Die Hölle von Tombstone - John Montana - E-Book

Die Hölle von Tombstone E-Book

John Montana

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Beschreibung

Western Helden – Die neue Reihe für echte Western-Fans! Harte Männer, wilde Landschaften und erbarmungslose Duelle – hier entscheidet Mut über Leben und Tod. Ob Revolverhelden, Gesetzlose oder einsame Reiter auf der Suche nach Gerechtigkeit – jede Geschichte steckt voller Spannung, Abenteuer und wilder Freiheit. Erlebe die ungeschönte Wahrheit über den Wilden Westen Seine Wiege stand im Goldland Montana. Sein Vater war einer der Bosse der Anaconda-Gesellschaft, einer mächtigen, einflussreichen und beherrschenden Organisation. Sein Name war Scott Cameron. Er sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten, sollte ein angesehener, respektierter Geschäftsmann werden. Aber dazu fühlte sich Scott nicht berufen. Er wollte Freiheit. Mit achtzehn riss er von zu Hause aus. Mit fünfundzwanzig hatte er sich einen legendären Ruf als Gunner erworben. Sein Name war in Vergessenheit geraten. Man nannte ihn Deadlock. Er übte alle möglichen Revolverjobs aus, jagte steckbrieflich gesuchte Banditen, und nun, da er dreißig war, hatte er die Nase voll. Er wollte sesshaft werden. Geld war genug vorhanden. Als Kopfgeldjäger hatte er ein kleines Vermögen scheffeln können. Deadlock kam von Süden. Bei Agua Prieta war er über die mexikanische Grenze geritten. Sein Ziel war Tombstone. Dort hatte man Silber gefunden. Deadlock wollte sein Geld nicht brachliegen lassen. Von Douglas aus war Deadlock nordwestlich gezogen.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Western Helden – 56 –Die Hölle von Tombstone

John Montana

Seine Wiege stand im Goldland Montana. Sein Vater war einer der Bosse der Anaconda-Gesellschaft, einer mächtigen, einflussreichen und beherrschenden Organisation. Sein Name war Scott Cameron. Er sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten, sollte ein angesehener, respektierter Geschäftsmann werden. Aber dazu fühlte sich Scott nicht berufen. Er wollte Freiheit.

Mit achtzehn riss er von zu Hause aus. Mit fünfundzwanzig hatte er sich einen legendären Ruf als Gunner erworben. Sein Name war in Vergessenheit geraten. Man nannte ihn Deadlock.

Er übte alle möglichen Revolverjobs aus, jagte steckbrieflich gesuchte Banditen, und nun, da er dreißig war, hatte er die Nase voll. Er wollte sesshaft werden. Geld war genug vorhanden. Als Kopfgeldjäger hatte er ein kleines Vermögen scheffeln können.

Deadlock kam von Süden. Bei Agua Prieta war er über die mexikanische Grenze geritten. Sein Ziel war Tombstone. Dort hatte man Silber gefunden. Deadlock wollte sein Geld nicht brachliegen lassen. Es sollte arbeiten

*

Von Douglas aus war Deadlock nordwestlich gezogen. Als es Abend wurde, erreichte er Bisbee. In der Stadt wurden gerade die Lampen angezündet, als Deadlock über die breite Hauptstraße ritt. Er folgte dem Klang einer Gitarre, der ihn zu einem Saloon führte.

Deadlock leinte seinen Falben neben fünf verstaubten Pferden an und stakste langbeinig in den Inn. Die Tür pendelte hinter ihm aus. Er nahm seinen Hut ab und strich sich mit den gespreizten Fingern die sandfarbenen Haare nach hinten. Die Ränder seiner pulvergrauen Augen waren entzündet. Staub rieselte von den Schultern seines langen Mantels, den er nicht zugeknöpft hatte. Unter dem Mantel lag der Revolvergurt um seine Hüften. Der schwere 45er an seiner rechten Seite beulte das Kleidungsstück aus.

