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Schwer traumatisiert nach Jims Tod, wird Marcia auf dem Flugzeugträger USS-Boxer geflogen, wo der Bordarzt mit Beruhigungsmitteln versucht ihre Trauer zu lindern. Er teilt ihr mit, dass sie in anderen Umständen sei. Marcia, die in der Zwischenzeit eine freundschaftliche Beziehung zu dem Doc, dem Kapitän und dem Admiral gewonnen hat, beschließt daraufhin ihren alten Plan wieder aufzunehmen. Mit Hilfe Admiral Cunnings gelangt sie in die österreichische Botschaft Washingtons, wo sie neue Papiere erhält. Danach wird sie von der Sekretärin des Botschafters persönlich nach Wien eskortiert. Eine tiefe Freundschaft entwickelt sich zwischen den beiden Frauen, die sie ein Leben lang verbinden wird. Obwohl Andreas, ihr Verehrer, ein sehr einfühlsamer, aber vor allem wohlhabender Mann ist, fällt Marcia der Start in ihr neues Leben nicht leicht, denn ihre neue Heimat unterscheidet sich in sehr vielen Belangen gewaltig von der alten. Melancholische Erinnerungen von Jim drücken auf ihr Gemüt. Andreas aber versteht es, die exotische Schönheit seiner Partnerin zu nutzen. Erst führt er Marcia in das Wiener Jetset ein. Dann beginnt aufgrund neu gewonnener Kontakte der berufliche Höhenflug. Die beiden heiraten und Marcia gebärt Andreas einen Sohn und ein Mädchen. Andreas Meinrad wird nie daran zweifeln, dass die beiden Kleinen sein Fleisch und Blut sind. Die Familie Meinrad bezieht samt Personal eine mondäne Villa in bester Lage und führt ein feudales Leben im Mittelpunkt der oberen Wiener Gesellschaft. Als die Familie eines Tages Andreas auf eine Geschäftsreise in die USA begleitet, unternimmt Marcia einen Ausflug an die Florida Keys. Dort trifft sie per Zufall ihre alten Freunde, die sie auf Kuba während ihrer Flucht kennenlernte. Doch das Wiedersehen mit diesen Menschen löst in ihr abermals alte Gefühle aus und die Erinnerung holt sie ein.
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Seitenzahl: 243
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Robin Kerr
Die Mangrovenblüte
Heimkehr in die Fremde Teil III
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Im Karibischen Meer, nördlich von Grand Cayman
Nach dem langen Schlaf:
Am Abend desselben Tages:
Die Gewissheit
Wien, am 27.Oktober 1965
USS-Boxer 21.00 Uhr
Der Start in ein neues Leben
Flughafen Wien 29. Oktober; 6 Uhr früh
Ein langer Einkaufstag
Der neue Alltag beginnt
Beim Heurigen in Perchtoldsdorf
Der Besuch bei Laszlos Freund
Das sonntägliche Mittagessen mit der Familie
Das Geständnis
Moskau am 06. Dezember 11.00 vormittags
Wien, am 19.Dezember
Am Abend des einunddreißigsten Dezember in der Wiener Hofburg.
Die Hochzeit in Mariazell
Die letzten Tage vor der Geburt
Frühsommer 1970
Die Reise nach Amerika
Nur ein Ausflug an die Florida Keys
Erinnerungen an das alte Leben
Das Ende einer Zeit
Heimkehr in die Fremde
Havanna 2005
Ein Stern entsteht
Impressum neobooks
Robert T. Jackson und Admiral Cunnings standen minutenlang schweigsam im Raum des Kapitäns.
So hatten die beiden sich das nicht vorgestellt.
Eine bezaubernde Zeremonie hätte es werden sollen. Und anschließend ein rauschendes Fest für die ganze Mannschaft.
Doch eine Tragödie war es letztendlich geworden. Eine die der Helikopter an Bord gebracht hatte.
Anstatt Trauringe zu überreichen, musste der Admiral eine Abschiedsrede an jenen Mann richten, den er vor einigen Jahren mit dem Silverstar ausgezeichnet hatte.
Um ihn schließlich einige Zeit später, mit allen gebührenden Ehren aus der US-Navy in den verdienten Ruhestand zu verabschieden.
Der Admiral konnte sich noch gut an die Worte erinnern, die er damals an Jim gerichtet hatte.
Wenn ein Mann erkennt, dass es Zeit ist, neue Wege zu gehen, erinnerte sich der Admiral laut, dann ist es ein Zeichen von Größe und Weisheit. »Wie meinen Sie Admiral?«, fragte Kapitän Jackson nach, der den Zusammenhang nicht verstand.
»Das waren die Worte, die ich an Lieutenant Commander James Landon bei seiner Verabschiedung aus dem Militärdienst gerichtet hatte«, erklärte der Admiral.
Jackson blickte ihn verwundert an.
»Ja richtig Sie kannten den Mann.«
»Sehr gut sogar«, bestätigte der Admiral.
