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HÖREN SIE AUF, SICH SORGEN ZU MACHEN, UND FANGEN SIE AN ZU LEBEN
Ängste und Sorgen gehören zu den größten Problemen unserer Zeit. Sie rauben uns Schlaf, Energie und Lebensfreude. Doch was wäre, wenn Sie lernen könnten, sich den Fokus auf Sorgen systematisch abzugewöhnen – und stattdessen mit Zuversicht, Klarheit und innerem Frieden durchs Leben gehen?
Dale Carnegie, der weltbekannte Autor von „How to Win Friends and Influence People“, widmet sich in diesem Buch einem Thema, das Millionen Menschen betrifft: der Kunst, Sorgen loszulassen. Dafür hat er jahrzehntelang Philosophen, historische Persönlichkeiten und erfolgreiche Menschen aller Lebensbereiche studiert – von Konfuzius bis Churchill, von Eleanor Roosevelt bis Henry Ford – und Hunderte von Gesprächen geführt, um zu verstehen, wie andere ihre Ängste überwunden haben.
Das Ergebnis ist eine Sammlung bewährter und seit Jahrzehnten erprobter Prinzipien für ein sorgenfreieres Leben – keine neuen Theorien, sondern zeitlose Wahrheiten, die wir oft kennen, aber selten anwenden. Carnegie formuliert sie neu, macht sie greifbar und zeigt Schritt für Schritt, wie Sie sie in die Praxis umsetzen können.
„Die Neuübersetzung von How to Stop Worrying and Start Living“ ist DER Wegweiser zu einem gelasseneren, glücklicheren und erfüllteren Leben.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 544
Veröffentlichungsjahr: 2026
Die Neuübersetzung von
HOW TOSTOPWORRYINGAND STARTLIVING
ZeitloseWahrheiten für ein sorgenfreieres Leben und zur Überwindung von Problemen, Ängsten und Selbstzweifeln
DALECARNEGIE
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar
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1. Auflage 2026
© 2026 Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag,
Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag GmbH,
Christoph-Rodt-Straße 11, 86476 Neuburg an der Kammel
www.deutscherwirtschaftsbuchverlag.com
Alle Rechte vorbehalten.
Copyright der Originalausgabe © 1948 by Dale Carnegie.
Die Originalausgabe erschien 1948 unter dem Titel How to Stop Worrying and Start Living.
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Übersetzung: Petra Pyka
Redaktion: Rainer Weber
Satz: Daniel Förster
Korrektorat: Anke Schenker
Cover- und Umschlaggestaltung: www.b3k-design.de,
© 2026 Andrea Schneider & diceindustries
Illustrationen: Anugraha Design/Canva
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
eBook: ePUBoo.com
ISBN druck: 978-3-69066-106-5
ISBN ebook (PDF): 978-3-69066-108-9
ISBN ebook (EPUB, Mobi): 978-3-69066-107-2
Dieses Buch ist einem Mann gewidmet,der es nicht lesen müsste – Lowell Thomas.
Ich möchte mich aus tiefstem Herzen bei Villa Stiles für ihre Unterstützung bei der Arbeit an diesem Buch und an meinem Buch How to Win Friends and Influence People bedanken.
Diese Ausgabe präsentiert Dale Carnegies How to Stop Worrying and Start Living in seiner ursprünglichen, vollständigen Form – so, wie Carnegie selbst es verfasst hat. Damit unterscheidet sie sich bewusst von späteren Überarbeitungen, die aus unterschiedlichen Motiven angepasst oder gekürzt wurden. Unser Anliegen ist es, die Authentizität von Carnegies Beispielen und Gedanken zu bewahren und Leserinnen und Lesern den Zugang zu jener Fassung zu ermöglichen, die das Werk erstmals zu einem internationalen Klassiker machte – mit dem Zugeständnis, dass es sich vorliegend natürlich um eine Übersetzung handelt und nicht um den englischen Originaltext.
Gerade weil diese Originalversion bestimmte Formulierungen, Beispiele oder Charakterdarstellungen beibehält, vermittelt sie einen umfassenden Eindruck von Carnegies ursprünglicher Intention. Damit ist die unveränderte Fassung so nah an der historischen Wirkungsgeschichte des Buches wie nur möglich.
Zugleich ist wichtig zu wissen, dass der Text in den 1940er-Jahren entstand und daher auch die gesellschaftlichen Vorstellungen dieser Zeit widerspiegelt – etwa beim Rollenverständnis oder bei kulturellen Zuschreibungen. Diese historischen Perspektiven gehören zum zeitlichen Kontext des Werkes. Sie sind nicht Ausdruck heutiger Werte, aber wir laden Sie ein, solche Stellen als Spiegel der damaligen Epoche zu betrachten und sie in ihrer historischen Einbettung zu interpretieren.
Unsere Entscheidung, das Werk in seiner Originalgestalt zu präsentieren, folgt dem Respekt vor der Integrität des Textes und der Überzeugung, dass die historischen Elemente – differenziert gelesen – zu einem tieferen Verständnis von Carnegies Denken beitragen können.
Vor 35 Jahren war ich einer der unglücklichsten Menschen in ganz New York. Damals verdiente ich meinen Lebensunterhalt damit, Lastwagen zu verkaufen. Dabei wusste ich nicht einmal, wie so ein Fahrzeug angetrieben wurde. Schlimmer noch – es interessierte mich auch nicht. Ich verabscheute meinen Job. Ich hasste es, in einem billigen möblierten Zimmer in der West Fifty-sixth Street zu leben, in dem es nur so von Kakerlaken wimmelte. Ich weiß noch, wie diese in alle Richtungen auseinanderstoben, wenn ich morgens eine frische Krawatte vom Wandhaken nahm. Ich fand es schrecklich, in billigen, schmuddeligen Lokalen zu essen, in denen die Kakerlaken sicher ebenfalls verkehrten.
Wenn ich abends in mein einsames Zimmer zurückkehrte, schwirrte mir der Kopf vor Frust, Sorge, Verbitterung und innerem Aufruhr. Der Aufruhr war dem Umstand geschuldet, dass sich die Träume, die ich während meines Collegestudiums gehabt hatte, in Albträume verwandelt hatten. Sollte so mein Leben aussehen? War das das Abenteuer des Lebens, auf das ich mich so gefreut hatte? Hatte mir das Leben nicht mehr zu bieten als einen Job, den ich nicht leiden konnte, ein Zimmer voller Kakerlaken und Schweinefraß … ohne Hoffnung für die Zukunft? … Ich wünschte mir Zeit, um zu lesen und die Bücher zu schreiben, von denen ich auf dem College geträumt hatte.
Ich wusste, ich hatte nichts zu verlieren, wenn ich den Job aufgab, den ich so hasste. Ich wollte gar nicht unbedingt viel Geld verdienen, aber ich wollte mein Leben genießen. Kurz, ich hatte meinen persönlichen Rubikon erreicht – den Moment der Entscheidung, vor dem die meisten jungen Menschen stehen, wenn sie die ersten Schritte ins Leben machen. Also traf ich meine Entscheidung – und diese sollte meine Zukunft verändern. Sie bescherte mir die letzten 35 Jahre lang mehr Glück und Erfüllung, als ich mir je hätte träumen lassen.
Ich fasste folgenden Entschluss: Ich würde den Job kündigen, den ich so verabscheute, und weil ich vier Jahre am State Teachers College in Warrensburg, Missouri, studiert hatte, künftig hauptberuflich Erwachsene an der Abendschule unterrichten. Dann hätte ich tagsüber frei und könnte Bücher lesen, meinen Unterricht vorbereiten und Romane und Kurzgeschichten schreiben. Ich wollte »leben, um zu schreiben, und schreiben, um zu leben«.
Welche Fächer sollte ich an der Abendschule unterrichten? Als ich in mich ging und mir überlegte, was ich auf dem College gelernt hatte, wurde mir klar, dass meine rhetorische Ausbildung und Kompetenz im Geschäfts- und sonstigen Leben mehr praktischen Wert hatte als alles andere, was ich im Studium gelernt hatte, zusammengenommen. Warum? Weil sie mir meine Angst genommen und mir Selbstvertrauen vermittelt hatte – und den Mut und die nötige Sicherheit, um mit Menschen umzugehen. Mir war auch klar geworden, dass Führungsrollen gewöhnlich den Menschen zufallen, die sich trauen, aufzustehen und zu sagen, was sie denken.
Ich bewarb mich um eine Stelle als Rhetoriklehrer für die Abendkurse, die an der Columbia University und an der New York University angeboten wurden. Leider waren beide Universitäten der Ansicht, dass sie ohne meine Unterstützung auskommen konnten.
