Die Party Queen von Manhattan - Lauren Weisberger - E-Book
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Beschreibung

Von der Autorin des Bestsellers "Der Teufel trägt Prada".Wer würde nicht mit Bette Robinson tauschen: Der jungen Frau wird ein Job in New Yorks angesagtester PR und Event Management Firma angeboten, ein Job, in dem es zur Stellenbeschreibung gehört, Champagner zu trinken und Stars zu treffen. Ihre neue Arbeit führt Bette aber nicht nur in die exklusivsten Clubs der Stadt, sondern eher zufällig auch in die Arme eines umschwärmten Playboys. Als sie ihr neues Leben in einer anonymen Klatschkolumne dokumentiert sieht, ahnt Bette allerdings, dass das Leben als Party Queen auch Nachteile hat …

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:706


Inhaltsverzeichnis
 
Buch
Widmung
 
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
 
Copyright
Buch
Überstunden, Hektik und keine Rettung in Sicht: Bette Robinson hat ihre Arbeit bei einer Investmentbank gründlich satt. Spontan kündigt sie und genießt erst einmal ihre Freiheit. Aber natürlich braucht Bette einen neuen Job, und da kommt ihr das Angebot, bei einer der bekanntesten PR und Event Management Firmen New Yorks zu arbeiten, gerade recht. Ihr Einsatz für Kelly & Company führt Bette in die exklusivsten Clubs, zu den heißesten Partys und den umschwärmtesten VIPs der Stadt. Hier geht es nur um eines: sehen und gesehen werden. Und Bette wird offenbar gesehen: Obwohl ihre Exkursionen ins New Yorker Nachtleben beruflich bedingt sind, scheint jemand größtes Interesse daran zu haben, jeden ihrer Schritte zu kommentieren. In einer anonymen Klatschkolumne kann Bette nachlesen, wann sie wo mit wem gesichtet wurde. Pikant wird die Geschichte, als Bette eher zufällig im Bett des begehrten Playboys Philip Weston landet. Für ihre Karriere ist diese angebliche Affäre perfekt, für ihr Privatleben dagegen eine Katastrophe, denn eigentlich ist Bette in einen ganz anderen verliebt. Und so gerät das vermeintlich traumhafte Leben der Party Queen gehörig durcheinander...
 
 
Autorin
Lauren Weisberger hat an der Cornell University studiert und danach für die Modezeitschrift VOGUE gearbeitet. Sie war dort die persönliche Assistentin der Herausgeberin Anna Wintour. Ihr von eigenen Erfahrungen inspirierter Debütroman, »Der Teufel trägt Prada«, machte die junge Autorin über Nacht zum gefeierten Star. Das Buch stand sechs Monate lang auf der Bestsellerliste der New York Times, die Rechte wurden in 27 Länder verkauft, und der Roman wurde mit Meryl Streep und Anne Hathaway in den Hauptrollen verfilmt. Mit »Die Party Queen von Manhattan« legt Lauren Weisberger nun ihren zweiten Roman vor, der erneut in den trendigsten Kreisen Manhattans spielt. Die Autorin lebt in New York.
 
Von Lauren Weisberger bereits erschienen:
Der Teufel trägt Prada. Roman (54145)
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Everyone Worth Knowing« bei Simon & Schuster, New York
Für meine Großeltern: Damit sie mich leichter von ihren anderen Enkelkindern unterscheiden können.
1
»How does it feel to be one of the beautiful people?«
Aus »Baby, You’re a Rich Man« (1967) von John Lennon und Paul McCartney
Obwohl ich das braune Tierchen, das da über mein welliges Parkett huschte, nur aus dem Augenwinkel erspäht hatte, wusste ich gleich, dass es nur eine Kakerlake sein konnte - und zwar die mit Abstand fetteste, fleischigste Küchenschabe, die je meinen Weg gekreuzt hatte. Bevor das Biest unter dem Bücherschrank verschwand, schrammte es haarscharf an meinen nackten Füßen vorbei. Schlotternd aktivierte ich die Chakrenatmung, die ich seit einem unfreiwilligen Aufenthalt in einem indischen Aschram beherrschte, in den ich von meinen Eltern vor ein paar Jahren zwangsverschleppt worden war. Einige Male konzentriert Luft geholt, und mein Herzschlag beruhigte sich wieder. Nach ein paar Minuten hatte ich mich so weit gefangen, dass ich zum Gegenangriff übergehen konnte. Als Erstes rettete ich Millington aus ihrem Versteck, denn sie hatte sich, ebenso erschrocken wie ich, unter der Couch verkrochen. Dann ging alles blitzschnell. Ich sprang in ein Paar kniehohe Lederstiefel, riss die Wohnungstür auf, um dem Geziefer einen Fluchtweg zu bieten, und versprühte in sämtlichen (zwei) Räumen ein hochwirksames, nur auf dem Schwarzmarkt erhältliches Insektengift. Ich umklammerte die Spraydose wie eine tödliche Angriffswaffe und ließ den Knopf erst zehn Minuten später wieder los, als das Telefon klingelte.
Das Display zeigte Penelopes Nummer an. Fast hätte ich in meiner Panik den Apparat einfach klingeln lassen, aber dann fiel mir ein, dass sie eine der insgesamt zwei Personen war, bei denen ich im Notfall um Asyl bitten konnte. Sollte die Kakerlake den Giftgasangriff überstehen und noch einmal durchs Wohnzimmer spazieren, würde ich bei Pen oder Onkel Will unterschlüpfen müssen. Und weil ich nicht genau wusste, wo sich Will heute Abend rumtrieb, war es wohl klüger, die Kommunikation zu Penelope nicht abreißen zu lassen. Ich ging ran.
»Pen, ich bin gerade von der riesigsten Küchenschabe in ganz Manhattan überfallen worden. Was soll ich machen?«, platzte ich heraus, kaum dass ich den Hörer in der Hand hatte.
