Die großen Western Classic 66 – Western - Howard Duff - E-Book

Die großen Western Classic 66 – Western E-Book

Howard Duff

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Beschreibung

Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Steve Morrill blickt auf die bleichen Knochen der Büffel im Talgrund und verzehrt in aller Ruhe seinen letzten Streifen Rauchspeck, als er jäh den Kopf hebt. Hinter dem steilen, hochwachsenden Kamm, aus dem der Dakotasandstein nackt heraustritt, kommen schrille Rufe auf, zwei Pferde wiehern laut, und dann dröhnt ein Geräusch zu ihm hin. Der Krach ist dumpf, aber für Morrill nichts Unbekanntes. Dort ist ein Pferd umgefallen, wahrscheinlich sogar aus voller Karriere zu Boden gestürzt. Morrill schiebt sich den letzten Rest des Rauchfleisches in den Mund, steht dann auf und geht zu seinem Pferd. Der Schimmel, ein kräftiges, ausdau­erndes Tier prustet leise. Er zieht sich mit einem Ruck in den Sattel, hält die Zügelenden locker und schlägt sie einmal von rechts nach links über den Hals des Schimmels. Sofort springt das Tier an und trägt Morrill schnell den Hang hinauf. Von hier gewinnt Morrill den Blick in das andere Tal. Morrills dunkle Augen suchen den linken Talanfang ab, dann entdeckt er auch schon die drei Männer. Und nun sieht er hinter dem letzten Pferd das straff gespannte Lasso. Am Ende des Lassos aber hängt ein Mann. Er liegt auf der Erde, seine Kleidung ist staubig und zerrissen. Morrill kann ihn genau ausmachen, während die drei Männer durch Büsche zum Teil verdeckt sind. Knapp hinter dem am Boden liegen­den Mister streckt ein braunes Pferd seine Hufe in die Luft. Es ist tot. Sein Reiter aber bewegt in diesem Augenblick lahm die Hände, strampelt dann mit den Beinen und kommt mit einem jähen Satz hoch. Der links haltende Mister zieht jetzt sein Pferd herum, und der Mann mit dem Lasso treibt seinen Gaul an. Da­durch spannt sich das Lasso scharf. Der Mann mit der zerfetzten Kleidung fliegt nach vorn und geht wieder zu Bo­den.

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Die großen Western Classic – 66 –

Flammende Spur

…in der Stadt der zweibeinigen Klapperschlangen

Howard Duff

Steve Morrill blickt auf die bleichen Knochen der Büffel im Talgrund und verzehrt in aller Ruhe seinen letzten Streifen Rauchspeck, als er jäh den Kopf hebt.

Hinter dem steilen, hochwachsenden Kamm, aus dem der Dakotasandstein nackt heraustritt, kommen schrille Rufe auf, zwei Pferde wiehern laut, und dann dröhnt ein Geräusch zu ihm hin. Der Krach ist dumpf, aber für Morrill nichts Unbekanntes. Dort ist ein Pferd umgefallen, wahrscheinlich sogar aus voller Karriere zu Boden gestürzt.

Morrill schiebt sich den letzten Rest des Rauchfleisches in den Mund, steht dann auf und geht zu seinem Pferd. Der Schimmel, ein kräftiges, ausdau­erndes Tier prustet leise.

Er zieht sich mit einem Ruck in den Sattel, hält die Zügelenden locker und schlägt sie einmal von rechts nach links über den Hals des Schimmels.

Sofort springt das Tier an und trägt Morrill schnell den Hang hinauf. Von hier gewinnt Morrill den Blick in das andere Tal.

Morrills dunkle Augen suchen den linken Talanfang ab, dann entdeckt er auch schon die drei Männer. Und nun sieht er hinter dem letzten Pferd das straff gespannte Lasso. Am Ende des Lassos aber hängt ein Mann. Er liegt auf der Erde, seine Kleidung ist staubig und zerrissen. Morrill kann ihn genau ausmachen, während die drei Männer durch Büsche zum Teil verdeckt sind.

Knapp hinter dem am Boden liegen­den Mister streckt ein braunes Pferd seine Hufe in die Luft. Es ist tot.

Sein Reiter aber bewegt in diesem Augenblick lahm die Hände, strampelt dann mit den Beinen und kommt mit einem jähen Satz hoch.

