Die Nabel der Welt - Nadine Luck - E-Book

Die Nabel der Welt E-Book

Nadine Luck

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Beschreibung

Wussten Sie, dass in Mali Männer ihren Frauen unmittelbar vor dem Zeugungsakt von den Vorfahren erzählen? Dass schwangere Filippinas sich über die werdenden Väter rollen, um die Morgenübelkeit auf diese zu übertragen? Und dass Säuglinge auf Bali ganze sechs Monate lang nicht den Boden berühren dürfen und folglich ständig getragen werden? Aber auch in heimischen Gefilden geht’s skurril zu - etwa, wenn Friesen Gummistiefel tragen, um einen Seemann zu zeugen, oder Niederbayern zu Büchsenmachern werden, weil sie ein Mädchen zur Welt bringen. Und wenn Deutschland Fußball-Weltmeister wird, wird auch im Bett gejubelt - was neun Monate später einen regelrechten Baby-Boom auslöst.

Entdecken Sie zusammen mit Autorin Nadine Luck die skurrilsten und schönsten Bräuche rund ums Babymachen, -kriegen und -haben.


Die skurrilsten Babybräuche aus aller Welt, von der Zeugung über die Geburt und durch das erste Lebensjahr, von Ostfriesland bis Oberbayern und von den Inuit zu den Philippinen.

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Die Nabel der Welt

Wussten Sie, dass in Mali Männer ihren Frauen unmittelbar vor dem Zeugungsakt von den Vorfahren erzählen? Dass schwangere Filippinas sich über die werdenden Väter rollen, um die Morgenübelkeit auf diese zu übertragen? Und dass Säuglinge auf Bali ganze sechs Monate lang nicht den Boden berühren dürfen und folglich ständig getragen werden? Aber auch in heimischen Gefilden geht’s skurril zu – etwa, wenn Friesen Gummistiefel tragen, um einen Seemann zu zeugen, oder Niederbayern zu Büchsenmachern werden, weil sie ein Mädchen zur Welt bringen. Und wenn Deutschland Fußball-Weltmeister wird, wird auch im Bett gejubelt – was neun Monate später einen regelrechten Baby-Boom auslöst.

In diesem Buch sind die verrücktesten Babybräuche unserer Breiten und der ganzen Welt versammelt. Von Java bis Ghana, von Schottland bis Spanien, vom Allgäu bis Ostfriesland entdecken Sie, dass es zwischen Zeugung und erstem Geburtstag auch anders zugehen kann als in Ihrer Familie und bei Ihren Freunden.

Sammeln Sie Inspiration, ahmen Sie fleißig nach und beflügeln Sie Ihre Freunde mit lustigen Geschichten und tollen Ideen rund um Ihren persönlichen Nabel der Welt.

Empfohlen von »Leben & erziehen« (www.leben-und-erziehen.de)

Widmung

Für Valentin. Wie schön, dass Du geboren bist!

Inhalt

Landliebe oder Sex in the City – Die Zeugung

Timing ist alles: Vom richtigen Zeitpunkt, Kinder zu machen

Fruchtbarkeit oder: Die allgemeine Zeugungsreife

Notfallplan: Wenn es nicht klappt

Geist ist geil: Die spirituelle Zeugung

Blau machen – oder Rosa: Der Kampf der kleinen Geschlechter

Violett auf weiß: Der Schwangerschaftstest

Umstände weltweit – Die Schwangerschaft

Bräuche um die Bäuche: Der Beginn der Schwangerschaft

Das geht gar nicht: Der Schwangerschaftsknigge

Kein Futterpass: Der Speiseplan für Schwangere

Feste feiern: Ein Hoch auf die Hochschwangere

Der Beruf der Hebamme: Männer müssen draußen bleiben

Endspurt: Abwarten und Himbeerblättertee trinken

Jetzt kommt’s! – Die Geburt

Geburtsort: 1000 places to see when you’re born

Die Geburtsposition: Turnen für Fortgeschrittene

Die Schmerzverarbeitung: Viel Lärm oder nichts

Oh Mann: Die Rolle des Vaters

Tschüss, Mama: Abnabeln und Nachgeburt

Die Welt grüßt das Wunder – Willkommen, Baby!

Zwischen Gott und der Welt: Die ersten Stunden

Nicht Fisch, nicht Fleisch: Das Neugeborene zwischen zwei Welten

Heilende Hülle: Babys erste (Schutz-)Bekleidung

Baby-Flitterzeit auf der Isolierstation – Das Wochenbett

40 Tage hinter Schloss und Riegel: Rückzug mit Kind und Kegel

Kraft tanken: Warm und satt im Wochenbett

Hilfe für die erste Zeit: Von Familienfürsorge hin zum großen Betreuungsgeschäft

Männerkindbett: Erholung für das starke Geschlecht

Gesellschaft und Gesellschaften – Erste Besuche

Coming home: Begrüßungsdeko aus der Nachbarschaft

Rauschende Feste: Die Freunde zu Gast

Gold und Geld: Die Geschenke

Essen, Pflege, Schlafen, Transport – Alltag in Babyhausen

Ernährung: Von Zaubertränken und süßer wie saurer Breikost

Alles für’n Popo: Windeln jeder Couleur

Feuchtfröhlich: Babys beim Baden

Guten Abend, gute Nacht: Das Sandmännchen international

Babys Chauffeure: Mamas und Papas tragende Rolle

Wie sie alle heißen – Namensgebung

Alexander, Freitag oder Harriet: Der Name ist Programm

Taufe und Namensfeste: Feiern für Bürgerliche, Königs- und Gotteskinder

Die aufregendsten Premieren im ersten Lebensjahr – Das erste Mal

Der erste Haarschnitt: Kahlgeschoren, modisch oder mit Micky-Maus-Ohren

Der erste Zahn: Ein Meilenstein in Weiß

Der erste Sport: Total verrückte Babywettkämpfe

Der erste Geburtstag: Happy Birthday, Baby!