»Bette, ich muss dir was Wichtiges erzählen!«, legte sie ungerührt los. Meine missliche Lage ließ sie offensichtlich kalt.
»Wichtiger als der Angriff der Killerkakerlake?«
»Avery hat mir gerade einen Heiratsantrag gemacht!«, trällerte Penelope. »Wir sind verlobt!«
Verdammt. Wir sind verlobt, drei kleine Wörter, die für sie das Glück auf Erden bedeuteten und für mich den Super-GAU. Ich schaltete sofort auf Autopilot um. Es wäre, gelinde gesagt, nicht gerade angemessen gewesen, das auszusprechen, was ich in diesem Moment wirklich dachte. Er ist eine Niete, Pen. Ein verzogener kleiner Junge im Körper eines zugekoksten und zugekifften Riesenbabys. Er weiß, dass er dir nicht das Wasser reichen kann. Deshalb steckt er dir schnell einen Verlobungsring an den Finger, bevor du irgendwann von selber draufkommst. In spätestens zehn Jahren serviert er dich wegen einer Jüngeren ab, und dann stehst du vor einem Scherbenhaufen. Tu es nicht! Tu es nicht! Tu es nicht!
»Das gibt’s doch nicht!«, rief ich. »Herzlichen Glückwunsch. Wie ich mich für dich freue!«
»Ach, Bette, das dachte ich mir. Ich kann kaum sprechen, es geht alles so schnell.«
So schnell? Es war doch irgendwie zu erwarten gewesen. Seit du neunzehn warst, hast du keinen anderen Mann mehr angeguckt. Das sind jetzt immerhin acht Jahre. Ich hoffe bloß, er fängt sich bei seinem Junggesellenabschied keinen Herpes ein.
»Ich will alles wissen, jede Einzelheit. Wann? Wie? Was für ein Ring?« Trotz des Schocks spielte ich die Rolle der besten Freundin gar nicht so übel und betete die unvermeidlichen Fragen ziemlich überzeugend herunter.
»Ich kann nicht lange reden, wir sind nämlich im Plaza Hotel. Weißt du noch, dass er mich heute Abend unbedingt von der Arbeit abholen wollte?« Sie ließ mir keine Zeit für eine Antwort und plapperte aufgeregt weiter. »Er ist in einer Limousine vorgefahren und hat behauptet, er hätte sie nur gemietet, weil er kein Taxi kriegen konnte. Seine Eltern würden uns in zehn Minuten zum Essen erwarten. Ich war ein bisschen sauer, weil wir eigentlich ins Per Se wollten. Du weißt ja, wie schwer es ist, da überhaupt einen Tisch zu kriegen. Als wir dann bei ihm zu Hause waren und in der Bibliothek noch einen Cocktail getrunken haben, kamen plötzlich unsere Eltern rein, seine und meine. Und bevor ich wusste, wie mir geschah, lag er schon vor mir auf den Knien.«
»Eure Eltern waren dabei? Er hat dir vor allen Leuten einen Antrag gemacht?« Mir war klar, dass ich entsetzt klang, aber ich konnte es nicht ändern.
»Vor allen Leuten? Es war ja schließlich kein Massenauflauf, Bette. Er hat die allerliebsten Sachen gesagt. Und ohne unsere Eltern hätten wir uns schließlich nie kennen gelernt, deshalb konnte ich ihn schon verstehen. Und jetzt die Krönung - er hat mir zwei Ringe geschenkt!«
»Zwei Ringe?«
»Zwei Ringe. Einen lupenreinen runden Sechskaräter in einer Platinfassung, der seiner Ururgroßmutter gehört hat und in der Familie als eigentlicher Verlobungsring weitervererbt wird, und einen bildhübschen, rechteckigen Dreikaräter, der sehr viel tragbarer ist.«
»Tragbarer?«
»Man kann doch nicht mit so einem dicken Klunker am Finger in New York rumspazieren. Ich fand das echt eine klasse Idee.«
»Zwei Ringe?«
»Nun krieg dich wieder ein. Nach den Cocktails sind wir in die Gramercy Tavern gegangen. Mein Vater hat während des gesamten Essens tatsächlich nicht ein einziges Mal sein Handy eingeschaltet, und einen einigermaßen gelungenen Trinkspruch hat er sich auch noch ausgedacht. Reife Leistung. Anschlie ßend sind wir mit der Pferdekutsche durch den Central Park gefahren, und jetzt haben wir uns im Plaza eine Suite genommen. Ich musste dich einfach anrufen, um dir die gute Nachricht zu erzählen.«
Ich erkannte Penelope kaum wieder. Wo war meine alte Freundin geblieben? Die Frau, die sich Verlobungsringe noch nicht mal in der Auslage beim Juwelier anschaute, weil sie fand, dass sie sowieso alle gleich aussahen? Die Frau, die vor gerade einmal drei Monaten, als sich eine ehemalige Studienkollegin von uns in einer Pferdekutsche verlobte, mit dem Kommentar »Kitschiger geht’s nicht« reagiert hatte? Diese Frau sollte sich von einem Tag auf den anderen in die Billigversion einer Stepford-Verlobten verwandelt haben? Oder war ich bloß neidisch? Natürlich war ich neidisch. Für mich lag eine Verlobung in weiter Ferne. Ich kam mit dem Thema Hochzeit höchstens sonntags beim Brunch in Berührung, wenn ich die Heiratsanzeigen in der New York Times studierte, besser bekannt auch unter dem Namen »Sportseite für weibliche Singles«. Aber darum ging es überhaupt nicht.
