sie werde’ mich bestrafen!
Die Armen sind immer am ehrlichsten, ging es ihm durch den Kopf, oder sie sollen ehrlich sein, weil sie sich vor der Strafe fürchten und sich dessen bewusst sind, dass die Armen am leichsten zu bestrafen sind.
- Ah, bitte Ruta, wie können sie gleich herausfinden, dass du den Strom angeschlossen hast, und wenn sie es schon erfahren, sag ihnen einfach, dass du gerade vorhattest, den Antrag zu stellen.
- Ah, sie werd’n es schon am ersten Tag herausbekommen, meine Nachbarn würden das gleich anmelden. Doch weisst du was, lass uns mal zum Haus gehen.
Ivan grübelt. Auf der Rückfahrt erwähnt er Bücher und er erwähnt Mirsad. Damir, nicht nur dass er Mirsad kennt, sondern er hat sogar sein Buch gelesen. Er hält nicht besonders viel von ihm, kann man feststellen.
- Ah, wissen Sie, wieviel Geld er sich geschnappt hat? Es ist am einfachsten, das Geld von den Sehidi3 zu nehmen.
Er weiss, dass Mirsad in Italien eine Buchpräsentation besuchte. Das zwingt Ivan, auf der Hut zu sein. Wer ist Ruta? Auf Grund ihrer Sprache lässt sich erschliessen, dass sie keine Schulbildung hat, aber etwas an ihr weist darauf hin, dass sie auf keinen Fall eine kleine naive Frau ist, die sich geschieden und verlassen mit zwei kleinen Kindern durchs Leben schlägt.
Sie biegen auf den Landweg ab. Die Natur ist durchaus schön und der Tag, für diese Jahreszeit, ungewöhnlich kalt.
- Das Haus rechts, das mit dem Walmdach4, ist mein Elternhaus. Aber fahr schnell! Pass auf, dass uns jemand nicht zufällig sieht. Das Haus von meinem Verwandten ist nicht weit von hier entfernt. Es ist auf der rechten Seite. Da, noch ein Stück weiter. Da, das ist es, hier – und nach zwei Kilometern zeigen Ruta und ihr Bruder ihm das Haus. Vor seinen Augen erstreckt sich der Blick auf ein sehr schön gebautes und ziemlich grosses Haus mit drei Stockwerken, nur mit Dach, ohne Fenster und Türen. Echt so ein Haus passt zu jemandem, der eine längere Zeit in Deutschland arbeitete und jetzt nicht da wohnt und auch nicht vorhat, zurückzukehren und deswegen nicht viel Geld für die Einrichtung ausgibt. Das Haus ist gleich in der Nähe vom Asphaltweg, und ungefähr zehn Meter vom Haus fliesst ein kleiner Fluss. Es ist wunderschön.
- Diese Eingangstür soll vernagelt werden – sagt Ruta und eilt über die geordneten Bretter. Dann geht sie die Treppen hinauf zur ersten Etage. – Ah, ich würd’ gern dieses Zimmer und das Bad einrichten. Oh, mir ist sehr kalt, ich kann es hier nicht mehr länger aushalten.
- Was ist denn auf einmal los mit dir Ruta? – fragt Ivan. – Es ist wirklich ein bisschen kalt, aber wiederum nicht so kalt, dass du zittern musst. – Ruta verlässt das Haus nach ein paar Minuten.
- Ich würd’ gern meine Tante in der Stadt noch besuchen – sagt sie aus dem Haus gehend.
Es wundert ihn ein bisschen, dass ihr so kalt ist, aber, was weiss er, Frauen sind ziemlich kälteempfindlich, wenn sie ihre Frauenprobleme haben. Sie besichtigt noch einige Minuten das Haus mit Damir und dann fahren sie zum Haus von ihrer Tante, welches sich in der Stadt befindet. Die ganze Zeit spricht Ruta über die Probleme, - oh man, wie soll ich dies oder jenes, wie viel wir’ es kosten.
- Weisst du, du musst nicht auf uns warten, vielleicht halten wir uns ein bisschen länger bei der Tante auf, aber wir werden uns schon zurechtfinden.
Danach haben sie sich zwei - drei Tage lang nicht gesehen. Ivan war geschäftlich unterwegs. Er wird Mirsad anrufen und sich ein bisschen nach Ruta erkundigen, um zu sehen, ob er ihr irgendwie helfen kann. Aber, wie ist überhaupt ihr Nachname? Was soll er ihm sagen, man sole Ruta helfen? Was weiss er noch über sie? Er weiss weder ihren Nachnamen noch ihre Adresse. Ja, er nimmt an, sie wohnt schon irgendwo, in der Nähe von “Senci”.
Höchstwahrscheinlich. Wirklich, morgen frage ich sie nach ihrem Nachnamen – dieser Gedanke beschäftigt Ivan.
Sie verabreden sich per SMS für morgen. Es war ein wahres Wunder, aber sie kam pünktlich, wieder in Begleitung ihres Bruders.
- Gehen wir nach Nemila etwas trinken – sie entscheidet, wohin sie gehen.
- Ruta, wie ist eigentlich dein Nachname? Wie soll ich den Menschen sagen, wer die Prüfungen machen will?
- Weisst du was, mein Schatz, morgen sage ich dir meinen Nachnamen, morgen erzähle ich dir meine Geschichte, heute kann ich es nicht.
In diesem Moment ist ihm plötzlich aus einem ihm unbekannten Grund eingefallen, dass sie sicher die Ehefrau von einem dieser Mujahedins war, die in Mirsads Buch beschrieben werden. Kurz bevor er Ruta kennen lernte, hatte er das Buch von Mirsad gelesen, in dem er sieben Kämpfer für die Sache Allahs, und die sieben ums Leben gekommenen Sehidi beschrieb. Er las das Buch, und ihr Satz morgen erzähle ich dir meine Geschichte sollte ihn zu diesem Gedanken veranlassen. Am nächsten Tag sehen sie sich wieder.
- Weisst du, Damir bleibt hier in der Stadt, und wir zwei gehen etwas Trinken. Und dann, in einem besonders schön eingerichteten, aber völlig menschenleeren Objekt, erzählt ihm Ruta beim Kaffeetrinken die Geschichte.
- Als du mich gestern nach meinem Nachnamen gefragt ha’t, konnte ich ihn dir nicht sagen, ich hatte keine Kraft, aber heute sage ich dir alles, nur die ganze Wahrheit. Ich schwöre bei Gott, und mit Gott ist nicht zu scherzen. Also, ich sage dir alles, weisst du, ich war mit Ahmed verheiratet. Ich mit einem Mujahedin, es ist wahr.