»Das ist auch der Grund, warum ich heute hier bin. Denn es wäre mir eine Ehre gewesen, diesem Mann, dem wir jene Zeremonie ermöglichen wollten, noch einmal freundschaftlich die Hand zu drücken.«
Der Kapitän der USS-Boxer nickte und seufzte. »Ja, aber stattdessen haben wir uns ein großes Problem eingehandelt.«
Der Admiral hatte in der Zwischenzeit seine Hände hinter dem Rücken verschränkt, wobei er immer wieder mit seiner rechten Hand sein schütteres weißes Haar nach hinten streifte und ging im Raum hin und her.
»Nun, wenn Sie auf das Mädchen anspielen Kapitän, so ist für mich die Sache sonnenklar. Ich fühle mich Lieutenant Commander Landon verpflichtet,.Wenn er dieses kubanische Mädchen zu seiner Frau hätte machen wollen, so kommt es für mich überhaupt nicht in Frage, die junge Frau im Stich zu lassen.
Dass so eine Anwesenheit einer illegalen Auswanderin an Bord eines Kriegsschiffes ein Verstoß gegen alle Verordnungen ist, geschweige denn der Umstände, wie die ganze Situation zustande kam, bedarf keiner weiteren Ausführung.
Nichtsdestotrotz werde ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln der jungen Frau helfen.
Ich sehe das als letzten Dienst an einem Kameraden. Ich erhoffe mir in dieser Angelegenheit weiterhin Ihre Loyalität.« »Aber selbstverständlich«, bestätigte der Mann mit den grauen Schläfen. »Ich muss jedoch darauf hinweisen, mein erster Offizier ist ein sehr ehrgeiziger Mann. Er wird jede Möglichkeit wahrnehmen, um seine Karriere voranzutreiben.« »Nun, dann verhänge ich eben eine Nachrichtensperre über den Flugzeugträger und erkläre ihn zum Manövergebiet.
Dem Herrn Offizier werde ich erklären, dass er seinen Bericht im Nachhinein abgeben kann und am besten damit auch gleich seinen Rücktritt einreichen soll.
Wir aber brauchen jetzt gute Ideen bezüglich des Mädchens. Ich werde sie keinesfalls der Einwanderungsbehörde aushändigen!
Wir müssen mit ihr reden, um zu klären, ob sie Verbindungen hat.
Wo ist sie überhaupt?«
»Sie hatte einen schweren Schock«, antwortete der Käpt´n.
»Deshalb hat ihr der Arzt Valium gegeben und sie in der Krankenstation untergebracht, um ihr einen ungestörten Schlaf zu ermöglichen.«
Der Admiral nickte.
»Verstehe. Wie hieß der Arzt übrigens?«
»Dan. DanSaymor«
»Gut, Dan soll ihr Beruhigungsmittel geben, solange er es für notwendig hält. Wenn sie wieder bei sich ist und sich ein wenig gefasst hat, dann reden wir mit ihr.
Jetzt aber gehen wir auf die Brücke, um den Herren zu erklären, dass wir uns im Manöver befinden.«
Orange und braune Nebel umgaben sie, die sich immer wieder wie in einer Strömung schwimmend zu neuen Gebilden vermischten.
Und irgendwo war eine Stimme zu vernehmen. Ganz leise, ganz dumpf.
Obwohl die Stimme immer lauter wurde, war sie nicht in der Lage die Worte zu verstehen.
Da öffnete sie ihre Augen. Doch sie konnte nichts erkennen.
Zu dicht waren diese umherziehenden Nebel. Aber die Stimme wurde langsam immer deutlicher. Und da konnte sie diese auch verstehen. »Können Sie mich hören? Können Sie mich hören? Guten Morgen.
Sie sind auf der Krankenstation und ich bin der Doc. Verstehen Sie, was ich sage?«
Marcia nickte.
»Ich habe Ihnen ein Beruhigungsmittel gegeben. Deshalb fühlen Sie sich etwas seltsam. Möglicherweise sehen Sie alles ein bisschen verschwommen. Aber das wird sich von Minute zu Minute bessern. Wie heißen Sie eigentlich?«
»Marcia«, antwortete Sie.
»Marcia Feireira«. »Wissen Sie, wo Sie sind, Marcia? Können Sie sich erinnern? «
Sie nickte. »Ich kann mich an die Blumen erinnern. Überall waren Blumen. Diese vielen Blumen!«
Als Sie die Worte aussprach, kehrte die ganze Erinnerung wieder. Da spürte sie, wie der Arzt fürsorglich ihre Hand nahm.
»Ich kenne Ihren Schmerz Marcia. Aber hier sind Sie in Geborgenheit und wir kümmern uns um Sie. Keine Angst.
Wir haben Ihnen eine Kajüte freigemacht, in der Sie während Ihres Aufenthalts hier an Bord untergebracht sein werden.
Wenn Sie der Meinung sind, sich wohl genug zu fühlen, möchte ich Sie dort hinbringen.«
Marcia setzte sich langsam auf. Dabei erkannte sie, dass sie ein olivfarbenes Armeehemd trug.