Damals war ich enttäuscht, doch heute danke ich Gott dafür, dass ich abgelehnt wurde. Stattdessen begann ich als Lehrer an den YMCA-Abendschulen, wo ich konkrete Ergebnisse liefern musste – und zwar schnell. Das war eine grandiose Herausforderung. Die Teilnehmer kamen nicht in meine Kurse, weil sie Credits für ihr Studium sammeln oder gesellschaftlich an Ansehen gewinnen wollten. Sie kamen nur aus einem einzigen Grund: Sie wollten ihre Probleme lösen. Sie wollten es schaffen, bei geschäftlichen Terminen selbstbewusst aufzutreten und zu sprechen, ohne vor Angst in Ohnmacht zu fallen. Vertreter wollten lernen, wie man schwierige Kunden aufsuchte, ohne vorher dreimal um den Block zu laufen und sich Mut zuzusprechen. Sie wollten gelassener und selbstsicherer auftreten. Sie wollten in ihrem Unternehmen weiterkommen. Sie wollten mehr Geld für ihre Familien verdienen. Und da sie ihre Kursgebühren in Raten entrichteten – und die Zahlungen einstellten, wenn der Erfolg ausblieb – und ich kein Gehalt bezog, sondern prozentual am Gewinn beteiligt war, musste ich praktische Ergebnisse erzielen, wenn ich nicht verhungern wollte.
Damals kam es mir so vor, als wäre das für mich als Lehrer ein Handicap, doch inzwischen ist mir klar, dass ich dadurch etwas Unbezahlbares lernte. Ich musste meine Schüler motivieren. Ich musste ihnen helfen, ihre Probleme zu lösen. Ich musste jede Kursstunde so inspirierend gestalten, dass sie den Kurs fortsetzen wollten.
Die Tätigkeit war spannend. Ich war ganz in meinem Element und staunte, wie rasch die Kursteilnehmer, die oft im Geschäftsleben tätig waren, Selbstvertrauen entwickelten und wie viele sich dadurch Beförderungen und Gehaltserhöhungen sichern konnten. Die Kurse übertrafen meine optimistischsten Erwartungen. Keine drei Semester später zahlte mir die YMCA, der 5 Dollar Gehalt pro Abend zu viel gewesen waren, 30 Dollar pro Abend Provision. Zunächst unterrichtete ich nur Rhetorik, doch im Laufe der Jahre merkte ich, dass meine Kursteilnehmer auch lernen mussten, wie man Freunde gewinnt und Einfluss auf andere Menschen ausübt. Da ich kein Lehrbuch über zwischenmenschliche Beziehungen auftreiben konnte, schrieb ich selbst eines – allerdings auf unkonventionelle Art und Weise. Das Buch entstand und entwickelte sich aus den Erfahrungen meiner Kursteilnehmer. Ich gab ihm den Titel How to Win Friends and Influence People.
Da ich es nur als Lehrbuch für meine eigenen Kurse verfasst hatte und schon vier andere Bücher geschrieben hatte, die keiner kannte, hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können, dass es sich so gut verkaufen würde: Es gibt vermutlich auf der ganzen Welt kaum einen anderen Autor, der sich so über seinen Erfolg wundert wie ich.
Im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass meine Schüler noch ein anderes großes Problem hatten – ihre Alltagssorgen. Die meisten meiner Kursteilnehmer kamen aus der Wirtschaft – sie waren Führungskräfte, Vertreter, Techniker, Buchhalter, ein Querschnitt aus allen Branchen und Berufen. Und die meisten von ihnen hatten Probleme. Meine Kurse wurden auch von Frauen besucht – von berufstätigen Frauen ebenso wie von Hausfrauen. Auch sie hatten Probleme. Mir war klar: Ich brauchte ein Lehrbuch darüber, wie man seine Sorgen bewältigen kann. Wieder versuchte ich, ein solches Buch aufzutreiben. Ich ging in die großartige öffentliche Bibliothek von New York an der Fifth Avenue Ecke 42nd Street und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass in der Sparte WORRY, dem englischen Begriff für alle Arten von Dingen, die einem im Kopf rumgehen und Sorgen bereiten, nur 22 Bücher gelistet waren. Bei dieser Gelegenheit bemerkte ich amüsiert, dass es zum Thema WÜRMER 189 Bücher gab. Fast neunmal so viele wie über »worry«, sprich: Sorgen! Erstaunlich, oder? Da Sorgen und Ängste zu den größten Problemen der Menschen zählen, sollte man doch annehmen, dass es auf jeder Highschool und in jedem College im Land Kurse darüber geben würde, wie man mit seinen Sorgen fertigwird? Sollte es auch nur einen solchen Kurs an einer Schule im Land geben, so habe ich jedenfalls noch nie davon gehört. Kein Wunder, dass David Seabury in seinem Buch How to Worry Successfully schrieb: »Auf belastende Erfahrungen sind wir so schlecht vorbereitet wie ein Bücherwurm darauf, Ballett zu tanzen.«
Das Ergebnis? Über die Hälfte unserer Krankenhausbetten sind von Patienten belegt, die an nervösen und emotionalen Störungen leiden. Ich sah mir die 22 Bücher zum Thema Sorgen an, die die New York Public Library in ihren Regalen stehen hatte. Außerdem kaufte ich alle Bücher zu diesem Thema, die ich finden konnte. Doch keines davon eignete sich als Lehrbuch für meine Kurse in der Erwachsenenbildung. Also beschloss ich, selbst ein solches Buch zu schreiben.
Vor sieben Jahren fing ich an, mich darauf vorzubereiten. Wie? Indem ich las, was die Philosophen aller Epochen über den Umgang mit Sorgen zu sagen hatten. Außerdem las ich noch Hunderte von Biografien – von Konfuzius bis Churchill. Und ich sprach mit vielen Prominenten aus allen möglichen Bereichen wie Jack Dempsey, General Omar Bradley, General Mark Clark, Henry Ford, Eleanor Roosevelt und Dorothy Dix. Doch das war nur der Anfang.
Ich tat noch etwas, und das war weitaus wichtiger als all die Gespräche und Bücher. Ich arbeitete fünf Jahre lang in einem Laboratorium zur Bewältigung von Sorgen – einem Laboratorium, dessen Experimente in unseren Abendkursen durchgeführt wurden. Soweit ich weiß, ist dies das erste und einzige Laboratorium seiner Art weltweit. Wir gingen folgendermaßen vor: Die Teilnehmer bekamen Regeln an die Hand, die ihnen helfen sollten, ihre Sorgen loszuwerden. Dann teilten sie dem Kurs mit, welche Ergebnisse sie damit erzielten. Andere berichteten über Methoden, die sie zuvor bereits ausprobiert hatten.
Aufgrund dieser Erfahrungen gehe ich davon aus, dass ich schon mehr Vorträge dazu gehört habe, wie man Sorgen bewältigt, als jeder andere Mensch auf der Welt. Überdies habe ich noch Hunderte weiterer solcher Berichte gelesen, die mir per Post zugeschickt worden waren – Berichte, die in unseren Kursen, die in über 170 Großstädten in den Vereinigten Staaten und in Kanada abgehalten werden, ausgezeichnet wurden. Dieses Buch entstand also nicht in einem Elfenbeinturm. Es ist auch keine akademische Abhandlung über verschiedene Möglichkeiten, Sorgen zu überwinden. Ich habe vielmehr versucht, einen ebenso dynamischen wie prägnanten dokumentierten Bericht darüber zu verfassen, wie Tausende erwachsener Menschen ihre Sorgen und Alltagsprobleme erfolgreich überwunden haben. Eines ist sicher: Dieses Buch ist ausgesprochen praxisnah. Darauf können Sie sich verlassen.
Ich freue mich, sagen zu können, dass Sie in diesem Buch keine Geschichten über einen imaginären »Mr. B. « oder vage als »Mary und John« bezeichnete Personen finden werden, mit denen sich niemand identifizieren kann. Abgesehen von wenigen Einzelfällen werden in diesem Buch Namen und Adressen genannt. Es ist authentisch. Es ist dokumentiert. Es ist verbürgt und beglaubigt.
»Wissenschaft«, so der französische Philosoph Valéry, »ist die Gesamtheit der Rezepte, die immer gelingen«. Das gilt auch für dieses Buch. Es ist eine Sammlung erfolgreicher und bewährter Rezepte, um sorgenfrei zu leben. Seien Sie jedoch gewarnt: Sie werden darin nichts Neues entdecken – aber vieles, was in der Regel nicht angewandt wird. Im Übrigen muss man uns auch gar nichts Neues erzählen. Wir wissen nämlich schon genug, um ein vollkommenes Leben zu führen. Wir alle kennen die goldene Regel und die Bergpredigt. Unser Problem ist nicht, dass wir das alles nicht wüssten, sondern, dass wir nicht danach handeln. Dieses Buch soll viele der alten, grundlegenden Erkenntnisse neu formulieren, anschaulich darstellen, rationalisieren, wohl temperieren und hervorheben – und Ihnen den Anstoß geben, diese endlich umzusetzen.