Danke

Autorin Nadine Luck

Impressum

Landliebe oder Sex in the City – Die Zeugung

Wie war das noch mit den Bienchen und den Blümchen? Ach so, das ist nur so ein Gleichnis für Eltern, die um den heißen Brei herumreden, wenn ihre Kinder fragen, woher um alles in der Welt die kleinen Babys kommen. Dabei geht es um die normalste Sache überhaupt – möchte man meinen. Die normalste Sache, die überall gleich abläuft, egal ob in Tschechien, China oder Marokko. Oder? Jein. Rein biologisch betrachtet ist der Zeugungsakt natürlich überall identisch. Das Drumherum beim Kindermachen jedoch ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Es geht den Menschen dieser Welt nicht nur darum, ob sie dabei Kuschelrock Nummer 34 hören oder ob Kerzenlicht scheint, ob sich die Missionarsstellung besser eignet oder ein kunstvoller Knoten des Kamasutra. In vielen Ländern der Erde kommt es vielmehr darauf an, die (Geschlechts-)Verkehrsregeln der jeweiligen Kultur einzuhalten, um sich und den Nachwuchs nicht ins gesellschaftliche Aus zu bugsieren. Dieses Kapitel blickt unter die Bettdecken dieser Welt.

Timing ist alles: Vom richtigen Zeitpunkt, Kinder zu machen

In hiesigen Breiten sprechen Paare oft davon, dass es keinen richtigen Zeitpunkt fürs Kinderkriegen gibt. Eine unvollendete Ausbildung, ein anstehender Karrieresprung, Reisepläne, Beziehungsprobleme – irgendetwas ist immer. Auch Heiraten und Kinderkriegen gehören in Europa längst nicht mehr zusammen: In Deutschland wird jedes dritte Kind unehelich geboren, in Schweden jedes zweite. Island ist diesbezüglich Weltmeister: Im Land der Elfen und Feen kommen zwei Drittel aller Kinder außerhalb einer Ehe zur Welt. Anders in Griechenland: Hier haben nur vier Prozent der frischgebackenen Eltern keinen Trauschein. Noch geordneter sind die Verhältnisse in Japan: Dort wird nur jedes hundertste Kind außerehelich geboren.

Vor allem in islamisch geprägten Ländern gibt es ihn hingegen schon, den einzig richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen – und zwar nach der Eheschließung. Am besten sehr flott danach, sonst machen sich die Verwandten einen großen Kopf ob des nicht vorhandenen Bauchs der Ehegattin. Uneheliche Kinder und vorehelicher Sex sind dagegen No-Gos im Islam. Uneheliche Kinder gehen denn auch leer aus, wenn ihr leiblicher Vater stirbt. Im Iran droht einem Paar, das beim vorehelichen Sex erwischt wird, sogar die Todesstrafe.

Doch auch in China, wo Kirche und Staat streng getrennt sind und Religionen keine große Rolle spielen, wünschen sich viele Männer eine Jungfrau zur Braut. Hier, wo falsche Rolex-Uhren und viele andere gefälschte Markenwaren für wenig Geld über den Ladentisch gehen, sind auch Operationen an der Tagesordnung, die gefälschten Jungfrauen ein zweites »Erstes Mal« ermöglichen.

Beim perfekten Timing zum Kinderkriegen ist den Chinesen der Blick in den Kalender wichtig. Eltern haben im Reich der Mitte bei der Zeugung das Tierkreiszeichen, das bei der Geburt regieren wird, im Auge. Ein chinesisches Tierkreiszeichen beeinflusst jeweils ein ganzes Jahr und nicht nur einen Monat, wie das bei den Sternzeichen der westlichen Astrologie der Fall ist (zu dieser Textstelle springen). Wer seinem Kind ein glückliches Leben ermöglichen will, achtet auf ein Glück bringendes Geburtsjahr. So gab es etwa im chinesischen Jahr des Pferdes, das von 31. Januar 2014 bis 18. Februar 2015 dauerte, einen Babyboom. Immerhin sollen Menschen, die in diesem Zeitraum geboren wurden, beliebt sein, gut gelaunt, kreativ und weise. Pferde stünden meist auf der Gewinnerseite. Klar, dass Eltern ihren Kindern das eher wünschen als im Jahr des Schafes geboren zu werden, das auf das Pferdejahr folgte. Denn dann soll der Nachwuchs zeitlebens von Unglück verfolgt sein. Die Chinesen nehmen ihren Kalender so ernst, dass sie teilweise sogar durch Geburtseinleitung oder Kaiserschnitt für das richtige Schutztier sorgen.

