Die neue Praxis Dr. Norden 7 – Arztserie - Carmen von Lindenau - E-Book

Die neue Praxis Dr. Norden 7 – Arztserie E-Book

Carmen von Lindenau

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Beschreibung

Danny Norden und seine Sprechstundenhilfe werden zu einem Brand gerufen, der viele Verletzte gefordert hat. Sprechstundenhilfe Lydia und ihr Freund Thomas, beide Einsatzkräfte bei der Feuerwehr, befinden sich im Inneren des Gebäudes, um Verletzte zu bergen, als eine Wand einstürzt und Thomas unter sich begräbt. Nach der überaus schwierigen Bergung, bei der auch Dr. Danny Norden hilft, sieht Lydia gleich, wie schwer verletzt ­Thomas ist, so schwer, dass er in ein künstliches Koma versetzt werden muss. Lydia leidet unter Schuldgefühlen, weil sie sich einredet, ihm nicht schnell genug geholfen zu haben. Als Thomas aus dem Koma aufwacht, ist nichts mehr, wie es war … "Mei, heut ist so ein Tag, da würd ich am liebsten gar nicht mehr von hier fortgehen", erklärte die pummelige Mittsechzigerin in dem blauen Trachtenkostüm, die vor dem Empfangstresen in der Praxis Norden stand. "Und warum ist das so, Frau Meier?", fragte Sophia von Arnsberg, die hübsche junge Frau mit dem hellblonden Haar, die hinter dem Tresen stand und die Patienten in der Reihenfolge ihres Eintreffens in eine Liste eintrug. "Ich denke, es ist wegen unserer Klimaanlage", klärte sie Lydia Seeger auf. Ihre Kollegin, eine sportliche junge Frau mit kinnlangem dunkelblondem Haar, stand neben ihr und übertrug die Ergebnisse der Laboruntersuchungen, die das Institut ihnen jeden Morgen per E-Mail zusandte, in die Patientenblätter. "Ganz genau, schön kühl habt ihr's hier", stimmte Gusti Meier Lydia zu. "Da wird der eine oder andere sich doch gleich wohler fühlen, wenn er nur ein bissel Zeit bei euch im Wartezimmer verbringt." "Zum Abkühlen würde ich Ihnen einen Aufenthalt im Schwimmbad oder die Anschaffung einer Klimaanlage empfehlen. Wir sind nämlich kein Wellnesstempel, sondern eine Arztpraxis. Das wissen Sie doch, Frau Meier", entgegnete Lydia und sah Gusti mit strenger Miene an. "Es spricht nichts dagegen, sich in einer Arztpraxis wohlzufühlen. Meistens ist man doch recht angespannt, wenn man sich entschließt, einen Arzt aufzusuchen, weil man Angst vor einer schlimmen Diagnose hat." "Das trifft auf Sie aber nicht zu, Frau Meier. Sie haben sicher keine Angst, eine Arztpraxis aufzusuchen." "Seitdem ich hierherkomme, ist es nicht mehr so, weil es hier halt recht gemütlich ist." "Das nehme ich dann mal als Kompliment.

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Die neue Praxis Dr. Norden – 7 –

Ich will stark sein für dich!

Carmen von Lindenau

»Mei, heut ist so ein Tag, da würd ich am liebsten gar nicht mehr von hier fortgehen«, erklärte die pummelige Mittsechzigerin in dem blauen Trachtenkostüm, die vor dem Empfangstresen in der Praxis Norden stand.

»Und warum ist das so, Frau Meier?«, fragte Sophia von Arnsberg, die hübsche junge Frau mit dem hellblonden Haar, die hinter dem Tresen stand und die Patienten in der Reihenfolge ihres Eintreffens in eine Liste eintrug.

»Ich denke, es ist wegen unserer Klimaanlage«, klärte sie Lydia Seeger auf. Ihre Kollegin, eine sportliche junge Frau mit kinnlangem dunkelblondem Haar, stand neben ihr und übertrug die Ergebnisse der Laboruntersuchungen, die das Institut ihnen jeden Morgen per E-Mail zusandte, in die Patientenblätter.