An einem Tisch saßen fünf Männer. Ebenso staubig wie Deadlock, ebenso erschöpft von einem langen Ritt. Sie tranken Bier und sprachen leise miteinander. In Deadlocks Augen blitzte es auf. Sporenklirrend ging er zum Tresen.

Einer der Männer am Tisch erhob sich schnell und näherte sich Deadlock. Ein breites Grinsen gab seine Zähne frei. Deadlock wandte sich ihm zu, blieb aber ernst. Er schien wenig begeistert zu sein über diese Begegnung.

»Hol mich der Teufel«, rief der dunkle Bursche mit den zerfurchten Zügen, die Härte und Energie vermuten ließen. »Deadlock, altes Haus. Lange nicht gesehen. Wo kommst du her?«

Der Keeper näherte sich. Deadlock bestellte ein Bier und sagte staubheiser. »Hallo, Socorro. Dich vermutete ich in einer ganz anderen Ecke. Hast du nicht erst vor drei Wochen in Roswell für Schlagzeilen gesorgt?«

Socorro, dessen richtiger Name Herb Callaghan lautete, lachte schallend. »Stimmt, Deadlock. Wir mussten New Mex etwas überstürzt verlassen. Aber das ist Geschichte. Wir gehen nach Tombstone. Da oben ist der Teufel los. Die Silberminen-Gesellschaft sucht Kerle wie uns, Kerle, die den Colt zuverlässig schwingen können. Die Bosse dort zahlen gut, verdammt gut.«

»Auch ich will nach Tombstone«, erklärte Deadlock schmal. Socorro warf den Kopf in den Nacken. »Das trifft sich gut. Ich nehme an, dass du ebenfalls einen Revolverjob suchst.«

»Du irrst dich.« Deadlock schüttelte den Kopf. »Ich will mich in Tombstone zur Ruhe setzen und selbstständig machen. Kein Gunslinger-Job mehr, Socorro. Das habe ich mir geschworen.«

»Diesen Schwur wirst du schneller brechen, als du denken kannst«, stieß Socorro hervor. »Was ist, Deadlock, trinken wir einen auf unser Wiedersehen? Ich gebe eine Flasche aus.«

»Ich bin müde«, murmelte Deadlock. »Ein anderes Mal vielleicht.«

Er trank zwei Schlucke von seinem Bier, warf ein Fünfcentstück auf den Schanktisch, dann verließ er wieder den Saloon. Deadlock brachte sein Pferd in den Mietstall, dann begab er sich ins Hotel, mietete ein Zimmer und lag fünf Minuten später im Bett.

Zwei Tage danach: Bill Shatner trieb ein Rudel Longhorns, die sich in den San Pedro-Bergen verlaufen hatten, zurück auf die Weide. Er ritt gedankenvoll. Die Silberminengesellschaft hatte ihm zwanzigtausend Dollar geboten für sein Weideland, das wie ein Keil in die San-Pedro-Hügel hineinstieß. Seine Ranch war den Bossen ein Dorn im Auge. Er hatte das Angebot abgelehnt. Drohungen folgten, und dann die ersten Übergriffe.

Eine Herde war in Stampede versetzt worden. Zwei seiner Cowboys wurden so sehr verprügelt, dass sie den Job bei ihm kündigten. Der Zaun, den er zu den von Prospektoren aufgewühlten Hügeln hingezogen hatte, wurde zerschnitten. Man kündigte die Entführung seiner Frau und seiner Tochter an. Aber Bill war hart und unbeugsam geblieben. Er schnallte sich einen Revolvergurt um und trennte sich von Stunde an nicht mehr von seiner Winchester. Auf der Ranch befanden sich immer zwei Cowboys zum Schutz von Patricia und Jessy, dem achtjährigen Mädchen.