Gut zu wissen

Widder, Waage und Konsorten: Sonne, Mond und Sternzeichen

Jungfrauen sind die nüchternen Kollegen aus der Buchhaltung, die sich ständig über die unorganisierten, freiheitsliebenden Schützen aufregen? Jeder fünfte Deutsche glaubt gemäß der westlichen Astrologie an die Macht der Sterne und bekennt sich zum Einfluss von Horoskopen auf sein Leben. Viele Menschen sind überzeugt davon, dass die Sternenkonstellation während ihrer Geburt Charakter und Leben beeinflusst. Sie identifizieren sich mit dem Tierkreiszeichen, in dem die Sonne stand, als sie zur Welt kamen – es gibt ihr Sternzeichen an. Da die Sonne jeden Monat in ein anderes Tierkreiszeichen wechselt, dauert der Zyklus der zwölf Sternzeichen exakt ein Jahr. Wissenschaftliche Rückendeckung gibt es für den Einfluss der Sterne auf den Charakter des Menschen nicht. Dennoch soll es rationale Jungfrauen, dickköpfige Widder und hilfsbereite Wassermänner geben ...

Auch auf Malta haben Paare bei der Zeugung den Geburtstag ihres Babys im Blick. Denkbar schlecht wäre nämlich, es am 24. Dezember zu gebären – und das nicht nur, weil sich an Heiligabend so schlecht Kindergeburtstag feiern lässt. Auf der Mittelmeerinsel heißt es, dass sich die Geburtstagskinder des 24. Dezembers alle Jahre wieder in einen Geist namens Gawgaw verwandeln. Die Gawgaws spuken in der heiligen Nacht durch die Gegend, um andere Menschen durch ihr Stöhnen zu erschrecken. Kinder wachsen in Malta in dem Glauben auf, der Gawgaw würde sie holen, wenn sie sich schlecht benehmen, und sie dann in ein fernes Land entführen, wo sie an Hunger und Einsamkeit sterben. Wenn die Gawgaws am Morgen des ersten Weihnachtstages aufwachen, stecken sie wieder in ihren menschlichen Körpern und können sich nicht an den nächtlichen Spuk erinnern.

Ein günstiger Geburtstermin auf Malta ist hingegen der 15. August: Wenn ein junger Mann zu Mariä Himmelfahrt geboren wird, wird ein erfolgreicher Pferdejockey aus ihm. An und um diesen Tag herum steigen auf der Insel viele spektakuläre Feste, die Dörfer putzen sich heraus, Feuerwerke gehen in die Luft.

Generell rät der maltesische Volksglaube, in den Monaten Januar, April oder August zu heiraten und Kinder zu zeugen. Das sind die Monate, an denen der Boden am fruchtbarsten ist, und somit auch die Frau. Logisch, oder? Im Mai hingegen, dem in Deutschland beliebtesten Heiratsmonat, sollten sich Malteser eher nicht das Ja-Wort geben: Mai-Ehen halten entweder nicht, oder sie bringen ungehorsame Kinder hervor. Frischvermählte können dies nur verhindern, indem sie die Jungfrau Maria anbeten.

Gebetet wird überhaupt viel im kleinen Inselstaat. Zum Beispiel um Regen bei der Trauung. Das war jetzt kein Druckfehler. Die Malteser sind nämlich überzeugt davon, dass einer verregneten Hochzeit eine leichte Geburt des ersten Kindes folgt – egal ob es sich dabei um die eines Jockeys oder die eines Gawgaws handelt.

In Mitteleuropa dürfte bei der Zeugung der genaue Geburtstermin eine eher untergeordnete Rolle spielen. Die hiesigen Bewohner produzieren vielmehr kleine Babybooms, wenn sie gute Laune oder schlechten Fernsehempfang haben. Daher hatte die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2006 in Deutschland ein demografisches Nachspiel: Neun Monate nach dem sportlichen Sommermärchen stieg die Geburtenrate an, der fröhlichen Stimmung und vielleicht auch dem süffigen Bier sei Dank. Auch die Weltmeisterschaft in Brasilien im Jahr 2014 hat für Hochstimmung in Deutschlands Betten gesorgt, und 2015 soll es wieder einen Babyboom in Deutschland geben, dem WM-Titel sei Dank. Dasselbe erlebten die Franzosen im Jahr 1998: Damals wurde das Land Weltmeister, was neun Monate später mit vielen neuen, kleinen Ribérys gefeiert wurde.

Solche Kollektivschwangerschaften erleben unsere westlichen Gesellschaften sonst nur noch, wenn der Strom ausfällt. Just neun Monate, nachdem der Hurrikan »Sandy« über den USA gewütet und für Kerzenlicht statt für Fernsehflimmern gesorgt hat, sollen auffallend viele neue amerikanische Staatsbürger das (dann wieder elektrische) Licht der Welt erblickt haben.