»Ganz genau, schön kühl habt ihr’s hier«, stimmte Gusti Meier Lydia zu. »Da wird der eine oder andere sich doch gleich wohler fühlen, wenn er nur ein bissel Zeit bei euch im Wartezimmer verbringt.«

»Zum Abkühlen würde ich Ihnen einen Aufenthalt im Schwimmbad oder die Anschaffung einer Klimaanlage empfehlen. Wir sind nämlich kein Wellnesstempel, sondern eine Arztpraxis. Das wissen Sie doch, Frau Meier«, entgegnete Lydia und sah Gusti mit strenger Miene an.

»Es spricht nichts dagegen, sich in einer Arztpraxis wohlzufühlen. Meistens ist man doch recht angespannt, wenn man sich entschließt, einen Arzt aufzusuchen, weil man Angst vor einer schlimmen Diagnose hat.«

»Das trifft auf Sie aber nicht zu, Frau Meier. Sie haben sicher keine Angst, eine Arztpraxis aufzusuchen.«

»Seitdem ich hierherkomme, ist es nicht mehr so, weil es hier halt recht gemütlich ist.«

»Das nehme ich dann mal als Kompliment. Und warum sind Sie heute bei uns?«, fragte Lydia.

»Hitzewallungen, und jetzt setz ich mich in euer klimatisiertes Wartezimmer und genieße die angenehme Atmosphäre.«

»Glücklicherweise hat nicht jeder so große Sehnsucht nach uns, sonst müssten wir vierundzwanzig Stunden geöffnet haben«, sagte Sophia leise, nachdem Gusti in das Wartezimmer mit seinen gelben Sesseln und hochgewachsenen Grünpflanzen gegangen war.

»Sehnsucht nach der Praxis oder unserem Chef?«

»Das kommt darauf an, wer zu uns kommt. Aber jetzt gerade kommt jemand zu dir«, sagte Sophia und schaute zur Eingangstür.

»Welchen Eindruck macht er? Denkst du, er hat gute Nachrichten?«, fragte Lydia ihre Freundin und Kollegin, als sie den sportlichen jungen Mann in dem hellgrauen Anzug hereinkommen sah.

»Du sprichst von der Wohnung, die ihr gestern besichtigt habt?«

»Ja, schon, Thomas wollte herkommen, falls er etwas von dem Vermieter hört.«

»Denkst du, er hat sich heute Morgen schon gemeldet?«

»Das werden wir gleich wissen.«

»Hallo, mein Schatz, alles gut bei dir?«, fragte Thomas, als er näherkam.

»Ja, alles bestens. Gibt es Neuigkeiten?«

»Ich habe gerade mit dem Vermieter gesprochen.«

»Und?«, fragte Lydia und sah Thomas gespannt an.

»Wir können morgen vorbeikommen, den Mietvertrag unterschreiben.«

»Morgen schon? Das ist großartig«, sagte sie und versank für einen Moment in seinen dunklen Augen. »Wir haben eine Wohnung!«, jubelte sie gleich darauf, als hätte sie es erst jetzt richtig begriffen. Sie kam hinter dem Tresen hervor, umarmte Thomas und küsste ihn zärtlich auf den Mund. »Was denkst du, wie haben wir es geschafft, die anderen Bewerber auszustechen?«

»Der Vermieter meinte, dass er große Hochachtung vor Menschen hat, die sich freiwillig in Gefahr begeben, um andere zu retten.«

»Das bedeutet wohl, dass wir beide bei der Freiwilligen Feuerwehr sind, das hat den Ausschlag gegeben.«

»Ich würde es gut finden, wenn es so wäre«, mischte sich Sophia ein, die Lydia und Thomas für ihren Mut, in brennende Häuser zu gehen, um Menschen zu bergen, bewunderte.

»Ein wenig Anerkennung tut immer gut«, sagte Thomas und schenkte Sophia ein Lächeln. »Aber letztendlich ist es auch egal, warum er uns die Wohnung geben will, wir freuen uns einfach, dass es geklappt hat. Ich muss dann wieder zurück in den Laden. Wir sehen uns heute Abend«, verabschiedete sich Thomas.

»Bis heute Abend«, sagte Lydia.

»Wie der typische Optiker sieht er nicht aus«, stellte Sophia fest, als sie Thomas nachschaute, der im Optikerladen seines Vaters arbeitete.