Doch Sie haben dieses Buch nicht in die Hand genommen, um zu erfahren, wie es geschrieben wurde. Sie wollen etwas tun. Also gut, dann los. Bitte lesen Sie die ersten 65 Seiten, und wenn Sie dann noch nicht den Eindruck haben, dass Sie neue Kraft und neue Inspiration gewonnen haben, um Ihr Leben sorgenfrei zu genießen, dann werfen Sie es ruhig in die Mülltonne, denn dann wird es Ihnen nichts bringen.
Dale Carnegie
Im Frühjahr 1871 nahm ein junger Mann ein Buch zur Hand und las darin 21 Wörter, die sich auf seine Zukunft auswirken sollten. Als Medizinstudent am Montreal General Hospital machte er sich Sorgen darum, was passieren würde, wenn er die Abschlussprüfung bestanden hatte – darum, was er tun, wohin er gehen, wie er sich eine Praxis aufbauen und wovon er leben sollte.
Die 21 Wörter, die dieser junge Medizinstudent 1871 las, trugen dazu bei, dass er zum berühmtesten Arzt seiner Generation werden konnte. Er gründete die weltberühmte Johns Hopkins School of Medicine. Er wurde auf den Regius-Lehrstuhl für Medizin in Oxford berufen – die höchste Ehrung, die einem Mediziner im damaligen britischen Weltreich erwiesen werden konnte. Der König von England erhob ihn in den Adelsstand. Als er starb, bedurfte es zweier dicker Bände mit insgesamt 1466 Seiten, um seine Lebensgeschichte zu erzählen.
Sein Name war Sir William Osler. Und hier sind die 21 Wörter, die er im Frühjahr 1871 las – 21 Wörter aus der Feder von Thomas Carlyle, die ihm halfen, ein sorgenfreies Leben zu führen. »Unsere Hauptaufgabe ist nicht, zu sehen, was weit entfernt undeutlich zu erkennen ist, sondern zu tun, was klar vor uns liegt.«
An einem milden Frühlingsabend 42 Jahre später, als die Tulpen auf dem Campus blühten, sprach derselbe Sir William Osler vor Studenten der Yale University. Diesen erklärte er, dass einem Mann wie ihm, der an vier Universitäten Professor gewesen war und ein gefragtes Buch geschrieben hatte, »besondere geistige Fähigkeiten« zugeschrieben würden – zu Unrecht, wie er sagte. Seine engen Freunde wüssten, dass sein Gehirn »nur sehr mittelmäßig« arbeite.
Doch was war dann das Geheimnis seines Erfolgs? Nach seiner Aussage hing das damit zusammen, dass er »jeden Tag als eine abgeschottete Kammer« lebte. Was er damit meinte? Ein paar Monate vor diesem Vortrag in Yale hatte Sir William Osler auf einem großen Ozeandampfer den Atlantik überquert. Dort konnte der Kapitän auf der Brücke einen Knopf drücken und prompt sprangen geräuschvoll Maschinen an, die verschiedene Bereiche des Schiffes unverzüglich abriegelten und dieses in wasserdichte Abteilungen oder Kompartiments unterteilte. »Jeder Einzelne von ihnen«, so Dr. Osler zu den Yale-Studenten, »ist ein noch viel außergewöhnlicheres Konstrukt als dieser große Dampfer – und auf einer längeren Reise unterwegs. Ich lege Ihnen daher dringend ans Herz, zu lernen, Ihre Maschinen so zu steuern, dass Sie jeden einzelnen Tag als abgeschottete Kammer leben, »zeitdicht« gegenüber Vergangenheit und Zukunft. Das ist der zuverlässigste Weg, um sicher ans Ziel zu gelangen. Stellen Sie sich auf die Brücke und sehen Sie zu, dass zumindest die großen Schotten ordentlich funktionieren. Drücken Sie einen Knopf und lauschen Sie in jeder Lebensphase, wie eiserne Tore die Vergangenheit ausschließen – das tote Gestern. Drücken Sie einen anderen Knopf und sperren Sie mit einem eisernen Vorhang die Zukunft aus – das ungeborene Morgen. Dann sind Sie sicher – sicher im Heute. … Sperren Sie die Vergangenheit aus! Lassen Sie sie ihre Toten begraben. … Schließen Sie die vergangenen Tage ab, die Narren den Weg in Tod und Staub gewiesen haben. … Wird die Last von morgen der gestrigen zugeschlagen und muss heute getragen werden, kommt selbst der Stärkste ins Straucheln. Riegeln Sie die Zukunft genauso fest ab wie die Vergangenheit. … Die Zukunft ist heute. … Ein Morgen gibt es nicht. Der Tag der Rettung der Menschheit ist jetzt. Menschen, die sich um die Zukunft sorgen, kommen nur schleppend voran, weil sie ihre Kräfte verschwenden, psychisch belastet sind und unter Sorgen und Ängsten leiden. … Schotten Sie sich ab, fahren Sie die großen Schotten in Bug und Heck hoch und gewöhnen Sie sich an, jeden Tag als abgeschottete Abteilung des Lebens zu leben.«
Wollte uns Dr. Osler damit sagen, dass wir uns die Mühe sparen sollten, uns für morgen zu rüsten? Ganz und gar nicht. Als er seinen Vortrag fortsetzte, stellte er fest, dass die beste Vorbereitung für morgen darin bestand, sich mit allem Verstand und allem Engagement darauf zu konzentrieren, heute hervorragende Arbeit zu leisten. Nur so könne man sich auf die Zukunft vorbereiten.
Sir William Osler empfahl den Yale-Studenten, jeden Tag mit dem Vaterunser zu beginnen: »Unser täglich Brot gib uns heute.«
In diesem Gebet geht es wohlgemerkt nur um das Brot für heute. Es enthält kein Wort der Klage über das altbackene Brot, das wir gestern essen mussten. Und es lautet auch nicht: »Lieber Gott, in letzter Zeit war es auf den Weizenfeldern ziemlich trocken. Vielleicht kommt wieder eine Dürre – woher soll ich dann im Herbst Brot nehmen? Oder angenommen, ich verliere meine Arbeitsstelle – oh mein Gott, woher sollte ich dann Brot bekommen? «
Nein, das Vaterunser lehrt uns, nur um Brot für heute zu bitten. Das Brot von heute ist das einzige, das Sie auch essen können.
Vor Jahren wanderte ein bettelarmer Weiser durch eine karge Gegend, in der die Menschen kaum genug zum Leben hatten. Eines Tages versammelten sich die Menschen auf einem Hügel um ihn und er hielt die vermutlich meistzitierte Rede aller Zeiten: Diese Rede enthält 24 Wörter, die durch die Jahrhunderte nachhallen: »Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. « 1
»Darum sorgt nicht für morgen. « – Diese Worte Jesu erregen viel Widerspruch. Viele halten sie für einen idealistischen Rat mit einer gewissen orientalischen Mystik. »Ich muss doch an morgen denken«, sagen sie. »Ich muss Versicherungen abschließen, um meine Familie zu schützen. Ich muss Geld fürs Alter zur Seite legen. Ich muss planen und Vorbereitungen treffen, wenn ich vorankommen will.«
Richtig! Natürlich müssen Sie das. In Wirklichkeit haben diese Worte Jesu, die vor über 300 Jahren übersetzt wurden, eine andere Bedeutung als zur Regierungszeit König Jakobs I. Vor 300 Jahren war das »für morgen sorgen« eher so zu verstehen, dass man sich Sorgen machte. Heutzutage geht die Bibelforschung eher davon aus, dass Jesus gesagt hat, man solle »das Morgen nicht fürchten«.
Natürlich sollten Sie unbedingt für morgen vorsorgen und alles gut überlegen, planen und vorbereiten. Aber ohne Angst, ohne Sorgen.
Im Krieg planten unsere Feldherren für morgen, doch Ängste konnten sie sich nicht leisten. »Ich habe die besten Leute mit der besten Ausrüstung eingesetzt, die wir haben«, sagte Admiral Ernest J. King, der die United States Navy befehligte, »und ich habe sie mit der Mission betraut, die am klügsten erscheint. Mehr kann ich nicht tun.«
»Wird ein Schiff versenkt«, so Admiral King weiter, »kann ich es nicht wieder zurückholen. Wenn es sinkt, kann ich das nicht aufhalten. Ich verwende meine Zeit sinnvoller, wenn ich an den Problemen von morgen arbeite, statt mich über die Probleme von gestern zu grämen. Lasse ich zu, dass sie mich einholen, wären meine Tage gezählt.«
Ob in Krieg oder Frieden, der Hauptunterschied zwischen guten und schlechten Gedanken ist folgender: Gute Gedanken drehen sich um Ursache und Wirkung und führen zu logischen, konstruktiven Plänen. Schlechte Gedanken lösen dagegen häufig Anspannung und nervliche Belastung aus – bis hin zum Zusammenbruch.
