Die Hexen von Smyrna - Mara Meimaridi - E-Book

Die Hexen von Smyrna E-Book

Mara Meimaridi

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Beschreibung

Auf dem Dachboden ihres Elternhauses entdeckt Maria geheimnisvolle Papiere, die einst ihrer Tante Katina gehörten – und die ihr Leben von Grund auf verändern werden … Es ist das Jahr 1887: Katina kommt als Flüchtlingskind mit ihrer Mutter nach Smyrna. Hier wächst sie im Kreis von Frauen unterschiedlichster Kulturen auf. Sie alle verbindet das geheime Wissen um die Magie, das seit Generationen von Müttern an ihre Töchter weitergegeben wird. Katina, klug und mit einem unbändigen Drang nach Unabhängigkeit ausgestattet, weiß dieses Wissen geschickt für sich zu nutzen. Die Zaubersprüche und Liebestränke verfehlen ihre Wirkung nicht. Schritt für Schritt erobert sie die Welt der Männer und steigt zur Grande Dame von Smyrna auf. Dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugeht, versteht sich von selbst … Fesselnd erzählt Mara Meimaridi die Geschichte dreier Generationen von Frauen und entführt uns in die farbenprächtige und magische Welt Smyrnas im 19. Jahrhundert und des heutigen Griechenlands.

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Seitenzahl: 754

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Auf dem Dachboden ihres Elternhauses entdeckt Maria geheimnisvolle Papiere, die einst ihrer Tante Katina gehörten – und die ihr Leben von Grund auf verändern werden …

Es ist das Jahr 1887: Katina kommt als Flüchtlingskind mit ihrer Mutter nach Smyrna. Hier wächst sie im Kreis von Frauen unterschiedlichster Kulturen auf. Sie alle verbindet das geheime Wissen um die Magie, das seit Generationen von Müttern an ihre Töchter weitergegeben wird. Katina, klug und mit einem unbändigen Drang nach Unabhängigkeit ausgestattet, weiß dieses Wissen geschickt für sich zu nutzen. Die Zaubersprüche und Liebestränke verfehlen ihre Wirkung nicht. Schritt für Schritt erobert sie die Welt der Männer und steigt zur Grande Dame von Smyrna auf. Dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugeht, versteht sich von selbst …

Fesselnd erzählt Mara Meimaridi die Geschichte dreier Generationen von Frauen und entführt uns in die farbenprächtige und magische Welt Smyrnas im 19. Jahrhundert und des heutigen Griechenlands.

 

»Ein wunderbarer Zauber liegt auf der Geschichte von Mara Meimaridi, die mit ihrer Sprachkraft längst vergangene Zeiten heraufbeschwört und den Leser von Die Hexen von Smyrna in andere Dimensionen entführt. Dieser Roman verspricht ein absolut fesselndes Erlebnis fürs Herz und bedeutet packende Unterhaltung, an der man noch lange zehren kann.« literaturmarkt

 

Mara Meimaridi wurde in Kastella geboren. Nach dem Studium der Philosophie, Archäologie, Biologie und Medizinischen Anthropologie in Athen und Paris forschte sie im Bereich der Kindermedizin. Außerdem studierte sie Astrophysik und Kosmologie an der UMD American University. Die Hexen von Smyrna ist ihr erster Roman. Er eroberte auf Anhieb die Bestsellerlisten, wurde verfilmt und in mehrere Sprachen übersetzt.

                    

Mara Meimaridi

   Die Hexen    von Smyrna

Roman

 

Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger

 

 

 

 

 

 

 

 

Insel Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

eBook Insel Verlag Berlin 2013

© Insel Verlag Berlin 2011

© Mara Meimaridi – Kastaniotis Editions S.A. Ahten 2011

Die Originalausgabe erschien 2001 unter dem Titel Oi Magisses tis Smirnis bei Kastaniotis Editions S.A., Athen, Griechenland.

Umschlagabbildung: akg-images

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Umschlag: bürosüd, München

 

eISBN 978-3-458-76330-7

www.insel-verlag.de

 

 

 

MARIA

Das Erwachen der Hexe Ägina, 1988, am Tag der Kreuzerhöhung Christi, 100 Jahre danach.

»Du musst auch mal was wegwerfen, Mama. Sonst kriegen wir noch Wanzen hier drin …«

Ich schob meinen Oberkörper in die kleine Abstellkammer unter der Treppe. Die alten Balken knarrten bedenklich.