Der links haltende Mister zieht jetzt sein Pferd herum, und der Mann mit dem Lasso treibt seinen Gaul an. Da­durch spannt sich das Lasso scharf. Der Mann mit der zerfetzten Kleidung fliegt nach vorn und geht wieder zu Bo­den.

Morrill schließt die Lider zu zwei schmalen Schlitzen und sieht zu, wie der eine der drei Burschen seine Peit­sche nimmt und kurz ausholt. Die lange Treiberpeitschenschnur aus starkem Leder zischt durch die Luft und reißt dem Mann am Boden den Rock noch ein Stück mehr entzwei.

»Das gefällt mir nicht«, sagt Morrill bitter und zieht seinen Schimmel herum. Das Tier stürmt los und jagt hinter dem Dakotasandstein nach rechts. Knappe zweihundert Schritt sind es bis zum Ende dieser wellenförmigen Bodenerhebung, dann hält Morrill wieder an und sieht nun die drei Mann wirklich kommen.

Sie feuern brüllend ihre Pferde an, den kleinen Burschen am Lasso hinter sich. Der kleine Mann muß laufen, daß seine Beine kaum das Tempo halten können, das der braune Gaul des blonden Burschen in der Mitte einschlägt. Das Lasso, an dem er hängt, reißt ihn unaufhaltsam vorwärts.

Der eine Mann ganz hinten links wirbelt die Peitsche herum. Die Schnur fliegt los und ringelt sich um den linken Stiefel des kleinen Mannes. Die Schnur strafft sich, der Kleine fliegt der Länge nach durch die Luft, als der Mister mit der Peitsche sein Pferd und die Peitsche zurückreißt.

Über dem dürren Gras der Talsenke jagt eine Staubwolke hoch, in der der kleine Mann fast völlig verschwindet.

Sofort hält der Reiter, der ihn am Lasso hat, an. Alle drei sind nun nicht mehr als siebzig Schritte von Morrill entfernt und brüllen durcheinander. Von dem Kleinen ist nicht viel zu sehen, denn die Staubwolke verzieht sich nicht so schnell.

Im nächsten Augenblick aber bewegt sich der Mann in der Staubwolke und kommt hoch. Er kniet zwar nur, aber seine Hände, nicht mehr vom Körper weggerissen, sind für Morrill durch den zerreißenden Staubschleier gut zu erkennen.

In dem Staubschleier ist ein leichtes Blinken, das Morrill genug sagt. Der Mann hat auf dem Bauch gelegen und sicher dabei die Hände unter den Körper gehalten.

Er muß irgendwo in der Kleidung eine Waffe stecken haben, denn genau die zieht er beim Aufstehen heraus und hebt sie an. Sicher sind seine beiden Hände gebunden – an ihnen hängt ja das Lasso –, aber genauso sicher ist auch, daß er schießen wird.

Steve Morrills rechte Hand zuckt einmal, dann liegt das Gewehr in Morrills Armbeuge und wird blitzschnell durchgeladen.

Nur der Mann mit dem Lasso erkennt die Gefahr und brüllt jäh und so laut, daß Morrill seine Worte deutlich verstehen kann:

»Vorsicht, Vorsicht, er hat einen Revolver, er hat einen…«

Weiter kommt er nicht mehr, denn der kleine Mann schießt in derselben Sekunde. Donnernd und wummernd geht der Revolver los.

Vor Morrills Augen macht der blonde Mann im Sattel des Braunen eine hastige Ausweichbewegung, doch die erste Kugel trifft und erwischt den rechten Arm des Reiters.

Während der Blonde einen heiseren Schmerzensschrei ausstößt, wartet Morrill auf den nächsten Knall, aber der Knall kommt nicht. Der Revolver muß einenVersager haben.

Diesen winzigen Augenblick nutzt der Mann mit der Peitsche. Seine rechte Hand wirbelt herum, die Peitschenschnur zischt los und trifft mit voller Wucht den Arm des kleiner Mannes am Boden.

Morrill sieht deutlich den wegfliegenden Revolver, das Pferd, das nun anspringt und die wieder hochgerissene Peitsche.

»Blue«, schreit der Mister mit der Peitsche gellend. »Blue, vorsichtig, er springt! Reite ihn um!«

Die Sache ist für den Kleinen aussichtslos geworden.

