Die Karte der Welt - Royce Buckingham - E-Book

Die Karte der Welt E-Book

Royce Buckingham

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Beschreibung

Ein junger Kartograph. Er zeichnet mit Blut und verändert die Welt.

Das Königreich Abrogan wird im Norden durch den Schleier begrenzt. Noch niemand, der ihn durchschritten hat, ist je zurückgekehrt. Als der junge Schweinehirte Wex wegen seines Zeichentalents aufgefordert wird, bei der Vermessung der Grenze zu helfen, freut er sich, sein ärmliches Dorf zu verlassen. Doch dann stellt sich heraus, dass er mit seinen Strichen auf der Landkarte den Schleier zurückdrängt. Dahinter wartet ein Land voller Abenteuer, neuer Gefährten – und ein alter, von Rachegedanken zerfressener Feind.

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ROYCE BUCKINGHAM

Roman

Aus dem Englischen von Michael Pfingstl

1. Auflage

August 2013 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, München.

Copyright © der Originalausgabe 2013 by Royce Buckingham

Published in agreement with the author, Baror International, Inc., Armonk, New York, U.S.A.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2013 by Blanvalet Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlaggestaltung und -illustration: © Max Meinzold, München

Redaktion: Alexander Groß

Lektorat: Holger Kappel

Herstellung: sam

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-09618-2www.blanvalet.de

Prolog

Niedrig hängende Wolken verhüllten die Berge und die dazwischen liegenden Täler. Hänge, Kämme und Gipfel waren nur als vage Umrisse im Dunst zu erkennen. Aus der Ferne betrachtet, wirkte die weite Landschaft beinahe wie eine Kohlezeichnung.

Der Reiter mit der Adlernase hatte für diese schroffe Schönheit keinen Blick. Er blutete aus fünf parallel verlaufenden Schnitten an der Schulter und keuchte ebenso heftig wie sein galoppierendes Pferd. Er ignorierte die hässliche Wunde und trieb sein Reittier erbarmungslos weiter, immer tiefer in den Wald. Er musste den Stammesfürsten finden. Da sah er ein metallisches Aufblitzen. Er riss an den Zügeln und brach durch das Dickicht zu seiner Rechten; die langen Dornen des Gestrüpps kümmerten ihn nicht.

An einer Felskante direkt voraus standen vier Bewaffnete. Sie hatten ihn bereits sehnsüchtig erwartetet und schwangen euphorisch die Speere in der Luft.

Das rostige, blutverschmierte Schwert des Reiters klatschte der vollkommen erschöpften Stute in stakkatoartigem Rhythmus gegen die Flanke, bis sie schließlich trippelnd zum Stehen kam.

An der Abrisskante vor ihm stand ein breitschultriger Mann. Von seiner Position aus hatte er die ganze Weite der Gebirgskette im Blick, die der Reiter soeben durchquert hatte. Obwohl der Fürst das gleiche derbe weiße Wolfsfell wie der geringste seiner Männer trug, strahlte er eine über jeden Zweifel erhabene Befehlsgewalt aus. Mit kraftvollem Griff packte er die zottige Mähne der Stute und gebot ihr stillzuhalten.

»Sag, dass es getan ist, Garman.« Seine Stimme klang ernst und hoffnungsvoll zugleich.

»Ja. Wir haben sie bis hinter die Berge zurückgedrängt, Herr.«

»Und der Drache?«

»Geflohen.«

»Wie viele Tote?«

»Weit über die Hälfte der Männer. Shagan und Frehman sind auch darunter.«

Der Stammesfürst fuhr zusammen. »Noch keine Namen. Wir werden trauern, wenn Zeit dazu ist. Wurden alle Unerwünschten vertrieben?«

»So gut wie.«

Fürst Krystal legte die Stirn in Falten. »Das wird genügen müssen.« Er wandte sich dem Mann zu, der direkt an der Felskante stand. Es war Petrich, der Sohn seines Onkels. Petrichs Umhang war ebenfalls aus Tierhaut, aber dünner als die Wolfsfelle der anderen und nicht dazu gedacht, ihn im Kampf zu schützen. »Der Großteil der Unerwünschten ist fort, der Drache nach Norden geflohen. Es ist Zeit«, sagte Krystal und atmete einmal tief durch. »Wirke deine Teufelei, Cousin. Und mögen die wahren Götter uns vergeben, dass wir deine Dienste in Anspruch nehmen.«

Krystals Männer betrachteten Petrich mit Argwohn, ja sogar Furcht, aber sie hielten sich zurück. Krystal war der Einzige, der stark genug war – und rücksichtslos genug –, um die Säuberungen durchzuführen, und nur mit Hilfe der Säuberungen konnten die Lande von Abrogan sicher gemacht werden für die Frauen und Kinder der Rechtschaffenen. In der Tat hatte Krystal beinahe vollendet, was sein Vater begonnen hatte. Mit zehn Schiffen voll Soldaten war er damals an den Küsten von Abrogan gelandet, um Schrecknisse und Vagabunden von dem verheißenen Land mit seinen reichen Böden und glitzernden Flüssen zu vertreiben und ein zivilisiertes Königreich aus der unbezähmten Wildnis zu machen. Und sobald Krystal es vollendete, das heißt, falls er es jemals vollendete, wäre all das sein.

Petrich trat an den Rand der Klippe und breitete die Arme aus. »Das Fell«, verlangte er.

Krystal zog eine aufgerollte Tierhaut hervor, und ein nervöser Soldat half ihm, sie auszubreiten. Sie maß über zwei Meter in der Breite und war beinahe genauso lang. Ein einziges großes Stück gegerbten Fells.

»Jetzt bringt mir den Jungen.«

Zwei andere Soldaten schoben einen Jungen vor sich her, der noch keine zehn Jahre alt war.

Krystal musterte seine runden, olivgrünen Augen. »Von den Bauern im Norden?«, fragte er.

»Sie gaben ihn freiwillig«, versicherte einer der beiden. »Die Familie hat noch andere Söhne.«

Die Fesseln an Knöcheln und Handgelenken ließen erkennen, dass der Junge selbst dies anders sah. Sein Kopf war vor Erschöpfung schlaff auf die Brust gesunken; er war zu schwach, um sich noch zu wehren.

Krystals Cousin legte ein Messer an seinen Hals. Mit einer schnellen Bewegung aus dem Handgelenk öffnete er eine dünne rote Linie quer über die Kehle des Jungen.

Einer der Männer fing den herausquellenden Lebenssaft in einer Schale auf.

»Muss er denn sterben?«, fragte Krystal, während der Junge immer blasser wurde, bis er schließlich in die Arme der beiden Männer sank.

»Manche Magie verlangt nun mal nach Blut.«

Alle verfielen in Schweigen, und der Mord wurde ohne weiteren Protest vollzogen. Wenige Momente später sackte die Leiche des Jungen zu Boden wie ein weggeworfener, leerer Wasserschlauch.

Als Zeichen der Dankbarkeit nickte Petrich seinem Opfer kurz zu, dann tauchte er die Hand in die Schale und schöpfte, rot und warm, den makabren Tribut daraus. Er blickte auf die Gebirgskette, prägte sich den Anblick ein und beugte sich über die Tierhaut. Mit der freien Hand deutete er auf ein paar Symbole in der Mitte, dann beschrieb er mit dem Finger eine lange Linie zur Oberkante hin und verschmierte mit einer blitzschnellen Bewegung das Blut des Jungen auf dem Fell.

Einen Moment lang geschah nichts. Die Männer blickten sich zweifelnd um, abwartend. Dann fiel ein Schatten über die fernen Berggipfel. Nein, er erhob sich aus ihnen. Wie eine schwarze Mauer wuchs er aus dem Boden, bis er selbst die grauen Wolken am Himmel verdeckte, und breitete sich über die gesamte Länge der Bergkette aus. Dann kam er über die Kämme auf sie zugejagt wie eine Flutwelle aus purem Schwarz. Ein Schwall warmer Luft schlug ihnen ins Gesicht. Sie roch nach Fäulnis und Tod.

»Ist dies, was geschehen soll?«, fragte Krystal.

Petrich geriet ins Stammeln. »Ich … ich weiß es nicht.«

Krystal packte das blutverschmierte Fell und rannte den Hang hinunter, ließ seine Männer allein mit dem toten Jungen am Rand der Klippe. Von Entsetzen gepackt, starrten sie auf das nahende Unheil, unfähig zu fliehen, wo selbst ihr Fürst die Flucht ergriffen hatte, und die Dunkelheit rollte über sie hinweg.

1

Die feucht-braune Wolke kam den Hang heraufgekrochen und legte sich über Wexford Stoli. Neben ihm lag ein Paar abgetragener Lederhandschuhe auf dem Boden. Er saß ein Stück den Hügel hinauf, oberhalb der Schweinezucht seines Vaters, und bestaunte das erwachende, frühlingshafte Grün der Berge. Das Gras war noch feucht vom Tau. Er konnte sich kein Stückchen weiter entfernen, ohne die Tiere übermäßiger Gefahr auszusetzen – durch wilde Hunde, Füchse, manchmal auch schwarze Wölfe –, und bald würde er den kleinen Hof allein führen müssen. Er saß hier genauso fest wie das in die Jahre gekommene Pferd mit dem Senkrücken, das am Zaun angeleint war.