Die Kajüte war spartanisch eingerichtet. Ein Bett, ein Spind, ein Stuhl, sonst nichts.
»Ich werde dem Kapitän ihr erwachen melden. Denn er und der Admiral wollen Sie sprechen.
In dieser Kanne«, und er deutete zu dem Stuhl, » ist Tee. Ich möchte, dass Sie so viel wie möglich davon trinken. Essen dürfen Sie leider erst in ein paar Stunden«.
Dann verließ er die Kajüte.
Marcias Gedanken waren noch immer verworren. Sie hatte sich auf das Bett gesetzt. Während sie von dem Tee trank, musste sie erkennen, dass auch keinerlei Gefühle in ihr wohnten. Als sie so da saß, klopfte es an ihre Tür.
Zwei Männer betraten den Raum. Deren Gesichter schienen ihr irgendwie bekannt zu sein.
Die Männer grüßten höflich und der Mann mit den grauen Schläfen fragte Marcia nach ihrem Befinden.
Marcia wusste nicht so recht, was sie darauf antworten solle.
Um ihr eine schmerzhafte Antwort zu ersparen, warf Jackson rasch ein: »Verzeihen Sie meine Unhöflichkeit. Ich habe uns noch gar nicht vorgestellt.
Mein Name ist Robert T. Jackson. Ich bin der Kapitän des Schiffes. Und dieser Mann hier ist Admiral Jonathan Cunnings.
Ich darf Sie doch Marcia nennen?« hakte der Kapitän Zustimmung fordernd nach.
»Ja, natürlich«, antwortete Marcia daraufhin.
»Es ist in solchen Situationen sehr schwierig «, fuhr Jackson fort, »die richtigen Worte zu finden, weil es sie wahrscheinlich gar nicht gibt. Worte, die unsere tiefe Trauer um einen unserer Kameraden ausdrücken.
Es ist uns klar, wie tief Ihr Schmerz und Ihre Trauer um Jim sind. Aber lassen Sie mich Ihnen versichern, Sie sind nicht alleine. Wir werden an Ihrer Seite stehen, solange Sie das möchten und Sie uns brauchen. «
»Sie müssen wissen Marcia«, ergriff Cunnings das Wort,» das ich Jim schon seit vielen Jahren kenne und er mir aufgrund seiner vielen Tugenden sehr ans Herz gewachsen war.
Ich kenne ihn vom Tage seiner Anmusterung, erlebte sämtliche Stationen seiner militärischen Laufbahn bis zu jenem Tag, an dem er von der Navy Abschied nahm und in den Ruhestand ging.
Ich sehe Sie Marcia als einen Teil von Jim und als eine Verpflichtung für mich, Ihnen all meine mir mögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Dafür wäre es aber sehr hilfreich, und ich hoffe, ich kann auch in Ihrem Namen sprechen, Kapitän!«
Jackson nickte zustimmend.
»Wenn Sie uns mitteilen können, was Sie in weiterer Folge zu tun gedenken, um die notwendigen Schritte einleiten zu können. Natürlich verstehen wir sehr gut, wenn Sie noch einige Zeit brauchen, um sich darüber im Klaren zu sein.
Ich denke aber, dass Sie aller Voraussicht nach in die USA einreisen wollen.«
Marcias Blick war auf den Boden gerichtet und sie schüttelte den Kopf.
»Verstehen Sie mich nicht falsch, aber was mache ich in den USA? Ich kenne dort niemanden. Ich habe dortzulande keine Verwandten und keine Freunde.«
»Sie wissen aber«, warf nun der Käpt´n ein, »Sie können keinesfalls nach Kuba zurück! «
»Ja«, antwortete Marcia, »auch das ist mir klar.«
»Nun können Sie uns dann sagen, ob Sie woandershin Verbindungen haben?«, fragte der Admiral.
Marcia nickte bejahend und hob ihren Kopf.
»Nach Österreich«, sagte sie.
»Dorthin habe ich Verbindungen. Ja dort gibt es jemanden und es sieht so aus, als wäre es meine beste Option«.
»Na, dann«, warf Cunnings zustimmend ein, »Österreich ist zumindest ein zivilisierter Rechtsstaat westlicher Prägung. Sie dürfen dort zwar nicht US Niveau erwarten. Aber schließlich kommt es auch darauf an, wen Sie dort kennen!«
»Sein Name ist Andreas Meinrad.«
»Aha, und wissen Sie auch, womit er sich beruflich befasst?«
»Im Detail nicht, ich weiß nur, er ist Diplomat.«
»Wir kommen jetzt auf eine Persönlichkeitsebene«, erkannte der Admiral stirnrunzelnd, »die mir speziell jetzt, angesichts der Umstände das ich mit Jim befreundet war, große Schwierigkeiten bereitet, dahingehend Ratschläge für eine neue Partnerwahl zu erteilen.
