Die geheime Tochter - Claudia Ziegler - E-Book

Die geheime Tochter E-Book

Claudia Ziegler

0,0
8,99 €

Beschreibung

Eine junge Frau, ein geheimes Erbe, eine dunkle Verschwörung

Schottland 1715: Erst nach dem Tod ihres Vaters erfährt Cécile, was es mit dem Schicksal ihrer Familie auf sich hat. Als Opfer einer Verschwörung musste sie aus Frankreich fliehen. Entschlossen, das Vermächtnis des Vaters zu retten, begibt sich Cécile auf die lange Reise zurück in die Heimat. Eine mutige und lebensgefährliche Entscheidung …

Seit vielen Jahren lebt die neunzehnjährige Französin Cécile mit ihrem Vater in den schottischen Highlands. Erst als der Vater im Sterben liegt, erfährt sie, warum ihre Familie aus Frankreich floh und welch schweres Erbe sie antreten wird. Ihr Vater, damals ein angesehener Herzog mit großen Besitztümern in Südfrankreich, wurde des Verrats und des Mordes beschuldigt und außer Landes getrieben. Der große Aufstand der Hugenotten gegen den Katholizismus als Staatsreligion war ihm politisch zum Verhängnis geworden. Nun soll Cécile statt seiner die Drahtzieher dieser Verschwörung entlarven und das Erbe der Familie retten. Entschlossen, den Wunsch des Vaters zu befolgen, reist die junge Frau ganz allein nach Südfrankreich. Noch ahnt sie nicht, dass die Widersacher des Vaters auch ihren Spuren folgen …

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 681

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhaltsverzeichnis
 
Widmung
Prolog
 
Schottland, August 1715
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
 
Paris
Kapitel 11
Kapitel 12
 
Versailles
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
 
Paris
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
 
Languedoc, 1715 Zwei Wochen später
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
 
Paris
Kapitel 45
 
Montbrignac
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Kapitel 56
Kapitel 57
Kapitel 58
Kapitel 59
Kapitel 60
Kapitel 61
Kapitel 62
Kapitel 63
Kapitel 64
Kapitel 65
Kapitel 66
Kapitel 67
Kapitel 68
Kapitel 69
Kapitel 70
Kapitel 71
Kapitel 72
 