»Tu mir bitte den Gefallen, Maria! Kümmere dich um deinen eigenen Haushalt. Lass meine Sachen in Ruhe. Die brauche ich noch!«

Unter den Spinnweben kam eine Waschschüssel mit gesprungenem Boden zutage.

»Wozu brauchst du die?« Ich wedelte mit der Schüssel und schubste sie, als keine Antwort kam, über den Boden ans Ende des Flurs.

»Was ist das denn?«

»Opas Urinflasche.«

»Opa ist seit zwanzig Jahren tot!« Ich kroch noch ein Stück weiter hinein. »Ich kann nichts finden!«

»Doch, ich habe es dort hineingetan. Schau mal weiter nach links.«

»Weißt du noch, was es war?«

»Eine kleine Truhe.«

Hier war weit und breit keine kleine Truhe.

»Gibt’s hier drin vielleicht noch eine Geheimkammer? Wie ich dich kenne, ganz bestimmt!«

»Wenn ich tot bin, kannst du hier schalten und walten, wie du willst. Dann kannst du alles wegwerfen. Aber nicht, solange ich lebe.«

»Aber Mama, du und sterben! Wie Graf Dracula wirst du über diesen ganzen Trödel wachen! Ha, da ist sie! Ich seh sie! Da hinten.«

In absoluter Dunkelheit, unter einem Stapel Zeitschriften aus dem Jahr 1965, zwischen Küchensieben, Mausefallen und Mottenkugeln versteckt stand Katinas kleine Truhe.

Ich zog sie hervor, klopfte mir die Spinnweben von der Kleidung, nahm das Kopftuch ab und atmete an der frischen Luft tief durch. Meine Mutter wischte die Truhe ehrfürchtig sauber.

»Bitte sehr, sie gehört dir. Das Erbe deiner Tante.«

Die kleine Truhe war granatfarben, hatte zwei Griffe und einen soliden Boden. Sie war sorgfältig verschnürt. Als ich die Knoten löste, ging ein Wachssiegel zu Bruch.

»Hast du sie niemals aufgemacht?«

»Nein.«

»Du weißt also nicht, was drin ist?«

»Nein. Sie hat sie ganz allein gepackt.«

»Bravo, Mama! Ich hätte sie sofort nach ihrem Begräbnis geöffnet … Vielleicht sind hier ja die Smaragde des Sultans drin! … War sie nicht reich und aus Smyrna, Mama?«

»Sehr reich.«

In der Truhe fand sich keine Spur von Edelsteinen oder anderen Wertgegenständen. Nur Hefte und Bücher, gebunden in festes, dunkles Leder. Meine Mutter warf einen kurzen Blick darauf und ging dann in die Küche. Ich begann zu blättern. Auf einem der Bände stand in geschwungener Schrift der griechische Buchstabe Rho. Darunter: Verwünschungen, Liebe, Wasser. Die Blätter waren vergilbt, rau und faserig, zusammengeheftet mit einem Faden, der dick war wie eine Darmsaite. Ich drehte den Band um. Auch die auf dem Kopf stehenden Seiten konnte man lesen, sie enthielten seltsame, handgemalte Abbildungen: Knoten, Sicheln, Blätter und Kräuter, Kreuzwege, Gräber, irgendwelche Nagetiere, unverständliche Worte.

»Was ist das? Zaubersprüche?«

Ich griff nach einem anderen Bändchen. Dies schien ein Heft jüngeren Datums zu sein. Gurkenwasser fürs Gesicht. Coldcream. Darunter die Rezepturen … Und noch so ein bizarres Buch. Riesengroß. Mit einem Metallschloss. Mühsam wuchtete ich es auf den Tisch. Waren da Ziegelsteine drin? Nein, bloß Namen. Eine ununterbrochene Folge von Namen und Stammbäumen. Die Seiten waren aus Pergament. Neben jedem Namen standen ein Symbol und ein Kommentar. Rätselhaft. Daneben waren Himmelskörper abgebildet, zwei Sonnen, eine Mondsichel, drei Planeten. So etwas wie Stichtage. Wer zählt mit Sternen die Jahre? In einigen Zeilen schimmerten die Namen in goldenen Lettern. Mit dem Nagel kratzte ich daran, um zu sehen, ob die Farbe abging. Wo war das Heft zu Ende? Ich blätterte bis zu den letzten Seiten. Sie waren leer, als warteten sie auf eine Fortsetzung. Sechs Zeilen vor dem Ende stand: ˙Izmirli Katina. Das Symbol daneben bestand aus den zwei Linien des Buchstabens Chi – Χ – und sah aus wie ein unvollendeter Stern.

