Die Narzisstin - Elisabeth Gladigau - E-Book

Die Narzisstin E-Book

Elisabeth Gladigau

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Beschreibung

Der Titel " Die Narzisstin" verweist auf die zentrale Figur des Romans - Annas Mutter. Sie ist keine gewöhnliche Frau, sondern eine gefährliche Narzisstin, die mit Manipulation und Lügen das Leben ihrer Tochter zerstört,Der Titel verkörpert die Macht der Mutter über Anna und den Kern des Thrillers: die zerstörerische Dynamik einer Beziehung, in der Liebe zur Waffe wird.

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Die Rückkehr

2. Das Haus der Schatten

3. Kindheit in Ketten

4. Die Tropfen

5. Stimmen im Dunkeln

6. Das Wiedersehen

7. Alte Wunden

8. Spiegel der Erinnerung

9. Gefangen in der Vergangenheit

10. Der Plan der Mutter

11. Ein Netz aus Lügen

12. Die Eskalation

13. Feuer im Herzen

14. Blutige Wahrheit

15. Der Prozess

16. Die Zelle

17. Ich habe nichts gesagt

18. Der Brief

19. Enthüllung

20. Das Erbe der Dunkelheit

21. Doppelgesicht

22. Der Fremde

23. Spiegelkrieg

24. Die Schwelle

25. Das Opfer

26. Aus der Asche

27. Das Vermächtnis

28. Die Einladung

29. Der Zirkel

30. Die Versammlung

31. Der erste Schlag

32. Am Abgrund

33. Feuer im Blut

34. Asche und Schwur

35. Spiegel der Macht

36. Unter Beobachtung

37. Verdacht

38. Zerbrochene Wahrheit

39. Der Abstieg

40. Die Nacht der Stimmen

41. Der Jäger im Dunkeln

42. Fesseln der Schuld

43. Blutige Spuren

44. Spiegel ohne Gesicht

45. Die Jagd im Spiegel

46. Der Ausbruch

47. Jagd durch die Nacht

48. Kein Entkommen

49. Nebel im Blut

50. Das letzte Lachen

Vorwort

Es gibt Geschichten, die nicht erfunden werden müssen, weil sie mitten in unserer Realität beginnen – dort, wo Familie zur Falle wird und Liebe zur Waffe.

„Die Narzisstin“ ist kein gewöhnlicher Thriller. Es ist ein Psychodrama über Macht, Manipulation und das unheilvolle Band zwischen Mutter und Tochter. Über eine Frau, die alles daransetzt, ihre Tochter zu kontrollieren und zu zerstören. Und über eine Tochter, die lernen muss, dass man der Vergangenheit nicht entkommen kann – selbst wenn man versucht, sie niederzubrennen.

Dieser Roman nimmt Sie mit auf eine Reise in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Psyche. Nichts ist so, wie es scheint. Niemand ist sicher vor der Wahrheit im Spiegel.

Wenn Sie das Buch aufschlagen, seien Sie gewarnt: Sie betreten eine Welt, in der Vertrauen tödlich sein kann – und in der selbst die engsten Bande zu Stricken werden, die einem die Luft zum Atmen nehmen.

Willkommen in der Geschichte von Anna.

Willkommen in der Welt von „Die Narzisstin“.

Kapitel 1 – Heimkehr

Der Zug ratterte durch die englische Landschaft, monoton, unerbittlich. Das rhythmische Schlagen der Räder auf den Schienen war wie ein Herzschlag, der nicht ihr gehörte: Zurück. Zurück. Zurück.

Anna saß am Fenster, die Stirn an die kühle Scheibe gelehnt. Draußen zogen weite Felder vorbei, graue Dörfer mit schiefen Schornsteinen, Nebel, der wie ein Leichentuch über den Wiesen lag. Alles wirkte friedlich – und doch wuchs in ihr eine Beklemmung, die ihr die Luft abschnürte.

Ihre Finger krallten sich um den Umschlag in ihrer Manteltasche.

Das Papier war längst zerknittert, weil sie es seit Tagen immer wieder hervorgeholt, gelesen, zusammengeknüllt und erneut glattgestrichen hatte. Ein Brief.

Der Brief, der sie in diesen Zug gezwungen hatte.

