Die Haiteks oder Was kostet die Welt. Kein Märchen - James Krüss - E-Book

Die Haiteks oder Was kostet die Welt. Kein Märchen E-Book

James Krüss

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Beschreibung

Aufstieg und Fall der Menschheit Wir feiern den 100. Geburtstag von James Krüss mit bisher unveröffentlichtem Material: In dieser mit spitzer Feder verfassten Kritik am Fortschrittswahn hält Krüss uns als Gesellschaft den Spiegel vor. In sieben Kapiteln, die aus Gedichten und Prosatexten bestehen, erzählt James Krüss von den "Haiteks", Turmbau-zu-Babel-artigen Riesenstädten, die mit jedem Kapitel der Menschheit fortschrittlicher werden. Eine prophetische, mit scharfer Beobachtungsgabe verfasste Abhandlung über die Entwicklung der Menschheit in den verschiedenen Zeitaltern – bis hin zu ihrem unvermeidlichen Untergang. Mit Illustrationen von Jörg Asselborn und einem Vorwort von Tilman Spreckelsen. Die Haiteks oder Was kostet die Welt. Kein Märchen: Eine Auseinandersetzung mit dem Fortschrittswahn von Bestsellerautor James Krüss - Scharfsinnig und mit spitzer Feder: Ein bislang unveröffentlichter Text von James Krüss über die Geschichte der Menschheit mit einem Vorwort von Tilman Spreckelsen. - Der Turmbau zu Babel: In Gedichten und Prosatexten erzählt das Buch von der Entstehung von Megacitys als Symbol für den menschlichen Ehrgeiz. - Prophetische Zukunftsvisionen: James Krüss beleuchtet den Fortschritt mit seinen Risiken und Nebenwirkungen – bis hin zum möglichen Untergang der Menschheit. - Außergewöhnlich illustriert: Die künstlerischen Bilder von Jörg Asselborn visualisieren die Texte eindrucksvoll. - Wertvolle Inspirationen: Das Buch von James Krüss lädt Jugendliche und Erwachsene dazu ein, über die gesellschaftliche Entwicklung nachzudenken. James Krüss (1926–1997) zählt zu den beliebtesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren. Aus seiner Feder stammen Kinderbuchklassiker wie "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen". Für sein Gesamtwerk erhielt er den internationalen Jugendliteraturpreis.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Über dieses Buch

Wir feiern den 100. Geburtstag von James Krüss mit bisher unveröffentlichtem Material: In dieser mit spitzer Feder verfassten Kritik am Fortschrittswahn hält Krüss uns als Gesellschaft den Spiegel vor. In sieben Kapiteln, die aus Gedichten und Prosatexten bestehen, erzählt James Krüss von den »Haiteks«, Turmbau-zu-Babel-artigen Riesenstädten, die mit jedem Kapitel der Menschheit fortschrittlicher werden. Eine prophetische, mit scharfer Beobachtungsgabe verfasste Abhandlung über die Entwicklung der Menschheit in den verschiedenen Zeitaltern – bis hin zu ihrem unvermeidlichen Untergang. Mit Illustrationen von Jörg Asselborn und einem Vorwort von Tilman Spreckelsen.

James Krüss

Die Haiteks

oder Was kostet die Welt. Kein Märchen

Mit Illustrationen von

Jörg Asselborn

Vorwort

»Kein Märchen«, so ist der Text überschrieben, der hier aus dem Nachlass von James Krüss zum ersten Mal erscheint und doch ganz märchenhaft anfängt, mit den Worten »Es war einmal«. Was dann folgt, ist eine komprimierte, eigenwillig erzählte Menschheitsgeschichte: Es geht um die Entwicklung von Technologien, die Bearbeitung von Naturmaterialien wie Rohr, Holz und Gestein, schließlich die Verarbeitung von Erzen und die Entwicklung avancierter Techniken zum Erzeugen von Halbleitern und Mikrochips.