Doch! Noch einmal hat es sich bestätigt, dass er sich auf sein Gefühl verlassen kann.
- Ah, verdammte Zigaretten. Ich kann nicht sprechen, ohne eine anzuzünden. Wo ist mein Feuerzeug? – Ruta ist nervös und sucht lange nach einem in der Tasche. – Ah man, jetzt kann ich es nicht finden.
Ivan ruft den Kellner, der ihn gut kennt und wahrscheinlich sich fragt, nicht nur fragt, sondern sich auch denkt, sich sicher denkt, schau mal, mit dieser hat er auch….!
- Haben Sie vielleicht ein Feuerzeug?
Ruta zündet die Zigarette an und fährt laut sprechend fort.
- Leiser, Ruta, leiser. Sei nicht böse, aber es müssen nicht alle mitbekommen, worüber wir sprechen.
- Tja, so bin ich es gewöhnt. Na gut, na gut – sagt sie in einem leisen Ton.- Ich möchte mich nicht rechtfertigen, aber, ich weiss nicht, was mit mir los war. Sie kamen hierher. Dieser Ahmed kam zu mir nach Hause. Meine Familie war gegen unsere Beziehung. Aber ich, ich habe nur gelacht und wollte ihn heiraten. Ich war jung. Ich weiss nicht, vielleicht war das wegen seines ungewöhnlichen Aussehens…
- Und?
- Und dann haben wir geheiratet. Er hat mich in sein Dorf gebracht. Als ob er mich verhext hätte. Als ob er mich bei einem Hodscha verhex’n liess.5 Heirat’n und nicht anderes! Er hat da für uns ein Haus genommen.
- Ruta, als die Hochzeit und alles zu Ende war, bist du mit ihm schlafen gegangen, nicht wahr? Warst du noch Jungfrau? Soll ich das annehmen?
- Ja, ja, ich war noch Jungfrau.
- Na, dann gut, hat es dir weh getan, war er zärtlich?
- Tja, wie meinst du, hat es weh getan? Es hat in diesem Moment weh getan, aber sonst, wenn ich an den Rest denke, was soll’s, es war normal. Aber gleich danach, eine halbe Stunde später, habe ich es bereut. Als ob ich meine Augen, wie nach einem Traum, aufgeschlagen hätte. Ich weiss nicht, wie ich es dir erkläre’ soll. Wenn du mir nur glaub’n würdest, dass ich gleich zu meinen Eltern zurückrennen wollte, doch es gab keinen Ausweg mehr. Wir sind da bis in den Morgen geblieben.
- Na gut Ruta, wie ging es dir mit ihm, ich meine im Allgemeinen an alles im Leben, aber auch im Bett?
- Angst, nur Angst, glaub mir, und nichts anderes. – Ruta möchte wieder eine Zigarette anzünden.
- Warte mal, Ruta, ich hole dir ein Feuerzeug aus dem Auto. Nachdem Ivan zum Auto gegangen war und das Feuerzeug mitgebracht hatte, zündete sie die Zigarette an und sprach weiter.
- Und dann, ich habe ihm zwei Kinder zur Welt gebracht.
- Warte mal, Ruta; er war wegen Kriegsverbrechen angeklagt, nicht wahr? Hast du gewusst, was er macht?
- Nein, er war nicht schuld. Stimmt, er war eine gewisse Zeit im Gefängnis, aber dann haben sie ihn freigelassen. Uff, was für Probleme ich mit ihm wegen der Scheidung hatte! Weisst du, die Richterin Jelica hat mir viel geholfen!
Oh, denkt sich Ivan, was werde ich noch alles erfahren, wer von unseren Leuten nicht nur mit Moslems sondern auch mit Mudjahedins heimlich zusammengearbeitet hat. Oh Gott, und unsere Jungs sind ums Leben gekommen! Eh, man sollte sie alle zum Teufel schicken, ärgerte sich Ivan.
- Hat er das Geld zurückgefordert, das er dir gegeben hatte? Er hat dich gekauft, stimmt’s? Oder, wie heisst das bei Moslems, wenn man eine Frau fürs Geld kauft? Wieviel hat er für dich bezahlt?
Während er das fragt, denkt er über die Dokumente nach, die er diesen weltweit operierenden Kriminellen zeigte, in denen stand, dass der Bruder Nazin die Frau Fatima Zeimovic für drei hundert Mark kaufte. Meine Güte, so viel ist bei uns ein Kalb wert – stellt Ivan fest.
- Ja, er hat eine kleine Summe für mich gegeben, aber dann im Falle einer Scheidung bleibt der Frau etwas Geld übrig. – versucht sie, ihm diesen moslemischen Brauch zu erklären.
Ruta, warum hat sie gerade diesen Namen bekommen? Das ist kein moslemischer Name. Ah, bei ihnen ist alles möglich, erinnernt er sich an die Klagen seiner Freundin. – Hör mal, Sabina?! Sabina ist ein Künstlername. Was für einen Namen haben mir meine Eltern gegeben? Und noch einen deutschen, das ist ein echter deutscher Name – pflegte sie sich teils scherzhaft, teils ernsthaft zu beklagen. Hatte ich ein Urteil gegen Ahmed?- grübelt Ivan.
Ist er einer von diesen fünf, deren Kopien der Urteile, die man gegen sie in ihren Herkunftsländern fällte, ich besass. Sie wurden zum Tod durch Hängen wegen Terrorismus verurteilt. Er erkundigt sich bei ihr nach Ahmeds Nachnamen. Hm, er kann sich nicht erinnern, ob er unter diesen fünf Terroristen war.
- Was passierte weiter, Ruta?
Bevor sie mit ihrer Geschichte fortfährt, küsst sie ihn auf den Mund. Zum Glück ist das Restaurant leer, und die Kellner haben sich zurückgezogen. Oder vielleicht schauten sie von irgendwo hervor, geht es ihm durch den Kopf, aber ihre Geschichte ist viel interessanter und er vergisst gleich die Kellner.
- Wir haben uns getrennt und er ist fortgegangen. Ich habe gehört, dass er jetzt irgendwo auf Kuba ist.
- Wer sagt dir das? Woher weisst du das?
- Ah, ich hatte nach dieser Scheidung noch lange Zeit Probleme. Mich haben diese aus efbiaj6 angerufen, ist so ihr Name? Ich musste sogar nach Sarajevo fahren. Sie haben mir gesagt, dass er auf Kuba ist.
- Wie lange hat das alles gedauert, was wäre passiert, wenn du diese Anrufe nicht beantwortet hättest?
- Es würde gar nichts passieren. Ich bin nicht immer zu ihnen gegang’n, wenn sie das verlangt hab’n. Was sollten sie mit mir, ich sagte ihnen, alles was ich wusste, und ich wusste fast nichts.