Auf Wex’ Schoß lag ein glattes, rundes Brett, das er aus dem Stumpf einer Kiefer gemacht hatte, darauf eine Zeichnung der Zornberge. Das selbstgemachte Papier war dick und grob – er hatte schon Besseres hinbekommen – und genau auf die Form der Holzscheibe zugeschnitten. Am Rand hatte er es mit den spitzen Nadeln einer Stechfichte festgeheftet. In der Hand hielt er einen Zeichenkiel, der einmal das Rückgrat einer glücklosen Ratte gewesen war, die sich in einem Erdloch unten neben der Suhle eingenistet hatte.

Wex’ Bild war in dunklen Rottönen gehalten. Die Farbe bewahrte er in einem kleinen Lederbeutel auf. Wex zeichnete Impressionen, keine detailgenauen Abbilder. Seine Linien und Kleckse zeigten nicht exakt die Umrisse der Hänge und Kämme; stattdessen versuchte er, ihre Seele einzufangen, den kantigen Fels und die Lichtreflexe auf den Schneefeldern auf Papier zu bannen – darin war er ein Meister. Seine Tante Eunstice sagte oft, er zeichne Dinge, die ihr nie aufgefallen waren. Sie entdecke sie erst, nachdem sie Wex’ Bilder gesehen hatte.

Wex lebte in seinen Bildern, schuf auf dem Papier Welten, in die er sich jeden Tag für ein paar Augenblicke flüchten konnte. Sobald er jedoch den Kiel absetzte und einmal kurz durchatmete, schlug ihm unbarmherzig der Geruch seines eigentlichen Lebens entgegen. Das war auch an diesem Tag nicht anders, und Wex verzog das Gesicht.

»Heho, Sohn!« Sein Vater streckte den Kopf aus dem Schweinestall neben der Suhle. »Komm runter jetzt. Das Schlachtschwein wird nicht vor Langeweile sterben.«

Man kann nie wissen, dachteWex.

Er stand auf. Mit seinen siebzehn Jahren trug er das gelockte Haupt bereits ein gutes Stück höher als sein Vater. Die großen grünen Augen hatte er von seiner Mutter; fast alle Bauern hier in der Gegend hatten grüne Augen. Er war zwar noch ein wenig schlaksig, aber wenn er erst einmal die vierzig erreichte, hätte er bestimmt genug Speck mit Bierbrot verzehrt, dass auch sein Bauch sich über den Gürtel seiner Hose wölben würde. Er würde eben aussehen wie ein Schweinezüchter und ein gemütliches Leben führen, wenn auch kein besonders wohlriechendes.

Er packte die Zeichensachen in den Schulterbeutel, hob die Handschuhe auf und eilte den Hügel hinunter. Weg von den Bergen, hinein in den Stallmist.

»Sei gegrüßt, Vater«, sagte er und stapfte durch die schlammige Suhle.

Elger Stoli lächelte. Wex war sein einziger Sohn, ein Einzelkind. Elgers Ein und Alles. Wex’ Mutter war tot. Sie war gestorben ungefähr zu der Zeit, als die Mühle in Zornfleck gebaut wurde. Wex war damals gerade einmal fünf Jahre alt gewesen. Er hatte sie als emsige Frau in Erinnerung, die ihn herumtrug und ihm das Essen machte. Tüchtig, fleißig, kühl. An Umarmungen oder Gutenachtlieder konnte er sich nicht erinnern. Tatsächlich konnte Wex im Nachhinein kaum einen Unterschied feststellen zwischen der Art, wie sie die Frischlinge versorgte, und der, wie sie sich um ihn kümmerte. Aber sein Vater hatte sie geliebt, so wie er jeden liebte. Und Wex liebte er am meisten von allen.

»Was hast du heute gezeichnet, Sohn?«, fragte Elger.

»Die Berge.«

»Schon wieder?«

»Das Licht ist anders.«

»Aber es sind doch jeden Tag dieselben Berge.«

»Der Frühling kommt, und der Schleier ließ sie heute Morgen nicht so dunkel aussehen.«

Bei dem Wort »Schleier« wurde sein Vater nachdenklich. »Vielleicht solltest du die Berge einmal ohne diesen vermaledeiten Schatten zeichnen.«

Wex legte die Stirn in Falten. Es war schwer, sich die Berge ohne die schwarze Decke vorzustellen, die über ihnen lag. Der Schleier war schon immer die nördliche Grenze von Abrogan gewesen, noch bevor die ersten Papiermacher die Welt mit dem Geschenk der Geschichtsschreibung beglückten und noch bevor man vor zehn Generationen im Palast begonnen hatte, Aufzeichnungen zu machen. Er zog eine scharfe Linie, hinter der alle Gipfel verborgen lagen. Niemand näherte sich ihm. Wer es dennoch tat, verschwand einfach. So gingen zumindest die Gerüchte, die man sich in der Taverne erzählte, wo der alte Hampten Hochprozentiges aus seiner klapprigen Destille ausschenkte. Manchmal fragte sich Wex, ob die Gerüchte nicht vielleicht auf wundersame Weise aus den Dämpfen der Destille selbst entstanden, und dennoch bezweifelte er nicht, dass mit dem Schleier nicht zu spaßen war. Wex war mit ihm aufgewachsen, hatte ihn Dutzende Male gezeichnet, und immer noch verfolgte er ihn in seinen Alpträumen.

»Stell dir vor, wie diese Berge ohne ihn aussehen würden«, sprach sein Vater weiter. »Du könntest jeden einzelnen Gipfel zeichnen. Fröhlichere Bilder würden sich vielleicht auch besser verkaufen.« Er hob einen Eimer hoch und reichte ihn Wex. »Aber jetzt gibt es erst einmal Arbeit zu tun. Komm, hilf mir, dieses Schwein ausbluten zu lassen. Ich weiß, du kannst das Zeug für deine Farbe brauchen.«

Brynn von Zornflecks Hermelinstiefel waren genauso hell wie ihr weißblondes Haar. Das lange Kleid hob sie sorgsam an, während sie am Stolihof vorbei über die schlammige Straße stapfte.

Wex kannte all ihre Geheimnisse. Sein Vater war einer der Fleischlieferanten des Grafen von Zornfleck, und die Köchin des Hauses erledigte nicht nur die Einkäufe, sie hatte auch ein loses Mundwerk. Vor allem, wenn sie in der Gesellschaft von verwitweten Männern in ihrem Alter war. Manchmal brauchte Elger den ganzen Vormittag, um die Bestellungen abzuliefern, und das obwohl das gräfliche Anwesen gerade mal zwei Wegstunden entfernt war. Oft kam er mit Geschichten zurück, die besser weder erzählt und noch viel weniger von irgendjemandem gehört werden sollten, und gelegentlich auch mit verrutschten Kleidern.

Die von Zornflecks waren in der Gegend die einzige Familie von Bedeutung. Brynns Ururgroßvater Baen war Mitglied im Kabinett von Fürst Kryst gewesen. Aber als Krysts Sohn, der zehnte in der Linie, seinem Vater auf dem Thron folgte, drängte er die alten Kabinettsmitglieder hinaus, um Platz für seine eigenen jungen Gefolgsmänner zu schaffen. Baen war zum Grafen ernannt worden und herrschte von nun an über eine Ansammlung kleiner Höfe und ein paar Gemeinhäuser in der nördlichsten Ecke von Abrogan, auch bekannt als Zornfleck, die bescheidenen Lande von Wex’ Vorfahren. Außerdem erhielt der frischgebackene Graf mehrere hundert Morgen Land gleich außerhalb der etwas prahlerisch als »Stadt« bezeichneten Siedlung. Baens Enkel jedoch, Brynns Vater, hatte wenig Geschäftssinn, und die Besitzungen schrumpften zusehends. Der eine Teil, hundert Morgen Flussland, ging an die Geldwechsler, bei denen er noch Schulden hatte, weitere hundert Morgen an einen Geschäftspartner aus einer bankrottgegangenen Pferdezucht. Der Rest, und das war das Erniedrigendste von allem, wurde dem Herzog Hynde zugesprochen, dem ranghöchsten Adligen in den nördlichen Gebieten Abrogans. Brynns Vater hatte ihn tödlich beleidigt, indem er bei der Hochzeit seiner Tochter Alta nicht erschienen war. Der ortsansässige Richter, ein Cousin von Hynde, hatte ihn der Obrigkeitsbeleidigung in besonders schwerem Fall für schuldig befunden und die verbliebenen Ländereien Herzog Hynde zugesprochen. Den von Zornflecks blieben nur noch ein fünf Morgen großes Fleckchen und das aus Steinen erbaute Familienanwesen, vor allem um den Schein zu wahren. Doch ohne die Pacht der Bauern ging auch das Geld schnell zur Neige. Weitere Besitztümer wurden verkauft, darunter Brynns Pony, und bald war von ihrer Adligkeit nur noch das »von« vor dem »Zornfleck« übrig.