All das handelt Krüss zunächst in einem Prolog von 26 Zeilen ab, die den Inhalt des gesamten Buches knapp zusammengefasst vorwegnehmen und auch das Versiegen des menschlichen Erfindergeistes schildern, wenn es mit der »Freude an der Bastelei« aus ist und sich der Einzelne »zum Konsumenten wandelt«, was in einer Apokalypse endet: »Bereitet euer Ohr / Auf böse Nachricht vor«. Es folgen fünf weitere Kapitel und ein Epilog, die ausführlich und spannend schildern, was im Prolog nur angerissen wurde. Und dabei die angekündigte »böse Nachricht« zwar vorbereiten, aber immer wieder für Überraschungen sorgen, indem das »Basteln« der Menschheit – also das ständige Voranschreiten auf dem Weg der technischen Zivilisation – zu Einbrüchen und Verwerfungen führt, zu Fehlfunktionen der anfangs noch primitiven Apparaturen, die dazu dienen, den Menschen von körperlich anstrengenden Arbeiten freizustellen.

Für diese Konstruktionen findet Krüss den Namen »Haitek« – darin klingt »Hightech« ebenso an wie der zähnefletschende Hai, spätestens seit Steven Spielbergs Film von 1975 der Inbegriff blindwütiger Aggression in einer an sich friedlichen Umgebung wie der des Ozeans. Bei Krüss steht jeder Haitek – es gibt mehrere, unterschiedlich komplexe Generationen dieser Maschine – für die monströs wuchernde, technische Innovation, die von ihren Schöpfern längst nicht mehr steuerbar ist und eigenen Regeln folgt. Sie nimmt immer mehr Raum ein und wird vom Golem über eine Reihe von Zwischenstationen zur riesigen Metropole, in der die meisten Menschen unterkommen. Dabei bringt die Erfindung auch sozial einiges in Bewegung. Die Gesellschaft spaltet sich in wenige Reiche und ein großes »Olfaktoriat«, das so heißt, weil es unter anstrengenden Geruchsverhältnissen leben und arbeiten muss. Von Revolutionen und einer »Diktatur des Olfaktoriats« erzählt Krüss in seiner hier leicht durchschaubaren Parabel auch, und davon, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der frühen Haiteks durch die Entlastung von alltäglichen Arbeiten, die ihnen die Technik beschert, ihren Erfindergeist entwickeln und den Haitek verfeinern, während sich die späteren ganz dem Konsum hingeben.

James Krüss, geboren 1926 auf Helgoland, kämpfte in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs, setzte danach seine Ausbildung zum Lehrer fort und lebte als freier Schriftsteller in München. Anfangs schrieb er vor allem für erwachsene Leser – so debütierte er mit dem Erzählungsband Der goldene Faden (1946) und redigierte ein Mitteilungsblatt für seine ehemaligen Helgoländer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die zunächst die evakuierte Insel nicht mehr betreten durften. Berühmt wurde er als Autor für Kinder: mit Büchern wie Der Leuchtturm auf den Hummerklippen (1956), Timm Thaler (1962) oder Henriette Bimmelbahn (1957). Von den Haiteks (1991), die Krüss auf Gran Canaria schrieb, wo er seit den Sechzigerjahren wohnte, lassen sich Bezüge zu beiden Teilen seines Werks ziehen.

Als Autor lebt James Krüss vom Spiel mit der Sprache. Einer seiner größten Erfolge, das Buch Mein Urgroßvater und ich (1959), das 1960 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, handelt von der gemeinsamen, kreativen Betrachtung der Sprache – durch die beiden Helgoländer im Titel und durch die Leserinnen und Leser des Buchs. Die Suche danach, was im Klang bestimmter Wörter und einzelner Buchstaben jenseits der und zusätzlich zur Wortbedeutung noch ausgedrückt werden kann, ist auch in Büchern wie In Tante Julies Haus (1969) oder Geschichten aus allen Winden oder Sturm um Tante Julies Haus (1973)der erklärte rote Faden und strukturiert die jeweilige Handlung. Wenn Krüss nun in seinem Alterswerk von »Haitek« und »Lautek« spricht, davon, wie die Schriftlichkeit ein Auseinanderfallen der Menschheit befördere, oder die Oberschicht als »Caputalisten« bezeichnet, klingt das an. Auch in der Form ist der Autor Krüss erkennbar: Die Verse sind betont einfach gehalten, auch derart regelmäßig, dass jede Abweichung sofort auffällt: etwa die betonte Leerstelle in der allerletzten Zeile, die plötzliche Stille nach der Katastrophe. Und das Zusammenspiel aus Versen und Prosa, die einander ergänzen und beleuchten, kennt man aus Krüss’ großen Romanen.

