Die Kannibalen - Pat. Rick - E-Book

Die Kannibalen E-Book

Pat. Rick

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Beschreibung

Anthropophagie ist eine grausame Krankheit und Degeneration der Verdauungsorgane. Nur ein Mann kann es mit den Monstern aufnehmen, die zuerst seine Heimatstadt Trier verheerten und ihm anscheinend als blutiger Albtraum bis nach London gefolgt sind. Kannibalen terrorisieren die zivilisierte Welt.

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Seitenzahl: 361

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Ähnliche


Pat. Rick

Die Kannibalen

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Impressum neobooks

Kapitel 1

Der Wandkalender, der anonym in meinen Briefkasten geworfen war, ein Werbegeschenk einer Firma namens Sonax Xtreme Brillant Nano Pro die leichtbekleidete Blondinen, Gartenschläuche oder Autos verkauft, die Werbebotschaft ist etwas verwirrend, zeigt den dritten April 2013. Ich habe das Datum rot eingekreist. Vieles hat sich im Laufe der Zeit geändert und sehr vieles zum besseren. Dank der Elementarbildung, die 1891 für alle kostenlos wurde, verringerte sich die Zahl der Analphabeten, die in Queen Victorias Regierungszeit 1837 bis 1901, noch den Großteil der Bevölkerung ausgemacht hatte, so dass ich davon ausgehen kann, dass meine Memoiren auf diesen Seiten nicht nur eine Anhäufung von geometrischen Formen ohne Inhalt für sie sind. Ich schreibe diese meine wahrhaftigen Erlebnisse in der Absicht, einen Teil meiner Erinnerungen in die Allgemeinheit zu verpflanzen, denn ich habe beschlossen mich meiner Krankheit zu ergeben und den feigen Weg gewählt, um mit ihr umzugehen. Ich habe beschlossen entgegen meinem inneren Wesen bescheiden aus dem Diesseits zu scheiden. Selbstmord scheint mir eine praktische Lösung für mein Krankheitssyndrom. Anthropophagischer Vampirismus ist eine grausame Form der Geisteskrankheit und Degeneration der Verdauungsorgane und ich habe mir immer sehr viel auf meine Geistesgaben eingebildet. Man nennt mich den größten Denker, den dass 19. Jahrhundert geboren hat, ich würde dem nicht ohne einige ergänzende Namen zustimmen. Mein Freund Robert Koch, ohne seine Forschung wäre die Welt weniger dicht besiedelt und der Ausbruch einer Choleraepidemie nicht nur ein journalistisches Ereignis das die dritte und vierte Welt betrifft. Astrid Lindgreen, Thomas Aver Eddison, Benjamin Disraeli, Charles Stewart Parnell, hunderte von Männern und Frauen ohne die ihre Zeit nicht das wäre was sie ist. Ich bin am fünften Mai 1818 als Drittes von neun Kindern der liebevollen Eltern Heinrich und Henrietta Marx in der Stadt Trier geboren. Ich habe bis auf drei alle dieser elenden Geschöpfe aus unserer Welt geschafft. Dieser von ihnen gelesene Bericht ist nicht in demselben nachdenklichen und humorvollen Stil wie das Kapital oder der achtzehnte Brumaire des Louis Napoleon geschrieben aber, meine Intention mit diesem Werk ist es ein Sitten und Geschichtsbild meiner Zeit zu schildern die mit Victorias Tod und dem ersten Weltkrieg zu Ende ging. Meine Lieben sind alle schon vor langer Zeit von mir gegangen und ich sitze bereits auf gepackten Koffern. Ich stehe auf meinem kleinen Balkon und sehe ein letztes Mal hinunter auf die von mir geliebten Straßen Londons, doch statt der Dickchen Pferdeomnibusse und Droschken betrachte ich Automobile, die es auf eine Geschwindigkeit von 120 Meilen in der Stunde bringen, es muss ein sehr schöner Ort sein, zu dem man mit solcher Geschwindigkeit hin aufbricht. Ich sehe ein Starbucks Caffe haus ein Mc Donalds Resturant und die Auslage eines Pornographischen Buchhändlers dessen Schaufenster mit schwarzer Folie verklebt sind und auf dem drei rote XXX geschrieben stehen. Es hat keine ungeringe Ähnlichkeit mit einem unter Quarantäne stehendem Pesthaus, die selben drei Buchstaben allerdings ohne den Zusatz Quadragesimus dies 40 Tage. Bis 1975 war es das Geschäft eines Delikatessen Händlers in denen ich meine Austern erstand. Bis 1944 das Farbengeschäft der guten Handwerker Miller&Smith von 1941 bis 1899 war es das Geschäft eines Bäckers, der das beste Brot in ganz London buk. Solche Brote mit großen runden Leibern und einer krachenden Kruste, wenn man es aufbrach und teilte, werden heut zutage nicht mehr gebacken. Vor 1899 war es eine Brandruine, die am 4.5.1891 hell in Flammen stand und davor ein Zigarrengeschäft eines Mr Holliday der gerne im Bett noch eine Zigarre rauchte und ein oder zwei Flaschen Rotwein dazu trank und las. Heutzutage ist alles in Zellophan verpackt, verschweißt ich misstraue der chemischen Zusammensetzung des Zellophans ich, glaube NaOH aufgelöst in CS2 und das ganze in Schwefelsäure gegossen hat nichts in und um menschlicher Nahrung zu suchen. Ich werde mich in den Salon setzen. Das elektrische Licht anschalten, die größte Errungenschaft der industriellen Revolution und ein letztes Buch lesen. Bevor ich meine Verpflichtung, mein gegebenes Wort einhalte und den schlimmsten der Leberfresser töte. Ich hatte mir diese Aufgabe anders vorgestellt, feierlicher ein Jahrhundertwerk sollte anders enden als mit einer Selbstverbrennung. Von allen giftigen Substanzen auf dieser Erde ist nichts bedrohlicher für ein Monster als Katzenurin. Sollte der größte Denker und Weidmann des neunzehnten bis einundzwanzigsten Jahrhunderts so sterben, sollte er nach Abschluss einer letzten Lektüre, an einem Glas Katzenurin zugrunde gehen? Ich vermute das Schicksal, the god old Boy, meint ja. Felis Urina hat auf einen Kanaaniter die gleiche Wirkung die reine Schwefelsäure auf sie hätte, es zerstört zu 100 % lässt nichts außer einer zischenden und blubbernden Pfütze zurück. Mrs Nguulu meine Putzfrau wird schockiert sein, auf mich in Lingala schimpfen, meine Überreste mit Wasser und Mob wegwischen und danach den Boden polieren und mich in einem roten Plastikeimer 1 zu 10 mit Seifenwasser verdünnt in die Toilette spülen, eine Art Seebestattung. Sie sehen von allen Kreaturen, zu denen der Kanaaniter in natürlicher Feindschaft steht, ist keines gefährlicher als die gemeine Hauskatze für ihn. Die Fragen, die mich beschäftigen, haben nichts mit dem Jenseits zu tun, obwohl man annehmen sollte dies wäre im Moment die dringenste meiner Betrachtungen. Ich habe mich Ende des vorigen Jahrhunderts dafür entschieden, dass es die Wiederauferstehung gibt. Gibt es keine wie immer auch genannte intelligente Wesenheit so wird die Unsterblichkeit der Moleküle und die unendliche Zeit dafür Sorge tragen das sich wieder alles zusammenfügt, vermutlich werde ich zuvor einige andere Inkarnationen durchlaufen, ich mag Katzen und Rosen und die Farbe Blau. Ich frage mich, wessen Blut und Leber ich zu mir nehmen sollte, es bereitet mir immer größere Schwierigkeiten zwischen guten und bösen Menschen zu unterscheiden, der Unterschied verschwimmt und manchmal sind es nur noch prall gefüllte Venen und Adern Futtersäcke, deren flüssiger Inhalt nach dem Frühling riecht. Von meinem Balkon aus sehe ich einen Mann der englischen Nazi Partei, der Flugblätter verteilt. Die Metropolitan Police London wird ihn sicherlich irgendwann in meinem Keller finden. In meinem kleinen Haus sind so viele begraben, Einbrecher, Demagogen und Tierquäler, ich hoffe der Sinnspruch du bist was du isst entbehrt jeder Wirklichkeit. Ich habe mir vor langer Zeit angewöhnt, abends in meinen Straßen die Katzen zu füttern. Ich kaufe das Katzenfutter in einem Biotierfutter Laden in der Meard Street neben der Pitcher und Piano Bar. Ich fülle 38 Näpfe und rufe sie bei ihren Namen, es macht mir Vergnügen in sicherem Abstand zuzusehen, wie sie aus ihren Verstecken kommen und fressen. Nach meinem Ableben wird sich darum eine von mir ins Leben gerufene Stiftung kümmern die Cats Protektion 135 Junction Road, Archway London N19 5PX. An den Dienstagen gebe ich im Gemeindezentrum Soho Kurse in Viktorianischer alltags Geschichte ein kleines beliebtes Steckenpferd vieler Asiaten, die dann ausfallen werden, vieleicht sollte ich meine Selbstbehandlung solange verschieben bis ich einen geeigneten Nachfolger für meinen Kurs gefunden habe. Dr Hsiu von der Universität Exeter hat ein sehr gutes Buch zu den Panoramatapeten des 18 und 19 Jahrhunderts geschrieben er ist ein Fachmann für Victorianische Mode, sicherlich kann ich ihn dazu überreden meinen Kurs dienstags, zu halten. Er könnte mit Flybe fliegen, ich muss mit dem sozialistischen Arbeiterbund reden, der das Gemeindehaus Soho betreibt. Mister Merryweather und Doktor Rehgraben sollten in der Lage sein Dr Hsiu und seine Ansichten, auch wenn er für die konservative Partei im Cornweller Landtag sitzt, zu tolerieren. Leider wird meine Kenntnis der thrakischen Sprache mit mir aussterben, Sie gehört zur Untergruppe der ostromanischen Sprachen und wurde von Antrophagen den anderen Menschen benutzt, um unbelauscht in der Öffentlichkeit zu reden bedauerlicherweise, habe ich es nie geschafft ein Wörterbuch zu verfassen. Ich schreibe diese einführenden Worte mit einem Waterman Federhalter von 1907, ein sauberes Schreibbild die Tinte fließt regelmäßig aus der Spitze, manche Dinge erreichen eine Qualität und verschwinden. Ich glaube solange der Mensch seine Qualität nicht erreicht, bleibt ihm noch Zeit. Demagogie ist mir zuwider der Flugblattverteiler sieht bieder aus, ich schätze ihn auf gute 6 Liter aber, er hat gelbe Augen wie ein Trinker seine Leber macht mir Sorgen und leider ist meine Regeneration von der äußeren Zufuhr des, in der Leber gebildeten Vitamins IGF-1 und von einzig in Menschen Leber vorkommenden Lipoproteinen abhängig. Er wird mir in einer Stunde als Nahrung dienen, ich muss noch die Katzen füttern einige Dokumente Sortieren und ich fühle mich erschöpft. Ich werde mich zu ihm gesellen und mit ihm sprechen, ob er eine Katze besitzt? Ich glaube er besitzt keine, die meisten uninteressanten Menschen besitzen keine Katzen. Ich werde mich ihm als Deutscher zu erkennen geben und ihm sagen das ich in meinem kleinen Haus einige Devotionalien von The Fuehrer gibt die er sich als Nazi natürlich nicht entgehen lassen kann. Er wird mir wie in Schaf auf die Schlachtbank folgen. Es ist ein gutes Thema für meinen Kurs im Gemeindezentrum, warum gab es in den Rookeries der englischen Städte auffallend viele Katzen? Wie entwickelte sich die Volksweisheit, Dont be afraid you have a cat, in den Slums von Whitechapel und Bethnel Green? Vielleicht muss ich mir einen passenderen Termin für meine Seebestattung aussuchen, das nächste Wochenende ist frei.