»Danke, dass ich es als Erste erfahre! Ich will unbedingt noch mehr hören, ich bin ja schon so gespannt. Aber jetzt musst du erst mal deine Verlobung vollziehen. Nun lauf und mach deinen Bräutigam glücklich. Klingt das nicht irre? Deinen Bräutigam?«
»Ach, Avery hat gerade einen Anruf aus dem Büro bekommen. Ich sag ihm die ganze Zeit, er soll endlich auflegen...« Sie sprach lauter, damit er es mitbekam. »Aber er hört einfach nicht auf zu reden. Und wie war dein Abend?«
»Ein typischer Freitag. Mal sehen. Millington und ich haben einen Spaziergang gemacht, bis rüber auf die andere Seite vom Fluss. Unterwegs hat ihr ein Obdachloser ein Plätzchen geschenkt, da war sie ganz aus dem Häuschen. Und als ich wieder zu Hause war, habe ich - mit ein bisschen Glück - das größte Insekt der westlichen Hemisphäre gekillt. Ich habe mir was beim Vietnamesen bestellt, das Essen dann aber doch in den Müll gekippt, weil mir wieder eingefallen ist, was letztens in der Zeitung stand. Bei mir um die Ecke wurde ein vietnamesisches Restaurant geschlossen, weil sie dort Hundefleisch verarbeitet haben. Und jetzt freue ich mich schon auf ein königliches Mahl aus aufgewärmtem Reis mit Bohnen, begleitet von einem Päckchen Twizzlers. Hilfe, ich klinge ja wie eine Diätwerbung.«
Statt mich zu trösten, lachte sie bloß. Dann klickte es in der Leitung: noch ein Anruf.
»Ah, das ist Michael. Ich muss es ihm sagen. Du hast doch nichts gegen eine Konferenzschaltung?«
»Nur zu. Ich kann es kaum erwarten, dass du es ihm erzählst.« Sobald Penelope aufgelegt hatte, würde Michael mir bestimmt sein Beileid aussprechen. Schließlich konnte er Avery noch weniger leiden als ich.
Klicken, Stille, noch ein Klicken. »Ist da jemand?«, kiekste Penelope aufgeregt. Und das von einer Frau, die sonst nicht zum Kieksen neigte. »Michael? Bette? Seid ihr beide dran?«
Michael arbeitete wie Penelope und ich bei UBS, aber seitdem er zum Vizepräsidenten befördert worden war, bekamen wir ihn viel seltener zu sehen als früher. Obwohl auch Michael eine feste Freundin hatte, war mir erst durch Penelopes Verlobung eines richtig klar geworden: Wir wurden allmählich erwachsen.
»Hi, Mädels«, sagte Michael. Er klang erschöpft.
»Michael, stell dir vor! Ich habe mich verlobt!«
Er zögerte kurz. Die Nachricht überraschte ihn sicher genauso wenig wie mich, und ich vermutete stark, dass auch er sich erst einmal eine begeisterte Antwort aus den Rippen leiern musste.
»Pen, das ist ja fantastisch!«, rief er überschwänglich. Die Lautstärke half, den Mangel an echter Freude in seiner Stimme auszugleichen. Diesen Trick musste ich mir unbedingt für die Zukunft merken.
»Ich weiß!«, trällerte sie. »Wie schön, dass ihr euch so für mich freut, Bette und du. Avery hat mich erst vor ein paar Stunden gefragt, und ich bin so glücklich, dass ich platzen könnte.«
»Eins steht fest: Das muss gefeiert werden«, sagte Michael laut. »Im Black Door, nur wir drei. Wir gießen uns tüchtig einen hinter die Binde.«
»Unbedingt.« Ich war froh, dass ich auch etwas beitragen konnte. »Eine Feier ist auf jeden Fall angesagt.«
»Okay, Schätzchen!«, hörten wir Penelope rufen. Verständlicherweise rangierten unsere Ausgehpläne bei ihr momentan erst an zweiter Stelle. »Kinder, Avery ist fertig mit Telefonieren. Er zieht an meinem Kabel. Avery, lass das! Finger weg! Ich muss auflegen, aber ich melde mich später noch mal. Und wir sehen uns ja morgen im Büro, Bette. Ihr seid die Größten!«
Es klickte, dann fragte Michael: »Bist du noch da?«
»Klaro. Wer ruft zurück? Du oder ich?« Man wusste nie, ob man nach so einer Konferenzschaltung nicht vielleicht doch noch einen Lauscher in der Leitung hatte. Deshalb fingen wir immer erst ein neues Gespräch an, bevor wir loslästerten.
Im Hintergrund quäkte eine verzerrte Lautsprecherstimme, und er sagte: »Mist, ich bin gerade angepiept worden. Ich kann jetzt nicht. Verschieben wir es auf morgen?«
»Klar. Liebe Grüße an Megu. Und, Michael? Tu mir den Gefallen und lass dir noch ein bisschen Zeit mit dem Verloben, ja? Nicht dass du mir jetzt auch noch das sinkende Schiff verlässt. Das könnte ich nicht ertragen.«
Er lachte und würgte den Piepser ab, der einen Heidenlärm machte. »Keine Bange, so schnell will ich auch noch nicht unter die Haube. Versprochen. Ich ruf dich morgen an. Und, Bette? Kopf hoch. Avery mag zwar einer der ärgsten Unsympathen sein, den wir kennen, aber Penelope ist glücklich. Und das ist doch die Hauptsache.«
Ich starrte noch ein paar Minuten auf das stumme Telefon, dann ging ich zum Fenster und beugte mich weit hinaus, um einen Blick auf die paar Zentimeter Flusslandschaft zu erhaschen, die meine gesamte Aussicht darstellten. Die Wohnung machte insgesamt nicht viel her, aber wenigstens gehörte sie wieder mir allein, seit mein Freund Cameron vor fast zwei Jahren ausgezogen war. Obwohl sie so lang und schmal war, dass ich mit ausgestreckten Beinen fast von Wand zu Wand reichte, obwohl sie in Murray Hill lag, obwohl sich die Dielen wellten und die Invasion der Kakerlaken begonnen hatte, zählte für mich nur eines: dass ich die Alleinherrscherin über mein kleines Reich war. Das Haus, ein Betonmonster mit mehreren Flügeln, lag zwischen der Vierunddreißigsten Straße und der First Avenue. Zu meinen illustren Mitbewohnern gehörten der Sänger einer Boygroup, ein Squashprofi, eine zweitklassige Pornoqueen, bei der sich die Besucher die Klinke in die Hand gaben, ein Otto Normalverbraucher, ein ehemaliger Kinderstar, der seit zwei Jahrzehnten keinen Film mehr gedreht hatte, und eine Unzahl relativ frisch gebackener Jungakademiker, die sich noch nicht ganz vom Wohnheimdasein abgenabelt hatten. Es warb mit einer »prachtvollen Aussicht« auf den East River, und das stimmte sogar, wenn man unter »prachtvoll« auch einen Baukran, eine Hand voll Müllcontainer und die Fensterfront des gegenüberliegenden Gebäudes verstand. Vom Fluss waren genau zehn Zentimeter zu erspähen, aber nur dann, wenn man sich unter unmenschlichsten Verrenkungen aus dem Fenster hängte. Und für dieses Paradies musste ich monatlich kaum mehr berappen als andere Leute für ein geräumiges Einfamilienhaus außerhalb der Stadt.