Und jetzt wollte Brynns Vater, so behauptete zumindest die geschwätzige Köchin, auch noch seine Tochter verkaufen.

Wex hatte gerade die Schlachtreste auf die Straße gekippt. Er blickte auf und sah die Tochter des Grafen von Zornfleck, die anscheinend zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt war, um die dampfenden Fleischabfälle zu bemerken.

»Heda!«, rief Wex, und als sie ihn weiter ignorierte, brüllte er: »Vorsicht!«

Doch es gelang ihm lediglich, ihre Aufmerksamkeit für einen Augenblick von der Straße abzulenken. Verärgert schaute sie kurz auf und trat mitten in die breiigen Schweineinnereien, während Wex noch ganz hingerissen war vom Anblick des bezaubernden Mädchens in den bezaubernden Hermelinstiefeln.

Brynn blieb wie angewurzelt stehen. Sie schaute nicht nach unten, sondern ließ den Blick stur auf Wex gerichtet, während sie mit einem schmatzenden Geräusch ihren Stiefel aus der Brühe zog. Er tropfte nur so von halb geronnenem Blut.

In Brynns Gesicht spiegelten sich starke Gefühle wider, aber Wex vermochte nicht zu sagen, welche. Wut vielleicht? Er wartete darauf, dass sie ihn anschreien würde. Ihr Vater war der Graf von Zornfleck, und wenn sie wütend auf Wex war, würde das Konsequenzen haben. Auf Schweinefleisch könnte eine höhere Steuer erhoben werden, oder ihre Familie könnte ab jetzt woanders einkaufen. Wex bereitete sich gedanklich auf diese und andere Möglichkeiten vor, aber anstatt ihn anzuschreien, brach Brynn in Tränen aus. Damit hatte Wex nicht gerechnet. Er blickte sich kurz um, ob irgendjemand in Sichtweite war.

»Brynn …?« Er probierte es mit ihrem Vornamen. Sie war erst siebzehn, so alt wie er selbst und damit noch nicht alt genug, um mit »Dame von Zornfleck« oder gar »Gräfin« angesprochen zu werden. Außerdem war Wex mit ihr aufgewachsen. Sie mochten vielleicht nur ein- oder zweimal miteinander gespielt haben, aber Wex fand diese lockere Form der Anrede dennoch angemessen.

»Lass mich in Ruhe …«, stammelte Brynn und schaute weg.

»Komm doch rein«, bot Wex an. »Ich werde deinen Stiefel saubermachen. Mit kaltem Wasser lässt sich Schweineblut gut abwaschen, aber man muss schnell machen.« Vorsichtig legte er ihr eine Hand auf die Schulter, und sie ließ sich von ihm ins Haus führen.

Wex schob Brynn in das bescheidene, strohgedeckte Haus, in dem bereits eine Wanne voll sauberen Wassers für ein Bad bereitstand. Er bot ihr eine einfache Holzbank als Sitzgelegenheit an, kniete sich hin und zog dem schniefenden Mädchen den verdreckten Stiefel aus. Es ging ganz leicht, und Brynn ließ es geschehen. Sie war vollkommen versunken in ihrem Elend.

Welches Mädchen regt sich denn derart über einen schmutzigen Stiefel auf?, fragte sich Wex. Die mit schlanken Füßen, wie ihm sogleich auffiel, und nicht einer einzigen Blase daran. Die ein sorgloses Leben in einem großen Steinhaus außerhalb der Stadt führen. Wex hockte da, Brynns nackten Fuß in der Hand. Etwas Derartiges hätte er sich bis vor einer Stunde nicht einmal vorzustellen gewagt.

Als würde Brynn erst jetzt bemerken, dass er ihre Haut berührte, blickte sie ihn durch einen Schleier blonder Haare wie vom Donner gerührt an.

Wex ließ den Fuß los, der mit einem dumpfen Knall auf den Dielenboden schlug. »Verzeih«, sagte er. »Ich mache mich wohl besser an die Arbeit.« Er griff sich den Stiefel und drehte sich nach der Wanne um.

»Ich heirate in fünf Tagen«, erklärte Brynn unvermittelt. »Es ist bereits alles arrangiert.«

Wex wusste nicht, was er sagen sollte.

»Dabei kann ich ihn niemals lieben«, sprach sie weiter, als unterhalte sie sich mit sich selbst.

Wex blieb weiter stumm. Es wollte ihm nicht in den Sinn, weshalb die Tochter des Grafen ihm solche Dinge erzählte. Außerdem machte es ihn nervös. Er tauchte den Stiefel in die Wanne, und das Blut verteilte sich, färbte sein Badewasser rosarot.

»Es ist Gavel.«

Wex runzelte die Stirn. Gavel gehörten die Hufschmiede und die Sattlerei, außerdem handelte er mit Pferden. Und er war so alt wie Wex’ Vater. Sein Doppelkinn hing durch wie ein nasser Getreidesack.

Brynn bemerkte Wex’ Gesichtsausdruck. »Er gibt meinem Vater zwei Säcke Silber für mich«, erklärte sie. »Und sein bestes Pferd.«

»So was wie eine Mitgift, nur umgekehrt? Aber deine Familie hat doch Geld. Sogar eine Menge.« Wex wusste, dass das Gegenteil der Fall war, zog es aber vor, so zu tun, als würden die Geldtruhen in ihrem Haus nach wie vor überquellen. Er wollte nicht preisgeben, dass ihre wirtschaftliche Misere in aller Munde war.

»Du sagst das, als wäre dieses Angebot eine Beleidigung. Ich erziele einen ziemlich hohen Preis.«

Sie stand auf und warf ihr Haar zurück in dem Versuch, erhaben auszusehen – was ihr sehr gut gelang, wie Wex sich eingestehen musste. Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Stiefel zu und hoffte, dass sie nicht doch noch wütend auf ihn werden würde.

»Gut«, entgegnete er. »Dann bist du also glücklich.«

Brynn fing an, auf und ab zu gehen. Ganz offenbar nicht glücklich. »Ich habe gehört, wie Gavel zu einem Stallburschen sagte, ich hätte ein gesundes Hinterteil.«

Wex konnte gar nicht anders, als einen verstohlenen Blick auf ihren Po zu werfen. Die Backen wölbten sich in einer wohlgeformten Kurve vom unteren Rücken weg. Sie waren nicht mehr flach wie bei einem jungen Mädchen, jetzt da sie siebzehn war. Zwei schöne Rundungen, und auch wenn sie von ihrem Kleid verdeckt waren, so konnte Wex doch deutlich erkennen, dass sie nicht durchhingen wie Gavels Kinn. »Gesund« war zwar nicht das Wort, mit dem er Brynn von Zornflecks Hinterteil beschrieben hätte, aber es passte. Ungesund sah es zumindest nicht aus.

»Vielleicht ein Kompliment?«, meinte er, um sie zu besänftigen.

»Ich wünsche keine solchen Komplimente. Nicht von ihm. Bin ich etwa ein Stück Vieh auf einem Pferdemarkt?!«

Wex wusste nicht recht, wie er in die Situation geraten war, mit der Tochter eines Grafen über ihren Po zu diskutieren. Was er jedoch wusste, war, dass er das Gespräch möglichst schnell beenden sollte. Gavel war ein erwachsener Mann, schlimmer noch, ein reicher Kaufmann, und konnte Wex für ein paar Kupfermünzen – so viel wie ein Becher von Hamptens Selbstgebrautem kostete – zusammenschlagen lassen. Gavels Neffen, die Hoxxel-Brüder von der rivalisierenden Schweinezucht ein Stück die Straße hinauf, würden es wahrscheinlich sogar umsonst machen. Die drei, einer jünger, einer älter und einer ziemlich genau in Wex’ Alter, tyrannisierten ihn schon, seit die Hoxxels vor drei Jahren aus dem Süden nach Zornfleck gekommen waren. Außerdem stahlen sie einen nach dem anderen Elgers Kunden. Ihre Lieblingsbeschäftigung war, getrocknete Kuhfladen nach Wex zu werfen, wann immer er an ihrem Hof vorbeikam, was er jedoch kaum noch tat, nachdem sie ihn einmal mit einem am Kopf erwischt hatten, der in der Mitte noch frisch gewesen war. Dummerweise hatte er die Fäkalien-Attacke mit einem Steinwurf erwidert und den ältesten Hoxxel am Knie getroffen, woraufhin sie ihn an den Füßen mehrere Furchenlängen weit über einen Schotterweg den Hügel hinaufgeschleift hatten. Mit dem Gesicht nach unten. Von dieser Begegnung fehlte ihm, für jedermann gut sichtbar, bis heute ein dreieckiges Stück vom Schneidezahn. Die Hoxxels waren zwar nicht größer als er, aber sie waren zu dritt, und Prügel von Erwachsenen würden noch um einiges heftiger ausfallen als die Abreibungen, die er bisher von den Brüdern bekommen hatte.

