"Die Mall" - Oliver Bäuerle - E-Book

"Die Mall" E-Book

Oliver Bäuerle

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Beschreibung

Samuel Miller, ein erfolgreicher Geschäftsmann baut im 19. Jahrhundert in der Nähe der Rocky Mountains eine überdimensionale Möbelfabrik. Er ist skrupellos und geht über Leichen. Irgendwann rächen sich seine Mitarbeiter. Sie massakrieren und verstümmeln seinen Körper und verschleppen ihn in ein altes Holzlager, in einen der zahlreichen Keller seiner Fabrik. Dass er überlebt und Rache schwört, ahnt niemand. Viele Jahre später wird an der Stelle der längst geschlossenen Möbelfabrik ein Einkaufszentrum errichtet. Der alte Kellerbereich bleibt als Fundament des Gebäudes bestehen. Bei einer Inventur wird eine längst vergessene Tür geöffnet und ein mordlüsternes Wesen befreit.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Ähnliche


Oliver Bäuerle

"Die Mall"

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Kapitel 73

Kapitel 74

Kapitel 75

Kapitel 76

Kapitel 77

Kapitel 78

Kapitel 79

Kapitel 80

Impressum neobooks

Kapitel 1

Die Sonne ging auf im Clallam Country, ca. 300 Meilen von Seattle entfernt. Die ersten Vögel begannen ihre Lieder zu zwitschern, als die ersten Sonnenstrahlen die Dächer der Häuser in einem zarten Gelb erhellten.

Steve und Clare lagen noch in ihrem Bett. Der Wecker auf dem Nachttisch zeigte 5.25 Uhr an, fünf Minuten später würde er klingeln. Die Teenager waren erst vor Kurzem zusammengezogen und gingen auf dieselbe Highschool im Ort. Steve war kein besonders guter Schüler, nur durch seine überragenden Fähigkeiten im Football konnte er seine Zensuren in den anderen Fächern in den Hintergrund stellen. Er war eben ein Naturtalent. Clare war das totale Gegenteil. Sie war fleißig, eine der besten Schülerin auf der gesamten Schule und Mitglied in der Cheerleader Gruppe des Football Teams. Die beiden hatten sich auf dem Spielfeld kennengelernt, als die jungen Mädchen ihre Tanzkünste vorführten. Sie hatten sich sofort ineinander verliebt und konnten seitdem nicht mehr voneinander lassen. Sie waren sehr glücklich, bis der Cheftrainer der Footballmannschaft von ihrer Beziehung erfuhr. Er hatte etwas gegen solche Verbindungen in seinem Team, sie störten den Sport. Steve wurde von der Schulleitung vor die Wahl gestellt der Mannschaft zu dienen oder die Schule zu verlassen. Er und Clare zögerten nicht lange und gingen von der Schule ab, um von nun an zusammenzuleben. 5.30 Uhr. Ein schrilles Klingeln erfüllte das kleine Schlafzimmer. Steve streckte seinen Arm aus und drückte mit den Fingerspitzen den Knopf des Weckers, der sofort verstummte. Er rieb sich die Augen und atmete tief durch, dann drehte er sich zu Clare und weckte sie zärtlich.

<< Guten Morgen mein Engel, aufwachen es ist genau 5.30 Uhr wir müssen Arbeiten. <<

Er gab ihr einen sinnlichen Kuss auf die Wange und stand auf. Clare hasste frühes Aufstehen, vor allem weil heute auch noch Sonnabend war. Sie hatten sich freiwillig gemeldet. Sie arbeiteten beide in der Mall, die am Stadtrand in den Bergen lag. Nach ihrem plötzlichen Abgang von der Schule mussten die Zwei schnell eine Arbeit finden, um eine Wohnung beziehen zu können. Mr. Sulivan war so freundlich sie ohne langes Fragen einzustellen. Steve hatte einen Job in der Tischlerei bekommen und Clare arbeitete in einen der zahlreichen Diner in dem großen Einkaufszentrum. Der Verdienst war nicht überragend, aber es reichte aus um über die Runden zu kommen. Die Mall hatte Mr. Sulivan vor einigen Jahren gebaut, sie stand hoch gelegen an den ersten Ausläufern der Bergkette, die die Rocky Mountains bildeten. Er hatte sie damals unter zweifelhaften Bedingungen errichtet. Er war nicht als direkter Nachfahre des verstorbenen Samuel Miller in das Testament des Grundstückes eingetragen. Er war Herb Gates einer der Vorarbeiter, der in der Möbelfabrik arbeitete und außerdem ein begnadeter Urkundenfälscher. Er änderte seinen Namen in Mr. Rob Sulivan. Keiner ahnte, dass er nicht der echte Erbe des Vermögens von Samuel Miller war, der eigentlich keine Nachkommen hatte. Das Grundstück wäre mit Sicherheit an die Gemeinde übertragen worden. Als Spezialist die Fälschungen aller Art betrafen und dem nötigen Kleingeld musste er nicht alle Baugenehmigungen einholen und konnte das Einkaufszentrum an dem Platz der alten Möbelfabrik bauen. Er hatte zwar einige Auflagen bekommen, aber natürlich nicht alle erfüllt. So diente der gesamte Kellerbereich der alten Fabrik, der hätte abgerissen werden müssen als Lagerraum und jetzige Tischlerei. Die zwei alten Fabrikschornsteine waren als Wahrzeichen erhalten geblieben und ragten mitten aus der Mall in den Himmel. Schon von Weitem waren sie zu erkennen. Die Behörden hatten sich über die Jahre so einiges gefallen lassen. Mr. Sulivan hatte alle Aufforderungen der Behörden ignoriert und sie lapidar abgetan, jetzt hatte die Stadt richterlich eine Inventur des gesamten Gebäudes angeordnet. Mr. Sulivan war überhaupt nicht erfreut darüber und ignorierte auch diese Anordnung. Als die Zwangsschließung des Gebäudes angekündigt wurde, willigte er schließlich ein. Er wollte so wenig Zeit wie nötig damit vergeuden und plante einen Samstag und den darauffolgenden Sonntag für die Arbeiten ein, 48 Stunden sollten ausreichen, um die Inventur durchzuführen. Dreißig Leute brauchte er seiner Schätzung nach, vierundzwanzig Mitarbeiter aus der Mall und sechs von seinen, sagen wir es mal so, nicht zimperlichen Bodyguards. Sie sollten schlampiges Arbeiten im Ansatz ersticken und Ordnung in die Sache bringen. Vor allem sollten sie aufpassen, dass keiner der Mitarbeiter seine eigenen Taschen füllte. Ja, seine Liste war fertig und keiner seiner Mitarbeiter der auf ihr Stand wagte es sich zu weigern an dem 48-Stunden-Marathon teilzunehmen. Steve und Clare waren zwei davon, sie trauten sich nicht nein zu sagen, da sie erst eine kurze Zeit für Mr. Sulivan in der Mall arbeiteten.

Kapitel 2

1950. Der Handel blühte, in Clallam Country. Samuel Miller wollte eine Möbelfabrik bauen, um die überdimensionale Anfrage nach Möbeln in den gesamten USA abzudecken. Es dauerte nicht lange, bis er die notwendigen Papiere zusammenhatte, um mit dem Bau beginnen zu können. Wie heute regierte auch damals Geld die Welt. Samuel Miller war skrupellos, seine Geschäftspraktiken zweifelhaft und er ging über Leichen. Ihm war es egal, wer für seinen Reichtum leiden musste, alles, was zählte, war sein eigener Vorteil. Er hatte mehrere große Fabriken aufgebaut, in denen die Menschen unter katastrophalen Bedingungen arbeiten mussten. So auch im Frühjahr 1950. Der erste Baum viel einer Säge zum Opfer und bald wurde der erste Spatenstich getätigt. Ein Jahr später stand die Fabrik mit ihren monströsen Schornsteinen auf der Anhöhe und wirkte drohend über der kleinen Stadt. Samuel Miller hatte erreicht was er sich vorgenommen hatte, es hatte ihn viel Mühe und noch mehr Geld gekostet. Obendrein musste er einige Menschen beseitigen lassen, sie waren seiner Meinung nach zu gierig geworden. Zwei Mitarbeiter der Baubehörde waren ebenfalls darunter.

