Die Grundrente - Rolf Winkel - E-Book

Die Grundrente E-Book

Rolf Winkel

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Beschreibung

In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige zum Thema Grundrente, Grundsicherung und Wohngeld! Die zum 1.1.2021 eingeführte Grundrente erfüllt das Grundversprechen des Sozialstaats und ermöglicht vor allem für langjährig Versicherte mit niedrigen Einkommen eine ausreichende Rente. Das "Gesetz zur Einführung der Grundrente für langjährige Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung mit unterdurchschnittlichem Einkommen und für weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Alterseinkommen (Grundrentengesetz)", so der offizielle Titel beinhaltet zwei große Maßnahmen: - Die Einführung eines Rentenzuschusses für langjährige Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung und - die Einführung von Freibeträgen im Wohngeld, in der Grundsicherung für Arbeitsuchende des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch (SGB II), in der Hilfe zum Lebensunterhalt, in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII) und in den fürsorgerischen Leistungen der Sozialen Entschädigung.Herzstück, so steht es in der Gesetzesbegründung, ist Die Grundrente für langjährige Versicherung mit unterdurchschnittlichem Einkommen. Sie ist als Rentenzuschlag konzipiert und soll von einer nachzuweisenden Bedürftigkeit wie in den Fürsorgesystemen unabhängig sein. Zusätzlich wurden die Leistungen für Bezieher von Grundsicherung im Alter und bei Behinderung erhöht und Freibeträge für Bezieher von Wohngeld eingeführt. Der Rentenexperte und Finanzmathematiker Werner Siepe rechnet Fallbeispiele zur Grundrente durch und erläutert, in welchen Fällen Die Grundrente oder die Grundsicherung für Ältere und Erwerbsgeminderte mehr Geld bringt. Zudem stellt er Grundrente und Grundsicherung in Zusammenhang mit dem Wohngeld, auf das viele Rentnerinnen und Rentner mit geringer Rente Anspruch haben. Allerdings kommt es, wie bei Sozialleistungen üblich, zu recht komplizierten Verrechnungen. Um zu ermitteln, ob Sie Anspruch auf den neuen Rentenzuschlag namens Grundrente haben, müssen Sie drei Prüfungen durchführen: - Prüfung anhand des Versicherungsverlaufs Ihres Rentenbescheids, ob die Mindestversicherungszeit für Die Grundrente (Grundrentenzeit) von 33 Jahren erfüllt ist. - Prüfung anhand der Berechnung der Entgeltpunkte in Ihrem Rentenbescheid (die aber in den seit Frühjahr 2017 versandten Rentenbescheiden regelmäßig fehlt), ob im Durchschnitt der sog. Grundrentenbewertungszeiten durchschnittlich 0,3 bis 0,8 Entgeltpunkte erreicht werden. - Prüfung anhand des Einkommensteuerbescheids von 2019, ob das zu versteuernde Einkommen zuzüglich Rentenfreibetrag bestimmte Grenzen nicht überschreitet.Mit diesem Beitrag können Sie sich einfach und schnell über Grundrente, Grundsicherung und Wohngeld informieren und selbst ermitteln, ob und wie Sie Grundrente, Grundsicherung oder Wohngeld erhalten können.

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Alternative Streitbeilegung (Online-Streitbeilegung und Verbraucherschlichtungsstelle)Die Europäische Kommission hat eine Plattform zur Online-Streitbeilegung eingerichtet, die unter folgendem Link abgerufen werden kann: www.ec.europa.eu/consumers/odr. Wolters Kluwer ist nicht bereit und nicht verpflichtet, an Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen.

Inhaltsübersicht

1   Vor allem Mütter profitieren von der Grundrente

2   Anspruchsvoraussetzung Nr. 1: Mindestens 33 Grundrentenjahre

2.1   Häufig bringen Kinderberücksichtigungszeiten einen Anspruch auf Grundrente

2.2   Minijobs mit Rentenversicherungspflicht zählen zu den Grundrentenzeiten

2.3   Zeit des Bezugs von Kurzarbeitergeld zählt als Grundrentenzeit

2.4   Auslandszeiten unterschiedlich behandelt

2.5   Bis wann die Zeiten erworben werden müssen

2.6   Nach Eintritt in die Altersrente gibt es keine Grundrentenzeiten mehr

2.7   Regeln für Bezieher einer Erwerbsminderungsrente

3   Anspruchsvoraussetzung Nr. 2: »Bedürftigkeit«

3.1   Grenzbeträge werden jährlich angepasst

3.2   Bedürftigkeit wird jährlich überprüft

4   Die Berechnung der Grundrente

4.1   Grundrentenbewertungszeiten und Grundrentenzeiten

4.2   Berechnung der Grundrente bei (mindestens) 35 Grundrentenjahren

5   Rechenbeispiele aus der Praxis

6   Berechnung der Grundrente bei 33 bis unter 35 Grundrentenjahren

7   Vorteile bei mindestens 33 Grundrentenjahren beim Wohngeld und bei der Grundsicherung im Alter

8   Grundrente und Hinterbliebenenrente

Die Grundrente: Alles was Sie über Grundrente, Grundsicherung und Wohngeld wissen sollten