Ein bisschen später ruft ihr Bruder an, der in der Stadt geblieben ist.
- Verdammt, ich habe überhaupt nicht bemerkt, wie viel Zeit schon vergangen ist. Weisst du, mein Schatz, ich muss gehen. Meine Mutti ist nervenschwach, sie dreht oft durch.
Warum sagt sie ständig mein Schatz, fragt sich Ivan. Was wird ihr noch einfallen? Ich muss mich möglichst schnell bei meinen moslemischen Bekannten nach Ruta erkundigen. Wer ist eigentlich Ruta? Vielleicht ist sie die neue Mata Hari? Für welchen Geheimdienst ist sie wohl tätig?, fragt sich Ivan.
- Ihr habt es echt übertrieben! - ärgerte sich ihr Bruder Damir, als sie sich in der Stadt trafen.
- Mein Schatz, morgen gehen wir zwei ohne Damir aus. Wir gehen irgendwo allein hin. Du findest uns ein Zimmer.
Unglaublich! Einfach so, du findest uns ein Zimmer, und das sogar vor ihrem Bruder…
- Na gut, gut, aber nur, wenn du mich nicht befummelst – scherzt Ivan.
- Nur ein bisschen, nicht viel – scherzt sie auch. Damir schweigt.
- Also Ruta, morgen um fünf?
- Ja, ja, um fünf, sicher. Komm vor das Haus, Damir kommt mit, aber dann lassen wir ihn in der Stadt.
Bevor er am nächsten Tag das Haus verlässt, schreiben sie sich gegensetig SMS-en. Ja, ja komm her, wir gehen aus, schreibt sie ihm. Wenn er sich dem Haus nähert, kann er sie nicht mehr am Telefon erreichen. Ihr Handy ist aus. Er entschliesst sich, zum Haus ihres Verwandten zu gehen. Das Spiel ist aus, Ruta! Etwas weiter vom Haus des Verwandten entfernt, das sie besichtigen, hält er das Auto an und steigt aus. Vor dem Haus, im Hof, spielen die Kinder.
- Guten Tag Kinder! Sagt mir, bitte, gibt es hier eine Ruta?
- Hier gibt es keine Ruta, ich bin Ruta – antwortet ein kleines, schwarzhaariges Mädchen, schmutzig wie eine Zigeunerin in einem Zelt.
- Und Damir? Gibt es hier einen Damir?
- Hier gibt es keinen Damir – antworten alle einstimmig. In diesem Moment kommt eine ältere Frau in Pluderhosen “dimija”7 und bringt eilig die Kinder ins Haus.
- Hoppla! - denkt Ivan auf dem Rückweg darüber nach. So, das Spiel hat erst begonnen, Ruta. Langsam, meine Süsse. Am nächsten Tag, gleich am Morgen, kommt eine SMS: Wo warst du denn gestern Abend?
Ha, ha, ha Ruta, oder wie auch immer dein Name ist. Ich muss auf der Hut sein, stellt Ivan fest. Gestern habe ich, wie verabredet, auf dich in “Senci” gewartet, aber du warst nicht da. - antwortet er auf ihre SMS.
Jetzt schreibt sie keine SMS mehr, sondern sie ruft an.
- Weisst du, mein Schatz, ich weiss nicht ob ich genug Guthaben habe, aber komm heute Abend, ich will mit dir ausgehen, dich sehen… Diese Sache gestern war ein Missverständnis, ich schwöre bei Gott, und mit Gott ist nicht zu scherzen. Komm zum Haus von meinem Verwandten, ich kann nicht auf dich in “Senci” warten.
Auf dem halben Weg bis zum Haus von ihrem Verwandten begegnete Ivan ihr und natürlich, ihrem immer präsenten Bruder.
- Und, wie geht es euch, Ruta und Damir?
- Glaub mir, mein Schatz, die ganze Sache gestern war ein Missverständnis – antwortet sie ihm, während sie sich auf den Vordersitz setzt und ihn gleichzeitig in die Augen blickt – Ich schwöre. Weisst du….
- Gut Ruta, und jetzt sag wie du wirklich heisst? Und du, Damir?
- Ah was, haben dir meine Kinder was gesagt? Ah, was! Bitte, sei nicht böse. Ich wusste nicht, w’r du warst, ich musste ein bisschen…. - lügen – fügte Ivan hinzu.
- Na gut, Ruta, nicht Ruta, was hast du gesagt, wie ist dein echter Name oder verrätst du ihn mir noch nicht?
- Rabija. Und mein Bruder heisst Ramiz. Aber ich mag es lieber Ruta und er Damir genannt zu werden. Aber da gibt es keinen grossen Unterschied, od’r?
- In Ordnung Ruta, wenn du es so lieber hast. Ich wusste, dass du eine Kriminelle bist, aber Damir hat mich doch überrascht. Anscheinend so sanft, natürlich, ehrlich, aber doch dann…
- Er muss seine Schwester unterstützen, er hat nicht schuld daran – verteidigt ihn Ruta, Rabija oder wie auch schon ihr Name ist.
- Das ist das Haus von meinen Eltern. Ich wollte wirklich mit dir ausgehen. Als du gekommen bi’t und angerufen ha’t, bin ich gerade in den Keller runtergegangen, um mich anzuziehen und ich habe dich nicht gesehen, und das Handy hatte ich nicht dabei. Mutti hat diese Tscherkezi8 von der Strasse ins Haus gezogen, und du war’t schon weg und hast nicht mehr angeruf’n. Du bist aber nicht böse, oder?
- Schon gut, Ruta. Aber was werde ich noch alles erfahren? Oder sagst du mir jetzt alles?
Während sie alleine sitzen, Damir war schon weg, erzählt ihm Ruta.
- Weisst du mein Schatz, das war das Haus von meinen Eltern. Das Haus daneben ist meins, nicht von irgendeinem Verwandten. Als ich mich von Ahmed – mein’t du, die Kinder sind nicht zu dunkelhäutig, wie die Araber es sind, er war es auch nicht besonders - scheiden liess, dann bin ich mit Hilfe einer älteren Frau nach Deutschland gegangen. Ich habe dir nicht gesagt, dass ich während meines Zusammenlebens mit Ahmed mit dem Hidjab9 bedeckt sein musste und dann kam ich nach Deutschland zu dieser Frau. Was für eine Umwandlung! Dort konnte ich mich nicht zum Narren machen und bedeckt herumlaufen, ich habe den Hidjab abgenommen. Diese Frau war ein bisschen älter, wir sind nur herumgelaufen, sie ging mit mir spazieren, ich habe gar nichts gearbeitet.
- Schon gut Ruta, schon gut – lächelte Ivan, mich interessiert der Rest sehr.