„Anna, wenn du dies liest, bin ich vielleicht schon nicht mehr da. Du musst zurück ins Haus. Dort findest du die Wahrheit. Vertraue nicht deiner Mutter. – Vater.“

Seit sie diese Worte gelesen hatte, brannte der Brief in ihrer Hand wie ein Stück glühende Kohle. Ihr Vater – der stille, gebrochene Mann, der eines Tages einfach verschwunden war. Die Mutter hatte immer behauptet, er sei schwach gewesen, unfähig, Verantwortung zu tragen.

Doch in diesem Brief klang er anders: klar, entschlossen, fast flehend.

Anna sog zitternd die Luft ein. Ihr Herz schlug unregelmäßig, schneller, je näher der Zug ihrem Ziel kam. Bilder stürmten in ihren Kopf, brutal und grell:

Ihre Mutter, die sie im Badezimmer unter Wasser drückte, das Gesicht kalt, ungerührt. „So fühlt sich Liebe an.“

Weiße Flure in der Psychiatrie, das Klicken von Schlüsseln, das bittere Schlucken von Tabletten.

Ihr Vater, der sie heimlich in den Arm nahm, während er selbst wie ein Schatten zerfiel.

Sie presste die Augen zu, doch die Bilder klebten an ihr wie Schmutz, der sich nicht abwaschen ließ.

Der Lautsprecher knisterte: „Nächster Halt: Ashford.“

Ashford.

Der Name allein ließ ihr Herz stolpern. Der Ort, den sie fünfzehn Jahre lang gemieden hatte. Der Ort, den sie nun nicht länger vermeiden konnte.

Der Zug bremste, quietschte, kam ruckend zum Stehen. Anna stand auf, die Beine schwer wie Blei. Sie stieg aus, und die feuchte Kälte schlug ihr entgegen wie eine Wand. Der Bahnsteig war fast leer, nur ein alter Mann mit Hund schlurfte am anderen Ende entlang. Der Wind roch nach Regen, Eisen und altem Stein.

Sie verließ den Bahnhof. Die Straßen von Ashford wirkten wie eingefroren in einer anderen Zeit: viktorianische Backsteinhäuser, eiserne Tore, efeubewachsene Mauern. Jede Ecke kannte sie – und doch war alles fremd geworden. Oder sie selbst war es.

Schon nach wenigen Minuten sah sie es: das große viktorianische Elternhaus am Ende der Straße. Es ragte auf wie ein dunkler Monolith, die Fenster wie starre, tote Augen. Der Garten war tadellos gepflegt, kein Blatt lag falsch. Typisch ihre Mutter.

Anna blieb stehen. Ihr Herz raste, ihre Finger verkrampften sich um den Griff des Koffers. Alles in ihr schrie,

umzudrehen. Aber der Brief in ihrer Tasche pochte wie ein Herzschlag: Zurück ins Haus. Dort findest du die Wahrheit.

Sie zwang sich vorwärts. Jeder Schritt auf dem Kiesweg klang viel zu laut. Schließlich stand sie vor der schweren Eingangstür. Der Schlüssel lag kalt in ihrer Hand. Sie atmete tief durch, steckte ihn ins Schloss – und drehte.

Die Tür öffnete sich langsam. Der Flur lag vor ihr, makellos wie immer: polierte Dielen, frisch geputzte Spiegel, der Geruch von Möbelpolitur und Jasmin. Nichts hatte sich verändert. Es war, als hätte die Zeit hier stillgestanden.

Und dann hörte sie es.

„Na endlich.“

Die Stimme traf sie wie ein Schlag. Zucker und Gift in einem.

Am Ende des Flures stand ihre Mutter. Das Haar streng zurückgekämmt, die Lippen blutrot, das Kleid tadellos. Sie lächelte – dieses Lächeln, das Fremde bezauberte und Anna das Blut in den Adern gefrieren ließ.

„Du lässt dir immer Zeit, Anna. Schon als Kind warst du zu langsam.“

Anna zwang sich zu einem gepressten „Hallo, Mama.“

Die Augen der Mutter wanderten langsam über sie, prüfend, abwertend. Schließlich schürzte sie die Lippen. „Dünn bist du geworden. Blass. Kein Wunder, dass dich niemand will. Aber …“ Sie trat näher, ihre Absätze hallten auf dem Holz wie kleine Hammerschläge. „Zum Glück hast du ja mich. Hier gehörst du hin.“ Anna fühlte, wie ihre Kehle eng wurde. Alles in ihr wollte fliehen – doch ihre Beine gehorchten nicht.

Die Mutter streckte die Hand aus, strich ihr über die Wange. Es sah aus wie eine zärtliche Geste, aber der Griff war zu fest. Ein Besitzanspruch.