Ich hatte vor Kurzem das Privileg, mit Arthur Hays Sulzberger zu sprechen, dem Verleger einer der bekanntesten Zeitungen der Welt, The New York Times. Sulzberger erzählte mir, als der Zweite Weltkrieg Europa heimsuchte, sei er so fassungslos und so voller Sorge um die Zukunft gewesen, dass er kaum noch Schlaf fand. Oft stand er mitten in der Nacht auf, holte Leinwand und Farbe, sah in den Spiegel und versuchte, sich selbst zu porträtieren. Er verstand nichts von Malerei, malte aber dennoch, um sich von seinen sorgenvollen Gedanken abzulenken. Sulzberger gestand mir, dass er es erst schaffte, seine Sorgen zu bannen und Frieden zu finden, als er fünf Wörter aus einem Kirchenlied zu seinem Motto erhob: One step enough for me – Für mich genügt ein Schritt …
Lead, kindly Light …
Keep thou my feet: I do not ask to see
The distant scene; one step enough for me.
Geleite mich, du liebes Licht,
Du stütze meinen Tritt.
Das ferne Land zu schaun begehr’ ich nicht –
Für mich genügt ein Schritt …2
Etwa um dieselbe Zeit gewann ein junger Mann in Uniform irgendwo in Europa die gleiche Erkenntnis. Sein Name war Ted Bengermino, seine Adresse: 5716 Newholme Road, Baltimore, Maryland. Er machte sich solche Sorgen, dass er eine ausgewachsene Kriegsneurose entwickelte.
Ted Bengermino schrieb: »Im April 1945 hatte ich mich so in meine Sorgen hineingesteigert, dass ich unter Dickdarmkrämpfen litt, wie die Ärzte das nannten – ein Leiden, das starke Schmerzen verursachte. Wäre der Krieg nicht ohnehin vorüber gewesen, hätte ich sicherlich einen vollständigen physischen Zusammenbruch erlitten.
Ich war vollkommen erschöpft. Ich war als Unteroffizier in der 94. Infanteriedivision für die Registrierung von Gräbern zuständig. Ich sollte Aufzeichnungen über alle Personen anfertigen und pflegen, die im Einsatz getötet oder vermisst wurden oder im Lazarett lagen. Ich musste auch dabei helfen, die Leichen alliierter und feindlicher Soldaten zu exhumieren, die getötet und in der Hitze des Gefechts in aller Eile in flachen Gräbern verscharrt worden waren. Ich musste die persönlichen Gegenstände der Verstorbenen einsammeln und dafür sorgen, dass sie an die Eltern oder die engsten Angehörigen zurückgeschickt wurden, die sie in Ehren halten würden. Ich lebte ständig in der Sorge, uns könnten peinliche und schwerwiegende Fehler unterlaufen. Ich fragte mich besorgt, ob ich das alles wohl überleben würde. Und ich sorgte mich, ob ich je mein einziges Kind in den Armen halten würde – meinen 16 Monate alten Sohn, den ich noch nie gesehen hatte. Ich war so voller Sorgen und so erschöpft, dass ich 17 Kilo abnahm. Vor lauter Sorgen wurde ich fast verrückt. Ich sah meine Hände an. Sie waren nur noch Haut und Knochen. Entsetzt stellte ich mir vor, dass ich als körperliches Wrack nach Hause zurückkehren würde. Ich brach zusammen und schluchzte wie ein Kind. Ich war so außer mir, dass mir sofort die Tränen kamen, wenn ich alleine war. Nach der Ardennenoffensive weinte ich eine Zeit lang so viel, dass ich die Hoffnung fast aufgegeben hatte, je wieder ein normaler Mensch zu werden.
Am Ende landete ich in einem Lazarett. Dort gab mir ein Militärarzt einen Rat, der mein Leben verändern sollte. Nachdem er mich gründlich untersucht hatte, teilte er mir mit, dass meine Probleme psychisch bedingt seien. ›Ted‹, sagte er, ›ich möchte, dass Sie sich Ihr Leben als Sanduhr vorstellen. Sie wissen, dass sich im oberen Glaskolben der Sanduhr Tausende von Sandkörnern befinden, die langsam und gleichmäßig nacheinander durch die Verengung in der Mitte rieseln. Ganz gleich, was Sie oder ich auch tun – ohne die Sanduhr zu beschädigen, können wir nicht erreichen, dass mehr als ein Sandkorn auf einmal diese Engstelle passiert. Sie, ich und alle anderen auch gleichen dieser Sanduhr. Wenn wir morgens aufstehen, warten Hunderte von Aufgaben auf uns, die wir glauben, am selben Tag erledigen zu müssen. Doch wenn wir nicht eine nach der anderen angehen und sie langsam und gleichmäßig nacheinander über den Tag abarbeiten wie Sandkörner, die durch die Verengung der Sanduhr rieseln, dann zerstören wir früher oder später unsere physische oder psychische Struktur.‹
Nach dieser Philosophie lebe ich seit jenem denkwürdigen Tag, als sie mir der Militärarzt mit auf den Weg gab. ›Ein Sandkorn nach dem anderen. … Eine Aufgabe nach der anderen.‹ Dieser Rat rettete mich physisch und psychisch über den Krieg. Und er hilft mir auch in meiner aktuellen Position in der Wirtschaft weiter. Ich bin bei der Commercial Credit Company in Baltimore als Lagerverwalter tätig und stieß im Berufsleben auf dieselben Probleme, die ich aus dem Krieg kannte: Jede Menge Aufgaben mussten sofort erledigt werden – und die Zeit drängte. Die Bestände waren niedrig. Wir mussten uns mit neuen Formularen herumschlagen, mit neuen Anordnungen, einem Umzug, der Öffnung und Schließung von Filialen und so weiter. Doch statt in Anspannung und Nervosität zu verfallen, dachte ich daran, was mir der Arzt damals gesagt hatte. ›Ein Sandkorn nach dem anderen. Eine Aufgabe nach der anderen.‹ Indem ich mir diese Worte immer wieder vorsagte, erledigte ich meine Aufgaben effizienter und ohne dass ich mich so verwirrt und durcheinander fühlte, wie es mich auf dem Schlachtfeld beinahe Kopf und Kragen gekostet hätte.«
Eine der erschreckendsten Aussagen über unsere heutige Lebensweise ist, dass die Hälfte aller Krankenhausbetten für Patienten mit Nerven- und Seelenstörungen reserviert ist – Patienten, die unter der erdrückenden Last des gesammelten Gestern und des angstvollen Morgens zusammengebrochen sind. Doch die große Mehrheit dieser Leute würde heute nicht im Krankenhaus liegen, sondern stattdessen ein glückliches, produktives Leben führen, wenn sie sich nur an die Worte Jesu gehalten hätte. »Sorget nicht für morgen«. Oder an die Worte Sir William Oslers: »Leben Sie jeden Tag als abgeschottete Kammer. « Sie und ich stehen in diesem Augenblick an der Schnittstelle zweier Ewigkeiten: der bisher vergangenen Zeit, die schon von ewiger Dauer ist, und der Zukunft, die bis ans Ende aller Zeiten währt. Es ist nicht möglich, in einer dieser Ewigkeiten zu leben – nicht einmal für den Bruchteil einer Sekunde. Doch wenn wir es versuchen, ruinieren wir womöglich unsere physische und psychische Gesundheit. Bescheiden wir uns also mit der einzigen Zeit, in der wir überhaupt leben können: dem heutigen Tag bis zum Abend. »Jeder kann seine Last, so schwer sie auch sein mag, bis zum selben Abend tragen«, schrieb Robert Louis Stevenson. »Jeder kann seine Arbeit einen Tag lang tun, so hart sie auch sei. Jeder kann freundlich, geduldig, liebevoll und rein leben, bis die Sonne untergeht. Und genau darum geht es im Leben.«
Mehr verlangt das Leben tatsächlich nicht von uns. Doch Mrs. E. K. Shields aus 815 Court Street, Saginaw, Michigan, wurde erst zur Verzweiflung, ja, an den Rand des Selbstmords getrieben, bevor sie lernte, nur bis zum Abend zu leben.
»1937 verlor ich meinen Ehemann«, berichtete mir Mrs. Shields, als sie mir ihre Geschichte erzählte. »Ich war sehr niedergeschlagen – und nahezu mittellos. Ich schrieb meinem früheren Arbeitgeber, Leon Roach von der Roach-Fowler Company in Kansas City, und bekam meine alte Stelle wieder. Ich hatte mir früher meinen Lebensunterhalt damit verdient, dass ich Bücher an Schulen auf dem Land und in Kleinstädten verkaufte. Zwei Jahre zuvor, als mein Mann erkrankt war, hatte ich mein Auto verkauft. Doch es gelang mir, so viel Geld zusammenzukratzen, dass ich einen Gebrauchtwagen anzahlen und wieder damit anfangen konnte, Bücher zu verkaufen.
