Die Geheimnisse des FBI - Ronald Kessler - E-Book

Die Geheimnisse des FBI E-Book

Ronald Kessler

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Beschreibung

Welche Geheimnisse ruhen seit Jahrzehnten in den tiefsten Kellern des FBI? Welche Abenteuer, Blamagen und Skandale verbergen sich in den Aktentresoren der mächtigen US-Bundespolizei? Und welche Indiskretionen über Stars und Sternchen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat die legendäre Behörde im Laufe der Jahrzehnte angesammelt? Nun liegen die Antworten auf diese Fragen in Buchform vor. Ihr Autor: Ronald Kessler, einer der profundesten Kenner der Nachrichtendienst- und Secret-Service-Szene der USA. Gestützt auf seine hervorragenden Kontakte in die Welt der Geheimoperationen führt er den Leser ganz weit hinein in "Die Geheimnisse des FBI".

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Seitenzahl: 418

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Die Geheimnisse des FBI

Ronald Kessler

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel The secrets of the FBI

9783864700729

Copyright der Originalausgabe 2011:

This translation published by arrangement with Crown Publishers, an imprint of the Crown Publishing Group, a division of Random House, Inc. Copyright © 2011 by Ronald Kessler. All rights reserved.

Copyright der deutschen Ausgabe 2012: © Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Marion Reuter Umschlaggestaltung und Herstellung: Johanna Wack, Börsenmedien AG Gestaltung und Satz: Jürgen Hetz, denksportler Grafikmanufaktur Lektorat: Hildegard Brendel Druck: GGP Media GmbH

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444 E-Mail: [email protected] www.plassen.de

Für Pam, Rachel und Greg Kessler

Inhaltsverzeichnis

TitelImpressumWidmungDANKSAGUNGENPROLOG1 - TACOPS2 - OMERTÀ3 - DAS ROTE KLEID4 - GEHEIMAKTEN5 - EINBRUCH IM WATERGATE6 - DEEP THROAT7 - PROFILING8 - FLOTTE DREIER9 - EIN MAULWURF IN DER CIA10 - MEHR ROASTBEEF11 - WACO12 - DIE KO-DIREKTOR-EHEFRAU13 - DIE HINTERGRÜNDE VON VINCE FOSTERS SUIZID14 - FBI-AGENT IM AUSSENDIENST15 - DIE JAGD AUF HANSSEN16 - „ENTTARNT – VERRAT AUF HÖCHSTER EBENE“17 - BARGELD NICHT GEKLÄRTER HERKUNFT18 - „MUELLER, MORD“19 - GEHEIMDIENST-DENKWEISE20 - DAS TACOPS CENTER21 - DIE JAGD22 - BEWAFFNET UND GEFÄHRLICH23 - DEN DSCHIHAD PREDIGEN24 - DAS JAHR DES SCHNEEBALLSYSTEMS25 - STOLPERDRÄHTE26 - DIE JACHT-PARTY27 - AM WEIHNACHTSTAG28 - DIE KOFFERATOMBOMBE29 - CSI: CRIME SCENE INVESTIGATION330 - SPIONAUSTAUSCH31 - GERONIMO32 - DIE GRÖSSTE BEDROHUNG

DANKSAGUNGEN

MEINE FRAU, PAMELA KESSLER, IST MEINE PARTNERIN sowohl beim Schreiben als auch im Leben. Als ehemalige Reporterin der Washington Post und Autorin des Buches Undercover Washington über die Spionageschauplätze der Hauptstadt unserer Nation hat Pam mich zu wesentlichen Interviews in der FBI-Zentrale, der FBI-Akademie, der Washingtoner Außenstelle sowie im FBI-Labor begleitet. Sie trug lebhafte Beschreibungen bei, die die am besten geschriebenen Passagen in diesem Buch sind. Dann hat sie das Manuskript vorlektoriert. Ich schätze mich glücklich, ihre Liebe, ihr kluges Urteilvermögen und ihre unerschütterliche Unterstützung zu haben.

Dankbar bin ich auch für die Liebe und Unterstützung meiner erwachsenen Kinder, Rachel und Greg Kessler. Mein Stiefsohn, Mike Whitehead, ist ein loyales und liebenswertes Mitglied dieses Teams.

Wie auch bei meinem früheren Buch In the President’s Secret Service: Behind the Scenes with Agents in the Line of Fire and the Presidents They Protect hat Mary Choteborsky, die Verlagsleiterin bei Crown, ausgezeichnete Vorschläge beigetragen und das fertige Manuskript hervorragend redigiert. Wenn es um die Veröffentlichung von Büchern geht, kann Mary und ihrem Team niemand das Wasser reichen.

Ich bin froh, dass ich meinen Agenten Robert Gottlieb, den Chairman von Trident Media, an meiner Seite habe. Seit 1991 hat Robert meine schriftstellerische Karriere mit seiner loyalen Unterstützung und seiner Weisheit begleitet.

Das FBI hat mir für dieses Buch Zugang in einem noch nie da gewesenen Umfang gewährt. Bedanken möchte ich mich bei dem FBI-Direktor Robert S. Mueller III, bei Michael Kortan, dem stellvertretenden FBI-Direktor für Öffentlichkeitsarbeit, sowie bei Susan McKee in der FBI-Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, die keine Mühen gescheut haben, um mir zu helfen.

Die Gesellschaft ehemaliger FBI-Agenten1 hat mir ihre Sammlung von 135 Oral-History-Aufnahmen von Agenten zugänglich gemacht, die bis zum Rudolf-Abel-Fall zurückreicht. Ich danke Sean McWeeney und Craig Dotlo.

Hunderte von aktuell tätigen und ehemaligen FBI-Agenten haben zu diesem Buch ihre Erfahrungen beigetragen und ihre Erkenntnisse mit mir geteilt. Auch ihnen gilt mein Dank.

PROLOG

ES WAR WEIHNACHTEN, KURZ VOR MITTAG. DER TRUTHAHN war im Backofen und der Duft breitete sich gerade im Haus aus, als Arthur M. „Art“ Cummings II einen Anruf auf seinem Blackberry erhielt.

Die FBI-Einsatzzentrale wies ihn an, auf seinem sicheren Telefon zurückzurufen. Als er dies tat, erfuhr er, dass ein Passagier auf Flug 253 der Northwest Airlines einen Sprengstoffanschlag versucht hatte, als der Airbus auf der letzten Flugstrecke von Amsterdam nach Detroit in den US-amerikanischen Luftraum eintrat.

Als stellvertretender geschäftsführender Direktor des FBI für die nationale Sicherheit war der 50-jährige Cummings sowohl für die Terrorismusabwehr als auch für die Spionageabwehr zuständig. Er war direkt dafür verantwortlich, terroristische Anschlagspläne sowie Spionage durch andere Länder aufzudecken und zu vereiteln. So viele Geheimnisse wie er kannten nur wenige in der US-Regierung.

Für Cummings war die Terroristenjagd ein geistiger Wettstreit. Er war der Jäger, die Terroristen waren seine Beute. War ein Terrorist ihm entkommen? Konnte er den Informationen, die er bekam, trauen? Hatte er einen Hinweis übersehen? Diese Fragen hielten ihn nachts wach, während er die Entwicklung des FBI dahingehend vorantrieb, dass die Behörde sich weniger auf strafrechtliche Verfolgung und mehr auf die Verhinderung von Anschlagsplänen im Vorfeld konzentrierte.

Um Terroristen auf die Schliche zu kommen, sprach Cummings täglich mit Tactical Operations (TacOps). Dabei handelt es sich um eine streng geheime Einheit von FBI-Einbruchskünstlern, die gerichtlich genehmigte Einbrüche in Privatimmobilien, Büros und Botschaften durchführen, um versteckte Mikrofone und Videokameras zu installieren und um Computer auszuspionieren. Als Zielpersonen kommen Mafia-Mitglieder, korrupte Kongressabgeordnete, Spione oder Geheimdienstoffiziere aus Russland oder China infrage.

Bei der Durchführung verdeckter Einbrüche kommt es vor, dass TacOps Wachhunde sediert. Mitunter täuscht TacOps auch Verkehrsunfälle, Verkehrskontrollen oder Störungen bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben vor, um Bewohner und Wachpersonal abfangen zu können. Zur Tarnung von Agenten, wenn diese Schlösser knacken und Alarmsysteme ausschalten, baut TacOps falsche Häuserfronten und falsche Büsche als Versteck auf. Wenn TacOps-Agenten beim Einbrechen erwischt werden, laufen sie Gefahr, von Bewohnern erschossen zu werden, die sie für Einbrecher halten.