Und, wie hat es dir in Deutschland gefallen? Wie hast du mit dieser Frau gelebt, ich meine ohne Männer? Bist du dort fündig geworden?
- Hm, siehst du, dieses Haus da. Ich habe da einen älteren Mann kennen gelernt. Sein Name war Hasim. Er war aus Tuzla. Wir hab’n das Haus hier gebaut, aber alles ist auf meinem Namen. Babo10 hat mir dieses Gründstück am Fluss überschrieben.
- Und, wo ist er jetzt?
- Wir haben uns getrennt! Wir waren überhaupt nicht verheiratet.
- Na gut Ruta, aber habt ihr euch getrennt?Denn du sagst, dass er dir alles gegeben hat..
- Stimmt, er hat mir alles gegeben, aber er war sonderlich, ich konnte ihn nicht ertragen. Ich konnte ihn überhaupt nicht ertragen.
- Und im Bett?
- Im Bett auch nicht. Ich möchte darüber nicht mehr sprechen, ich konnte ihn einfach nicht ausstehen. Und jetzt, was wir’ mit dem Haus sein? Er hat Recht auf einen Teil, obwohl ich laut den Eigentumspapieren die einzige Besitzerin bin. Übrigens wir werde’ sehen.
Die Geschichte ging weiter. Ruta erzählte ihm, was sie wollte und wie sie es wollte. Ihm blieb nur übrig, ihr zu glauben oder nicht, von ihr wegzugehen oder nicht. Die Möglichkeiten waren zahllos, aber etwas zog ihn an. Er wollte noch sehen, wie die Geschichte endet. Und natürlich, um alle Fäden in der Hand zu haben, muss er Ruta ins Bett bekommen. Im Bett wird sie ihm schon einiges erzählen. Als er zu Hause ankam, schickte er ihr eine SMS: Wie geht’s, Ruta? Ich küsse dich meine Schöne! Die gegenseitige SMS – Verschickung kam in Schwung. Ruta wollte offensichtlich gefickt werden. Das konnte er aus ihren SMS herauslesen: Oh, verdammt nochmal, du reiztmich nur. Ichliebedichauch. Er schickte ihr eine provokative SMS, und wartete ihre Reaktion ab. Sie antwortete im gleichen Ton. Wann trafen sie sich wieder? Nach ein paar Tagen?
- Weisst du, mir ist am Ende das Handy aus der Hand gefallen – sagte sie ihm. Die SMS-en haben sie wahrscheinlich umgeworfen oder sie wollte ihm nur sagen, dass sie gekommen ist. Sie sollte angenommen haben, dass er das hören wollte.
- Ich habe mit meiner Familie gestritten. Ich will und kann nicht mehr mit ihr leben. Ich muss diese Situation klär’n, dazu hast du mich auch veranlasst. Aber zuvor muss ich etwas für das Haus kaufen. Warum habe’ ich überhaupt etwas von meiner Familie genommen. Ich muss zuerst alles, was sie für mich verschwendet hat, begleich’n und erst dann kann ich in mein Haus geh’n. Ich habe meinen Verwandten angerufen, damit er in diesem Zimmer und im Bad die Stromleitungen verlegt. Aber wo werde ich das Geld beschaff’n? Könntest du mir vielleicht helf’n?
Ah, so läuft der Hase. Deswegen geht sie mit mir aus, begreift Ivan. Nach einer gewissen Zeit hat sie beschlossen, dass ich ein Dummkopf bin, von dem sie das Geld nehmen kann und soll. In diesem Moment fielen Ivan die Worte ein, die Josip vor zwei Jahren aussprach: Moslems sind Abschaum, der nur von uns Geld will. Tausend Konvertible Mark, hundert Konvertible Mark, fünf Konvertible Mark, die Summe spielt keine Rolle. Hauptsache, sich das Geld schnappen. Sie meinen, dass wir ihnen etwas schulden, sie haben einen solchen Plan und solche Befehle von ihren Politikern zu befolgen. Sie würden auch jetzt gerne vom Volk den Haratsch11, das Zehntel, das Drittel verlangen… Hat Josip Recht? Auch wenn, ist dann Ruta eine von ihnen? Wird sie von jemandem überredet?
- Ruta, kannst du etwa zehn Tage abwarten? Diese Tage habe ich viele Ausgaben, ihr Ausmass kannst du dir nicht mal vorstellen. Am nächsten Montag werde ich alle Rechnungen zahlen und wieder was Geld haben.
- Uff, ich brauche das Geld sofort, aber was soll’s.
Gleich am Dienstag bekommt Ivan eine SMS. Ich habe das Geldbeschafft, aber ich brauch’ noch hundert Mark. Kannst du mirsovielleih’n? Ich werd’ dir es zurückgeb’n.
Kein Problem, hundert Mark ist in Ordnung – antwortet er ihr. Hm, das ist also der Preis der “Liebe” am Anfang, so viel wird es mich kosten, wenn ich mehr über Ahmeds Reise, Kuba, den “Verwandten” und das Netz erfahren will. Denn, dieser verdammte Cowboy12soll recht haben. Al Qaida hat ihr Netzwerk überall gesponnen? Welche Gefahr geht von dieser Organisation aus? Darüber muss ich auch nachdenken. Ruta ist vielleicht nicht gebildet, aber dumm ist sie sicher nicht. Schlau?! Ja, bestimmt. Weiterhin, was ihre Geschichte angeht, inwiefern ist sie überhaupt wahr? Sie ist noch sicher im Kontakt mit ihrem Mudjahedin. Na gut Ruta, wir spielen nach deinen Regeln, lassen wir es Gottes Wille sein, stellt Ivan fest.
Am Nachmittag gehen sie sich das Möbel anschauen.
- Diese Preise bereiten mir Kopfschmerzen vor. Wie teuer das alles ist...!
Mit dabei ist natürlich auch ihr immer präsenter Bruder Damir. Welchen Kodenamen hat diesem Jungen Al Qaida nur gegeben?, fragt sich Ivan. Im Gespräch hat Damir ausgeplaudert, dass er die Heilige Schrift gelesen hat. Er weiss nicht, ob Damir das bewusst oder unbewusst ausgeplaudert hat, aber das veranlasst ihn dazu, sich mit diesem Gedanken zu beschäftigen. Sie fahren zurück nach Nemila.
- Wisst ihr, da haben sie mir einen Tanz mit völlig bedeckten Frauen organisiert, das war dieses Jahr gleich nach dem Krieg…. - bemerkt Ivan.
- Was für einen Tanz? – fragen sie einstimmig.