Kapitel 2

Nach einiger Zeit brachte Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes dar; auch Abel brachte eines dar von den Erstlingen seiner Herde. Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß, und sein Blick senkte sich. Hierauf sagte Kain zu seinem Bruder Abel: Lass uns aufs Feld gehen! Und als Sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach der Herr: »Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden. Verflucht seist du auf der Erde, die ihr Maul hat, aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen. Wenn du den Acker bebauen wirst, wird er dir keinen Ertrag mehr geben. Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.« Kain antwortete dem Herrn: »Meine Sünde ist größer, als dass sie mir vergeben werden könnte. So wird mir‘s gehen, dass mich totschlägt, wer mich findet«. Der Herr aber sprach: »Darum soll jeder der Kain erschlägt, siebenfacher Rache verfallen«. Daraufhin machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde. Dann ging Kain vom Herrn weg und ließ sich im Lande Nod nieder, östlich von Eden.«

Buch Jeshua, Exodus 3,2-11:

»Und das Zeichen des Kains sei in dir«, sprach Azarodoth unser Herr, »fürchte den Tag und lebe bei Nacht. Und das Zeichen sei von jedem in deinem Gesichte zu lesen es sollen sein dein Zahnwerk wie das des Tigers. Deine Nahrung soll sein die eines Tigers«. »Herr werden mich die Menschen nicht fürchten und vor mir fliehen?« »Wie ein Geist sollst du sein unter ihnen, erkannt nur an deinen Taten du sollst mein Mahnzeichen sein für das Blut in der Erde. Du wirst nur vom Blute deines Bruders leben immer dar bis zum Exodus«, sprach der Herr und gab dem Kain das Zeichen.