Trotzdem – und Morrill beobachtet den kleinen Burschen voller Bewunderung – springt er wieselflink auf, wirbelt herum und reißt beide Arme hoch. Morrill, Zuschauer bei der Szene, greift noch immer nicht ein, denn der Kleine hat genau den richtigen Augenblick erwischt und fängt mit den hochgerissenen Händen die herunterklatschende Peitschenschnur auf. Daß dabei sicher seine Handflächen aufgerissen werden, scheint ihm nichts auszumachen.

Dann vollführt der Kleine einen wilden Satz nach rechts, während er die Peitschenschnur fest umklammert und an ihr reißt. Es gibt einen gewaltigen Ruck, der Mann im Sattel fliegt nach vorn. Noch ein Ruck, der Mann fliegt wahrhaftig aus dem Sattel.

»Donner, Donner«, sagt Morrill. »Ist das ein kleiner Kampfhahn. Bruder, zeige es ihnen nur richtig. Wer einen Mann schleifen will, der besitzt eine gehörige Portion Gemeinheit.Treibe sie ihnen aus!«

Der Kleine kämpft verzweifelt, aber da kommt schon das Pferd des rechts reitenden Burschen auf ihn zu. Er wird gerammt und fliegt fast drei Meter durch die Luft. Er landet jedoch wie eine Katze auf allen vieren.

Und nun hat er Pech.

Er landet genau vor dem Peitschenschwinger, der seinen Revolver gezogen hat und ihn herunterschlägt.

Der Hieb streift ihn, läßt ihn wanken und hilflos einen Halbkreis torkeln.

Im Sattel schreit derVerwundete heiser und wild:

»Macht ihn fertig, macht ihn fertig! Blue, gib es ihm!«

Blue hat seinen Schecken herumgerissen und springt mit einem Satz aus dem Sattel auf den torkelnden kleinen Burschen hinunter. Der wird unter seinem Gewicht begraben, taucht aber zuerst und überraschend munter wieder auf und keilt nun aus.

Sie bilden in Sekunden einen wirbelnden Block, aus dem Arme und Fäuste auftauchen. Und Morrill ist sicher, daß der kleine Mann, so zäh er auch sein mag, jetzt untergehen muß, denn die beiden anderen sind bedeutend schwerer und größer.

Der Mann mit dem Lasso wendet Morrill den Rücken zu. Morrill drückt seinem Schimmel jäh die Hacken ein und fegt los.

Er kommt genau von hinten auf den Mann mit dem Lasso zu, wirbelt sein Gewehr herum. Er greift jetzt hart und schnell in den ungleichen Kampf ein, sieht den Mann mit dem Lasso vor sich und holt aus.

Im Vorbeipreschen schlägt er sein Gewehr seitlich herum. Er weiß, daß er den Mann mit diesem Hieb aus dem Sattel schleudern wird.

Dann reißt er den Schimmel herum. Morrill zieht jäh die Beine an. Und dann saust sein großer, sehniger Körper nach rechts vom Pferd und landet im Rücken des Burschen, der seine Peitsche so prächtig benutzte. Er schleudert den Mann weg, wirbelt augenblicklich auf dem linken Absatz herum und sieht den Kleinen gerade zu Boden gehen.

Vor ihm aber greift jener Bursche, der den Schecken reitet, an den Gurt. Aus dem Stand fliegt Morrill los und prallt dem Mann vor die Brust.

Ein Griff, Morrill hat den Arm des Mannes erwischt und dreht ihn einmal kurz und hart nach innen.

Der Mann brüllt schrecklich, fällt zu Boden und wird von Morrill, der über ihn zu liegen kommt, mit zwei harten Treffern am Kinn getroffen.

Sofort schnellt sich Morrill ab. Seine rechte Hand greift zum Revolver und zieht die Waffe noch im Sprung.

Steve Morrill erwartet, daß der Mister mit der Peitsche seinen Revolver bereits gezogen hat, sieht sich aber getäuscht. Der Mann liegt wie leblos am Boden.

Mit dem Revolver in der Faust, dreht sich Steve langsam weiter, blickt zu dem Braunen hin und senkt dann die Waffe. Er bückt sich, reißt dem ersten Mann den Revolver aus dem Halfter, ist mit drei langen Schritten bei dem Peitschenschwinger und nimmt auch dem die beiden Revolver weg. Dann geht er hastig neben den Braunen, beugt sich über den Mann dort und entwaffnet auch ihn.