Dessen ungeachtet sollten wir uns vor Augen halten, je früher wir für Sie etwas in die Wege leiten können, desto schneller ist Ihnen nachhaltig geholfen. Ich frage Sie daher aus persönlichem Interesse, ob Sie sich sicher sind, bei diesem Mann in guten Händen zu sein?«
Marcia war den Tränen nahe, nickte aber. »Ja, ich glaube schon«.
»Dann werden wir«, und nun beteiligte sich der Kapitän wieder am Gespräch, »so Sie das möchten, mit diesem Herrn Kontakt aufnehmen. Bis dahingehend alle Wege geebnet sind, möchte ich Sie als Gast auf meinem Schiff willkommen heißen.
Im Übrigen wäre es eine Ehre für uns, wenn Sie uns heute Abend beim Essen Gesellschaft leisten würden.
Und machen Sie sich wegen der Etikette keine Gedanken. Die Armeekleidung steht Ihnen vorzüglich.«
Daraufhin machte Marcia mit ihrer Hand eine abwehrende Bewegung.
»Widerstand ist völlig zwecklos«, bemerkte der Admiral sogleich lächelnd.
»Der Vorschlag des Kapitäns ist ausgezeichnet und ich bestehe darauf, dass Sie ihm nachkommen.
Sie müssen wieder zurück ins Leben finden und ich bin sicher, wir zwei alten Halunken haben die eine oder andere Geschichte auf Lager, die Sie erheitern wird. Ich jedenfalls freue mich schon auf heute Abend.«
Marcia nickte nur, sagte aber nichts.
»Gut«, meinte Jackson abschließend.
»Ich lasse Sie dann gegen einundzwanzig Uhr abholen. Ruhen Sie sich bis dahin noch ein wenig aus.«
Als die beiden Männer sich anschickten Marcias Kabine zu verlassen, erklärte Marcia, dass es ihr ein Bedürfnis sei, ihren Dank auszusprechen über das wunderschön geschmückte Schiff anlässlich der Trauerfeier für Jim. Es sei ihr aber ein Rätsel, wie man so etwas Schönes in so kurzer Zeit zuwege bringen konnte.
Der Kapitän und der Admiral wechselten einen intensiven Blick miteinander, nickten in Marcias Richtung und verließen die Kabine.
Nachdem die beiden einige Schritte gegangen waren, fragte der Admiral verwundert ob sie von der ganzen Hochzeitsfeier keine Ahnung hatte.
»Es sieht ganz danach aus«, stimmte der Käpt´n zu.
»Vielleicht wollte Jim sie überraschen«.
»Mein Gott!« Cunnings erkannte plötzlich das ganze Geschehen.
»Sie hatte keine Ahnung! Es hätte die Überraschung ihres Lebens sein sollen. Und dann das.......«
Jackson nickte zustimmend.
Gegen einundzwanzig Uhr klopfte es an ihre Türe.
»Hi ich bin es, der Doc«, war eine freundliche Stimme zu vernehmen.
»Ich möchte Sie gerne zum Dinner abholen«.
Marcia hatte sich zurechtgemacht. Sie trug aber immer noch eine Armeeuniform.
»Schick«, stellte Dan mit anerkennender Miene fest, als sie die Türe öffnete.
»Aber man hätte Ihnen ohne weiteres einen höheren Rang zusprechen können!«
»Ach, das ist schon in Ordnung«, entgegnete Marcia mit einem verhaltenen Lächeln.
»Überraschenderweise trägt es sich sehr angenehm«.
»Na wunderbar, und wie ich sehen kann, fühlen Sie sich auch wieder gut«.
»Ja«, bestätigte die Kubanerin mit dem langen schwarzen Haar.
»Ich kann jetzt wieder klar denken, aber ich kann nicht behaupten, dass ich mich deshalb wieder besser fühle. Ich kann auch nicht versprechen, auch nur einen einzigen Bissen hinunter zu bekommen«.
»Wenn ich bedenke, was wir immer alles von unserem Koch vorgesetzt bekamen, kann ich Ihnen versichern, dass ich mich dem vollinhaltlich anschließe, obwohl ich nicht befürchten muss, dass sich mir der Magen umdreht, sondern dass der Koch wieder einmal geschmacklich absolut daneben liegt.
Deshalb kann ich Ihnen versichern es wird niemand gram sein, wenn Sie das Essen nicht anrühren. Aus ärztlicher Sicht möchte ich Ihnen jedoch dringend anraten, wieder etwas feste Nahrung zu sich zu nehmen. Auch wenn Ihr Kopf noch nicht so weit ist, Ihr Organismus schreit nach Verwertbarem!«
Da schloss Marcia die Türe hinter sich und ging neben dem Doc her, der die Richtung vorgab.
»Darf ich Ihnen eine Frage stellen?«, wandte sich Marcia an Dan.
»Aber immer und alles«, gab er lächelnd zurück.
