Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog -  - E-Book

Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog E-Book

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Beschreibung

Building on two fundamental contributions on human rights on the one hand and interreligious dialogue on the other, the entire spectrum of the issue is looked upon. Next to the Christian confessions the Islamic, Jewish and Asian perspectives are taken into account. Academics from different fields as well as representatives of varying areas and cultures give insights to the interdisciplinary, interreligious and intercultural discourse on the significance of human rights.

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Seitenzahl: 379

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Aufbauend auf zwei grundsätzlichen Beiträgen zum Verhältnis von Menschenrechten und interreligiösem Dialog einerseits und zum Verhältnis von Menschenrechten und Religionen andererseits wird das gesamte Spektrum des Themas ausgeleuchtet. So kommen neben den unterschiedlichen christlichen Konfessionen auch islamische, jüdische und asiatische Perspektiven zu Wort. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen sowie Vertreter verschiedener Religionen und Kulturen bieten Einblicke in den interdisziplinären, interreligiösen und interkulturellen Diskurs über den Stellenwert der Menschenrechte.

Prof. Dr. Friedrich Johannsen lehrt Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Leibniz Universität Hannover.

Religion im kulturellen Kontext

Band 2

Friedrich Johannsen (Hrsg.)

Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog

Konflikt- oder Integrationspotential?

Verlag W. Kohlhammer

Alle Rechte vorbehalten © 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart Printed in Germany

ISBN 978-3-17-022240-3

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-026404-5

epub:

978-3-17-027106-7

mobi:

978-3-17-027107-4

Inhaltsverzeichnis

Friedrich Johannsen Vorwort

Friedrich Johannsen Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog

1 Vorbemerkungen

2 Einige Orientierungen zum Verständnis von „Dialog“

3 Anmerkungen zu Geschichte und Problemen des interreligiösen Dialogs

4 Wahrheit und Dialog

5 Zum Religionsverständnis

6 Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog

Harry Noormann Menschenrechte und die Religion/en

1 Problemanzeigen

2 Die menschenrechtliche Konversion der christlichen Kirchen – 170 Jahre Ringen mit den freiheitlichen Prinzipien der Moderne

3 Abschied vom kulturgenetischen, westlichen Ursprungsmythos der Menschenrechtsidee

4 Die Menschenrechte und die Religionen – welcher Weg führt zur Annäherung?

Wolfgang Vögele Glaube und Würde. Die Aktualität der Menschenrechte für die christliche Theologie und den interreligiösen Dialog

1 Krisenerfahrungen

2 Glaube

3 Würde

4 Verfassung und kulturelles Gedächtnis

5 (Religions-)Freiheit

6 Menschenrechte als globale Zivilreligion?

Moussa Al Hassan Diaw Das Verhältnis von Menschenrechten und Gottesrecht (Scharia) im Islam

1 Einleitung/Vorwort

2 Die Wege zu den Quellen

2.1 Interpretation der Quellen

2.2 Politische Einflussnahme

3 Fremdbestimmung und Opposition

3.1 Herodianer und Zeloten

3.2 Politische Salafiyya

4 Gottesgesetz vor Menschengesetz

4.1 Von Menschen gemachte Gesetze als Bezeugung des Unglaubens im politisch ideologisierten Islamismus

4.2 Klassische Exegese: Tafsīr Al-Qur´ān des Ibn Kaṯir

4.3 Resümee

5 Menschenrechte und Islam

5.1 Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam

5.2 Kulturelle Selbstbestimmung durch normative Abgrenzung

5.3 „Eigene“ Menschenrechte als identitätsstiftendes Dokument der „Kolonialvölker“?

5.4 Resümee

5.5 Kritik an der Erklärung der Menschenrechte im Islam

5.6 Arabische Charta der Menschenrechte

5.7 Muslime in Deutschland und die Menschenrechte

6 Schlusswort

Pater Superior Philip Riabykh Russische Orthodoxe Kirche und Menschenrechte

Anhang: Grundlagen der Lehre der Russischen Orthodoxen Kirche über die Würde, die Freiheit und die Menschenrechte

Micha Brumlik Prophetisches Völkerrecht und Heiligung des Menschen

1 Jüdische Wurzeln der Würde des Menschen

1.1 Prophetische Politik?

1.2 Amos7 und die Begründung des normativen Völkerrechts

1.3 Prophetischer Antiimperialismus

1.4 Prophetisches Völkerrecht und rabbinische Menschenwürde

1.5 Kasuistik des Lebens?

1.6 Würde als Gleichheit in der Schöpfung

Wenchao Li Genese und Geltung – Die Idee der Menschenrechte in China

Peter Antes Ist Religionsfreiheit ein Menschenrecht oder ein gesellschaftlicher Störfaktor?