»Man muß nur immer im richtigen Augenblick kommen«, brummt Steve und schleift den Mann zu den beiden anderen. »Mit drei Mann gegen einen, das ist verdammt keine gute Sache. He.«

»Nur ruhig«, murmelt Morrill. »Bleibt so liegen und versucht nichts, der Revolver hier könnte losgehen!«

Nun beugt sich Morrill über den kleinen Burschen und rüttelt ihn heftig. Der Mann hat eine Beule am Kopf und sieht ziemlich lädiert aus. Da er seitlich der anderen liegt, kann Steve die drei im Auge behalten und ihn trotzdem rütteln.

»He, Kleiner«, sagt Steve laut und scharf. »Wach langsam auf, die Schlacht ist zu Ende. He!«

»Ouuh, welcher wilde Gaul hat mich getreten?« stöhnt der Kleine da auch schon.

Er reißt die Augen weit auf, sieht zuerst Morrills Revolver und verstummt.

»Bist du klar genug, Kleiner?«

»He, was bin ich? Ich bin ein Riese, mein Kopf ist so groß wie der Mond und…«

»… und jetzt redest du zuviel, Mister«, unterbricht ihn Steve. »Steh auf, da liegen diese drei prächtigen Schufte und glauben zu träumen. Hörst du nicht, Mann? Du sollst aufstehen, es gibt Arbeit!«

Der Kleine grinst seltsam, setzt sich auf und blickt sich um. Dann faltet er andächtig die Hände und sagt salbungsvoll:

»Ich habe sie alle geschlagen, was? Da liegen sie, was für ein Wunder. Hast du gesagt, Bruder, daß ich David

bin?«

Morrill muß flüchtig lächeln und schüttelt den Kopf.

»Du bist ein wenig verrückt, Junge, das ist alles. Steh auf und lese die Revolver dieser Riesen hier auf. Und dann hilf mir ein wenig, sie sollen laufen dürfen.«

Der Kleine steht wortlos auf, sieht auf Blue herab und greift nach den Waffen, die herumliegen.

»Wohin damit, Bruder?«

Der kleine Bursche muß Schmerzen haben, aber er grinst und wirft auf Morrills Geheiß dieWaffen nach links.

»Geh zu ihren Pferden und halte sie, wenn du kannst, Kleiner!«

»Ich heiße David O’Lane, Riese!«

»Also gut, Dave, halte die Pferde. Dieser Mister hier wacht auf!«

Der Mann mit dem Schecken bewegt sich, stöhnt und setzt sich auf. Dann erblickt er Steve und wendet sich an seinen Partner, den Peitschenschwinger.

»Blue, der verdammte Kerl hat uns erwischt.«

»Sei still, du bist nicht gefragt«, faucht Morrill und sieht auf die Haare jenes Blue, die blauschwarz und ziemlich lang sind.

Blue starrt auf O’Lane, der die Pferde nun zu einem Pulk zusammenzieht und abwartend stehenbleibt. Seine Augen funkeln voller Wut.

Langsam geht Steve los, an Blue vorbei und beugt sich über jenen Burschen, der O’Lane am Lasso hängen hatte. Er stößt ihn mit dem Revolver

an.

»Wach schon auf, Mann«, sagt er barsch. »Wach auf, deine Partner warten auf dich. Nun los!«

Wirklich macht der Mann die Augen auf, blickt verständnislos um sich und wird von Morrill am Kragen hochgehoben und hingesetzt.

»Jube, wer ist denn das?« fragt er ächzend. »Wo kommt der Bursche her?«

»Frage ihn, ich weiß es nicht. Aber er wird bald wissen, auf was er sich eingelassen hat.«

»Los«, sagt Morrill eisig. »Jetzt steht auf, alle drei. Macht schnell, ich habe nicht viel Zeit.«

Blue steht zögernd auf, dann folgen ihm Jube und der andere. Sie werfen finstere und wilde Blicke auf Morrill und den kleinen O’Lane, der sie grinsend betrachtet und leise sagt:

»Newton, nur eine faire Chance, dann hätte ich euch alle drei erwischt. Willst du vielleicht deinen Revolver haben?«

Newton, der blonde hartgesichtige Mann, spuckt aus und umklammert seinen verletzten Arm.

