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Ich habe mein Leben so satt! Mehr als das. Ständig bin ich die Neue, die Außenseiterin. Jeder hackt auf mir herum. Klar, mit mir kann man es ja machen. Von einem normalen Leben kann ich daher nur träumen und Besserung ist weit und breit nicht in Sicht. Auch an der neuen Schule geht es weiter wie bisher. Fast. Denn diesmal erhalte ich ein überraschendes Angebot, das mir vielleicht einen Ausweg bietet. Mit Sicherheit jedoch eines, das mich an meine Grenzen treiben wird. Wie groß muss Verzweiflung sein, sich auf ein solches Spiel einzulassen? Wieviel Mut kann man zusammenkratzen, um der Gefahr ins Auge zu blicken und wieviel Hoffnung gepaart mit Naivität muss nach wie vor in einem wohnen, damit man tatsächlich an Wunder glaubt? Mir jedoch stellt sich darüber hinaus noch eine ganz andere Frage. Eine ziemlich elementare sogar. Nämlich: Habe ich denn überhaupt eine Wahl? Diese Kurzgeschichte ist als Ebook des Monats März 2021 im MoKo-Verlag erschienen und Teil des MoKo - Jahrbuches 2021.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Inhalt
Widmung
Die Mutprobe – Schrei, wenn du kannst
Über die Autorin
Danksagung
Leseempfehlung
© / Copyright: 2021 Marina Ocean
Marina Oceanc/o Autorenservice Gorischek
Am Rinnergrund 14/5
8101 Gratkorn
Österreich
2. Auflage
Dieses Buch ist in der Erstauflage als Ebook des Monats März 2021 im Moko-Verlag erschienen.
www.moko-verlag.de
Umschlaggestaltung: Marina Ocean; Bilder: Adobe Stock Lektorat, Korrektorat: Vivian Valentine, Nova Cassini, Nika Sakraf, M.J. River Veröffentlicht bei
tolino media GmbH & Co. KG Albrechtstr. 14 80636 München
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Das Buch ist rein fiktiv. Ähnlichkeiten zu lebenden sowie bereits bestehenden erfundenen oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Ich habe mein Leben so satt! Mehr als das. Ständig bin ich die Neue, die Außenseiterin. Jeder hackt auf mir herum. Klar, mit mir kann man es ja machen. Von einem normalen Leben kann ich daher nur träumen und Besserung ist weit und breit nicht in Sicht.
Auch an der neuen Schule geht es weiter wie bisher. Fast. Denn diesmal erhalte ich ein überraschendes Angebot, das mir vielleicht einen Ausweg bietet. Mit Sicherheit jedoch eines, das mich an meine Grenzen treiben wird.
Wie groß muss Verzweiflung sein, sich auf ein solches Spiel einzulassen? Wieviel Mut kann man zusammenkratzen, um der Gefahr ins Auge zu blicken und wieviel Hoffnung gepaart mit Naivität muss nach wie vor in einem wohnen, damit man tatsächlich an Wunder glaubt?
Mir jedoch stellt sich darüber hinaus noch eine ganz andere Frage. Eine ziemlich elementare sogar. Nämlich: Habe ich denn überhaupt eine Wahl?
Diese Geschichte widme ich einem Menschen,
den ich gar nicht persönlich kenne,
der mich mit ‚seinen Lost Places‘ jedoch unglaublich inspiriert hat.
René, deine Fotos und Videos sind super!
Diese Kurzgeschichte gibt es nur,
weil ich auf dich aufmerksam geworden bin.
Daher wünsche ich mir, dass diese Story bewirkt,
dass du niemals aufhörst, uns an deinen Eindrücken teilhaben zu lassen!
Wer mehr wissen möchte:
Schaut auf instagram gerne mal bei
unique_pictures_by
https://www.instagram.com/unique_pictures_by/
vorbei und werft einen Blick in das Video
The abandoned Hostel.
Dort findet ihr visuelle Eindrücke zu dieser Geschichte.
Ich bin sicher, er freut sich! :)
René ist auch auf YouTube zu finden
Renext
https://www.youtube.com/channel/UCL7pZaVFCYwsw8bL66xCR5g
*unbezahlte Werbung
Hatte ich schon erwähnt, dass ich mein Leben hasse?
Wieder einmal stehe ich mit dem Rektor meiner neuen Schule vor einem für mich neuen Unterrichtsraum. Wieder einmal schwingt die Tür auf. Wieder einmal betrete ich eine neue Klasse und wieder einmal schauen mich knapp dreißig Augenpaare an und mustern mich neugierig, ziehen mich förmlich mit ihren Blicken aus. Stechende Iriden ruhen auf mir, während ich das Gefühl habe, dass mir die viele Neugierde meine Haut versengt.
„Das ist Angelina, eure neue Mitschülerin“, informiert Rektor Tietze und ich spüre, wie mir schlecht wird. Gleich muss ich kotzen, denke ich bei mir, doch ich bleibe stumm und versuche, die Nervosität in mir niederzukämpfen, ruhig zu atmen und die Übelkeit zu ignorieren, die sich von meinem Magen aus über meine Speiseröhre ganz langsam und schleichend nach oben frisst.