Kapitel 3

London war zu seiner Zeit die größte und mächtigste Stadt der Welt um 1870 lebten 4,5 Millionen Menschen in ihr, es sollte gegen Ende 1890 auf 7 Millionen steigen, die Meisten unter den abscheulichsten Bedingungen. In schmutzigen Labyrinthen, in engen Gassen, auf denen der Unrat verblieb, bis der Regen ihn fortspülte, in die als Wasser Reservoir genutzte Themse. Die Stadt war laut sie stank und war gefährlich. An feuchten Tagen war die Rauchwolke über der Stadt so schwarz und zäh das man, am Mittag ein Licht anzünden musste, um die Zeitung zu lesen. London Fraß Kohle verschlang sie mit einem unersättlichen Heißhunger nach Energie, allein im Jahr 1867 mehr als 70 Prozent der gesamten in Europa geförderten Kohle, eine einzige Stadt die größte dennoch nur eine von vielen. Der schwarze Qualm setzte sich als ekelhafte Ablagerung auf den Stein auf die Kleidung auf die Bäume, er zerfraß Hausfassaden Denkmäler Skulpturen und kroch in jede Fensterritze, Türspalte und hinterließ eine ölige schwarze Substanz die Kohlsäure genannt wurde. Das Empire herrschte, wie ein tausendarmiger Krake über mehr als 300 Millionen Menschen. Von Asien über Afrika in die Karibik, Amtssprache war Englisch und dirigiert wurde von Gentleman. 90 Prozent aller Baumwollprodukte stammten aus englischen Fabriken und 60 Prozent der geförderten Kohle stammten aus englischen Bergwerken. England war die dominierende Nation und London war ihre Krone. London war Reich, mächtig und herrisch es war ihre goldene Zeit. Fabriken schossen wie Pilze aus dem Boden, Gewinne waren nur noch mit hoher Maschinenauslastung und geringen Löhnen möglich. Der Arbeitstag in den rentablen Knochenmühlen dauerte zwölf bis 14 Stunden ohne Unterbrechung. Gegessen, eine dünne Suppe ohne jeden Nährwert zusammengebraut allein nach den Gesichtspunkten des Profits wurde an den laufenden Maschinen. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder arbeiteten, um die Familie zu ernähren. Bereits Fünfjährige wurden mit Gewalt zu harter Arbeit gezwungen, seit der schwarzen Pest war die Kindersterblichkeit niemals mehr so hoch gewesen. In der kleinen mittelenglischen Industriestadt Dudley in den West Midlands lag die Lebenserwartung des Lumpenproletariats bei 18 ½ Jahren, so jung starb sonst niemand in England seit der Bronzezeit mehr. Englische Spinnereien kauften 80 Prozent der amerikanischen Baumwolle aus den Sklavenhalterstaaten und englische und irische Waisenkinder, die sie aus dem ganzen Land zusammen karrten und in ihre Fabriken führten. Kinder wurden nicht nur wegen der geringen Löhne, sondern auch im Hinblick ihrer kleinen schnellen Finger gerne angenommen. Die Unternehmer bezahlten lediglich die Erhaltung der Kinder und etwas Lohn und eigneten sich dafür deren Arbeits- und Lebenskraft an. Fünf und Sechsjährige mussten, trotz der zögerlichen Regierungsverbote, die die Kinderarbeitszeit auf 9 Stunden täglich begrenzte, zwischen 13 und 16 Stunden an 6 Tagen der Woche Arbeit verrichten. Das Armenrecht von 1834 verbot staatliche Zuschüsse an Arbeitsfähige; was jedes Kind ab 6 Jahre mit einschloss. Man errichtete Todeslager, die man Arbeitshäuser nannte. Angesichts der abschreckenden Wirkung der Arbeitshäuser sahen Arbeitgeber keine Notwendigkeit für Lohnerhöhungen. Allein 1865 starben 1000 Bahnarbeiter bei Unfällen und deren Witwen und Waisen landeten im Arbeitshaus. Nur 20 % der Arbeiter und Handwerker, die eine langjährige Ausbildung hinter sich hatten, konnten sich einen bescheidenen Wohlstand von ihrer Hände Arbeit ersparen. Im Gegensatz zu 80 % der Lohnarbeiter, die mit der gesamten Familie in einem einzigen Zimmer oder Kellerraum hausten. Einige der besser bezahlten ausgebildeten Arbeiter bewohnten ein kleines Reihenhaus in den Elendsvierteln mit zwei oder drei Zimmern. Die Masse lebte aber in Kellerlöchern ohne Fenster, Räume klein und schmutzig mit einem Bett, in dem man abwechselnd in Schichten schlief. Der Gestank nach Verwesung zog durch die eng bebauten Gassen. Eine Luft, die alles zu verderben schien, das Essen, die Wäsche und den Antrieb der Menschen sein Los zu verbessern. Ein seelenfressender Nebel ein Leichentuch des Untergangs des nahenden Armageddon. Ein Leichengeruch, der ein Gefühl von Übelkeit und Schwere über jeden und alles legte. Das Wasser zum Trinken und zum Waschen war mit einem öligen Schleier, bedeckt und schillerte in den Farben des Regenbogens. Kadaver toter Tiere trieben mit der Strömung die Themse entlang, ausgeweidete Schweine und Ochsen tote Gäule, die nicht einmal mehr der gewissenloseste Schurke den Ärmsten der Armen als Nahrung zu verkaufen wagte. Umgeben von glänzenden, breiten Straßen, in denen Gentleman ihren Besorgungen und Vergnügungen nach gingen, in der Nähe der Cafés von Oxford Street und Regent Street, in der Nähe der Theater und Kabaretts von Trafalgar Square und den Schaufenstern von The Strand. In der Nähe doch tausend Meilen weit entfernt auf der Thrawl Street standen, Körbe mit verwelktem Kohl und Speck, selbst für das abgestumpfteste Auge kaum genießbar. Fleischer und Fischhändler, die vom Karren aus verkaufen und von ihren Auslagen wehte ein abscheulicher Gestank. Schmutzige Flüssigkeit sammelte sich in stinkenden Pfützen und wartete auf den Regen.