»Meine Monatsblutung ist ausgeblieben und ich wüsste gerne, ob ich ...«
»Ich muss gestehen«, räumte der Arzt ein, während sie langsam in RichtungOffiziersmessegingen, »dass Nachfragen nach einem Schwangerschaftstest an Bord eines US-Flugzeugträgers überschaubar sind. Und ich befürchte, dass ich auch keinen an Bord habe. Aber ich werde die Dinger sofort anfordern und mit etwas Glück habe ich sie morgen schon.
Auf jeden Fall werde ich Ihnen Bescheid geben. Dann kommen Sie zu mir in die Krankenstation damit wir den Test durchführen können«.
Der Kapitän hatte in der Offiziersmesse einen Tisch für vier Personen decken lassen. Entgegen den Gepflogenheiten hatte er seine Offiziere zum Dinner nicht geladen.
Er und der Admiral begrüßten Marcia sehr herzlich und erkundigten sich nach ihrem Befinden. Nachdem sie ein wenig Small Talk geführt hatten,wasoffensichtlich so wie sie es angelegthattendazu beitragen sollte den Gemütszustand ihres weiblichen Gastes ein wenig zu heben, begaben sie sich zu Tisch. Während sich alle hinsetzten, meinte der Doc sarkastisch.
»Ich bin schon gespannt, welche kulinarischen Offenbarungen uns heute erwarten und durch die Nacht tragen werden«.
»Ich versichere Ihnen«, gab der Kapitän lachend zurück, »dass der Koch diesmal alles geben wird, was in ihm steckt. Denn der Admiral hat ihm angedroht, falls wir nicht zumindest begeistert sind über das, was er heute abliefert, wird er persönlich einen Antrag stellen, dass dem Koch seine Pensionsansprüche gestrichen werden.«
Woraufhin alle lachten.
Dan wusste jedoch hinzuzufügen: »Dass allerdings würde seinen absoluten Ruin bedeuten, denn ein zweites Mal wird sich sicher kein Idiot finden, der ihn einstellt.
»Na ganz hervorragend«, meinte der Kapitän dazu, »da bin ich ja soeben zum ersten Idioten ernannt worden!«
»Naja«, fügte der sichtlich amüsierte Admiral hinzu, »schließlich waren Sie für dessen Verpflichtung hier an Bord zuständig.«
»Streuen Sie nur Salz in die Wunden Admiral. Bisher hatte ich einen Koch dafür«, neckte der Käpt´n.
Der Abend begann also insgesamt sehr amüsant. Und dieser Umstand tat Marcia sehr gut.
Ein Mann betrat den Raum. Aufgrund der weißen, hohen, aufgeplusterten Haube die er trug, war unschwer zu erkennen, dass es sich um den Koch handelte.
Er räusperte sich kurz, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
»Ich möchte mir erlauben, Ihnen die Menüfolge anzukündigen.«
Der Kapitän zog vor Erstaunen über das Auftreten des Kochs die Augenbrauen hoch.
»Wir bitten darum«.
»Als Vorspeise gibt es Scheiben vom marinierten Langustenschwanz am Spieß gegrillt auf einer Safran-Sherrysoße. Als Beilage servieren wir Bananenscheiben knusprig frittiert.
Als Hauptspeise reichen wir Filet a la Wellington mit Cumberlandsoße.
Zur Nachspeise servieren wir marokkanische Datteltörtchen mit Feigenmus.«
Der Käpt´n und der Doc sahen einander mit großen Augen an.
Was der Koch ihnen da offeriert hatte, unterschied sich so sehr vom alltäglichen, dass sie es gar nicht glauben konnten.
»Na das klingt ja ausgezeichnet«, gestand der Admiral und war ebenso überrascht.
»Haben Sie auch an eine Getränkefolge gedacht?«
»Ja selbstverständlich«, erwiderte der Koch.
»Als Aperitif schlage ich einen Dom Perigon 58 vor. Das ist übrigens ein ganz ausgezeichneter Jahrgang! Zur Vorspeise kredenzen wir konsequenterweise einen trockenen Sherry, da dieser auch in der Soße verarbeitet ist.
Zum Hauptgang schlage ich einen kräftigen Rotwein vor. Meine beste Empfehlung ist hier derMarquesdeRiscalGran Reserva1956.
Und um das Dessert abzurunden, ein GläschenTawnyPort«.
Die Männer waren fassungslos. Hatten sie nicht gerade über diesen Mann und dessen fachliche Fähigkeiten gescherzt.
Admiral Cunnings schüttelte den Kopf, hob dabei zustimmend die Hand und sagte. »Machen Sie es so«.
Der Koch nickte nur und verließ den Raum.
»Also wenn das nachher so schmeckt, wie es sich anhört«, räumte der Doc ein, dann hat er sich bei seiner nächsten Zahnbehandlung eine örtliche Betäubung verdient«.
Nach einigen Sekunden des Nachdenkens brachen alle in schallendes Gelächter aus.
Der Abend verlief humorvoll, ohne jedoch ein gewisses Niveau zu unterschreiten.