Ticker-Info

Sudan: Hochzeit gilt erst nach dem zweiten Kind

Während in den meisten Ländern der Welt die Hochzeit traditionellerweise den Startschuss fürs Babymachen gibt, machen Kinder die Eheschließung im Stamm der Nuer im Sudan erst komplett: Hier gilt die Hochzeit bis zur Geburt des zweiten Kindes als nicht abgeschlossen. Solange es nur einen einzigen Nachfahren gibt, darf die Ehe noch geschieden werden. Erst beim zweiten Kind ist sie verbindlich, und sogar drei Kinder braucht es, damit sie und die Mutter zu vollwertigen Mitgliedern des Clans des Mannes werden. Das Ziel sind sechs Kinder.

Gut zu wissen

Studie: Großbritannien hat die ältesten Mütter

Englische und deutsche Ladys bekommen ihr erstes Kind weltweit am spätesten, sie sind bei der Geburt durchschnittlich 30 Jahre alt. Das ist das Ergebnis einer weltweiten OECD-Studie aus dem Jahr 2012. Rund ein Jahr jünger, nämlich 29 Jahre alt, sind die Erstgebärenden diverser weiterer Nationen wie Italien, Spanien, Korea, Schweiz, Niederlande, Japan. In skandinavischen Ländern sind die Frauen zu diesem Zeitpunkt rund 28 Jahre alt. Deutlich früher ist die Geburt der ersten Kinder von US-Amerikanerinnen: Sie sind im Mittel nur 25 Jahre jung, ebenso wie in Polen und Estland. Auffällig ist, dass Frauen aus ärmeren osteuropäischen und lateinamerikanischen Ländern vergleichsweise bald Mütter werden. Die jüngsten Mütter weltweit stammen aus Mexiko, hier sind die Mütter erst 21, gefolgt von Lettland mit 24,5 Jahren und Bulgarien mit fast 25 Jahren.

Fruchtbarkeit oder: Die allgemeine Zeugungsreife

Handystrahlen machen unfruchtbar, und wer beim Telefonieren Cola trinkt, Fahrrad fährt oder gar zu heiß badet, kann schlicht vergessen, jemals einen Stammhalter zu zeugen. Jedenfalls, wenn man modernen Fruchtbarkeitsmythen glaubt. Doch keine Sorge: Ganz so schlimm, wie es die aktuellen Ammenmärchen darstellen, sollte es zum Glück nicht um unsere Fruchtbarkeit bestellt sein, sonst wäre unsere immertelefonierende, Cola trinkende, Fahrrad fahrende Gesellschaft bereits im Begriff auszusterben. Außerdem hat jede Kultur ihre eigenen Tricks und Kniffe, um die Fruchtbarkeit wieder anzukurbeln. (Das Handy vor dem Kinderzeugen auszuschalten und seinen Partner anschließend mit voller Aufmerksamkeit zu verwöhnen, kann dennoch nicht schaden.) Eine Auswahl der kuriosesten Bräuche, die in der Regel während oder nach der Hochzeit stattfinden.

»Der Storch auf dem Baum erfüllt so manchen Kindertraum. Doch kann er das nicht ganz allein, ihr müsst ihm schon behilflich sein.« Durch einen Wink mit dem Zaunpfahl – oder vielmehr mit einem ganzen Baum – fordert die Hochzeitsgesellschaft vor allem im südlichen Bayern vom Brautpaar, baldigst ein Kind zu zeugen. Freunde stellen zur Hochzeit einen sogenannten Kindsbaum auf, einen fünf bis zehn Meter langen Stamm, der ähnlich wie ein Maibaum weiß-blau bemalt ist, in den bayerischen Landesfarben. An den Ästen hängen Babyaccessoires wie Kleidung, Schnuller, Lätzchen, und auf der Spitze hockt ein Storch. Gibt es innerhalb eines Jahres keinen Nachwuchs, montieren die Freunde den Baum wieder ab – und verlangen eine Brotzeit dafür. Kündigt sich der Nachwuchs rechtzeitig an, gibt es ebenfalls eine Brotzeit – auf Kosten der Freunde.

In Tschechien wird dem Brautpaar bereits vor der Heirat anschaulich demonstriert, wie das Ergebnis der Mühen in der Hochzeitsnacht aussehen soll: Vor der Hochzeitszeremonie wird ein Baby aus Fleisch und Blut im Bett des Paares platziert, was der Fruchtbarkeit dienen soll.

In Thailand wird es noch enger im ehelichen Schlafgemach: Hier ist es Brauch, dass Hochzeitsgäste das Bett vorwärmen. Das Paar, das am längsten verheiratet ist, legt sich hinein und segnet es, die gesamte (!) Hochzeitsgesellschaft steht drumherum. Wer glaubt, dass das Ehepaar zumindest danach Platz im Bett haben dürfte, irrt: Das »alte« Ehepaar legt sich nämlich nicht nur selbst ins Bett, es platziert darin auch Sesam, Reis, einen Steinstößel, Münzen und eine mit Regenwasser gefüllte Schüssel.

Die ganze Zeremonie soll Wohlstand symbolisieren und – genau – die Fruchtbarkeit stärken. Zum Glück räumt zumindest das alte Ehepaar wieder das Bett, die Gegenstände aber bleiben drei Tage lang darin liegen. Ob das frisch vermählte Paar sich während der Hochzeitsnacht gut vermehren kann, wenn es Angst haben muss, dabei das Regenwasser zu verschütten?