Ich dachte darüber nach, wie ich auf Penelopes Neuigkeit reagiert hatte. Bestimmt hatte ich ehrlich erfreut geklungen, wenn auch nicht gerade ekstatisch. Aber Ekstase lag nun mal nicht in meiner Natur, und das wusste Penelope auch. Ich hatte gebührendes Interesse an ihren - zwei! - Verlobungsringen geheuchelt und ihr versichert, wie sehr ich mich für sie freute. Dass meine Antworten nicht besonders tief schürfend oder überschwänglich ausgefallen waren, hatte sie vor lauter Glück sicher gar nicht gemerkt. Insgesamt: eine glatte Zwei plus.
Meine Atmung hatte sich mittlerweile so weit beruhigt, dass ich mir eine dringend benötigte Zigarette anstecken konnte. Dass die Kakerlake nicht wieder aufgetaucht war, half natürlich auch. Ich redete mir ein, dass ich nur deshalb so mies drauf war, weil ich nicht wollte, dass Penelope den falschen Mann heiratete, und nicht, weil ich neidisch auf sie war. Sie hatte einen Verlobten, ich noch nicht mal einen Freund. Es klappte einfach nicht. Cameron war vor zwei Jahren ausgezogen, und obwohl ich mich nach den diversen, erfolgreich überstandenen Phasen der Verlustbewältigung (Arbeitswut, Kaufrausch, Fressattacken) schon mit mehreren Männern getroffen hatte (Blind Dates, Verabredungen in der Kneipe oder auch zum Essen), war es nur zweimal zu einer dritten Begegnung gekommen. Ein viertes Rendezvous, das alles entscheidende, hatte sich bei keinem ergeben. In regelmäßigen Abständen ließ ich mir von Penelope bestätigen, dass es nicht an mir lag, aber allmählich kamen mir doch leise Zweifel, ob ich mir nicht selbst etwas vormachte.
Ich zündete mir an der ersten Zigarette eine zweite an und ignorierte Millingtons vorwurfsvollen Hundeblick. Der Selbsthass hüllte mich ein wie eine warme Wolldecke. Was war ich bloß für ein Mensch, dass ich mich an einem der schönsten Tage im Leben meiner besten Freundin nicht aufrichtig über ihr Glück freuen konnte? Wie boshaft und labil musste man sein, um zu hoffen, dass sich die ganze Sache als Schuss in den Ofen erweisen würde? Raste ich etwa schon mit Lichtgeschwindigkeit auf das Schwarze Loch der Hoffnungslosigkeit zu?
Ich griff zum Telefon und rief Onkel Will an. Vielleicht konnte er mich aufbauen. Er war nicht nur einer der klügsten und bissigsten Menschen auf dem Planeten, sondern auch mein ureigener Cheerleader. Als er sich mit einem leichten Gin-Tonic-Nuscheln in der Stimme meldete, lieferte ich ihm eine etwas geschönte Kurzfassung von Penelopes Treulosigkeit.
»Sag bloß, du hast ein schlechtes Gewissen, weil du nicht gleich vor Freude über die gute Nachricht an die Decke gesprungen bist?«
»Ja, genau.«
»Ach, Darling. Es könnte schlimmer sein. Wenn du dich zum Beispiel an einem Missgeschick deiner Freundin ergötzen würdest.«
»Äh, wie bitte?«
»Ich spreche von Schadenfreude. Immerhin profitierst du nicht von ihrem Unglück. Weder emotional noch sonst wie.«
»Sie ist nicht unglücklich. Sie ist im siebten Himmel. Ich bin die Unglückliche.«
»Na, siehst du! Du bist gar nicht so übel, wie du denkst. Und wenigstens brauchst du nicht dieses verhätschelte Muttersöhnchen zu heiraten, dem der liebe Gott anscheinend nur zwei Talente in die Wiege gelegt hat, nämlich das Geld seiner Eltern zu verprassen und große Mengen Marihuana zu konsumieren. Oder täusche ich mich?«
»Nein, natürlich nicht. Es ist nur, weil sich plötzlich alles verändert hat. Penelope ist mein Leben, und jetzt will sie heiraten. Natürlich musste es irgendwann so kommen, aber doch nicht so bald.«
»Die Ehe ist etwas für Spießer. Das weißt du doch genau, Bette.«
Vor meinem inneren Auge stiegen Bilder von unserem üblichen Sonntagsbrunch auf: Will, Simon, ich und die Sonntagsbeilage. Beim Essen sezierten wir genüsslich die Heiratsanzeigen und lasen, untermalt von gehässigem Gekicher, mit viel Fantasie zwischen den Zeilen.