»Du wirst reich sein. So wie jetzt.«

Brynn schnaubte. »Aber ich werde nicht so leben. Gavel ist ein Geizhals. Er verkauft Pferde, aber er reitet sie nicht. Er verdient viel Geld, aber er gibt es nicht aus. Er lebt in dem alten Haus seines Vaters und weigert sich, es herrichten zu lassen.«

Wex warf einen Blick auf Elgers Haus, das Haus, das er eines Tages erben würde. Es war gerade einmal halb so groß wie Gavels. Plötzlich schämte er sich für seinen Vater, und dann, genauso plötzlich, schämte er sich dafür, dass er sich schämte. Das Haus war solide und sauber. Sein Vater hatte es mit eigenen Händen gebaut, und das Stroh auf dem Dach war frisch. Es hielt dem Regen stand und sogar den heftigen Schneefällen, die hier am Fuß der Berge Jahr für Jahr genauso sicher fielen wie der Regen. An der Wand hingen das alte, schartige Schwert seines Vaters und ein Lederumhang als Erinnerung an die Zeiten, als Elger die Familie noch vor Banditen beschützen musste. Das Wichtigste von allem aber war: Eines Tages würde sein Vater Wex die Schweinezucht überlassen, sein Lebenswerk an den geliebten Sohn weitergeben. Wex hatte also nicht den geringsten Anlass, sich zu beschweren, und es gab nichts, wofür sein Vater sich hätte schämen müssen.

Brynn sprach unterdessen unverdrossen weiter. »… und er wird mich nie zum Palast von Skye mitnehmen. Er hat kein bisschen Sinn für Spaß oder Abwechslung.«

Wex nickte, als würde er ihr zustimmen, aber innerlich wunderte er sich über ihre Unzufriedenheit. Ein Ausflug zum Palast? Spaß und Abwechslung? Die meisten in Zornfleck wünschten sich nicht mehr als ausreichend getrocknetes Fleisch für schlechte Zeiten und genügend sauberes Wasser im Brunnen. Verzicht war Wex’ geringste Sorge. Schweinemilben, Maul- und Klauenseuche, als Wurfgeschosse benutzte Kuhfladen und Prügel von den Nachbarssöhnen waren die Dinge, die er fürchtete.

»Spaß und Abwechslung?«

»Abenteuer«, erklärte Brynn und erstrahlte. »Die Hofdamen in der Stadt tragen seidene Kleider und Parfüm.«

Bei dem Wort »Parfüm« erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht, das erste, das Wex bei ihr sah, seit sie mit ihrem weißen Stiefel in die blutroten Eingeweide getreten war. Es stand ihr gut. Äußerst gut, wie er fand.

»Außerdem gibt es dort elegante Herren, die mindestens genauso viel Geld haben wie ein Pferdehändler, und sie geben es freimütig aus, um damit ihre Frauen zu beeindrucken. Sie kaufen ihnen Schmuck und Kleidung nach der neuesten Mode.«

Für Wex klang das alles herzlich wenig nach Abenteuer, aber er war weder reich, noch war er eine Frau. Brynns Wunsch jedoch, die Welt zu sehen, konnte er mit ganzem Herzen nachfühlen. Er war nie weiter weg von zu Hause gewesen als in Furtheim auf dem Markt, der gerade einmal vier Wegstunden südlich lag. Nach Norden, wo der Schleier war, ging niemand.

»Dein Stiefel ist jetzt wieder sauber«, sagte er und tupfte ihn mit dem frischen Wolltuch trocken, das er für sein wöchentliches Bad bereitgelegt hatte. Er hielt ihr den Stiefel hin, aber Brynn war mit den Gedanken woanders.

Über der Pritsche seines Vaters hing eine von Wex’ Zeichnungen. Es war Elgers Lieblingsbild, eine Darstellung ihres Hofs, gesehen von dem Hügel aus, auf dem Wex immer zeichnete. Brynn starrte es an und war vollkommen in Beschlag genommen von den Strichen, Klecksen und Schraffuren, die es irgendwie schafften, wie Gebäude, Zäune, Suhle und Stall auszusehen.

»Solche Bilder habe ich auch auf dem Markt gesehen. Dann bist du also der Zeichner. Derjenige, der immer die Zornberge malt, und nur in Rot.«

»Ja«, erwiderte Wex. »Schwarz und andere Farben sind teuer. Man kann sie nur in Furtheim kaufen.« Er seufzte. »Und meine Bilder bringen nicht viel ein. Sie sind nichts wert.«

Brynn musterte ihn. »Unsinn. Du hast ein kostbares Talent«, widersprach Brynn.

Wex strahlte. Ihre Worte waren keine hohle Schmeichelei. Brynn hatte nur ausgesprochen, was sie für offensichtlich hielt. Es war eine nüchterne Beobachtung und somit das aufrichtigste Lob, das Wex überhaupt bekommen konnte.

»Du solltest dir Tusche besorgen«, fuhr Brynn fort und sah ihm dabei direkt in die Augen. Sie führte jetzt ein richtiges Gespräch mit ihm, statt nur mit sich selbst Hof zu halten. »Mit Farbe bekommst du vielleicht einen besseren Preis, und mit dem Extrageld könntest du dir weitere kaufen. Verstehst du, was ich meine? Mit dem Gewinn könntest du dir ein … anderes Leben leisten.«

Sie ist klug, dachte Wex. Aber Geschäftspläne waren nichts für ihn.

»Es ist nicht das Geld, das einem ein glückliches Leben beschert«, erwiderte Wex. »Mein Vater sagt immer, Geld spielt keine Rolle, wenn am Ende der Sensenmann kommt und einen fragt, ob man ein gutes Leben geführt hat.«

Brynn starrte ihn an. Ihr Gesicht verfinsterte sich, und Wex begriff, was er da soeben gesagt hatte: Ihre Familie wurde nach nichts anderem bemessen als nach dem Geld, das sie besaß. Brynns Stellung im Leben definierte sich durch Hermelinstiefel, Pferde und Grundbesitz. Sogar sie selbst hatte einen festgesetzten Preis.

»Du kannst mir den Stiefel jetzt wiedergeben«, sagte sie knapp.

Wex wusste, er hatte soeben einen schlimmen Fehler begangen. Er streckte noch einmal die Hand mit dem Stiefel aus, und diesmal nahm sie ihn.

»Dein Vater, so schlau er auch sein mag, gibt sich mit einem Leben unter Schweinen zufrieden«, fügte sie hinzu und streifte den Stiefel über ihren schmalen Fuß. Dann drehte sie sich ohne ein weiteres Wort um, stieß überraschend kraftvoll die schwere Kiefernholztür auf und stolzierte davon.

Wex schlug mit der Stirn gegen die verdreckte Wanne. »Du Idiot!«, schimpfte er so laut, dass die Worte in dem winzigen Badezimmer widerhallten, als würden die Wände ihn verspotten. Ohne nachzudenken, hatte er einfach so drauflosgeplappert und die Tochter des Grafen beleidigt. Jetzt war sie mit all ihrer Schönheit, ihrem Abenteuergeist, ihrer Intelligenz, den schlanken Füßen, dem gesunden Hinterteil und ihrer Bewunderung für seine Zeichnungen für immer aus seinem Leben gestapft.

Wex fragte sich, was Elger dazu sagen würde. Sein Vater erklärte ihm stets, dass man, wann immer man etwas Dummes getan hatte, innehalten und versuchen sollte, daraus zu lernen. Für Wex waren das in diesem Fall zwei Dinge: Erstens, dass es sich nicht gehörte, über Geld zu sprechen, egal mit wem und selbst wenn das Gegenüber Geld hatte. Und zweitens, dass er in Brynn von Zornfleck verliebt war.

2

Nachdem die Abreibung bereits zwei oder drei Tage auf sich hatte warten lassen, kam Wex zu dem Schluss, dass er wohl doch nichts zu befürchten hatte. Am vierten Tag schließlich ging er voll Vertrauen die Zweite Straße von Zornfleck entlang. Er war auf dem Weg zu Wünschelruth, dem Kräuterarzt, der zwei Höfe weiter wohnte. Wex sollte einen Zweig Thymian und ein halbes Dutzend Steinpilzköpfe besorgen, aber er hatte vor, auf gut Glück auch nach etwas Vogelleberextrakt für die schmerzenden Gelenke seines Vaters zu fragen.

Wex hatte gerade als Bezahlung für die Arzneien eine Scheibe Schinken auf die Theke gelegt, da erzählte ihm Wünschelruth, dass eine Kompanie von Krysts Soldaten aus dem Palast von Skye in die Stadt gekommen sei. Ein seltenes Ereignis. Die Bauern von Zornfleck bekamen nicht oft Mitglieder der Palastwache zu Gesicht. Obendrein, so Wünschelruth hinter vorgehaltener Hand, ging das Gerücht, dass sich unter ihnen ein Magier befand.