Ebenfalls aus Asien stammt der Brauch, frisch vermählte Paare mit Reis zu bewerfen. Die Anzahl der Reiskörner, die im Haar der Braut hängen bleiben, sagt die Anzahl der künftigen Kinder voraus. Aber Vorsicht: Es soll schon vorgekommen sein, dass Braut oder Bräutigam nach diesem Ritual beim Hals-Nasen-Ohrenarzt vorsprechen mussten, weil sich ein Reiskorn in den Gehörgang verirrt hatte.

Auch das Blumenstreuen in dem Moment, in dem das Brautpaar aus dem Standesamt oder der Kirche schreitet, soll Kindersegen bringen. Immerhin werden Fruchtbarkeitsgöttinnen durch den Duft der Blüten angelockt, so die Vorstellung. Sowohl das Reiswerfen als auch das Blumenstreuen sind vor deutschen Standesämtern und Kirchen häufig nicht mehr erlaubt, aus Angst, die Leute könnten auf Reis und Blumen ausrutschen. Kinder pusten stattdessen häufig Seifenblasen. Es bleibt zu hoffen, dass das kein Symbol dafür ist, dass der Kinderwunsch oder sonstige Träume des frisch vermählten Paares wie Seifenblasen zerplatzen.

Statt mit Blumen werden die Bräute der Massai in Kenia mit Beleidigungen überhäuft und vielleicht sogar mit dem Mist von Tieren eingerieben, um auf den steinigen Ehealltag vorbereitet zu sein. Dass der Brautvater Kopf und Brust der Tochter mit Milch bespuckt, soll ihr hingegen Kindersegen bringen. Er begleitet das Ritual mit den Worten: »Mögen dir viele Kinder beschert sein.« Leider ist die Braut im Gegensatz zum Bräutigam oft selbst noch ein Kind, denn häufig werden die Massai mit wesentlich älteren Männern zwangsverheiratet.

Auch der englische Honeymoon hat nichts als die Fruchtbarkeitsförderung im Sinn. Der Begriff heißt übersetzt »Honigmond« und leitet sich vom guten alten Honigwein (Met) ab. Frisch vermählte angelsächsische Paare sollen einem alten Brauch zufolge nach der Hochzeit einen Mondzyklus lang jeden Abend ein Gläschen davon trinken. Er soll Männer leistungsstark und Frauen fruchtbar machen. Die Wahrscheinlichkeit auf männlichen Nachwuchs soll sich durch den Zaubertrunk erhöhen. Vielleicht – aber das ist jetzt eine böse Unterstellung – sind die englischen Frauen auch einfach nur williger, wenn sie Abend für Abend Alkohol konsumieren.

Notfallplan: Wenn es nicht klappt

Ach, wenn das Kindermachen doch nur immer gelingen würde, sobald der Partner und die Umstände passen. Doch viele Paare dieser Erde müssen lange darauf warten, bis der Schwangerschaftstest schwarz auf weiß – beziehungsweise violett auf weiß – die frohe Botschaft verkündet. In Marokko, wo unfruchtbaren Frauen die Scheidung droht, gibt es für frisch vermählte Bräute daher das Label »fast schwanger«. Durch die Ankündigung, es werde bald gezeugt, lastet weniger Erfolgsdruck auf einer jungen Ehe, weil sich die Verwandten damit erst mal zufriedenstellen lassen.

Die Beinahe-Schwangerschaft ist nicht der einzige Notfallplan, den es in nordafrikanischen Gesellschaften für noch-nicht-schwangere Frauen gibt: In ländlichen Gegenden kursiert immer noch die Legende vom »schlafenden Kind« im Mutterleib. Diese besagt, dass sich in den Körpern von Frauen Föten einnisten, die jedoch in ihrer Entwicklung pausieren, weil sie gerade ein Nickerchen einlegen. Sie schlafen entweder spontan ein, aus einer Laune der Natur heraus – oder durch Fremdeinwirkung etwa eines Heilers. Bis die ungeborenen Kinder wieder aufwachen, können Monate oder gar Jahre ins Land ziehen. Wenn dieser Fall eingetreten ist, wachsen sie weiter – bis zur Geburt. Eine Schwangerschaft kann demnach in Marokko und anderen nordafrikanischen Ländern nicht nur neun Monate, sondern einige Jahre dauern.

Die Geschichte vom »schlafenden Kind« ist übrigens keine bewusste Hinhaltetaktik der »werdenden Mütter« – die »Schwangeren« sind in der Regel wirklich davon überzeugt, dass ein Fötus in ihrem Körper schlummert. Dieser Mythos ist ein wichtiger Schutz für Frauen in einer Gesellschaft, in der die Unfruchtbarkeit gravierende Folgen hat. Wenn sie nicht bald nach der Eheschließung schwanger werden, gewinnen sie durch diese Tradition Zeit, um vielleicht noch ein Kind zu bekommen. Oder sie gewinnen Zeit, um doch noch einen Sohn zu gebären, wenn es bisher »nur« Töchter gab. Sie können durch den Brauch des schlummernden Stammhalters der Scheidung entgehen oder erst mal mit dem Kindermachen pausieren, weil sie vielleicht bereits einige Geburten hinter sich haben.