Ich hatte gehofft, wenn ich erst wieder unterwegs war, würde meine Niedergeschlagenheit verschwinden. Doch allein im Auto zu sitzen und allein zu essen war mehr, als ich verkraften konnte. Manche Orte in meinem Verkaufsgebiet waren geschäftlich wenig ergiebig, sodass es mir schwerfiel, die Raten für mein Auto zu zahlen, so klein sie auch waren.
Im Frühjahr 1938 war ich gerade in Versailles, Missouri. Die Schulen dort hatten kaum Geld, die Straßen waren schlecht. Einmal fühlte ich mich so einsam und entmutigt, dass ich daran dachte, mir das Leben zu nehmen. Es erschien mir unmöglich, erfolgreich zu arbeiten. Ich hatte nichts, wofür es sich zu leben lohnte. Mir graute davor, morgens aufzustehen und weiterzuleben. Ich hatte nur noch Angst: Angst, meine Autoraten und meine Miete nicht zahlen zu können, und Angst, nicht genug zu essen zu haben. Ich befürchtete, meine Gesundheit könnte mich im Stich lassen, und hatte kein Geld für einen Arzt. Was mich vom Selbstmord abhielt, war der Gedanke, wie sehr meine Schwester um mich trauern würde – und dass mir das Geld fehlte, um meine Beerdigung zu bezahlen.
Eines Tages las ich einen Artikel, der mich aus meinem Elend holte und mir den Mut gab, weiterzuleben. Für einen inspirierenden Satz in diesem Artikel werde ich mein Leben lang dankbar sein: Er lautete: ›Für den Weisen ist jeder Tag ein neues Leben.‹ Diesen Satz schrieb ich mir ab und klebte ihn an die Windschutzscheibe meines Autos, wo ich ihn beim Fahren ständig im Blick hatte. Ich stellte fest, dass es gar nicht so schwer war, einen Tag nach dem anderen zu leben. Ich lernte, das Gestern zu vergessen und nicht ans Morgen zu denken. Jeden Morgen sagte ich mir: ›Heute fängt ein neues Leben an.‹
Es ist mir gelungen, meine Angst vor der Einsamkeit und vor der Not zu überwinden. Inzwischen bin ich zufrieden und einigermaßen erfolgreich. Ich freue mich des Lebens und genieße es. Ich weiß jetzt, dass ich nie wieder Angst haben werde, ganz gleich, was mir das Leben bringt. Ich weiß, dass ich keine Angst vor der Zukunft haben muss. Ich weiß jetzt, dass ich einen Tag nach dem anderen leben kann und dass ›für den Weisen jeder Tag ein neues Leben ist‹.«
Was glauben Sie, wer hat folgenden Aphorismus verfasst:
Glücklich der Mensch, glücklich er allein,
wenn er kann im Heute sein,
wenn er kann, in sich ruhend, sagen:
ich hab heute gelebt, ich kann jedes Morgen wagen.
Klingt recht modern, oder? Dennoch wurden diese Worte 30 Jahre vor Christi Geburt geschrieben – vom römischen Dichter Horaz.
Einer der tragischsten Aspekte des menschlichen Wesens, der mir bekannt ist, ist unsere Neigung, das Leben aufzuschieben. Wir alle träumen von einem magischen Rosengarten hinter dem Horizont – statt uns an den Rosen zu erfreuen, die heute draußen vor dem Fenster blühen.
Warum sind wir nur solche Narren – so traurige Narren?
»Wie wunderlich sie doch ist, unsere kleine Prozession des Lebens! «, schrieb Stephen Leacock. »Das Kind sagt: ›Wenn ich ein großer Junge bin.‹ Und dann? Der große Junge sagt: ›Wenn ich erwachsen bin.‹ Und als Erwachsener sagt er: ›Wenn ich verheiratet bin.‹ Doch was ist das schon, verheiratet sein? Dann denkt er: ›Wenn ich mich zur Ruhe setzen kann.‹ Und wenn es so weit ist, schaut er auf die Landschaft zurück, die er durchschritten hat. Ein kühler Wind scheint darüber hinwegzustreichen. Offenbar hat er alles verpasst, und jetzt ist es vorbei. Das Leben, so lernen wir zu spät, will gelebt werden – im Gewebe eines jeden Tages und einer jeden Stunde.«
Der mittlerweile verstorbene Edward S. Evans aus Detroit wäre schon zu Lebzeiten vor lauter Sorgen fast gestorben, bevor er lernte, dass das Leben »gelebt werden will, im Gewebe eines jeden Tages und einer jeden Stunde«. Edward Evans wuchs in Armut auf und verdiente sein erstes Geld als Zeitungsverkäufer. Dann arbeitete er in einem Lebensmittelladen. Später, als er bereits sieben Mäuler zu stopfen hatte, fand er einen Job als Hilfskraft in der Bibliothek. Er verdiente nicht viel, hatte aber Angst, die Stelle aufzugeben. Acht Jahre vergingen, bis er den Mut fand, sich selbstständig zu machen. Doch als er den Schritt einmal gewagt hatte, baute er aus der ursprünglichen Investition von 55 geliehenen Dollar ein eigenes Unternehmen auf, das ihm 20 000 Dollar im Jahr einbrachte. Doch dann kam ein böser Rückschlag. Er unterschrieb eine große Bürgschaft für einen Freund – und dieser konnte nicht zahlen. Auf diese Katastrophe folgte prompt die nächste: Die Bank, der Edward sein ganzes Geld anvertraut hatte, ging bankrott. Er verlor nicht nur jeden Cent, den er besaß, sondern blieb auch noch 1600 Dollar schuldig. Das verkraftete er nervlich nicht. »Ich konnte nicht mehr schlafen und nicht mehr essen«, erzählte er mir. »Mich befiel eine seltsame Krankheit. Und es waren nur die Sorgen, die mich krank gemacht haben«, wie er sagte. »Eines Tages ging ich die Straße entlang, wurde ohnmächtig und fiel auf den Bürgersteig. Ich konnte nicht mehr laufen. Ich war bettlägerig und bekam Eiterbeulen am ganzen Körper. Diese schwärten, bis ich nur noch schmerzverzerrt im Bett liegen konnte. Ich wurde von Tag zu Tag schwächer. Schließlich teilte mir mein Arzt mit, ich hätte nur noch zwei Wochen zu leben. Das war ein Schock für mich. Ich setzte mein Testament auf, legte mich dann wieder ins Bett und wartete auf mein Ende. Es hatte keinen Sinn mehr, zu kämpfen oder sich Sorgen zu machen. Ich gab einfach auf, entspannte mich und schlief ein. Ich hatte schon wochenlang keine zwei Stunden mehr am Stück geschlafen, doch als sich meine irdischen Probleme dem Ende zuneigten, schlief ich wie ein Baby. Meine unerträgliche Erschöpfung verschwand. Mein Appetit kam zurück. Ich nahm wieder zu.
Ein paar Wochen später konnte ich schon wieder auf Krücken gehen. Nach sechs weiteren Wochen konnte ich wieder arbeiten gehen. Ich hatte einmal 20 000 Dollar im Jahr verdient, doch nun hätte ich mich über eine Stelle gefreut, die 30 Dollar die Woche abwarf. Ich fand einen Job als Verkäufer – ich verkaufte Keile, die man hinter die Räder von Autos schob, wenn sie als Frachtgut verschifft wurden. Ich hatte meine Lektion gelernt. Ich machte mir keine Sorgen mehr – ich trauerte Vergangenem nicht hinterher und fürchtete nicht, was die Zukunft bringen würde. Ich konzentrierte meine ganze Zeit, Kraft und Begeisterung darauf, diese Keile zu verkaufen.«
Von da an ging es mit Edward S. Evans schnell bergauf. Nach wenigen Jahren war er wieder Chef eines Unternehmens. Die Evans Product Company notiert schon seit Jahren an der New Yorker Börse. Als Edward S. Evans 1945 starb, gehörte er zu den progressivsten Unternehmern der Vereinigten Staaten. Sollten Sie je nach Grönland fliegen, landen Sie dort vielleicht auf dem Evans Field – einem nach ihm benannten Flugplatz.
Und hier die Moral von der Geschichte: Edward S. Evans hätte nie diese aufregenden unternehmerischen und persönlichen Höhenflüge erlebt, wenn er nicht eingesehen hätte, wie sinnlos es ist, sich zu sorgen – wenn er nicht gelernt hätte, jeden Tag für sich zu leben.
Der griechische Philosoph Heraklit erklärte seinen Schülern 500 Jahre vor Christus, dass »sich alles wandelt, nur nicht das Gesetz des Wandels«. Er sagte: »Ihr könnt nicht zweimal in denselben Fluss steigen. « Der Fluss verändert sich im Sekundentakt – und der Mensch, der hineinsteigt, ebenfalls. Das Leben ist unablässige Veränderung. Sicher ist nur der heutige Tag. Warum sollte man die Schönheit dessen trüben, im Heute zu leben, indem man versucht, die Probleme einer Zukunft zu lösen, die sich in laufende Veränderungen und Ungewissheit hüllt – eine Zukunft, die keiner vorhersagen kann?