„Trotzdem bist du wieder hier,“ flüsterte sie. „Du siehst, niemand entkommt seiner Mutter.“

Die Standuhr im Flur schlug, dumpf, unerbittlich.

Anna wusste: Sie war wieder gefangen.

Kapitel 2 – Erste Risse

Am nächsten Morgen saß Anna in der Küche. Die alte Standuhr im Flur tickte gleichmäßig, doch in ihrem Kopf hallte jedes Geräusch wie ein Schlag. Der Tisch war gedeckt, makellos wie aus einem Katalog: Porzellan, frische Blumen, sogar Marmelade in kleinen Kristallschälchen.

Ihre Mutter bewegte sich lautlos zwischen Herd und Tisch, so anmutig, als würde sie auf einer Bühne stehen. Alles an ihr war kontrolliert – jeder Handgriff, jeder Blick. Sie legte zwei Teller auf den Tisch, schenkte Tee ein.

„Die Nachbarn werden sich freuen, dich zu sehen,“ begann sie beiläufig. Ihre Stimme war hell und freundlich, als plaudere sie über das Wetter. „Fünfzehn Jahre bist du weg gewesen, das hat Eindruck hinterlassen. Ich habe ihnen natürlich erklärt, warum.“

Anna hob den Kopf. „Warum?“

Ihre Mutter stellte den Teekessel ab, drehte sich zu ihr um, die Hände gefaltet, das Lächeln perfekt. „Nun ja, sie haben gefragt, ob es dir gut geht. Und ich habe gesagt: Anna ist sehr sensibel. Sie hat es manchmal schwer mit der Realität. Aber sie ist ein gutes Mädchen. Sie meint es nie böse.“

Anna starrte sie an. „Das hast du gesagt?“

Die Mutter trat näher, legte die Fingerspitzen an Annas Schulter, sanft, fast liebevoll. „Natürlich. Ich habe dich geschützt. Was hätte ich denn sonst sagen sollen? Dass du Stimmen hörst? Dass du Dinge siehst, die nicht da sind? Die Leute hätten Angst vor dir.“

Anna zog den Arm weg. „Ich bin nicht krank.“

„Ach, mein Schatz.“ Die Stimme ihrer Mutter war jetzt noch weicher, fast flüsternd. „Genau das sagen Kranke immer.“

Ein Schwindelgefühl durchzog Anna. Sie spürte, wie die Worte in ihr nachhallten, wie kleine Nadeln, die sich festsetzten.

Ein Bild blitzte auf: Sie war acht Jahre alt, hatte im Garten geweint, weil sie gestürzt war. Ihre Mutter stand vor ihr, die Hände auf den Hüften. „Hör auf, so zu tun.

Du blamierst mich. Niemand mag Kinder, die heulen.“ Damals hatte sie aufgehört zu weinen. Heute spürte sie den gleichen Druck in der Brust.

„Du hast kein Recht, über mich zu reden,“ brachte Anna hervor.

Die Mutter beugte sich zu ihr, so nah, dass Anna ihren Jasmin-Duft riechen musste. „Ich habe jedes Recht. Denn niemand glaubt dir, Anna. Sie glauben mir. Immer.“

Die Worte schnitten tief. Anna wollte schreien, widersprechen – doch ihre Stimme versagte.

„Du bist krank,“ hauchte die Mutter, während sie ihr eine Strähne aus der Stirn strich. „Aber keine Sorge … ich bin die Einzige, die dich retten kann.“

Anna erstarrte. Sie wusste nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. In diesem Moment fühlte sie sich kleiner als je zuvor.

Und irgendwo in ihr begann die Frage zu nagen, ob ihre Mutter recht hatte.

Kapitel 3 – Das alte Netz

Das Haus war still, als Anna später die Treppe hinaufstieg. Die Stille hier war nie friedlich. Sie war dicht, bedrückend, wie eine unsichtbare Decke, die sich über alles legte.

Anna blieb kurz stehen, legte die Hand auf das Geländer. Es war kalt, glattpoliert – wie damals. Ein vertrauter Schauer kroch ihr den Rücken hinauf. Als Kind hatte sie oft das Gefühl gehabt, das Haus atme. Und jetzt, nach all den Jahren, war dieses Gefühl sofort wieder da.