Marcia ertappte sich dabei, wie sie die Gesellschaft der Männer genoss. Denn sie waren gebildet, makellos in ihren Umgangsformen, einfühlsam aber auch immer für einen guten Witz zu haben. Und immer dann blitzte dieSpitzbübigkeitaus deren Augen.
Wie gut hätte doch Jim in diese Runde gepasst, sinnierte Marcia.
In diesem Augenblick, an dem sie an ihn dachte, schossen Marcia sofort wieder Tränen in die Augen.
Doch sie zügelte die Emotionen mit all ihrer Kraft und Beherrschtheit, denn sie wollte ihren drei Tischnachbarn nicht die Laune verderben. Viel zu sehr hatten die sich schon um sie bemüht. Marcia wollte es auf diese Weise respektieren.
Jedoch hatten alle drei Männer ihren Gefühlsausbruch bemerkt und ihre Kontinenz stillschweigend honoriert.
Am Ende eines ganz wundervollen Abends hatten alle vier ein ähnliches Gefühl auf seltsame Art und Weise, mehr Achtung voreinander zu empfinden als zuvor.
Und das, obwohl sie einander doch schon von Anfang an respektierten.
»Haben Sie übrigens schon mit der österreichischen Botschaft Kontakt
aufgenommen?, wandte sich Marcia zwischendurch an den Kapitän.
»Nein«, entgegnete dieser.
»Es gab noch keine Zeit. Mir war dieser Abend wichtiger«.
»Das ergibt sich sehr gut«, gestand Marcia.
»Ich möchte Sie bitten, noch etwas zu warten, denn ich habe da noch eine Sache abzuklären«.
»Kein Problem sagen Sie mir, wenn Sie sich entschieden haben«.
Der Doc nickte, denn er wusste auch Bescheid. Der Koch betrat die Messe und erkundigte sich, ob alles zur Zufriedenheit seiner Gäste abgelaufen war.
Dabegannen die Vier zu applaudieren. Der Admiral stand auf und reichte ihm die Hand.
»Ich möchte Ihnen meine persönliche Anerkennung aussprechen. So wie es in meiner Position üblich ist, gehe ich von einem Empfang zum nächsten.
Eine Einladung folgt der anderen und sogenannte Spitzenköche geben einander die Teller in die Hand. Also habe ich einen Überblick, was man so von Haubenköchen in den besten Restaurants vorgesetzt bekommt. Und ich kann ihnen sagen, was Sie heute hier abgeliefert haben gehört zur Oberklasse. Meine Gratulation!«
Der Koch strahlte und wälzte sich förmlich in den Lorbeeren.
»Nur eine Kleinigkeit zur Abrundung fehlt mir noch. Ein alter Scotch oder ein schöner Cognac. Haben Sie so etwas für mich?«
»Wenn Sie gestatten, Admiral«, und der Koch neigte dabei leicht seinen Kopf, »ich habe noch etwas viel Besseres.
Ich habe einen über zwanzig Jahre alten Brandy de Jerez aus Andalusien. Er ist vollmundig, ganz weich am Gaumen und enorm gehaltvoll. Eine absolute Rarität, wenn ich bemerken darf.«
»Na das klingt ja wie ein Traum aus tausendundeiner Nacht«, freute sich
Cunnnings.
»Nur her damit.«.
»Aber sagen Sie, Andalusien, das ist doch eine südspanische Provinz, oder?«, fragte der Kapitän interessiert.
Der Koch nickte bestätigend.
»Da geht es doch seit Jahrzehnten drunter und drüber. Wo haben Sie denn all das Zeug von dort her? Ich meine den Sherry, den Rotwein und dann noch den Brandy?
»Nun als wir vorden Kaimanslagen«, begann der Koch auszuführen, »habe ich den Funker Aldridge an Land begleitet, um alles für die bevorstehendeZere......«
»Ja, ja, ja ich kenne mich schon aus«, unterbrach ihn der Kapitän vehement.
Aufgrund der Blicke, die sich die drei Männer in diesem Augenblick zuwarfen, hatte Marcia sofort erkannt, dass der Koch beinahe etwas ausgeplaudert hätte, was ganz offensichtlich für ihre Ohren nicht bestimmt war.
»Wenn ich noch einen Vorschlag machen darf, fügte der Koch hinzu, »wir haben eine windstille, sternenklare Nacht, deshalb möchte ich den Brandy gerne am Flugdeck servieren«.
»Eine ausgezeichnete Idee«, freute sich der Admiral.
»Dort kann ich mir dann auch endlich meine ersehnte Zigarre anzünden«.
Als sie sich auf dem Weg zum Flugdeck befanden und Admiral Cunnings sich mit Marcia unterhielt, griff Dan nach dem Arm des Kapitäns und zog ihn zur Seite.
»Ich glaube, dort oben haben wir eine gute Gelegenheit ihr die Wahrheit zu sagen«. Der Käpt´n nickte bejahend.
»Ich glaube, Sie haben recht. Entschuldigen Sie mich einen Augenblick. Ich muss noch etwas besorgen und komme gleich nach.