Wex bekam große Augen. Ein Magier! Bilder von finster dreinblickenden Männern in langen, wallenden Roben, die Blei zu Gold machen und mit den Fingern Feuerfontänen verschießen konnten, erschienen vor seinem inneren Auge.

Sein Vater hatte ihm wiederholt erklärt, dass das alles nur faule Tricks waren, aber manchmal sahen sie verdammt überzeugend aus. Sobald er die Besorgungen erledigt hatte, sollte er sofort nach Hause kommen, hatte Elger gesagt, aber als Wex die Straße betrat und Richtung Zornfleck blickte, übermannte ihn die Neugier. Reisende, Abenteurer aus fernen Landen waren in der Stadt. Wex seufzte. Manchmal zeichnete er ferne Lande, aber er bekam sie nie zu sehen. Er stellte sie sich nur vor. Soldaten bekamen sie zu sehen. Magier bekamen sie zu sehen.

Noch bevor Wex etwas dagegen unternehmen konnte, trugen seine Füße ihn nach Zornfleck, und er ließ es geschehen wie eine dankbare Geisel. Soldaten allein waren schon Attraktion genug, aber einen Magier konnte er sich einfach nicht entgehen lassen, dachte Wex und wurde mit jedem Schritt aufgeregter.

Er wich einem Haufen Ochsendung aus und sprang über eine Pfütze. Die Zweite Straße wurde nicht besonders gut gepflegt. In Zornfleck gab es genau zwei Straßen, die für Pferde und Karren befahrbar waren. Sinnigerweise hießen sie Erste Straße und Zweite Straße. Die Erste Straße war eine wichtige Nord-Süd-Verbindung, und die Kaufleute benutzten sie viel, die Zweite jedoch endete an der Stadtgrenze und wurde im selben Maße vernachlässigt, wie die andere in Schuss gehalten wurde.

Es war ein angenehmer Frühlingstag, nicht besonders warm, aber auch ohne den kalten Nordwind, der oft von den Zornbergen herunterwehte, und die Sonne lugte hin und wieder hinter der dünnen Wolkenschicht hervor. Wex trug ein abgewetztes Hemd unter dem halbwegs präsentabel aussehenden Kittel und Kniehosen aus dünnem Schweinsleder. Pflichtbewusst hatte seine Mutter noch vor ihrem Abgang aus dieser Welt fünf Paar davon angefertigt. Aus vier war er mittlerweile herausgewachsen.

Wex sah den liegen gebliebenen Wagen, gerade als er auf die zerfurchte Zweite Straße einbog. Eine große Kiste voll Brennholz hing mit bedrohlicher Schlagseite über den Rand des von Wind und Wetter ergrauten Karrens. Eins der Räder war gebrochen. Der bullige schwarze Ochse, der zappelnd im Straßengraben lag, war vom Weg abgekommen und hatte den Karren mitgerissen. Wex wollte losrennen, um den Leuten zu helfen, blieb aber wie angewurzelt stehen, als er erkannte, wer da in Schwierigkeiten steckte.

Dunston Hoxxel stand gegen den Wagen gelehnt und inspizierte das gebrochene Rad, fluchend wie ein räudiger Straßenköter, während sein jüngerer Bruder Cudbert stumm auf dem Kutschbock saß. Osmund, der jüngste, war in den Straßengraben gesprungen und trat auf den glücklosen Ochsen ein, der sich offensichtlich das Fesselgelenk verrenkt hatte und nirgendwo mehr hingehen würde, ob mit oder ohne Osmunds Tritte.

»Was musste auch abbiegen, wenn ich sag ›nee, grade, gradaus‹, du Trottel?«, sagte Dunston in seinem starken Süd-Abrogan-Dialekt zu Cudbert.

»Häng gefälligst nich so faul da ob’n rum, Denni!«, brüllte Osmund aus dem Graben herauf. »Kannst schon ’n bisschen mehr tun, als mit der Hand in die Hose blöd zu grins’n!«

»Haltet verdammt noch mal die Klappe, ihr beid’n!«, schrie Cudbert mit rotem Gesicht. »Paps wird nich lang überlegen, wer von uns schuld war, und uns alle drei verprüg’ln!«

»Aber Cud weiß genau, dasser als Erster drankommt, so beschiss’n, wie er fährt«, sagte Denni mit einem Zwinkern zu Osi.

»Klar«, stimmte Osi zu. »Paps’ Prügelhand is’ sicher schon ganz lahm, bis wir an der Reihe sin’.« Beide prusteten laut los.

»Klappe jetz’, sag ich!«, jammerte Cud. Dann hörte er hinter sich das Scharren von Füßen und blickte sich um.

Wex hatte versucht, sich unter dem Lärm des lauten Gezänks heimlich zurückzuziehen, aber er war wohl nicht leise genug gewesen.

»Na, wen ham wir denn da?«, meinte Cud. Sein gepeinigtes Gesicht verzog sich zu einem hämischen Grinsen.

Als seine Brüder die Veränderung in Cuds Stimme hörten, drehten auch sie sich um und erblickten Wex. Die Ähnlichkeit in den funkelnden, schlitzartigen Augen der beiden war verblüffend. Es sah fast so aus, als würden sich darin die gleichen bösartigen Gedanken spiegeln. Cuds Augen hingegen waren rund und trüb. Man munkelte, dass die Brüder von verschiedenen Vätern waren.

»Der, der so gern mit Stein’n wirft«, sagte Denni und rieb sich das Knie. »Weißte noch, wie er sich ’n Zahn ausgebroch’n hat?«

Alle drei lachten. Anscheinend war die Erinnerung an die Rutschpartie über den Feldweg für sie ein Quell ständiger Erheiterung.

»Er hat ja noch ’ne ganze Menge übrig …«, erklärte Osi.

Trotz ihres jungen Alters fehlten den Hoxxel-Brüdern bereits einige Zähne, entweder von Kämpfen untereinander oder durch Prügel von ihrem Vater Dunhard, der in ganz Zornfleck für sein cholerisches Temperament berüchtigt war. Als jüngster und somit auf der Verliererseite bei den meisten Familienstreitigkeiten hatte Osi die wenigsten: einen einsamen, gelblichen Stumpf im Oberkiefer und ein paar schwarze Ruinen darunter.

Wex schätzte seine Chancen ab. Bei einer direkten Auseinandersetzung drei gegen einen standen sie schlecht bis miserabel. Wenigstens hatten sie ihn noch nicht umzingelt, also war Weglaufen eine gute Alternative. Die andere Möglichkeit war, mit ihnen zu verhandeln und eine günstige Gelegenheit abzuwarten, um sich zu verdrücken. Es machte ihn zwar traurig, dass Brynn offenbar hinausposaunt hatte, wie er sich ihr gegenüber verhalten hatte, aber er war auch nicht überrascht. Die Tatsache, dass sie das Haus eines Bauernjungen betreten und er ihren nackten Fuß berührt hatte, war Grund genug für eine kräftige Abtreibung. Ganz zu schweigen davon, dass er sie, wenngleich unabsichtlich, auch noch kritisiert hatte. Ein Mädchen blauen Geblüts brauchte sich von einem Jungen niederen Standes keine ungebührlichen Worte gefallen zu lassen.

»Ich wollte die Dame von Zornfleck nicht beleidigen«, erklärte er eilig. Wex benutzte ihren offiziellen Titel, um sein Gnadengesuch möglichst demütig klingen zu lassen. »Und auch nicht euren Onkel Gavel. Und ich möchte mich dafür entschuldigen, ehrlich. Ich versichere euch, ich war nur ganz kurz mit ihr allein, während ich mich um ihren Stiefel gekümmert habe, und ich hatte nicht die Absicht, über ihren Hintern zu reden.«

Die Tatsache, dass Cud sich am Kopf kratzte, hatte nicht viel zu bedeuten. Als Dümmstem von den generell nicht besonders hellen Hoxxels war eine gewisse Verwirrung bei ihm ein ganz normaler Zustand. Doch als Osi und Denni sich ebenso verständnislos anblickten, begriff Wex, welch fürchterlichen Fehler er begangen hatte: Brynn hatte gar nichts gesagt. Sie hatten es nicht auf Befehl ihres Onkels hin auf ihn abgesehen, sondern nur so zum Spaß.

»Ge-kümm-ert?«, wiederholte Cud langsam und versuchte dahinterzukommen, was Wex meinen könnte.

»Sachte, sachte. Gaaanz sachte«, mischte Denni sich ein. »Da sin’ wir über was Interessantes gestolpert hier. Der Steineschmeißer macht sich mit dem anständigsten Mädel im ganzen Dorf zu schaff’n.«

»Un’ Onkel Gavel hat schon ’ne ganze Weile ’n Auge auf sie«, fügte Osi hinzu.