Am Abend des 17.Juni.1950 besuchten sie Samuel Miller auf der Baustelle, wo gerade die Arbeiten für die Herstellung der Bodenplatte in vollem Gange waren.

>> Mr. Miller wir möchte sie kurz sprechen, es ist sehr wichtig. <<

Mit mürrischem Blick musterte er die beiden und verließ die Arbeiten an den Fundamenten.

>> Was gibt es so Wichtiges ihr Trottel? Ich habe euch doch schon genug Geld in eure Taschen gesteckt, ihr seht doch, dass ich beschäftigt bin. <<

>> Mr. Miller bleiben sie freundlich, wir sind es doch auch, aber wir können auch anders. Ich habe mit meinem Kollegen ein Schriftstück aufgesetzt, mit dem wir die Arbeiten sofort unterbrechen können. <<

>> Was wollt ihr verdammt noch mal denn noch? <<

>> Ein zusätzlichen Bonus würde ich sagen, jeder von uns braucht noch mal 10.000 Dollar für Spesen, sie verstehen das doch sicherlich? <<

Samuel Miller wurde blass, seine Adern am Hals traten hervor, er platzte fast vor Wut.

>> Kommt mit in mein Büro, wir regeln das dort. <<

Die drei Männer verschwanden in einer der provisorischen Baubuden an der Baustelle.

>> Setzt euch hin. <<

Sprach er in einem rauen Ton.

>> Ich besorge das Geld, wartet einen Augenblick. <<

Samuel Miller verließ die Baubude. Nach einer viertel Stunde kam er mit einem Bündel Dollarnoten erneut in das Büro. Die Augen der beiden Mitarbeiter der Baubehörde leuchteten. Das schnelle Geld hatte sie gierig werden lassen.

>> Hier ihr Geier. <<

Mit einer kurzen Handbewegung warf er den beiden das Geld entgegen und verlangte im Gegenzug das Schreiben der Baubehörde.

>> Mr. Miller, es ist uns wie immer eine Freude mit ihnen Geschäfte zu machen. <<

Steve Nolting, so war der Name einer der beiden Mitarbeiter der Baubehörde. Er griff in seinen Anzug und holte ein Dokument hervor das er Samuel Miller überreichte. Der Griff hastig danach, öffnete es und überflog es flüchtig, dann steckte er es ein.

>> So jetzt verschwindet ihr Geier und ich hoffe, wir sehen uns nicht wieder! <<

>> Wir werden sehen Mr. Miller, der Bau dauert ja noch einige Zeit. <<

Sie verließen das Büro und gingen in Richtung ihres geparkten Wagens. Die beiden lachten, als sie das Auto erreichten. Sie öffneten die Türen und wollten gerade einsteigen, als sie hinterrücks von zwei kräftigen Männern mit Baseballschlägern niedergeschlagen wurden.

Die zwei Männer waren sofort bewusstlos. Samuel Miller schaltete das Licht ein. Die dunkle Baracke in der Material gelagert wurde, füllte sich mit Licht.

Überall waren Säcke mit Zement und verschiedene Werkzeuge gelagert. In der Mitte des Raumes waren zwei Männer gefesselt und geknebelt, an den Händen aufgehängt, die beiden Mitarbeiter der Baubehörde. Ein Eimer mit Wasser und beide wurden sofort aus ihrer tiefen Bewusstlosigkeit geholt und starten Samuel Miller mit großen Augen an, der lachte nur laut.

<< So ihr Narren, glaubt ihr wirklich ihr könnt mit mir machen was ihr wollt? Nun zeige ich euch was ich mit euch machen werde, ein Miller verarscht man nicht! <<

Die Tür der Baracke öffnete sich und zwei dunkle Gestalten traten ein.

>> Mr. Miller hier ist ihr Geld, wir haben es den beiden vorhin am Auto abgenommen! <<

Samuel Miller steckte das Geld sofort ein und grinste zufrieden. Seinen zwei Bodyguards befahl er mit in der Baracke zu bleiben, er würde ihnen zeigen was man mit Dieben macht.

Die Männer nickten und bauten sich hinter Samuel Miller auf. Der ergriff eine Schaufel, die bei den Werkzeugen stand und strich zärtlich über die glänzende Metallfläche.

>> So meine Freunde jetzt zu euch. <<

Die beiden Mitarbeiter der Baubehörde fingen an zu zappeln und sich zu winden, seltsame Laute drangen durch ihre Knebel nach außen, es war wohl ein flehen um Gnade. Aber Gnade gab es für die Zwei nicht.

Samuel Miller holte aus. Steve Noltings Augen wurden starr, als das Eisen der Schaufel sein Knie traf. Es krachte als seine Kniescheibe zerbrach. Die Hose riss auf und Knochensplitter waren zu erkennen, dann färbte Blut seine Hose rot. Er holte erneut aus und traf den Kollegen von Steve mitten am Oberschenkel. Die Kante der Schaufel trat tief in sein Fleisch ein, sodass Samuel Miller Mühe hatte sie wieder herauszuziehen. Sehnen und weißes Fleisch waren zu erkennen, bevor sich auch hier alles mit Blut bedeckte. Die beiden zappelten wie wahnsinnige, die Stricke, mit denen sie am Dachsparren der Baracke gefesselt waren, gaben der Belastung fast nach, hielten aber dennoch dem starken Druck stand. Samuel Miller legte die Schaufel beiseite, in seinen Augen war die Gier nach Blut zu sehen. Seine Bodyguards standen ruhig an ihrem Platz und sahen dem Treiben zu. Sie waren hartgesotten, erschüttern konnte sie so schnell nichts. Samuel Miller griff erneut in die Werkzeugkiste und holte eine Spitzhacke heraus und musterte sie sorgfältig.

>> Was meint ihr, die spitze Seite oder die Flache? Ach ihr antwortet nicht, dann muss ich wohl für euch entscheiden. <<

Er baute sich erneut vor den beiden auf und drehte die Spitzhacke in der Hand und schlug plötzlich und unvermittelt auf Steve Nolting ein. Die spitze Seite traf den wimmernden Beamten genau zwischen dem Brustbein und drang tief in seinen Oberkörper ein. Die Augen von Steve wurden starr, als der Schmerz über ihn kam. Samuel Miller hängte sich danach mit seinem gesamten Gewicht an die Spitzhacke und zog die Klinge bis zum Hosenansatz des Beamten herunter. Dann riss das Seil, mit dem Steve Nolting an das Dach gefesselt war und krachte zu Boden. Eingeweide und Blut überschwemmten den Holzfußboden der Baracke. Beim Aufprall war seine gesamte Bauchhöhle aufgeplatzt und auseinandergespritzt. Samuel Miller war zufrieden, einer weniger. Er blickte an die Decke, einer war noch da, um den er sich kümmern musste. Er griff sich den Baseballschläger von einem seiner Bodyguards und schritt leger auf den zweiten Beamten zu. Er holte aus, als ob er einen Homerun schlagen wollte und drosch erbarmungslos zu. Immer wieder traf er mit dem Hartholzschläger die Beine des Beamten. Es dauerte nicht lange bis sie, wie schlaffe Würste, ohne jeglichen Halt herumbaumelten. Er hatte ihm sämtlich Knochen gebrochen, unzählige Knochenstücke hatten sich in einer riesen Blutlache auf dem Holzfußboden verteilt. Dann hielt er inne, ließ den Schläger fallen und ging hinaus. Seinen Leibwächtern befahl er, beide Beamte zu dem Betonfundament zu bringen und Ordnung zu machen. Die betonier Arbeiten waren in vollem Gange, die ersten Quadratmeter waren schon fertig gegossen, als Samuel Miller an der Baustelle auftauchte. Seine Leibwächter hatten die beiden Beamten schon in die Baugrube geworfen. Der Kollege von Steve Nolting lebte noch. Wie ein Wurm versuchte er mit seinen zerschmetterten Beinen über den Boden der Baugrube zu kriechen, da sie keinen Halt mehr boten, war sein Bemühen erfolglos. Dann kam der Beton, die erste Lage bedeckte die Männer halb, der Beamte, der noch lebte, schaffte es sich zu drehen und starte Samuel Miller entsetzt an.