Der Brandy war so weich wie diese Nacht in der karibischen See.
Alle schwiegen und genossen die nächtliche Stille auf dem Flugzeugträger. Nur der Doc murmelte:
»Das ist das feinste Zeug, das ich jemals auf meinem Gaumen verspürt habe.«
Daberührte RobertT. Jackson mit seiner Hand MarciasRücken. Nur ganz kurz und ganz sanft. »Ich muss da etwas klarstellen Marcia. Als Sie an Bord kamen und überall die Blumen sahen, dachten Sie wir hätten das zur Trauer um unseren Kameraden arrangiert. Die Wahrheit jedoch ist, wir hatten die USS-Boxer an diesem Tag für Ihre Hochzeit mit Jim dekoriert«.
Er griff in seine Hosentasche, holte eine kleine Schachtel heraus.
Er klappte sie auf und darin befanden sich zwei Ringe. Admiral Cunnings ist ausnahmslos zu diesem Zweck angereist. Denn er wollte unbedingt gemeinsam mit mir die Trauung vornehmen.
Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Sie keine Ahnung hatten. Jim wollte Sie wohl damit überraschen«.
Mit den Worten »vielleicht wollen Sie die zum Andenken behalten«, legte er die Schachtel mit den beiden Ringen in ihre Hand.
Marcia hob ihren Kopf und blickte zu den Sternen. Ihre Lippen glänzten im Mondlicht und ließen ein sanftes Lächeln erkennen. Dann stellte sie ihr Glas ab und drehte sich zu den drei erwartungsvoll blickenden Männern um.
»Ich danke Ihnen für den wundervollen Abend meine Herren, aber wenn Sie erlauben, möchte ich mich jetzt zurückziehen«.
Marcia hatte in der vergangenen Nacht kaum geschlafen.
Die Enge des Raumes schien sie zu erdrücken. Und das Bett erinnerte sie an die Tage, die sie in der Botschaft verbracht hatten.
Alle möglichen und unmöglichen Gedanken rasten durch ihren Kopf.
Gestern hatte sie von Jims Überraschung erfahren.
Erst da war ihr klar geworden, warum er sie so tollpatschig gefragt hatte, ob sie ihn vielleicht irgendwann heiraten würde. Auch verstand sie, warum der Flugzeugträger mit so vielen Blumen geschmückt war und die Mannschaft Paradeuniformen getragen hat.
Jetzt jedoch hielt sie nur diese Ringe in den Händen, die ihre Bestimmung niemals finden würden.
Als es an ihrer Türe klopfte, wurde Marcia aus ihren Gedanken gerissen.
Der Doc stand draußen und wünschte ihr einen guten Morgen. Er fragte, ob sie gut geschlafen habe.
Marcia bedankte sich mit einem Achselzucken.
»Die Versorgungsmaschine«, begann er zu erklären, »die im Übrigen auch den Schwangerschaftstest gebracht hat, wird in einigen Minuten wieder starten. Sie wird LieutenantLandonsLeichnam an Land bringen. Ich dachte, Sie möchten vielleicht Abschied nehmen.«
Marcia nickte.
»Ja, danke. Ich habe da noch eine Bitte Doc. Hängen Sie diese beiden Ringe an ein Kettchen und legen Sie es Jim um den Hals. Ich möchte, dass er sie behält und sie bei ihm bleiben.«
»Wenn das Ihr Wunsch ist, mache ich das gerne für Sie. Möchten Sie nicht einen davon behalten?«
Marcia schüttelte ablehnend den Kopf.
»Ich weiß genau, der Tag wird kommen, an dem er mir diesen Ring anstecken wird. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Aber bis dahin soll er es sein, der auf sie acht gibt.«
Dan lächelte berührt.
»Aber natürlich! Ich werde Sie von einem Sanitäter abholen lassen, der Sie zum Flugdeck begleitet. Ich erledige das in der Zwischenzeit«, nahm die Ringe und ging.
Robert T. Jackson, Jonathan Cunnings und der Doc standen an der Maschine und gaben ihrem Kameraden ein letztes Lebewohl.
Als die Bahre mit dem Sack in dem Jims Leiche lag, an Bord des Flugzeuges gehoben wurde, berührte Marcia jene Stelle, an der sich Jims Hand durch den Stoff abzeichnete.
Und bei Marcia verhielt es sich so, während die Alte ins Flugzeug stieg, um mit Jim zu gehen, blieb eine neue Marcia zurück.
Die Soldaten salutierten, während die Maschine beschleunigte und abhob.
Doch dann saß sie wieder am Bettrand und weinte. Oft aus Trauer und Schmerz. Dann wieder aus Hilflosigkeit und Angst vor der Zukunft.
Es war ihr schon klar, dass die Männer ihr helfen würden, wo sie konnten.
Aber letzten Endes war jetzt alles anders geworden. Sie fühlte sich alleine und hilflos. Eine tiefe Leere machte sich in ihr breit.