»Wenn das mal keine Belohnung gibt, wenn wir ’ne saftige Entschuldigung aus ihm rausprüg’ln, oder?«, fragte sich Denni laut, und seine Brüder nickten.

»Aber ich habe mich doch schon entschuldigt«, protestierte Wex. »Gerade eben.«

»Ohne ’n paar blaue Flecken wirste das nich beweisen könn’«, erwiderte Denni.

»Oder wenigstens ’n Zahn weniger«, fügte Osi hinzu und zeigte lächelnd seine eigene löchrige Zahnleiste.

Osmunds Fixiertheit auf dieses Thema brachte Wex zu der Annahme, der jüngste Hoxxel würde alles und jeden beneiden, der noch ein vollständiges Gebiss hatte. Aber der Verlauf der Unterhaltung ließ sich jetzt nicht mehr umkehren. Die drei hatten schon schlechte Laune gehabt, als er ihnen über den Weg gelaufen war, und jetzt hatten sie sich so richtig in Schlägerstimmung geredet. Wex hatte sein kleines Messer dabei, aber wenn er es hervorholte, würden sie vielleicht auch Waffen ziehen, und das Ganze würde womöglich tödlich enden. Aller Wahrscheinlichkeit nach für ihn. Der ungeschriebene Ehrenkodex für Dorfraufereien schrieb vor, dass die Kämpfenden sich ausschließlich nichttödlicher Waffen bedienten, die gerade greifbar waren. Steine oder Stöcke zum Beispiel.

Denni und Osi kamen bereits auf ihn zu, und Cud sprang von dem Karren herunter, eine Peitsche in der Hand.

Wex bückte sich und hob zwei eiergroße Steine von der Straße auf. Die Zeit würde gerade noch reichen, sie zu werfen, bevor die drei ihn erreichten. Wex hob den Arm und hoffte, die Hoxxels würden kurz hinter ihrem Karren in Deckung gehen, was ihm mehr Zeit verschafft hätte davonzulaufen, aber sie gingen weiter unbeirrt auf ihn zu. Wex’ Zögern hatte ihn lediglich um die letzte Gelegenheit zur Flucht gebracht. Also zielte er. Osis letzter Zahn im Oberkiefer war ein verlockendes Ziel, doch Cud hatte die Peitsche. Letztlich entschied Wex sich für Denni, der der Älteste der drei war und wahrscheinlich auch ihr Anführer.

Wex’ Arm schoss nach vorn. Er war ein guter Werfer. Jeden Tag übte er in dem Kiefernwäldchen auf dem Hügel, auf dem er immer zeichnete; einmal hatte er sogar ein rennendes Eichhörnchen getroffen. Der Stein flog an dem heranstürmenden Osi vorbei und traf Denni mitten ins wütende Gesicht. Eine rote Fontäne schoss aus seiner Nase, und er kam taumelnd zum Stehen.

»Gott verdammt noch mal!«, schnaubte er durch Blut und Schleim. »Ich bin schon wieder getroff’n!«

»Hol’n wir ihn uns!«, rief Osi. Er selbst zögerte wegen des Steins, den Wex noch in der Hand hatte, und überließ die Vorhut lieber dem weniger schlauen Cud.

Mit erhobener Peitsche stürmte Cudbert los.

»Hilfe. Ich sterbe!«, brüllte Denni hinter ihnen her und versuchte, das Blut mit den Händen aufzufangen. »Mein Hirn läuf’ mir bei der Nase raus!«

Wex holte aus, aber es war zu spät. Cud ließ die Peitsche fliegen und verpasste ihm einen roten Striemen quer über die Wange. Wex wurde herumgerissen, dann packte Osi ihn von hinten und riss ihn zu Boden. Während sie im Schlamm miteinander rangen, konnte Wex mit dem Stein in der Hand einen Treffer landen, aber noch bevor er den kurzzeitigen Vorteil nutzen konnte, fuhr die Peitsche schon wieder auf ihn herab. Wex kauerte sich zusammen, um seine Augen zu schützen.

Cud stand da und schlug wie wild weiter. Diesmal erwischte er beide, hauptsächlich aber Wex, der immer noch mit Osi beschäftigt war, der nun seinerseits die Gelegenheit nutzte, um sich auf ihn zu rollen und Wex’ Kopf in eine stinkende Pfütze zu drücken. Bestimmt würde auch Denni sich jeden Moment auf ihn stürzen, um Rache für die zerschmetterte Nase zu nehmen.

Während Wex so mit dem Gesicht nach unten im Dreck lag und die Peitsche wieder und wieder auf ihn niederfuhr, dachte er über seine Zukunft in Zornfleck nach. Sie hatte nie aus mehr bestanden als aus dem kleinen Bauernhäuschen und dem Gestank der Schweine, doch jetzt kamen noch drei Peiniger hinzu, die ihm bis weit ins Erwachsenenalter erhalten bleiben würden. Zornflecks mächtigster Kaufmann würde bald sein erbitterter Feind sein, und, vielleicht am schlimmsten von allem: Er hatte das schönste Mädchen im Dorf vor den Kopf gestoßen, um dann zu merken, wie sehr er sich zu ihr hingezogen fühlte. Die Zukunft sah also düster aus, und aller Wahrscheinlichkeit nach würde Wex sie auch noch ohne Zähne bewältigen müssen. Umso überraschter war er, als die Peitschenhiebe plötzlich aufhörten.

Osi gab seinen Kopf frei, und Wex spähte aus dem Graben.

Zwei Männer starrten von prächtigen Schlachtrössern auf sie herunter. Sie trugen filigran geschmiedete Kettenhemden, die sich perfekt anschmiegten und bei jeder Bewegung in der Sonne schimmerten. Das Haar des einen wirkte wie aus Obsidian gemeißelt, der Unterkiefer war breit und kantig. Er sah aus, als könnte selbst der härteste Treffer des berüchtigtsten Schlägers zwischen Zornfleck und Furtheim ihm nichts anhaben.

»Guten Morgen«, sagte er mit einer tiefen, befehlsgewohnten Stimme, die keinen Zweifel daran ließ, dass die Rauferei erst einmal würde warten müssen. »Ist irgendeiner von euch Schweinezüchter?«

»Schweinehändler«, korrigierte Cud. Denni stand daneben und nickte, das rot verschmierte Hemd nach oben gezogen, um seine gebrochene Nase zu verbergen.

»Der lallende Schnapsbrauer Hampten sagte ausdrücklich ›Schweinezüchter‹«, erklärte der zweite Reiter beflissen. Im krassen Gegensatz zu seinem Kameraden hatte er flachsblondes Haar und ein schmales, zerbrechlich wirkendes Kinn, das aussah, als würde er prinzipiell jede Form der körperlichen Auseinandersetzung meiden. Die Art jedoch, wie seine Hand ganz entspannt auf dem Knauf seines blitzenden Schwertes ruhte, schien anzudeuten, dass er das nicht unbedingt musste.

»Wir suchen den Zeichner«, verdeutlichte der erste.

Die Hoxxel-Brüder starrten einander ausdruckslos an, und Wex reckte neugierig den schmerzenden Kopf.

»Zeig ihnen das Pergament«, schlug der Flachsblonde vor.

Der Obsidianschädel entrollte ein kreisrundes Stück Papier.

Wex’ Nackenhaare richteten sich auf.

Der Soldat hielt das Bild hoch, damit alle es sehen konnten, und Wex war überrascht, darin eine seiner eigenen Zeichnungen der Zornberge zu erkennen.

»Wisst ihr, wer dies gezeichnet hat?«

Osi und Denni blickten einander an, dann Wex, der immer noch bäuchlings im Straßengraben lag. »Gibts ’afür so was wie ’ne Belohnung oder so?«, murmelte Denni durch sein Hemd.

Cud trat vor und begutachtete die Zeichnung. »Is’ das nich …«

»Maul!«, bellte Denni seinen debilen Halbbruder an.

»Die Belohnung bestünde darin, eurem Fürsten einen Dienst erwiesen zu haben«, erklärte der Flachskopf.

»Und dem Umstand, dass wir die Information nicht aus euch herauskitzeln müssen«, fügte Obsidianschädel mit einem Fingerzeig auf sein Schwert hinzu.

Denni schüttelte den Kopf. Dann packte er seine Brüder bei den Schultern und schüttelte sie ebenfalls, damit sie ja nichts Falsches sagten.

»Nee«, antwortete Osi schließlich für alle drei. »Wir kenn’ kein’ solch’n Zeichner.«

Die Reiter wandten sich Wex zu, als hätten sie ihn eben erst bemerkt.

»Und du, Ackersmann?«, fragte Flachs ohne viel Hoffnung in der Stimme.

Wex nickte und rappelte sich hoch. »Ja, Herr«, antwortete er mit einem Stöhnen. »Ich kenne ihn.«

3

»Fürst Kryst hat uns beauftragt, die Lande am Rand des Schleiers zu kartographieren«, erklärte der Hauptmann.