>> Beton Männer, mehr Beton. <<

Die zweite Lage begrub Steve Nolting, nur der Kopf seines Kollegen schaute noch aus der Dicken, grauen Pampe heraus. Samuel Miller stapfte mit seinen Gummistiefeln zielstrebig durch den Beton auf den Kopf des Beamten zu und drückte mit seinem Hacken auf die Stirn des Mannes.

>> Gute Nacht mein Freund. <<

Dann war auch er verschwunden.

Einige Luftblasen stiegen noch aus der grauen Masse auf, dann war alles still. Samuel Miller drehte sich um und sah zehn Mitarbeiter in die Augen, die fassungslos am Rand der Baugrube standen.

>> Leute jetzt wisst ihr was mit Verbrechern passiert. Ich rate jedem von euch die heutigen Geschehnisse für sich zu behalten, sonst wird jeder von euch ein ähnliches Schicksal erfahren, haben wir uns verstanden? <<

Alle nickten und gingen wieder ihrer Arbeit nach. Die Leibwächter setzten sich in das Auto der beiden Beamten und entsorgten auch die letzten Spuren ihrer Anwesenheit auf der Baustelle. Samuel Miller hatte sich seit dieser Zeit verändert, er wurde noch härter zu seinen Mitarbeitern, als ob der Teufel in ihn gefahren war.

Kapitel 3

Es war fast 7.00 Uhr. Steve und Clare erreichten gerade noch pünktlich den Parkplatz der großen Mall. Einige andere Autos parkten bereits auf dem riesigen Gelände des Einkaufzentrums. Sie schlossen ihren Wagen ab und gingen Hand in Hand zum Personaleingang auf der Rückseite des Gebäudes. Vor dem Eingang warteten etliche Personen darauf, dass endlich die Tür aufging.

Auf einmal waren Motorengeräusche zu hören. Ein silberfarbener Bentley, der in der Sonne funkelte wie ein geschliffener Diamant, bog in einem Affentempo um die Ecke des Gebäudes und kam schließlich vor der Menge zum Stehen. Die Türen wurden aufgerissen und dunkel gekleidete Männer verließen den Wagen. Sie bauten sich an der Fahrertür auf, einer von ihnen öffnete sie.

Wie in einer Show, wenn der Stargast die Bühne betritt, stieg Mr. Sulivan aus dem Bentley aus.

>> Hey Leute, 7.00 Uhr gerade noch rechtzeitig.

Freut mich, euch alle pünktlich anzutreffen.

Rick und Kyle werden die Anwesenheitsliste abhacken und dann jedem von Euch Schlüssel für die Geschäfte und eine Mappe mit den Listen der Waren, die kontrolliert werden müssen geben. Ich erwarte von euch ein sauberes und schnelles Arbeiten. Rick, Kyle und vier andere meiner Mitarbeiter werden die Arbeiten beaufsichtigen, also lasst euch nicht einfallen irgendetwas Dummes zu tun, ihr würdet es bereuen. >>

Die Ansprache von Mr. Sulivan dauerte ewig, alle waren der prallen Sonne schutzlos ausgesetzt und fingen an gewaltig zu schwitzen. Aber irgendwann war auch die langweiligste Rede zu Ende, die Tür der Mall öffnete sich und alle konnten hineingehen. Es war dunkel und kalt im Flur des Personaleinganges des Einkaufszentrums, wo es nicht notwendig war, sparte Mr. Sulivan, sei es am Strom oder an der Heizung. Eine Schlange von Mitarbeitern, geführt von Rick und Kyle bahnte sich ihren Weg in die Verkaufsbereiche der Mall. Eine letzte Tür ging es zu durchqueren, dann standen sie alle in dem riesigen Flur im Erdgeschoss des Ladens. Licht ging an und die schummrige Notbeleuchtung wurde von einem etwas helleren Putzlicht abgelöst, das ein wenig mehr von der Kostbarkeit und des Schicks des Einkaufszentrums erkennen ließ. Rick hatte allen Leuten die passenden Schlüssel und Akten mit den Unterlagen über das was abgearbeitet werden musste übergeben.

Mr. Sulivan war zufrieden.

>> So Leute ich verlasse mich auf euch, wir sehen uns Montagmorgen um 7.00 Uhr, ich werde mich dann persönlich davon überzeugen, dass alles erledigt ist. <<

Dann drehte er sich um und verschwand in dem dunklen Gang, aus dem sie gekommen waren. In seiner hoch erhobenen Hand den Schlüssel des Personaleinganges baumelnd. Mr. Sulivan verließ gegen 7.30 Uhr die Mall, verschloss sorgfältig die Tür, stieg in seinen Bentley und raste mit Vollgas davon.

Kapitel 4

1953. Die Möbelfabrik von Samuel Miller lief wie geschmiert, die letzten Arbeiten des Baues der fast drei Jahre gedauerte hatte, waren so gut wie abgeschlossen. In seiner Fabrik arbeiten mittlerweile 300 Menschen aus verschiedenen Schichten,vom Vorarbeiter bis zur billigen Hilfskraft. Die meisten von ihnen waren illegal beschäftigt und lebten auf dem Grundstück der Tischlerei in kleinen verkommenen Baracken. Es gab dort kein fließendes Wasser und kein Strom, in den kalten Wintermonaten mussten sie Abfallholz des Betriebes kaufen, um ihre spärlich ausgestatteten Hütten zu beheizen. Zu dieser Zeit gab es nicht viel Arbeit, deshalb waren sie froh überhaupt einen Job zu haben, egal wie hart er war. Den Vorarbeitern ging es besser, sie wohnten in Häusern im Ort, hatten Autos und verdienten nicht schlecht.

Allerdings mussten sie alles tun, was Samuel Miller ihnen befahl und das war nicht immer einfach.

Immer wieder waren Unfälle an der Tagesordnung. Meist waren es kleinere Fleischwunden, aber es kam auch vor, dass ganze Körperteile einer Säge oder einer Richtbank zum Opfer fielen. In der Fabrik gab es ein kleines Lazarett. Es war spärlich ausgestattet, aber immerhin waren dort zwei Leute mit weißen Kitteln beschäftigt, die irgendwie nach Sanitätern aussahen. Das beruhigte die Arbeiter in der Fabrik und trieb sie an ihrer Arbeit weiter nachzugehen. Am 16.02.1953 durchdrang ein Schrei die Halle der Sägerei in der Fabrik. Ein Helfer wurde beim Holzzuschnitt in die Kette des Antriebes gezogen und kam langsam der Säge näher. Sein Fuß hatte sich verfangen und er versuchte mit aller Kraft irgendwie freizukommen. Vergeblich bemühte er sich von der öligen Kette losgelassen zu werden, die ihn unerbittlich immer dichter den scharfen Zähnen der Säge zuführte. Andere Mitarbeiter versuchten ihn zu befreien und die Säge abzuschalten, vergeblich. Der Produktionsablauf war zu lang, das Band brauchte einige Minuten, um vollständig zum Stillstand zu kommen.