»Wie sieht denn der typische Optiker aus?«, fragte Lydia.

»Klein, schmal und mit Brille.«

»Keine Ahnung, wie du darauf kommst«, entgegnete Lydia lachend. »Guten Morgen, Herr Doktor«, wandte sie sich Danny zu, der in diesem Moment in die Praxis kam.

»Guten Morgen«, antwortete Danny freundlich, der von einem frühen Hausbesuch bei einem seiner ältesten Patienten, der an hohem Fieber litt, zurückkam.

»Wie geht es Herrn Plotter?«, erkundigte sich Sophia nach dem Patienten, der vor kurzem seinen 95. Geburtstag gefeiert hatte.

»Ich musste ihn mit Verdacht auf Lungenentzündung ins Krankenhaus überweisen.«

»Das wird ihm nicht gefallen haben, aber in seinem Alter ist er dort wohl im Moment am besten aufgehoben.«

»Zumindest bis das Fieber gesunken ist und wir keine Komplikationen mehr befürchten müssen. Frau Meier ist schon wieder hier?«, stellte Danny fest, als er einen Blick ins Wartezimmer warf.

»Hitzewallungen«, raunte Lydia ihm zu.

»Das ist neu.«

»Aber bei diesen Temperaturen ist das ein weitverbreitetes Leiden«, entgegnete Lydia schmunzelnd.

»Sie hat die Praxis mit einem Wellnesstempel verglichen«, sagte Sophia und erzählte Danny von ihrem Gespräch mit Gusti.

»Wir wissen, wie sie ist, geben wir ihr drei Minuten«, entgegnete er lächelnd. Er hatte bereits vor einiger Zeit beschlossen, Gustis häufige Besuche bei ihm gelassen hinzunehmen. Meistens waren ihre angeblichen Beschwerden nur vorgeschoben, um ein paar Minuten mit ihm zu plaudern. Offensichtlich fühlte sie sich in seiner Praxis tatsächlich äußerst wohl, und da er glücklicherweise nur diese eine Patientin hatte, die nach dieser Art Aufmerksamkeit verlangte, störten Gustis Besuche den Praxisablauf nicht allzu sehr. Von vornherein wegschicken wollte er sie nicht, um nicht Gefahr zu laufen, echte Beschwerden zu übersehen. »Wie war die Wohnungsbesichtigung gestern?«, wollte Danny von Lydia wissen.

»Wir haben unsere Traumwohnung gefunden. Drei Zimmer im Dachgeschoss mit riesiger Terrasse, Ausblick bei klarem Wetter bis zu den Alpen hin eingeschlossen«, erzählte sie ihm.

»Sie hat mir heute schon von dieser Wohnung vorgeschwärmt. Sie muss wirklich super schön sein«, sagte Sophia.

»Du wirst dich bei der Einweihungsfeier davon überzeugen können. Zu der Sie natürlich auch eingeladen sind«, versicherte Lydia Danny.

»Zuerst müsst ihr den Mietvertrag unterschreiben«, erinnerte Sophia sie daran, dass das noch nicht passiert war.

»Du hast es doch gerade gehört, das wird morgen erledigt.«

»Zur Wohnung gratulieren werde ich aber erst, nachdem der Vertrag unterschrieben ist.«

»So werde ich es auch halten«, schloss sich Sophia Danny an.

»Es wird Zeit, unsere Besucher warten«, sagte Danny und ging den Gang entlang zu seinem Sprechzimmer.

Wie immer, seitdem sie schon am Vormittag die Klimaanlage einschalteten, mussten die Fenster geschlossen bleiben, um die Räume nicht unnötig aufzuheizen. Da aber Lydia und Sophia morgens erst einmal die Praxis lüfteten, roch es auch im Sprechzimmer noch angenehm nach frischer Luft.

Er stellte die Arzttasche, die er zu seinem Hausbesuch mitgenommen hatte, ab, wusch sich gründlich die Hände an dem Waschbecken neben der Untersuchungsliege und setzte sich hinter den Schreibtisch. Vorsichtig schob er die Lampe mit dem weißen Schirm, die mit einem biegsamen Stahlarm seitlich an dem weißen Schreibtisch befestigt war, ein Stück zur Seite, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben.