Die beiden Palastsoldaten beehrten Wex’ bescheidenes Heim mit ihrer Gegenwart. Der dunkelhaarige hieß Lothario. Ganz entspannt saß er auf derselben einfachen Holzbank, auf der ein paar Tage zuvor Brynn gesessen hatte, die Arme auf den runden Erlenholztisch in der Mitte des Raums gestützt. Fretter, sein zweiter Hauptmann, stand steif im Türrahmen. Elger saß Lothario gegenüber und war gebührend beeindruckt. Er hatte die Hände bedächtig gefaltet und dachte nach.

»Der Schleier?«, rief Wex und sprang von seinem quadratischen Schemel auf. »Aber niemand geht dorthin. Der Priester sagt, sein dunkles Geheimnis geht auf lästerliche Praktiken zurück … aus einem längst vergangenen Zeitalter!«

»Wir gehen dorthin«, erwiderte Fretter. »Pflicht ist Pflicht. Wir hinterfragen die Befehle des Fürsten nicht.«

Lothario streckte die langen Beine aus. »Priester nennen Dinge gerne dunkel und böse. Hält sie im Geschäft. Aber was sollen diese vagen Aussagen bedeuten? Längst vergangene Zeitalter? Lästerlich? Pah! Ich sage, wenn wir den Rand des Schleiers erst einmal kartographiert haben, wird er gleich weit weniger geheimnisvoll sein.«

Elger bedeutete Wex, sich wieder zu setzen. »Und was hat das mit meinem Sohn zu tun, bei allem gebührenden Respekt?«

»Unser Kartograph ist unterwegs erkrankt«, antwortete Fretter.

»So ist es«, bestätigte Lothario. »Es ist schlimm. Zuerst Schüttelfrost, dann Fieber. Übergibt sich ständig. Ich dachte schon, er würde platzen …«

»Kurzum, er konnte uns nicht weiter begleiten«, unterbrach Fretter eilig Lotharios anschauliche Schilderung. »Wir brauchen Ersatz.«

»Ein Kartograph? Was ist das?«, fragte Elger.

»Ein Kartenzeichner«, erklärte Fretter. »Derjenige, der die Karte für uns anfertigen wird.«

Er zog eine mannsgroße Lederröhre vom Rücken und strich sorgfältig mit der Hand über den Tisch, um sicherzugehen, dass auch ja kein Stäubchen mehr darauf lag. Dann öffnete er die Röhre und zog ein Dokument von enormen Abmessungen hervor. Er rollte nur das oberste Stückchen auf und breitete es vorsichtig auf dem Tisch aus. Wex erkannte kleine Symbole, die offensichtlich Berge, Straßen und Wälder darstellten.

»Dies«, verkündete Fretter, »ist eine Karte der gesamten bekannten Welt. Sie ist hunderte von Jahren alt und die vollständigste, die es gibt. Normalerweise hängt sie im Versammlungssaal im Palast von Skye. Dort, wo Grafen und Könige ihren Geschäften nachgehen.« Er gestatte den beiden noch einen kurzen Blick, dann steckte er die Karte eilig wieder weg. »Wir hatten schon befürchtet, in die Stadt zurückkehren zu müssen, um einen Ersatzkartographen zu finden. Eine mehrtägige, beschwerliche Reise. Doch dann entdeckte unser Magier auf dem Markt in Furtheim dies.« Er schob Elger das kleine kreisrunde Pergament hin, das er zuvor den Hoxxel-Brüdern gezeigt hatte. »Er schlug vor, uns unter den hiesigen Bauern nach ihrem Erschaffer umzusehen.«

»Ahhh.« Mit einem Nicken nahm Elger das Pergament und betrachtete es. »Die Zornberge. Die Zeichnung ist von vor zehn Tagen, kurz vor dem ersten Frühlingsregen. Man sieht den Schleier, wie er sich dunkel bis in die Wolken erhebt und die Gipfel verhüllt.«

»Erstaunlich«, kommentierte Lothario. »Nur eine Farbe, ein paar Linien und Kleckse, und doch sieht man genau, was es darstellt.«

»Du erkennst das Werk also?«, folgerte Fretter. Es war weniger eine Frage als eine Feststellung.

»Ja«, erwiderte Elger. »Mein Sohn vertreibt sich mit diesen Dingen die Zeit. Nachdem er seine eigentliche Arbeit erledigt hat, natürlich.«

»Dann ist er unser Mann!«, erklärte Lothario lächelnd.

Wex wusste nicht recht, was all das zu bedeuten hatte, doch allein die Tatsache, dass zwei leibhaftige Palastwachen von seinen Zeichnungen beeindruckt waren und vollkommen ohne Furcht vom Schleier sprachen, ließ sein Herz höher schlagen. Er beugte sich vor und blickte zwischen den Soldaten und seinem Vater hin und her. Lothario und Fretter warteten, wie er, auf eine Antwort, aber Elgers Gesicht blieb undurchdringlich. Er trommelte lediglich mit den Fingern auf den Erlenholztisch.

»Mein Sohn wird diesen Hof übernehmen«, erklärte er schließlich.

»Die Schweine?«, fragte Fretter.

Mit einer Handbewegung brachte Lothario seinen zweiten Hauptmann zum Schweigen. »Vielleicht haben wir uns nicht klar genug ausgedrückt. Wir bieten deinem Sohn an, sich Fürst Krysts Kartenexpedition anzuschließen. Nicht als vollwertiger Soldat versteht sich, aber wer weiß, wohin dieses Engagement ihn noch führen mag?«

Elger zuckte nicht mit der Wimper.

»Gegen Bezahlung, natürlich«, fügte Fretter hinzu.

»Geld bedeutet nichts, wenn mein Sohn nicht mehr bei mir sein kann. Außerdem brauche ich seine Hilfe. Er hat hier ein gutes, friedliches Leben.«

»Mit einer Vorauszahlung könntest du jemanden anheuern, der dir hilft«, schlug Lothario vor. »Und was gibt es Friedlicheres, als ein paar Tage in den Wäldern am Fuß der Berge zu verbringen?«

Elger sah immer noch nicht überzeugt aus. »Es ist ein finsterer Wald, von dem Ihr da sprecht«, entgegnete er.

»Vater …«, flüsterte Wex.

Mehr musste er nicht sagen. Der Eifer in seinen Augen und seiner Stimme entging Elger nicht. Mit Zeichnen meinen Lebensunterhalt verdienen!, dachte Wex. Eine kostbare Gelegenheit. Etwas, von dem er nie zu träumen gewagt hätte. Ganz ähnlich wie Brynn von Zornflecks nackten Fuß zu halten, nur dass er diesmal nicht seine Zähne dafür riskieren musste.

Elger zögerte noch immer.

»Wir werden ihn wohlbehalten zurückbringen«, versprach Fretter. »Du hast mein Wort als Offizier der Palastwache.«

Elger blinzelte und blickte zur Seite. Er schniefte kurz und rieb sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. »Er kann gut zeichnen, nicht wahr?«, sagte er leise.

»Ja, das kann er in der Tat«, erwiderte Lothario mit sanfter Stimme. »Und wir haben vor, sein Talent zu ehren. Die Zeichnungen, die er dieser kostbaren Karte hinzufügt« – er klopfte auf die Lederröhre auf Fretters Rücken – »werden im Palast von Skye hängen. Mit dergleichen können diese dämlichen Hoxxels nicht aufwarten, hab ich recht?«

Nun waren es drei Reiter, und einer davon war Wex. Mit wehendem Haar ritt er mit Lothario und Fretter durch Zornfleck, den Rücken gerade wie ein stolzer Gardeoffizier.

Hampten stand vor seiner Taverne, starrte die Dreiergruppe an und leerte seinen metallbeschlagenen Holzbecher in einem Zug.

Grinsend winkte Wex ihm zu. Hampten würde die Nachricht schnell verbreiten, und schon am nächsten Tag würde jeder in Zornfleck wissen, dass Wexford Stoli von der Palastwache angeheuert worden war. Sogar Brynn, dachte Wex. Solchermaßen abgelenkt, lehnte er sich ein Stück zu weit nach hinten, als sein Pferd gerade einer Pfütze auswich, und er musste wie verrückt mit den Armen rudern, um nicht herunterzufallen.

Hampten lachte schallend.

Sie erreichten die Hügel nördlich der Stadt. Die Pferde liefen in kurzem Galopp, schnell, aber nicht überhastet.

Auf der Kuppe des Hügels vor ihnen stand eine Frau. Als sie die drei Reiter näher kommen sah, strich sie ihr grünes Kleid glatt und rückte die elegante weiße Kopfbedeckung zurecht. Dann zog sie einen Münzbeutel. Als wollte sie nicht, dass die Reiter bemerkten, wie sehnsüchtig sie ihre Ankunft erwartete, tat sie so, als würde sie das Geld darin zählen.