Da war es auch schon geschehen, die ersten Zähne der riesigen Säge erreichten seinen Schuh, der wie Styropor auseinander gefetzt wurde und trafen Sekunden später auf das Fleisch seines Fußes. Immer noch bewegte er sich wie wild und versuchte der Säge zu entkommen, da spritzte das erste Blut. Die Zacken der Klinge durchtrennten alles, was ihnen in den Weg kam. Knochen, Sehnen und Muskeln wurden so schnell zerschnitten, das es fast wie eine Wurstscheibe ausgesehen hätte wäre da nicht das viele Blut gewesen. In der Mitte der Wade trat das erste Blatt der Säge aus, das Zweite hatte aber schon seinen Oberschenkel erreicht und fetzte den Stoff der Hose auseinander. Wahnsinnige schreie durchdrangen die gesamte Fabrik, überall drehten die Arbeiter voller schrecken ihre Köpfe in die Richtung aus der die Laute kamen. Stan, so nannten ihn seine Freunde, verlor nicht nur seinen linken Fuß, sondern auch sein rechtes Bein. Oberhalb des Knies rumpelte die Säge durch seinen Oberschenkelknochen und kam irgendwann zum Stillstand. Kollegen liefen zu ihm, konnten ihn aber nicht befreien, das Sägeblatt steckte genau in seinem Bein. Das viele Blut ließ nicht erkennen, wie weit es durchtrennt war. Die Sanitäter kamen. Stan war bereits bewusstlos, der große Blutverlust hatte dafür gesorgt. Harry, einer der Sanitäter, erkannte sofort die Notwendigkeit ihn aus der lebensbedrohlichen Lage zu befreien. Er zog sein Messer und begann sofort, das restliche Fleisch, das im Sägeblatt fest hing zu durchtrennen. Schwer arbeitete sich das Messer durch die Sehnen und Muskelstränge. Plötzlich gab der Druck nach und der Körper von Stan war frei. Freiwillige Helfer trugen ihn in das Lazarett, andere brachten seine in Tücher eingewickelten Körperteile. Harry und Lloyd banden die schweren Verletzungen von Stan ab um die Blutung zu stoppen, da wurde die Tür geöffnet.

Samuel Miller betrat den Raum.

>> Was ist hier los, was hat dieser Idiot schon wieder angestellt? <<

>> Er ist in die große Säge gekommen Boss, aber er wird überleben! <<

>> Ihr wisst doch genau was passiert, wenn wir ihn ins Krankenhaus fahren, nicht nur ich verliere meine Arbeit, sondern auch ihr. <<

Samuel Miller knallte die Tür zu und schritt entschlossen zu der Sägeanlage in Halle drei. Dort angekommen trieb er seine Vorarbeiter an mit den Arbeiten fortzufahren, das Blut an der Säge mit Sägemehl abzustreuen und die Stelle von Stan anderweitig zu besetzen.

Auf die Fragen der Kollegen, was mit Stan geschehen wird, antwortete er lässig.

>> Leute, wir haben ihn sofort ins Krankenhaus gebracht. Er wird dort versorgt, ich hoffe, er schafft es, er ist ein guter Kerl. <<

Die Arbeiter klopften Samuel Miller auf die Schulter, als er die Halle verließ, ihr harter Boss war doch ein guter Mann.

Im Lazarett waren Harry und Lloyd am Diskutieren.

>> Harry doch nicht noch einen, wie weit soll das noch gehen? <<

>> Ich weiß es doch auch nicht, aber was sollen wir tun, wir verlieren unsere Arbeit, wenn wir nicht machen, was Mr. Miller von uns verlangt.

Was hat Stan denn noch von seinem Leben, wenn er das hier überlebt, ewig als Krüppel rumzulaufen? <<

>> Vielleicht hast du recht, also los, bevor Mr. Miller zurückkommt. <<

Die beiden Sanitäter näherten sich der Trage, auf der Stan immer noch bewusstlos lag. Harry hatte wieder sein Messer in der Hand und setzte es am Hals von Stan an. Gerade als er es durchziehen wollte, öffnete Stan hustend die Augen.

>> Harry, Lloyd was ist passiert? <<

Schnell steckte Harry das Messer ein und lächelte Stan liebevoll an.

>> Du hattest einen Unfall, wir werden alles Erdenkliche tun, damit es dir bald wieder besser geht. <<

In dem Augenblick schlug Lloyd von hinten mit einer Eisenstange auf Stan ein, immer wieder und wieder traf er den Kopf des Mannes. Die ersten Teile des Schädels fielen zu Boden, Blut bespritzte die weißen Wände. Der halbe Schädel war weggeplatzt und der Blick auf das Gehirn offenbarte sich den beiden. Zur Sicherheit stach Harry noch einige Male mit seinem Messer auf den leblosen Körper von Stan ein, bevor er abließ und sich beide sicher waren, dass er tot war. Dann schauten sie sich an, tränen liefen aus ihren Augen, als sie den leblosen Körper ansahen. Sie wickelten ihn in ein Tuch und legten den Körper in einen Nebenraum ab und warteten, bis die arbeiten in der Fabrik beendet waren.

In der kommenden Nacht brachten sie den Leichnam und die Leichenteile in einen Lagerraum unterhalb der Fabrik. In einen Raum, in dem das wertvolle Holz gelagert wurde. Am Ende des Lagerraumes, in dem Eichenstämme und Edelholz lag, war seitlich noch eine kleine Tür, die mit einem schweren Schloss gesichert wurde. Nur sie und Mr. Miller hatten jeweils einen Schlüssel für diesen Raum. Mit zittrigen Händen öffnete Harry das alte Schloss der Tür, quietschend gab sie dem Druck von ihm nach und öffnete sich langsam. Es war dunkel in dem Raum, Lloyd zündete eine verrostete Petroleumlampe an, die einen kleinen gemütlichen Lichtschein ausstrahlte und den Raum erhellte. Harry und Lloyd traten vor, hinter sich zogen sie die Überreste von Stan in den Raum. In der hinteren Ecke des Raumes stoppten sie und legten den leblosen Körper von Stan ab. Die kleine Laterne erhellte den Bereich und mit schaudern sahen sie die Überreste der anderen Leichen, die sie in den letzten Jahren hier heruntergebracht hatten. Die anderen Leichen, die hier lagen, waren stark verwest und ihre Körper von den Ratten aufgefressen worden. Überall saßen sie mit ihren rot glühenden Augen und warteten auf Nachschub.

Harry und Lloyd hatten Mühe die vielen Tiere mit ihren Füßen zur Seite zu schieben, um in die Ecke des Raumes zu gelangen. Sobald sie den Körper abgelegt hatten, machten sich die Ratten daran die ersten Fleischstücke aus Stans Körper zu reißen. Wie hungrige Wölfe warteten sie auf ihre Fütterung. Obwohl hier mehr als fünf Leichen lagen, war kein Verwesungsgeruch zu riechen.

Der Raum lag am Außenbereich nahe an den Felsen, kleine Öffnungen und Spalten ließen genügend Luft zirkulieren, sodass der Geruch der Toten nach draußen zog. Lediglich ein großer Schwarm Krähen zog regelmäßig an den Felsen vorbei und versuchten vergeblich in das Innere zu gelangen. Da der Raum auf der abgewandten Seite des Berges lag, nahm kein Mensch Notiz vom Schauspiel, das hier immer wieder stattfand.