Kapitel 4

Es war ein Spätherbst und die erste kühlen Winde wehten vom Kontinent, das Wetter wurde rauer. Karl Marx saß in seinem ungeheizten Arbeitszimmer in der Dean Street 64 Westminster unweit der Tottenhamcourt Road und beantwortete einen Brief an Abraham Lincoln einen Mann, den er bewunderte, und es gab nicht viele, auf die das zutraf. Das Gaslicht, im unaufgeräumten Zimmer, dessen Wände mit Bücherschränken vollgestellt waren, war angedreht und färbte den Bogen Papier auf dem er schrieb gelblich. Er mochte knapp bei Kasse sein aber auf einem schlechten Papier zu schreiben kam für ihn nicht in Frage, er war kein Krämer der eine Rechnung schrieb. Marx verabscheute Menschen, die ohne Achtung vor dem Wort alles, irgendwohin kritzelten. Er korrigierte diese Einschätzung er verachtete die meisten doch, es gab auch Genies die wie berauscht von einer Idee sofort schreiben mussten sonst würden sie an der Kraft der Idee ersticken. Wie viel bahnbrechende Theorien und Entdeckungen wie viele Formeln und Essays mochten, vergessen auf unwertigem Papier der Nachwelt vorenthalten bleiben. Die meisten Gedanken hatten etwas Besseres verdient, als auf dem weißen Rand einer herausgerissenen Zeitungsseite geschmiert zu stehen.

„Mein Lieber Freund, so gut, wie jeder schreiben und lesen lernt, muss jeder schreiben und lesen dürfen. Das allgemeine Schulrecht, das heißt, die Möglichkeit zur Bildung muss eine Frage des Charakters der Wissbegier des Talentes sein, und nicht der Geldbörse. Lass es mich später weiter ausführen mein lieber Abe, die Pflicht ruft mich auch an diesem kalten grauen Oktober zu meinen Dienst, unbelohnten möchte ich hinzufügen.« Karl legte die Schreibfeder in das Tintenfass, hielt einen Augenblick inne und betrachtete seine Finger, es war die Hand eines alt gewordenen Mannes. Er verscheuchte diesen Gedanken, er hatte zu viel zu tun, er hatte einfach keine Zeit, um alt zu werden, noch musste das Alter Rücksicht auf seine Ziele nehmen. Er hatte an diesem Abend noch einiges zu erledigen. Sein Artikel für die New York-Tribune Zeitung, deren Europa Koresspondent er war, musste noch berichtigt werden und Jenny und die Kinder waren für eine Woche in Stockwell um im Landhaus der Irvings etwas frische Luft zu bekommen. Karl machte sich Sorgen seinem Wirbelwind, seiner kleinsten Tochter Eleanor bekam die Luft in London nicht. Danach musste er einen Brief an seinen Freund Friedrich Engels schreiben, der ihm aus der Patsche helfen musste, die Anweisung aus New York war leider noch nicht an das Moargan Stanley Bankhaus gekabelt worden. Er benötigte für seine Arbeit die gesammelte Encyclopedia Britannica, er beabsichtigte ein Lexikon für die Arbeiterbevölkerung zu schreiben es war sträflich, wie sehr Queen Victoria die Armenbildung vernachlässigte. Aber die wirklich wichtige Angelegenheit dieses Monats hieß Charles Balthasar Smith The Bishops Avenue 34 Tuch Produzent. Karl betrachte seinen Brief kritisch, er seufzte erhob sich vom durchgesessenen Ohrensessel, dessen Bein auf einem Stapel Zeitungen stand und ihn am Umfallen hinderte. Jenny nach ihrer Mutter benannt, hatte das Stuhlbein abgebrochen und sich ein Schlagstock daraus gebaut, sie und Eleanor spielten Räuber und Gendarm in der kleinen Wohnung, das Resultat war ein unbrauchbarer Stuhl und eine Platzwunde auf Eleanors Stirn. Marx zog seinen schwarzen Ledermantel über und setzte seinen Kimberley Zylinder schräg auf sein Haupt. Er tastete nach den Hilfsmitteln, die er für Charles Balthasar Smith benötigte und in den Innentaschen des schweren Mantels verborgen waren, eine zweischüssige Pistole, eine Derringer ein kurzes unauffälliges Gerät, die ausgezeichnet zu einem Gentleman passte. Die er mehr als einmal aus der Pfandanstalt auslösen musste, ein ihm teures Geschenk seines Schwagers Edgar von Westphalen. Die zwei kurzen Läufe waren mit Glasmehl und Blei Kugeln geladen. Eine Visitenkarte auf der »mille amities No 198« Stand. Sein Messer aus Walzglas ein Messer, das ihm bereits seit Jahrzehnten guten Dienst geleistet hatte und das er ständig bei sich trug. »Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen«, sagte er seufzend und widerstand dem Drang die Worte schnell niederzuschreiben, er würde es bestimmt nicht vergessen. Das Gute war keine Philosophie, keine angeborene Tugend des Menschengeschlechts, nur ein Zwang zur Kooperation ein geschickter Weg zum Überleben. Er Doktor Karl Heschel Marx war auf dem Weg seiner Spezies noch etwas Zeit zu verschaffen. Zumindest einigen seiner Art konnte er noch etwas verweil Dauer auf dieser Welt beschaffen. Was für Sir Charles Balthasar Smith nicht zutreffen würde, Karl Marx hatte sich dafür entschieden, ihm durch das linke Auge zu schießen. Er musste dabei nahe an ihn herantreten denn die kleine Pistole war nicht besonders zielgenau.

