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Erleben Sie die eindrucksvolle Lebensreise von Maria Bersch, einer wolgadeutschen Bauernmagd, die sich inmitten der Wirren der frühen Sowjetunion zu einer entschlossenen Kommunistin entwickelte. Friedrich Wolf erzählt die packende Geschichte einer Frau, die sich von schweren Schicksalsschlägen und harter Arbeit seit dem achten Lebensjahr nicht unterkriegen ließ. Vom entbehrungsreichen Alltag als Kinderarbeiterin bis zur politischen Aktivistin und Frauenorganisatorin – Maria Berschs Weg ist geprägt von Leiden, Kämpfen und Siegen. Ein bewegendes Zeugnis über Mut, Widerstandskraft und die Kraft der Veränderung in einer Zeit des politischen Umbruchs. Lassen Sie sich von der inspirierenden Erzählung einer Frau mitreißen, deren Leben eine scharfe Wende nahm und die fortan für eine gerechtere Welt kämpfte.
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Seitenzahl: 10
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Die Geschichte der Maria Bersch
Der Lebensweg einer wolgadeutschen Bauernmagd
ISBN 978-3-68912-062-7 (E–Book)
Die Erzählung ist 1934 entstanden.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
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Gewiss, der Lebensweg der Maria Bersch von der Bauernmagd, der Ziegeleiarbeiterin zur Vorsitzenden des Dorfrats, zur Organisatorin des ersten Frauenartels, zur Bevollmächtigten für Getreidebeschaffung, zum Frauenorganisator bei der Politabteilung der MTS Wiesenmüller, dieser Lebensweg ist der Weg mancher werktätigen Frau in der Sowjetunion. Und doch hat dieser Weg der Maria Bersch eine besonders scharfe Kurve genommen, damals im März 1921.
„Sie müssen wissen, bis zu diesem Tag war ich streng religiös, eine gläubige Katholikin. Ich wollte gar nicht mitgehen mit meinem Mann, der schon Parteimitglied war. Aber seit dem 23.März 1921, seit dem Tage wurde ich Kommunistin. Wie das kam?“
Vier Stunden hat sie mir erzählt, diese fünfundvierzigjährige kräftige Frau mit dem breiten, wetterbraunen, klugen Gesicht. Oft muss sie ihre Augen etwas zukneifen vor Anstrengung, wenn sie die Erinnerungen der vergangenen vierzehn schweren Jahre hervorholt.
„Das fing so an, dass meine Mutter siebzehn Kinder hatte, drüben in Mariental, auf der Bergseite der Wolga, dass ich mich schon mit acht Jahren als Kleinmagd bei Kulaken verdingen musste. Mein Vater, Heinrich Bersch, war ein Batrak, ein Knecht. Sie staunen wegen der siebzehn Kinder? Ich selbst hatte ja vierzehn. Von denen lebt nur noch eins, mein Sohn, er studiert jetzt in Engels auf dem pädagogischen Technikum. Aber dazwischen liegt viel.“
Man müsste ein ganzes Buch schreiben von dem, was diese ehemalige Bauernmagd alles erlebt hat, von ihren Leiden, Kämpfen und Siegen auf der „Bergseite“ und auf der „Steppenseite“ des deutschen Wolgagebiets.
„Also von acht bis zwölf Jahren diente ich als Kleinmagd bei Kulaken. Vom zwölften bis vierzehnten Jahr arbeitete ich in einer Ziegelei, zwölf Stunden Arbeit am Tag. Es reichte kaum zum Essen. Eine Schule habe ich damals nie besucht. Ich war Analphabetin. Mein Analphabetentum liquidierte ich erst mit vierunddreißig Jahren, als Aufräumerin in einer Sowjetschule, in Abendkursen, abends und nachts habe ich da gelernt. Vom vierzehnten bis sechzehnten Jahr, 1904 bis 1906, war ich Arbeitsmagd in einer Bauernwirtschaft. Dort verdiente ich vierzig Rubel im Jahr und ein Paar Filzschuhe.
Mit sechzehn Jahren heiratete ich meinen ersten Mann, Johannes Gossnitz. Im Sommer arbeiteten wir beide bei Kulaken in Mariental, für fünfzehn Rubel monatlich und für die Verköstigung. Im Winter sind wir oft halb verhungert. Gelegentlich bekam mein Mann Arbeit als Müllerknecht. Das ging so fünfzehn Jahre lang bis Anfang 1918.