- Am Ende haben sie sich nackt ausgezogen und sie waren angezogen wie du, in deiner ersten Ehe. Nur ich kann mich nicht orientieren, in welchem Gebäude das stattfand…
- Da, in diesem dort. Das wird immer noch organisiert, der Tanz bietet nur die Deckung für die organisierte Prostitution – sagt sie ihm. Anschliessend beginnt Ruta, aus einem Ivan unbekanntem Grund, die Religionsbeamten anzuschreien. Ivan versucht sie glaubwürdig zu verteidigen.
- Sei still und verteidig’ sie nicht. Ich kenn’ sie gut. Tja, ich habe geseh’n, wer sind sie und wozu sind sie fähig. Man sag’ ja nicht umsonst – Hodschas und Priester sind die grössten Diebe.
Auch nach ihren Worten bleibt Ivan bei seiner Meinung.
- Lass sie in Ruhe, Ruta! – und im Spiegel versucht er das Gesicht von “Damir” zu sehen. Was denkt wohl dieser “Damir “darüber? Er schweigt. Nachdem sie sich eine längere Zeit Möbel angeschaut hatten und Damir Ruta überredet hatte, (etwas später fiel Ivan ein, ob dieses Überreden vielleicht nur ein Teil des Spiels ist, alles ist möglich, stellt er fest) kaufte Ruta ein Regal. Sie rufen den Besitzer des Ladens. Sie machen den Preis aus. Die Hälfte des Geldes jetzt und die andere Hälfte später, mit möglicher zehn Prozent Ermässigung.
- Wann möchten Sie, dass wir das Regal ausliefern? – fragt der Besitzer.
- Gleich!
- Das ist nicht möglich, aber bis acht heute Abend ginge es – antwortet der Besitzer mit einem Lächeln.
- Na gut, dann bis acht heute Abend – stimmt Ruta zu.
- Heute gehen wir alleine aus, nur wir zwei. Damir lassen wir irgendwo in der Stadt, er wird sich schon zurechtfinden – sagt sie ihm, während sie das Möbelgeschäft verlassen.
- Bist du ganz sicher, Ruta?
- Ja, bin ich, mein Schatz, um neun hol mich ab. Ich muss nur vorher dieses Regal aufstellen.
Gegen halb neun ruft Ivan sie an.
- Uff, mein Schatz, ich stelle gerade das Regal auf, sei nicht bös’, aber könnt’n wir um zehn ausgehen? Ist dir das zu spät? Ich kann wirklich nicht früher.
Um zehn schickt sie eine SMS: Uff, mein Schatz… Ivan erinnert sich überhaupt nicht, was mit ihr “passiert ist”, warum sie nicht ausgehen konnte. Etwas ist sicher passiert. Ihr geschieht immer etwas.
Morgen ruft sie ihn an.
- Ärgerst du dich?
- Nein, gar nicht Ruta. Ich verstehe dich, du konntest nicht ausgehen. Macht nichts, morgen fahre ich nach Sarajevo, kommst du mit?
- Ich würd’ gern mit, wenn ich bei jemand meine Kinder lassen könnt’.
Natürlich kann sie bei keinem die Kinder lassen.
Aber, bitte Ivan, auf der Rückfahrt ruf mich an, sicher geh’n wir dann aus. Dann kannst du mir mein Geschenk geb’n? Unterwegs schau nach eine’ Hotel oder eine’ Zimmer. Ich möchte alleine mit dir sein. Nur wir zwei. – stand es in der SMS. Am Abend, als er Sarajevo verliess, schickte er ihr eine SMS: Gegen neun bin ich bei dir, kannst du ausgehen?
Wir gehenaus. Nur wirzwei. Melde dich, wenn du inderNähe bist.
Und natürlich, als er in der Nähe war, genau um neun, war ihr Handy aus.
Er fährt zehn Kilometer weiter bis zur Tankstelle. Sie war sie nicht vorsichtig oder sie hat einfach gedacht, dieser Dummkopf ist weg und sie hat ihr Handy wieder eingeschaltet. An der Tankstelle bittet Ivan, von deren Telefon anzurufen, weil sein Akku vom Handy leer angeblich ist. Ruta wird denken, dass jemand anderes anruft und sie wird sich melden, damit rechnet Ivan. Und Ruta meldet sich.
- Wo bist du mein Schatz, ich warte auf dich?
- Weisst du Ruta, da dein Handy aus war, begab ich mich nach Hause, und jetzt ist es schon zu spät, um auszugehen. Eigentlich reise ich morgen ziemlich früh ab.
- Aber ich möchte dich heute Abend sehen. Bitte, Ivan, komm zurück. Bist du schon weit entfernt?
- Na gut Ruta, aber nur für zehn Minuten. Geht los, du und dein Bruder.
Sie setzen sich in das erste Café an der Strasse. Auch ihre Nachbarn stören sie nicht mehr. Interessant.
Sehr interessant. Hier kennen alle Ivan. Es bleibt nur die Frage, ob sie noch lange schweigen werden und ob sie Ruta schon gewarnt haben. Nach fünfzehn Minuten trennen sie sich. Sie werden sich vier Tage lang nicht sehen. Ivan hat viel zu tun. Er ist in Kroatien.
Er bekommt ihre SMS. Melde dich meine Lieb wenn du Zeit hast – schrieb sie.
Ich mache Fortschritte, lächelt Ivan, jetzt bin ich ihre Liebe. Er antwortet auf ihre SMS – en weder am Donnerstag, noch am Freitag, noch am Samstag. Am Samstag wirft er seinen Blick auf das Handy. Sechs unbeantwortete Anrufe! Ruta. Am Sonntagmorgen ruft er sie von einem Festnetz an. Sie meldet sich nicht. Sie schläft wahrscheinlich. Nach einer Stunde, während er mit den Gastgebern und einigen gemeinsamen Verwandten zusammen sitzt, klingelt das Telefon.
- Eine Frau hat angerufen – sagt die Gastgeberin. – Sie hat gesagt, dass jemand sie von dieser Telofonnummer angerufen hat. Aber seit heute Morgen hat niemand von uns das Telefon benutzt. - Ivan gibt nicht zu, dass jemand doch das Telefon benutzt hat, und zwar er. Ruta? Hm, Ruta?! Am Nachmittag schickt er ihr eine SMS: Ich kann es kaum abwarten, dich zu sehen – schreibt Ivan. Oh, meinSchatz, warum hastdu dich solange nicht gemeldet? Ich kann es auch kaumabwarten – antwortet sie. Er ruft sie an.
- Kann ich jetzt zum Kaffee vorbeikommen, aber vor dem Haus? Kann ich? Darfst du, könnte ich vorbeikommen?