Will fuhr fort: »Warum, um alles in der Welt, bist du so erpicht darauf, dich in eine lebenslange Beziehung zu stürzen, deren einziger Zweck es ist, dir noch das letzte Quäntchen Individualität auszutreiben? Sieh mich an. Zweiundsechzig Jahre alt, nie verheiratet, glücklich und zufrieden.«
»Du bist schwul, Will. Außerdem trägst du sogar einen goldenen Ring am Finger.«
»Na und? Denkst du, ich würde Simon heiraten, wenn ich könnte? Diese standesamtlichen gleichgeschlechtlichen Eheschließungen, wie sie zum Beispiel in San Francisco veranstaltet werden, entsprechen nicht ganz meinem Stil. Das darfst du mir glauben.«
»Du hast doch schon vor meiner Geburt mit ihm zusammengelebt. Ob du es wahrhaben willst oder nicht, du bist so gut wie verheiratet.«
»Ganz und gar nicht, Schatz. Wir können die Beziehung jederzeit ohne juristische oder emotionale Verstrickungen beenden. Und genau deshalb funktioniert sie. Aber genug, das ist ja alles nichts Neues für dich. Erzähl mir etwas über den Ring.« Ich knabberte meine letzten Twizzlers und erzählte ihm das, was ihn wirklich interessierte. Irgendwann muss ich dann wohl auf dem Sofa eingedöst sein. Um drei Uhr kläffte Millington mich wach, weil sie endlich ins Bett umziehen wollte. Ich schleppte sie und mich ins Schlafzimmer, vergrub den Kopf unter dem Kissen und sagte mir wie ein Mantra immer wieder den einen Satz vor: Es ist nicht das Ende der Welt. Es ist nicht das Ende der Welt. Es ist nicht das Ende der Welt.
2
Bei meinem Glück fiel Penelopes Verlobungsparty ausgerechnet auf einen Donnerstag, auf den Abend also, an dem ich immer bei Onkel Will und Simon zum Essen eingeladen war. Natürlich wollte ich niemanden enttäuschen, aber bevor ich meine guten Absichten in die Tat umsetzen konnte, lag erst noch ein mit Hindernissen gepflasterter Weg vor mir. Es fing schon damit an, dass ich trotz heftigstem Gewinke und hektischstem Gehampel ewig lange kein Taxi bekam, obwohl es weder Weihnachten noch Geschäftsschluss war, weder regnete noch schneite. Geschlagene zwanzig Minuten musste ich mir vor meinem hässlichen Nachkriegsbetonklotz die Beine in den Bauch stehen, bis endlich ein Wagen anhielt. Als ich dem Fahrer Wills Adresse nannte, höhnte er nur: »Central Park West? Bei dem Verkehr? Ohne mich!«, stieg aufs Gas und brauste mit quietschenden Reifen davon. Nachdem sich irgendwann ein zweites Taxi meiner erbarmt hatte, gab ich dem Mann aus lauter Dankbarkeit fünfzig Prozent Trinkgeld.
»Guten Abend, Bettina. Aber, aber, was machen Sie denn für ein Gesicht? Alles in Ordnung?« Normalerweise legte ich gro ßen Wert darauf, Bette genannt zu werden, und die meisten Leute hielten sich auch daran. Nur meine Eltern nicht - und George, Onkels Wills Portier, der so alt und liebenswürdig war, dass er sich schlichtweg alles erlauben konnte.
»Bloß der übliche Taxitrouble, George«, seufzte ich und gab ihm ein Küsschen. »Und wie war Ihr Tag?«
»So schön wie immer«, antwortete er, ohne einen Hauch von Sarkasmus. »Seit ich heute Morgen für ein paar Minuten die Sonne gesehen habe, geht es mir prächtig.« Er konnte einem wirklich Leid tun. Aber wenigstens musste er sich nicht mit einem Ekelpaket von einem Chef herumschlagen, der ihm tagtäglich irgendwelche geflügelten Worte um die Ohren haute.
»Bette?«, rief Simon aus dem diskret abgeschirmten Postraum der Eingangshalle. »Hast du es doch noch geschafft?«
Im nächsten Moment stand er auch schon vor mir, weiße Tenniskluft, die Schlägertasche über den breiten Schultern, und umarmte mich so herzlich, wie ich von einem Hetero noch nie umarmt worden war. Unser gemeinsames Essen am Donnerstag war ein Pflichttermin. Ihn zu verpassen, wäre einem Sakrileg gleichgekommen. Den Rest der Woche konnte ich von einer derart anregenden männlichen Gesellschaft höchstens träumen (den Brunch am Sonntag natürlich ausgenommen). Will war ein äußerst herzlicher, humorvoller Mann, berühmt für seine haarsträubenden politischen Ansichten und seine Abneigung gegen Kartoffeln. Egal in welcher Form, ob gebraten, gekocht oder püriert, ob als Salzkartoffeln, Pommes frites, Gratin oder Kroketten - sie kamen ihm nicht auf den Teller. Und das galt natürlich auch für seine Gäste. Will ernährte sich schon nach der Atkinsdiät, bevor sie überhaupt erfunden worden war.
In den fast dreißig Jahren, die Will und Simon nun schon zusammenlebten, hatten sie verschiedene Rituale entwickelt. So kamen für sie zum Beispiel überhaupt nur drei Urlaubsziele in Frage: St. Barth im Januar (auch wenn es Will dort in letzter Zeit ein wenig »zu französisch« geworden war), Palm Springs im Frühling und hin und wieder ein spontanes Wochenende in Key West. Ihren Gin Tonic nahmen sie ausschließlich aus edlen Kristallgläsern zu sich. Die Montagabende waren von neunzehn bis dreiundzwanzig Uhr für einen Besuch im Restaurant Elaine’s reserviert. Jedes Jahr veranstalteten sie eine Weihnachtsfeier, auf der immer einer von ihnen einen grünen Rollkragenpullover anhatte und der andere einen roten. Will war knapp eins neunzig. Er trug das graue Haar kurz geschoren und lief am liebsten in Pullovern mit Wildlederflicken auf den Ellbogen herum. Simon maß nur eins fünfundsechzig. Er hatte eine extrem sportliche Figur und war zu jeder Jahreszeit von Kopf bis Fuß in Leinen gewandet. Wie pflegte er immer zu sagen? »Als schwuler Mann hat man die Freiheit, sich über die Konventionen der Mode hinwegzusetzen. Ein Recht, das wir uns hart erkämpfen mussten.« Auch jetzt, eben erst vom Tennisplatz zurück, hatte er sich noch schnell ein weißleinenes Kapuzenshirt übergezogen.