Kapitel 5

7.35 Uhr. Die Aufgaben in der Mall waren klar verteilt. Rick und Kyle ermahnten nochmals alle, ihre Arbeiten sorgfältig und gewissenhaft durchzuführen. Fünf Minuten später verließen alle 24 Teilnehmer der freiwilligen Inventur den Eingangsbereich, um mit den Arbeiten zu beginnen. Rick und Kyle gingen in die Zentrale des Kaufhauses, um mit der Überwachung der Arbeiten zu beginnen. Die Zentrale in der Mall war mit allerhand Technik ausgestattet, Kameraanlagen konnten in fast jeden Winkel des Einkaufszentrums schauen und jede Bewegung überwachen. Rick war die rechte Hand von Mr. Sulivan und somit der Wortführer. Kyle war sein bester Freund und stand somit direkt unter ihm. Bill, Bob, Ray und Fin waren für ihn Schwächlinge. Rick hätte sie niemals ausgewählt die Arbeiten zu begleiten, aber Mr. Sulivan wollte es, daher war es ihm egal, er teilte sie so ein, wie er wollte. Er und Kyle machten es sich in der Zentrale gemütlich, schalteten alle Monitore und Kameras ein und schickten die anderen vier auf den ersten Rundgang durch die Mall. Inzwischen hatten sich die Freiwilligen verteilt und gingen ihren ersten Arbeiten in den Geschäften nach. Clare nahm Steve in den Arm und verabschiedete sich von ihm. Ein inniger Zungenkuss und ein Griff zwischen die Beine sollten ihn spüren lassen, wohin er gehörte.

>> Ich liebe Dich mein Schatz, vergiss mich nicht. <<

>> Niemals meine Süße, ich weiß doch, was du alles für uns tust. <<

Sie sahen sich noch einmal tief in die Augen und gingen auseinander.

Clare steuerte eine kleine Boutique im Erdgeschoss an. Hier war Mode für fülligere Frauen zu finden, ab und zu musste Clare als Vertretung in dem Laden arbeiten. Sie tat es gerne weil die Frauen, die hier her zum Einkaufen kamen, ausnahmslos nett waren und viele von ihnen Wert auf Clares Meinung legten. Steve machte sich auf in das Treppenhaus, er war auf dem Weg in die Tischlerei. Er kannte sich hier aus. Obwohl es recht dunkel war hatte er keine Mühe sich zu Recht zu finden. Jetzt zahlte es sich aus, dass er dort arbeitete und so den Weg im Schlaf fand. Mr. Sulivan sparte auch hier an der Beleuchtung, weil Kunden hier keinen Zutritt hatten. Irgendwann endeten die Treppenstufen und eine schwere Feuerschutztür versperrte ihm den Weg. Er kramte die Schlüssel heraus, die er von dem Angeber Rick bekommen hatte. Er konnte ihn nicht leiden, weil er seine Freundin Clare immer so lüstern ansah. Der Schlüssel passte und die Tür ging auf. In der Woche war der Durchgang nicht verschlossen um den Mitarbeitern freien Zugang zu gewährleisten. Er lachte, ich bin der Schlüsselmeister. Er betrat die große Halle, die etwas schmutzig aber dennoch relativ aufgeräumt war. Dann sah er in seinen Aktenordner und schaute darin nach, mit was er beginnen sollte. Edelholzlager? Verdammt noch mal, wo soll das dennsein? Obwohl er schon eine ganze Zeit hier unten arbeitete, kannte er es nicht. Mist, jetzt muss ich auch noch suchen, hoffentlich schaffe ich meine Arbeit. Steve durchschritt schnell die Räume, die er kannte. Sägerei, Zuschnitt, Fertigung, all das war ihm bestens bekannt, auch wo das normale Buchen und Fichtenholz lagert, wusste er. Ok, wo Holz lagert, ist bestimmt auch noch mehr Holz zu finden.

Im Holzlager türmten sich gewaltige Mengen von Holz auf. An der Seite war ein riesiger Lastenaufzug, mit dem das Schnittholz, Platten und Stämme nach oben gebracht werden konnten. Es war unüblich, dass eine Tischlerei in den unteren Stockwerken eines Einkaufszentrums lag, aber hier war es ebenso.

Steve durchsuchte alle Ecken des Lagers, der hintere Bereich war viel älter als der andere, es schien so, als ob der Keller schon vor Hunderten von Jahren errichtet worden war. Sogar Holzbalken waren als Stützpfeiler für das Gebäude erhalten geblieben, beim Arbeiten und dem täglichen Trubel in der Werkstatt war ihm das nie aufgefallen. Egal, deshalb war er jetzt nicht hier, er musste den verdammten Lagerraum finden. Zwei alte Spanplatten standen schräg angelehnt an einer Wand, instinktiv schaute Steve hinter einer der Platten nach und entdeckte tatsächlich einen Türrahmen mit einem alten Schloss. Er schob die Platten beiseite und wischte den Staub vom Schloss. Wieder nahm er den Schlüsselbund zur Hand und fand tatsächlich einen alten Bundbartschlüssel, der genau in das alte Schloss passte. Der Schlüssel drehte schwerfällig und mit einigem Ruckeln öffnete sich die Tür tatsächlich.

Es war stockfinster in dem Raum. Toll, soll ich im Dunkeln zählen? Finde ich gar nicht witzig, dieser Rick verarscht mich doch. Vorsichtig schritt Steve vorwärts, er wollte nicht stürzen und passte deshalb gehörig auf.

Es schepperte, er war gegen irgendetwas gestoßen.

Vorsichtig tastete er mit den Fingern über den Fußboden. Er spürte etwas Weiches und schreckte zurück. Er dachte kurz nach und tastete erneut über den Boden.

Seine Finger glitten vorsichtig auf dem staubigen Boden entlang, dann fühlte er es, eine kleine Lampe.

Steve ging zurück in Richtung des Lichtscheines den der große Lagerraum verströmte, in der Hand eine kleine verrostete Petroleumlampe, in der sich sogar noch etwas Brennstoff befand. Klasse jetzt geht’s los. Steve holte ein Feuerzeug aus der Tasche und zündete die kleine Laterne an, ein weicher Lichtschein erhellte den Raum.

Dann ging er erneut in den alten Lagerraum. Jetzt sah er, was das Weiche an seiner Hand gewesen sein musste, unzählige fette Ratten liefen vom Lichtschein geblendet wild durcheinander. Er nahm einige kleine Holzstücke und schleuderte sie in die Richtung der Tiere um sie zu verscheuchen. Dann sah er sich um, unzählige Holzbalken und Stämme, die einen gewaltigen Wert haben mussten, lagen und standen teils an den Wänden angelehnt. So wie es hier aussah mussten sie wohl schon ewig hier unten rum liegen. So gut abgelagertes Holz gab es heute nirgendwo mehr. Fasziniert sah er sich um. Plötzlich nahm er ein kratzendes Geräusch war und hörte ein Brüllen, voller Angst drehte er sich um und stolperte in Richtung Licht. Dabei stieß er einige Balken um, die wie beim Domino einmal angestoßen einen nach dem anderen umwarfen, bis sie in der letzten Ecke des Raumes zum Stehen kamen. Er erreichte die Tür und Gelächter war zu hören. Bill und Bob standen an der Seite des Raumes und krümmten sich vor Lachen.

>> Hey du Idiot, viel Spaß beim Aufräumen! <<

Wutentbrannt rannte Steve an beiden vorbei in die oberen Stockwerke der Mall, er wollte zu Rick.

Kapitel 6

1955. Die Fabrik von Samuel Miller schrieb schwarze Zahlen. Schon zwei Jahre nach ihrer Eröffnung brachte sie das erste Geld ein. Seine Investitionen hatten sich gerechnet, er war stolz auf sich. Plötzlich wurde er von Harry in das Lazarett gerufen, wieder einmal war ein Arbeitsunfall passiert.