Neben seiner Jagd auf die Al Kaida musste Cummings mit bürokratischen Rivalitäten kämpfen. Die New Yorker Polizei brach ihr Versprechen gegenüber dem FBI und handelte voreilig im Fall von Najibullah Zazi, der geplant hatte, die New Yorker U-Bahn für Al Kaida in die Luft zu jagen. Das Ministerium für Innere Sicherheit 2 hatte seine Hausaufgaben im Hinblick auf die Einwanderung nicht gemacht, aber versuchte sich in eine Reihe von Entscheidungen bei der Terrorismusbekämpfung einzumischen, die in den Zuständigkeitsbereich des FBI fielen. Dann gab es da noch das Amt des Direktors Nationale Nachrichtendienste3, eine Behörde, die dem FBI oft in die Quere kam und ihm nur wenig nützte.

Neben dem bürokratischen Gerangel hatte Cummings auch mit Anfragen zu tun, die der Unabhängigkeit des FBI hätten schaden können. Nachdem das Justizministerium sich entschieden hatte, Khalid Sheik Mohammed in New York City unter Anklage zu stellen, bat es Cummings darum, eine Einschätzung der Sicherheitsbedrohung vorzubereiten, die ein solcher Prozess dort mit sich gebracht hätte. Cummings weigerte sich. Er rechnete damit, dass eine solche Einschätzung des FBI sowohl von Demokraten als auch von Republikanern zu politischen Zwecken genutzt werden könnte. Auf jeden Fall dachte er, dass die Idee mit New York, die er für unverantwortlich hielt, nie umgesetzt werden würde.

Cummings ärgerte sich über die Bemühungen von Amtsträgern der Obama-Regierung, in Bezug auf den Terrorismus öffentlich Euphemismen wie „durch Menschen verursachte Katastrophen“ zu verwenden oder bei der Beschreibung des Feindes die Begriffe „Islamisten“ oder „Dschihadisten“ zu vermeiden. „Schrecklich, schrecklich“ beschreibt Cummings diese Ideen. „Natürlich wird der heutige Terrorismus von Islamisten beherrscht“, sagt er.

Andererseits hatte Cummings kein Problem damit, dass sowohl auf Wunsch der Obama- als auch auf Wunsch der Bush-Regierung Terroristen ihre Rechte verlesen werden sollten. Er glaubte, dass das FBI in den meisten Fällen die nötigen Informationen zur Vereitelung zukünftiger Anschlagspläne gewinnen konnte, indem es im Rahmen des Rechtssystems blieb, wozu auch die Miranda-Warnung 4 gehörte. Der Trick bestand darin, die Verdächtigen zur Rede zu stellen, bevor sie in Gewahrsam genommen wurden, ihnen Anreize zum Reden zu geben und ein gutes Verhältnis herzustellen.

Cummings war ein Genie, wenn es darum ging, Kriminelle dazu zu bringen, sich selbst zu beschuldigen. Cummings beherrscht meisterhaft den Augenkontakt und er hat eine Stirnglatze, die die Intensität seines Blicks noch verstärkt. Seine blauen Augen mit ihrem unwiderstehlichen Blick lenken Energie zu seinem Zuhörer.

„Es geht darum, dem Gegner zu parieren“, sagt Cummings. „Wie viele bruchstückhafte Hinweise hat er gegeben und wie viele kann ich aufnehmen? Wie komme ich an die Antwort, wie erfahre ich, was wirklich passiert ist? Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, es zu tun, aber die bei Weitem beste Methode besteht darin, jemandem am Tisch gegenüberzusitzen. Das Beste ist, wenn man ihm seine Fangzähne in den Hals drückt und er dabei noch lächelt, weil man ihn davon überzeugt, dass er in seinem eigenen Interesse handelt – während dies ganz und gar nicht der Fall ist.“

Nachdem er von dem Weihnachtsbomber erfahren hatte, griff Cummings nach einem Riegel Snickers und einer Cola. Das sollte im Jahr 2009 sein Weihnachtsessen sein. Seine Frau Ellen und die drei Teenager genossen den Truthahn mit Cranberrysoße allein.

Cummings war nun für den Fall von Umar Farouk Abdulmutallab zuständig, einen der umstrittensten und potenziell gefährlichsten Terrorismusfälle des FBI.

Cummings sprang in sein FBI-Auto, einen Dodge Charger. Er schaltete die Sirenen sowie das Blau-Rot-Licht ein und raste zur FBI-Zentrale.

1

TACOPS

WENN TACOPS-AGENTEN IN PRIVATIMMOBILIEN ODER BÜROS einbrechen, versuchen sie, möglichst keine Hintertüren zu nutzen. Da Hintertüren nur selten genutzt werden, könnten dort Sprengladungen versteckt sein. Als TacOps-Agenten Abhörwanzen in einem Elektronikzubehörunternehmen in Philadelphia installieren mussten, hinter dem sich ein Treff für eine kriminelle Drogenbande verbarg, entschieden sie sich daher, durch die Vordertür zu gehen.

Die Agenten kamen zu dem Schluss, dass die beste Zeit für einen Einbruch zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens sei. Danach würden die Männer von der Müllabfuhr vorbeikommen, und diese könnten die Agenten beim Einbruch sehen. Das einzige Problem war, dass sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Bar mit Sitzplätzen im Freien befand. Die Gäste der Bar würden sehen, wie das FBI-Team an der Vordertür die Schlösser knackte und das Alarmsystem deaktivierte.

Die TacOps-Agenten liehen sich also einen Stadtbus und fuhren damit zu dem Elektronikzubehörunternehmen. Sie parkten den Bus vor der Vordertür und taten so, als hätte der Bus eine Panne. Als der FBI-Agent, der den Bus fuhr, die Motorhaube hob, stürzten die Agenten aus dem Bus, um die Schlösser zu bearbeiten und einzubrechen. Beobachter auf der anderen Straßenseite konnten sie hinter dem Bus nicht sehen.

Sobald die Agenten in dem Zielgebäude waren, fuhr der Bus weg. Als die Agenten mit dem Installieren der elektronischen Wanzen fertig waren, holte der Bus sie wieder ab. Doch der Bus rauschte an zwei betrunkenen Gästen aus der Bar vorbei, die an einer Bushaltestelle in der Nähe warteten. Als der Bus vor dem Geschäft hielt, rannten die beiden wütenden Gäste zum Bus und sprangen hinein. Da viele Agenten aus verschiedenen FBI-Außenstellen kamen, nahm jeder zunächst an, dass die beiden Männer zu dem Einsatz gehörten.

„Wir warten, bis wir ein paar Häuserblocks entfernt sind, und legen dann unsere Ausrüstung ab“, sagt FBI-Agent Louis E. Grever, der zwölf Jahre lang zum TacOps-Team gehörte. „Wir tragen alle Waffen und Funkgeräte und die beiden Kerle sitzen da und sagen: ‚Was ist denn hier los?‘ Sie fangen an, zu klingeln. Ding, dong! Sie wollen raus. Ding, dong! Nun war der Busfahrer, der aus der örtlichen Außenstelle kam, kein besonders guter Busfahrer. Ich glaube, er hat etwa 20 Minuten geübt, um den Bus zu fahren. Beim Abbiegen warf er Mülleimer um. Er ruft nach hinten: ‚Hey, hört auf, mit der Klingel rumzuspielen! Ich hab’ schon genug Mühe damit, den Bus zu fahren!‘ Andere Agenten im Bus begriffen allmählich, dass die beiden Männer, die läuteten, weil sie aussteigen wollten, überhaupt nicht zum FBI gehörten. Vor jedem Einsatz treffen sich alle Agenten und nun schien es klar, dass diese beiden unbeabsichtigterweise Hochstapler waren.

„Einer unserer Leute – er hatte zufällig gerade eine Schrotflinte an seinem Schulterriemen hängen – stand auf“, sagt Grever. „Er geht also zu ihnen rüber und sagt: ‚Kennen wir euch?‘“

Grever fährt fort: „Sie klingeln wirklich die ganze Zeit. Ding dong, ding dong, ding dong! Und wir begreifen, dass diese Leute nicht zu uns gehören. Also rufen wir: ‚Hey, Phil, halt an! Wir haben hier ein paar Fahrgäste!‘“

Der Fahrer wandte sich um, warf einen Blick auf die Fahrgäste und erkannte, dass sie keine Agenten waren. Fluchend hielt er an und machte die Türen auf.