Vielleicht wollen sie auch einfach nur mit der Geburt ihres Kindes warten, bis der Mann von einer langen Reise zurück ist.

Ein weiterer möglicher Vorteil einer in die Länge gezogenen Schwangerschaft ist, dass das spät geborene Kind einem Ehemann auch nach einer langen Reise, nach der Scheidung oder gar nach dem Tod untergeschoben werden kann – ein Segen für die Frauen und eine Chance, doch noch ans Erbe des Mannes zu gelangen. So verkündet die Deutsche Botschaft in Rabat auf ihrer offiziellen Internetseite www.rabat.diplo.de (Stand: Dezember 2014):

»Erbfähig ist, wer zum Zeitpunkt eines Erbfalls gezeugt ist (gem. Art. 84 [des »Code du Statut Personnel et des Successions« (CSPS)] kann die Schwangerschaft bis zu einem Jahr dauern) und lebend geboren wird.«

Ticker-Info

Zur Tradition der schlafenden Schwangerschaft gibt es auch einen marokkanischen Film: Das schlafende Kind, Regie: Yasemine Kassari, aus dem Jahr 2005.

Gut zu wissen

Eins plus eins: Zwei-Kind-Politik in China

Nicht nur beliebte Tierkreiszeichen des chinesischen Kalenders bestimmen das Paarungsverhalten im Reich der Mitte (zu dieser Textstelle springen), es ist vor allem die dortige Regierung, die größten Einfluss auf die Familienplanung der Bürger nimmt. Seit den Achtzigerjahren betreibt sie die sogenannte Ein-Kind-Politik, um Hungersnöten und Wirtschaftskrisen vorzubeugen. Wer seither ohne behördliche Erlaubnis mehr als ein Kind bekommt, muss mit einer hohen Geldstrafe sowie weiteren Sanktionen wie Jobverlust oder Benachteiligung bei Kindergarten- und Schulplätzen rechnen. Auch Zwangssterilisationen und Spätabtreibungen stehen auf der Tagesordnung, ebenso Abtreibungen von Mädchen, da Söhne als wertvoller gelten.

Ende 2013 lockerte die Regierung die Familienpolitik: Wenn eines der Elternteile selbst Einzelkind ist, darf das Paar fortan zwei Kinder bekommen. Bisher galt diese Ausnahme von der Ein-Kind-Regelung nur für Eltern, bei denen beide Partner geschwisterlos sind, sowie für Familien auf dem Land, deren erstes Kind ein Mädchen ist. Diese erhielten die Chance auf einen männlichen Stammhalter. Auch ethnische Minderheiten wie Tibeter oder Uiguren durften sich im Gegensatz zur Bevölkerungsmehrheit, der sogenannten Han-Chinesen, beim Kindermachen frei fühlen.

Die Folgen dieser Politik liegen auf der Hand: Frauenmangel, Förderung der Prostitution und des Mädchenhandels. Nur jeder fünfte männliche Chinese findet eine bessere Hälfte. Im Jahr 2020 dürfte es im Alter zwischen 10 und 29 Jahren 30 bis 40 Millionen weniger Frauen als Männer geben.

Auch in Zukunft dürften trotz der Lockerung der Gesetze Einzelkinder die Regel bleiben, denn die chinesische Gesellschaft hat sich bereits an dieses Familienmodell gewöhnt. Dazu kommt, dass hohe Lebenshaltungskosten den Fortpflanzungstrieb bremsen. Auch die Tatsache, dass nach wie vor für jede Geburt eine amtliche Genehmigung nötig ist, ist eher Hindernis als Aufforderung zum Kinderkriegen.

Insgesamt hat die strenge Familienpolitik der vergangenen Jahrzehnte die Geburt von rund 300 Millionen Kindern verhindert. Kritiker verurteilen die chinesische Familienregulierung als Angriff auf die Würde des Menschen, der das Recht auf selbstbestimmte Familienplanung mit Füßen tritt.

Ticker-Info

USA: Zeugungsverbot per Gerichtsbeschluss

Nicht nur in China redet der Staat bei der Fortpflanzung seiner Bürger mit, auch in den USA sind Zeugungsverbote immer wieder ein Thema. 2013 wurde ein Mann dazu verurteilt, während der kommenden fünf Jahre Bewährungszeit keine weiteren Kinder mehr zu bekommen. Diese richterliche Anordnung gilt, bis der säumige Vater den Rückstand von rund 100.000 Dollar (rund 73.000 Euro) bei den Unterhaltszahlungen an seine bereits geborenen vier Kinder begleicht. Seine Anwälte argumentierten, dass dies das Grundrecht auf Fortpflanzung einschränkt. Ein Berufungsgericht hat Mitte 2014 das Urteil der niedrigeren Instanz bestätigt. Wenn der Mann dennoch ein weiteres Kind zeugt, droht ihm eine Haftstrafe. Ähnliches hatte ein US-Kommandeur für seine in den Irak abkommandierte Truppe beschlossen: Wenn US-Soldatinnen schwanger wurden, sollten sie nach Informationen des US-Fernsehsenders ABC vor ein Militärgericht gestellt werden. Ist der Erzeuger ebenfalls Soldat, steht auch ihm eine Strafe bevor.