Kapitel 5

Sir Charles, wie er sich gerne nennen ließ oder, Dicky für seine Freunde war ein ausgesprochener Sportsmen, er liebte das Cricketspiel das Tennis und er war ein Förderer des Kingston Rowing Ruder Clubs. Sir Charles, Dicky war ein fetter, temperamentloser Mensch, dessen plumpe Hände schwitzten und der deswegen ständig ein Taschentuch in ihnen zerknüllte. Beim Gehen vibrierte sein überdurchschnittliches Körperfett er war ein Wackelpudding in eleganter Kleidung. Dicky war Erbe einer Hemden Fabrik, und zwar eines garstigen roten Backstein Baus mit zwei hohen Schornsteinen aus denen Tag um Tag giftiger Qualm in die Luft gestoßen wurde. Der Dichter William Blake musste Dickys Fabrik besichtigt haben als er den Begriff satanische Mühlen prägte. In der eiskalten Halle, Dicky sagte, »Wenn ihnen kalt ist, arbeiten sie zu langsam! Lass die Maschinen schneller laufen!«, schufteten sich 600 klapperdürrer Kinder zu Tode. Riesige Webstühle spien mit erbarmungsloser Geschwindigkeit Bauwollbahnen aus. Sir Charles besaß einen miserablen Charakter er war nicht bloß unfähig das Leiden zu sehen es war ihm egal. Wenn eines der Kinder zu langsam war und eine der riesigen Metallspindeln ihm die Hand abriss, ließ er nicht einmal die Webstühle halten. Trotz seiner Hartherzigkeit galt er als Menschenfreund und die Armenfürsorge brachte gerne ihre Schützlinge gegen einen kleinen Obolus in seiner Fabrik in der Wolverten Street unter. Er verdiente 200.000 Pfund im Jahr und vergeudete ein Vermögen zur Befriedigung seiner primitivsten Laster, er ließ Landhäuser bauen und verwettete beträchtliche Summen. Er setzte 100 Pfund und mehr bei Bärenhatzen bei Gladiatorenkämpfen und natürlich die Pferde.Er besaß ein Cottage in Plumberton in Oxford und einen kleinen Florentiner Palazzo in Rammten Garden. An jedem Abend zechte er zusammen mit seinen Freunden in ihrem Club dem Highgate Herren Club und gesellschafts Zirkel, in der New Amsterdam Street 34. Seine Freunde waren zu einem großen Teil ebenso verabscheuenswert wie er. Er verließ die Runde erschöpft vom Essen sieben Gänge drunter ging es nicht, gegen Mitternacht mit einem breiten Grinsen im schweißnassen Gesicht und der Aussage, weitere Geschäfte der anderen Art zum Abschluss zu bringen. Die Meisten verstanden und beglückwünschten ihn. Man kniff, über Champagner und den Austern und dem Käseteller ein Auge verschwörerisch zusammen. In Dickys Fabrik arbeiteten 600 Kinder, er kaufte der Stadt aber jedes Jahr weit über zweitausend ab. Er ließ die Amsterdam Street hinter sich und machte sich mit aufgeblähten Bauch und Haltung, seine dreifachen Kinne stolz in die Luft gestreckt und klammen Händen zu Fuß auf den Weg in die City. Schon nur der Gang zum Treffpunkt auf der London Bridge erfreute ihn; er überlegte, ob er mit dem zusätzlichen Geld einen künstlichen Kanal anlegen sollte, schließlich war ein Palazzo ohne Kanal äußerst reizlos und dumm. Er könnte auf seinem Kanal ein Bootsrennen veranstalten, den Sir Charles Cup stiften. Unter dem blassen gelben Licht der Gaslaternen auf der London Bridge wartete bereits eine ihm vertraute Silhouette. Einen schwarzen Zylinder keck auf dem Kopf und die gewohnte schwarze runde Sonnenbrille, ein Gentleman von Kopf bis zu den Sohlen. Dicky pfiff die einfache Melodie eines Schlagers vom Hooligan Boys Gesangsduo gesungen. Sir Charles trat näher an ihn heran und senkte den Blick zum Gruße, sie mochten es nicht, wenn man ihnen direkt in die Augen sah. Selbst im fetten Nebel waren die Breiten Schulter von Esquire van Gaustein unübersehbar. Ein neuer Partner im Mondeslicht, ein neuer Freund, der Balthasar Smith Tuch und Hemden Werke, dichtete Dicky der, wäre er nicht unermesslich reich geboren große Erfolge als Dichter gehabt hätte, davon war er überzeugt. Er war schon lange im Geschäft und van Gaustein und seinesgleichen hatte ihm den Palazzo finanziert. Ein Gentleman vom Festland noch frisch und unverbraucht vielleicht kannte er den üblichen Preis von 200 Pfund das duzend nicht. »Sir Charles persönlich? Ich mache nur mit ihm persönlich Geschäfte!«, sagte der Mann. Dicky musterte ihn zufrieden, er sah einen abgetragenen schwarzen Mantel, nicht der allerneuste Schnitt. Van Gaustein kleidete sich wie jemand der soviel Geld besaß, dass sein Äußeres ihn kaum mehr interessierte. Dieser grauschwarze Vollbart ohne akkurate Form und Schuhe, die seit gut zwei Saisons aus der Mode waren. Mit einem Ausdruck von Autorität sagte Dicky, »natürlich! Kommen wir zum geschäftlichen Mister van Gaustein. Sie wollen selbstverständlich als Erstes wissen, wie viel ich Ihnen pro Monat liefere, es sind an die 200 Stück alle im besten Zustand, gesund und lebhaft, wie ihr sie mögt. Mein Segment reicht von 4 bis 11 Jahren. Sie können auch Iren bekommen, bei denen komme ich Ihnen etwas entgegen, sagen wir 20 Pfund Sterling das duzend.« Van Gaustein nickte und forderte höflich, »Erzählen sie ruhig weiter Sir Charles«, mit dem unüberhörbaren deutschen Akzent. Dicky fand die Deutschen klangen alle als hätten sie den Hals voller Geröll. Er erklärte, »ich liefere so viel sie benötigen Mister van Gaustein, es ist mir eine ausgesprochene Ehre sie ihnen zu verschaffen. Ich bin ein großer Bewunderer ihrer Kultur. Viele der Ihrigen sehen mich mehr als einen Freund einen Vertrauten denn nur als Geschäftspartner. Ich verlange 25 Pfund das duzend, mehr verlange ich nicht.« »Das klingt sehr gut mein Lieber Sir Charles! Und sie wissen, was wir mit der Ware machen?« Wollte der Deutsche nun von ihm wissen. Komische Frage, bei den Geschäftsverhandlungen mit IHNEN wurde er das bisher nie gefragt. »Eine Ansicht eine Idee, aber es dient dem Wohle des Staates nicht wahr?« Sir Charles war glühender Malthusianer der Armut mit moralischem Versagen gleichsetzte und jeden Armen am liebsten verhungert hätte sehen wollen. Sein Argument, Hilfe befördere nur deren Neigung zur Faulheit. Selbst wenn sie die Möglichkeit haben, etwas zu sparen, schrieb Malthus, tun sie das selten, denn alles, was sie nicht zu ihrer täglichen Notdurft brauchen, wandert gemeinhin ins Wirtshaus. Die Armengesetze in England kann man deshalb behaupten, nehmen den einfachen Menschen sowohl die Kraft als auch den Willen zu sparen und untergraben damit einen der stärksten Anreize zu Nüchternheit und Fleiß und folglich zum Glück. Besonderen Hass hegte Malthus gegenüber den Iren; er fand, wie er 1817 einem Freund schrieb, dass ein großer Teil dieses Volkes vom Erdboden getilgt werden sollte. Dieses Beispiel an christlicher Nächstenliebe ein anglikanischer Pfarrer und ab 1806 Professor für Geschichte und politische Ökonomie an dem Haileybury College war das Idol für Männer wie Dicky. »Ein Mensch, der in einer schon occupirten Welt geboren wird, wenn seine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren. Oder wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht nötig hat, dieser Mensch hat nicht das Mindeste recht, irgendeinen Teil von Nahrung zu verlangen ... «, rezitierte esq.van Gaustein mit ausdruckloser Stimme aus dem Essay on the Principle of Population. Thomas Robert Malthus bekanntestem Werk. Dicky klatschte in seine Hände, das Geräusch seiner Begeisterung wurde vom Taschentuch in seiner linken Hand gedämpft. »Sie haben den Meister gelesen und seine Botschaft verstanden«, säuselte Sir Charles aufgeregt wie ein Backfisch vor dem ersten Ball. Das fahle Mondlicht spiegelte sich gelblich als hätte er die Cholera in dem öligen Schweißfilm, der in Strömen Dickys Stirn entlang floss. »Denken Sie nie an die vielen Kinder, die sie verkauft haben es müssen Hunderte sein?« Dicky protestierte gegen diese Unterstellung er sei neu im Geschäft, »nein es sind bedeutend mehr, meine Freunde hatten nie einen Grund mich geizig zu nennen. Wenn Sie an meiner Aufrichtigkeit Zweifeln lass ich Ihnen gerne ein Testexemplar zukommen. Und warum sollte ich an sie denken es ist doch bloß kleines Pack.« Dicky tat sein Bestes, die Überraschung zu überspielen, er bedachte den deutschen mit einem gekünstelten Lächeln. Er wurde müde und war außerdem vom Wein und Champagner und Whisky betrunken und das Spanferkel, besonders zart, hell und von mildem Geschmack setzte seinen Eingeweiden zu, er musste dringend zur Toilette. Er wollte das Geschäftliche schnell hinter sich bringen und dann zurück in den Club. Der Deutsche bohrte, für Dicky völlig überraschend, den Lauf einer Schusswaffe in Dickys linkes Auge und sagte, »die Menschen verurteilen dich wegen Massenmord zum Tode!«, und drückte ab, ohne zu denken, ohne zu fühlen. Es gab ein lautes Krachen, und Dickys Auge samt Hirn verteilten sich als fleischliche Mousse au Chocolat auf der Brücke. »Wie viele noch von Deiner Sorte?«, seufzte Doktor Marx und versetzte dem Fetten noch aufrecht stehenden, in ein Korsett gepressten Leib einen heftigen Tritt, der ihn über das frisch in Grau gestrichene Brückengeländer in die Themse stürzte. Es platschte kurz auf. Karl Marx nahm seinen Zylinderhut vom Kopf, er hatte Angst, dass das gute Stück ins Wasser fallen könnte, und beugte sich weit über das Brückegeländer. Sir Charles B Smith trieb mit ausgebreiteten Armen die leere Augenhöhle auf die Sterne gerichtet in Richtung Spitalsfield davon. Man würde den Leichnam nicht beachten, man war den Anblick toter Dinge im Wasser gewöhnt. Die Themse stank nach giftigen Substanzen und war angefüllt mit den Kadavern von Tieren und Menschen, ein weiterer fiel durchaus nicht auf. Karl Marx hastete lautlos im vom Gaslicht gelblichen Nebel Londons dahin. Er hatte noch so viel Arbeit, unerledigt auf seinem Schreibtisch liegen.