Die Longhorns liefen schnell. Unter ihren stampfenden Hufen dröhnte die Erde. In der Ferne sah Bill über einen Hügelkamm den Holzturm einer Erzmühle ragen. Die Silberfunde hatten einen wahren Rausch ausgelöst. Tombstone war entstanden. Ein Sündenbabel, ein Sodom und Gomorrha auf einem Hochplateau zwischen den Dragoon- und Whetstone-Bergen.

In Tombstone residierte Jack Powell, Boss der Minengesellschaft, der sich zum absoluten Herrscher aufgeschwungen hatte.

Bill Shatner trieb ein Jungtier in das Rudel zurück. Ein Stier brüllte. Horn klapperte. Schwanzenden peitschten über die knochigen Rücken der Rinder.

Fernes Rumoren verriet, dass die Erzmühlen in Betrieb waren. Dort wurde das silberhaltige Gestein gestampft, dann verfrachtete man es zu den riesigen Schmelzöfen. Schutthalden verunstalteten das Land, und sie wuchsen immer höher. Das Silber hatte Menschen jeden Schlages nach Tombstone gezogen. Biedere Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit eine ordentliche Existenz aufbauen wollten, aber auch Glücksritter und Abenteurer. Innerhalb von zwei Jahren hatte sich Tombstone von einer Zelt- und Budenansammlung zu einer richtigen Stadt mit fast sechstausend Einwohnern gemausert.

Bill hatte angehalten. Er spuckte ins Gras, hakte seine Wasserflasche vom Sattel und trank einen Schluck. Du wirst niemals aufgeben, Bill!, durchzuckte es ihn. Dein Vater hat die Waycross-Ranch gegründet, und du wirst sein Lebenswerk fortführen.

Ein entschlossener Zug kerbte sich in seine Mundwinkel. Er hängte die Flasche wieder an das Sattelhorn und trieb den Braunen an. Die Rinder waren schon hundert Yards voraus. Sie trabten auf eine Hügellücke zu. Hinter der Anhöhe stand die Hauptherde, am großen Wasserloch, dessen Witterung die Longhorns in die Nasen bekommen hatten.

Plötzlich nahm Bill vier Reiter wahr. Sie kamen über eine Bodenwelle im Süden. Sie ritten schnell. Eine Staubfahne rollte hinter ihnen her. Dann verschwanden sie in einer Senke aus Bills Blickfeld. Der laue Wind trug den dumpfen Hufschlag heran. Bill zog die Winchester aus dem Sattelhalfter und lud sie durch. Langsam ritt er weiter.

Dann erschienen sie aufs Neue in Bills Sichtkreis. Nun nahmen sie ihn wahr. Sie rissen ihre Pferde zurück und schienen sich zu beraten. Auch Bill zügelte den Braunen. Die Kolbenplatte der Winchester stand auf seinem Oberschenkel. Bills Rechte umklammerte den Kolbenhals. Er starrte zu den Reitern hinüber, und trotz der Ferne schienen sich ihre Blicke zu treffen. Der Rancher ahnte Unheil.

Die vier spornten ihre Pferde an.

Schnell näherten sie sich. Der Hufschlag brandete heran wie grollender Donner. Obwohl sie die Hüte tief in die Stirn gezogen hatten, erkannte er ihre Gesichter. Unvermittelt befand er sich im Klammergriff vibrierender Erregung.

Es waren vier üble Nummern aus Jack Powells Revolvergarde, Kerle, die aus Eisen und Stahl und allem, was hart und unmenschlich macht, zusammengesetzt waren.

Sie erreichten ihn und zerrten an den Zügeln. Dreck und Grassoden spritzten unter den bremsenden Hufen der Pferde auseinander. Mit eiserner Hand bändigten sie die tänzelnden Tiere. Stumm und aus kalten Augen starrten sie Bill an, in den glitzernden Augen stand nichts als eisige Kälte.