Sie ging weiter. Im Flur des Obergeschosses hingen noch immer dieselben Bilder: Familienfotos, die nie wirklich nach Familie aussahen. Auf jedem Foto stand die Mutter im Mittelpunkt – perfekt gekleidet, makellos lächelnd. Der Vater wirkte blass und unscheinbar, fast wie eine Randfigur. Und Anna … Anna sah auf fast jedem Bild aus, als stünde sie neben einer Fremden Sie spürte, wie die Luft hier schwerer wurde. Der Jasmin-Duft kroch bis hierher, vermischte sich

mit Möbelpolitur und etwas Metallischem, das Anna nicht einordnen konnte.

Sie öffnete die Tür zu ihrem alten Zimmer. Alles war noch da. Das Regal mit den Büchern, die sie als Teenager gelesen hatte, die Schreibtischlampe, der alte Spiegel an der Wand. Es war, als hätte ihre Mutter den Raum konserviert – nicht aus Liebe, sondern aus Kontrolle.

Anna setzte sich auf das Bett, das leise knarrte. Für einen Moment schloss sie die Augen. Erinnerungen fluteten zurück.

Sie sah sich, wie sie hier als Kind Hausaufgaben machte. Ihre Mutter stand hinter ihr, die Hände auf den Rücken gelegt, und kommentierte jeden Fehler mit einem Seufzen, das lauter war als jede Ohrfeige. „So wirst du nie etwas erreichen, Anna.“

Anna schüttelte den Kopf, wollte die Bilder vertreiben. Doch stattdessen fielen ihr die Worte des Briefes wieder ein: „Du musst zurück ins

Haus. Dort findest du die Wahrheit.“

Aber wo?

Sie stand auf, ging langsam durch den Raum, als suche sie etwas, ohne zu wissen, wonach. Der Blick fiel auf den Spiegel. Sie trat näher. Ihr Gesicht blickte ihr entgegen – blass, angespannt, die Augen gerötet. Doch für einen Moment meinte sie, etwas anderes zu sehen: ein Schatten hinter ihr, eine Bewegung, ein Hauch.

„Reiß dich zusammen,“ flüsterte sie.

Sie wandte sich ab, ging zum Fenster. Draußen im Garten stand ihre Mutter, das Haar streng zurückgebunden, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Sie redete mit der Nachbarin – und lachte. Ein herzliches, warmes Lachen. So, wie es nur Fremde zu hören bekamen.

Anna presste die Stirn gegen die Scheibe. Sie wusste genau, was die Mutter dort draußen erzählte. Dass Anna zerbrechlich sei. Dass sie ihre Tochter aufgenommen habe, obwohl es schwer sei, obwohl man so viel Geduld brauche.

Dass sie – die Mutter – alles ertrage, aus reiner Liebe.

Das alte Netz. Gesponnen aus Lügen, Halbwahrheiten und perfekter Inszenierung. Es hatte Anna schon als Kind eingeschnürt. Und jetzt spannte es sich erneut um sie, fester, dichter.

Sie trat vom Fenster zurück, atmete schwer. Das Gefühl, beobachtet zu werden, blieb. Ob von der Mutter, von den Nachbarn – oder vom Haus selbst, konnte sie nicht sagen.

Nur eines war sicher: Sie war zurück in dem Netz, das sie einst fast zerstört hatte.

Kapitel 4 – Der Bruch

Es war Abend. Regen prasselte gegen die Scheiben, und das Klirren der Tropfen verstärkte nur die bedrückende Stille im Haus. Anna saß im Wohnzimmer, die Arme um sich geschlungen, während die Standuhr unerbittlich tickte.

Ihre Mutter kam herein, ein Glas Rotwein in der Hand, so makellos wie immer. Kein Haar fehlte an seinem Platz, keine Falte störte das Bild. Sie setzte sich gegenüber in den Sessel, schlug die Beine übereinander und sah Anna an, als mustere sie ein interessantes Insekt.

„Weißt du, Anna,“ begann sie, die Stimme samtweich, „ich frage mich oft, warum du so … schwach geworden bist.“

Anna richtete sich auf. „Schwach?“

„Ja.“ Ein kühles Lächeln. „Du hattest immer die Chance, stark zu werden. Ich habe dir alles beigebracht: Disziplin, Ordnung, Selbstkontrolle. Und was machst du daraus? Du läufst weg, zerbrichst, kommst als Wrack zurück. Ich hätte Besseres verdient.“

Anna spürte, wie ihr Herz schneller schlug. „Du hast mich nie geliebt. Du hast mich zerstört.“