»Schönes Kind, wie geht es dir? Komm, komm. Will wundert sich bestimmt schon, wo wir bleiben. Und ich kann dir versprechen, dass uns das neue Mädchen etwas Fantastisches gezaubert hat.« Als der perfekte Gentleman, der er war, nahm er mir meine schwere Tasche ab, hielt mir die Fahrstuhltür auf und drückte den obersten Knopf, PH für Penthouse.
»Wie war es beim Tennis?«, fragte ich. Wieso gab es eigentlich keinen Mann in meinem Alter, der so toll gebaut war?
»Ach, du kannst es dir denken. Ein Haufen alter Knacker, die über den Platz hecheln und sich nach Bällen recken, an die sie sowieso nicht rankommen. Und jeder tut so, als ob er einen Aufschlag wie Andy Roddick hätte. Ein bisschen lächerlich, aber doch immer wieder amüsant.«
Durch die Wohnungstür, die einen Spaltbreit offen stand, hörte ich, wie Will mit dem Fernseher redete. Er kann nicht anders. Früher war Will ein Topreporter gewesen, der als Erster über Liza Minellis Alkoholrückfall, RFKs Affären und Patty Hearsts Abstieg vom Societygirl zum Sektenmitglied berichtet hatte. Erst die »Sittenlosigkeit« in den Jahren der demokratischen Regierung brachte ihn schließlich dazu, sich von allem Glanz und Glamour ab- und der Politik zuzuwenden. Er nannte diesen Entschluss seine »ganz private Clinton-Wende«. Inzwischen hatte sich Will zum Nachrichtenjunkie entwickelt und war politisch so weit an den Rand des konservativen Spektrums gerückt, dass er rechts außen höchstens noch von Attila, dem Hunnenkönig, hätte überholt werden können. Er war mit Sicherheit der einzige schwule, rechte Entertainment- und Gesellschaftskolumnist in ganz Manhattan, der die Themen Entertainment und Gesellschaft scheute wie der Teufel das Weihwasser. Auf dem größeren der beiden Fernsehapparate, die er in seinem Arbeitszimmer aufgestellt hatte, lief rund um die Uhr der Nachrichtensender Fox. Sein ständiges Lob? »Endlich ein Sender für meine Zielgruppe.«
Und Simons unvermeidliche Antwort? »Na klar. Für die riesige Zielgruppe, die sich aus schwulen, rechten Entertainmentund Gesellschaftskolumnisten in Manhattan zusammensetzt.«
Der kleinere Apparat zeigte abwechselnd CNN, CNN Headline News, C-Span und MSNBC, für Will samt und sonders Helfershelfer einer »liberalen Verschwörung«. Auf diesem Fernseher stand auch ein handgeschriebenes Warnschild: KENNE DEINEN FEIND.
Auf CNN führte Bill Hemmer gerade ein Interview mit Frank Rich über die Medienberichterstattung im Umfeld der letzten Wahl. »Bill Hemmer ist ein Warmduscher, ein Turnbeutelvergesser UND ein Sauna-unten-Sitzer!«, raunzte Will, stellte sein Kristallglas ab und schleuderte einen maßgefertigten Schuh nach dem Gerät.
»Hallo, Will«, sagte ich.
»Da haben wir in diesem Land Dutzende von hellen Köpfen, die qualifiziert wären, über Politik zu diskutieren und sich intelligent darüber zu äußern, ob und in welcher Weise die Berichterstattung den Ausgang der Wahl beeinflusst hat, und dann lädt man sich wen ins Studio ein? Einen Idioten von der New York Times? Das stinkt doch drei Meilen gegen den Wind! Und diesen Mist muss ich mir anhören?«
Ich verkniff mir ein Lächeln. »Musst du nicht, Onkel Will. Mach die Kiste doch einfach aus.« Er starrte wie hypnotisiert auf den Bildschirm. Nun konnte es eigentlich nicht mehr lange dauern, bis er die New York Times mit der Iswestija verglich oder sie als Revolverblatt bezeichnete, das die ehrliche, hart arbeitende amerikanische Bevölkerung für dumm verkaufte.
»Soll ich mir etwa Bill Hemmers voreingenommene Kommentare zu Frank Richs voreingenommenen Kommentaren entgehen lassen? Im Ernst, Bette. Wir wollen doch nicht vergessen, dass wir es hier mit einer Zeitung zu tun haben, bei der sich die Reporter, wenn der Redaktionsschluss droht, noch schnell irgendwelche frei erfundenen Artikel aus den Fingern saugen.« Er trank einen Schluck und zielte mit der Fernbedienung auf die beiden Apparate, die augenblicklich verstummten. Er hatte bis zum Abschalten nur fünfzehn Sekunden gebraucht - ein einsamer Rekord.
»Genug Müll für heute«, sagte er und umarmte mich. »Du siehst fantastisch aus, Darling. Wie immer. Aber könntest du nicht vielleicht doch ab und zu einmal ein Kleid anziehen?«
Ein, wie ich fand, etwas ungeschickter Übergang zu seinem zweitliebsten Lieblingsthema: meinem Leben. Onkel Will war neun Jahre älter als meine Mutter, und obwohl beide schworen, dass sie von denselben Eltern abstammten, konnte man es kaum glauben. Mutter, die für ihr Leben gern in Kaftan und Espadrilles herumlief, war entsetzt gewesen, als ich meine neue Stellung in der Investmentbank antrat, weil dort eine seriösdezente Einheitskluft vorgeschrieben war, während es mein Onkel als Zumutung empfand, dass ich zur Arbeit in Kostüm oder Hosenanzug zu erscheinen hatte statt in einem umwerfenden Valentino-Modell und hochhackigen Riemchensandalen von Louboutin.