Kapitel 6

Die Anzahl der Morde in der Stadt waren außergewöhnlich hoch beinahe in jeder Nacht fand man einen Leichnam. Die Verbrechen traten scheinbar willkürlich auf und Sie waren völlig sinnlos. Bei den Opfern handelte es sich um Männer Frauen Kinder. Die Mordserie dauerte von 1827 bis 1831, bevor sie ebenso abrupt endete, wie sie begann. Einhundertvierzehn ungeklärte Mordfälle und drei Mordversuche. Morde ohne Zeugen, ohne Motiv und immer bei Nacht. Der aus Preußen entsandte Polizei Ermittler, ein Polizeirat von Erlenbusch schrieb in seinen als geheim eingestuften Protokollen, an den preußischen König Wilhelm IV. „Die einzigen Anhaltspunkte in dieser bedauerlichen Affäre lassen mich vermuten es nicht mit einer weltlichen, sondern mit einer geistigen Ursache zu tun zu haben. Ein noch neues Krankheitsbild übertragen von noch unentdeckten Tieren. Meiner strengen Untersuchung nach haben wir es mit einer Krankheit zu tun, die sich vor allen in den Kreisen der Armen und Trunkenbolde ihre Opfer sucht. Sei es der miasmatische Dunst, der vom faulenden Boden aufsteigt, auf dem diese Stadt erbaut ist. In jedem Falle dürfte ärztlicher Rat und Beistand bei der Aufklärung hilfreicher sein als mein Aufenthalt in dieser verängstigten Stadt. Es ist nur ein weiterer Ausbruch eines Fiebers, das die Schwachen und Armen trifft“. Panik hatte sich in Trier breitgemacht aber Regent Wilhelm war beruhigt. Während eines Morgenspaziergangs mit seinem Hund stieß ein Herr Notar Philippe de Lymere in der Kaiserstraße auf einen unachtsam entsorgten Leichnam, ein Bettelknabe von 8 Jahren. Der als aufmerksamer Beobachter bekannte Notar bemerkte, dass der kleiner Körper komplett steif geworden zu sein schien so, wie sie nur Tote nach dem zweiten Tage ereilte. Er hatte in den Befreiungskriegen gekämpft und kannte sich mit den Stadien des Todes aus. Der kleine Junge sah aus als währe er seit mindestens 2 tagen tot und eine Kanonenkugel hätte ihn am Bauch getroffen. Ein Arzt namens Krumm berichtete, dass seltsam wenig Blut in der armen Seele gefunden wurde. Nicht auf seiner Kleidung oder in der Nähe des Tatorts, ein Gebüsch in der Kaiserstraße. Die äußerlichen Verletzungen waren, zwei Einstiche am Hals und ein Schnitt durch den Bauch, es fehlte ein inneren Organ die Leber. Joachim Gerstenbrot war das zweiundzwanzigste Opfer in diesem Jahr. Der namenlose Schrecken, der die Stadt befallen hatte, ließ alle anständigen Bürgern Wachsamkeit anraten. Die Anzahl der Nachtwächter wurde verdoppelt Frauen und Kinder gingen nur noch in Begleitung eines Mannes auf die Straße. Selbst starke Männer mieden es, sich nach Einbruch der Dunkelheit im Freien zu bewegen. Und nicht nur Trier war betroffen. In jenen Jahren erschien die Plage das ganze als Hundsrück bekannte Gebiet erfasst zu haben. Gab es ausnahmsweise keine Toten in Trier, so fand man die Opfer in den naheliegenden Orten und Flecken. Es war die Rede von, Teufels Bünden und entflohenen Geisteskranken. Obwohl die Polizeiakten geheim waren drangen, doch die Gerüchte von der Völligen blutleere der Opfer den Trierer Bürgern zu Ohr, es war die Rede von jenen geheimnisvollen Vampiren und Wehrwölfen an deren Existenz man bis dato nicht geglaubt hatte. Am Morgen des siebenten Juni 1830 rückte ein Regiment Dragoner nach Trier und übernahm es für den Schutz der Bürger zu sorgen. Am 9. Juni fand man zwei Soldaten steif und blutleer einem, fehlte die Leber die abgefeuerten Pistolen noch in den Händen, an eine Hauswand in der Schiller Straße gelehnt. Der wahnsinnige Täter hatte mit Blut Obszönitäten in französischer Sprache gegen den preußischen König an die Wand geschrieben. Pour Guillaume tu vieux crouton. die Situation für den 12 jährigen Karl Marx war furchterregend in einer Stadt, die von einem mittelalterlichen übel heimgesucht wurde, waren die normalsten Dinge verboten. Er war großgewachsen und hatte lebhafte braune Augen und ein Haarschopf das nur mit Mühe mit dem Kamm und seiner Mutters guten Worten, endlich still zu sitzen und nicht zu zappeln, sie kämme doch bloß die Haare, gebändigt werden konnte. Ein wissbegieriger und aufgeweckter Knabe eben der Anführer einer von ihm gegründeten Räuberbande, den Simeon Straße Schaschulotten er konnte das Wort ?Sancsulottes?, nicht richtig sprechen, die die Straßen der Stadt unsicher machten die zu tausend spielen aufgelegt waren litten unter dem Hausarrest, den die Fürsorge ihnen auferlegte. Der Tagesablauf war dirigiert, von Schule und auf dem schnellsten Wege in Gruppen nach Hause zu eilen. Es blieb keine Zeit die Welt zu erkunden zu spielen unsagbare Langeweile hatte sich breitgemacht und dazu der unheimliche Schauer, den diese Verbrechen in ihm wachriefen. Die Kinder Triers hatten Hausarrest ab 17 Uhr, ohne das sie die Gelegenheit gehabt hätten etwas anzustellen. Es war eine Wette, die Karl Marx dazu veranlasste, ende November des nachts aus seiner Stube zu schlüpfen und leise aus dem Fenster zu klettern und auf die Straße zu laufen. Eine Mutprobe, die er mit klopfenden Herzen bestand. Es waren die einfachen Worte, »du traust dich nicht, niemand traut sich nachts auf die Straße«, die ihn dazu mit klopfenden Herzen bewogen. Er lief über die Menschen leeren Gassen zu Kirchstraße 23 und klopfte dreimal gegen ein Fenster des kleinen Hauses zum Zimmer seines Freundes Johannes Herschel. Es war verabredet, dass Johannes ihm öffnen und ihn einlassen würde damit sie sich, wie beste Freunde es taten, die Nacht gemeinsam um die Ohren schlagen konnten, doch sein Klopfen erhielt keine Erwiderung keine Reaktion. Er klopfte wiederholt, diesmal energischer mit seiner Faust gegen das dünne Fensterglas, es war die Vorfreude auf das Drinnen und Angst hier draußen allein zu stehen, es war zudem kalt und er trug nur sein Nachtgewand unter dem Mantel. Er wischte den Raureif von der Scheibe und spähte in die Dunkelheit des verschlossenen Zimmers. Nach einigen Sekunden sah Karl das Bett in dem Johannes aufrecht saß, sein Nachthemd gepackt von einer Faust, wie in Trance auf etwas Dunkles starren. Der Schatten drehte blitzartig sein fahles spitzes Gesicht zum Fenster. Eine Gestalt ähnlich einem Menschen doch seltsam farblos und grau starrte ihn an. Das Gespenst, denn das es ein Gespenst war daran zweifelte Karl keinen Moment, hob den Nüstern und seine spitzen Nasenflügel vibrierten, als ob es mit seiner Nase sehe. Dunkle Augen ohne ein Zeichen von Weiß oder Farbe in ihnen bohrten sich in Karls Richtung. Das mit der Dunkelheit des Zimmers verschmolzene Phantom ließ Johannes aufs Bett fallen und öffnete sein Maul und fauchte in Karls Richtung. Aus dem aufgerissenen Maul ragten zwei lange spitze weiße Zähne. Karl drehte den Blendverschluss seiner Laterne und strahlte durch das Fenster auf die Gestalt, die von dem Lichtstrahl getroffen, seine Arme schützend vor seine Augen hob und einen hohen Schrei ähnlich dem Heulen eines jungen Wolfes, aus Enttäuschung und irrer Wut, ausstieß. Das Schemen in der vermoderten Uniform eines napoleonischen Soldaten machte auf dem Absatz kehrt riss die Zimmertür auf und verschwand. Was immer es gewesen sein mochte, war jetzt zweitrangig, Johannes lag immer noch reglos auf dem Bett. Karl rannte zur Haustür und hämmerte und klopfte mit seinen Fäusten gegen die schwere Holztür. Nach unendlich langer Zeit nach Stunden, so schien es, vernahm er die ersten Geräusche aus dem Haus »Macht auf, Hilfe macht auf Hilfe der Johannes!