>> Verdammt, nicht schon wieder. <<

Harry erwartete ihn schon auf der Krankenstation, diesmal war es einer seiner Vorarbeiter, Sam Kassady.

Er hatte eine tiefe Schnittwunde am Bauch. Er stand zu dicht an einem Holzbalken, der gespalten werden sollte und wurde von dem unter Spannung stehendem Holz getroffen. Die scharfe Seite des Stammes traf ihn am Bauch und schnitt ihn wie mit einem Messer auf. Sam atmete schwer, dunkles Blut sickerte aus seiner blauen Arbeitsjacke, die alle Vorarbeiter trugen. Lloyd öffnete sie vorsichtig, dann schob er das Hemd zurück. In diesem Augenblick quollen die ersten Därme aus der tiefen Wunde der Bauchhöhle hervor. Instinktiv presste Lloyd seine Hände drauf und drückte die blutverschmierten Eingeweide zurück in den Bauch.

Mit seinen Händen hielt er den Bauch zusammen. Sam schrie wie verrückt vor Schmerzen.

>> Was machen wir Boss, er hat Frau und Kinder? <<

>> Na und bringt ihn zum Schweigen, unauffällig! <<

Harry nickte und ging zu Lloyd, der schob seine Hand zur Seite und drückte sie in die klaffende Wunde an Sams Bauch.

Er griff in die Bauchhöhle und riss die Därme und den Magen heraus. Mit weit aufgerissenen Augen sah Sam ihn an und drückte mit seiner rechten Hand Lloyds Schulter.

Irgendwann gab sein Widerstand nach und seine Hand rutschte ohne jeglichen Halt nach unten. Sam Kassady war tot, nicht durch seine Verletzungen gestorben, sondern durch die Hand eines Gehilfen von Samuel Miller. Die gleiche Prozedur, wie bei den anderen malen, als sie die Leichen von Mitarbeitern entsorgen sollten lag an, nur dass sie dieses Mal von zwei Freunden von Sam beobachtet wurden. Karl und Herb waren den beiden Sanitätern zur Krankenstation gefolgt. Da ihr Vorarbeiter und Freund Sam von dem Unfall betroffen war, fiel es keinem auf das sie nicht ihrer Arbeit nachgingen. Durch eine kleine schmierige Glasscheibe beobachteten sie den Vorfall und starrten sich mit offenen Mündern an. In ihnen keimte eine Wut auf. Jetzt wussten sie, was mit den anderen ihrer Kollegen passiert war, nie kam einer von ihnen aus dem Krankenhaus zurück, nie erfuhr jemand etwas von ihnen.

Sie schlichen zurück. Am Abend unterrichteten sie alle Kollegen und Freunde, die genau wie sie in den Baracken hausen mussten, über die Vorfälle die ihr sauberer Boss Mr. Miller in der Fabrik verübte. Schnell wussten sie, was sie tun mussten und ein Plan war geschmiedet.

Kapitel 7

7.50 Uhr. Steve rannte wie ein Verrückter durch die Flure der Mall. Rick konnte ihn dabei beobachten, er ließ sich etwas Zeit und sprach ihn schließlich über eines der zahlreichen Mikrofone an, die im Einkaufszentrum installiert waren.

>> Steve bleib stehen, wo liegt dein Problem, hast du einen Geist gesehen oder was ist los mit dir? Ich kann dich beruhigen deine Freundin ist nicht bei mir, obwohl sie sich hier bestimmt gut machen würde. <<

Die Lautsprecheranlage funktionierte leider nur in eine Richtung, sodass Rick, Steves Wutausbrüche nicht hören konnte.

>> Steve ich bin oben im Büro, komm hoch. <<

Einige Minuten später erschien Steve immer noch wutentbrannt im Büro, wo Rick und Kyle ihr Lager für die zwei Tage aufgeschlagen hatten.

>> Was soll das, hast du deine Affen nicht im Griff? Sie hätten mich da unten fast umgebracht. <<

>> Stell dich nicht so an du Mädchen oder willst du lieber Schlüpfer zählen? <<

>> Ich will nur in Ruhe meine Arbeit machen kapierst du das? <<

>> Ist schon gut Softie, ich regle das, geh wieder an die Arbeit. <<

>> Und du, lass meine Freundin in Ruhe <<

>> Gut Cowboy, ich will keinen Ärger mit Dir. <<

Steve verließ mit zahlreichen Schimpfwörtern im Mund das Büro und ging wieder in Richtung Sägerei, um endlich mit seiner Arbeit zu beginnen.

Rick lehnte sich entspannt zurück und schaltete die Kamera seiner Videoanlage um. Eine hübsche junge Frau kam zu Vorschein die sich gerade bückte um Pullover in übergösse zu sortieren und dabei ihren knappen Stringtanga in die Kamera streckte. Beim Aufstehen rückte sie unter dem T-Shirt ihren BH zu Recht, der ihren großen Busen verdeckte.

>> Wow, ich glaube der muss ich doch mal einen Besuch abstatten. <<

Kyle lachte Rick zu und klatschte sich mit ihm ab.

Kapitel 8

Samuel Miller saß in seinem Büro, als die Notglocke aus der Fabrikhalle geläutet wurde, wieder ein Notfall.

Er ließ sich Zeit, er hasste es, wenn er so viel Blut sehen musste. In der Vergangenheit war es zu viel geworden, aber mit einigen Mitarbeitern und seinen Leibwächtern schaffte er es, dass bis jetzt keiner dumme Fragen stellte und er Probleme mit den Behörden bekam. Fünf Minuten später ging er zur Krankenstation.

Blut lief an der Trage herunter.

>> Harry, Lloyd, wo seid ihr, was ist denn jetzt schon wieder los? <<

Im nächsten Augenblick sprang ein Mitarbeiter aus der Produktion von der Trage und hielt Samuel Miller ein Messer an den Hals. Kurze Zeit später standen mehr als zwanzig Kollegen der verstorbenen und gequälten Mitarbeiter im Raum und schubsten Samuel Miller hin und her.

>> Freunde wir machen es so wie wir es geplant haben und nicht anders. Das haben wir doch ausführlich besprochen oder? <<

Die anderen Kollegen nickten, fesselten Samuel Miller und nahmen ihn mit in Halle 3. Die Produktion stand still, auf dem Förderband auf dem sonst Holzbalken lagen waren Harry, Lloyd und die zwei Leibwächter von Samuel Miller gefesselt.

>> So du Schwein jetzt sieh dir an was passiert, wenn man unsere Freunde umbringt und uns belügt, du Ausbeuter. <<

>> Was soll das, lasst uns doch vernünftig über alles sprechen, ich zahle euch ab sofort das doppelte, wenn ihr wollt. <<

>> Genug, halst Maul es ist zu spät! <<

Das Förderband mit dem schweren Kettenantrieb setzte sich langsam und widerwillig in Bewegung. Etwa zwanzig Meter trennten die vier angebundenen Helfer von der totbringenden Säge, die erbarmungslos alles zerschneiden würde, was ihr in den Weg kam.

Sie waren nicht geknebelt und schrien deshalb wie verrückt um ihr Leben. Die Halle war gefüllt mit Arbeitern, die dem Schauspiel zusehen wollten. Vorarbeiter die nicht ihrer Meinung waren, wagten es nicht sich einzumischen und den anderen zu helfen, sie hatten ebenfalls Angst um ihr Leben. Samuel stand regungslos da und schaute zu. Er wusste, dass er keine Chance hatte und ebenfalls sterben würde. Das Leid, was er den anderen angetan hatte, fordert halt irgendwann seinen Tribut. Die Säge kam unaufhaltsam dichter, sie jetzt noch zu stoppen war unmöglich. Der anhalte Weg war jetzt zu lang, um das Leben der Vier noch zu retten. Die Sägeblätter glitten hoch und runter, wie das Maul eines Monsters das seine Beute verschlingen wollte, kamen sie näher. Fast gleichzeitig erreichten die scharfen Metallblätter die Beine der Opfer. Die Schreie der vier Männer überschlugen sich regelrecht, so laut und durchdringend waren sie. Die Beine fielen der Säge als Erstes zum Opfer. Wo sonst Bretter geschnitten und weißes Sägemehl staubte, wurden jetzt Fleischscheiben geschnitten und die Späne von dunklen Blutfäden abgelöst, die an der Säge herunterliefen.