Geist ist geil: Die spirituelle Zeugung

Ein Spermium dringt in die Eizelle ein – und fertig ist die Zeugung? Mitnichten! In vielen Kulturen ist die Zeugung nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein spiritueller Akt. Und noch mehr: Um als schwanger zu gelten, genügt in manchen Völkern allein die geistige Befruchtung.

Bei den Dogon etwa, einer Volksgruppe aus dem westafrikanischen Mali, empfängt die Frau nur dann ein Kind, wenn ihr der Mann vor dem Liebesakt Geschichten von den Vorfahren erzählt, so der Volksglaube. Undenkbar in unseren Breiten, wo Anekdoten von der Schwiegermutter als Liebestöter fungieren! Bei den Dogon jedoch fließen die Geschichten in den Körper der Frau und werden dort zu einer Flüssigkeit, die Merkmale des Mannes trägt. Andere Quellen berichten, dass die Zeugung bei den Dogon auch gelingt, wenn Mann und Frau sich beim Geschlechtsverkehr die Liebe schwören. Diese Praxis wird auch hierzulande zur Nachahmung empfohlen.

Die Onge, die auf den Andamanen südwestlich von Burma leben, holen sich die Kinder quasi aus dem Meer. Will eine verheiratete Frau Mutter werden, steigt sie bei Ebbe auf einen der Steine am Ufer, die der Legende nach einst Kinder gewesen sind. Eins davon schlüpft nun in ihren Körper, um wieder ein Mensch aus Fleisch und Blut zu werden.

Bei den Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, existiert das Kind bereits vor der Zeugung als Seele. Das sogenannte Geistkind und seine Eltern suchen sich gegenseitig, denn für die körperliche Zeugung ist es unerlässlich, dass sich die Familie findet. Wenn das Paar nämlich kein Geistkind hat, kann sich daraus kein Baby aus Fleisch und Blut entwickeln.

Wo sich Eltern und Geistkind finden? Es kommt vor, dass der werdende Vater die Seele seines Nachwuchses bei der Jagd oder beim Angeln erkennt, in Gestalt eines Wildtieres oder eines Fisches. Vielleicht träumt er auch vom Stammhalter. Sobald er ihn gefunden hat, reicht er ihn an seine Frau weiter. Wenn der Vater das Geistkind bei der Jagd erbeutet, hat dieses nach seiner »echten« Geburt ein Mal an der verwundeten Stelle.

Doch die Frauen der Aborigines brauchen für die Empfängnis eines Geistkindes nicht zwingend männlichen Beistand. Wünschen sie sich Nachwuchs, suchen sie einen heiligen Kraftort auf, etwa eine sogenannte »Fruchtbarkeitshöhle« am heiligen Berg Uluru, dem weltbekannten Ayers Rock. Die eigentlich raue Oberfläche der Felswände ist dort glatt gerieben, da der Kontakt mit ihr die künftigen Mütter fruchtbar machen soll.

Im Anschluss an dieses Ritual lassen diese sich in der Nähe von Teichen, Bäumen oder Felsen rund um den Uluru nieder – an Orten, wo sich der Legende nach Geistkinder tummeln. Dort locken die Frauen ihren Nachwuchs in ihren Schoß. Sehen können sie ihn meist nicht, denn Geistkinder sollen so klein wie Walnüsse sein, dunkle Haut und/oder dunkle Haare mit hellen Strähnen haben. Die Aborigines im Westen Australiens sind überzeugt davon, dass die Geistkinder übers Land wandern und sich ebenso wie »normale« Kinder in Teichen tummeln.

Beim Stamm der Dagara im westafrikanischen Burkina Faso beginnt das Leben des Kindes ebenfalls deutlich vor der körperlichen Empfängnis, die Seele lebt bereits im Jenseits. Als Geburt gilt der Zeitpunkt, an dem die Mutter die Anwesenheit ihres künftigen Babys spürt, in Gedanken oder im Traum. Wenn sie bereit ist, ihr Kind zu empfangen, verlässt sie ihr Dorf und nimmt im Schatten eines Baumes Platz. Hier wartet sie, bis ihr das persönliche Lied ihres Kindes in den Sinn kommt. Dieses Lied wird das künftige Kind sein Leben lang begleiten, während der Schwangerschaft, der Geburt – bis zum Tod. Sobald seine Mutter diese Melodie gehört hat, kehrt sie zurück ins Dorf und bringt sie dem künftigen Vater bei.

Bis es zur körperlichen Zeugung kommt, muss allerdings noch die Beziehung der beiden intakt sein. Immerhin ist sie das »Haus«, in dem das Kind später leben wird. Im offenen Gespräch räumt das Paar seine Probleme aus dem Weg. Auch ihre eigenen frühkindlichen Verletzungen verarbeiten Mutter und Vater im Vorfeld der Zeugung, um sie nicht an den Nachwuchs weiterzugeben. Üblich ist auch ein offenes Gespräch mit der gesamten Dorfgemeinschaft – denn bei den Dagara ist nichts privat. Eine Beziehung ist nicht nur Sache der Liebenden, sie geht alle an. Als Friedenszeichen tauscht das Paar nach der Paartherapie Wasser aus, in welcher Form auch immer – manchmal schüttet es sich sogar ganze Wassereimer über den Kopf.