Die alten Römer hatten dafür ein Wort – genauer gesagt, sogar zwei Wörter: Carpe diem. »Genieße den Tag. « Wörtlich: »Ergreife den Tag. « Oder: »Nutze den Tag. « Genau – nutzen Sie den Tag und machen Sie das Beste daraus.
Das ist die Philosophie von Lowell Thomas. Ich verbrachte unlängst ein Wochenende auf seiner Farm und stellte fest, dass er sich die Worte aus dem Psalm 118 eingerahmt und an die Wand seines Sendestudios gehängt hatte, wo er sie oft im Blick hatte:
Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
John Ruskin hatte einen schlichten Steinbrocken auf seinem Schreibtisch, in den das Wort HEUTE geritzt war. Ich habe zwar keinen Stein auf meinem Schreibtisch, aber ein Gedicht an meinem Spiegel – dort, wo ich es morgens beim Rasieren sehen kann. Es ist dasselbe Gedicht, das Sir William Osler stets auf seinem Schreibtisch stehen hatte. Es stammt von dem berühmten indischen Dichter Kalidasa:
GRUSS AN DIE MORGENDÄMMERUNG
Richte deinen Blick auf diesen Tag!
Denn er ist Leben, ja das Leben selbst.
In seinem kurzen Lauf
liegt alle Wahrheit, alles Wesen Deines Seins:
Die Seligkeit zu wachsen,
die Freude zu handeln,
die Pracht der Schönheit,
denn gestern ist nur noch ein Traum,
und morgen ist nur Vision,
doch heute, richtig gelebt, verwandelt jedes Gestern in einen glückseligen Traum
und jedes Morgen in ein Bild der Hoffnung.
So richte fest den Blick aufs Heute!
Das ist der Gruß an die Morgendämmerung.
Das Wichtigste, was Sie über Sorgen wissen müssen, ist Folgendes: Wenn Sie sie aus Ihrem Leben streichen möchten, dann machen Sie es wie Sir William Osler:
1. Schließen Sie die Schotten zur Vergangenheit und zur Zukunft. Leben Sie jeden Tag als abgeschottete Kammer.
Warum stellen Sie sich nicht folgende Fragen und schreiben die Antworten nieder?
Schiebe ich mein Leben in der Gegenwart auf, um mich um die Zukunft zu sorgen oder mich nach einem »magischen Rosengarten hinter dem Horizont« zu sehnen?
Verderbe ich mir die Gegenwart manchmal damit, weil ich etwas bereue, was vergangen ist – und vorbei?
Stehe ich morgens in dem Bewusstsein auf, den »Tag zu nutzen« und das Beste aus diesen 24 Stunden zu machen?
Kann ich mehr aus meinem Leben herausholen, wenn ich »jeden Tag als abgeschottete Kammer« lebe?
Wann soll ich damit anfangen? Nächste Woche? … Morgen? …
Heute?
1 Matthäus 6:34 – Alle Bibelstellen zitiert aus: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers mit Apokryphen, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, 1985
2 Übersetzung von Alfred Scherz Verlag, 1957
Sie hätten gern ein todsicheres Patentrezept für den Umgang mit Situationen, in denen Sie sich Sorgen machen – eine Technik, die Sie sofort einsetzen können, noch bevor Sie dieses Buch zu Ende gelesen haben?
Dann will ich Ihnen von der Methode erzählen, die sich Willis H. Carrier einfallen ließ – der geniale Ingenieur und Begründer der Klimaanlagenindustrie, der inzwischen die weltbekannte Carrier Corporation in Syracuse, New York, leitet. Es ist eine der besten Methoden zur Lösung der Sorgenproblematik, von der ich je gehört habe – und ich habe sie von Carrier höchstpersönlich, der sie mir eines Tages bei einem gemeinsamen Essen im New Yorker Engineers’ Club verriet.
Dort erzählte mir Carrier Folgendes: »Als junger Mann arbeitete ich bei der Buffalo Forge Company in Buffalo, New York. Dort sollte ich in einer Fabrik der Pittsburgh Plate Glass Company in Crystal City, Missouri, die mehrere Millionen Dollar gekostet hatte, eine Brennstoffreinigungsanlage einbauen. Dadurch sollten Verunreinigungen aus dem Brennstoff entfernt werden, damit dieser bei der Verbrennung die Antriebsmotoren nicht schädigte. Diese Methode der Brennstoffreinigung war damals noch ganz neu. Sie war erst ein einziges Mal ausprobiert worden – allerdings unter anderen Bedingungen. Bei meiner Arbeit in Crystal City stieß ich auf unvorhergesehene Probleme. Die Anlage funktionierte zwar, aber nicht so gut, wie wir zugesichert hatten.
Mein Misserfolg stürzte mich in große Verzweiflung. Ich verstand die Welt nicht mehr. Mein Magen, meine ganzen Eingeweide verkrampften sich. Eine Zeit lang ließen mich meine Sorgen nicht schlafen.
Schließlich schaltete sich mein Verstand ein und mahnte, dass mich Sorgen nicht weiterbringen würden. Also überlegte ich mir, wie ich mit dem Problem umgehen könnte, ohne mir Sorgen zu machen. Das klappte hervorragend. Diese »Reg-dich-nicht-auf-Methode« setze ich jetzt schon über 30 Jahre lang ein. Sie ist ganz einfach. Jeder kann das. Sie besteht aus drei Schritten:
Erster Schritt: Ich analysierte die Situation ehrlich und ohne Angst und überlegte mir, was die schlimmste Folge war, die mein Misserfolg haben konnte. Niemand würde mich dafür ins Gefängnis werfen oder erschießen, so viel stand fest. Natürlich könnte es sein, dass ich meinen Posten verlieren würde. Ebenso bestand die Möglichkeit, dass mein Arbeitgeber die Anlage wieder abbauen müsste und die 20 000 Dollar verlieren würde, die wir investiert hatten.
Zweiter Schritt: Als ich wusste, was das Allerschlimmste war, das passieren könnte, beschloss ich, mich damit abzufinden, wenn es nötig war. Ich sagte mir: Dieser Misserfolg wird ein Makel in meinem Lebenslauf sein und könnte bedeuten, dass ich meinen Job verliere. Doch dann könnte ich mir jederzeit einen neuen Job suchen. Es gab Schlimmeres. Und was meinen Arbeitgeber betraf, so wusste man dort, dass wir mit einer neuen Methode zur Brennstoffreinigung experimentierten. Wenn ihn diese Erfahrung 20 000 Dollar kosten würde, konnte er das verkraften. Er konnte es unter »Forschung und Entwicklung« verbuchen, denn schließlich war es ein Experiment.
Als mir klar war, was im schlimmsten Fall auf mich zukommen konnte, und als ich mich innerlich darauf eingestellt hatte, mich, falls nötig, damit abzufinden, geschah etwas Erstaunliches: Ich entspannte mich augenblicklich und empfand eine Seelenruhe, wie ich sie schon tagelang nicht mehr verspürt hatte.
Dritter Schritt: Von da an widmete ich meine Zeit und Kraft in aller Ruhe der Aufgabe, das Schlimmste zu verhindern, worauf ich mich innerlich bereits eingestellt hatte.
Ich versuchte, Mittel und Wege zu finden, um den drohenden Ver lust von 20 000 Dollar möglichst zu verringern. Ich führte mehrere Tests durch und stellte schließlich fest: Wenn wir weitere 5000 Dollar in zusätzliche Ausrüstung investieren würden, ließe sich unser Problem lösen. Das taten wir – und dadurch verlor das Unternehmen keine 20 000 Dollar, sondern gewann 15 000 Dollar.
Wenn ich mir weiter Sorgen gemacht hätte, wäre ich dazu vermutlich nie in der Lage gewesen, denn das Schlimmste an Sorgen ist, dass sie uns unserer Konzentrationsfähigkeit berauben. Wenn wir uns Sorgen machen, denken wir sprunghaft und verlieren unser Urteilsvermögen. Wenn wir uns aber dazu zwingen, uns mit dem schlimmstmöglichen Ausgang zu konfrontieren und uns damit abzufinden, vertreiben wir all die vagen Vorstellungen und versetzen uns in die Lage, uns auf unser Problem zu konzentrieren.
Der Vorfall, von dem ich erzählt habe, trug sich vor vielen Jahren zu. Die Methode funktionierte so gut, dass ich sie seither immer wieder einsetze. Und infolgedessen lebe ich weitgehend ohne Aufregung und belastende Sorgen.«
Warum ist die Zauberformel des Willis H. Carrier so wertvoll und aus psychologischer Sicht so praxistauglich? Weil sie uns aus den großen grauen Wolken holt, in denen wir herumirren, wenn wir uns von Angst blenden lassen. Sie erdet uns. Wir wissen dadurch, wo wir stehen. Und nur, wer festen Boden unter den Füßen spürt, kann eine Sache bis zum Ende durchdenken.