Einer der Kerle, ein weißblonder Bursche mit einem riesigen Schnauzbart und zwei tief hängenden Colts erhob nach fast einer Minute des schweigenden Abtastens das Wort. Seine Stimme klang blechern und unangenehm. Er schnarrte: »Wir sind auf dem Weg zur Waycross-Ranch, Shatner, das heißt auf dem Weg zu dir. Da wir dich hier antreffen, ersparst du uns eine ganze Menge Meilen in diesem verdammten Backofen.«

»Was wollt ihr von mir?«, würgte Bill mühsam hervor. Härter krallte sich seine Hand um die Winchester. Weiß traten die Knöchel unter der Haut hervor.

Der andere lachte scheppernd. »Weißt du das nicht?« Bills Herzschlag geriet ins Stocken. »Du hast unsere Warnungen ignoriert, und jetzt präsentieren wir dir die Rechnung für deine Sturheit.«

Mit Bill gingen die Nerven durch. Sein Entschluss kam impulsiv und unüberlegt, aus der Bedrängnis heraus. Er hämmerte seinem Braunen die Sporen in die Weichen. Wie von der Sehne geschnellt sprang das Tier an, streckte sich. Der Lauf der Winchester wirbelte nach unten, kam in die Waagerechte. Der Schrei, der sich in Bills Brust gestaut hatte, brach sich Bahn.

Die vier Gunslinger reagierten augenblicklich. Ihre Colts flirrten aus den Halftern, bäumten sich in ihren nervigen Fäusten. Das Mündungsfeuer verschmolz mit dem Sonnenlicht. Pulverrauch wolkte. Der Widerhall der Detonationen zerflatterte zwischen den Hügeln, Bill Shatner spürte nicht einmal mehr die Einschläge. Den Donnerhall in den Ohren, starb er. Er kippte nach hinten, die Winchester entglitt seinen Händen, dann fiel er vom Pferd. Der Braune vollführte einen erschreckten Satz zur Seite. Bill wurde mitgerissen, weil sein linker Fuß im Steigbügel hängen geblieben war. Seine noch im Tod schreckensgeweiteten, glasigen Augen starrten blicklos zum Himmel.

Ohne jede Gemütsregung bliesen die Schießer den Rauch aus den Mündungen ihrer Colts, stießen die Eisen in die Halfter. »Er war ein Narr. Jetzt bleibt er tatsächlich auf seinem Land – allerdings sechs Fuß unter der Grasnarbe.«

Er lachte satanisch. Dann nahmen sie ihre Pferde herum und ritten fort.

*

Deadlock vernahm den versickernden Klang der ineinander verschmelzenden Schüsse. Er fiel dem Falben in die Zügel und lauschte mit erhobenem Kopf. Stille kehrte ein. Deadlock ritt wieder an. Der Falbe galoppierte über Hügel und durch Senken, watete durch einen seichten Bach, schließlich ging es durch dichtes Gestrüpp. Als Deadlock den Buschgürtel durchbrochen hatte, sah er die Reiter. Sie kamen aus den Hügeln, erreichten eine breite, ausgefahrene Straße, die nach Westen führte, und folgten ihr. Deadlock hatte die gerade Route von Bisbee herauf genommen und befand sich östlich von Tombstone. Um Tombstone zu erreichen, musste er sich also ebenfalls nach Westen wenden.

Ohne zu zögern, zog er weiter. Er sah die Reiter auf eine Entfernung von etwa hundertfünfzig Yards, sie hingegen nahmen ihn nicht wahr, weil sie in die von ihm abgewandte Seite ritten. Unter dem Stetson eines der Burschen fiel weißblondes Haar hervor bis in den Nacken.

Die Schüsse kamen Deadlock wieder in den Sinn. Er ahnte, dass die Reiter sie abgegeben hatten, und sie waren nicht von der Sorte, die ihre Kugeln in die Luft ballerten. Also gab es etwas, worauf sie feuerten.