- Komm, Ivan, komm nur, mein Vater ist nicht zu Hause. Er ist, weisst du, er ist Hadschia13, er könnte es nicht ertragen, dass du kein Moslem bist.
- Du willst wirklich, dass ich vorbeikomme? – will er noch mal die Einladung bestätigen.
- Komm, komm direkt vors Haus. Es ist mir von jetzt an völlig egal.
Er kauft ihr unterwegseine Bonbonniere. Er trifft sie vor dem Haus, während sie den Betonweg wäscht. Sie hatte weisse Leggins an. Sie lächelt.
- Setz dich, da an den Tisch. Ich habe für dich da ein Sitzkissen hingelegt und du hast dich auf das kalte Brett gesetzt…
- Mach nichts, Ruta, ich habe Jeans an, macht nichts.
Gleich rennt an den Tisch eine Schar Kinder herbei.
- Los, Tscherkezi, los! – schickt Ruta sie weg. – Hab’ ich dir schon gesagt, dass es hier bei uns sehr viele Kinder gibt. Sieh Ruta, wie schmutzig du bist! – schreit sie ihre kleine Tochter an. Ivan beobachtet die Kinder. Der Kleine hat zweifellos arabische Gesichtszüge.
- Mach uns einen Kaffee, Schwiegertochter – sagt Ruta zu einer jüngeren, schönen Frau, die fast zahnlos ist. Sie gehorcht, aber offensichtlich ungern.
- Wo ist dein Vater, Ruta?
- Er mäht irgendwo. Aber er kommt nicht so bald. Ist dieser Kaffee bald fertig? – beeil dich, sagt sie zu ihrer Schwiegertochter.
Die Kinder bemerken die Bonbonniere auf dem Tisch und lassen sich nicht wegschicken. Endlich bringt die Schwiegertochter Kaffee und Ruta gibt jedem Kind ein Schokobonbon. Sie haben erst ein, zwei Schluck Kaffee getrunken, als ein blondhaariger, ein bisschen älter, aber gut aussehender Mann mit der Sense in der Hand vor dem Haus ankommt.
- Esselamu alejkum14 – begrüsst er. Ivan murmelt einen Gruss hervor. Er betritt das Haus.
Ein paar Minuten später kommt ihr Bruder auch, aber nicht Damir. Dieser ist sehr freundlich. Er erzählt.
- Ich arbeite bei Marko.
- Und wie bezahlt er euch? – fragt ihn Ivan.
- 20 Konvertible Mark pro Tag.
- Ich kann es nicht glauben, nur zwanzig Mark? – wundert sich Ivan. – Zahlt er euch wenigstens die Sozialversicherungsbeiträge ein?
- Ah was - antwortet er. Regentröpfen beginnen zu fallen, erst kleine, dann immer grössere. Sie tun Ivan und Ruta offensichtlich wohl. Nur Rutas Bruder spricht weiter über seinen miserablen Status. Sie machen alles für morgen aus und Ivan geht weg.
Als er am Morgen mit Nedzada den ersten Kaffee trinkt, nach zehn Uhr wird er vom SMS – Signal überrascht. Wo bistdu mein Schatz warum meldest du dich nichtsehen wirunsheute? Er antwortet: Wann passt es dir, Ruta? – Melde dichnachzwölfUhr! Nach etwa zwanzig Minuten bekommt er eine neue SMS: Ich habe vierhundert KonvertibleMark beschafft, kannstdu mir nochhundert leihen, sodass ich dasRegal abbezahle? Na gut, die Preissteigerung ist annehmbar, stellt Ivan fest. Nach einer Stunde ruft Ruta an. In diesem Moment spricht Ivan mit einem Professor und deswegen kann er sich nicht melden. Bald kommt die SMS: Warum meldestdu dichnicht? Und dann: Kauf vier Portionen Cevapcici, ich habe keine Zeit, Mittagessen vorzubereiten, ich möchte mit dir ausgehen. Nicht nur dass sie immer mehr Geld verlangt, sondern auch – das Wörtchen bitte - vergisst.
Eine Stunde später sind sie in Nemila. Ruta begleicht den Rest der Summe für das Regal.
- Weisst du mein Schatz, ich will jetzt nicht ausgeh’n. Gehen wir zurück, und wir können heute Abend ausgeh’n. Kauf uns eine Flasche Wein, ich möchte mich betrink’n. Geh’n wir in ein Hotel, kannst du bis zum Morgen bleib’n?
Sie spricht vor ihrem immer präsenten Bruder.
- Damir, du passt heute auf die Kinder auf. Lass die Tür nicht geschlossen, so dass ich rein kann, ohne dass mich die Eltern hören.
Ist dieser “Damir” wirklich ihr Bruder, fragt sich Ivan. Wie kann sie so vor dem Bruder sprechen? Etwas stimmt hier nicht. Damir schweigt. Es stört ihren Bruder nicht, wenn sie Ivans Bein anfasst, gefährlich dem Geschlechtsorgan nah. Irgendwie krankhaft, wenn sie Geschwister sind.
- Dann heute um neun?
- Ah Ivan, wie gern würd’ ich mit dir irgendwohin für eine längere Zeit gehen…!
Um Viertel vor neun bekommt er eine SMS: Ich bin imStall. Bitte, warte aufmich bis zehn. Wirst dudich nicht darüberärgern? Es hat begonnen, begreift Ivan. Sehen wir mal, was jetzt folgt? - Na gut, Ruta – antwortet er – um zehn begebe dich vor das Haus, ich werde pünktlich sein. – Abgemacht, mein-Schatz – antwortet ihm Ruta. Und dann, kurz vor zehn, ruft sie vom Festnetz an.
- Ah, mein Schatz, hast du einen Bleistift? Schreib eine Nummer auf!
Jetzt gibt sie mir die Telefonnummer von einem Freund oder einer Freundin, bei wem sie schon ist, um sie da abzuholen, weil sie nicht will, dass mich ihre Eltern sehen, fällt es Ivan plötzlich ein.
- Warte mal, ich muss das Auto anhalten.
- Ah, weisst du, was heute passiert ist, alle im Haus sind durchgedreht. Kennst du die Nummer der Polizei? Jetzt hat jemand angeruf’ und meinem Vater gesagt, dass er will sich mit mir treff’n, und dass er will das schon lange Zeit, und hat sich als Josipovic vorgestellt. Meine Güte, wir alle sind durchgedreht! Ich kann meine Eltern nicht beruhig’n. Wieso kennst du die Telefonnummer von der Polizei nicht? Hast du die Nummer aufgeschrieb’? Gibt es überhaupt einen Josipovic? Kannst du herausfind’n, von wem ist diese Telefonnummer?