»Dave«, erwidert er giftig. »Wir erwischen dich noch. Und den da auch. Warte nur, was der Boß mit euch macht.«

»Dein Boß verkriecht sich auch nur hinter euren Rücken«, brummt der kleine O’Lane grimmig. »Er hat kein Recht, uns zu verjagen und ihr keines, über mich herzufallen. Mit drei Mann auf einen! Ihr seid die feigste Sorte Skunks, die jemals in Kansas über die Prärie lief!«

Die drei fluchen wild und böse, aber Morrill unterbricht ihr Geschrei und sagt kühl:

»Da hinten ist das Tal zu Ende, Freunde. Nehmt eure Beine in die Hand und rennt hin. Los, rennt schon!«

»Du weißt nicht, in was du dich da einmischst, Fremder«, sagt Newton knurrend.

»Ihr sollt laufen! Hast du nicht verstanden, du Narr?«

Morrills Revolver zeigt auf seine Beine. Der Mann macht einen erschrockenen Satz und rennt los, die anderen folgen.

Morrill läßt sie laufen, behält den Revolver in der Hand und sieht ihnen kalt nach. Sein erster Eindruck von O’Lane hat ihn sicher nicht getrogen. Dieser kleine, zähe Bursche ist kein Mann der rauhen Sorte, sondern weiß sich zu wehren, will man ihm an den Kragen. Wie ein Bandit, den drei Männer überfallen und totschleifen wollen, sieht er nicht aus.

»Well«, sagt Steve. »O’Lane, ich kann es nun mal nicht vertragen, wenn drei Mann über einen herfallen. Aber jetzt frage ich dich nach dem Grund, mein Freund Was wollten sie von dir?«

»Ich bin der wichtigste Mann Gardeners«, sagt O’Lane ernst. »Und zugleich sein letzter. Gardener besitzt eine kleine Ranch einige Meilen nordwestlich von Ellsworth. Er und seine Nachbarn haben Ärger mit Boyd Sparkes, dem einzigen großen Rancher am Salina River. Nun gut, Sparkes hat einige vertreiben können, andere sind freiwillig gegangen, aber einige sind auch geblieben. Gardener gehört zu ihnen. Er hat drei Söhne und bebaut sein Land zum Teil mit Weizen. Schollenbrecher, wenn du es genau wissen willst, Rindermann. Ich war mal selber einer, aber das stört dich sicher, wie? Du riechst auf zehn Meilen nach Rindern, denke ich.«

»Ich war Rindermann, aber das ist schon lange her, Kleiner«, erwidert

Steve trocken. »Nun, sie haben dich also verprügeln wollen, was?«

»Wenn es nur das wäre«, seufzt Dave O’Lane bitter. »Sie wollten mich zerbrechen, Mann. Es gibt wenige gute Cowboys, die ihrem Rancher treu bleiben, auch wenn er zum Farmer wird oder werden muß. Zudem…, ich bin nicht gerade langsam und mancher Mann sagt, daß ich der wichtigste Mann für Jim Gardener und die anderen kleinen Leute sei. Zerbrechen sie mich, dann wird Gardener eine Menge verlieren. Ich traf diesen Narren Newton in Salina. Um mich nicht mit ihm schießen zu müssen, schlug ich ihn nieder. Vielleicht war es ein Fehler, denn hier erwischten sie mich. Sie hatten ein Seil durch das Gras gespannt. Mein Gaul ist hin, Mister.«

»Das habe ich gesehen, O’Lane, gut. Sind das Sparkes’ wildeste Burschen?«

O’Lane schüttelt den Kopf.

»Nein, er hat noch drei Revolverschwinger hinter sich, die ich allein niemals schaffe. Ich könnte froh sein, einen zu erwischen. Deshalb ritt ich auch den weiten Weg nach Salina und nicht nach Ellsworth, denn da stecken sie oft genug. War reiner Zufall, daß ich auf Newton stieß. Und wer bist du, Stranger?«

»Ich bin der neue Mann für die Smoky Hill-Route von Wilson Dixon«, erwidert Steve ruhig. »Dixon hat mich haben wollen. Ich bin auf dem Weg nach Ellsworth, O’Lane. Nun, mein Freund, es sieht wohl so aus, als wenn ich nicht gerade friedlich in Ellsworth bleiben kann, wie?«

O’Lane starrt auf seine beiden Revolver und blickt dann zur Seite.