„Sie steigen aus und wir haben nie mehr etwas von ihnen gehört“, sagt Grever. „Sie hatten keine Ahnung, was los war. Sie waren nur zufällig in den falschen Bus gestiegen.“

Damals im Jahr 1992 hatte Grever, ein Mann mit blauen Augen und extrem kurz geschnittenem rötlichem Haar, von der Tactical Operations Section noch nie gehört. Aber sein Vorgesetzter in der Außenstelle in Jackson, Mississippi, Billups „Bill“ Allen, fragte ihn, ob er dort anfangen wolle. Damals war Grever vier Jahre beim FBI gewesen. Er rechnete eigentlich damit, nach New York oder Los Angeles versetzt zu werden.

In Bezug auf die Tätigkeit von TacOps gab Allen sich zugeknöpft. Stattdessen machte er Grever mit Mike McDevitt bekannt, einem früheren Kollegen aus der Marine, der bereits Mitglied des Teams war.

„Wie ist Ihr Familienleben?“, fragte McDevitt ihn.

Von der Antwort überrascht antwortete Grever: „Gut.“

„Haben Sie Kinder?“

„Ja.“

„Macht es Ihnen etwas aus, wenn Sie sie nicht sehen, weil Sie viel unterwegs sind?“

„Nein“, sagte Grever, „ich gebe alles für den Einsatz.“

„Gut, wir haben bereits den Bericht über Sie“, sagte McDevitt. „Wenn Sie willig sind, den Anforderungen gerecht werden und Ihre Mitbewerber aus dem Feld schlagen, haben Sie hier bei TacOps vielleicht eine Zukunft.“

Als Grever sich mit dem TacOps-Team auf dem Campus der FBI-Akademie in Quantico, Virginia, traf, erfuhr er, dass das Team streng geheime, gerichtlich genehmigte Einbrüche durchführt, um versteckte Mikrofone und Videokameras zu installieren und um in Computern und Schreibtischen in Häusern, Büros, Autos, Jachten, Flugzeugen und Botschaften zu spionieren. Jedes Jahr führt TacOPs 400 sogenannte verdeckte Einbrüche durch. Davon werden 80 Prozent in Fällen der nationalen Sicherheit mit Bezug zu Terrorismus und Spionageabwehr durchgeführt. Der Rest wird in Kriminalfällen durchgeführt, bei denen es um organisierte Kriminalität, Wirtschaftsverbrechen und Korruption in der Politik geht. Wie sich herausstellte, war Grever auch teilweise deshalb eingestellt worden, weil er während seiner College-Zeit für ein Technikunternehmen im Bereich Zugangskontrolle und elektronische Sicherheit gearbeitet hatte. Als Mitglied des SWAT 5-Teams der Außenstelle war er einmal Polizist gewesen. Bevor er durch Allen eingestellt wurde, hatte TacOps ihn gründlich überprüft.

„Vor allem wollten sie herausfinden, ob ich in der Lage wäre, in einem Team zu arbeiten“, sagt Grever. „Wenn man einen Großteil seines Lebens mit einer sehr eng verbundenen Truppe wie TacOps verbringt, dann wollen sie sicherstellen, dass man die Herausforderungen bestehen kann. Vielleicht wird man über längere Zeiträume mit ihnen eingeschlossen, zum Beispiel in einem Lagerbehälter oder oben auf einem Aufzug. Man führt ein Doppelleben und darf mit der Familie und den Freunden nicht über die Arbeit reden. Man macht etwas, was man vielleicht am besten als verrückt bezeichnen könnte.“

Bei seiner Arbeit als „Einbrecher mit staatlicher Genehmigung“, wie er es nennt, gehörte Grever zu einem von sieben Teams, von denen jedes aus etwa zehn Agenten bestand, die im Land herumreisen und gerichtlich genehmigte Einbrüche durchführen. Er leitete oder beaufsichtigte etwa 1.000 verdeckte Einbrüche.

Aufgrund seiner Vorkenntnisse wurde Grever zunächst ein Aufsichtsführender Agent6, der sich auf die Deaktivierung von Alarmsystemen konzentrierte. Er stieg zum Chef von Tactical Operations auf, einer FBI-Abteilung mit einem bewusst unklaren Namen. In seiner Kurzbiografie auf der FBI-Website wird die Abteilung nur als „Einsatzteam, das für die technische Unterstützung von nationalen Schwerpunktprogrammen zuständig ist“ beschrieben. Im Oktober 2008 wurde Grever vom FBI-Direktor Robert S. Mueller III zum geschäftsführenden stellvertretenden Direktor für die Abteilung Naturwissenschaft und Technologie ernannt.

Damit war er für das FBI-Labor, für Fingerabdrücke und Biometrik sowie für die Abteilung Operative Technologie verantwortlich. Zur Abteilung Operative Technologie mit ihren etwa 1.000 – teilweise auch freien – Mitarbeitern gehören sowohl TacOps als auch die Technische Forschungseinrichtung 7 in Quantico. Dort stellt das FBI auf den Einzelfall abgestimmte Abhörgeräte, Aufspürgeräte, Sensoren und Überwachungskameras her, um Kriminelle zu beobachten und ihre Aktivitäten aufzuzeichnen. Ebenso werden Methoden entwickelt, um in Computer einzudringen, Schlösser zu knacken und Überwachungskameras sowie Alarm- und Zugangskontrollsysteme auszuschalten.

Art Cummings traf sich täglich mit dem 50-jährigen Grever, um innovative Methoden zu besprechen, mit denen die Gespräche von schwierigen Zielpersonen abgehört werden konnten, und um seine Prioritäten in Fällen der nationalen Sicherheit darzulegen.

„Bevor er 100.000 Dollar für eine Lösung ausgibt, lasse ich ihn wissen, dass wir eine gerichtliche Anordnung haben, und ich helfe ihm, auf der Grundlage unserer Bedürfnisse Prioritäten zu setzen“, sagt Cummings.

Cummings betrachtete TacOps als entscheidend bei der Terrorismusbekämpfung. „TacOps sammelt Informationen gegen Terroristen, solange sie sich noch im Planungsstadium befinden, solange sie sich noch nicht in Acht nehmen, sodass wir sehen können, was wirklich vor sich geht“, sagt Cummings. „Zusammen mit anderen Informationsbeschaffungsmethoden, wie dem Aufbau von Informanten, der Prüfung anderer Berichte sowie der physischen Personenüberwachung, ist TacOps ein wesentlicher Bestandteil eines integrierten Informationsbeschaffungsplans, der ein tief greifendes, mehrdimensionales Verständnis der Bedrohung ermöglicht. “

Wenn das FBI eine einfache Abhörschaltung für ein Festnetztelefon oder ein Handy braucht oder wenn es eine Abfangeinrichtung für E-Mails benötigt, dann verhandeln Grevers Techniker in der Abteilung Operative Technologie direkt mit dem Provider. Normalerweise kann die Telefongesellschaft in wenigen Minuten eine gerichtlich angeordnete Abhörschaltung einrichten, indem sie die Zieltelefonnummer in ihre Computer eingibt und das Gespräch über eine verschlüsselte Breitbandverbindung an eine beliebige FBI-Außenstelle weiterleitet. Wenn jedoch ein physischer Einbruch erfolgen soll, übernimmt TacOps.

In Interviews mit Grever und anderen Agenten, die aktuell bei TacOps beschäftigt sind oder früher dort beschäftigt waren, enthüllte das FBI zum ersten Mal in seiner Geschichte, wie es verdeckte Einbrüche durchführt, die geheimste und am besten gehütete Methode der Behörde. Selbst für Kongressabgeordnete und Regierungsbeamte mit einer „Top Secret“-Sicherheits-Unbedenklichkeitsbescheinigung ist dieser Einsatz tabu. In einigen Fällen kann das FBI Gespräche belauschen, ohne einzubrechen, indem es Parabolmikrofone oder Laserstrahlen nutzt, um Schallwellen von Fenstern abzuhören. Um sich vor solchen Angriffen zu schützen, ist Grevers Büro im siebten Stock der FBI-Zentrale zu einem Innenhof hin gerichtet, sodass niemand von außen seine Gespräche abhören kann. Ein solcher Abhörversuch von außen wird als „Belagerungs“-Informationsbeschaffung bezeichnet. Sowohl diese Methode als auch verdeckte Einbrüche zur Installierung von Wanzen und zur Ausspionierung von Computern und schriftlichen Aufzeichnungen werden als „Direktangriffe“ bezeichnet.