Das machte sie so gut, dass Wex als Einziger in ihre Richtung schaute, und er staunte nicht schlecht: Es war Brynn. Wortlos ritten sie an ihr vorbei.

Nachdem sie vorüber waren, hob Brynn den Blick und starrte ihnen hinterher, als könne sie nicht fassen, dass sie tatsächlich ignoriert worden war. Von einem Moment auf den anderen ließ sie alle Schauspielerei fahren. »Wexford!«, schrie sie und winkte ihm zu.

Wex zog an den Zügeln und rief seinen Begleitern zu, sie sollten die Pferde wenden.

Einen Moment lang blickten sie ihn fragend an, folgten aber seiner Bitte.

Je näher sie kamen, desto mehr wurde Wex von Zweifeln geplagt. Seine letzte Begegnung mit Brynn war nicht allzu glücklich verlaufen. Vielleicht hatte sie vor, ihn zu beschimpfen, was wohl keinen guten Eindruck auf seine neuen Arbeitgeber machen würde. Er hätte so tun können, als hätte er sie nicht gehört. Aber sie hatte laut nach ihm gerufen, hatte sogar seinen Namen benutzt. Er konnte sie einfach nicht übergehen.

Brynns Blick wanderte zu den beiden Soldaten, und Wex runzelte die Stirn. Sie waren breit und muskelbepackt, nicht schmächtig wie er, und mindestens zehn Jahre älter. Ihre scharf geschnittenen Gesichter hatten Bartschatten. Sie waren erwachsene Männer. Neben denen seh ich ja aus wie ein kleiner Junge, dachte Wex.

Fretter wartete ab, angespannt und bereit. Er war auf der Hut, wie es schien. Die Lippen zusammengepresst und die Augen todernst, hatte sein Gesicht etwas von einem Jagdfalken. Aber es war Lothario, der Brynns Aufmerksamkeit auf sich zog. Hoch aufgerichtet saß er im Sattel. Strotzend vor Selbstbewusstsein bewegte er sich im Rhythmus seines prächtigen Hengstes, als wäre er ein Teil von ihm, das wehende Haar genauso pechschwarz wie die Mähne des muskulösen Tiers.

Brynn setzte ein freundliches Lächeln auf. »Seid gegrüßt.«

»Bist du in Schwierigkeiten?«, fragte Wex.

»Nein.«

»Aber du hast so hastig gewinkt …«

»Und wer ist die Dame?«, fragte Lothario mit tiefer, melodischer Stimme. Er ritt einmal im Kreis um Brynn herum und musterte sie, offensichtlich erfreut über das, was er sah.

»Das ist die Tochter des Grafen von Zornfleck, Brynn«, murmelte Wex.

»Ist mir eine Ehre«, sagte Lothario lächelnd. »Mein Name ist Lothario, und dies ist mein zweiter Hauptmann, Fretter.« Er fixierte sie mit dunklen Augen.

Brynn lächelte zurück, und einen Moment lang schienen die beiden alles um sich herum zu vergessen.

»Wir müssen weiter«, beendete Fretter das Intermezzo. »Wir haben einen Auftrag zu erfüllen. Der Rest der Expedition wartet bereits auf uns, und wir haben schon einen halben Tag verloren.«

»Wohin geht die Reise?«, fragte Brynn hastig. »Wenn ich das erfahren darf.«

»In die Berge«, erklärte Wex knapp. »Ich reite mit ihnen.«

Er wendete sein Pferd, und Brynn erblickte das Tuch, das er um den Rücken gebunden hatte. Das Ferkel darin strampelte und streckte den Kopf heraus.

»Ah. Ich verstehe«, sagte Brynn mit einem Nicken. »Du versorgst die edlen Soldaten unterwegs mit Fleisch.« Sie versuchte, Bewunderung in ihre Stimme zu legen, doch Wex ließ sich zu keiner freundlichen Erwiderung hinreißen. Wortlos griff er über die Schulter und stopfte das Ferkel zurück in die Trageschlinge.

»Nein. Ich werde nur jeden Tag ein bisschen von seinem Blut abzapfen. Es ist dick, lässt sich gut verteilen und gibt eine kräftige Farbe.«

Brynn verzog das Gesicht, und Lothario lachte. »Er verwendet das Blut als Tinte«, erklärte er. »Dein Freund hier ist unser neuer Kartograph. Weißt du, was das ist?«

»Ein Kartenzeichner?«

»Oho! Was für ein schlaues Weib.«

Brynn wirkte überrascht. Und beeindruckt. Wex überkam ein Gefühl von Stolz.

»Ich werde für sie zeichnen.«

»Natürlich«, sagte Brynn. »Aber warum reitet ihr in die Berge? Ist das nicht viel zu nahe am Schleier?«

»Um eine vollständige Karte des gesamten Gebiets zu erstellen«, antwortete Lothario. »Wenn sie fertig ist, bringen wir sie zum Palast.«

»Der Palast?« Brynn warf das Haar zurück und blinzelte Lothario mit langen Wimpern an. »Ich glaube, dort muss ich auch einmal wieder hin. Das letzte Mal liegt schon so lange zurück. Ich würde eine Eskorte brauchen …«

Lothario warf Fretter einen fragenden Blick zu.

»Nein«, erklärte er. »Wir können kein Mädchen im Kleid mitnehmen. Die Tochter eines Grafen, obendrein.«

»Ich habe einen Reiserock«, entgegnete Brynn.

»Habt Ihr auch ein gutes Pferd?«

»Ich kann mir eins aussuchen. Der örtliche Pferdehändler ist recht gut auf mich zu sprechen.«

»In der Tat«, brummte Wex.

»Können wir einer edlen Dame wirklich einen so kleinen Gefallen abschlagen?«, fragte Lothario. »Wo bleibt da die Ritterlichkeit, Fret?«

»Vor uns liegen zehn Tage harter Arbeit in unmittelbarer Nähe des Schleiers und in wenig höfischer Gesellschaft, bevor die Dame eins der Palastbetten auch nur zu Gesicht bekommt.« Er funkelte Lothario an, um keinen Zweifel daran zu lassen, was er von der Idee hielt.

Lothario verdrehte die Augen. »Sicherlich ist ein guter zweiter Hauptmann in der Lage, eine Verwendung für so ein reizendes Dämchen zu finden.«

Wex gefiel nicht, wie Lothario Brynn ansah. »Musst du nicht erst diesen Heiratsantrag ausschlagen, bevor du dich einfach so davonmachen kannst?«, platzte er unvermittelt heraus.

Brynn schoss einen verärgerten Blick in seine Richtung und lachte gezwungen. »Welchen genau meinst du denn? Es sind so viele.«

»Dieses Gerede über Freier ist müßig!«, erklärte Fretter mit fester Stimme. »Bei allem Respekt, meine Dame, wir müssen jetzt weiter. Ihr habt kein Pferd, keinen Reitrock und keine Aufgabe, die Ihr bei unserer Expedition erfüllen könntet. Bedaure. Ich bin sicher, Euer Vater ist in der Lage, eine Eskorte zusammenzustellen, die Euch zum Palast bringt.«

Mit einem entschuldigenden Lächeln beugte Lothario sich den zwingenden Argumenten seines beflissenen zweiten Hauptmanns. Fretter wendete sein Pferd, und Lothario tat es ihm gleich.

Wex war hin- und hergerissen. Mit Brynn von Zornfleck auf eine einwöchige Expedition in die Wälder zu gehen war eine aufregende Vorstellung. Aber nicht, wenn sie dabei Lotharios persönlicher Gast war. Da sollte sie lieber bei dem hässlichen alten Gavel bleiben.

»Leb wohl, Brynn«, sagte Wex mit großer Geste und wendete sein Pferd. »Ich muss jetzt los, um den Schleier zu kartographieren. Vielleicht sehen wir uns ja in zehn Tagen wieder.«

»Oder vielleicht auch nicht«, erwiderte sie.

4

Wex folgte Lothario und Fretter entlang der Ersten Straße Richtung Norden, auf die Berge zu. Die Landschaft veränderte sich allmählich: Die weiten Saubohnen- und Gerstenfelder, zwischen denen hier und da strohgedeckte Bauernhäuser standen, wichen den unbewohnten Wäldern der Vorhügel. Ab und zu kamen Leute aus den umliegenden Dörfern hierher, um Riesenkiefern zu schlagen und das Holz mit ihren Karren nach Süden zu bringen, aber nur solange es noch hell war. Lediglich Gesetzlose, die auf der Flucht vor Krysts Soldaten waren, wagten es, eine Nacht in den Zornbergen zu verbringen, so nahe am Schleier, und selbst sie blieben nicht lange. Es war zwar nicht offiziell verboten, die Wälder zu betreten, aber die Dorfpriester führten eine Liste mit den Namen all derer, die sich bekanntermaßen öfter dort aufhielten, und nicht selten tauchten diese Namen dann auf den Vermissten-Aushängen an den Kirchentüren in Nord-Abrogan wieder auf.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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