Zwei Wochen später
Kapitel 73
 
Nachwort
ANMERKUNGEN
Personenverzeichnis
Zeittafel
Copyright
Für Michael
Prolog
Seit fast zwei Stunden kauerten die Männer nun bestimmt schon im Regen in ihrer unbequemen Haltung hinter den Felsvorsprüngen, und er spürte, wie sie langsam unruhig wurden. Wahrscheinlich glaubten sie nicht mehr, dass die Schotten überhaupt noch kamen. Doch ihm war klar, dass sie nur ein wenig Geduld haben mussten. Nach dem Überfall am Morgen hatten die Highlander gar keine Wahl. Ihr Ehrgefühl würde verlangen, dass sie die Täter, die ihren Viehhirten so zugerichtet hatten, auf jeden Fall fanden.
Er legte die Hand auf den Knauf seines Degens und blickte aus dem Schatten der mannshohen Felsen in die grüne Schlucht hinab. Der Platz, den er für ihr Vorhaben ausgesucht hatte, war ideal. Man konnte von dieser Seite des Abhangs nahezu das ganze Tal überblicken, und zu ihren Füßen verengte sich die Schlucht, sodass die Männer eine leichte Zielscheibe sein würden.
Er war sich sicher, dass er bei ihnen sein würde. Für einen Moment rief er sich sein Bild vor Augen und überlegte, ob er sich wohl sehr verändert haben mochte. Vermutlich – doch er würde ihn immer und überall wiedererkennen.
Er kniff unter seinem Dreispitz die Augen zusammen und ließ den Blick weiter über die felsigen Gipfel der Highlands schweifen. Hier in dieser Einöde und Wildnis hatte er also in den letzten Jahren gelebt – er, der immer so kultiviert und höfisch gewandt gewesen war. Er kam nicht umhin, eine gewisse Genugtuung bei der Vorstellung zu verspüren. Doch dann ebbte das alte Hassgefühl ihm gegenüber auch schon wieder ab. Er empfand inzwischen kaum noch etwas, wenn er an ihn dachte. Selbst bei dem Gedanken, ihn zu töten, fühlte er nichts, weder Befriedigung noch Triumph – aber auch kein Mitleid. Das, was er tun würde, war nichts als eine zwingende Notwendigkeit, etwas, das er schon vor Jahren hätte erledigen müssen und das ihn jetzt, da er es in der Vergangenheit versäumt hatte, viel Zeit und Geld kostete. Eine Bewegung auf der gegenüberliegenden Bergseite brachte ihn dazu, den Kopf zu drehen. Doch es war nur ein Rudel Damwild. Nun, zumindest zur Jagd scheint die Gegend zu taugen, dachte er. Aber dieser gottverdammte Regen würde ihn, wenn er hier leben müsste, um den Verstand bringen. Er fuhr sich ungeduldig mit seinem Handschuh aus dünnem Kalbsleder über die Stirn. Seit dem Morgen regnete es diese elend feinen Tropfen vom Himmel.
Und dann – sah er sie! Sie waren zu dritt und ritten am Abhang auf jenem schmalen Pfad, der parallel zum Tal verlief und sie in ihre Richtung führte. Er war tatsächlich bei ihnen. Er erkannte ihn sofort an der aufrechten Haltung, mit der er auf dem Pferd saß.
Er wich weiter hinter den Felsen zurück, griff zu seinem Fernrohr und stellte es scharf, um ihn besser sehen zu können. Die Jahre hier hatten ihn scheinbar nicht dazu bringen können, sich wie ein Schotte zu kleiden, denn er trug Rock, Kniebundhosen und Lederstiefel – im Gegensatz zu seinen beiden Begleitern, die im Kilt auf ihren Pferden saßen.
Er hatte richtiggelegen, als er davon ausgegangen war, dass die Highlander keine Unterstützung holen würden. Es hätte sie zu viel Zeit gekostet, denn die nächste Ortschaft lag einige Meilen entfernt, und sie mussten annehmen, den Vorsprung der Täter nicht mehr einholen zu können, wenn sie diesen Umweg machten. Stattdessen waren sie ihren Spuren gefolgt – ohne zu ahnen, dass sie damit direkt in die Falle liefen. Fast hätte er Mitleid gehabt, so leicht war es gewesen, ihr Verhalten vorauszusehen.
Er ließ das Fernrohr sinken und beobachtete mit einem kalten Lächeln, wie die Umrisse der drei Männer langsam größer wurden, während sie näher kamen. Sie waren nur noch wenige Fuß außer Schussweite. Ohne sie aus den Augen zu lassen, glitt seine Hand nach rechts, zum Halfter, um die Pistole zu ziehen, doch dann entschied er sich plötzlich dagegen, ihn selbst zu töten. Wozu sich mit unnötigen Sünden beflecken? Er bezahlte gut dafür, dass andere diese Arbeit machten. Er wandte den Kopf zu den Männern, die die Uniformen englischer Soldaten trugen, und gab ihnen ein Zeichen. Die Mündungen ihrer Flinten schoben sich langsam über die Felsvorsprünge – und Sekunden später konnte man hören, wie mehrere Schüsse in der Stille explodierten.
Schottland, August 1715
1
Etwas Helles glänzte dort zwischen den Grashalmen, halb bedeckt von dem morastigen Boden. Cécile, die in dem Nieselregen beinah daraufgetreten wäre, raffte ihren langen Rock und bückte sich neugierig, um den Gegenstand aufzuheben. Als sie mit ihrem Finger die nasse Erde und die abgeknickten Halme abwischte, sah sie, dass es eine silberne Schnupftabaksdose war. Kein gewöhnliches, sondern ein höchst aufwendig gearbeitetes Exemplar, wie das Mädchen verwundert feststellte. In den Deckel war ein hauchfeines, verschlungenes Muster graviert. Neugierig versuchte sie das Döschen zu öffnen, was ihr erstaunlich leicht gelang. Die Innenseite des Deckels war mit rotem Schildpatt ausgelegt, in dem sich die winzige Abbildung zweier kleiner Türme zeigte, die eine Lilie vor einem Kreuz umrahmten. Der Boden der Tabatiere war noch mit Tabakpulver bedeckt, das etwas feucht geworden war. Nachdenklich schloss Cécile den Deckel wieder. Das glänzende Silber war nicht einmal angelaufen, die Dose konnte also noch nicht allzu lange hier liegen. Wer hatte sie wohl an dieser einsamen Uferstelle verloren? Das junge Mädchen ließ ihren Blick unwillkürlich rings um über die grünen Abhänge der Highlands gleiten, die sich um das dunkel schimmernde Gewässer des Loch Leven schmiegten. Sie liebte diesen Platz und kam oft hierher, wenn sie allein sein und nachdenken wollte. Oder wenn ihre Unrast sie, so wie heute, aus dem Haus getrieben hatte. Gewöhnlich traf man hier keine Menschenseele, denn man gelangte an diese Uferstelle nur durch eine versteckte Schlucht.
Ein Pferdeschnauben hinter ihr riss Cécile aus ihren Gedanken. Sie steckte die Schnupftabaksdose rasch in ihre Rocktasche und strich sich das lange hellbraune Haar aus dem Gesicht. Feine Regentropfen perlten darauf.
»Ist ja gut, ich komme schon, Fay!«, sagte sie. Sie hob ihren Rocksaum, an dem sich bereits unliebsame Spuren von Gras und Erde festgesetzt hatten, und stieg die Böschung hinauf zu ihrem Pferd, das sie an einer jungen Eiche festgemacht hatte.
Die Stute zog ungeduldig am Zaumzeug. Cécile tätschelte ihr liebevoll die Flanke. Ein plötzlicher Anflug von Traurigkeit überkam sie, als sie daran dachte, dass sie in wenigen Tagen von ihr Abschied nehmen musste. In einer Woche würde sie mit ihrem Vater schon auf dem Weg nach Dover sein, um von dort aus mit dem Schiff nach Frankreich überzusetzen. Cécile unterdrückte ein Seufzen und strich ihren Rock glatt. Sie sah dieser Abreise mit Unbehagen entgegen und verspürte deshalb ihrem Vater gegenüber ein schlechtes Gewissen. Nur zu gut entsann sie sich seines strahlenden Gesichtsausdrucks, mit dem er ihr vor einigen Wochen erzählt hatte: »Wir kehren nach Frankreich zurück, Cécile! Nach Hause …«
Obwohl sie sich bemüht hatte, war es ihr nicht gelungen, ein erfreutes Gesicht zu machen, und er hatte es bemerkt. »Ich weiß, dass du dich hier wohlfühlst, aber glaube mir, Cécile, wir gehören nach Frankreich.«
»Aber warum sind wir dann damals überhaupt nach Schottland gekommen?«, war es aus ihr herausgeplatzt. Überrascht hatte ihr Vater sie angeschaut. Sie sprachen selten über die Vergangenheit – als würde das Reden darüber unweigerlich den Schmerz über den Tod ihrer Mutter und ihres kleinen Bruders wiedererwecken, die vor dreizehn Jahren ums Leben gekommen waren. Cécile war damals erst sechs Jahre alt gewesen.
Sanft hatte ihr Vater seine Hände auf ihre Schultern gelegt. »Es gibt viele Dinge, von denen ich dir nie erzählt habe, Cécile«, sagte er zögernd. »Du warst noch so jung. Außerdem ist es kompliziert … Wenn wir erst in Frankreich sind, werde ich dir alles erklären.« Er brach ab, und sein Blick war für einen Augenblick in die Ferne geschweift, bevor er sich schließlich wieder zu ihr gewandt hatte. »Du musst wissen, dass ich damals nicht freiwillig mit dir hierhergekommen bin. Es gab Umstände, die mich gezwungen haben, Frankreich zu verlassen.« Er lächelte. »Aber nun können wir zurückkehren, und alles wird sich ändern …«
Während Cécile die Stute losband und aufsaß, dachte sie erneut über die Worte ihres Vaters nach. Alles wird sich ändern? Ein trotziger Ausdruck glitt über ihr Gesicht. Sie fand ihr Leben gut so, wie es war! Außerdem erinnerte sie sich kaum noch an Frankreich. Dunkel entsann sie sich, dass sie dort in einem großen Haus gewohnt hatten, dass immer die Sonne schien und es warm gewesen war. Doch viel mehr als diese verschwommenen Bilder vermochte sie in ihrem Kopf nicht zu finden.
Cécile ergriff die ledernen Zügel und schnalzte leise mit der Zunge, so wie es ihr Hugh, der alte Stallknecht, beigebracht hatte. »Los, Fay!« Die Stute, die nur auf dieses Kommando gewartet zu haben schien, setzte sich ungestüm in Bewegung. Wenig später spürte Cécile, wie der Stoff ihres Rockes um ihre Beine flatterte, während sie in Richtung Carnoch galoppierte. Sie genoss die klare Luft und blickte über die Berge, die jetzt im Sommer von einem strotzenden, saftigen Grün überzogen waren. Ja, sie war hier zu Hause.
Selbst den Regen liebte sie. Feine Tropfen wehten ihr beim Ritt kühl ins Gesicht, und sie fühlte sich wach und lebendig.
Dabei erinnerte sie sich noch gut, wie rau und fremd ihr Schottland am Anfang vorgekommen war. Sie war sechs, und alles war von einem Tag zum anderen neu für sie gewesen. Die Kälte, die wilde Landschaft mit ihren Bergen, die fremde Sprache, die sie nicht verstand, und dann die Männer in den merkwürdigen karierten Röcken … Wie einsam hatte sie sich oft gefühlt! Doch mit den Jahren war Glencoe ihr Zuhause geworden, und jetzt wusste sie, dass sie viele Menschen hier furchtbar vermissen würde.