Erst als in den späten Vormittagsstunden, ein Sanitäter an ihre Türe klopfte, um ihr mitzuteilen, dass der Arzt nach ihr verlange, erwachte sie wieder ein wenig aus ihrer Lethargie. Einige Minuten später war wieder alles anders als kurz zuvor. Denn als ihr der Arzt mitteilte, dass der Test positiv war, wusste Marcia, dass sie ein Kind von Jim in sich trug.
All diese Gefühle überwältigten sie sosehr. So saß Marcia stumm und regungslos in der Krankenstation und ihr Blick hatte sich starr an die Wand geheftet.
»Ich weiß, es ist eine schwere Zeit für Sie Marcia«, unterbrach der Doc die Stille.
Nicht zuletzt gab er diese Worte von sich, weil er mit ihrer Verhaltensweise nichts anzufangen wusste.
»Aber eigentlich«, so fuhr er fort, »sollten Sie sich doch über diese Nachricht freuen!«
Marcia richtete ihren Blick auf den Doc.
»Freuen, ja wenn jetzt der Vater des Kindes an meiner Seite wäre und wir drei in eine gemeinsame Zukunft gehen könnten. Nichts Schöneres könnte ich mir wünschen.«
Da legte sie ihre Hand zärtlich auf ihren Bauch und fügte hinzu: »Aber so wird dieses Kind von einer papierlosen einsamen Kubanerin, vom ersten Tage an ein Bastard sein. Nun sagen Sie mir, wie soll ich mich freuen?«
Da nahm sich Dan einen Stuhl, setzte sich an ihre Seite und legte ihre Hände in die Seinen. »Wissen Sie Marcia, ich habe in der vergangenen Nacht genau über dieses Szenarium nachgedacht.
Ich wusste, dass wenn Sie wieder ihre alte Geisteskraft besitzen, früher oder später über diese Problematik nachdenken würden.
Aber Sie sind eben viel zu intelligent, als das Sie mehrere Tage benötigen, um sich damit auseinanderzusetzen.
Ich glaube aber eine Möglichkeit gefunden zu haben, wie Sie sich und Ihr Kind in Geborgenheit bringen können.
Ich rate Ihnen, alle Pläne in die USA zu gehen zu verwerfen. Denn in Ihrer Situation besteht die Gefahr, dass all Ihre Ängste dort wahr werden, viel zu groß. Aber Sie haben doch von diesem österreichischen Diplomaten erzählt.
So wie es aussieht, steht Ihre Schwangerschaft in den ersten Tagen. Und soweit ich informiert bin, ist der Vater des Kindes ein Weißer.
Also ... ich meine ... verstehen Sie mich nicht falsch, aber, wenn Sie sich beeilen könnten, nach Österreich zu kommen und Sie so rasch wie möglich das Bett mit ihm teilen würden ...«
Marcia sah ihn mit großen Augen entgeistert an.
Da sprang der Arzt vom Stuhl, rannte nervös im Raum auf und ab und fuchtelte mit den Händen wild gestikulierend herum.
»Ich weiß, Ihnen muss sich der Magen umdrehen bei dem Gedanken daran, dass ...
Ich dürfte Ihnen einen solchen Vorschlag auch nicht unterbreiten.
Von der Moral, die dahintersteht, ganz zu schweigen. Doch als Arzt liegt mein ganzes Interesse am Wohl des Kindes und der Mutter! Wer dann halt meint der Vater eines Kindes, dass einige Tage zu früh auf die Welt gekommen ist zu sein, ist für mich persönlich das kleinere Übel. Hauptsache ist doch, wenn alle wohlauf sind.«
»Ich habe diesen Mann kennengelernt«, unterbrach ihn Marcia mit aufgeregter Stimme.
»Er ist ein guter Mensch und es wäre das größte Unrecht ihn zu belügen und so hinters Licht zu führen! Ich bin für so etwas nicht geschaffen. Nein, ich kann das nicht.«
»Ja, ja ich weiß das Ihnen solche Charakterzüge fremd sind. Aber versuchen Sie das Ganze emotionslos durchzudenken.
Sie können den einfachen Weg wählen und in die USA in eine mehr als ungewisse Zukunft gehen. Oder Sie wählen den für Sie schwereren Weg. Einen Weg, der Sie sehr viel Überwindung und Kraft kosten wird.
Vergessen Sie dabei aber nicht, Sie müssen Ihre Entscheidung eines Tages vor Ihrem Kind verantworten.
Wenn Sie aber jetzt einen kühlen Kopf behalten, können Sie in ein paar Tagen alles hinter sich haben. Sie sind doch eine kluge Frau Marcia. Und Sie wissen auch das Sie im Grunde genommen gar keine Wahl haben. Entscheiden Sie sich rasch und springen Sie einmal im Leben über Ihren Schatten, dann können Sie mit Ihrem Kind in eine sichere Zukunft gehen. Möglicherweise werden Sie nie wieder in Ihrem Leben so eine Chance haben. Nutzen Sie sie. Ich rate Ihnen, nutzen Sie sie!«