Bevor er Herrn Schulte, seinen ersten Patienten an diesem Vormittag, aufrief, schaute er noch einen Augenblick lang auf die goldfarbenen Zeiger der alten Standuhr, die an der Wand gegenüberstand. Die Zeiger ein paar Sekunden lang auf dem Weg über das Ziffernblatt zu verfolgen, verlieh ihm die Ruhe, die er für die nächsten Stunden brauchte.

»Guten Morgen, Herr Schulte«, begrüßte er den schmächtigen alten Mann in der buntkarierten Strickjacke, der auf einen Stock gestützt in sein Sprechzimmer kam, nachdem er ihn über die Sprechanlage zu sich gebeten hatte. »Was kann ich für Sie tun?«, fragte er ihn, als er sich auf einen der beiden Stühle vor seinen Schreibtisch setzte.

»Die Arthrose in meinem Knie macht mir wieder zu schaffen. Die letzten Wochen war es eigentlich gut auszuhalten, aber jetzt tut es schon recht weh, gerad in der Nacht im Liegen zieht es stark an der Innenseite«, erzählte ihm Ottmar Schulte, der bald seinen 87. Geburtstag feiern würde.

»Dann müssen wir jetzt unbedingt etwas tun, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen«, sagte Danny.

»Die Ursel Dornapfel geht doch zu dem jungen Physiotherapeuten. Wie heißt er noch gleich? Lorenz usw. …«

»Lorenz Bergwald«, half Danny ihm aus der Verlegenheit.

»Richtig, Lorenz Bergwald. Die Ursel ist ja nun auch schon über die siebzig hinaus und meinte, dass sie so gut wie keine Beschwerden mehr in ihren Knien hat und sogar wieder wandern gehen kann. Bevor ich mich einer Operation unterziehe, möchte ich es auch gern mal mit einer Physiotherapie versuchen.«

»Von einer Operation möchte ich Ihnen auch abraten. Die ist wirklich nur die letzte Option.«

»Dann könnte die Gymnastik bei mir auch noch etwas bewirken?«

»Auf jeden Fall«, machte Danny Ottmar Mut. »Wir machen aber zur Sicherheit auch noch ein Blutbild, um uns die Entzündungswerte anzusehen.«

»Das wäre mir eine Beruhigung.«

»Ansonsten haben wir Sie ja erst vor zwei Monaten gründlich untersucht. Oder haben Sie noch andere Beschwerden?«

»Nein, sonst ist alles so weit in Ordnung.«

»Das höre ich gern, bitte sehr, für Sie«, sagte Danny und reichte Ottmar das Rezept für die Krankengymnastik.

»Danke, Herr Doktor, ich werde mir gleich heute einen Termin geben lassen.«

»Sophia, Herr Schulte bekommt ein großes Blutbild«, informierte Danny Sophia über das Haustelefon, bevor er Herrn Schulte zur Tür des Sprechzimmers begleitete.

»Wann kann ich wegen des Ergebnisses der Blutuntersuchung anrufen?«, fragte Ottmar.

»Morgen Nachmittag«, antwortete Danny und verabschiedete sich von ihm. Seine nächste Patientin war Gusti Meier, die er gleich darauf aufrief.

»Guten Morgen, Herr Doktor, mir ist in den letzten Tagen recht oft unerträglich heiß, beinahe so, als hätte ich Fieber«, erklärte sie ihm, nachdem er sie begrüßt hatte und sie auf dem Stuhl ihm gegenüber Platz genommen hatte.

»Haben Sie denn Fieber?«, fragte Danny.

»Nein, es fühlt sich nur so an.«

»Wann treten diese Beschwerden denn auf?«

»Meistens am Nachmittag, wenn ich auf der Terrasse beim Nachmittagskaffee sitze. Könnt es vielleicht am Kaffee liegen? Müsst ich mal wieder ein EKG machen lassen?«

»Das können wir tun, sicher. Aber ich denke, Sie müssen sich keine Sorgen machen. Es liegt vermutlich an den hohen Temperaturen, die wir augenblicklich alle aushalten müssen«, beruhigte Danny sie.