Cécile verlangsamte das Tempo, denn sie hatte fast das Ende der Schlucht erreicht, die sich hinter einigen Felsen zum Tal öffnete. Plötzlich hörte sie Stimmen, die von der anderen Seite der Berge herüberklangen. Instinktiv hielt sie die Stute zurück und lauschte. Sie sah aus dem Schutz ihrer Deckung heraus, dass mehrere Männer die andere Seite des Tals entlangritten. Sie redeten laut, und Cécile glaubte einige französische Worte zu verstehen, doch dann erkannte sie ihre roten Uniformen. Ihr stockte der Atem – englische Soldaten! So hoch hier oben in den Highlands hatte sie sie noch nie gesehen. Das abgelegene Tal von Glencoe war von keiner besonderen strategischen Bedeutung. Doch in den letzten Wochen hatte sich die politische Situation zugespitzt. Im Herbst war der Hannoveraner, Prinz Georg, neuer Herrscher von England geworden, ein großer Teil der Hochlandclans war jedoch nicht bereit, den Deutschen als ihren König zu akzeptieren, und wollte stattdessen den Stuartprinzen James III. auf den Thron bringen. Schon seit Monaten wurden deshalb überall im Land heimlich Vorbereitungen für einen Aufstand getroffen, was den Engländern natürlich nicht verborgen geblieben war.
Mit klopfendem Herzen wich Cécile mit ihrem Pferd ein Stück weiter hinter den Felsen zurück und beobachtete, wie die Männer auf der anderen Seite das Tal durchquerten.
Schuldbewusst dachte sie daran, dass ihr Vater ihr eigentlich untersagt hatte, allein auszureiten. »Es sind unruhige Zeiten, und es ist viel zu gefährlich, dass du allein unterwegs bist – außerdem ziemt es sich nicht!«, hatte er erst vor einigen Wochen mit einer bisher unbekannten Strenge zu ihr gesagt. Sie hatte seine Sorge übertrieben gefunden. Was sollte ihr schon passieren? Doch jetzt wünschte sie sich, sie hätte sich an sein Verbot gehalten. Es war reines Glück, dass sie den Männern nicht direkt in die Arme geritten war.
Cécile spähte hinter dem Felsen hervor und beobachtete zu ihrer Erleichterung, dass die Reiter, die ihr Tempo beschleunigt hatten, sich in die andere Richtung entfernten. Einen Augenblick lang wartete sie, bis sie ganz aus ihrem Blickfeld verschwunden waren, dann lenkte sie ihr Pferd von der Schlucht hinunter ins Tal. Sie entschied sich, den Weg am Fluss entlang zu nehmen.
Das Land, das sich vom Loch Leven über die Highlands nach Osten zum Moor von Rannoch zog, war das Land der MacDonalds von Glencoe, einem kleinen, unabhängigen Zweig des großen MacDonald-Clans. Die wenigen Dörfer und Siedlungen, in denen der Clan lebte, lagen verstreut in den Tälern und am Ufer des River Coe, und Cécile traf auf ihrem Weg normalerweise nur wenige Menschen. Umso erstaunlicher war das Auftauchen der englischen Soldaten. Was hatten sie wohl hier im Tal von Glencoe verloren?
Ein paar Bauern arbeiteten auf dem Feld, und am Flussufer knieten einige Frauen und wuschen ihre Wäsche. Sie hoben grüßend die Hand, als sie Cécile erkannten. Die französische Schottin, so nannten sie sie, denn mit ihren hellbraunen Haaren und den dunkel gezeichneten Brauen hatte sie in dieser Umgebung etwas Exotisches.
Sie erwiderte ihren Gruß und ritt weiter. Rob MacIans Haus, in dem sie und ihr Vater lebten, befand sich gut anderthalb Meilen entfernt, auf halbem Wege zwischen Carnoch und Achtriochtan. Es lag allein auf einer Anhöhe zwischen den Bergen. Cécile konnte das Haus aus gekalktem glattem Stein schon von Weitem erkennen – für schottische Verhältnisse eine fast luxuriöse Wohnstätte, denn die meisten Menschen hausten in einfachen, eher ärmlichen Cottages, die aus rohen, übereinandergeschichteten Steinen gebaut waren. Im Winter teilten sie ihre Häuser sogar mit dem Vieh.
Laird Rob MacIan war jedoch kein einfacher Clansman. Er war ein Cousin des verstorbenen Chiefs, John 13th, und ein tacksman, wie man die Männer im Clan nannte, die eigenes Land verwalteten und als eine Art Lehnsmann des Chiefs fungierten.
Das Mädchen ritt zu den Ställen und war gerade dabei abzusitzen, als ihm ein grauhaariger Mann, der sein rechtes Bein unter dem Kilt hinter sich herzog, mit aufgeregtem Gesicht entgegengehumpelt kam.
»Cécile! Gott sei Dank, da bist du ja«, stieß Hugh, der Stallknecht, schwer atmend hervor.
»Was ist denn?«
»Der Laird wünscht dich zu sehen!«
Sie nickte. »Ich bringe nur Fay in den Stall.«
»Nein, das mache ich schon«, wehrte er ab. Er griff mit seiner faltigen Hand eilig nach dem Halfter.
Cécile blickte ihn verwundert an. Es war kein Geheimnis, dass dem alten Hugh mit seinem lahmen Bein diese Arbeit eigentlich inzwischen zu schwer fiel.
»Geh schon, Mädel!«
Sein ernster Gesichtsausdruck hatte etwas Beunruhigendes. Sie nickte und eilte mit schnellen Schritten über den Hof. Dabei bemerkte sie, dass sie Besuch hatten – an den Holzpflöcken hinter den Ställen waren vier Pferde festgemacht.
2
Laird Rob MacIan stand am Fenster und betrachtete nachdenklich die Regentropfen, die an der Scheibe hinunterrannen. Er war siebenundsechzig Jahre alt und hatte in seinem Leben viel erlebt. Krankheit, Krieg und Tod – wie den meisten war ihm nichts davon erspart geblieben. Als junger Mann hatte er in der Schlacht von Killiecrankie und Dunkfeld gekämpft. Später hatte er das Massaker von Glencoe überlebt, bei dem sein ganzer Clan ausgelöscht werden sollte und die Menschen mitten in der Nacht halb nackt bei einem Schneesturm in die Berge hatten flüchten müssen. Viele gingen dort statt an den Schüssen am Hunger und der Kälte zugrunde. Rob MacIan hatte ferner tatenlos mit ansehen müssen, wie seine Frau im Wochenbett starb und Gott ihm schließlich auch noch seinen einzigen Sohn, Alan, einen starken jungen Mann, nahm, der qualvoll an den Pocken verendete.
Angesichts dieser Erlebnisse war sich Rob MacIan sicher gewesen, dass ihn in seinem Leben nichts mehr würde erschüttern können. Doch als er jetzt auf den Hof blickte und beobachtete, wie Henris Tochter Cécile mit vom Ritt zerzausten Haaren und durchnässtem Reitumhang von den Ställen zum Haus hastete, wusste er, dass er sich geirrt hatte. Er haderte einen Moment lang mit Gott, dass er ihm die Aufgabe, die vor ihm lag, nicht ersparte. Das Mädchen ahnte nichts, im Gegenteil, sein Gesicht zeigte einen schuldbewussten Ausdruck – wahrscheinlich glaubte es, er ließe es wegen seines heimlichen Ausritts zu sich zitieren. Ihr Vater hatte Cécile diese Ausflüge eigentlich verboten, und unter anderen Umständen hätte man sie tatsächlich dafür bestrafen müssen. Von jeher hatte sie etwas Unbändiges und Rebellisches gehabt, aber er musste zugeben, dass er vermutlich gerade deshalb eine Schwäche für sie hatte.
Ihre Gestalt verschwand aus seinem Sichtfeld, und wenig später hörte er eine Tür schlagen und vernahm ihre eiligen Schritte im Flur. Er wandte sich zu den Brüdern Collin und Douglas MacDonald um, die sich mit ihm im Raum befanden. Die beiden sahen ihn schweigend und mit niedergeschlagenen Mienen an. Sie alle wussten sehr wohl, wie schwer es sein würde, es dem Mädchen zu sagen. Oben im ersten Stock standen die gepackten Truhen und Kisten – nächste Woche hätte es mit seinem Vater nach Frankreich zurückreisen sollen.
Ein Klopfen ertönte, und Cécile huschte in den Raum. Ein Ausdruck des Erstaunens glitt über ihr Gesicht, als sie außer dem Laird auch die beiden Brüder MacDonald entdeckte. Sie machte einen höflichen Knicks.
»Sie wünschen mich zu sehen?«
Er nickte und sah sie plötzlich wieder als das kleine Mädchen vor sich, das vor dreizehn Jahren mit seinem Vater Henri aus Frankreich hierhergekommen war. Verschlossen und abweisend war sie gewesen. Die Flucht und die Strapazen der Reise hatten ihre Spuren hinterlassen. Rob MacIan hatte Céciles Vater damals nicht gefragt, warum er hatte fliehen müssen. Es spielte keine Rolle. Er war ein Freund seines Sohnes Alan, der damals noch unter ihnen weilte. Das war das Einzige, was zählte, als MacIan, und damit auch der Clan der MacDonalds von Glencoe, Henri bei sich aufnahm.
Alan und Henri hatten sich in Paris kennengelernt, wo Alan in jungen Jahren einige Zeit am Exilhof des Stuartprinzen in St. Germain gedient hatte. Er war immer ein guter Kämpfer gewesen, doch er hatte leider auch ein hitziges Temperament und eine Schwäche für guten Wein gehabt – zwei Eigenschaften, die ihn in Frankreich einmal in eine äußerst brenzlige Situation brachten, in der ihm Henri, der damals seinen Dienst als Musketier tat, hilfreich zur Seite stand. Aus dieser Begegnung war eine tiefe Freundschaft gewachsen. Wie Brüder waren sie gewesen. Ein schmerzhafter Stich durchfuhr Rob MacIan, als er sich wieder zu dem Mädchen wandte.
»Cécile, es gibt etwas, das wir dir sagen müssen …«, begann er.
Doch sie unterbrach ihn, nach einem erneuten beunruhigten Blick zu Collin und Douglas. Sie wusste, dass die beiden am Morgen zusammen mit ihrem Vater in die Berge aufgebrochen waren.
»Wo ist mein Vater?«, fragte sie. Ein unsicherer Ausdruck zeigte sich in ihren grünen Augen.
Rob MacIan musterte den Ring an seiner Hand, auf dem das Wappen seines Clans eingraviert war: ein nach oben geöffneter Lorbeerkranz, aus dem eine Hand mit einem Dolch ragte.
Schließlich blickte er Cécile geradeheraus an. »Es hat einen Unfall gegeben!«, sagte er. »Dein Vater ist mit Collin und Douglas in einen Hinterhalt der Engländer geraten, als sie nach den Männern suchten, die unseren Viehhirten William so schrecklich zugerichtet haben. Er ist verletzt worden …«
Sie sah ihn erschrocken an. Aus ihrem Gesicht war alle Farbe gewichen. »Verletzt?«
Er blickte in ihr angstvolles Gesicht und zögerte für einen Moment. Er wünschte, er hätte ihr die Nachricht irgendwie ersparen können, doch er musste ihr die Wahrheit sagen. »Ja, man hat auf ihn geschossen. Er wurde von mehreren Kugeln getroffen, auch in den Brustkorb«, erwiderte er vorsichtig.
Tränen schossen in ihre Augen. »Wo ist er?«, fragte sie kaum hörbar. »Kann ich zu ihm?«
MacIan nickte. »Natürlich, der Arzt war bei ihm und hat ihm etwas gegen die Schmerzen gegeben. Er wartet auf dich.«
Das Mädchen drehte sich auf dem Absatz um und floh aus dem Raum. MacIan schickte ein stummes Stoßgebet zum Himmel, dass Henri noch die Kraft und Zeit blieb, ihr seine Vergangenheit zu erklären, die von nun an auch unweigerlich die ihre sein würde.
 