Professor William James, der Vater der angewandten Psychologie, ist schon vor 38 Jahren verstorben. Doch würde er heute noch leben und von dieser Formel hören, die besagt, dass man sich mit dem Schlimmsten konfrontieren muss, würde er sie von ganzem Herzen gutheißen. Woher ich das weiß? Weil er es seinen Studenten gesagt hat: »Findet euch damit ab. … Findet euch ab«, sagte er, denn »… die Akzeptanz des Geschehenen ist der erste Schritt, um die Folgen eines Missgeschicks zu überwinden«.
Dasselbe Konzept formulierte auch Lin Yutang in seinem viel gelesenen Buch Weisheit des lächelnden Lebens. »Echter Seelenfrieden«, so der chinesische Philosoph, »entsteht, wenn man sich mit dem Schlimms ten abfindet. Psychologisch betrachtet bedeutet das, dass Energie freigesetzt wird, denke ich.«
Genauso ist es! Psychologisch betrachtet bedeutet das, dass neue Energie freigesetzt wird! Haben wir uns erst auf das Schlimmste eingestellt, haben wir nichts mehr zu verlieren. Und das bedeutet automatisch, dass wir nur noch gewinnen können! »Nachdem ich dem Schlimmsten ins Auge gesehen hatte«, berichtete Willis H. Carrier, »entspannte ich mich augenblicklich und empfand eine Seelenruhe, wie ich sie schon tagelang nicht mehr verspürt hatte. Von diesem Zeitpunkt an konnte ich wieder denken.«
Einleuchtend, oder? Dennoch ruinieren Millionen von Menschen in zorniger Aufregung ihr Leben, weil sie nicht bereit sind, sich mit dem Schlimmsten abzufinden. Weil sie nicht bereit sind, das Beste daraus zu machen. Weil sie nicht bereit sind, zu retten, was zu retten ist. Statt zu versuchen, ihr Geschick zu wenden, lassen sie sich auf eine bittere und »gewaltsame Auseinandersetzung mit der Erfahrung« ein – und fallen am Ende der grüblerischen Fixierung zum Opfer, die auch als Melancholie bekannt ist.
Möchten Sie gerne wissen, wie andere die Zauberformel von Willis H. Carrier übernommen und auf eigene Probleme angewendet haben? Hier ein Beispiel von einem New Yorker Ölhändler, der an meinen Kursen teilgenommen hat.
»Ich wurde erpresst! «, begann er seine Geschichte. »Ich hätte das nie für möglich gehalten – ich dachte immer, so etwas gibt es nur im Film –, doch ich wurde tatsächlich erpresst! Das kam so: Die Ölgesellschaft, die ich leitete, hatte mehrere Lieferfahrzeuge und etliche Fahrer. Damals galten strikt die Bestimmungen des Ölverschmutzungsgesetzes, und die Ölmenge, die wir einem Kunden ausliefern durften, war begrenzt. Offenbar hatten manche unserer Fahrer hinter meinem Rücken Stammkunden Mindermengen geliefert und das übrige Öl auf eigene Rechnung weiterverkauft.
Den ersten Hinweis auf diese illegalen Geschäfte erhielt ich, als mich eines Tages ein Mann aufsuchte, der sich als staatlicher Inspekteur ausgab – und Schweigegeld forderte. Er hatte Beweise für die Ma chenschaften unserer Fahrer und drohte, diese an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben, wenn ich nicht zahlte.
Ich wusste natürlich, dass ich mir nichts vorzuwerfen hatte – zumindest nicht persönlich. Aber ich wusste auch, dass ein Unternehmen laut Gesetz für die Handlungen seiner Beschäftigten verantwortlich ist. Außerdem war mir klar: Landete die Angelegenheit vor Gericht und in der Zeitung, würde die schlechte Publicity mein Unternehmen ruinieren. Und ich war stolz auf meinen Betrieb – mein Vater hatte ihn 24 Jahre zuvor gegründet.
Ich wurde krank vor Sorgen. Drei Tage und Nächte konnte ich weder essen noch schlafen. Ich drehte mich im Kreis. Sollte ich die 5000 Dollar zahlen – oder sollte ich den Erpresser zum Teufel schicken? So oder so würde das zum Albtraum werden.
Am Sonntagabend fiel mir zufällig das Heftchen How to Stop Worrying aus meinem Carnegie-Kurs für Rhetorik in die Hände. Ich schlug es auf und stieß auf die Geschichte von Willis H. Carrier. ›Stelle dich auf das Schlimmste ein‹, hieß es dort. Also fragte ich mich: ›Was kann mir schlimmstenfalls passieren, wenn ich mich weigere zu zahlen und die Erpresser ihr Beweismaterial der Staatsanwaltschaft übergeben?‹
Die Antwort: ›Mein Unternehmen könnte ruiniert sein – das ist das Schlimmste, was passieren könnte. Ich werde nicht ins Gefängnis müssen. Mir kann nicht mehr passieren, als dass mich die schlechte Publicity ruiniert.‹
Dann sagte ich mir: ›Also gut – was passiert, wenn ich mich mit diesem Gedanken abfinde?‹
Dann wäre mein Unternehmen pleite und ich müsste mich nach einem Job umsehen. Das wäre nicht so schlimm. Ich verstand eine Menge vom Ölgeschäft – es gab verschiedene Firmen, die mich vielleicht gern einstellen würden. … Schon fühlte ich mich besser. Die schwarze Stimmung, in der ich drei Tage und Nächte gewesen war, hellte sich ein bisschen auf. Ich wurde ruhiger. … Und zu meinem Erstaunen konnte ich wieder denken.
Und zwar so klar, dass ich den dritten Schritt angehen konnte – das Beste daraus zu machen. Als ich darüber nachdachte, wie sich die Probleme lösen ließen, kam mir ein ganz neuer Gedanke. Wenn ich meinem Anwalt die ganze Sache schildern würde, wüsste dieser vielleicht einen Ausweg, der mir nicht in den Sinn gekommen war. Ich weiß, es hört sich dumm an, dass ich nicht schon früher daran gedacht hatte – aber das kam natürlich daher, dass ich nicht klar denken konnte. Ich hatte nur meine Sorgen im Kopf gehabt! Ich beschloss, gleich am nächsten Morgen meinen Anwalt aufzusuchen. Dann ging ich zu Bett und schlief wie ein Stein!
Wie die Sache ausging? Tja, am nächsten Morgen empfahl mir mein Anwalt, selbst zum Staatsanwalt zu gehen und die Wahrheit zu sagen. Genau das tat ich. Als ich meine Geschichte erzählt hatte, bekam ich erstaunt zu hören, dass diese Erpressermasche schon seit Monaten lief und dass der Mann, der sich als ›Beamter‹ ausgab, ein polizeilich gesuchter Betrüger war. Mir fiel ein Stein vom Herzen, nachdem ich mich drei Tage und Nächte lang mit der Frage gequält hatte, ob ich diesem Berufsverbrecher 5000 Dollar aushändigen sollte!
Dieses Erlebnis hat bei mir eine bleibende Erkenntnis hinterlassen. Wann immer ich jetzt vor einem Problem stehe, das mich zu belasten droht, gehe ich dieses mit der ›bewährten Zauberformel vom alten Willis H. Carrier‹ an, wie ich das nenne.«
Etwa zur selben Zeit, als sich Willis H. Carrier den Kopf über die Brennstoffreinigungsanlage zerbrach, die er in einer Fabrik in Crystal City, Missouri, einbauen sollte, setzte ein Mann aus Broken Bow, Nebraska, sein Testament auf. Er hieß Earl P. Haney und litt an Zwölffingerdarmgeschwüren. Drei Ärzte, darunter ein berühmter Tumorspezialist, hatten Haney als »unheilbar« bezeichnet. Sie hatten ihm geraten, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten und möglichst keine Sorgen oder Belastungen an sich heranzulassen – er sollte jede Aufregung meiden. Außerdem empfahlen sie ihm, sein Testament zu machen.
Die Geschwüre hatten Earl P. Haney bereits gezwungen, seine gute, hoch dotierte Stellung aufzugeben. Daher hatte er nichts anderes mehr zu tun, als auf seinen langsamen Tod zu warten.
Doch er traf eine Entscheidung, wie man sie nur selten trifft – und sie erwies sich als hervorragend. »Da ich nicht mehr lange zu leben habe«, sagte er, »will ich meine Zeit optimal nutzen. Ich wollte schon immer gern um die Welt reisen, bevor ich sterbe. Wenn ich das noch schaffen will, dann muss ich es gleich tun. « Also kaufte er sich ein Ticket.