»In meinem Beruf muss man sich nun mal gediegen kleiden.«
»Das scheint wohl so zu sein. Ich hätte bloß nicht gedacht, dass du irgendwann einmal unter die Banker gehst.« Die alte Leier.
»Dabei dachte ich immer, für dich und deinesgleichen wäre der Kapitalismus das Höchste«, witzelte ich. »Und mit ›deinesgleichen‹ meine ich natürlich die Republikaner, nicht die Schwulen.«
Er zog die buschigen grauen Augenbrauen hoch. »Reizend. Ganz reizend. Ich habe ja auch nichts gegen das Bankgewerbe, Darling. Das müsstest du eigentlich wissen. Bei einer Bank hat man die schönsten Aussichten auf eine ehrenwerte Karriere. Besser so eine Stelle als ein Job als Weltverbesserer, wie er deinen Eltern vorschwebt. Aber du bist mir einfach noch zu jung, um in einem langweiligen Büro zu versauern. Du musst unter Menschen. Du solltest auf Partys gehen, Leute kennen lernen, deine Jugend genießen, alles mitnehmen, was New York dir zu bieten hat, statt in der Abteilung für Privatvermögen den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen. Es geht doch darum, was du dir vom Leben wünschst.«
Auf diese Frage war mir noch nie eine überzeugende - oder auch nur halbwegs annehmbare - Antwort eingefallen. Dabei war sie durchaus berechtigt. Als ich noch zur Schule ging, glaubte ich, dass ich nach dem Studium beim Friedenskorps landen würde. Für meine Eltern wäre das der einzig logische Schritt gewesen. Aber dann lernte ich an der Uni Penelope kennen, die aus einem völlig anderen Elternhaus kam als ich. Sie fand es spannend, dass ich nicht jede Privatschule in Manhattan kannte und noch nie in Martha’s Vineyard gewesen war, und ich fand es natürlich toll, dass sie sich genau mit solchen Sachen auskannte und schon überall gewesen war. Es dauerte nicht einmal bis zu den Weihnachtsferien, da waren wir unzertrennlich. Und am Ende des ersten Studienjahrs zog ich endgültig einen Schlussstrich unter meine alternative Vergangenheit, indem ich meine Grateful-Dead-T-Shirts in den Müll warf. Jerry war sowieso schon lange tot. Penelope und ich hatten jede Menge Spaß, zusammen und mit anderen. Für mich war es eine höchst willkommene Abwechslung, einmal nicht mit Leuten abzuhängen, die sich Dreadlocks in die Haare machten, ihr Badewasser recycelten und nach Patschuliöl müffelten. Endlich war ich nicht mehr die Ökoaußenseiterin, die sich viel zu gut mit der Rettung der Mammutbäume auskannte. Ich trug die gleichen Jeans und T-Shirts wie alle anderen, ohne lange zu fragen, ob sie in einem Ausbeuterbetrieb hergestellt worden waren oder nicht. Ich aß die gleichen Hamburger und trank das gleiche Bier. Es war eine herrliche Zeit, vier wunderbare Jahre unter Gleichgesinnten, von denen nicht ein einziger zum Friedenskorps wollte. Und als dann die großen Firmen auf dem Campus erschienen und mit fetten Gehältern lockten, mit dicken Prämien winkten und uns auch noch zum Vorstellungsgespräch nach New York einflogen, griff ich zu, genau wie der Rest meiner Collegeclique. Dafür gab es einen einfachen Grund: Wie sonst hätte man sich als zweiundzwanzigjähriger Berufsanfänger die Miete in Manhattan leisten können? Und nach Manhattan zog es uns alle.
Ich konnte es immer noch nicht fassen, wie rasend schnell die letzten fünf Jahre vergangen waren, wie von einem Schwarzen Loch verschluckt, in einem Wirbel aus Trainingsprogrammen, Vierteljahresberichten und Jahresendausschüttungen. Mir blieb kaum Zeit, darüber nachzudenken, wie sehr ich meine Arbeit hasste. Dass ich zu allem Überfluss auch noch gut darin war, machte die Sache nicht besser. Im Gegenteil, es schien der Beweis dafür zu sein, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Aber Will wusste und spürte, dass sie falsch war. Und wenn ich nicht so bequem gewesen wäre, hätte ich mir längst etwas anderes gesucht.
»Was ich mir vom Leben wünsche? Sag bloß, darauf erwartest du im Ernst eine Antwort?«, gab ich zurück.
»Wieso denn nicht? Wenn du nicht bald die Kurve kriegst, wachst du eines schönes Tages auf und bist vierzig. Und man hat dich zur Vizepräsidentin befördert. Und was dann? Dann stürzt du dich von der nächsten Brücke. Am Bankgewerbe ist nichts auszusetzen, Darling, es ist bloß nicht die richtige Branche für dich. Du brauchst einen Beruf, in dem du mit Menschen zu tun hast, in dem du auch einmal lachen kannst. Ich finde, du solltest schreiben. Und dich natürlich sehr viel besser kleiden.«
Dass ich seit ein paar Monaten mit dem Gedanken spielte, mir eine Stelle im gemeinnützigen Bereich zu suchen, verschwieg ich ihm lieber. Wenn er erfuhr, dass seine Bemühungen, mich vom Gutmenschentum abzubringen, gescheitert waren, würde er für den Rest des Abends mit einer Leichenbittermiene am Tisch sitzen. Als ich einmal unvorsichtigerweise eine leise Andeutung darüber gemacht hatte, in welche Richtung ich mich beruflich umorientieren wollte, war er alles andere als entzückt gewesen. Sich sozial zu engagieren sei zwar eine noble Geste, gewiss, doch solche Pläne würden mich unweigerlich wieder auf den Pfad führen, der mich - ich zitiere - schnurstracks in den Kreis der Ökofreaks und Müslimampfer zurückbeförderte. Also widmeten wir uns lieber den üblichen Themen. Zuerst kam mein nicht vorhandenes Liebesleben an die Reihe (»Darling, du bist viel zu jung und viel zu hübsch, um mit deiner Arbeit verheiratet zu sein.«). Als Nächstes ließ Will eine Tirade über die Leser seiner Kolumne los (»Ist es vielleicht meine Schuld, dass der belehrungsresistente Plebs die Wahrheit über seine gewählten Amtsträger nicht mehr hören will?«). Dann versetzte uns ein Zeitsprung kurz in meine Phase als Umweltaktivistin an der Highschool zurück (»Gott sei Dank, dass die Ära der Räucherstäbchen passé ist!«), und zuletzt knöpfte er sich noch einmal meine Garderobe vor. (»Schlecht sitzende, maskuline Hosen sind kein Outfit für ein Rendezvous.«)
Als er gerade zu einem Monolog über die Vorzüge eines Chanelkostüms angesetzt hatte, wurden wir zu Tisch gebeten. Wir nahmen unsere Drinks mit und begaben uns ins Esszimmer.