Céciles Herz raste vor Angst, als sie den Flur entlangstürmte. Es schien ihr unvorstellbar – ihr Vater verletzt? Angeschossen? Sie sah sein Gesicht vor sich, während sie gleichzeitig das Gefühl hatte, als wäre einer der Alpträume, die sie als Kind gehabt hatte, plötzlich wahr geworden. Sollte Gott sie tatsächlich ein zweites Mal derart im Stich lassen?
Dann stand sie vor der Tür zu seinem Zimmer. Sie versuchte sich einen Augenblick lang zu sammeln, bevor sie die schwere, eisenbeschlagene Klinke herunterdrückte.
Er lag halb aufgerichtet in seinem Bett, die schwarzen Haare aus der Stirn gestrichen. Mairi, die Haushälterin, hatte ihn gewaschen und ihm einen Verband angelegt, doch sein Gesicht wirkte so wächsern, so unnatürlich blass, dass Cécile bei seinem Anblick erneut ein Gefühl der Panik befiel.
»Papa!« Sie lief zu ihm und ergriff seine Hand. Sie war heiß.
»Cécile!«, stieß er hervor. Er bemühte sich, sie aufmunternd anzulächeln, doch es gelang ihm nicht.
»Sie werden wieder gesund, nicht wahr?«, fragte sie leise, fast bettelnd.
Er strich ihr über das Haar – dessen Farbe er früher, als sie ein Kind gewesen war, immer mit dem Ton von Karamellbonbons verglichen hatte – und schüttelte dann sachte den Kopf. »Nein, Cécile.«
Sie bemerkte auf einmal, wie schwer sein Atem ging, und konnte ihre Tränen nicht länger zurückhalten. »Das dürfen Sie nicht sagen, Papa!«
»Cécile, es bleibt uns kaum Zeit … Es gibt so viel, was ich dir noch sagen muss!« Unter seinen Augen, die unruhig flackerten, lagen blauschwarze Schatten.
»Ich hätte früher mit dir sprechen müssen, ich weiß, aber ich dachte, wenn wir erst zurück wären …« Die Worte kamen wie gehetzt aus seinem Mund, und er brach ab.
»Nicht, Papa! Sie dürfen sich nicht anstrengen. Das alles ist jetzt nicht wichtig.«
»Doch, es ist wichtig, Cécile – und du musst mir zuhören.« Er griff mit unerwarteter Heftigkeit nach ihrer Hand.
»Als wir damals aus Frankreich weggegangen sind, gab es Dinge, deren man mich fälschlicherweise verdächtigt hat.« Er machte eine Pause und versuchte Luft zu holen, bevor er fortfuhr: »Aber du musst mir glauben, nichts davon stimmt – ich habe nie ein Verbrechen begangen. Nie!«
Sie spürte, wie es ihr die Kehle zuschnürte. »Verbrechen?«, fragte sie verständnislos. »Was meinen Sie damit, Papa?«
Doch er hatte erschöpft die Augen geschlossen. Sie blickte ihn voller Angst an, denn sie spürte, welche Schmerzen er hatte. Ein Stöhnen entrang sich seinen Lippen.
»Durst …«
Cécile schaute sich suchend um und entdeckte auf dem Nachttisch neben seinem Bett einen Krug mit Wasser. Hastig goss sie ihm davon ein und half ihm, das Glas an die Lippen zu setzen.
»Danke!« Mühsam schluckte er, dann lehnte er sich in das Kissen zurück. Für einen Moment war es still, doch dann öffnete er wieder die Augen und suchte ihren Blick. »Cécile, ich war damals mehr als nur Henri de Montbrignac, ein einfacher Seigneur. Ich war duc, ein Herzog, und habe Macht und Einfluss besessen. Doch dann hat man mich des Landesverrats und noch … anderer schrecklicher Dinge beschuldigt, und ich habe alles verloren.«
Sie blickte ihn ungläubig an. Sie hatte immer geglaubt, dass der Adel der Montbrignacs von niederer und geringer Bedeutung sei, und nun sagte ihr Vater, dass er einmal duc gewesen sei? Ein leichter Schwindel ergriff sie. »Aber warum hat man Sie des Landesverrats beschuldigt …«
Er unterbrach sie, ohne ihre Zwischenfrage zu beachten. »Es gibt Beweise für meine Unschuld … Der König hat mir meine Begnadigung in Aussicht gestellt«, stieß er hervor. »Deshalb wollte ich mit dir nach Frankreich zurückkehren.« Er holte erneut entkräftet Luft. »Cécile, diese Begnadigung ist wichtig, verstehst du?« Seine Augen glänzten fiebrig.
»Wenn ich sterbe … versprich mir, dass du dann allein nach Frankreich gehen wirst, um beim König nachträglich um meine Begnadigung zu bitten, für dich und deinen Bruder, Cécile!«
Sie schaute ihn fassungslos an. Was sagte er? Sprach er bereits im Fieberwahn? Ihr Bruder Jean war ebenso wie ihre Mutter seit Jahren tot!
»Er … er lebt. Er ist in Frankreich«, murmelte ihr Vater. Er stöhnte, und seine Hand glitt zu seiner Brust. Cécile sah entsetzt, dass sich auf dem Verband ein frischer hellroter Blutfleck abzuzeichnen begann. Er hatte es ebenfalls bemerkt. »Ach, Cécile, ich bin immer so stolz auf dich gewesen«, sagte er leise.
Er sah sie an, und in diesem Moment wusste sie, dass er wirklich sterben würde. Schweiß perlte auf seiner Stirn. »Versprich mir, dass du nach Frankreich gehst.«
»Ja, Papa, das tue ich«, erwiderte Cécile mit gepresster Stimme. Sie hätte in diesem Moment alles versprochen.
Er nickte matt. Seine Gesichtszüge hatten sich etwas entspannt, nun, da sie Bescheid wusste. Seine Hand deutete auf eine Holzschatulle, die neben ihm auf dem Nachttisch stand. »Die Briefe … sie werden dir alles erklären«, sagte er.
Cécile nickte. Sie konnte die Hitze spüren, die sein fiebriger Körper ausstrahlte. Sein Atem ging inzwischen flach und unregelmäßig. Trotzdem richtete er sich noch einmal mühsam auf.
»Cécile, du hast einen Onkel, aber unser Verhältnis war immer schwierig. Halte dich besser fern von ihm …« Sie schaute ihn überrascht an, doch bevor sie ihn fragen konnte, was er damit meinte, fuhr er fort: »Wenn du in Paris bist, geh zu Monsieur de Villier. Ihm kannst du trauen … Er wird dir helfen. Dein Bruder Jean lebt bei ihm«, sagte er. Er ließ sich schwer atmend zurücksinken. »Ich muss mich … einen Moment ausruhen«, murmelte er, und die Lider fielen ihm zu.
Cécile blieb an seinem Bett sitzen und hielt seine glühende Hand, während ihr lautlos die Tränen über die Wangen liefen. Er bewegte im Schlaf unruhig die Lippen und gab Worte von sich, die sie nicht verstehen konnte. Stunden vergingen so.
Gegen Abend wachte ihr Vater noch einmal auf.
»Du wirst zum König gehen, nicht wahr? Sag deinem Bruder, dass ich keine Wahl hatte. Weine nicht, ma petite! Ich liebe dich.«
Es waren seine letzten Worte.
3
Vor dem Haus von MacIan sprang ein junger, hochgewachsener Mann von seinem Wallach ab und lief mit schnellen Schritten zum Eingang. Sein Kilt und seine Jacke waren völlig zerknittert, und auf seinem Gesicht zeigte sich ein kupferfarbener Bartschatten. John MacIan, der zwanzigjährige Enkelsohn des alten Lairds, war sofort aufgebrochen, als er die Nachricht seines Großvaters erhalten hatte. Die halbe Nacht hatte er auf dem Pferd verbracht, um so schnell wie nur möglich nach Glencoe zurückzukommen.
Eilig stieg er die Stufen der kleinen Treppe zum Hintereingang hinauf.
Cécile stand in einem schwarzen Kleid in der Halle und hatte ihm den Rücken zugedreht. Als sie seine Schritte hörte, wandte sie sich um.
»John?« In ihren Augen spiegelte sich die Überraschung, ihn hier zu sehen. Sie wähnte ihn eigentlich in den nördlichen Highlands zu Besuch bei den Mackenzies.
Er ergriff ihre Hände. »Oh, Cécile, es tut mir so leid!« Die Wärme seiner Finger hatte etwas beruhigend Lebendiges.
Die Beerdigung ihres Vaters war kaum ein paar Stunden her. Man hatte Henri de Montbrignac auf Eilean Munde – einer kleinen Insel im Loch Leven, die den MacDonalds von Glencoe seit Jahrhunderten als letzte Ruhestätte diente – zu Grabe getragen. Es war ein Zeichen der Anerkennung und eine ungewöhnliche Ehre, dass er, ein Fremder, dort inmitten der Ahnen des Clans bestattet werden durfte. Der aufgebahrte Sarg auf dem Boot, die Musik des Dudelsackspielers, die sich mit den monotonen Gebetsversen des Priesters vermischte, der Geruch des Weihrauchs – das alles war Cécile genauso unwirklich erschienen wie der Gedanke, dass sie ihren Vater nie wiedersehen sollte. »Oh, John, ich kann einfach nicht fassen, dass er wirklich tot ist!«, stieß sie voller Verzweiflung hervor.
Er schaute sie aus seinen blaugrünen Augen mitfühlend an. Besser als jeder andere konnte er nachvollziehen, wie es ihr ging, denn er selbst hatte seinen Vater Alan bereits als Kind verloren. Wortlos zog John sie in die Arme, und als sie ihr Gesicht in den rauen Wollstoff seines Plaids drückte, verspürte sie einen Augenblick lang fast so etwas wie Trost. Er war wie ein Bruder für sie.
»Weißt du, was das Schrecklichste ist?«, fragte sie ihn eine Weile später mit blassem Gesicht. Er hatte sie überredet, mit ihm hinunter zum River Coe zu laufen, wo sie oft als Kinder gespielt hatten. Sie hob den Kopf. »Ich glaube, ich habe die Mörder meines Vaters sogar gesehen!« Sie erzählte ihm von den Engländern, die sie auf dem Rückweg vom Loch Leven beobachtet hatte.
John schaute sie überrascht an. »Wie viele waren es?«
»Ich glaube sechs, vielleicht auch sieben Männer.«
Er nickte. »Das stimmt mit der Beschreibung von William und den Brüdern MacDonald überein«, sagte er.
Sie zerknüllte das Taschentuch in ihren Händen. »Was haben sie hier in Glencoe gewollt, John?«
»Collin und Douglas nehmen an, dass es Spione waren. Die Engländer sind unruhig geworden, weil sie wissen, dass es schon bald zu einem Aufstand kommen wird. Sie sollen William verhört und ihn dabei so zugerichtet haben.«
Cécile schwieg. Sie wusste, dass es dem Jungen noch immer sehr schlecht ging. Sein Vater und sein Bruder waren zu der Beerdigung gekommen und hatten ihr ihr Beileid und ihre Ehrenbezeugungen für ihren Vater ausgesprochen.
»Glaub mir, wir werden die Mörder deines Vaters finden!«, sagte John zu ihr.
Sie nickte. Auch sein Großvater hatte ihr das versprochen, doch Cécile glaubte nicht, dass es ihnen gelingen würde, die Engländer jetzt noch aufzuspüren. Niemand wusste, wer diese Soldaten gewesen waren. Bestimmt hatten sie sich inzwischen weit entfernt von hier in Sicherheit gebracht. Ihren Vater würde es ohnehin nicht wieder lebendig machen …
Ihr ging abermals durch den Kopf, was er ihr kurz vor seinem Tod über seine Vergangenheit und darüber, wer er einmal gewesen war, enthüllt hatte. Sie drehte sich zu John um. »Ich werde nach Frankreich gehen«, sagte sie.
Er fuhr sich mit der Hand durch seine kupferfarbenen Haare und schaute sie verständnislos an. »Wie meinst du das – nach Frankreich? Du kannst doch nicht allein reisen!«
»Doch, ich habe es meinem Vater an seinem Sterbebett versprochen!«
Ungläubig blieb er stehen und fasste sie am Arm. Sein Gesicht hatte schlagartig einen anderen Ausdruck angenommen. »Mein Gott, Cécile! Wie stellst du dir das vor? Du bist eine Frau – oder, besser gesagt, noch nicht einmal das, sondern ein junges Mädchen. Du kannst dich nicht allein auf den weiten Weg machen. Weißt du, was in Schottland und England zurzeit los ist? Wir stehen kurz vor einem Krieg!«
Sie riss sich los. Er war nur ein wenig älter als sie, doch im letzten Jahr war er in die Höhe geschossen und hatte breite Schultern bekommen. Bemüht, sich von seiner neuen Männlichkeit nicht beeindrucken zu lassen, mit der auch eine ungewohnte Autorität einherging, blickte sie ihn an. »John, mein Vater … Er hat mir erzählt, dass mein Bruder noch lebt«, sagte sie schließlich.
Einen Moment lang war er sprachlos. »Dein Bruder lebt?«
»Ja, in Paris. Er ist bei dem Überfall damals nicht getötet worden …«
John schwieg. »Cécile«, sagte er schließlich in bittendem Tonfall. »Es ist trotzdem viel zu gefährlich. Ich würde dich ja begleiten, und wenn nicht ich, sollte es wenigstens jemand anders tun, aber das geht zurzeit nicht …« Er brach ab. Auch ohne dass er den Satz zu Ende sprach, wusste sie, was er sagen wollte. Er konnte nicht weg aus Schottland, weil er an der Seite der jakobitischen Truppen gegen König Georg kämpfen würde. Schon seit Längerem ahnte sie, dass er in die Planungen für den Aufstand involviert war. Deshalb war er auch bei den Mackenzies im Norden gewesen.
»Du verstehst das nicht, John! Ich kann nicht bleiben, selbst wenn ich wollte«, sagte sie leise. Es entsprach der Wahrheit. Dabei hatte John durchaus recht mit dem, was er sagte. Mit etwas Abstand kam auch ihr das Versprechen, das sie ihrem Vater gegeben hatte, gänzlich absurd vor. Sie bekam Angst, wenn sie nur daran dachte, was es bedeuten würde, ihr Wort zu halten, nach Frankreich zu reisen und dort posthum am Hof um seine Begnadigung zu bitten.
 