Deadlock folgte der deutlichen Spur, die die Hufe ihrer Reittiere hinterlassen hatten, nach Norden. Bald schon fand er den Toten. Er schwang sich aus dem Sattel und beugte sich über ihn. Die schweren Geschosse hatten seine Brust förmlich zerfetzt. Das Hemd war blutgetränkt. Hinter dem Höhenzug war das dumpfe Rumoren, das die Herde verursachte. Deadlock biss die Zähne zusammen. Er bemerkte das Gewehr, das im Gras lag, und hob es auf. Deadlock schnupperte an der Mündung. Aus dieser Waffe war seit Langem kein Schuss mehr abgegeben worden. Er stieß es in den Scabbard des Pferdes, das bei dem Toten stand. Deadlock bemerkte das Brandzeichen. Es war ein Kreuz aus geschwungenen Linien. Die obere linke Ecke enthielt ein B, die untere Rechte ein S.

Deadlock kannte den Brand nicht. Er sagte sich, dass er den Leichnam nicht einfach liegen lassen konnte. Also wuchtete er ihn quer über den Pferderücken. In der Satteltasche fand er eine Schnur, mit der er ihn festband. Er spürt einen galligen Geschmack in der Mundhöhle. Die vier Reiter hatten ausgesehen wie Burschen vom heißen Eisen. Dieser Mann hier aber vermittelte den Eindruck eines Cowpunchers. Vier Colthaie gegen einen Rindermann. Das stank gewaltig zum Himmel. Da steckte mehr dahinter als ein zufälliges Zusammentreffen. Vielmehr sah es nach kaltblütigem Mord aus.

Das spürte Deadlock instinktiv.

Er kletterte auf den Falben, angelte sich die Zügel des Braunen und ruckte im Sattel. Die Pferde setzten sich in Bewegung. Deadlock lenkte den Falben nach Südwesten. Er fragte sich, weshalb die vier Killer nicht den direkten Weg nach Tombstone genommen hatten, sondern erst kerzengerade nach Süden geritten und dann nach Westen abgebogen waren.

Er selbst gab sich sogleich die Antwort. Sie haben von dort aus, wo sie die Richtung wechselten, die Reit- und Fahrstraße benutzt. Unzählige Wagenräder hatten sie tief zerfurcht, tausende von Hufen hatten sie zertrampelt. Auf dieser Straße endete die Spur der Bande.

Nach einer halben Stunde lag die Stadt vor Deadlock. Seine Sinne nahmen alles auf. Da war die breite, staubige Hauptstraße, gesäumt von Häusern mit bunten, aber falschen Fassaden. Hier reihten sich wie die Perlen an einer Schnur Geschäfte, Saloons, Wohnhäuser und einige Hotels. Es gab Tanzhallen, Bordells und Spielhöllen. Von der Main Street zweigten weitere Straßen und Gassen ab. Rings um Tombstone zog sich eine staubige Ansammlung von Zelten und Buden. Die Gehsteige wimmelten von Menschen. Deadlock sah Männer in grober Bergarbeiterkluft, Dandys, Kerle in Weidereitertracht und andere im typischen Spielerhabit. Und es gab Ladys. Sie trugen lange Kleider, Hüte, von deren Krempen Schleier vor ihre Gesichter fielen, und sie schützten sich mit kleinen, bunten Schirmen gegen die sengende Sonne.

Deadlock erregte Aufsehen mit seiner traurigen Fracht. Die Menschen blieben stehen, tuschelten, musterten ihn unverhohlen und neugierig. Der Tod war in Tombstone Dauergast. Aber seine Opfer wurden in der Regel aus der Stadt hinaus auf den Boothill gekarrt. Niemand brachte einen Toten in die Stadt.

Plötzlich rief eine Frau spitz und hysterisch: »Mein Gott, das ist ja Bill Shatner!«

Auf der Straße herrschte plötzlich Ruhe. Aber dann setzte Gemurmel ein. Die Nachricht pflanzte sich fort, ging von Mund zu Mund und wie ein Steppenbrand durch die Stadt.