- Langsam Ruta, langsam, alles wird sich schon aufdecken – sagt ihr Ivan zweideutig, und sie hat ihn nicht verstanden oder sie tat nur, als ob sie es nicht versteht.
- Oh, mein Kopf platzt! Warte noch ein bisschen, ich muss noch versuchen, meine Eltern zu beruhig’n, dann können wir aus. Ich werd’ dich in zehn Minuten anruf’n.
Wo ist “Damir”? Sitzt er neben ihr und gibt ihr Anweisungen? Wie lange sind sie schon “Bruder” und “Schwester”? Schmiedet er einen Plan und warum ist ihnen dieses Spiel nötig? All diesen Gedanken wirbeln durch seinen Kopf, während er auf Rutas Anruf wartet. Nach zehn Minuten ruft sie an. Sie faselt und faselt. Ohne Pause.
- Komm doch zurück, ich komme heraus… Doch, ich fürchte, dass er hinter diesem Anruf steckt… Ich fürchte, dass er die Kinder wegbring’n könnte?!
Woher jetzt diese Befürchtungen? Hat sie nicht vor ein paar Tagen gesagt, dass er auf Kuba ist und dass diese Nachricht das FBI bestätigt hat? Wie könnte er nur so schnell von Kuba hierher kommen!? Will sie mir vielleicht Angst einjagen?, fragt sich Ivan und hört ihr zu.
- Ruta, beunruhige nicht weiter deine Eltern.
In diesem Moment geht sein Handy aus, weil sein Akku leer ist. Nachdem er nach Hause gekommen ist, lädt er sein Handy und schickt ihr eine SMS, in der er ihr erklärt, was passiert ist: Ichkann nichteinschlaf’n – lautet die Antwort. – Befummle dich ein bisschen, dann wirst du einschlafen – antwortet er in der SMS. – Ich möchte dich befummeln mein Schatz das ist mein grösster Wunsch ich kann gar nichtschlafen ich denke ständig andich weil duhast mir das alles schon bewiesenmeine Liebe. Ich liebe dich. ich küsse dich.- Mach dir keine Sorgen, leg dich hin und schlaf, alles wird gut. Ich küsse deinen Poppo – antwortet ihr Ivan. Ich küsse deine schönenLippenich denke andich aber es klappt nicht zwischenuns, warumweiss ich nicht aberich kannauch nichtschlafen. Warum, weissichnicht. Deine Ruta liebt dichich frage mich, ob eswirklichnoch so guteMenschen wie Sie auf dieser Welt gibt Kuss Kuss.
Hoppla! Jetzt redet sie mich mit Sie an. Ich mache mit ihr noch ein bisschen Spass, entscheidet Ivan und schickt eine SMS: Ich schätze dich sogar mehr, weil du dich das fragst, damit zeigst du deine Intelligenz – er benutzt diesen Ausdruck absichtlich – denk nicht darüber nach, ob es zwischen uns klappt oder nicht. Wenn uns das Schicksal die Liebe zugeteilt hat, liegt ihre Erfüllung nur an der Zeit. Ich küsse deine Augen, die das lesen.
Danach ist es ihr gelungen, in den Schlaf zu sinken, weil sie sicher eingesehen hat – dieser Ivan ist bescheuert, warum soll ich das Geld dann für die SMS - en verschwenden. Sie ist wahrscheinlich glückseelig eingeschlafen und hat über “diesen Dummkopf” gelacht. Und der Bruder “Damir”, was ist mit dem Bruder “Damir” los? Oder heisst er Ramiz oder weiss Gott wie schon? Wie ist sein Kodename? Das werde ich bald herausfinden, aber das setzt voraus, dass ich noch eine längere Zeit einen einfachen, zu ehrlichen Naiven spielen muss, der zugleich auch Geld hat. Gute Nacht “Rabija”, dieser Name ist auch diesem Josipovic bekannt, der angerufen hat. Gute Nacht auch dir Ramiz, wenn du schläfst. Aber ich glaube es nicht, ich schlafe auch immer weniger, begrüsst Ivan sie lautlos.
Am Morgen begegnet Ivan in der Stadt Mirsad, ohne ihn gesucht zu haben. Er war aus Italien zurückgekehrt.
- Es freut mich, dass ich dir begegnet bin, Mirsad, ich will dich was fragen. Hör zu, das muss unbedingt unter uns bleiben. Was kannst du mir über Rabija sagen?
- Über diese Frau von Ahmed!? Der Kriminelle und der Mörder Ahmed Mandal! Der Name dieses Verbrechers ist jedem Interpol - Ermittler bekannt! Er stellt einen Zusammenhang zu vielen, vielen durchgeführten terroristischen Aktionen dar. Nach ihm fahndet die ganze Welt. Er ist aus dem Gefängnis in Zenica geflohen. Von wegen geflohen, unsere Polizei hat ihn freigelassen, sprechen wir lieber nicht weiter darüber... Kurz gesagt, mit so einem Mann war sie verheiratet.
- In Ordnung Mirsad, ich habe das Gefühl, dass mir jemand nachspioniert. Ich weiss nicht, warum diese Leute gerade mich ausgesucht haben, aber ich muss sagen, ich das Gefühl, als ob mich jemand verfolgt…
- Sie?! Hast du vielleicht angenommen, dass sie dir nachspioniert?
- Nein, sie wirkt nicht wie das “Gehirn” der Operation, aber vielleicht werden ihr Anweisungen gegeben? Was denkst du, wer steckt dahinter? Was weisst du über ihren Bruder?
- Ivan, über ihn weiss ich gar nichts.
Eh, das macht mir Sorgen, stellt Ivan fest.
- Und sie?! Sie ist verrückt. Eine Hure. Eine gemeine Hure, die jeder… Na gut, weisst du, dass sie mit einem Hidjab bedeckt war, kannst du dir es jetzt überhaupt vorstellen, dass solch eine Frau jetzt halbnackt herumläuft? Dieses konträre Verhalten deutet darauf hin, dass sie verrückt ist. Und Naho?! Ein Taugenichts. Ein Nichtsnutz. Er geht mir am Arsch vorbei, ich habe vor ihm gar keine Angst. Ich hab gehört, dass mir auch gedroht wird. Aber Naho weiss, wenn er was gegen mich unternehmen würde, kenne ich Leute, die ihn dann abschlachten würden. Er ist ein Taugenichts. Er versucht, den gegen ihn eingegangenen Anklagen zu entrinnen. Und sie, sie hatte mit der CIA zu tun. Die CIA hat sie angerufen und mehrmals abgeholt.
Endlich überlappt sich etwas mit ihrer Geschichte, bemerkt Ivan.
- Danach, nach der Scheidung, fickte sie in Deutschland herum. Dort hat sie einen Deutschen geheiratet.