Weiter und weiter arbeitete sich die Säge vor, die Schreie waren fast nicht mehr zu ertragen. Dann erreichten die gierigen Metallzähne den Bauchbereich der Männer. Fast zeitgleich wurden die Bauchhöhlen der Vier aufgerissen. Die Därme der Opfer blieben an den scharfen Zähnen der Säge hängen und wurden auf und ab gezogen, bis sie schließlich mit einem Klatschen

auseinanderrissen. Es wurde still, kein Laut war mehr zu vernehmen, nur das ächzende Stöhnen der Säge war zu hören, die unaufhaltsam weiter arbeitete. Die Männer waren tot, sie spürten nicht mehr, dass die Säge auf ihre Köpfe traf und sie wie Luftballons zerfetzte. Dann stoppte die Anlage. Rote Fleischklumpen und Därme hingen am Sägetisch herunter und waren stumme Zeugen der Tat, die hier gerade passiert war. Samuel Miller musste sich übergeben, einigen der Arbeiter erging es nicht anders. Dass es so schrecklich werden würde, damit hatten sie nicht gerechnet. Karl und Herb waren gefasster.

>> Leute, wir haben doch ausreichend darüber diskutiert das wir diese Zustände nicht länger hinnehmen können, wir haben begonnen und jetzt gibt es kein zurück mehr. <<

Die anderen Arbeiter nickten. Karl hatte recht, was würde noch geschehen, wenn sie es nicht jetzt selbst in die Hand nehmen würden. Samuel Miller wurde gepackt und in den Keller geschleift, eine Gruppe von zehn Männern folgten Karl und Herb. Sie erreichten Minuten später den Holzlagerraum und schließlich die kleine Kammer, in der die vielen Leichen achtlos abgelegt wurden. Samuel Miller jammerte, er schluchzte fürchterlich, als die Männer ihn auf den Boden des Raumes warfen.

>> Was wollt ihr, ich gebe euch alles was ich habe aber ich flehe euch an, lasst mich am Leben. <<

>> Dein Schicksal steht fest, wir sind uns alle einig, was zu tun ist. <<

Zwei Männer drängelten sich an den anderen vorbei, in ihren Händen baumelten schwere Eisenstangen, mit denen sie auf Samuel Miller zugingen und erbarmungslos einschlugen. Er wurde sofort bewusstlos. Die anderen gingen auf ihn zu und drehten ihn auf den Rücken, unter seine Ellenbogen und Knie legten sie Holzbalken und traten wieder zurück. Die Männer mit den Eisenstangen bauten sich erneut vor Samuel Miller auf und holten kräftig aus. Die ersten Schläge trafen die Arme. Die Gelenke, die über den Holzbalken gestreckt lagen brachen wie Streichhölzer auseinander. Lautes Krachen war zu hören, als das Metall auf die Knochen traf.

Einige der Männer zuckten unwillkürlich zusammen als sie die Geräusche wahrnahmen. Die nächsten Hiebe trafen die Kniegelenke, die ebenfalls auseinanderbrachen und seinem Körper eine verdrehte Form gaben. Die Männer traten zurück und gaben die Eisenstangen an ihre Kollegen weiter. Jeder von ihnen schlug einmal mit aller Wut auf den Körper von Samuel Miller ein.

>> Es reicht, er soll nicht sofort sterben! <<

Herb schrie und drängte die nun immer mehr aufgebrachte Menge zurück. Der Körper von Samuel Miller war völlig entstellt, etliche Platzwunden und Knochenbrüche waren zu erkennen. Karl und Herb stoppten mit festen Druckverbänden die starken Blutungen und legten Samuel Miller in die Mitte des Raumes. Andere Kollegen brachten die Überreste von Harry, Lloyd und den beiden Leibwächtern und warfen sie neben Samuel auf den staubigen Boden. Dann verließen sie wortlos den Raum.

Herb verschloss die schwere Tür mit einem Vorhängeschloss und warf die Schlüssel die er und Samuel Miller hatten, in der kommenden Nacht über die Klippen des Bergs hinunter. Niemand sollte den Raum jemals wieder betreten. In dem Raum war es jetzt fast stockdunkel, nur durch einige Ritzen an den Felsen schien ein kleiner Lichtstrahl. Überall waren kleine gierige rote Augen zu erkennen, die sich langsam auf das Fleisch, was für die Ratten eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübte, näherten. Dann gab es kein Halten mehr und die Ratten stürmten auf das Festmahl zu. Nach einer Weile schreckten die Ratten zurück, etwas bewegte sich unter ihnen. Samuel Miller hatte sein Bewusstsein zurück erlangt. Er wollte sich aufrichten, schaffte es aber nicht, da seine Arme und Beine zerschmettert waren und ihm keinen Halt mehr boten. Er brüllte vor Schmerzen, die Schreie, die er durch seinen zertrümmerten Kiefer nach außen brachte, hörte niemand. Einige Laute, die durch den Fels nach draußen drangen, vermischten sich mit dem säuselnden Wind, der an den Felshängen vorbeizog. Lediglich einige Krähen wurden auf die Schreie und den Geruch des Todes aufmerksam. Die Arbeiten in der Möbelfabrik gingen eine ganze Zeit weiter. Der Vorarbeiter Herb Gates konnte geschickt das Verschwinden von Mr. Miller vertuschen und alle Geschäfte ohne Probleme aufrechterhalten. Niemand dachte mehr an den alten Chef, der mit Sicherheit in den Katakomben des Kellers vermoderte.

Nach zwei Jahren wurden die Behörden hellhörig und ordneten eine Durchsuchung der Möbelfabrik an. Es wurde nichts und niemand gefunden und schließlich die Stilllegung der Fabrik angeordnet, ohne regulären Inhaber konnte der Betrieb nicht weitergeführt werden.

Die Tore der Fabrik wurden verschlossen und über Jahre nicht mehr betreten. Im Keller jedoch bewegte sich noch immer etwas. Schnell krabbelte es über den steinigen Fußboden und hielt eine zappelnde Ratte in seinen Händen, die es Sekunden später mit seinen knochigen Händen und den messerscharfen Krallen auseinanderriss.

Das Wesen hielt die Hände in die Höhe und ließ das Blut des Tieres in seinen Mund tropfen. Gierig leckte es alle Reste des Blutes auf, bevor es das Fleisch der Ratte mit seinen scharfen Zähnen zerfleischte. Danach war ein fürchterliches Heulen zu hören. Sämtliche Ratten in dem Keller zuckten zusammen, selbst die Krähen, die regelmäßig um den Berg flogen machten nun einen Bogen um ihn. Ein abgemagertes Wesen mit verkümmerten Gliedmaßen hockte in einer der Ecken des Raumes. Seine Haut war fahl und lederartig. Knochen waren schief zusammengewachsen, seine Finger und Fußnägel waren scharf wie Messer und sein deformierter, fast haarloser Kopf wirkte wie der einer Hexe. Seine Großen leuchtenden weißen Augen sahen wie die eines Höhlenmenschen aus, der sich an die Dunkelheit unter der Erde gewöhnt hatte. Beim Öffnen des Mundes kam eine Reihe von gelben und schwarzen spitzen Zähnen zum Vorschein, die in einem völlig entzündeten Zahnfleisch steckten. Es war Samuel Miller, er hatte überlebt.

