Beschreibung

Erfolg geht in Serie: Die Fortsetzung des grandiosen Bestsellers »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz! Die ehemalige Wanderapothekerin Klara ist seit mehreren Jahren mit Tobias verheiratet, hat einen kleinen Sohn und ist erneut schwanger. Da wird einer der Buckelapotheker ihres Schwiegervaters in der Stadt Rübenheim unter dem Vorwand verhaftet, den Bürgermeister der Stadt, durch eine vergiftete Arznei ermordet zu haben. Der wahre Mörder aber zielt mit seinem Anschlag auf Klara und ihre Familie. »Ein heimtückischer Mord« ist der kostenlose Prolog des sechsteiligen eSerials »Die Liebe der Wanderapothekerin«.

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EPUB

Seitenzahl: 37


Iny Lorentz

Die Liebe der Wanderapothekerin

Prolog

Knaur e-books

Über dieses Buch

Inhaltsübersicht

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1.

Im hintersten Winkel der Gaststube saß ein junger Mann vor einem Becher mit dünnem Bier und einem Napf, der Rübeneintopf enthielt. Auf seinem Tisch knisterte eine dünne Talgkerze, der man kleingeriebene Kräuterstücke beigemischt hatte, um ihren stechenden Geruch zu mildern. Ein paar Tische weiter vorne hingegen brannten echte Wachskerzen und verbreiteten ein warmes Licht, in dem die dort sitzenden Gäste deutlich zu erkennen waren, reiche Kaufleute, die nicht mit jedem Pfennig knausern mussten wie der junge Mann in der Ecke. Eben brachte der Wirt den Händlern einen großen Krug Wein und füllte ihre Gläser. Eine junge Magd servierte ein Tablett mit einem Berg gebratener Schweinerippen und knickste so ehrerbietig, als hätte sie Leute von Stand vor sich.

»Die Welt ist ungerecht«, murmelte der junge Mann und aß einen weiteren Löffel seines Rübeneintopfs. Nach Aussage des Wirtsknechts, der ihm den Napf hingestellt hatte, sollten Fleischstücke darin sein, doch bisher hatte er noch keines entdeckt.

Seufzend trank er einen Schluck Bier. Es schmeckte schal. Neiderfüllt blickte er erneut zu den Männern hinüber, die sich Wein leisten konnten, und hätte seinem Ärger über die Ungerechtigkeit der Welt am liebsten lauthals Luft gemacht. Doch einer wie er hatte das Maul zu halten und seinen Hut zu ziehen, wenn jemand wie die dort des Weges kamen.

»He, Wirtschaft! Ein frisches Bier«, rief er.

Der Wirt und die Magd schauten nicht einmal zu ihm her. Nur der Knecht wandte kurz den Kopf. »Kriegst gleich eins!«, rief er, bediente aber eine Gruppe neu eingetroffener Gäste.

Während der Ärger des jungen Mannes stieg, verdunkelte ein Schatten das aus handtellergroßen Butzenscheiben bestehende Fenster an seinem Tisch. Er blickte hinaus, sah aber nur noch, dass sich jemand abwandte und weiterging. Augenblicke später wurde die Tür geöffnet, und ein weiterer Gast trat ein. Es handelte sich um einen untersetzten Mann Mitte dreißig, der mit Kniehosen aus festem Tuch und einem bis zu den Waden reichenden Rock bekleidet war. An den Füßen trug er derbe Schuhe und auf dem Kopf einen Schlapphut. Dazu hatte er einen großen Tragkorb geschultert. Er sah sich um, wich dem Tisch mit den Kaufleuten aus und kam auf den jungen Mann zu.

»Wenn das nicht Armin Gögel ist! Welch ein Zufall! So trifft man sich wieder.« Lachend stellte er seine Kiepe neben das Traggestell des jungen Mannes und setzte sich zu ihm.

»Na, schon kräftig beim Futtern?«, fragte er gut gelaunt.

Armin verzog das Gesicht. »Rübeneintopf – und zwar der schlechteste, den ich bisher auf meiner Strecke vorgesetzt bekommen habe.«

»Danke für die Warnung, da werde ich mir wohl besser etwas anderes bestellen. He, Wirtschaft! Ist es bei euch Sitte, frisch eingetroffene Gäste verhungern und verdursten zu lassen?«

Auf diesen Ruf hin kam der Wirtsknecht an den Tisch. »Was willst du?«, fragte er unfreundlich.

»Schweinerippen, wie die Herren sie dort essen, und einen Krug Wein.«

Da der Gast ein teures Essen bestellte, wurde die Miene des Knechts auf einmal freundlich. »Aber selbstverständlich, der Herr! Darf es Wein aus Sachsen sein, oder besteht der Herr auf Rheinwein?«

»Vom Rhein!«, antwortete Armins Tischnachbar und lehnte sich gemütlich zurück.

»Bei Gott, Rudi, du musst gute Geschäfte gemacht haben!«, rief Armin neidisch.

»Wie sich’s halt ergibt! Ins Himmelreich mitnehmen kann man’s nicht, und ehe ich es zu Hause dem Steuereintreiber überlasse, gönne ich mir unterwegs eine Kleinigkeit.« Der Mann zog eine Tonpfeife hervor, stopfte sie und zündete sie an der Talgkerze an.

»Weißt du, Armin, ein Weib habe ich nicht mehr. Ist mir vor vier Jahren gestorben, ebenso mein Sohn. Da frage ich mich: Wieso soll ich für andere sparen, wenn ich das Geld ebenso gut für mich ausgeben kann?«, erklärte er und blies Rauchringe gegen die bemalte Holzdecke.