1 Religionsfreiheit im Christentum und im Islam

2 Religiöse Vorschriften und staatliche Gesetzgebung

3 Religiöse Mitgliederwerbung

4 Glaubenswechsel als gesellschaftlicher Störfaktor

5 Fazit

Ulrich H.J. Körtner Menschenwürde und biomedizinische Ethik – eine theologische Perspektive

1 Geschichtlichkeit und geschichtlicher Wandel von Menschenbildern

2 Übersetzungsprobleme

3 Menschenwürde und biblisches Menschenbild

4 Die Strittigkeit des Menschen und die Strittigkeit Gottes

5 Humanität nach dem Tode Gottes

Alois Stimpfle Die Menschenrechte und das Menschenrecht der „Askese“. Bibelwissenschaftliche Überlegungen zu einer anthropotechnischen Maxime

1 Die Menschenrechte als geschichtliches Phänomen

1.1 Individuum und Gesellschaft

1.2 Not und Freiheit

1.3 Wert und Würde

1.4 Offenheit und Verantwortung

2 Das Menschenrecht der Askese im anthropotechnischen Programm P. Sloterdijks

2.1 Die Autorität der globalen Krise und ihr absoluter Imperativ

2.2 Die Not des Individuums in der horizontalistisch-normierenden Gesellschaft

2.3 Die Würde des Einzelnen in vertikaler Offenheit und ko-immunitärer Verantwortung

2.4 Der exemplarische „Asketismus“ in der biblisch-christlichen Tradition

2.4.1 Die religiöse Binnensprache in „anthropotechnischer“ Hermeneutik

2.4.2 Das Motiv-Repertoire der spirituellen Übungsgeschichte

2.4.3 Die paradoxe Logik der theologisch motivierten Heroik

3 Bibeltheologische Erinnerungen zum „Menschenrecht der Askese“

3.1 Spezielle Konkretisierungen

3.1.1 Gottesschöpfung und Gottesdienst – die Anthropotechnik des Rabbi Jesus

3.1.2 Gottescharisma und Himmelsbürgerschaft – die paulinische Anthropotechnik

3.1.3 Gottesherrschaft und Vollkommenheit – die matthäische Anthropotechnik

3.1.4 Gottesweisheit und Wahrhaftigkeit – die jakobeische Anthropotechnik

3.1.5 Gotteserkenntnis und Lebensfülle – die johanneische Anthropotechnik

3.2 Axiome der biblisch-christlichen Anthropotechnik

3.2.1 Der göttliche Name

3.2.2 Das menschliche Herz

3.2.3 Der konfessorische Weg

4 Zum Menschenrechtspotential der „asketisch“-anthropotechnischen Seite von Religion

Autorenverzeichnis

Vorwort

Mit diesem Band legt das hannoversche Forschungsforum „Religion im kulturellen Kontext“ seine zweite Veröffentlichung vor. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen sowie Vertreter verschiedener Religionen widmen sich dem Thema „Menschenrechte“ aus ihrer je eigenen Perspektive und erörtern die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in Bezug auf ihre Bedeutung für den interreligiösen Dialog. Aufbauend auf zwei grundsätzlichen Beiträgen, nämlich zum Verhältnis von Menschenrechten und interreligiösem Dialog einerseits und zum Verhältnis von Menschenrechten und Religionen andererseits, wird das gesamte Spektrum des Themas ausgeleuchtet. So kommen neben den unterschiedlichen christlichen Konfessionen auch islamische und jüdische Vertreter zu Wort. Darüber hinaus wird das Thema aus asiatischer (chinesischer) Sicht entfaltet, aber auch im Kontext der biomedizinischen Ethik. Alles in allem bietet dieser Band einen umfassenden, interessanten und z.T. überraschenden Einblick in den interdisziplinären und interkulturellen Diskurs über den Stellenwert der Menschenrechte im Kontext des interreligiösen Dialogs.