Eigentlich müsste man meinen, dass ich diese Situation bereits gewohnt wäre, so oft, wie ich in den letzten Jahren umgezogen bin, doch es hört nie auf, dass es jedes Mal aufs Neue eine angsteinflößende Situation für mich ist, der ich mich immer und immer wieder stellen muss.
Ich könnte meine Eltern dafür umbringen, dass sie mir das alle paar Monate antun. Dass ich nicht einfach eine normale Jugend verbringen kann wie andere auch. Mit einem Zuhause an ein und demselben Ort, einem Umfeld, welches sich nicht alle paar Wochen ändert. Aber was ich will, das interessiert niemanden, meine Erzeuger am Allerwenigsten!
Mein Vater ist irgend so ein hohes Tier in seiner Firma, muss ständig irgendwo anders hin, um in diversen Zweigstellen irgendwelche Brände zu löschen, weil das ganze Firmensystem sonst kollabieren würde. Oft frage ich mich, weshalb er sich nicht einfach einen anderen Job sucht!? Dann müsste ich mir diese Scheiße hier nicht länger antun! Und er ebenfalls nicht, aber offensichtlich ist er ja mit seinem Job verheiratet. Was interessieren da schon die Belange der Familie? Wen interessiert, was das alles mit mir macht? Keine Sau!
Im Gegensatz zu meinem Vater, kann meine Mutter von überall aus arbeiten. Als Autorin braucht sie keinen festen Wohnsitz. Außerdem interessiert sie sich ebenfalls nur für ihre Arbeit. Manchmal frage ich mich, wieso meine Mutter überhaupt ein Kind bekommen hat? Mein Leben lang bin ich von irgendwelchen Nannys großgezogen worden, die ich schneller wieder wechseln musste, als meine Unterwäsche. Es ist eigentlich unfassbar, wie viele diesen Beruf als Kinder-Aufpasserin ausführen …
Ständig heißt es Koffer und Kisten packen, Anmeldeunterlagen für eine neue Schule ausfüllen. Mir graut es schon jeden Tag davor, wenn mein Vater nach Hause kommt, denn jedes Mal habe ich Schiss, dass er erneut versetzt wurde.
Doch jetzt stehe ich erst einmal hier, muss mich von meinen neuen Mitschülern begaffen lassen und kann rein gar nichts dagegen tun. „Willkommen, Angelina! Ich bin Frau Schneeweiß“, begrüßt mich nun die Lehrerin freundlich, die für meine Vorstellung ihren Unterricht unterbrechen muss. Sie lächelt mich mitfühlend an, ganz im Gegensatz zu den Schülern. Hier schlägt mir nur Ablehnung entgegen, auf ein freundliches Wort warte ich vergebens. Aber auch das ist nichts Neues. Unbekannte Schüler sind generell nicht sonderlich beliebt und ich mit meinen dunklen Klamotten und schwarzen Haaren schon gar nicht.
Das hier ist nun mal keine Grundschule mehr. Die jüngeren Kinder freuen sich meistens über neue Mitschüler, bei Jugendlichen sieht die Sache schon etwas anders aus. Hier bin ich der Eindringling, der Störenfried, der sich in die Rangordnung der Clique drängt und für Durcheinander sorgt, auch wenn mir nichts ferner liegt. Trotzdem stifte ich Unfrieden, ob ich das will oder nicht. Allein meine Anwesenheit bringt regelmäßig alle um mich herum dazu, vollkommen auszuflippen.
Vorsichtig sehe ich mich um, doch noch nicht einmal ein Platz ist frei. Alle sind belegt und hilflos muss ich dabei zusehen, wie die Lehrerin schnellen Schrittes die Klasse durchquert und einen Einzeltisch von der Wand wegzieht, um ihn für mich hinzustellen. Damit ist mein Stand bereits mehr als klar. Ich bin und bleibe eine Außenseiterin.
„Leider ist momentan kein Platz frei, du kannst dich jedoch erst einmal hier hinsetzen. Am Ende des Schultages überlegen wir uns eine Lösung für dich.Lösung … Wie das klingt … Ich bin ein Scheiß-Problem? Aber nur keine Umstände, ich bin sowieso nicht lange hier, würde ich am liebsten sagen. Doch die Übelkeit in mir ist inzwischen so stark, dass ich einfach die Klappe halte und meinem vorlauten Mundwerk die Chance nehme, etwas zu erwidern. Ich bin es so leid, habe diesen Mist hier sowas von satt! Es ist immer das Gleiche. Ich stecke in meinem persönlichen Albtraum fest und eine Besserung ist nicht in Sicht.
Wie ein getretener Hund laufe ich der Lehrerin nach und setze mich kommentarlos auf den Stuhl, den sie mir zurechtrückt, immer von den neugierigen Blicken meiner neuen Mitschüler verfolgt. Mit Argusaugen sehen sie mir spöttisch dabei zu, wie ich meinen Rucksack öffne und mein Mäppchen hervorkrame.
„Dann viel Erfolg!“, kommentiert Rektor Tietze mein Tun und verabschiedet sich anschließend, bevor er aus dem Klassenraum verschwindet und die Tür hinter sich schließt. Nun bin ich der wilden Meute schutzlos ausgesetzt. Und auch wenn Frau Schneeweiß mit dem Unterricht fortfährt, immer wieder versucht, die Klasse zur Ordnung zu rufen und zu beruhigen, an Lernen ist momentan kaum noch zu denken.