Das FBI kann auch einen Strohmann anheuern, der an einem Gespräch teilnimmt oder in einem Büro oder Haushalt arbeitet, um dort einen Trojaner einzuschleusen – zum Beispiel ein fast unsichtbares Abhörgerät, das in eine Lampe eingebaut ist, die anstelle der vorhandenen angebracht wird. Mithilfe von Fotos, die durch ein Fenster aufgenommen wurden oder von einem FBI-Agenten, der sich als Kammerjäger, Hygienekontrolleur oder Telefonservicetechniker ausgibt, fertigt TacOPs eine genaue Nachbildung der Lampe in dem ins Visier genommenen Büro oder Haushalt an.

In den meisten Fällen ist jedoch ein verdeckter Einbruch notwendig, der zu den besten Ergebnissen führt. Andererseits bringt dieser aber auch das höchste Risiko mit sich, erwischt zu werden und eventuell von einem Hauseigentümer, Wachmann, Polizisten oder Geheimdienstagenten eines anderen Landes, der den Agenten für einen Einbrecher hält, erschossen zu werden.

Bei der Auswahl der Agenten für TacOps-Teams sucht das FBI Männer und Frauen, die über entsprechende Erfahrungen verfügen und bereits verdeckt ermittelt haben, denn diese Agenten können besonders gut die Fassade aufrechterhalten. Zu den Teams gehören Agenten mit allen ethnischen Hintergründen, damit diese sich in ein bestimmtes Umfeld mischen können. Von den 13.807 Agenten des FBI sind 20 Prozent Frauen. Sie nehmen an der ganzen Palette von TacOps-Aktivitäten teil. Dazu gehören die Durchführung verdeckter Einbrüche, der Dienst in Umkreisüberwachungsteams und die Teilnahme an „schnellen Eingreifteams“, die herbeieilen, um eine gefährliche Situation unter Kontrolle zu bringen.

Um Agenten eine glaubwürdige Tarnung zu geben, dürfen Männer und Frauen zusammen unterwegs sein und Händchen halten. Grever sagt jedoch: „Anders als in den James-Bond-Filmen dürfen unsere Agentinnen eine Zielperson jedoch nicht mit Sex manipulieren oder kontrollieren, und sie werden auch nicht dazu aufgefordert.“ „Ein Flirt und ein Lächeln zum richtigen Zeitpunkt sind absolut in Ordnung, aber nichts Körperliches.“

Bei der Durchführung von Überwachungen dürfen Agenten jede Art von Auto benutzen – ein Feuerwehrfahrzeug, einen Rolls-Royce oder ein Postauto. Den Agenten werden ihre Einsätze auf Zufallsbasis zugewiesen. „Man kann ebenso gut dem Robert-Hanssen-Fall wie dem Aldrich-Ames-Fall, dem John-Gotti-Fall, dem Umar-Abdulmutallab-Fall oder dem Zacarias-Moussaoui-Fall zugewiesen werden“, sagt Grever.

Im Lauf der Jahre hat das FBI erfolgreich verdeckte Einbrüche in der russischen und chinesischen Botschaft oder in anderen offiziellen diplomatischen Vertretungen dieser Länder sowie in den Privatimmobilien ihrer Diplomaten und Geheimdienstoffiziere durchgeführt. Da es sich offensichtlich um geheime Vorgänge handelt, wollen Grever und andere aktuell beim FBI tätige Agenten über diese Einsätze nicht sprechen. Beim Einbruch in eine Botschaft versucht das FBI vielleicht, einen Insider aufzubauen, der beim Einbruch hilft. Wenn ein Einbruch gelungen ist, sind Codebücher oder elektronische Verschlüsselungscodes die größte Beute.

Agenten in den TacOps-Teams haben sogenannte tiefe Decknamen. Das bedeutet, dass bei einer Kontrolle ihres Führerscheins oder ihrer Sozialversicherungsnummer die entsprechenden Behörden ihre fiktive Identität bestätigen werden.

„Wenn unsere Leute zu Hause bei ihren Familien sind, heißen sie einfach Spezialagent 8 John oder Jane Doe, aber sobald sie das Haus verlassen und insbesondere wenn sie im Einsatz sind, wird aus ihnen Jim Brown, Hector Garcia oder Andrea Simmons. Dazu gibt es dann auch alle entsprechenden Dokumente, einschließlich Führerschein, Pass und Kreditkarten, die auf den Decknamen ausgestellt sind, sowie die passenden Geschichten, einschließlich einer falschen Familie, eines falschen Berufs und einer falschen Biografie, wobei all dies voll legendiert wird“, sagt Grever.

Bei ihrer Rückkehr nach Hause stellen die verdeckt ermittelnden Agenten sicher, dass ihnen niemand gefolgt ist. Wenn sie wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von der Polizei angehalten werden, geben sie sich nicht als Agenten zu erkennen.

Das nötige Zubehör für verdeckte Einsätze wird durch ein FBI-Programm zur Verfügung gestellt, das den Codenamen Stagehand trägt. Wenn bei verdeckten Ermittlungen zwei Millionen US-Dollar in bar als Vorauszahlung nötig sind, wird die Summe von Stagehand bereitgestellt. Wenn eine Jacht oder ein Flugzeug als Requisite gebraucht wird, kann Stagehand eines besorgen, das in einem Kriminalfall beschlagnahmt wurde. Stagehand gründet Unternehmen als Deckadressen, damit Agenten Visitenkarten aushändigen können, die zeigen, dass sie dort arbeiten. Die Unternehmen haben echte Büros mit Personal, das tatsächlich für das FBI arbeitet. Stagehand gründet auch Unternehmen als Deckadressen, damit Agenten Zugang zu einem Zielobjekt bekommen.

„An einem Tag sind wir Joe’s Plumbing9, komplett ausgestattet mit einem weißen Lkw, Firmenaufschrift, Arbeitskleidung und Telefonnummer“, sagt Grever. „Wenn jemand anruft, meldet sich das FBI-Personal und sagt: ‚Joe’s Plumbing, was kann ich für Sie tun?‘ An einem anderen Tag sind wir Joe’s Survey and Excavations Services10, wobei auf dem gleichen hohen Niveau eine Legendierung erfolgt.“

Eine vollständige Garderobe mit etwa 50 verschiedenen Uniformen hängt auf Kleiderständern im TacOPs Support Center. Ein Grafikexperte entwirft maßgeschneiderte Uniformen, gefälschte Ausweise und Abzeichen sowie Folien mit gefälschten Nummernschildern für Lkws. Die Agenten geben sich als Aufzugkontrolleure, Feuerwehrleute oder Angestellte der Stadtwerke aus. Alternativ können sie sich auch als Touristen ausgeben, indem sie kurze Hosen tragen und Schnappschüsse machen. Sie könnten auch als Obdachlose auftreten und lumpige Kleidung tragen. Die Agenten ziehen bevorzugt Kleidung in Übergröße an, damit sie darin ihre Einbruchswerkzeuge verstecken können. Und sie gehen bei Einbrüchen mit gezogener Waffe in das Gebäude.

„Normalerweise üben wir Tarngeschichten im Voraus ein“, sagt Grever. „Wenn einer von uns verhört wird und eine Tarngeschichte erzählt und ich im Anschluss daran verhört werde, könnte ich sonst vielleicht eine andere Geschichte erzählen.“

Um ethische Probleme zu vermeiden, geben TacOps-Agenten sich nicht als Mitglieder des Klerus oder als Journalisten aus. Sie dürfen sich aber als Telefonservicetechniker oder als FedEx- oder UPS-Boten ausgeben. Allerdings versuchen sie, möglichst nicht als Angestellte eines echten Unternehmens aufzutreten, denn bei kritischer Nachfrage „kann unsere Tarngeschichte schnell zusammenbrechen, wenn jemand seine örtliche FedEx- oder UPS-Niederlassung anruft und fragt, ob wir wirklich dort arbeiten“, sagt Grever. Wenn die Identität eines TacOps-Agenten aufgedeckt wird, weil er oder sie vor Gericht über einen Einbruch aussagen muss, dann kann dieser Agent nicht mehr in Teams arbeiten, die verdeckte Einbrüche durchführen.

Die Strategie- und Notfallpläne für jeden Einbruch werden in Einsatzbefehlen dargelegt. Die Agenten müssen die gerichtliche Anordnung, die den Einbruch genehmigt, lesen, damit sie genau wissen, was sie tun dürfen und was nicht.

Ein erfolgreicher Einsatz erfordert eine wochenlange Planung – zur Bestimmung der zeitlichen Abläufe und Gewohnheiten der Bewohner, zur Prüfung der Alarme und Überwachungssysteme, die ausgeschaltet werden müssen, sowie zur Planung von Fluchtstrategien.