Als er damals aus seiner Bewusstlosigkeit erwachte, schaffte er es sich trotz seiner schweren Verletzungen, gegen die Ratten und den Tod durchzusetzen. Er ernährte sich von den Leichenteilen der vier toten Körper, die mit ihm in den Keller gelegt wurden, und nutzte ihre Knochen als Waffen gegen die zahlreichen Ratten. Wasser lief bei Regen durch einige der Ritzen in den Felsen auf den Boden des Raumes. Trotz eines Schlages mit der Eisenstande auf sein Gesicht, bei dem ihm ein Teil des Kiefers und der Zunge weggerissen wurde, schaffte er es das Wasser mit seiner verstümmelten Zunge aufzulecken.

In den nächsten Jahren ernährte er sich von Ratten, nahm aber nur so viel von ihnen wie er brauchte um zu überleben. Er versuchte sich einen Weg durch die Felsen nach außen zu graben. Vergeblich, nur tiefe Spuren seiner Finger in den Felsen waren Zeugen seiner Taten.

Irgendwann verlor er den Mut und ergab sich seinem Schicksal, immer wieder murmelte er unverständliche Worte vor sich hin. Er schwor Rache an allen Menschen die ihn hatten Leiden lassen und jedem, der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Er flehte den Teufel an seine Seele zu nehmen, um sich endlich Rächen zu können. Er war schwach und sein Lebensmut erlosch immer mehr, da erhörte Luzifer sein Flehen und nahm seine angebotene Seele in sich auf. Er tötete ihn aber nicht, sondern gab ihm Kraft, um so lange ausharren zu können bis der Tag seiner Befreiung kam. Es dauerte eine lange Zeit und er verwandelte sich nach und nach von Samuel Miller in ein schreckliches Wesen. Der Teufel versprach ihm, dass der Tag kommen würde um sich zu rächen.

Kapitel 9

7.52 Uhr. Der Staub in dem Lagerraum, in dem das Edelholz gelagert wurde, sank langsam zu Boden und gab einen Blick auf das Chaos was Steve angerichtet hatte frei. Es würde ewig dauern, die schweren Holzbalken und Stämme wieder vernünftig zu ordnen. In der rechten Ecke des Raumes bewegte sich plötzlich einer der schweren Baumstämme und wurde krachend beiseite geschleudert.

Eine kleine Tür stand offen, ein zerbrochenes altes Vorhängeschloss lag von einem der Baumstämmen zerschmettert am Boden. Die Laterne die Steve beim Verlassen des Raumes auf dem Boden zurückgelassen hatte, tauchte ihn in ein warmes gelbliches Licht. In der Ecke war etwas und krabbelte immer näher in Richtung Ausgang. Dichter und dichter kam es und wurde schließlich von dem Licht der Laterne eingefangen. Das Wesen, was so lange Jahre in seinem Kerker gefangen war, verließ sein Gefängnis. Mit einem gewaltigen Satz sprang es auf einen der Deckenbalken und knurrte. Endlich konnte es Rache nehmen, und es den Menschen die ihm so viel Schmerz zugefügt hatten, Hundertfach zurückzahlen.

Kapitel 10

8.00 Uhr. Die Arbeiten in der Mall liefen wie geschmiert. Für Rick und Kyle war es ein leichtes die Arbeiten zu koordinieren. Schnell verdientes Geld, Handlungsfreiheit und jede Menge Spaß, den die beiden gewiss noch haben würden, so viel war sicher. Rick hatte in seinem Leben nicht viel erreicht, er war früh von der Schule geflogen und hatte sich danach als Türsteher und Geldeintreiber über Wasser gehalten.

Seine Eltern warfen ihn irgendwann aus dem Haus, da er sich im Laufe der Zeit immer mehr Vorstrafen eingehandelt hatte. Rick zog allein durch die Gegend und wurde irgendwann von Mr. Sulivan aufgegabelt, der hartgesottene Jungs für seinen persönlichen Schutz suchte. Bei einer Schlägerei in einer Bar fiel ihm der Junge sofort auf. Seit diesem Tage war er stets an der Seite von Mr. Sulivan. Alle Dinge, die er für ihn ausführen musste, tat er stets zu seiner vollen Zufriedenheit, er hatte ihn noch nie enttäuscht. Anders war es bei Kyle, er war ein Heißsporn und überaus leichtfertig bei der Ausführung von Aufgaben, mit denen er betraut wurde. Es lag wohl an seiner Erziehung. Kyle kam aus einem reichen Elternhaus und wurde von klein auf verhätschelt und verzogen. Er bekam alles, was er wollte. Irgendwann reichte es nicht mehr und immer neue Dinge übten eine magische Anziehung auf ihn aus. Erst war es Haschisch, dann Kokain. Er fing an seine Eltern zu bestehlen und verkaufte heimlich Sachen aus ihrem Privatbesitz. Er machte Schulden, wo er konnte, und geriet so irgendwann endgültig auf die schiefe Bahn.

Seine Eltern stellten ihn vor die Wahl, eine Entziehungskur zu machen oder das Elternhaus zu verlassen. Für Kyle war es klar, er ging und wurde prompt von seinen Eltern enterbt. Sie trennten sich mit bitterbösen Blicken. Für Kyle war eins klar, dass er auf keinen Fall auf seinen Erbanteil verzichten würde.

In seinem Blick war zu erkennen, dass er sein Recht einfordern würde, egal wie. Mr. Sulivan gabelte auch ihn auf. Ihn zu fordern war nicht so leicht, aber mit der richtigen Menge Koks klappte auch das. Die anderen vier, Bill, Bob, Ray und Fin waren aus einem Waisenhaus zu Mr. Sulivan gekommen. Er nahm die Jugendlichen auf, die alle samt aus Elternhäusern von Gewaltverbrechern und armen Familien kamen. Er hatte einen Riecher dafür, wer später einmal gut für ihn sein würde. Bill war der Sohn eines mehrfachen Mörders, der vor drei Jahren zum Tode verurteilt wurde. Es waren alles Kapitalverbrechen bei denen er die Leute, die er ausraubte, brutal umbrachte. Bei zwei Verbrechen war damals sogar der kleine Bill dabei und musste sich die Taten mit ansehen. 19. Mai 2005, ein lauer Frühsommerabend in Chicago. Adam Randle fuhr mit seinem 64er Doge und dem kleinen Bill auf dem Rücksitz durch einen Vorort von Chicago, er hatte ein bestimmtes Ziel. Der Millionär Peter Caninton lebte ganz in der Nähe, Adam wusste, dass er heute Morgen eine Menge Bargeld bekommen hatte, was er zu Hause aufbewahrte. Er machte zu seinem erfolgreichen Börsenunternehmen auch illegale Wettgeschäfte. Das Geld aus dieser Einnahmequelle durfte natürlich nicht über seine Geschäftsbücher laufen, sondern wurde geheim zu Hause aufbewahrt. Lincoln Street 216, er war am Ziel. Mit ausgestelltem Motor rollte das Auto vor die Einfahrt der Canintons.

Ein Informant hatte ihm den Tipp gegeben, dreißig Prozent der Summe aus dem Coup sollte er ihm dafür abdrücken. Adam hoffte, dass sich der Job lohnen würde.

Bill war dreizehn Jahre alt und wusste nicht, was ihn erwartete. Sein Vater stieg aus und befahl ihm in einem rauen Ton im Auto auf ihn zu warten. Dann verschwand er, nach einer viertel Stunde sah Bill das Mündungsfeuer einer Pistole hinter der Wohnzimmerscheibe aufblitzen und stieg ängstlich aus dem Auto aus, um nach seinem Vater zu sehen.