Wenn sie schließlich bereit sind, das Kind auch körperlich zu empfangen, kommt es zum Geschlechtsverkehr. Für die musikalische Untermalung sorgt das Paar höchstselbst: Es singt das Lied des Kindes, um es einzuladen und willkommen zu heißen.

Blau machen – oder Rosa: Der Kampf der kleinen Geschlechter

»Uns ist egal, was es wird – Hauptsache, der Bub ist gesund!« Dieser Spruch trifft ganz gut, was sich Paare in den meisten Kulturen der Welt vor der Geburt des ersten Babys wünschen. Ein Stammhalter soll her, sei es aus materiellen Gründen, weil ein Junge später den Bauernhof übernehmen, die Eltern versorgen oder gar einen Thron besteigen soll, und weil die Mitgift für das Mädchen bei der späteren Hochzeit schlicht ruinös wäre für die Familie. Oder sei es aus emotionalen Gründen, weil Männer gerne ihren Namen vererben oder gemeinsam mit einem Sohn den Fußballclub anfeuern wollen. Andererseits wünschen sich auch viele Familien ein Mädchen, damit Mama noch einmal eine Glitzerphase ausleben und die Tochter in Fifty Shades of Pink einkleiden kann. Der Volksglaube in diversen Ländern hat viele Möglichkeiten in petto, um das Geschlecht teilweise schon vor der Schwangerschaft vorherzusagen – oder es sogar gezielt zu beeinflussen. Die Trefferquote gibt den Wahrsagern häufig recht: Sie liegt bei immerhin rund 50 Prozent.

Bei den Eskimos muss das Paar kräftig rackern, sofern es einen Jungen will. Die Eisbewohner glauben, dass sie für einen Jungen mehr Sex haben müssen als für ein Mädchen, denn ein kräftiger Sohn müsse erst »aufgebaut« werden. Aus diesem Grund schlafen sie auch während der Schwangerschaft noch eifrig miteinander. Eine der Sexstellungen soll auch Eskimorolle genannt werden. (Das war jetzt gelogen). Zusätzlich zum regen Geschlechtsverkehr hilft ein Power-Drink bei der Zeugung eines Stammhalters: Wenn die werdende Mutter Wasser trinkt, auf das der Mond geschienen hat, erhöhen sich die Chancen auf einen Sohn weiter. Zeigt sich der Mond in den Nächten nach der Zeugung auffallend oft, ist das ein Zeichen, dass es wohl geklappt hat mit dem Wunschgeschlecht.

In Deutschland dürfte es vergleichsweise einfach sein, einen Jungen zu zeugen: Hier schlüpft der Mann beim Geschlechtsakt in Gummistiefel. Den Friesen zufolge gibt es dann sogar einen Seemann. Gummistiefel zu tragen ist zwar nicht so erotisch wie wenn die Dame der Schöpfung beim Liebesgeschehen in Stöckelschuhe steigt – aber sachdienlicher sollen sie halt sein. Doch: Aus vertraulichen Quellen wissen wir, dass die Sache mit den Gummistiefeln nicht immer klappt. Wer sich ganz dolle einen Sohn wünscht, sollte daher möglicherweise zusätzlich einen Brauch aus ländlichen Gegenden Süddeutschlands versuchen: Wenn der Bräutigam während der Hochzeitsnacht Hosenträger aus dem Fenster hängt, sollte die Zeugung eines Stammhalters gelingen. Ein guter Grund dafür, in Deutschland einen Jungen zu zeugen, ist nicht nur, dass Papa später einen Fußballkumpel kriegt. Es heißt auch, dass ein Mädchen der schwangeren Mutter die Schönheit raubt, während ein Junge sie zum Blühen bringt. Das Mädchen mache der Mutter schon in der Schwangerschaft als künftige Rivalin das Leben schwer.

Ist der Babybauch spitz, wird es ein Junge, ist er breit, wird es ein Mädchen. Richtig? Die Engländer sagen: »Right« – und haben auch eine Erklärung für dieses Phänomen parat: Jungs brauchen ihre Unabhängigkeit, also sind sie tiefer und/oder weiter vorne im Bauch. Mädchen brauchen mehr Schutz, also drücken sie sich möglichst weit nach oben, ganz eng und mit möglichst viel Tuchfühlung an die Mutter.

Um die Bauchform-Theorie zu unterstützen, pendeln viele werdende Mütter das Geschlecht ihres Kindes aus. Dieser Brauch stammt von den ungarischen Roma und ist längst in ganz Europa verbreitet. Hierfür wird ein Ring, am besten der Ehering, an einem Faden befestigt und über den Nabel der Schwangeren gehalten, die auf dem Rücken liegt. Wenn das Pendel nun Kreise formt, ist das ein Hinweis auf ein Mädchen. Schwingt es wie das Ticktack-Pendel einer alten Standuhr von einer Seite zur anderen, wird’s ein Junge. Wenn die Prognose nicht gestimmt hat, war die Uhr kaputt.