Später am Abend ließ sie der alte Rob MacIan noch einmal zu sich rufen. Auch er schien zu ahnen, was in ihr vorging. »Du weißt, dass du immer hier bleiben kannst, Cécile!«, sagte er. Er stand mit einem Glas Whisky in der Hand am Kamin. Im Licht des Kerzenscheins sah sie die Falten, die sich tief in sein Gesicht gegraben hatten. Trotz seiner rauen Fassade konnte er nicht verbergen, wie sehr ihn der Tod ihres Vaters traf, der wie ein zweiter Sohn für ihn gewesen war.
»Danke!« Sie blickte in das knisternde Kaminfeuer, das Mairi angezündet hatte. Obwohl es August war, hatte der anhaltende Regen zu einem empfindlichen Temperatursturz geführt. Schließlich wandte sie den Kopf zu MacIan. »Ich würde gern bleiben, wirklich …« Sie verstummte und sprach den Satz nicht zu Ende, denn sie sah an seinem Blick, dass er sie auch so verstand.
Er nickte. »Ich wollte nur, dass du es weißt.«
Sie spürte, wie ihr die Tränen in die Augen traten. Wortlos stellte der alte Mann sein Glas zur Seite und legte den Arm um sie.
»Es gibt so vieles, was ich ihn noch fragen möchte!«, stieß sie hervor. »Ich verstehe einfach nicht, warum er mir nie etwas von seiner Vergangenheit erzählt hat!«
MacIan schaute sie an. »Dein Vater war einmal ein bedeutender Mann. Er hat alles verloren – seinen Titel, seinen Besitz und einen Teil seiner Familie. Es war sicher nicht einfach für ihn, darüber zu reden«, sagte er sanft.
Sie wischte sich eine Träne von der Wange und fragte sich, wer ihr Vater wirklich gewesen war. »Er hat mir erzählt, dass er verurteilt worden ist, dass man ihn des Landesverrats bezichtigt hat, aber nicht, warum. Wissen Sie, was man ihm vorgeworfen hat?«
Der Schotte schüttelte den Kopf. »Nicht wirklich. Er hat nur einmal gesagt, dass seine Verurteilung mit den Unruhen im Languedoc in Zusammenhang stand, die es dort zwischen der katholischen Regierung und den aufständischen Protestanten gab.«
Dunkel erinnerte sich Cécile, ihren Vater einige Male über diese Konflikte mit Collin und Douglas reden gehört zu haben. Sie hatten darüber diskutiert, ob es überhaupt rechtens sei, dass die Untertanen in einem Land eine andere Religion als ihr Herrscher hätten. Die Könige und Fürsten der meisten Länder versuchten, die Andersgläubigen zu ihrer Religion zu bekehren. In Frankreich aber war Louis XIV. mit ungewöhnlicher Härte gegen die Protestanten vorgegangen, und es war schließlich zu einem Aufstand der Hugenotten gekommen, der in einen regelrechten Bürgerkrieg ausartete.
»Dein Vater war wohl bemüht, zwischen den Parteien zu vermitteln, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden«, fuhr MacIan fort. »Das scheint man ihm zur Last gelegt zu haben.« Er legte seine Hände väterlich auf Céciles Schultern. »Glaub mir, Cécile, eines Tages wirst du das alles sicher verstehen – auch warum dein Vater dir verheimlicht hat, dass dein Bruder noch lebt. Möglicherweise wollte er ihn und dich nur schützen.« Sie blickte ihn zweifelnd an.
Erst später, als sie wieder in ihrem Zimmer war, gingen ihr seine Worte erneut durch den Kopf. Schützen? Vor wem?
Cécile ließ sich auf dem Bettrand nieder. Ihr Blick glitt zu der Holzschatulle, die sie auf den kleinen Tisch neben den Waschkrug gestellt hatte. Sie wusste, dass sie – wenn überhaupt – in diesen Briefen und Aufzeichnungen Antworten auf ihre Fragen finden würde. Nachdenklich stand sie auf und nahm die Schatulle an sich. Sie war erstaunlich schwer. Céciles Finger strichen über die lackierte Oberfläche, die ein rautenförmiges Muster zierte. Vorsichtig öffnete sie den Deckel des Kästchens. Sorgfältig zusammengelegte Briefe, Papiere und ein in weiches Leder gebundenes Buch lagen darin. Ein Wappen – zwei gekreuzte Degen, unter denen eine Blüte lag – prangte auf dem Einband. Cécile legte es zur Seite und ergriff zögernd den obersten Brief und entfaltete ihn. Er war in einer eleganten Handschrift geschrieben.
 