Jedes einzelne Buch war für sich schon schwer. Wie hatte sie die nur alle aus Smyrna hierhergeschafft? Plötzlich fielen mir auch das Geschirr, die Betten mit den goldenen Engeln und Herzen ein, das Silberzeug, die Gemälde, die Anrichten, die Essgruppe, das umfangreiche Inventar, das jetzt in dem alten Haus auf Ägina stand. Alles hatte sie von dort mitgebracht. Sogar die Handtücher, die Tischdecken mit Ajourstickerei, Orientteppiche, Stehlampen … Wie bloß?

»Hallo, Mama!«, rief ich.

Aus der Küche war das Zischen bratender Zwiebeln zu hören. Meine Mutter bereitete Hühnergulasch zu.

»Kamen die Vertriebenen damals nicht nur mit dem, was sie am Leib hatten, nach Griechenland?«

»Was?«

»1922, meine ich, haben da die Leute nicht all ihr Vermögen verloren? Wurden sie nicht von den Türken aufs offene Meer hinausgejagt?«

»Ja.«

»Wie hat sie es dann geschafft, all das mitzunehmen?«

»Katina ist schon vor der ›Kleinasiatischen Katastrophe‹ abgereist. Einige Monate früher.«

»Na so was …! War sie Hellseherin?«

Meine Mutter tauchte kurz in der Tür auf, beugte sich dann auf der Suche nach Petersilie zum Kühlschrank hinunter und sagte ganz selbstverständlich: »Ja.«

»Also, hör mal!«

Heft Nummer sieben. Hase in Knoblauchsoße. Für ein Oka Hase … Das war gut. Ich koche gern. Zumindest sammle ich Rezepte, selbst wenn ich dann doch nicht so oft koche … Weiter unten … Sorbet. Julias Rezept: Ziegenmilch … eine Vanilleschote …

»Was ist Sorbet?«, rief ich laut.

»Eiscreme.«

Speiseeis selber zu machen hat mir gerade noch gefehlt … Und was steht hier? … Kodex 14. Ein in Leder gebundenes Buch, der Buchrücken mit einem groben Pfriem genäht. Arabische Schriftzeichen, vielleicht auch osmanische. Teufelsillustrationen. Ein kopfloser Körper. Darunter ein Auge mit Punkten und Pfeilen. Noch ein Körper ohne Kopf, mit Nadeln gespickt und daneben Erläuterungen … Danke, Tante, für dein Erbe … Genau das, was ich brauche! …

»Beeil dich, Mama! Ist das Essen fertig? Ich hab Hunger!«

Wäre meine Mutter nicht genauso eine Trödelsammlerin, wie ihre Großtante Eftalia es gewesen war, dann gäbe es alle diese Schriften längst nicht mehr. Wären sie mir früher in die Hände gefallen, wären sie im Mülleimer gelandet, da ich alten Kram ohne langes Nachdenken wegwerfe.

Nach Tante Katinas Tod hatte es zum Glück meine Mutter übernommen, das Haus auf Ägina aufzuräumen und Katinas Hab und Gut zu sichten. Einmal kurz Reinemachen, und die Sache war erledigt. Die Kleider der Verstorbenen spendete sie dem Agios-Nektarios-Kloster für die Armen. Neben all dem anderen Krimskrams rettete sie auch Katinas Aufzeichnungen. Wie eine »Hüterin der Schriften« hielt sie alles beharrlich versteckt, bis sie mir die Truhe auf Katinas Wunsch hin heute, am 14. September, genau dreiundzwanzig Jahre nach deren Ableben übergab.

»Wie schnell die Ferien zu Ende gegangen sind«, meinte meine Mutter, als wir auf dem kleinen Balkon unseren Mokka tranken. Vor uns lag das Meer, das bald im Sonnenuntergang aufleuchten würde. »Heute ist die Kreuzerhöhung Christi, ein hoher Feiertag.«

»Aha.«

Sie warf mir einen enttäuschten Blick zu. In den Augen meiner Mutter kam ich meinen religiösen Pflichten nur unzureichend nach. Besser also, ich wechselte das Thema.

»Alles, was recht ist, aber wieso solltest du mir das alles ausgerechnet heute übergeben?«

Sie zuckte die Achseln und blickte auf die Tauben, die in der Abenddämmerung heranflogen und sich auf das Dach hockten.

»Schon wieder diese Viecher«, ärgerte sie sich. Sie bekleckerten ihr die Treppen mit Taubendreck. »Können die nicht woanders hinfliegen … Erinnerst du dich überhaupt an Tante Katina?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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