- War das nicht ein Landsmann aus Tuzla?
- Keinesfalls Ivan, er war ein echter Deutscher. Da haben sie ein Haus gebaut. Er kommt jeden zweiten Monat vorbei, fickt sie, und so…
Eh, ein “Verwandter”!!! Also, das ist dieser Verwandte, begreift Ivan. Am Nachmittag ruft ihn Naho an. Wieder ein Zufall!? – fragt er sich und zugleich meldet er sich.
- Kannst du mich mit einer Faru verkuppeln? – versucht Ivan zu scherzen.
- Ja, ich werde, aber erst dann, wenn du dich bei deiner Freundin über mich nicht mehr beklagen wirst.
Das heisst, dass Marina ein doppeltes Spiel treibt. Mir rät sie, mich von Naho fernzuhalten und bei ihm beklagt sie sich über mich. Ich weiss nicht, warum und worüber ich mich beklagen sollte, alles wird sich schon morgen klären, verschiebt er alles auf morgen. Während er am Computer arbeitet, wartet er auf Rutas SMS. Es ist schon fünf, jetzt wird sie beschliessen, dass sie ihm eine Nachricht senden soll, weil er ihr noch keine geschickt hat. Bald kommt eine SMS: Wo bistund wasmachst du. Sie ist sicher nicht töricht oder dumm, Mirsad! Ich stimme dir nicht zu. Er antwortet in gleichem Ton: Ich bin zu Hause und schreibe einen Artikel für die Zeitungen. Ich küsse dein Ohr. Er will nicht, dass sie aus der SMS herausbekommt, dass er etwas weiss. - Ichlasse gerade inzwei Zimmern Stromleitungenverlegen. Kein einziges Wort über das gestrige Problem und fragt überhaupt nicht, ob er sich nach der Person, die gestern angerufen hatte, erkundigte. Ausserdem erwähnt sie auch nicht den “gebrochenen” Arm des Kindes, obwohl er gesunde Kinder beim lebhaften Spiel betrachtete, während er mit Ruta Kaffee trank. – Melde dich mein Schatz, wenn du Zeit hast – antwortet er ihr. Morgen erwähnt sie mit keinem einzigen Wort den gestrigen “Anruf”. Haben sie dann die drei folgenden Tage per Telefon oder Handy kommuniziert?
Wahrscheinlich. Am Dienstag ruft Ivan sie an.
- Ich bin in Zenica, bei meiner Schwester zu Besuch im Krankenhaus – teilt ihm Ruta mit.
- Kann ich herkommen, um dich zu sehen?
- Komm, komm. Wir können etwas trinken gehen.
- Ohne deinen Bruder? “Damir” kommt nicht mit, Ruta?
- Nein, wir gehen alleine und lassen ihn schon irgendwo in der Stadt. Er findet sich schon zurecht.
- Sicher, Ruta?
- Sicher, Ivan, wenn ich es dir sage.
Ivan macht sich auf den Weg. Ah was? Wenn sie mich auch hereinlegt oder was ausdenkt, wie zum Beispiel, dass ihr Bruder mit uns sein muss, würde das nicht zum ersten Mal passiern, dass sie mich verarscht. Übrigens, unabhängig davon, wer sie ist, ist Ruta vor allem eine Frau. Und wenn man den Frauen etwas macht, was nur in ihren Augen männlich erscheint, pflegen sie das zu schätzen. Übrigens, am leichtesten würde er alles über Ruta, wer und was sie auch schon sein mag, und den “Bruder” im Bett erfahren. Ich habe nicht nur einmal hunderte Kilometer wegen eines einzigen Wortes – komm! – von einer Frau gesagt, - zurückgelegt und wurde dafür ausgiebig belohnt. Morgen bluffe ich Naho, was Rabija und Mandala angeht. Nein, ich werde ihr noch nichts darüber sagen. Kein einziges Wort über Mandala oder den Deutschen. Nichts. Ich werde weiter einen Naiven spielen, aber wie ich mich selber kennen, werde ich das nicht mehr lange aushalten. Wenn das schon passiert, werde ich ihr alles, fast alles, langsam erzählen, als ob gerade sie mir das ganze Ding verraten hätte. So wäre es am besten. Ich werde ihr alles in scherzhafter Weise sagen und im Gespräch über Ahmed Mandala werde ich einen Eindruck hinterlassen, als ob ich alles vom ersten Tag an wusste, schmiedete Ivan einen Plan auf dem Weg nach Zenica.
Ruta wartet auf ihn auf dem Busbahnhof. Mit ihr ist wieder ihr immer präsenter Bruder. Wieder wird sie die gleiche Geschichte wiederholen, dass er schon aus einem Grund mit uns sein muss, stellt Ivan fest, während sie auf ihn zukommen.
- Damir tut nur ein Kabel in den Gepäckraum, dann gehen wir weg. Er wird sich schon alleine zurechtfinden.
Und wirklich, Damir stellt wortlos das Kabel in den Gepäckraum und geht weg. Ivan kann seinen Augen nicht trauen.
- Wo möchtest du denn hin, Ruta? – fragt er.
- Fahr irgendwohin. Ah, ich bin müde, aber ich bedauere die Krankenschwester, diese Ärzte sind so geldgierig, es ist ihnen nie genug Geld…!
- Das würde ich nicht sagen, tu nicht, als ob du kein Geld hast. Dein Deutscher schickt dir sicher das Geld aus Deutschland. Wenn er einmal in zwei Monaten auftaucht, bringt er dir Geld.
Sie schaut ihn an.
- Von wegen, ich habe dir schon gesagt, mit Hasim bin ich fertig.
- Meine Süsse, ich denke nicht an Hasim, sondern an diesen echten Deutschen, den du nach der Scheidung von Mandala geheiratet hast.
Während sie Ahmeds Namen ausspricht, schaut Ivan sie nicht direkt an, aber mit allen seinen Sinnen will er vor allem ihre Reaktion wahrnehmen. Ruta ist entweder mit allen Wassern gewaschen, wie ihm Mirsad sagte; oder sie ist wirklich verrückt, oder sie ist eine echte Meisterin - denn gleich, blitzschnell alles abzuwiegen und zu erkennen, dass Ivan alles weiss, vielleicht nicht alles, aber doch das Wichtigste, und einzuschätzen, dass es am besten wäre, nichts vom Angegebenen zu verneinen, sondern alle zukünftigen Lügen anzunehmen, alles im Bruchteil einer Sekunde, ohne mit der Wimper zu zucken oder Unangenehmheit oder irgendetwas erkennen zu lassen - das zeichnet nur jemanden aus, der viel im Leben durchgemacht hat oder der einfach, wie Mirsad sagte, verrückt ist.