Die Ärzte waren entsetzt. »Davon müssen wir Ihnen dringend abraten«, erklärten sie Haney. »Wenn Sie diese Reise antreten, wird man Sie auf See bestatten.«
»Auf keinen Fall«, entgegnete er. »Ich habe meiner Familie versprochen, dass ich im Familiengrab in Broken Bow, Nebraska, beigesetzt werde. Ich werde mir daher einen Sarg kaufen und diesen mit mir führen.«
Er besorgte sich einen Sarg, ließ ihn aufs Schiff laden und traf für den Fall seines Todes Vereinbarungen mit der Dampfschifffahrtsgesellschaft. Sie sollten seinen Leichnam in einer Kühlkammer aufbewahren, bis der Dampfer wieder den heimischen Hafen erreichte. Er ging auf Reisen, beflügelt vom Geist des alten Omar Khayyam, der da singt:
Nutze die Zeit, die dir noch bleibt,
bevor du auch zu Staub zerfällst,
Staub unter Staub
und ohne Wein, ohne Lieder – für endlose Zeiten!
Haney reiste jedoch nicht »ohne Wein«. »Ich trank auf dieser Reise Highballs und rauchte lange Zigarren«, schreibe Haney in einem Brief, der mir vorliegst. »Ich aß alle möglichen Speisen – auch fremde, ausländische Gerichte, die mich garantiert umbringen würden. Ich hatte so viel Spaß wie seit Jahren nicht. Wir erlebten Monsunregen und Taifune, die mich eigentlich vor lauter Angst ins Grab hätten bringen müssen – doch mir gab dieses Abenteuer einen ungeheuren Auftrieb.
Ich spielte auf dem Schiff, ich sang, ich schloss neue Freundschaften und machte die Nacht zum Tag. Als ich China und Indien erreichte, erkannte ich, dass meine geschäftlichen Probleme und Sorgen zu Hause ein Paradies waren, wenn man sie der Armut und dem Hunger im Orient gegenüberstellte. Ich vergaß meine grundlosen Sorgen und fühlte mich wohl. Bei meiner Rückkehr nach Amerika hatte ich 45 Kilo zugenommen. Dass ich ein Magengeschwür hatte, hatte ich beinahe vergessen. So gut hatte ich mich noch nie im Leben gefühlt. Prompt verkaufte ich dem Bestatter seinen Sarg zurück und nahm meine Geschäfte wieder auf. Seither bin ich keinen Tag krank gewesen.«
Damals hatte Earl P. Haney noch nie von Willis H. Carrier oder seiner Methode zum Umgang mit Sorgen gehört. »Aber jetzt erkenne ich«, erzählte er mir vor Kurzem, »dass ich unbewusst das gleiche Prinzip anwendete. Ich fand mich mit dem Schlimmsten ab, das mir zustoßen konnte – in meinem Fall mit meinem Tod. Und dann machte ich das Beste daraus, indem ich die mir verbliebene Zeit voll auskostete. … Wenn ich mir an Bord dieses Schiffes weiter Sorgen gemacht hätte, wäre ich sicherlich in diesem Sarg nach Hause zurückgekehrt. Doch ich entspannte mich – und vergaß meine Sorgen. Und diese Seelenruhe ließ in mir neue Kraft entstehen, die mir tatsächlich das Leben gerettet hat. « (Earl P. Haney lebt heute in 52 Wedgemere Ave., Winchester, Massachusetts.)
Wenn es Willis H. Carrier gelungen ist, mithilfe dieser Zauberformel einen 20 000-Dollar-Vertrag zu retten, wenn sich ein New Yorker Unternehmer damit selbst vor Erpressung bewahren und wenn Earl P. Haney sogar sein Leben retten konnte, kann es dann nicht sein, dass diese Formel auch die Antwort auf manche Ihrer Schwierigkeiten ist? Vielleicht kann sie ja sogar das eine oder andere Problem lösen, das Sie für unlösbar halten?
Regel Nr. 2 lautet daher: Haben Sie ein Sorgenproblem, dann wenden Sie die Zauberformel von Willis H. Carrier an. Gehen Sie in folgenden drei Schritten vor:
Fragen Sie sich: »Was ist das Schlimmste, was möglicherweise passieren könnte? «
Stellen Sie sich darauf ein, sich, wenn nötig, damit abzufinden.
Versuchen Sie dann in aller Ruhe, das Schlimmste weniger schlimm zu machen.
Ein Unternehmer, der nicht weiß, wie er seine Sorgen und Aufregungen in den Griff bekommt, wird nicht alt.
Dr. Alexis Carrel
Vor einiger Zeit klingelte eines Abends ein Nachbar an meiner Tür und drängte mich und meine Familie, uns gegen Pocken impfen zu lassen. Er war einer der Tausenden Freiwilligen, die damals in ganz New York an den Haustüren klingelten. Zu dieser Zeit standen verängstigte Menschen stundenlang Schlange, um sich impfen zu lassen. Nicht nur in allen Krankenhäusern gab es Impfstationen, sondern auch in Feuerwehrwachen, Polizeirevieren und großen Industrieanlagen. Über 2000 Ärzte und Krankenpfleger arbeiteten fieberhaft Tag und Nacht und impften die Massen. Was die ganze Aufregung ausgelöst hatte? In der Stadt New York waren acht Menschen an Pocken erkrankt – und zwei davon waren gestorben. Zwei Todesfälle bei fast acht Millionen Einwohnern.
Ich lebe schon über 37 Jahre in New York und noch nie hat jemand an meiner Tür geklingelt, um mich vor der Krankheit zu warnen, die sich in Ängsten, Grübeleien und Sorgen aller Art zeigt – einer Gemütserkrankung, die in den letzten 37 Jahren viele Tausend Male mehr Schaden angerichtet hat als die Pocken.
Kein Freiwilliger hat mich je darauf hingewiesen, dass aktuell jeder zehnte US-Amerikaner einmal im Leben einen Nervenzusammenbruch erleidet – in den meisten Fällen ausgelöst von Sorgen und emotionalen Konflikten. Ich schreibe dieses Kapitel daher als Weckruf, um Sie zu warnen.
Der große Medizinnobelpreisträger Dr. Alexis Carrel hat gesagt: »Ein Unternehmer, der nicht weiß, wie er seine Sorgen und Aufregungen in den Griff bekommt, wird nicht alt. « Und das Gleiche gilt für Hausfrauen, Tierärzte und Maurer.
Vor ein paar Jahren fuhr ich im Urlaub mit Dr. O. F. Gober, leitender Arzt bei der Santa Fé Railway, im Auto durch Texas und New Mexico. Sein genauer Titel lautete Chefarzt der Gulf, Colorado and Santa Fé Hospital Association. Als wir darauf zu sprechen kamen, wie sich Sorgen und Aufregungen im Gemüt auf die Menschen auswirkten, sagte er: »70 Prozent aller Patienten, die einen Arzt aufsuchen, könnten sich selbst helfen, wenn sie nur ihre Ängste und Sorgen loswürden. Aber Sie dürfen keinesfalls denken, ihre Leiden seien eingebildet. Sie sind ebenso real wie ein bohrender Zahnschmerz und mitunter hundertmal so ernst. Damit meine ich Krankheiten wie nervöse Magenbeschwerden, manche Magengeschwüre, Herzrhythmusstörungen, Schlaflosigkeit, bestimmte Arten von Kopfschmerzen und gewisse Lähmungen.
Diese Beschwerden sind real. Ich weiß, wovon ich spreche«, meinte Dr. Gober. »Ich habe selbst zwölf Jahre lang an Magengeschwüren gelitten.
Ängste lösen Sorgen aus. Sorgen machen angespannt und nervös, wirken sich auf die Nerven Ihres Magens aus und verändern sogar die Magensäfte, und solche Anomalien führen oft zu Magengeschwüren.«
Dr. Joseph F. Montague, Autor des Buches Nervous Stomach Trouble, äußert sich ganz ähnlich. Er sagt: »Magengeschwüre bekommen Sie nicht von dem, was Sie essen, sondern von dem, was Sie auffrisst.«
Dr. W. C. Alvarez von der Mayo Clinic meinte: »Magengeschwüre entstehen und verschwinden häufig in Abhängigkeit davon, wie hoch die emotionale Belastung ist.«
Dieser Feststellung lag eine Studie über 15 000 Patienten zugrunde, die an der Mayo Clinic wegen Magenbeschwerden behandelt wurden. Bei vier von fünf gab es keine physische Ursache für ihre Magenerkrankungen. Angst, Sorgen, Hass, ausgeprägte Selbstsucht und die Unfähigkeit, sich den Lebensumständen anzupassen – das waren die Hauptursachen für die Magenbeschwerden und -geschwüre der meisten Patienten. … Magengeschwüre können tödlich sein. Der Zeitschrift Life zufolge stehen sie auf unserer Liste lebensbedrohlicher Erkrankungen an zehnter Stelle.
Ich korrespondierte unlängst mit Dr. Harold C. Habein von der Mayo Clinic. Er hielt einen Vortrag auf der Jahrestagung der American Association of Industrial Physicians and Surgeons und berichtete von einer Studie über 176 Führungskräfte im Durchschnittsalter von 44,3 Jahren.