Der größere Teil der Beiträge wurde auf dem 2. Symposion des Forschungsschwerpunktes im Herbst 2010 vorgetragen und für die Drucklegung aufbereitet.

Im Forschungsforum „Religion im kulturellen Kontext“ haben sich Kolleginnen und Kollegen aus den Fächern Soziologie, Evangelische Theologie, Katholische Theologie, Religionswissenschaft und Philosophie der Leibniz Universität Hannover, der Universität Hildesheim, der Fachhochschule Hannover u.a. zur Stärkung eines gleichnamigen interdisziplinären Masterstudiengangs zusammengefunden. Sie sind sich einig in der Auffassung, dass das vielschichtige Phänomen Religion/Religiosität heute angemessen nur durch interdisziplinäre wissenschaftliche Zusammenarbeit erforscht werden kann.

Für die Vorbereitung der Drucklegung danke ich Frau Lena Pankau und Herrn Jörn Neier.

Hannover, November 2012

Friedrich Johannsen

Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog1

Friedrich Johannsen

1 Vorbemerkungen

Als Gegenstand des interreligiösen Dialogs ist die Menschenrechtsthematik relativ neu: 1978 kam es zu einer ersten interreligiösen Konsultation zum Verständnis der Menschenrechte.2 Diese Konsultation hat Vorläufer in interkonfessionellen Dialogen christlicher Denominationen. Angeregt wurde die christlichtheologische Klärung der Menschenrechte innerhalb der (protestantischen) Konfessionen 1970 durch die Generalversammlung des Reformierten Bundes und die fünfte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Evian.3

In der deutschsprachigen theologischen Literatur wird die Thematik ab Mitte 1970er sichtbar. Auch die katholische Seite befasste sich in dieser Zeit nicht mehr nur mit der naturrechtlichen, sondern auch mit der theologischen Würdigung der Menschenrechte.4 Die Aufarbeitung der früheren theologischen Vorbehalte gegen die Menschenrechte war Teil des neueren Interesses.

Im Blick auf Fragen des interreligiösen Dialogs ist daran zu erinnern, dass die Geschichte der Grundrechte ihren Ursprung in Europa im Recht auf Religionsfreiheit hatte. Nicht geringere Relevanz hat die Feststellung, dass „Menschenrechte“ ihren konkreten Ursprungsort im Protest gegen Unrechts- und Leiderfahrung haben.5

Bewahrung und Stärkung der Religionsfreiheit und zur Verhinderung bzw. zumindest Verminderung von Unrechts- und Leiderfahrung beizutragen, sind m.E. zugleich hinreichende Dialogmotive. Zwei Dialogbewegungen nach dem 2. Weltkrieg verweisen darauf, dass eine neue Dialogkultur zu produktiven Lernprozessen zwischen Religionen bzw. Konfessionen führen kann: Der jüdischchristliche Dialog und die Geschichte des Ökumenischen Rates der Kirchen. Führte der christlich-jüdische Dialog zu Aufklärung und Überwindung der verhängnisvollen antijudaistischen Tradition in Kirche und christlicher Theologie, kam es im ÖRK neben dem Verständigungsprozess zwischen den Konfessionen auch zu einer Erweiterung von Menschenrechten.

Stand von der Gründung des ÖRK 1948 an bis 1960 die Frage der Religionsfreiheit im Mittelpunkt, wurde in den folgenden Jahren unter dem zunehmenden Einfluss von Stimmen aus der Dritten Welt die aus westlicher Perspektive Dominanz der individuellen Freiheitsrechte relativiert.6 In der IV. Vollversammlung des ÖRK in Upsalla 1968 rückten wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte in den Focus. Es drang die Erkenntnis durch, dass die bürgerlichen Menschenrechte ohne wirtschaftliche und soziale Rechte Makulatur bleiben.7

2 Einige Orientierungen zum Verständnis von „Dialog“

Es gehört zu den gängigen Erfahrungen mit interreligiösen Gesprächen, dass das Wahrheitsbewusstsein die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu drängt, das Gegenüber für die je eigene Überzeugung zu gewinnen. sind nicht nur ein beliebtes Mittel von spezifischen religiösen Gruppen wie Zeugen Jehovas, Mormonen, fundamentalistischen Muslimen, sondern prägen auch vielfach Gespräche über konfessionelle Streitfragen. Wahrscheinlich sind sie sogar typisch für [religiöse] Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Standpunkten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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