»Ich habe gelesen, dass auch Frauen in meinem Alter noch an hormonbedingten Hitzewallungen leiden können. Die Hormone werden ja nur nach und nach weniger, und das ist ein langer Prozess.«

»Stimmt, damit haben Sie recht, aber wirklich große Auswirkungen dürfte dieser Wandel in Ihrem Alter nicht mehr haben. Aber wenn Sie möchten, können wir auch gern einen Hormonstatus machen, letztendlich ist jeder Mensch ein Individuum.«

»Danke, Herr Doktor, Sie nehmen Ihre Patienten ernst«, sagte sie und sah Danny mit einem dankbaren Lächeln an. »Ich lass mir dann einen Termin für ein EKG geben.«

»Wir können das auch gleich erledigen und Ihnen auch Blut abnehmen, um den Stand der Hormone zu bestimmen.«

»Ich komm lieber noch mal vorbei.«

»Ganz wie Sie wollen«, sagte Danny, der mit dieser Antwort gerechnet hatte, weil ein weiterer Termin ihr die Möglichkeit eröffnete, erneut in die Praxis zu kommen, um ein Schwätzchen mit den Nachbarn zu halten, die sie im Wartezimmer traf.

»Geh, was ist das?« Erschrocken starrte Gusti aus dem Fenster des Sprechzimmers, als sie aufstand, um sich von Danny zu verabschieden.

»Das sieht nach einem Großbrand aus«, sagte Danny, als er ihrem Blick folgte und die riesige Rauchwolke sah, die zum Himmel aufstieg.

»Es scheint ganz in der Nähe zu sein«, mutmaßte Gusti.

»Auf den ersten Blick sieht es so aus«, stimmte Danny ihr zu, obwohl ihm bewusst war, dass die Rauchsäule auch die Folge eines weiter entfernten Brandes sein konnte.

»Daniel, ich muss zu einem Einsatz«, verkündete Lydia, die nach einem kurzen Anklopfen ins Sprechzimmer stürmte.

»Wo ist der Brand?«, fragte Danny, weil er davon ausging, dass Lydia als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zu diesem Brand gerufen wurde.

»Das Feuer ist im Möbelhaus im Einkaufszentrum ausgebrochen.«

»Wann öffnet es? Um neun oder um zehn?«, fragte Danny und schaute auf die alte Standuhr, die halb zehn anzeigte.

»Um neun«, beantwortete Gusti seine Frage und wurde auf einmal ganz blass. »Das könnt bös ausgehen«, murmelte sie und starrte wieder auf die Rauchsäule.

»Ich weiß nicht, ob ich heute noch mal kommen werde«, sagte Lydia, die noch in der Tür stand.

»Der Brand geht vor, passen Sie auf sich auf, Lydia!«, rief Danny ihr nach, als sie gleich darauf davoneilte.

»Tapferes Madl«, sagte Gusti.

»Ja, allerdings, das ist sie. Sophia wird Ihnen dann einen Termin für das EKG geben.« Ohne Lydia musste Sophia sich auf die unbedingt notwendige Arbeit beschränken. Das EKG, das eigentlich nicht sein musste, hätte er nun ohnehin auf einen anderen Termin verschieben müssen.

Nachdem er Gusti verabschiedet hatte und seinen nächsten Patienten zu sich bat, sah er einen Moment lang auf die Rauchsäule. Sie hatte sich inzwischen in ihren Ausmaßen verdoppelt.

*

Die Feuerwache war mit dem Auto nur fünf Minuten von der Praxis Norden entfernt. Das Tor, hinter dem die Einsatzfahrzeuge standen, war bereits geöffnet, als Lydia gleichzeitig mit Britta Bergmeister eintraf. Britta und sie waren die einzigen Frauen auf dieser Wache, fühlten sich aber beide von ihren männlichen Kollegen als gleichwertig behandelt.

»Weißt du schon etwas Näheres?«, wollte Britta von Lydia wissen, als sie zum Umkleideraum liefen, um ihre Brandschutzkleidung anzuziehen.

»Nein, nur dass der Brand im Möbelhaus ausgebrochen ist.«

»Wollen wir hoffen, dass um diese Zeit noch nicht so viele Leute dort unterwegs waren«, sagte Britta, eine große sportliche Frau mit rotbraunem Haar, das sie eilig zu einem Pferdeschwanz band, den sie unter den Schutzhelm stopfen konnte.