Zu Versailles, Juli 1715
 
Monsieur,
 
so wie mich Ihr Schicksal von dem Moment an, als ich davon hörte, berührt hat, so glücklich schätze ich mich, Ihnen heute, nach all den Monaten, freudige Neuigkeiten übermitteln zu können. Seine allerchristlichste Majestät hat dem Abbé Péret endlich eine Audienz gewährt und Ihre Angelegenheit noch einmal prüfen lassen. Es ist demnach der Wille des Königs, Sie darüber in Kenntnis zu setzen, dass Seine Majestät angesichts dieser neuen Beweislage mit Wohlwollen Ihre Begnadigung ins Auge fasst. Man erwartet Sie hierfür umgehend zurück am Hof.
 
Gott hat Sie hart geprüft, Monsieur, doch vergessen Sie nie, dass er das mit denen tut, die er am meisten liebt.
 
 
Françoise d’Aubigné, Marquise de Maintenon
Cécile schaute auf das Datum des Schreibens – Juli 1715. Der Brief war vor gut einem Monat geschrieben worden. Nur kurz darauf hatte ihr Vater ihr erzählt, dass sie nach Frankreich zurückkehren würden.
Sie betrachtete die Unterschrift des Briefes. Die Marquise de Maintenon! Sie war die berühmte Mätresse Louis’ XIV. – das hatte ihr Vater einmal erzählt. Ein beklemmendes Gefühl stieg in Cécile auf, als ihr klar wurde, dass seine Angelegenheit so wichtig war, dass sich diese Frau und der König persönlich damit beschäftigten. Ihr Vater war einmal der Duc de Montbrignac gewesen – noch immer kam ihr diese Tatsache unvorstellbar vor.
Sie legte den Brief wieder zurück und wollte den nächsten nehmen, doch dann entschied sie sich dagegen und ergriff stattdessen das in Leder gebundene Buch. Es war das Tagebuch ihres Vaters.
Sie blätterte durch die Seiten, die mit seiner gestochenen Schrift beschrieben waren, und ihr Blick blieb schließlich an einer Eintragung hängen, die sich weiter hinten befand, denn das sonst so akkurate Schriftbild war dort plötzlich fahrig und fast ein wenig unleserlich.
Meine Situation ist weitaus ernster und bedrohlicher, als ich vermutet habe. Es ist tatsächlich Anklage gegen mich erhoben worden. Lächerliche und absurde Vorwürfe – man beschuldigt mich des Verrats, wirft mir vor, mit den aufständischen Kamisarden kollaboriert und den unglücklichen Abbé Silvane ermordet zu haben …
Cécile brach entgeistert ab. Man hatte ihren Vater nicht nur des Landesverrats, sondern auch des Mordes angeklagt?! Jetzt begriff sie auf einmal, warum er ihr nie etwas erzählt hatte. Wie hätte er ihr auch erklären können, dass man ihn nicht nur für einen Verräter, sondern auch für einen Mörder hielt?
Die Zeilen waren im September 1702 von ihm zu Papier gebracht worden. Vor knapp dreizehn Jahren. Cécile rechnete kurz nach. Doch es stimmte, es war dasselbe Jahr, in dem sie nach Schottland gekommen waren. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Nur wenige Wochen später, im Oktober, war das gewesen.
Als Cécile weiterblätterte, stellte sie fest, dass das Tagebuch bald darauf endete. Die letzte Eintragung enthielt nicht mehr als ein paar knappe Sätze und obwohl sie bereits ahnte, was ihr Vater dort geschrieben hatte, schnitten ihr seine Worte doch ins Herz.
Catherine und Jean sind tot, ermordet von Banditen und Wegelagerern. Nur unweit hinter Paris sind sie auf ihrer Route in einer Herberge überfallen worden. Nie werde ich mir verzeihen, dass wir getrennt gereist sind. Welch fataler Fehler! Gott hat mich nicht verlassen, er hat mich verflucht …
Cécile schloss das Tagebuch. Eine verschwommene Erinnerung tauchte plötzlich vor ihren Augen auf. Sie waren an Bord eines Schiffes. Die See war rau, und die Gischt spritzte ihr ins Gesicht. Ihr Vater stand neben ihr an der Reling und starrte mit versteinertem Gesicht auf den endlosen blaugrauen Horizont. Tränen liefen über seine Wangen. Schüchtern hatte sie ihre Finger in seine große, kalte Hand geschoben. Eine Ewigkeit verging, bis er reagierte und ihre Hand dann mit einem so festen Druck umklammerte, dass es schmerzte. Erst am nächsten Morgen hatte ihr Vater erzählt, dass ihre Mutter und ihr Bruder einen Unfall gehabt hatten.
Cécile strich sich das Haar aus dem Gesicht und versuchte das Bild von damals aus ihrem Kopf zu vertreiben. Sie goss sich ein Glas Wasser ein und trank einen Schluck, bevor sie sich nachdenklich dem übrigen Inhalt der Schatulle zuwandte.
Die ganze Nacht verbrachte sie mit den Briefen und Aufzeichnungen ihres Vaters, überflog Seiten und las einzelne Passagen und Bruchstücke, die ihr wichtig erschienen.
Ihr Vater hatte das Tagebuch zwischen 1695 und 1702 geführt. Zu Céciles Enttäuschung fanden sich darin jedoch nur wenige persönliche Notizen, sondern vor allem akribische Eintragungen über die politischen Geschehnisse. Es schienen schreckliche Zeiten gewesen zu sein. Immer wieder war von Verurteilungen, Folterungen und Hinrichtungen von Menschen die Rede, denen man vorwarf, angeblich verbotenerweise den protestantischen Glauben praktiziert zu haben. Cécile fröstelte beim Lesen. Nicht alles verstand sie, doch die Aufzeichnungen ließen sie zumindest begreifen, dass ihr Vater einflussreich genug gewesen war, sich für einige von ihnen einzusetzen.
Weit mehr als die düsteren politischen Verhältnisse interessierte es Cécile, etwas über ihren Bruder zu erfahren. Sie überflog die Briefe, ob er irgendwo erwähnt wurde. Bald hatte sie mindestens fünfzig Schreiben durchgesehen – wie sich herausstellte, hatte ihr Vater eine überaus umfangreiche Korrespondenz geführt -, doch zu ihrer Enttäuschung fand sich kein Wort über Jean darin. Cécile war schon versucht zu glauben, dass ihr Vater sich tatsächlich im Fieberwahn eingebildet hatte, ihr Bruder würde noch leben. An irgendeiner Stelle hätte er ansonsten doch etwas über ihn schreiben müssen! Da entdeckte sie, dass es in der Holzschatulle unter einem Einsatz noch ein zweites Fach gab. Aufgeregt öffnete sie es. Außer einem Medaillon, das das Bild ihrer Mutter trug, und einem Siegelring mit demselben Wappen wie das Tagebuch befand sich noch ein Brief darin. Cécile spürte, wie ihre Hände zitterten, als sie ihn entfaltete und die Zeilen las.
 
Lieber Henri,
 
ja, Ihr Sohn lebt, und ich verstehe, dass Ihr ihn lieber heute als morgen wieder in Eure Arme schließen möchtet, doch als Euer Freund und Vertrauter rate ich Euch davon ab. Die näheren Umstände der schrecklichen Geschehnisse in der Herberge lassen, wie Sie wissen, glaubhaft die Vermutung zu, dass der Überfall auf Ihre Familie keineswegs nur das Werk von einfachen Banditen war.
Hier unter meinem Schutz ist Ihr Sohn in Sicherheit – keiner weiß, dass er lebt -, und man kann ihm die Erziehung zukommen lassen, die einem zukünftigen Edelmann gebührt.
Sie wissen, dass ich ihn immer wie mein eigen Fleisch und Blut behandeln werde.
 