Die Agenten von TacOps und von den örtlichen Außenstellen sind in vier Gruppen unterteilt: erstens eine Überwachungsgruppe, die den Ort gründlich ausspäht und prüft; zweitens eine Technikgruppe, die Schlösser und Safes knackt und Post öffnet; drittens eine Elektronikgruppe, die sich auf Computer und Blackberrys konzentriert; viertens eine „Flaps and Seals“-Gruppe, die sich auf spezielle Methoden konzentriert, die die Bewohner verwenden könnten, um Eindringlinge zu entdecken. Diese Gruppe ist auch für die Wiederherstellung des Zielobjekts zuständig, indem sie sicherstellt, dass das Team keine Spuren hinterlässt, die auf die Anwesenheit von Agenten hindeuten. An einem Einsatz können über 100 Agenten beteiligt sein.

„Wir schicken Agenten hin und sie beobachten tagelang das Zielobjekt sowie den Lebensrhythmus der Bewohner, bei Tag und Nacht, an Wochenenden und Werktagen“, sagt Grever. „Wir interessieren uns für die Schlafgewohnheiten der Leute und dafür, wann sie sich in der Tiefschlafphase befinden, sodass ein lautes Geräusch sie nicht unbedingt aufweckt. Wir verfolgen alles, weil – das ist jetzt nicht melodramatisch ausgedrückt – unser Leben davon abhängt.“

Manchmal setzt das FBI fingierte Preise aus, um die Bewohner zum Verlassen des Zielobjektes zu bringen.

„Wir geben den Leuten die Gelegenheit, zu reisen und exotische Dinge zu tun“, sagt Grever. „‚Sie haben im Lotto gewonnen! Sie haben eine Reise, ein Gratis-Abendessen gewonnen! Glückwunsch, wir haben Ihre Visitenkarte aus einem Behälter gezogen!‘ Natürlich war das kein Glück. Das waren wir mit unserem Versuch, eine Gelegenheit zu bieten.“

Um Geräusche zu verdecken oder die Aufmerksamkeit von Beobachtern abzulenken, kann das FBI auch mit Müllautos durch die Straßen fahren und Krach mit den Mülleimern machen. Es kann auch einen Holzhäcksler anschalten oder mit einem Presslufthammer auf ein Stück Beton losgehen, das an den jeweiligen Ort geliefert und auf der Straße abgeladen wurde. Es kann Hochdruckwasserdüsen zur Reinigung der Bürgersteige verwenden und so die Passanten in die Flucht schlagen. Die Agenten können die örtliche Polizei hinzuziehen, die ihre Streifenwagen mit Blinklicht in der Nähe parken. Wenn die Passanten ein Polizeiauto sehen, werden sie annehmen, dass die Person, die eine Leiter erklimmt, um in eine Wohnung oder in ein Büro einzubrechen, kein Einbrecher sein kann.

Die Agenten können auch aus der Ferne das Bild auf Video-überwachungsanlagen einfrieren, sodass Wachleute, die nach Eindringlingen Ausschau halten, diese nicht sehen. Während des Einsatzes tut mindestens einer der Agenten nichts anderes, als die Fenster und Türen zu beobachten, um sicherzustellen, dass niemand kommt. Den Zeitraum, während dessen sie sich innerhalb einer Überwachungsanlage befinden oder Schlosssysteme knacken, bezeichnen die TacOps-Agenten als die „Expositionszeit“.

Zwar sind Wachleute ein Problem, aber „am meisten fürchten wir uns offen gesagt vor unschuldigen Dritten wie einem Nachbarn mit einem Schlüssel zu dem Anwesen und einer Waffe“, sagt Grever. Vielleicht ist ein Verdächtiger übers Wochenende verreist und lässt seinen Schlüssel bei einem Nachbarn.

„Der Nachbar ist vielleicht neugierig und sitzt untätig herum“, sagt Grever. „Wenn er etwas Ungewöhnliches hört, versucht er, das Eigentum des Nachbarn mit einer Waffe zu verteidigen, anstatt dass er die Polizei ruft. Das ist dann der Moment, wenn die Tennisschuhe, mit denen man schnell weglaufen kann, sehr praktisch sind.“

Wenn der Nachbar die Polizei ruft, ist das nicht unbedingt schlecht: Das FBI fragt die Entsendung von Polizisten ab und fordert normalerweise die Hilfe von örtlichen Polizisten an, die gemeinsamen Einsatzgruppen zugewiesen sind. Dann taucht nicht das entsendete Polizeiauto auf, sondern ein mit dem FBI verbundener Polizist erscheint auf der Bühne und gibt vor, eine Anzeige aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Agenten längst fort.

Als Sicherheitsvorkehrung bringen die Agenten Geräte mit, mit denen man unter Türen hindurchsehen kann. Sie prüfen, ob irgendwo Sprengstoff ist und ob radioaktive oder biologische Gefahren bestehen. In einigen Fällen soll mithilfe des Einbruchs festgestellt werden, ob Verdächtige Bomben bauen oder Massenvernichtungswaffen entwickeln, wie es während der Ermittlungen im Fall der mit Milzbranderregern verseuchten Postsendungen der Fall war.

Drogendealer deponieren in ihren Gebäuden versteckte Sprengsätze, um Konkurrenten und Diebe abzuwehren. Sie manipulieren zum Beispiel eine Glühbirne, sodass diese beim Einschalten explodiert und Benzin oder Dynamit entzündet.

Anstatt bei Nacht in ein Bürogebäude oder eine staatliche Einrichtung einzubrechen, können die Agenten auch ein sogenanntes „Einsperren“ inszenieren. Sie verstecken sich im Inneren des Bürogebäudes, bis die Angestellten es am Abend verlassen haben, und brechen dann in das anvisierte Büro ein. Dabei verstecken sie sich vielleicht in einer Abstellkammer neben dem Telefonverteilerkasten oder oben auf einem Aufzug. In einem solchen Fall, bei dem es um Terrorismus ging, fuhren TacOps-Agenten stundenlang auf einem Aufzug auf und ab.

„Das Gebäude wurde schließlich für die Nacht abgeschlossen“, erinnert sich Grever. „Überwachungsteams im Freien und in benachbarten Hochhäusern, wo wir Räume angemietet hatten, konnten das Gebäude beobachten und die Bewegungen des Sicherheitspersonals melden. Als der richtige Zeitpunkt gekommen war, holten wir unseren Aufzug auf das Stockwerk, das genau unter unserem Ziel lag. Dabei verwendeten wir Regler, die wir aus der Ferne bedienen konnten, indem wir sie an die Steuerschaltungen des Aufzugs anschlossen. Wir verwendeten unsere eigenen Aufzugsteuertasten, öffneten die Türen von innen und machten uns unentdeckt in unseren anvisierten Büros an die Arbeit.“

Nach getaner Arbeit positionierten die Agenten sich wieder oben auf dem Aufzug und warteten darauf, dass das Gebäude am Morgen geöffnet wurde.

„Nachdem wir wieder unsere Businesskleidung angezogen hatten, gingen wir mit den anderen Leuten hinaus, die das Gebäude an diesem Morgen besuchten“, sagt Grever.

In einigen Fällen werden Agenten in einem verschlossenen Versandkarton zu einem Gelände befördert. Mitten in der Nacht kommen sie wie Soldaten aus einem trojanischen Pferd heraus und brechen in das Zielobjekt ein. So wird zum Zweck des Einbruchs in ein Haus zum Beispiel ein Agent in einem verschlossenen Kühlschrankkarton vor die Eingangstür befördert. Dort schützt der Karton ihn vor den Blicken der Passanten, während er an den Schlössern arbeitet. „Normalerweise bauen wir Transportbehälter, die nicht einmal die misstrauischsten Fracht- oder Hafenarbeiter ohne viel Mühe und hohen Zeitaufwand öffnen könnten“, sagt Grever. „Selbst wenn sie versuchen würden, unseren Transportbehälter zu öffnen, würde unsere Eingreiftruppe – herbeieilende uniformierte FBI-Agenten – rechtzeitig da sein, um eine Konfrontation zu verhindern.“

Um sicherzustellen, dass die Agenten nicht erwischt werden, sorgt TacOps dafür, dass Agenten von Außenstellen oder spezielle Überwachungsteams – man nennt sie „Keyholder“ – den Bewohnern von Häusern oder Personen aus Büros folgen. Sie werden beobachtet, um zu sehen, ob sie nicht zurückkehren. Falls dies der Fall ist, teilen die Agenten, die ihnen folgen, per Funk mit, dass sie zurückkommen, und schätzen, wie lange es dauert, bis sie vor Ort sind. Die Agenten, die in dem Anwesen tätig sind, kennen ihre eigene „Abbauzeit“, das heißt, wie lange sie brauchen, um ihre Ausrüstung zusammenzupacken und spurlos zu verschwinden.