« Schwere Schritte näherten sich der Tür die Laternen wurden angedreht und das Guckloch in der Tür zur Seite geschoben. »Karl bist du es?«, fragte Herr Herschel mit erschreckter Stimme. »Machen Sie auf um Gotteswillen das Ding hat den Johannes gebissen machen Sie auf, bevor es zu spät ist.« Die Tür wurde geöffnet und Familie Herschel eilte in das sich im Erdgeschoss befindliche Zimmer des Jungen. Johannes lag reglos und totenblass auf dem Bett. Sein Vater stürzte zu ihm und fühlte seinen Puls. »Lauf zum Arzt, Peter und nimm die Pistole mit. Wer immer es war er kann noch nicht weit sein.« Befahl der Hausherr seinem Lehrling, der sich die Laterne aus Karls Hand nahm und schnell mit einer Antiken Pistole bewaffnet aus dem Gebäude in die Dunkelheit lief. Karl betrachtete mit einer gewissen Distanz seinen bleichen Freund, er setzte sich zu ihm aufs Bett und sah das sich sein kleiner schmächtiger Brustkorb senkte und hob. Er atmete er lebte, was das Wichtigste war. Frau Herschel kam mit einer Schüssel Wasser aus der Küche. Sie kniete sich vor das Bett und benetzte Johannes Gesicht, während lautlos ihre Tränen aus ihren Augenwinkeln tropften. Herr Herschel drehte sich zu Karl, der in diesem Moment die Hand Johannes hielt, um ihm in seinem Traum beizustehen. Es musste ein schrecklicher Traum sein denn seine Pupillen flatterten unter den geschlossenen Lidern. »Was hast du gesehen Karl Heschel Marx, was hast du gesehen und warum bist du um diese Zeit im Freien?«, rief Herr Herrschel und seine Stimme schwankte zwischen Verzweiflung und Wut. »Es war ein Gespenst, ich konnte sehen, wie er sich über Johannes beugte und ihn biss. Es war Grau und seine Augen waren schwarz als ob, ich weiß nicht so als sei es blind. Es hatte Zähne wie ein Wolf und als ich es mit meiner Laterne geblendet hatte floh es hinaus. Es war lautlos alles, was er machte, wenn es sich bewegte es verursachte keine Geräusche. Es trug außerdem eine Uniform.« Herr Herschel blickte auf. »Was für eine Uniform?«, fragte er streng und trug gleichzeitig der Dienstmagd auf jedes Zimmer mit Laternen zu beleuchten. Bald darauf erstrahlte das Haus Kirchstraße 23 in festlichem Glanze. Jedes Fenster warf Lichtvierecke auf die schmale Gasse und vertrieb alle Dunkelheit. Karl überlegte, er hatte ein Buch mit den Uniformen der großen europäischen Armeen gelesen. »Es war die französische Uniform eines Korporals aus dem Russland-Feldzug Napoleons.« Herr Herschel neigte den Kopf, ungläubig fragte er, »Bist du dir sicher, könnte es nicht die Bekleidung eines preußischen Dragoners gewesen sein?« Karl schüttelte seinen Kopf, er hatte das Buch, kurzer Abriss aller Uniformen der großen stehenden Heere mit Stichen von Josef Grazbach, seinem Bruder entwendet und die verbotene Frucht mit doppelter Freude gelesen und sich die Bilder eingeprägt. »Nein es war ein Korporal, ein napoleonischer Infanterist, blaue Uniform und der französische Adler auf den Ärmelaufschlägen, so wahr ich hier sitze.« Herr Herschel nickte er kannte Karl als Kind mit besonderer Gedächtnisgabe er vergaß nie etwas wenn, er es las. Besorgt murmelte er etwas in seinen grauen Bart und stand auf, sah seine Frau fest an und sagte: »Komets Alef Chaje et war ene Tier it muss de Rabbi wissen.« Er sah unsicher auf Karl herab und befahl. »Du bleibst hier, bis ich zurück bin, heute verlässt keiner dieses Haus. Heschel was weißt du von den Chaje?« Karl zuckte unwissend mit den Schultern, seit sein Vater vor einigen Jahren zum protestantischen Glauben übergewechselt war, ein nötiger Schritt allen Juden wurde im preußischen Staat die Beschäftigung als Staatsdienst untersagt, hatte er kein einziges Wort Jiddisch mehr gehört. »Du musst mir versprechen, vorsichtig zu sein. Das was du gesehen hast war ein Chaje. Mein Großvater erzählte mir von ihnen. In seinem Geburtsort in Litauen hatte es eine ähnliche Seuche gegeben, sie hörte erst auf, als man das Versteck des Vampirs gefunden und ihm dem Kopf abgehauen hat. Wenn der Chaje, der Bluttrinker dich gesehen hat, wird er versuchen, dich zum nächsten Opfer zu machen. Glaube mir mein Junge ich, meine es ernst. Sieh mich nicht so an, ich bin bei völligem Verstand. Ich will dir das sagen, damit du dich vorbereiten kannst, denn sie mögen stark und gefährlich sein aber sie haben eine Achillesferse. Erstens sie vertragen kein Sonnenlicht und der Anblick heiliger Orte Kirchen und Synagogen das Kreuz und die Schriften jagen ihnen Abscheu ein. Zweitens sie mögen den Geruch von Knoblauch nicht und drittens die einzige Art wie man sie verletzen kann ist eine Klinge aus Glas. Nur Glas kann ihre Hülle durchdringen, einzig Glas kann sie verletzen, wenn sie wach sind. Hast du mich verstanden Karl Heschel Marx.« Aberglaube ist ein scharfes Schwert im Repertoire der Pfaffen um das Volk zu unterdrücken, dachte Karl und wandte seinen Blick zum Boden. Aber Herr Herschel war ein aufgeklärter ein gebildeter Mann er war Apotheker ein Pharmazeut. Er war wie Karls Vater Heinrich Mitglied des Zirkels el ‚Etoile Ansiatique. Eines Ordens, der sich der Aufklärung und der Wissenschaften und dem Bekämpfen des Aberglaubens verschrieben hatte. Herr Herschel schrieb in der Apotheker Zeitung und verfasste dort Aufsätze über die Wirkung hochkomplexer Medikamente wie Mumia oder Alraunenwurzelpastillen. Dennoch stand er da und erzählte etwas von Wiedergängern. Was Karl gesehen hatte, war ein Verrückter in einer alten Uniform, der sich unsittlich an Herschel vergehen wollte. Die Zähne und das Gespenstische erklärte sich Karl mit der Dunkelheit des Zimmers.