Ihr treuer Freund, V.
Céciles Herz klopfte heftig. Er lebte wirklich! Einen Augenblick lang überlegte sie, wie alt Jean jetzt war. Vierzehn – er war fünf Jahre jünger als sie, entsann sie sich. Wie er wohl aussah? Würden sie sich wiedererkennen? Sie faltete den Brief zusammen, legte ihn zurück und blätterte erneut in dem Tagebuch.
Irgendwann übermannte sie die Müdigkeit. Mit dem Bild ihres Bruders vor Augen fiel sie in einen kurzen, tiefen Schlaf. Im Traum sah sie ihren Vater auf seinem Sterbebett vor sich. Seine Augen glänzten fiebrig. »Versprich mir, dass du nach Frankreich gehst! Versprich es, Cécile!« Und sie nickte.
4
Der Pfad, der gerade einmal breit genug war, dass ein einzelner Reiter darauf vorwärtskam, schien sich schon seit einer Ewigkeit an den felsigen Abhängen der grünen Berge entlangzuschlängeln. Der unebene, vom Regen durchnässte Untergrund hatte seine Tücken und war für die Rinder und Pferde kaum weniger gefährlich als für die Männer. Ein falscher Schritt, und sie konnten ins Straucheln geraten und den Abhang hinunterstürzen. Seit Stunden hielten die Reiter deshalb den Blick konzentriert auf den Boden gerichtet. Immer wieder ging es bergauf und bergab. Cécile hatte längst aufgehört die Abhänge zu zählen. Sie fühlte nicht einmal mehr, wie erschöpft und müde sie war. Seit fast vier Tagen waren sie unterwegs, doch es kam ihr inzwischen wie Wochen vor.
Der alte Laird MacIan hatte dafür gesorgt, dass sie bis Sterling mit einem jener Viehzüge reisen konnte, die einen Teil der Rinderherde zum Falkirk Tryst brachten, um sie dort zu verkaufen. Cécile war ihm dankbar dafür, denn mehr als einmal war ihr in den letzten Tagen bewusst geworden, dass sie die Reise durch die Highlands niemals allein geschafft hätte. Es gab hier oben im Hochland keine Straßen, sondern höchstens Wege oder schmale Pfade, die alle mitten durch die Berge über gefährliche Pässe führten und eine starke Konstitution erforderten. Wind, Regen und Kälte waren in den oberen Höhen ständige Begleiter, während man unten, im Schutz der Täler, nicht selten gezwungen war, einen der Flüsse oder Seen zu überqueren, die Schottland in seine natürlich abgegrenzten Regionen unterteilte.
Céciles Blick glitt über den Horizont mit den sich endlos aneinanderreihenden Gipfeln. Zum ersten Mal begriff sie, was damit gemeint war, wenn es hieß, dass diese Unzugänglichkeit Schottlands Stärke und Schwäche zugleich war. Die natürlichen Gegebenheiten machten das Land für seine Feinde nahezu uneinnehmbar und erhielten die Macht der Clans. Gleichzeitig waren die Menschen jedoch angesichts dieser schwierigen Verbindung zur Außenwelt gezwungen, ein hartes und entbehrungsreiches Leben zu führen.
Cécile lenkte ihr Pferd hinter ihrem Vordermann über einen kleinen Sturzbach hinweg und weiter geradeaus, bis es schließlich in einem Bogen nach rechts erneut den Berg hinunterging. Zu ihrer Erleichterung sah sie, dass sich der Pfad dort wieder verbreiterte und sie in ein Tal führte, das sich mehrere Meilen weit über eine Ebene hinzog.
Cécile versuchte vorsichtig, sich in ihrem Sattel zu strecken. Ihr ganzer Körper war verspannt. Obwohl sie aus Rücksicht auf die Rinder am Tag nicht mehr als zehn bis zwölf Meilen zurücklegen konnten, spürte sie nur zu deutlich, dass sie es nicht gewohnt war, den ganzen Tag auf dem Pferd zu sitzen und nachts draußen zu schlafen. Jeder Muskel und jeder Knochen tat ihr weh. Eine Nacht in einem richtigen Bett oder zumindest auf einem dicken Sack Heu zu schlafen – was hätte sie dafür gegeben! Sie unterdrückte ein Seufzen, während sie sich gleichzeitig bemühte, ihr Gewicht im Sattel auf die weniger schmerzende Seite zu verlagern. Neben sich nahm sie einen Schatten wahr. Farrell, einer der Viehtreiber, ein kräftig gewachsener Schotte mit strohblonden Haaren, hatte sein Pferd auf ihre Höhe gebracht und musterte sie prüfend.
»Alles in Ordnung?«, fragte er.
Sie nickte, obwohl sie das Gefühl hatte, im nächsten Moment vom Pferd zu fallen. Doch sie war sich sicher, die Männer warteten nur darauf, dass sie irgendein Anzeichen von Schwäche zeigte – und diese Genugtuung wollte sie ihnen nicht geben. Sie waren alles andere als begeistert, dass Cécile mit ihnen reiste. Von Anfang an hatten sie daraus keinen Hehl gemacht. In den ersten beiden Tagen hatten sie kaum mehr als das Notwendigste mit ihr gesprochen, und sie hatte sich von der Tatsache, allein mit fünf Männern und einer Horde Rinder in den Bergen unterwegs zu sein, mehr als eingeschüchtert gefühlt. Inzwischen hatte sie sich jedoch daran leidlich gewöhnt, und die Viehtreiber waren ihr gegenüber freundlicher geworden, nachdem sie erkannt hatten, dass sie ihnen kaum zusätzliche Umstände machte. Nur Rory MacDonald, der Führer des Zugs, ein hochgewachsener, wortkarger Mann von etwa vierzig Jahren, verhielt sich ihr gegenüber nach wie vor abweisend und kühl.
Farrell blickte sie noch immer an. »Sicher?«, fragte er noch einmal.
»Aber ja!«, erwiderte Cécile, die in ihrem Sattel gerade wieder etwas nach hinten gerutscht war. Sie hörte selbst, wie gereizt ihr Tonfall klang.
Er grinste breit über sein sommersprossiges Gesicht. »Dein Hintern tut dir weh!«, stellte er unverblümt fest.
Sie blickte ihn an. Er war nur wenige Jahre älter als sie – vielleicht Anfang zwanzig. »Es ist nicht der Rede wert«, erwiderte sie knapp.
Farrell warf ihr einen amüsierten Blick zu. Es war offensichtlich, dass er ihr kein Wort glaubte. Für eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her.
Vor ihnen forderte Rory die Männer auf, das Tempo zu verlangsamen, um den Tieren genug Zeit zum Weiden zu lassen. Cécile kam nicht umhin, Hochachtung für seine Arbeit zu empfinden. Die Aufgabe, die Rinder nicht nur sicher über den anstrengenden und gefährlichen Weg durch die Berge zu führen, sondern auch dafür zu sorgen, dass sie in gesunder und starker Verfassung blieben, damit sie auf dem Markt einen guten Preis erzielten, war ohne Frage eine Herausforderung.
Cécile beobachtete, wie die Rinder mit gesenkten Häuptern kauend vorwärtsstampften und dabei eine breite Schneise hinter sich zurückließen. Im nächsten Jahr würde die Vegetation an diesen Stellen nur umso üppiger sprießen. Es gab viele Täler, in denen man an den dicht bewachsenen Grasgürteln sofort erkennen konnte, wo einmal Herden auf dem Weg in die Lowlands entlanggekommen waren. Cécile bemerkte, dass Rory mit eisiger Miene zu ihr und Farrell herübersah. Sie hob trotzig das Kinn.
Farrell war ihrem Blick gefolgt. »Du darfst es ihm nicht übel nehmen, dass er so ist«, sagte er leichthin. »Er trägt die Verantwortung für die Herde und den ganzen Zug und ist nervös, weil er weiß, dass uns zurzeit hinter jedem Berg ein Trupp Engländer erwarten kann.«
»Und was hat das mit mir zu tun?«
»Nun, du bist einfach ein zusätzliches Risiko, jemand, auf den er Rücksicht nehmen muss, falls uns die Rotröcke begegnen. Er musste Laird MacIan immerhin sein Wort geben, dich heil nach Sterling zu bringen«, fügte er hinzu.
Cécile schaute zu dem Viehtreiber hinüber. Er wirkte angespannt. Sie begriff, dass die Männer tatsächlich damit rechneten, dass es auf ihrer Reise zu Auseinandersetzungen mit den Engländern kommen würde. Hatten sie deshalb so viele Waffen bei sich? Jeder der Männer trug nicht nur Messer, Dolch, Schwert und Pistole – was für die Viehtreiber auch zu anderen Zeiten völlig normal war. Unter den Clans war es nämlich durchaus üblich, sich gelegentlich gegenseitig die Rinder zu stehlen. Gerade die MacDonalds von Glencoe konnten diesbezüglich auf eine wenig rühmliche Vergangenheit mit den benachbarten Campells zurückblicken, wie John Cécile einmal erzählt hatte. Doch diesmal führten die Männer auch in den Satteltaschen einiger Proviantpferde Musketen und Pistolen mit sich. Cécile hatte es nur durch einen Zufall bemerkt. Es war an einem der ersten Abende gewesen, sie war gerade auf dem Rückweg von einem Bach zu ihrem Lager, als sie im Vorbeigehen hinter einem Felsen Rory mit einem der Männer bei den Proviantpferden erblickte. Die Satteltaschen waren geöffnet, und Cécile hatte die silbernen Läufe der Pistolen und Musketen glänzen sehen. Eine merkwürdige Vorahnung ergriff sie, als sie dieses Bild jetzt wieder vor Augen hatte.
Ohne sich etwas anmerken zu lassen, schenkte sie Farrell jedoch ein Lächeln. »Nun, Rory muss sich weiß Gott keine Sorgen machen. Ich kann sehr gut selbst auf mich aufpassen.«
»Aye, ich werd dich dran erinnern«, antwortete er und stieß ein jungenhaftes Lachen aus, bevor er sein Pferd antrieb, um zu Rory zu reiten, der ihn zu sich gewinkt hatte.
Wenig später legte der Trupp eine Pause ein. Man gönnte den Rindern etwas Ruhe, bevor sie am Nachmittag weiterzogen.
Bei Einbruch der Dunkelheit schlugen sie in einem kleinen Tal ihr Lager für die Nacht auf.
Einer der Männer hatte einen Hirsch erlegt. In den letzten Tagen hatten sie nur Hafer, Zwiebeln, ein wenig hartes Brot und Käse gegessen, und das Fleisch war eine mehr als willkommene Abwechslung.
»Wobei ein black pudding auch nicht zu verachten gewesen wäre!«, rief Huntly, ein untersetzter Schotte mit roten Wangen.