„Wenn die Abbauzeit fünfzehn Minuten beträgt und die Zielperson fünf Minuten entfernt ist, dann haben wir einen Plan, wie wir sie aufhalten können“, sagt Grever. „Da wir uns in unserem eigenen Terrain befinden, können wir die Polizei, die Feuerwehr, Beamte mit Zuständigkeit für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit, das Amt für Stadtreinigung oder die US-amerikanische Post einschalten.“

Vielleicht gebe es einen „plötzlichen Verkehrsstau“, sagt Grever. Oder es könnte einen „Unfall direkt vor ihnen geben, oder die Polizei könnte sie anhalten. Es könnte eine kleine örtliche Naturkatastrophe geben – ein Feuerwehrhydrant wird angeschaltet und überflutet die Straße, und dann müssen sie den Rückzug antreten.“ Eine weitere Strategie besteht darin, die Luft aus Reifen herauszulassen.

Während eines Einbruchs hat ein Agent die Aufgabe sicherzustellen, dass anschließend wieder der Normalzustand hergestellt wird. Zu Beginn des Einsatzes fotografiert er die Räume, sodass alles wieder an seinen Platz zurückgestellt werden kann. Wenn ein Stuhl oder Sofa weggerückt werden soll, befestigen die Agenten zunächst Klebeband auf dem Boden, um die Position der Beine zu markieren.

„Ausgebildete Auslandsgeheimdienstoffiziere stellen Fallen, die sie vor einem Einbruch warnen, indem sie eine Tür in einem bestimmten Winkel offen stehen lassen oder Zeitungen auf eine bestimmte Weise anordnen“, bemerkt Grever. Manchmal wird eine bestimmte Schublade an einem Schreibtisch nie geöffnet, aber im Inneren wird ein Gegenstand aufgestellt, der beim Öffnen der Schublade durch einen Eindringling umfällt und so einen Hinweis auf den Einbruch gibt. Das FBI arbeitet mit der CIA zusammen und befragt Überläufer, um etwas über die speziellen Methoden zu lernen, die die Gegner zur Aufdeckung von FBI-Einbrüchen verwenden. Alle 14 Tage trifft Grever sich mit seinen Kollegen von der CIA, um Erfahrungen mit den neuesten Abhör-und Überwachungsgeräten auszutauschen.

Damit nichts zurückbleibt, wird jedes bei einem Einsatz verwendete Werkzeug nummeriert und markiert, um es dem jeweiligen Agenten zuzuordnen, der es verwendet. Bevor die Agenten gehen, machen sie eine Bestandsaufnahme, um sicherzustellen, dass sie alle ihre Werkzeuge haben. Die Agenten nehmen einen kleinen Rechen, um Spuren zu beseitigen, die ihre Schuhe auf Teppichen hinterlassen haben könnten.

„Wir verwenden eine Speziallampe, um zu sehen, ob Staubspuren verwischt wurden oder nicht“, sagt Grever. „Wir haben auch einen Staubvorrat dabei. So können wir etwas zusätzlichen Staub streuen, wenn das nötig ist, um alles so aussehen zu lassen, wie es war.“

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OMERTÀ

FÜR TACOPS-AGENTEN, DIE IN PRIVATIMMOBILIEN, BÜROS UND Botschaften einbrechen, stellen Hunde die größte Gefahr dar. Dabei kann es sich entweder um Wachhunde oder Haustiere handeln. Beide bedeuten Ärger.

„Wenn ein Hund bellt, ist das ein ebenso großes Problem, wie wenn ein Alarm angeht“, sagt Louis Grever. „Es gibt verschiedene Methoden, mit Tieren umzugehen, aber die wichtigste besteht darin, ihnen aus dem Weg zu gehen, soweit dies möglich ist.“

Unter Umständen freunden die Agenten sich über den Zeitraum einiger Wochen mit den Hunden an, indem sie diese füttern. Während eines Einsatzes können sie die Hunde in schalldichte Käfige sperren, die mit Futter und Wasser ausgestattet sind. Oder sie sedieren die Hunde mit einem Sedierungspfeil aus einer Betäubungswaffe. Wenn der Einsatz beendet ist, geben sie ihnen eine Aufwachspritze. Die jeweilige Dosis wird im Voraus von einem Vertragstierarzt festgelegt.

„Wir stellen dem Tierarzt Bilder und eine Beschreibung des betreffenden Hundes zur Verfügung“, sagt Grever. „Unter Berücksichtigung von dessen Größe und Alter teilt der Arzt uns mit, welches Mittelchen wir für ihn mischen müssen. Wir haben einen Koffer mit allen Narkotika und Sedativa dabei. Es geht absolut nicht darum, den Hund zu töten, denn damit würden wir riskieren, entdeckt zu werden.“

Auf einen besonders aggressiven Hund können die Agenten auch einen Feuerlöscher richten. Der Strahl erschreckt ihn und vereist ihm die Nase. Wenn er ein paar Stöße abbekommen hat, reicht es schon, dem Hund den Feuerlöscher nur zu zeigen, damit er mit eingezogenem Schwanz wegrennt. Bei einem Einbruch in einen Mafia-Treff in New York ging die Füllung des Feuerlöschers aus. Ein geistesgegenwärtiger Agent machte ein zischendes Geräusch wie ein Feuerlöscher, und das reichte, um den Hund fernzuhalten.

Ein anderer wilder Hund wurde nach wiederholten Stößen aus einem Feuerlöscher sanftmütig. Später in der Nacht spielte er mit den Agenten, indem er ihnen Spielzeug und Stofftiere brachte, die sie ihm während der Arbeit zum Apportieren zuwarfen.

„Das einzige Problem war, dass er eines seiner kleinen Stofftiere zerriss und wir das alles mit dem Staubsauger beseitigen mussten, bevor wir gingen“, sagt Grever. „Wir haben einen ziemlich teuren, sehr leisen Staubsauger in einem Rucksack dabei, und wir machen sauber, während wir dort sind. Aber wir übertreiben es nicht, denn wir wollen, dass der Ort bewohnt aussieht.“

Als die Agenten in der Wohnung eines wichtigen Drogendealers Wanzen installieren mussten, stellten sie fest, dass diese ein französisches Fichet-Schloss hatte, zu dem ein zehn Zentimeter langer Schlüssel gehörte. Das Knacken des Schlosses hätte also eine Weile gedauert. In der Zwischenzeit hätten Mieter aus den Nachbarwohnungen kommen und die Agenten sehen können. Also kletterten McDevitt und sein Partner Mike Uttaro im Schutz der Dunkelheit auf das Dach des vierstöckigen Hauses und seilten sich ab. Sie landeten auf dem Balkon des Drogendealers im Dachgeschoss.

Die beiden TacOps-Agenten – die als „die beiden Mikes“ bezeichnet wurden – waren schmutzig, weil sie auf dem Dach gewesen waren, und in der Wohnung des Drogendealers lag ein weißer Teppich. Bevor sie die Wohnung betraten, zogen sie also ihre Sneakers aus. Dabei ließ Uttaro versehentlich einen seiner Sneakers fallen, und dieser fiel aus dem vierten Stock hinunter.

„Ein Hund spielte verrückt und ein Wachmann tauchte auf“, sagt McDevitt, der über 2.000 verdeckte Einbrüche durchführte und später zum Chef von TacOps wurde. „Einer unserer Überwachungsagenten sah das, raschelte im Gebüsch und machte sich dann aus dem Staub. Der Wachmann nahm an, dass der Hund die Person im Gebüsch angebellt hätte.“

In einem anderen Fall wollten die Agenten einen Hund im Haus eines wichtigen Mafia-Mitglieds fangen, aber als sie den Hund gefangen hatten, rannte eine Katze hinaus.

„Katze ist gerade zum Ausgang raus und rennt in Richtung Westen auf der Straße“, funkte ein Agent. „Farbe grau, etwa sieben Kilo schwer.“

„Roger, wir sind ihr auf der Spur“, funkte ein anderer Agent zurück.