Kapitel 7

Der Elfjährige Johannes Herschel erwachte nicht mehr, sein kleiner Körper war zu schwach um sich dem zersetzenden Gift des Vampirs zu erwehren. Am Morgen des 27 November 1830 entschlief der Junge im Kreis seiner Familie, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben gegen Mittag wusch und kleidete ihn die heilige Bruderschaft in das weiße Beerdigungsgewand. Am 28. November wurde Johannes auf dem jüdischen Friedhof an der Weidengasse unter großer Anteilnahme, bis zur leiblichen Auferstehung am jüngsten Tage beigesetzt. Seine Kleider waren weiß und der Sarg eine einfache schmucklose Holzkiste. Weder von Musik noch mit Blumen ward die Beerdigung des Johannes begleitet. Beim Begräbnis wurden Psalmen zitiert, die Karl nicht kannte. Die Juden Triers lobten im Kaddisch-Gebet die Herrlichkeit Haschems ein Name Gottes. Die Trauergäste warfen Erde auf den Sarg die Männer standen am Grab, dahinter die Frauen und Kinder. Die siebentägige Trauerwoche, die so genannte Schiv’a wurde von Herrn Herrschel mit Erlaubnis des Oberrabbiners Dr Altmann gebrochen.

Am 29. November exhumierten die angesehensten Mitglieder der Etoile, begleitet von den Gebeten des Doktors Altmann das Grab. Sie öffneten den Sarg und stießen einen Pflock aus Eisendornholz in das kalte Herz des schlafenden Kindes. Mit Tränen und Wahnsinn aus Leid in den Augen begann Dr Herschel seinem einzigen Kind mit wuchtigen Axthieben, den Kopf vom Hals zu trennen. Der Mund des Knabenkopfes wurde mit Knoblauch gefüllt und von den sieben ehrenwertesten Mitgliedern der Freimaurer Loge wieder sorgfältig bestattet.