Auch inhaltlich knüpft Krüss mit diesem – auf den ersten Blick so disparaten – Text an seine früheren an. Nicht nur an die ebenfalls eine jahrtausendelange Geschichte erzählende Historie von der schönen Insel Helgoland (geschrieben 1945–1946). Sondern auch an Bücher wie den späten Roman Nele oder das Wunderkind (1986), die eine deutlich kapitalismus- und konsumkritische Haltung des Autors zeigen. Und schließlich hat der Baron Lefuet, der von Timm Thaler aus Eingang in den Romanzyklus Die Geschichten der 101 Tage gefunden hat, auch in den Haiteks einen Auftritt als schließlich siegreicher Quizshowgast Tiborio Sánchez. In der Show schimmert die im deutschen Fernsehen von 1989 bis 1997 nach amerikanischem Vorbild ausgestrahlte, von Harry Wijnvoord moderierte Quizsendung Der Preis ist heiß durch, jene Feier der Vorstellung, dass alles auf der Welt seinen bezifferbaren Preis hat. Und dass der polyglotte Showmaster der Haiteks seine Moderation ausgerechnet auf Niederländisch beginnt, ist kaum zufällig: Krüss lebte auf einer abgelegenen Insel, aber er nahm wahr, was in Deutschland und auf der Welt vorging.

»Kein Märchen« also, eher ein hellsichtiger Kommentar zur Gegenwart der Siebziger-, Achtziger- und frühen Neunzigerjahre, weitergeschrieben in eine Zukunft, in der die Menschheit acht Milliarden zählt (das sollte erst im Jahr 2022 erreicht werden) und buchstäblich auf dem Vulkan tanzt. Die damals aktuellen Stichworte wie Luftverschmutzung, Bodenversiegelung, Abholzung des Regenwaldes, Ölkatastrophen und Atommüll finden sich auch in Krüss’ Text, und auch die Sorge um das 1985 entdeckte Ozonloch über der Antarktis wird an prominenter Stelle, in den warnenden Schlusszeilen des Textes, erwähnt.

Heute gelesen, erlaubt das Buch einen faszinierenden Blick auf einen großen Autor, der aus dem Diskurs seiner Zeit einen ganz eigenen, originellen und dichterischen Text formt, der sein Publikum erreichen will, indem er seine Sorge um die Menschheit in eine fesselnde und kohärente Geschichte kleidet. Als Krüss 1997 starb, waren die Ursachen für diese Sorge nicht weniger geworden, sie sind es, vom Ozonloch abgesehen, bis heute nicht. Schon das ist Grund genug, Die Haiteks im Jahr von Krüss’ hundertstem Geburtstag hinaus in eine Welt zu schicken, die vor lauter neuen Sorgen Gefahr läuft, die um den ökologischen Zustand der Erde zu vergessen.

 

Tilman Spreckelsen

1Prolog

Es war einmal ein kleiner Stern.

Der hatte seine Kinder gern.

Der kleine Stern hieß Erde.

Er spendete, was nötig war,

Mit Freude seiner Kinderschar,

Damit sie glücklich werde.

 

Als nun auf diesem Sternending

So Jahr um Jahr um Jahr verging,

Viel hunderttausend Male,

Da fingen darauf Frau und Mann,

Auch Kinder schon, zu basteln an

Mit Rohr und Kürbisschale.

 

Mit Rohr und Kürbis, so gings an.

Holz, Harz und Knochen folgten dann,