15,99 €
Studienarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege, Note: 1,0, Ludwig-Maximilians-Universität München (Bayerische Geschichte), Sprache: Deutsch, Abstract: König Ludwig II. von Bayern ist bis heute eine Person voller Widersprüche und damit einher gehen zahlreiche Diskussionen um Leben und Wirken des heute wohl bekanntesten bayerischen Monarchen. Gegenstand der Debatte sind vor allem Spekulationen über seinen Geisteszustand und die damit verbundene Entmündigung und Thronabsetzung; die Beziehung zu seiner Cousine Kaiserin Elisabeth von Österreich; die Regierungspolitik und die Einbindung Bayerns in das Deutsche Reich von 1871; und nicht zuletzt seine Bauten, die seit seinem Tod am 13.Juni 1886 alljährlich zahlreiche Besucher in ihren Bann ziehen. Dabei sind es fast ausschließlich die drei großen Projekte Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein, die in einem Atemzug mit Ludwig II. genannt werden und Ziel der Besucherströme sind. Die zahlreichen anderen Bauvorhaben, ob vollendet oder nicht über die Planungsphase hinausgekommen, bleiben von der Euphorie der Besucher unbeachtet. Es ist schwer feststellbar, ob seine Schlösser wegen ihrer kunsthistorischen Bedeutung oder ihres rätselhaften und tragischen Bauherrn Anziehungspunkte sind. Ziel der folgenden Untersuchungen war es herauszufinden, ob Ludwig II. als phantasievoller Bauherr ein Einzelfall in der Architekturmode des 19. Jahrhunderts war oder ob er nicht mehr und nicht weniger als in dem für die damalige Zeit typischen Stil baute. ...
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2010
Page 1
Page 3
1 Fragestellung und Thesen
König Ludwig II. von Bayern ist bis heute eine Person voller Widersprüche und damit einher gehen zahlreiche Diskussionen um Leben und Wirken des heute wohl bekanntesten bayerischen Monarchen. Gegenstand der Debatte sind vor allem Spekulationen über seinen Geisteszustand und die damit verbundene Entmündigung und Thronabsetzung; die Beziehung zu seiner Cousine Kaiserin Elisabeth von Österreich; die Regierungspolitik und die Einbindung Bayerns in das Deutsche Reich von 1871; und nicht zuletzt seine Bauten, die seit seinem Tod am 13.Juni 1886 alljährlich zahlreiche Besucher in ihren Bann ziehen. Dabei sind es fast ausschließlich die drei großen Projekte Herrenchiemsee, Linderhof und Neuschwanstein, die in einem Atemzug mit Ludwig II. genannt werden und Ziel der Besucherströme sind. Die zahlreichen anderen Bauvorhaben, ob vollendet oder nicht über die Planungsphase hinausgekommen, bleiben von der Euphorie der Besucher unbeachtet. Es ist schwer feststellbar, ob seine Schlösser wegen ihrer kunsthistorischen Bedeutung oder ihres rätselhaften und tragischen Bauherrn Anziehungspunkte sind. Ziel der folgenden Untersuchungen war es herauszufinden, ob Ludwig II. als phantasievoller Bauherr ein Einzelfall in der Architekturmode des 19. Jahrhunderts war oder ob er nicht mehr und nicht weniger als in dem für die damalige Zeit typischen Stil baute.
Untersuchungsobjekt meiner Ausführungen ist die „Königliche Villa“ Linderhof, die ab 1870 im oberbayerischen Graswangtal erbaut wurde.1Um den Architekturgeschmack der Zeit näher zu
beleuchten, werden weitere Immobilien von Hochadel, Adel und auch Bürgertum als Vergleichsobjekte herangezogen, die ebenfalls ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts in Bayern, Deutschland und dem übrigen Europa erbaut wurden. Zusätzlich zu Bauherren außerhalb des bayerischen Königshauses muss aber auch ein Blick auf Ludwigs Vater, König Maximilian II., geworfen werden, der mit dem nach ihm benannten Maximilianstil einen ganz neuen Baustil entworfen hat. Um die Bauten Ludwigs II. und hier speziell Schloss Linderhof verstehen zu können, müsste seine Person eingehend beleuchtet werden; dies kann aber im Rahmen dieser Untersuchungen nur rudimentär geschehen. Der Mensch Ludwig II. ist untrennbar mit den Bauten verbunden - und das nicht nur deswegen, weil er der Bauherr war; selbst die Gestaltung kleinster Details oblag in letzter Instanz seinem Urteil und nicht selten wurde sie von ihm selbst überarbeitet. Eine wichtige Frage ist, ob auch eine andere Person, die
1Elmar D. Schmid,Schloss Linderhof. Amtlicher Führer. München 2006, 10-12
Page 4
nicht die Charaktereigenschaften Ludwigs besaß imstande gewesen wäre, Bauten wie Linderhof oder Neuschwanstein zu bauen. Zwar spiegelt sich Ludwigs Persönlichkeit in seinen Bauten wider, er ist aber auch andererseits mit seinen Idealen und (politischen) Ansichten von zeitgenössischen Strömungen beeinflusst. Die im Zusammenhang mit dem bayerischen König immer wieder auftauchende Frage nach einem krankhaften Bauwahn und einer übersteigerten Phantasie möchte ich im Zusammenhang mit meinen Ausführungen zu Linderhof nicht stellen oder gar beantworten. Diese Thematik kann aufgrund ihrer Komplexität und ihres Umfanges nicht Teil dieser Arbeit sein.