Die TacOps-Agenten waren mit Nachtsichtbrillen ausgerüstet und sie sahen immer wieder zu den Fenstern hinaus, ob andere Agenten die Katze gefunden hatten. Wäre die Katze nicht gefangen worden, dann hätte die Zielperson erkennen können, dass das FBI eingebrochen hatte, womit der ganze Fall gefährdet worden wäre. Nach einer Stunde funkte ein Agent: „Katze gefangen!“

Die Agenten brachten die Katze ins Haus. Doch der Hund fing an zu bellen, und die Katze fauchte. Die Agenten dachten, dass die beiden sich wegen des Einbruchs aufregen würden.

„Das Einbruchsteam geht zurück ins Hotel und legt sich schlafen“, sagt Grever. „Wenn man die ganze Nacht gearbeitet hat, braucht man etwas Schlaf. Das Schlimmste, was einem dann passieren kann, ist, dass man dann einen Anruf bekommt und erfährt, dass es ein Problem gibt. Normalerweise geschieht dies am nächsten Tag, wenn das Morgen-Team kommt und die Mikrofone und die Kamera angeschaltet sind. Eine seiner ersten Aufgaben ist es, festzustellen, ob jemand eine Brieftasche im Haus gefunden hat oder denkt, dass ein Stuhl kaputt ist.“

In diesem Fall wurde das Einbruchsteam herbeigerufen und man sagte ihm, dass es ein Problem gebe.

„Ihr habt alles perfekt gemacht“, sagte ein Agent, der das Haus observierte, zu ihnen. „Mit einer Ausnahme: Das war die falsche Katze!“

„Diese Katze ist sofort ein paar Vorhänge raufgeklettert und hing oben in den Vorhängen, und unten lief der Hund herum und wartete darauf, dass die Katze irgendwann müde werden und herunterfallen würde, sodass er auf sie losgehen konnte“, sagt Grever.

Als die Bewohner am nächsten Tag von einer Reise zurückkamen, entdeckten sie eine fremde Katze in ihrem Haus.

„Dass jemand in ihr Haus eingebrochen ist, die Katze rausgelassen hat, eine andere reingetan hat und dann wieder ging, ohne etwas mitzunehmen – das ist allerdings das Letzte, woran diese Leute denken würden“, betont Grever. „Sie erklärten es sich also, indem sie sich sagten, dass die Katze wohl durch eine kleine Tür entwischt sein musste, durch die der Hund ins Freie konnte. Sie dachten, dass diese andere Katze auf die gleiche Weise ins Haus gekommen sein musste; und sie taten es als ziemlich normal ab.“

In einem Fall in Tampa war die beste Zeit, um in das Haus der Zielperson einzubrechen, der Nachmittag zwischen 14.30 Uhr und 15.30 Uhr. Da die Agenten leicht zu sehen waren, fuhren sie einen Sattelschlepper vor das Haus, um es vor den Blicken der gegenüber wohnenden Nachbarn abzuschirmen. Doch als der Sattelschlepper in die Siedlung fuhr, blieb er oben in Telefonkabeln hängen. Der Agent, der den Sattelschlepper fuhr, funkte das diensthabende Überwachungsteam an. Diese Agenten liefen los und versuchten, den Sattelschlepper zu befreien. In diesem Moment tauchte plötzlich ein Schulbus voller Kinder auf.

Unterdessen versuchte ein Nachbar in derselben Straße, der mit der Zielperson befreundet war, aus der Siedlung hinauszufahren. Er sah fünf Agenten an einem Seiteneingang des Hauses der Zielperson, das zum Verkauf stand. Der Freund hielt an und fragte, was sie machten. Als der TacOps-Agent Mike Uttaro ihm sagte, dass sie am Kauf des Hauses interessiert seien, fragte er: „Braucht man etwa fünf Leute, um ein Haus zu besichtigen?“

„Dieses Haus ist in einem miserablen Zustand und wir haben Techniker und Immobiliengutachter dabei, um es zu untersuchen“, sagte Uttaro. „Wir haben um drei einen Termin mit dem Makler.“

Obwohl er immer noch misstrauisch war, fuhr der Mann weg. Die Agenten konnten also einbrechen und das Haus durchsuchen.

Bei ihren Einbrüchen in Häuser sind die Agenten schon auf Giftschlangen und wilde Tiere in Käfigen gestoßen. „Einmal betrat ich ein Haus mit gezogener Waffe, und da waren zwei Käfige mit Orang-Utans, und sie spielten verrückt“, erzählt Uttaros Partner, Mike McDevitt. „Ich höre all den Lärm und habe eine Stiftlampe im Mund, und als ich meinen Kopf drehe, sehe ich nur diese orangefarbenen Augen, die mich anblicken. Es war ein Jaguar in einem Käfig.“ In einem anderen Fall fanden die Agenten einen Mann, der mit einer Pistole auf dem Bauch auf dem Sofa schlief. Auf dem Boden vor ihm befanden sich ein Gewehr und eine Whiskyflasche.

„Er war bewusstlos“, sagte McDevitt. „Ich erinnere mich daran, wie ich in dieser Nacht dalag, die Szene anstarrte und mir genau überlegte, was ich tun würde, falls er aufwachen sollte“, sagt McDevitt. „Ich würde mich nicht ausweisen können. Da er betrunken war, hoffte ich, dass ich ihm einen Stoß versetzen könnte und er wieder umfallen würde.“

Uttaro, der mehr als 4.000 verdeckte Einbrüche durchführte, installierte einmal Wanzen in Deckenplatten, wobei er auf 3,5 Meter hohen Stelzen herumlief. Er stolperte und stürzte fast durch ein Fenster im obersten Geschoss des Chrysler Building in New York. Ein anderes Mal schnitt McDevitt versehentlich in elektrische Kabel in der Bronx, sodass die Funken flogen.

In einem anderen New Yorker Fall brach McDevitt in die Wohnung eines Mafia-Mitglieds ein, das gerade einen Auftragsmord plante. Pistolen, Gewehre und Schrotflinten lagen auf einem Sofa. Als McDevitt und ein Technikagent von der Außenstelle ihre Arbeit taten, hörten sie ein Geräusch, das von der anderen Seite der Wohnungstür kam. Wie sich herausstellte, war die Person außerhalb der Wohnung der Auftragsmörder, und er betrat kurz darauf die Wohnung mit einem Schlüssel.

Es gab kein Versteck, also rannten McDevitt und der andere Agent ins Badezimmer und schlossen die Tür. Sie entschlossen sich, so zu tun, als würden sie dorthin gehören.

Um diesen Eindruck zu erwecken, zog der Technikagent sein Hemd aus und ließ das Wasser am Waschbecken laufen. McDevitt sprang in die Badewanne und zog den Duschvorhang zu. Durch eine Öffnung in dem Vorhang beobachtete der das Geschehen im Badezimmerspiegel, wobei er seine Waffe im Anschlag hatte.

Der Auftragsmörder hörte das Wasser laufen und klopfte an die Badezimmertür. Der andere Agent öffnete die Tür einen Spalt weit.

„Wer sind Sie?“, fragte der Mann.

„Und wer zum Teufel sind Sie?“, erwiderte der Agent von der Außenstelle.

„Ich habe die Hüllen für die Flinten gebracht“, sagte der Auftragsmörder.

„Der Kerl dreht sich um und fragt: ‚Können Sie abschließen, wenn Sie gehen?‘“, sagt McDevitt.

„Klar“, erwiderte der Technikagent. Der Auftragsmörder ging und die beiden Agenten setzten ihre Arbeit fort, indem sie die Überwachungskameras und die Wanzen installierten.

Anstatt Gegenstände mit eingebauten Wanzen in die Räume zu bringen, können die Agenten auch ein winziges Mikrofon oder eine Kamera in einer Wand installieren. Dabei lassen sie in der Wand ein kleines Loch für das Gerät und überstreichen die Stelle mit einer speziellen schnell trocknenden Farbe, die genau der Wandfarbe entspricht.

„Wir haben ein Farbvergleichsprogramm auf einem unserer Computer, sodass wir die Farbe direkt vor Ort anmischen können, um die Stelle zu überstreichen“, sagt Grever.

Durch die Installation von Mikrofonen oder Kameras kann das FBI Töne oder Bilder durch Lichtstrahlen in Glasfasersträngen übertragen, die so fein wie ein menschliches Haar sind. Daher können Entwanzungsexperten keine elektronischen Emissionen im Raum entdecken.

Aufzugschächte sind ein besonders beliebter Ort, um dort Wanzen zum Abhören von Gesprächen zu installieren. Die Herstellung der Abhörgeräte erfolgt entweder durch die Technische Forschungseinrichtung oder wird an andere Einrichtungen wie die Sandia National Laboratories ausgelagert, die neue Technologien zum Abhören von Gesprächen entwickeln.