1   Vor allem Mütter profitieren von der Grundrente

Nach jahrelangem Ringen sind zum 1.1.2021 die Regelungen zur Grundrente in Kraft getreten. Der Begriff »Grundrente« ist dabei etwas irreführend. Es wird keinen fixen Grundbetrag für alle Versicherten geben. Die Anspruchsberechtigten sollen vielmehr einen – je nach Einzelfall unterschiedlich hohen – Zuschlag zu ihrer regulären Rente erhalten. Im Gesetz wird dies »Zuschlag an Entgeltpunkten bei langjähriger Versicherung« genannt. Die selbst erworbenen eigenen Rentenansprüche werden also aufgestockt, allerdings nur für langjährig Versicherte.

Diese Aufstockung (also die Grundrente) beträgt nach dem seit Juli 2020 geltenden aktuellen Rentenwert West maximal knapp 419,– € brutto monatlich. Vor allem Mütter dürften von der Grundrente profitieren. Nach den Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums werden rund 1,3 Millionen Menschen die Grundrente erhalten. Insgesamt werden rund 5 % der Versichertenrenten über eine Grundrente aufgestockt, wobei der Anteil bei den Männern rund 3 % und bei den Frauen rund 7 % beträgt, schätzt das Ministerium. Etwa drei Viertel der Berechtigten leben danach in den alten Bundesländern und etwa ein Viertel in den neuen Bundesländern.

Die Rentenversicherung wird zur Feststellung der Grundrentenberechtigung und der möglichen Höhe dieses Rentenzuschlags etliche Millionen Rentenkonten überprüfen müssen. Zudem muss ein Datenaustausch mit den Finanzbehörden installiert werden. Daher wird noch etwas Zeit vergehen, bis die Grundrente ausbezahlt wird. Die ersten Bescheide zur Grundrente werden wohl frühestens ab Juli 2021 versandt. Zunächst bekommen Neurentner ihre Bescheide. Bis spätestens Ende 2022 dann auch alle, die schon Rente beziehen. Sämtliche bis dahin aufgelaufenen Beträge aus der Grundrente werden nachgezahlt.

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Tipp: Die Verzögerung der Auszahlung mag ärgerlich sein. Doch hier wird Geduld benötigt. Beschwerden bei der Rentenversicherung und Anträge auf vorzeitige Auszahlung der Leistung dürften zwecklos sein und eher dazu führen, dass die Auszahlungen sich noch weiter verzögern.

2   Anspruchsvoraussetzung Nr. 1: Mindestens 33 Grundrentenjahre

Die Grundrente kann nur erhalten, wer die hierfür erforderlichen Versicherungszeiten (»Grundrentenzeiten«) nachweisen kann. Der volle Zuschlag kann gewährt werden, wenn mindestens 35 Jahre mit sogenannten Grundrentenzeiten auf dem Rentenkonto gespeichert sind. Wenn 33 bis 34 Jahre mit solchen Zeiten auf dem Rentenkonto stehen, kann ein deutlich gekürzter Anspruch auf die Leistung bestehen.

»Grundrentenzeiten« sind alle Zeiten, die berücksichtigt werden, wenn geprüft wird, ob die 35- bzw. mindestens 33-jährige Anwartschaft auf die Grundrente erfüllt ist. Dazu zählen

Pflichtbeitragszeiten aus Erwerbstätigkeit (abhängige und selbstständige Tätigkeit) einschließlich der Zeiten eines versicherungspflichtigen Minijobs,

Zeiten der Kindererziehung bis zum 10. Geburtstag des Kindes, sowohl die Kindererziehungszeiten als auch die Kinderberücksichtigungszeiten,

Zeiten der nicht erwerbsmäßigen Pflege, soweit es anerkannte Berücksichtigungszeiten wegen Pflege (1992 bis 1995) oder Beitragszeiten der Pflegeversicherung sind,

Zeiten des Bezugs von Kranken- und Übergangsgeld,

Zeiten des Bezugs von Insolvenzgeld und

Ersatzzeiten (z.B. Zeiten des Kriegsdienstes, der Kriegsgefangenschaft oder der politischen Haft in der DDR).

2.1   Häufig bringen Kinderberücksichtigungszeiten einen Anspruch auf Grundrente

Wichtig insbesondere für Mütter ist: Die ersten zehn Lebensjahre eines Kindes zählen als »Kinderberücksichtigungszeit«. Bei mehreren Kindern zählt dabei meist die Zeit bis zum 10. Geburtstag des jüngsten Kindes.

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