Deadlock ließ die Pferde im Schritt die Fahrbahn entlang gehen. Ihm war jetzt klar, was das B und das S im Brandzeichen des Braunen bedeuteten. Also war der Tote Rancher.

Deadlock schaute sich um. Die luxuriös aufgemachte Fassade eines Saloons stach ihm ins Auge. Das Riesenschild, das die gesamte Breite der Vorderfront einnahm, verriet seinen Namen. »Oriental Saloon« stand da in großen Lettern. Hinter einer Fensterscheibe im Obergeschoss des Betriebes sah er den hellen Klecks eines Gesichts. Darunter war ein weißes Hemd. Der Mann rührte sich nicht. Auch nicht, als ein Zweiter neben ihn trat. Dessen Mund bewegte sich. Deadlock erkannte sein Gesicht hinter der verstaubten Scheibe nicht. Dafür aber erfasste sein Blick die fünf verschwitzten Pferde am Hitchrack vor dem Saloon. Diese fünf Tiere hatte er noch von Bisbee her in Erinnerung. Sie gehörten Socorro und seinem verwegenen Anhang. Und sein Gefühl sagte Deadlock, dass der Bursche oben am Fenster, der neben den mit dem weißen Hemd getreten war, Socorro gewesen ist.

Er dachte nicht weiter darüber nach, sondern erkundigte sich bei einem Halbwüchsigen nach dem Büro des Sheriffs.

*

»Der Hombre, der da in Tombstone einzieht, ist kein Geringerer als Deadlock. Ich traf ihn vor wenigen Tagen unten in Bisbee. Er will seinen Sixshoter an den Nagel hängen. Aber wie er aussieht, wird ihm das nicht gelingen«, sagte Socorro in düsterem Ton.

Der andere, sein Name war Cole Fitzgerald, erwiderte: »Wenn dieser Deadlock wirklich so gut ist, wie man behauptet, dann wird Powel alles dransetzen, um ihn für die Minengesellschaft zu gewinnen.«

Socorro lachte kehlig. »Deadlock ist unbezahlbar. Ihn und mich verbindet so etwas wie eine alte Kameradschaft. Ich bin vielleicht auch der Einzige, der ihn schlagen kann. Allerdings möchte ich es nicht darauf ankommen lassen.«

»Was will er hier?«

»Er will sich hier zur Ruhe setzen und Geld verdienen.«

Fitzgeralds Miene verschloss sich, wurde unzugänglich. »Dazu braucht er Powells Einverständnis. Ich glaube aber nicht, dass Powell zustimmt. Und dann hat Deadlock die Wahl: Entweder er arbeitet für die Gesellschaft, oder er verschwindet, oder «

Fitzgerald zuckte mit den Achseln und ließ den Rest offen. Aber es gab nur noch die Möglichkeit. Socorro sprach sie aus: »Oder er kippt aus den Stiefeln, nicht wahr?«

»So sieht es aus.«

Socorro grinste fast mitleidig. »Sie sollten Deadlock nicht unterschätzen, Fitzgerald. Er ist ein Tiger. Die Leute, die die Minengesellschaft beschäftigt, sind wahrscheinlich zahnlose Straßenköter gegen ihn.«

Fitzgeralds Stirn legte sich in finstere Falten. »Auch eine Meute zahnloser Straßenköter kann einen Tiger zur Strecke bringen«, stieß er hervor. »Im Übrigen, Socorro – seit heute gehören auch Sie zu den Leuten, die im Sold der Minengesellschaft stehen. Sie und Ihre Männer. Sollte ich fünf zahnlose, streunende Hunde angeworben haben?« Er starrte dem Gunman herausfordernd in die Augen.

Socorro nahm es gelassen. Schmal sagte er: »Lassen Sie sich überraschen, Fitzgerald.«