Die Audio- und Videogeräte werden aus der Ferne über verschlüsselte kabellose Übertragungswege überwacht. Man kann mit Videogeräten nicht nur aufnehmen, wie Geld den Besitzer wechselt, sondern auch Tastenanschläge auf einer Computertastatur aufzeichnen.

TacOps-Agenten können auch versteckte Software auf dem Computer einer Zielperson installieren, um eine zukünftige Verschlüsselung zu deaktivieren. Normalerweise können Abhörgeräte aus der Ferne gesteuert werden. Manchmal hören Agenten, dass Entwanzungsexperten ein Büro oder eine Privatimmobilie durchforsten. Die Experten finden fast nie etwas.

„Wenn man weiß, dass ein Entwanzungskommando im Anmarsch ist, kann man ihm leicht ausweichen“, sagt Grever. „Sie suchen nach den verräterischen Spuren von Elektronik – zum Beispiel Funkwellen. Entweder schaltet man das Gerät aus der Ferne aus oder man versteckt es so gut, dass sie bei der Suche fast einen Schaden anrichten müssen, um es zu finden.“

Wenn ein Einsatz beendet ist, machen die Agenten eine Einsatzbesprechung mit den Kollegen im Support Center, und die Operation wird im Einzelnen analysiert.

In den Anfangstagen des Programms waren die finanziellen Ressourcen knapp. Selbst der Kauf von Dietrichkoffern stieß auf bürokratische Hindernisse.

Agent James Kallstrom kämpfte mit der Zentrale, um die notwendigen finanziellen Mittel zu bekommen, und zwar sowohl in New York als auch später, als er Chef der Technikabteilung in Washington war.

„Sag mir, was du brauchst, und wir beschaffen es“, sagte Kallstrom laut McDevitt zu den Agenten.

In den frühen 1980er-Jahren musste die New Yorker Außenstelle schnell eine Wanze im Haus eines Mafia-Mitglieds installieren, aber es war kein Abhörgerät verfügbar. Die Agenten entschlossen sich also, eine Wanze wieder zu entfernen, die bereits im Hotelzimmer eines anderen Mafioso, eines Mitglieds des Bonanno-Clans, am Times Square installiert worden war.

Das Problem war folgendes: Die Mafia nutzte das Hotelzimmer als sicheren Rückzugsort. Es war also immer ein Gangster vor Ort. Der Aufsichtsführende Agent Joe Cantamessa erfand eine List. Er sagte zu Uttaro, der McDevitts Assistent als Chef von TacOps wurde, sich als Mafia-Mitglied auszugeben und an die Tür des Mafioso zu klopfen. Der Mann öffnete dann auch tatsächlich die Tür – ohne ein Hemd zu tragen.

Uttaro behauptete, dass er ihm Geld schulde. Da er aus einer sizilianischen Familie stammte, konnte er sogar einige sizilianische Wörter einstreuen, um Eindruck zu machen.

„Ich sagte zu ihm, dass ich da sei, um mein Geld zu holen, und nannte Namen von italienischen Nachbarn, mit denen ich aufgewachsen war“, sagt Uttaro. „Er sagte, er wisse nicht, wovon ich redete, aber er fragte, ob ich mit Tony darüber gesprochen hätte. Er versuchte tatsächlich, hilfsbereit zu sein.“

Nach ein paar Minuten ging Uttaro. Dann klopfte Agent Cantamessa an die Tür des Mannes. Er zeigte seinen FBI-Ausweis und sagte, er brauche den Mafioso zur Identifizierung des Mannes, der gerade an seine Tür geklopft habe.

Der Mafioso war einverstanden, und Cantamessa führte ihn auf die Straße hinaus, wo die Agenten eine Show abzogen, indem sie so taten, als würden sie Uttaro festnehmen. Dabei verprügelten sie ihn sogar ein wenig.

„Sie stießen mich gegen eine Mauer und traten mich in die Schienbeine“, sagt Uttaro. „Ich beklagte mich lauthals schreiend über die Brutalität der Polizei und sagte, dass man sie alle ins Gefängnis stecken müsse.“

Unterdessen schlichen andere Agenten in die Wohnung des Mannes und holten das benötigte Abhörgerät.

Als die TacOps-Agenten morgens um zwei das Haus von CIA-Offizier Aldrich Ames betraten, stellten sie fest, dass das Endstück eines Schlüsselrohlings in das Schloss der zum Untergeschoss führenden Tür gesteckt worden war, offenbar um einen Einbruch zu verhindern. Sie schafften es, ihn zu entfernen und Ames’ Alarmsystem zu deaktivieren. Im Gegensatz zu Ames’ Sicherheitsvorkehrungen hatte der FBI-Agent Robert Hanssen zwar ein Alarmsystem, aber als die TacOps-Agenten tagsüber einbrachen, stellten sie fest, dass er es vor dem Verlassen des Hauses nicht eingeschaltet hatte. Das einzige Problem bestand darin, den Überblick über das Kommen und Gehen seiner Kinder zu behalten.

Oft ist ein verdeckter Einbruch der Wendepunkt in einem Fall.

„Bei einigen Mafia-Figuren mussten wir jahrelang arbeiten, um einen hinreichenden Verdacht zu begründen, sodass wir die gerichtliche Genehmigung für einen Direktzugriff bekamen“, sagt Grever.

„Wir installierten Mikrofone und normalerweise fühlen sie sich in ihren Gesprächen so sicher, dass sie alles sagen und sich verraten. Vor Gericht werden sie sich als gesetzestreue, freundliche Bürger darstellen. Wenn man sich aber diese Gespräche anhört oder sich die Treffen ansieht, dann weiß man schnell, was ihre Absichten sind.“

Nachdem das FBI jahrelang gewartet hatte, um einen hinreichenden Verdacht glaubhaft zu machen, konnte es Mikrofone im Ravenite Social Club in Manhattan installieren, wo John Gotti, der Chef des sogenannten Gambino-Clans, herumlungerte.

„Was diesen Fall angeht, erinnere ich mich an die Nacht, als die Anrufe reinkamen: ‚Das Zielobjekt wird aufgemacht‘“, sagt Grever. „Unsere Leute rannten auf ihre Positionen.“

Die Agenten installierten Mikrofone an Wandlampen neben einem Tisch in einem Hinterzimmer des Treffpunkts, in einem Flur und in einer Wohnung im Obergeschoss. Das Schöne an der Umwandlung einer Steckdose oder einer Lampe in ein Abhörgerät ist, dass es über seine eigene Stromversorgung verfügt. Man muss also das Gebäude nicht noch einmal betreten, um die Batterien zu wechseln.

Man hörte auf den Bändern, wie Gotti sich gegenüber anderen Mafiosi mit seiner Macht brüstete und damit, wie viele Leute er „umgelegt“ hatte. Als Erklärung dafür, warum er den Mord an Louis DiBono, einem Gambino-„Soldaten“, angeordnet hatte, sagte Gotti auf den Bändern, dass das Mafia-Mitglied einen einfachen Fehler begangen habe: Er habe seinen Chef nicht respektiert. „Weißt du, warum er sterben muss?“, fragte Gotti, der wegen seiner teuren Kleidung unter dem Namen „Dapper Don“ 11 bekannt war, seinen Consigliere in einem auf Band aufgenommenen Gespräch, das dem Mord an DiBono im Jahr 1990 vorausging.

„Er wird sterben, weil er sich geweigert hat, zu kommen, als ich ihn rief“, sagte Gotti. „Das war alles, was er falsch gemacht hat.“

Kurz darauf wurde DiBono tot aufgefunden – mit drei Einschusslöchern in seinem Kopf.

„Innerhalb von 30 Tagen hatten wir genug Gespräche aufgenommen, um den Teflon-Don zu Fall zu bringen“, sagt Grever. „Über das FBI lässt sich vor allem eines sagen: dass wir geduldig sein können.“

Am 11. Dezember 1990 machten FBI-Agenten und Kripobeamte der New Yorker Polizei eine Razzia im Ravenite Social Club und nahmen Gotti fest. Er starb 2002 im Krankenhaus eines Bundesgefängnisses an Krebs.

Grever sagt: „Andererseits bekommen wir hin und wieder Hinweise darauf, dass jemand etwas Illegales tut, aber unsere Überwachung der Person zeigt, dass dieser Verdacht nicht auf begründeten, guten Informationen beruht. Wir können die Leute dann sehr schnell aus dem Radar nehmen und uns anderen Dingen zuwenden.“