Cécile gab sich keine Mühe, ihren angeekelten Gesichtsausdruck zu unterdrücken. Black pudding aßen die Männer, wenn sie längere Zeit nicht hatten jagen oder fischen können. Sie schröpften dafür die Rinder und mischten das frische Blut unter ihren Porridge. Die Männer bezeichneten es als Delikatesse, doch Cécile fand allein den Gedanken an das noch warme Blut schrecklich.
Sie biss dankbar in ihr Stück Hirschfleisch, das köstlich schmeckte. Der gefüllte Magen schien auch die Männer zu beruhigen. Selbst Rory gab sich freundlicher. Nach dem Essen reichte er Cécile einen Becher Whisky. »Trink, das wird deine Muskeln etwas entspannen«, brummte er knapp.
Gehorsam nahm sie einen Schluck. Der Whisky brannte wie Feuer in ihrer Kehle und raubte Cécile für einen Moment den Atem. Nur mit Mühe konnte sie ein Husten unterdrücken, doch dann spürte sie, wie sich eine wohlige Wärme in ihrem Körper ausbreitete. Sie lehnte sich gegen den Holzpfahl. Huntly hatte begonnen, eine Geschichte aus alten Zeiten zu erzählen. Cécile ließ sich von seinen melodischen Worten in die Vergangenheit entführen. Er berichtete von Donald, dem ersten Lord of the Isles, der ein Enkel des großen Königs Somerled gewesen war und im dreizehnten Jahrhundert den Clan der MacDonalds begründet hatte. Für einen Moment fielen alle Sorgen und Ängste von Cécile ab, und sie hörte gebannt zu.
Als die letzten Scheite ins Feuer gelegt wurden, teilte Rory die Nachtwache für das Vieh ein, und sie legten sich schlafen. Die Männer wickelten sich nur in ihre Plaids – sie waren an die Kälte gewöhnt. Cécile jedoch fror trotz der zweiten Decke, die sie erhalten hatte. Das Gesicht ihres Vaters schob sich vor ihre Augen. Tagsüber, wenn sie unterwegs waren und sie sich auf den Weg konzentrieren musste, gelang es ihr, den Gedanken an ihn zu verdrängen, aber in der Nacht tauchten sein Bild und die Erinnerung an seinen Tod unweigerlich wieder auf.
Was hätte er wohl dazu gesagt, dass sie hier draußen im Freien in der Begleitung von fünf Viehtreibern schlief?
Sie griff unter ihrem zusammengerollten Umhang nach dem Medaillon, das sie bei sich trug, seit sie es in seiner Schatulle gefunden hatte. Vorsichtig öffnete sie es und betrachtete im Schein der heruntergebrannten Holzscheite das Miniaturporträt ihrer Mutter. Es erschien ihr fremd und vertraut zugleich. Sie hatte hellere Haare, aber dieselben grünen Augen wie sie. Ihr Vater hatte sie sehr geliebt. Sie musste daran denken, was er in seinem Tagebuch über sie notiert hatte, kurz nachdem die beiden sich kennengelernt hatten. Ihr Lachen zu hören, in ihre Augen zu blicken, den Geruch ihrer Haut für immer um mich zu haben, jeden Morgen neben ihr aufzuwachen – was könnte mich glücklicher machen? Vom ersten Augenblick an wusste ich, dass wir füreinander bestimmt sind. Es war eine Zeit der Unbeschwertheit und des Glücks, die aus jedem seiner Worte in diesen Tagen herauszuhören war. Ihre Eltern hatten sich ineinander verliebt, und selbst ihr strenger Großvater – der dieser Verbindung zunächst ablehnend gegenübergestanden hatte, weil ihre Mutter zwar aus einer alten, aber völlig verarmten Familie stammte – hatte sich von der offensichtlichen Liebe zwischen den beiden erweichen lassen und die Zustimmung zu dieser Verbindung gegeben. Ihre Eltern heirateten, und nur knapp neun Monate später, im November 1695, war sie, Cécile, auf die Welt gekommen.
Es war furchtbar gewesen, diese Zeilen zu lesen, die einen noch heute spüren ließen, mit welcher Hoffnung und optimistischen Erwartung ihre Eltern damals in die Zukunft geblickt hatten – nicht ahnend, wie kurz ihr gemeinsames Glück nur sein sollte.
Cécile schloss mit einem leisen Klicken das Medaillon und versuchte die Gedanken an die Vergangenheit, die so eng mit ihrer Zukunft verbunden war, aus ihrem Kopf zu verbannen.
Ringsum hörte sie das laute Schnarchen der Männer. So vorsichtig es in Anbetracht ihrer schmerzenden Muskeln ging, drehte sie sich auf die andere Seite.
Plötzlich hörte sie aus dem Gebüsch neben dem Felsen ein lautes Knacken. Einen Moment lang horchte sie in die Dunkelheit hinein, doch es war wieder still. Vermutlich nur ein Tier, dachte sie. Sie zog die Decken fester um sich und spürte, wie die Müdigkeit sie dank des Whiskys überwältigte und sie endlich einschlief.
5
Der Morgen graute, als sie mit steifen Gliedern aufwachte. Farrell und Huntly schliefen noch, aber Rorys Lager war bereits leer. Cécile schlang ihre Decke um die Schultern, griff frierend nach ihrem Reisebündel und machte sich auf den Weg zum Bach, wo sie sich eine von Gebüsch und Felsen geschützte Stelle suchte. Als sie ihre Hände in das eisige Wasser tauchte, war sie endgültig wach. Sie wusch sich bibbernd das Gesicht und öffnete ihren Zopf, der sich über Nacht halb aufgelöst hatte. Es kostete sie einige Mühe, die widerspenstigen Haare zu kämmen. Sie wollte sie gerade wieder flechten, als sie ein kleines Stück entfernt die Fußabdrücke sah. Cécile erstarrte. Die Tage mit den Viehtreibern hatten sie gelehrt, sorgfältig auf Spuren am Boden zu achten – sie zu erkennen war lebenswichtig für die Männer und entschied nicht nur darüber, ob sie am Abend etwas zu essen haben würden, sondern sagte ihnen auch, ob jemand – und vielleicht auch wer – vor ihnen diesen Weg gegangen war. Cécile war zwar nicht besonders geübt darin, Spuren zu entziffern, doch das brauchte sie für das, was sie hier vor sich sah, auch gar nicht. Deutlich waren die frischen Abdrücke von schweren Männerstiefeln zu sehen, und zwar von mehreren – von mindestens fünf, wenn nicht sechs oder noch mehr verschiedenen Paaren, die eindeutig nicht von den Viehtreibern stammten. Ein kalter Schauer lief Cécile über den Rücken. Engländer, Viehdiebe oder die geächteten broken men, die aus dem Clan verstoßenen Mitglieder – ihre Gedanken überschlugen sich, während ihr die vielen Geschichten, die von Überfällen auf die Viehzüge erzählt wurden, durch den Kopf schossen.
Rory, ich muss Rory Bescheid sagen, dachte sie. Sie riss ihre Sachen an sich und raffte den Rock. Außer Atem rannte sie los, doch sie war kaum einige Schritte den Pfad hochgeeilt, als hinter einem der Felsen plötzlich etwas Rotes hervorschnellte. Eine schwere Gestalt stürzte sich auf sie und riss sie unsanft zu Boden. Jemand hielt ihren Arm fest und presste ihr, bevor sie schreien konnte, eine Hand auf den Mund.
»Ganz ruhig, mein schottisches Täubchen!«
Sie blickte in das pockennarbige Gesicht eines englischen Soldaten. Verzweifelt versuchte sie sich zu befreien, doch er verstärkte seinen Griff und drehte ihr den Arm brutal auf den Rücken, sodass ihr vor Schmerz schlecht wurde.
»Ruhig, hab ich gesagt!«, zischte er drohend. Ein Messer blitzte vor ihren Augen auf, und sie fühlte voller Entsetzen die kalte Klinge aus Stahl an ihrem Kinn. Der Engländer näherte sein Gesicht so dicht dem ihren, dass seine glänzende, großporige Haut fast ihre Wange berührte.
»Ich werde jetzt meine Hand von deinem Mund nehmen, und du wirst mir sagen, wie viele Männer oben bei euch sind. Du wirst nichts weiter sagen außer einer Zahl, sonst schneide ich dir die Kehle durch, verstanden?«
Cécile nickte voller Angst, während sie panisch überlegte, wie lange es wohl dauern konnte, bis die Männer im Lager entdeckt hatten, dass sie nicht da war.
Der Mann lockerte die Hand auf ihrem Mund. »Also, wie viele?«
»Zehn!«, log sie. Wenn sie ihm sagte, dass es lediglich fünf waren, hätten die Soldaten sicher sofort angegriffen.
Der Engländer nahm das Messer in die linke Hand, mit der er sie festhielt, und schlug ihr mit der Rechten quer übers Gesicht. »Du lügst! Es reisen nie so viele Männer mit den Viehzügen«, sagte er kalt.
Céciles Wange brannte, und sie schmeckte Blut auf ihrer Lippe.
Tränen traten in ihre Augen. Er wird mich töten, schoss es ihr durch den Kopf, als sie spürte, wie er ihr erneut das Messer an die Kehle setzte.
»Also, noch einmal, wie viele?«
»Fünf …« Ein Schatten schoss auf sie zu, und im selben Moment schwirrte etwas Glänzendes durch die Luft. Sie sah Farrell und dann eine blitzschnelle Bewegung, mit der er den Dolch in den Rücken des Soldaten stieß. Gleichzeitig packte er dessen Kopf mit dem anderen Arm und drehte ihn zur Seite. Man hörte ein hässliches Knacken. Dem englischen Soldaten fiel das Messer aus der Hand. Er sank mit weit geöffneten Augen zu Boden. Cécile blickte wie gelähmt auf den toten Mann.
Farrell zog sie auf die Beine. »Los, schnell! Wir müssen weg«, raunte er. Sie rannten den Pfad hoch. Hinter ihnen fielen von beiden Seiten Schüsse. Cécile duckte sich panisch. »Lauf! Durch das Gebüsch hoch und dann zu den Pferden!«, rief Farrell hinter ihr und schrie im selben Moment auf.
Sie drehte sich voller Angst zu ihm um und sah, dass die Soldaten ihn getroffen hatten. Ein Blutfleck zeigte sich auf seinem Hemd. Er griff sich schmerzverzerrt an die Brust und strauchelte.
»Farrell!« Sie blieb stehen und wollte zu ihm laufen. »Du musst aufstehen!«, schrie sie voller Panik, doch er bewegte sich nicht. Nein, das konnte nicht sein!
Zwei Rotröcke stürzten mit gezogenen Degen von links und rechts auf sie zu. Sie riss ihren Rock hoch und rannte in Todesangst durch das Gebüsch den Abhang hoch. Zweige und Äste schlugen ihr ins Gesicht, doch es gelang ihr, einen Vorsprung zu gewinnen, da die Soldaten mit ihren Stiefeln und Degen weniger schnell hinter ihr herkamen.
Da zeigte sich Rorys breitschultrige Gestalt zwischen den Sträuchern.