»Ich dachte, du würdest weiterreiten«, sagt er dann heiser. »Ja, Mann, ich fürchte, du wirst nicht viel Ruhe haben. Sparkes ist ein mächtiger Mann in Ellsworth und der Sheriff kann nicht viel tun, wenn er etwas bestimmt. Nach diesem Streich, den du seinen Vormann gespielt hast, wird er dich aus der Stadt jagen wollen. Tut mir leid, wenn ich dir Ärger gemacht habe.«

»Du hast mir nicht mehr Ärger bereitet, Dave, als ich mir selber gemacht habe. Ich mußte eingreifen und kann nun mal einen unfairen Kampf nicht leiden. Nimm die Pferde mit, wir reiten zu deinem Gaul und schnallen ihm den Sattel ab. Dann kannst du später bei mir aufsitzen, der Schimmel trägt uns beide. Wir lassen die Pferde später laufen.«

»Wenn du meinst, Krieger«, brummt O’Lane. »Die Burschen werden ihrem großen Boß Bescheid sagen, und einer wird sicher unsere Fährte verfolgen, um zu sehen, wo du bleibst. Sparkes mag keine Revolvermänner in Ellsworth, die nicht für ihn arbeiten. Wer bist du, daß Dixon dich für seine Linie haben will, auf der es manchmal ziemlich hart zugeht?«

»Mein Name ist Steve Morrill. Ich denke, du hast ein wenig über mich gehört, wie?«

Der kleine Mann sieht ihn groß an und nickt dann bestätigend.

»Darum also«, murmelt er dann. »Jetzt begreife ich langsam, warum drei Mann gegen dich keine Chance hatten. Ich dachte, du wärest noch in Wichita.«

»Es war nichts mehr zu tun. Der Cimarronweg ist offen für jede Kutsche, Dave«, antwortet Morrill trocken. »Well, dann wollen wir. Steige auf und reite mit. Und… tue etwas für deinen Rücken und deine Hände.«

O’Lane grinst wieder dünn und betrachtet seine aufgeplatzten Handflächen.

»Ach, verdammt, es brennt nur ziemlich, Steve. Ich habe schon mehr ausgehalten, aber besser ist es sicher, wenn ich mich verbinde. Weißt du, daß Sparkes Teilhaber von Dixon ist?«

Überrascht hebt Morrill den Kopf und sieht auf O’Lane, der sich hastig in den Sattel des Schecken zieht.

»Nein, das wußte ich nicht«, gibt er dann zu. »Hat er mehr als Dixon zu bestimmen, was die Linie angeht?«

»Das wirst du sicher sehen, wenn du mit Dixon gesprochen hast«, brummt der kleine O’Lane achselzuckend. »Manchmal kann Dixon verdammt starrköpfig sein, aber ob er sich mit Boyd Sparkes entzweien kann, das bezweifle ich mächtig. Steve, ich fürchte, du wirst keine Arbeit, aber dafür eine Menge Verdruß in Ellsworth bekommen. Wenn wir noch vor der Dämmerung dort sein wollen, dann müssen wir uns schon beeilen.«

Er reitet an und wirft dann einen Blick auf das Ende des Tales, an dem Blue und Jube Newtons Arm verbinden.

Wenig später sind Morrill und O’Lane an dem toten Pferd O’Lanes, schnallen den Sattel ab und ziehen den Gurt unter dem Bauch durch.

»Ein gutes Pferd«, sagt O’Lane finster und nimmt ihm das Zaumzeug ab. »Es gehörte mir. Ich werde mir den Schecken dafür nehmen und sehen, was dann passiert. Zum Teufel, sie haben mir den Gaul umgebracht, soll Sparkes Jube den Hals abreißen, aber ich kann einen Ersatz für mein Pferd verlangen, schätze ich. Morrill, ist das Diebstahl?«

»Ich denke nicht, Dave. Nimm den Schecken nur mit.«

Sie reiten an, halten auf der Höhe der drei Männer, die nicht gewagt haben, sich ihre Waffen zu holen, und O’Lane sagt heiser:

»Jube, ich nehme mir deinen Schecken mit, damit du es weißt. Es war dein Lasso, über das mein Pferd flog. Ist das in Ordnung? Und, mein Freund, ehe du das nächstemal kommst, überlege dir, ob du nicht besser deinen Revolver nimmst. Ich werde mit meinem in der Hand auf dich warten.«

Jube verzieht das Gesicht und spuckt aus.

»Geh zum Teufel mit meinem Gaul. Wir werden dich schon finden und dir deine Bezahlung geben, Zwerg.«

Er nimmt die Zügel hoch, treibt den Schecken scharf an und dreht sich um, als Morrill nicht folgt.

Steve Morrill blickt kühl auf die drei Männer und sagt: