Die Mätresse von Venedig - Rhiana Corbin - E-Book

Die Mätresse von Venedig E-Book

Rhiana Corbin

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Beschreibung

Marietta Belmonte lebt im Jahre 1755 in Venedig. Sie wohnt in Carampane, dem Stadtteil in dem die Prostituierten leben. Marietta hat es bis zur Mätresse wohlhabender und einflussreicher Männer gebracht. Auf einer Herrengesellschaft trifft sie auf den Conte Davide Brandonari. Dieser gut aussehende und reiche Adelige kann ihr gefährlich werden, kennt er sie doch aus einem anderen Leben in London, als sie noch Mary Boman hieß und die Tochter des Duke of Montfield war, und obendrein einem Mann versprochen, dem sie noch nie begegnet war – dem Conte Davide Brandonari!

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Die Mätresse von Venedig

Rhiana Corbin

Kajsa Arnold Edition

Inhalt

Zitat

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Danksagung

Leseprobe

Deutsche Neuausgabe

Copyright © 2017-2018, Rhiana Corbin

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung

1. Auflage

Lektorat & Korrektorat: www.buchstabenwirbel.de

Covergestaltung: Andrea Wölk

Unter Verwendung folgender Fotos:

© merydolla – Bigstock.com

Kajsa Arnold Edition

www.kajsa-arnold.de

Erstellt mit Vellum

Zitat

Die Schönheit ist die

größte menschliche Macht.

(Honoré de Balzac)

Kapitel 1

Palazzo Contarini

San Polo, Venedig, Juli 1755

Mit schnellen Schritten lief ich die Campo dei Frari entlang. Die Schuhe waren nicht sehr bequem, dafür ließen sie aber meine Fesseln schmal aussehen. Nicht dass sie nicht ansehnlich wären, aber in diesem Schuhwerk sahen meine Füße besonders hübsch aus. Am Ende der Straße, auf der Rückseite der Basilica dei Frari, bog ich ab. Die Mauern der Kirche ragten hoch über mir auf und im Dunkel der Nacht machte mir der Turm ein wenig Angst. Im Mondlicht hob er sich vom dunkelblauen Nachthimmel ab und wirkte wenig einladend. Nur noch wenige Schritte und ich klopfte an die Tür des Palazzo Contarini, der von außen sehr unscheinbar wirkte.

Augenblicklich wurde geöffnet und ich erhielt Einlass.

»Signorina Belmonte, welch Glanz in unserem bescheidenen Haus«, begrüßte mich einer der Lakaien, dem ich hier schon oft begegnet war.

»Buona sera, Aldo. Der Visconte hat mich rufen lassen.«

»In diesem Haus sind Sie immer willkommen.« Aldo verbeugte sich leicht und schloss hinter mir die schwere Holztür. »Sie erlauben?«

Er nahm mir den schwarzen Umhang von den Schultern und ließ seinen Blick über meinen Körper gleiten. Ab und an erlaubte ich ihm einen dieser begehrlichen Blicke. Er war ein junger Mann mit guten Manieren und behandelte mich immer höflich, obwohl vor wenigen Monaten bekannt wurde, dass ich die Mätresse des Visconte war und in der Carampane lebte. Auch wenn die Anweisung seit mehr als zweihundert Jahren nicht mehr galt, dass Huren in dem Quartier der Carampane leben mussten, lebte ich dort in sicherer Umgebung unter Gleichgesinnten. Obwohl ich mich von den meisten Huren dort unterschied. Die Gesellschaft, in der ich verkehrte, war eine ganz exquisite. Männer, die dem obersten Gerichtshof angehörten, der Staatspolizei – dem Rat der Zehn.

»Don Contarini erwartet sie bereits.« Aldo ging voran und führte mich in den großen Saal, verkündete laut mein Eintreffen. Der Palazzo war ein geheimer Treffpunkt der Mächtigen, um ihren Gelüsten zu frönen, ohne von ihren Frauen oder der Öffentlichkeit gestört zu werden.

»Marietta! Meine principessa! Ich freue mich über dein Erscheinen.« Visconte Naldo Contarini kam mit ausgebreiteten Armen auf mich zu. Er hatte bereits einiges getrunken und seine weiß gepuderte Perücke saß nicht mehr gerade auf dem Kopf. Eigentlich war er zu jung, um diesen lächerlichen Kopfschmuck zu tragen. Er mochte noch nicht einmal die Dreißig überschritten haben.

Ich für meinen Teil verzichtete auf derlei Verschönerungen, denn mein Haar konnte jedem Vergleich mit einer kunstvollen Perücke standhalten. Die dunkelbraunen Locken hingen mir weit über die Schultern und ließen sich raffiniert hochstecken. So kam mein schmaler Hals gut zur Geltung und unterstrich den porzellanfarbenen Teint.

»Mein lieber Visconte, ich bedanke mich für die Einladung, auch wenn sie mich ein wenig kurzfristig erreichte. Sie hatten Glück, dass ich für diesen Abend noch keine anderweitige Verpflichtung eingegangen bin.«

»Es soll nicht zu deinem Nachteil sein«, flüsterte Naldo mir leise zu und berührte dabei mit seiner Zunge mein Ohrläppchen. Sein Blick ging über meinen Körper, er umfasste meine Taille mit der Hand und blickte in den Ausschnitt des Korsagenkleids, das ich trug. Es war schwarz, oben eng anliegend und bot einen tiefen Ausblick auf meine Brüste. Die Röcke bauschten sich um meine Füße.

»Sei nett zu meinem Freund«, zischte der Visconte mir zu und drückte mir ein Bündel Scheine in den Ausschnitt. Schnell nahm ich das Geld und verstaute es in meinem Beutel, ohne dass es jemand sah.

»Ich freue mich sehr, dass Sie erschienen sind, Marietta, weil ich Sie mit einem Freund bekannt machen möchte. Er ist Venezianer, verbringt aber seit einigen Jahren immer wieder Zeit in London, der Geschäfte wegen. Davide! Komm her, mein Lieber, ich will dir jemandem vorstellen.«

»Marietta, das ist Conte Davide di Brandonari ... und Davide, dies ist Marietta Belmonte, meine gute Freundin, die weiß, wie man Freuden schenkt.«

Bei dem Anblick des Mannes lief es mir kalt den Rücken hinunter. Das Blut in meinen Adern erstarrte zu Eis und der Herzschlag setzte einen Augenblick aus. Ich musste die Fassung wahren. Mein Lächeln war falsch wie meine ganze Person, doch niemandem fiel es auf, denn keiner kannte die Wahrheit über mich.

»Signorina Belmonte, welch eine Ehre, Sie kennenzulernen.« Di Brandonari nahm meine Hand und deutete einen Kuss an. Sein Blick schien überrascht. Er musterte mich, als könne er seinen Augen nicht trauen. Ein Erkennen lag darin.

»Lieber Conte, das Kompliment darf ich gerne zurückgeben. Auch für mich ist es eine Ehre, Ihnen zu begegnen. Sie leben in London?«, fragte ich neugierig.

»Ja, hin und wieder, der Geschäfte wegen. Aber ich kehre immer gerne nach Venedig zurück, der Republik gehört mein Herz.«

»Und ich hoffe, auch der Contessa«, meinte ich mit einem Augenzwinkern.

Di Brandonari zupfte an seinem Jackenaufschlag. Das Thema schien ihm unangenehm zu sein. »Es tut mir leid, aber mit einer Gemahlin kann ich nicht dienen. Ich bin noch auf der Suche nach der Richtigen.«

»Dann brauchst du ja kein schlechtes Gewissen zu haben, Davide, wenn du dich von Marietta ein wenig verwöhnen lässt. Ich überlasse sie dir für eine Nacht. Sie ist dein. Marietta, begleite Davide in das goldene Gästezimmer.« Damit ließ uns Naldo allein.

Schwer atmete ich aus, sodass sich meine Brüste nach oben drückten und di Brandonari seinen Blick kaum abwenden konnte.

»Wenn ich bitten darf?« Er hielt mir den Arm entgegen und ich hakte meine mit schwarzem Netz behandschuhte Hand ein. Mit schnellen Schritten verließen wir die Gesellschaft. Sobald sich die Tür hinter uns schloss, verklang die Musik, die das Streichquartett zur Untermalung spielte, verstummte das Johlen der Männer sowie das Gelächter der jungen Huren.

Ich hatte ihre Blicke registriert. Nicht, dass ich mich für etwas Besseres hielt – sie taten es. Ich war die Mätresse des Visconte Naldo Contarini, einer, der im Rat der Zehn eine gewichtige Stimme innehatte. In der Carampane sprach man mit Achtung von mir, weil ich es geschafft hatte, seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Ich hatte mir den Respekt der anderen Frau durch die Betten einflussreicher Männer erworben. Meine Kleidung ließ meinen höheren Stand erkennen. Ich trug keine Hurenröcke in den Schandfarben rot, gelb oder grün. Meine Kleidung bestand aus kostbaren Stoffen, die mir Naldo schenkte.

Als ich die Treppen in das nächste Stockwerk erklomm, spürte ich eine warme Hand auf meinem Rücken. Die Korsage war tief geschnitten, sodass nackte Haut auf meine traf. Ein leichtes Prickeln breitete sich in meinem Körper aus, das ich zu ignorieren versuchte.

Das goldene Gästezimmer lag am Ende eines langen Ganges auf der Westseite des Flurs. Es war so etwas wie mein Zimmer, das ich in diesem Haus nutzte, wenn ich Naldo zu Diensten war.

Das war meine Bedingung gewesen, als ich zustimmte, Naldos Mätresse zu werden: Ein eigener Raum, der nur mir zur Verfügung stand. Immerhin hatte der Palazzo mehr als genug davon.

Ich schloss die Tür auf und trat hinein. Di Brandonari folgte mir und warf die Tür mittels seines Stiefels ins Schloss.

»Signorina hat einen eigenen Schlüssel?«, fragte er und hob eine Augenbraue.

»Ja, das hier ist so etwas wie mein privater Raum«, erklärte ich und drehte mich zu ihm um.

Auf dem Tisch vor einem der drei Fenster, deren Läden jetzt bei Nacht geschlossen waren, stand eine Flasche Champagner. Ich persönlich fand keinen Gefallen an dem trüben Gesöff, doch ich wusste, dass der Visconte ihn liebte. Ich trank lieber einen guten Rotwein, wenn mir danach war.

Die Kandelaber an den Wänden verbreitete eine angenehme Atmosphäre und doch konnte ich mich nicht entspannen.

»Möchten Sie einen Schluck Champagner, Conte?«, bot ich ihm an. Das Kerzenlicht zauberte einen wunderbaren Teint auf sein Gesicht. Einen Bronzeton, der golden schimmerte. Seine schwarzen Haare hatte er im Nacken mit einem Samtband zusammengebunden. Er trug keine Perücke, sein Haar war lang, reichte ihm bis zu den Schultern. Die grünen Augen hatten etwas Stechendes, sie beobachteten aufmerksam, waren stets in Bewegung, ihm entging nichts.

Er schüttelte den Kopf. »Nein, danke, Marietta, später vielleicht. Oder sollte ich lieber Mary sagen?« Davide di Brandonari schaute mir fragend in die Augen und seine Züge verhärteten sich, dass ich Angst bekam. Die Erwähnung meines richtigen Namens ließ meine Hände zittern. Der Mann, dem ich versprochen worden war, hatte mich gefunden.

Kapitel 2

Davide di Brandonari blickte die Frau vor ihm an, als wäre sie ein Hexenwerk. Niemals im Leben hätte er geglaubt, sie wiederzusehen.

Mary Boman, die Tochter des Duke of Montfield, war vor zwei Jahren aus London verschwunden und nicht wiederaufgetaucht. Bis zu diesem Augenblick, als Naldo ihm seine Mätresse vorgestellt hatte. Es gab keinen Zweifel – diese Frau war Lady Mary Boman. Zwar war Davide ihr nie vorgestellt worden, doch er hatte sie auf dem Debütantinnenball erblickt und war sofort von ihr hingerissen gewesen. Er war ein Arrangement mit ihrem Vater eingegangen, sie zur Frau zu nehmen. Für diese Frau hatte er eine große Ablohnung bezahlt und nichts dafür erhalten. Mary Boman war am nächsten Tag spurlos verschwunden. Ihre Kammerzofe hatte ihr beim Entkleiden geholfen, danach hatte nie wieder jemand etwas von ihr gesehen oder gehört. Dem Duke war das außerordentlich peinlich gewesen, doch auch seine ausgeschickten Detektive hatten keine guten Nachrichten gebracht. Sie hatten nach Monaten der Ungewissheit berichtet, man hätte eine Tote in den Fluten der Themse geborgen, deren Aussehen nach es sich um Mary handeln musste. Allerdings war die Leiche so aufgedunsen, dass eine genaue Erkennung nicht mehr möglich gewesen war.

Davide schaute ernsthaft die Frau an, die seinem Blick auswich.

»Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen, Conte«, erwiderte sie mit einem Lächeln, das so falsch war, wie ihr jetziger Name.

»Lady Mary Boman, Tochter von Michael Boman, Duke of Montfield. Ich denke, dass Ihnen dieser Name etwas sagen sollte, auch wenn es vermutlich schon lange her ist, dass Ihnen der Name zu Ohren gekommen ist.«

Außer dem leichten Zittern ihrer Unterlippe zeigte sie keine Regung. Sie blickte ihn stumm an.

»Ich bin mir nicht im Klaren darüber, ob Sie wissen, dass Sie mich ein Vermögen gekostet haben«, sagte er mit ruhiger, leiser Stimme und entledigte sich seines eleganten Gehrocks. Er war nach der neusten Mode geschnitten, mit einem kleinen Stehkragen und der Ärmelaufschlag war nur noch eine Handbreit. Darunter kam eine silberfarbene Weste aus edler Seide zum Vorschein und ein weißes Hemd, das an den Ärmeln mit Spitze besetzt war.

Begehren – anders konnte Davide Mariettas Blick nicht bezeichnen, den sie ihm zuwarf. Sie musterte ihn von oben bis unten und ihn erfüllte das mit Genugtuung. Der Ärger der Zurückweisung der letzten Jahre verrauchte in dieser Sekunde, als er sie endlich vor sich sah und sie unbewusst mit der Zunge über ihre Lippen fuhr, als wäre er ein appetitliches Kanapee. Der Duke war ein Geschäftspartner von Davide gewesen und als er ein Bildnis von dessen Tochter im Salon des Anwesens erblickt hatte, war Davide auf die Idee gekommen, Mary zu ehelichen und hatte dem Duke dafür eine stattliche Summe angeboten, um ihm aus der Klemme zu helfen.

Davide hing seinen Gehrock über einen Stuhl und sah sich im Zimmer um. Das Bett dominierte den Raum. Es war mit goldenen Vorhängen drapiert und riesig. Eine Fülle von Kissen zierte das Möbelstück, das sehr einladend aussah. Der Rest des Zimmers war ebenso edel ausgestattet. Dunkelrote Seidentapeten verschönerten die hohen Wände, goldener Stuck an den Leisten und der Decke. Das Spiel zwischen Gold und Rot wirkte sehr erregend. Die Umgebung wirkte sinnlich und passte zu der Person, die ihn bewohnte.