»Na, einen produktiven Tag gehabt?« Simon begrüßte Will mit einem Küsschen auf die Wange. Er trug inzwischen eine Art Hausanzug aus Leinen, in dem er ein bisschen wie Hugh Heffner vom Playboy aussah. In der Hand hielt er ein Champagnerglas.
»Natürlich nicht«, antwortete Will, stellte seinen Gin-Tonic weg und schenkte sich und mir ein Glas Champagner ein. »Redaktionsschluss ist doch erst um Mitternacht. Wieso sollte ich da vor zweiundzwanzig Uhr anfangen und mir den ganzen Tag verderben? Was feiern wir?«
Ich machte mich heißhungrig über den Gorgonzolasalat her. Endlich mal was anderes als der Fraß, den ich sonst immer hastig an einer Straßenecke hinunterschlang. Dann gönnte ich mir einen großen Schluck Champagner. Wenn es irgendwie möglich gewesen wäre, mich jeden Abend bei Will und Simon zum Essen einzuladen, ohne dabei wie die mieseste Schnorrerin der Welt auszusehen, hätte ich es sofort gemacht. Aber es gehörte sich einfach nicht, anderen Leuten öfter als einmal in der Woche auf die Pelle zu rücken, auch wenn es sich bei diesen Leuten um meinen Onkel und seinen Lebensgefährten handelte. Wäre ich so tief gesunken, wäre mein Ruf als Nichte von der traurigen Gestalt auf ewig besiegelt gewesen.
»Sag bloß, wir müssen etwas feiern, um uns ein Gläschen Champagner gönnen zu dürfen?«, spottete Simon und nahm sich von dem Rinderfilet, das es als Hauptgang gab. »Ich dachte einfach, es wäre mal eine nette Abwechslung. Und jetzt schieß los, Bette. Verrätst du uns, was du heute Abend noch vorhast?«
»Ich will zu Penelopes Verlobungsparty. Und ich muss auch leider gleich schon los. Die zukünftigen Schwiegermütter haben die Feier zusammen ausgeheckt. Das glückliche Paar hatte da überhaupt nichts mitzubestimmen. Immerhin steigt die Party in einem Club in Chelsea und nicht in einem Nobelhotel auf der Upper East Side. So weit sind die beiden Avery und Penelope wenigstens entgegengekommen.«
»Und wie heißt der Club?« Die Frage kam ausgerechnet von Will, einem Mann, der eigentlich nur in den gediegensten Etablissements verkehrte, in düsteren, holzvertäfelten Räumen, die mit Zigarrenrauch geschwängert waren.
»Sie hat den Namen erwähnt, aber ich habe ihn vergessen. Fing mit B an, glaube ich. Moment mal.« Ich kramte einen Zettel aus meiner Handtasche. »Da hätten wir ihn ja. Also, er liegt in der 27. Straße und heißt...«
»Bungalow 8«, tönte es mir im Chor entgegen.
»Wieso wisst ihr das?«
»Darling, man kann doch kaum eine Zeitung aufschlagen, ohne dass einem der Name von der Gesellschaftsseite entgegenspringt.«
»Angeblich orientiert er sich an den Bungalows des Beverly Hills Hotels, und der Service soll genauso gut sein. Es ist zwar nur ein Nachtclub, aber es heißt, dass man sich dort alle Wünsche erfüllen lassen kann, ganz egal, ob es dich nach einem ausgefallenen Sushi gelüstet oder ob du dir einen Hubschrauber mieten willst. Die meisten Clubs sind nach ein paar Monaten wieder weg vom Fenster, aber das Bungalow 8 wird bleiben, darin sind sich alle einig«, ergänzte Simon.
»Das habe ich nun davon, dass ich abends immer nur im Black Door herumhocke.« Ich schob meinen Teller weg. »Ihr seid mir doch nicht böse, wenn ich jetzt schon gehe? Aber Penelope wollte unbedingt, dass ich ein bisschen früher komme, bevor die Invasion von Averys Freunden und ihrer Familie losbricht.«
»Geh ruhig, Bette. Aber zieh dir vorher noch kurz die Lippen nach. Und sieh zu, dass du dir einen flotten jungen Verehrer anlachst«, sagte Simon. Als ob es im Bungalow 8 nur so von attraktiven Junggesellen wimmeln würde, die bloß auf mich warteten.
»Oder wenigstens einen flotten jungen Bettgenossen für die Nacht.« Will zwinkerte mir zu. Es war nur halb als Scherz gemeint.
»Ihr seid wirklich goldig.« Ich verteilte rechts und links je ein Küsschen, zog mir die Strickjacke über und griff nach meiner Handtasche. »Habt ihr denn überhaupt keine Skrupel, eure einzige Nichte zu verkuppeln?«
»Nicht den geringsten«, verkündete Will. Simon schüttelte mit ernster Miene den Kopf. »Und jetzt lauf. Sei ein braves Lotterlieschen, und amüsier dich schön, hörst du?«
Vor dem Club drängelten sich die Wartenden in Dreierreihen. Die Schlange reichte bis zur nächsten Straßenecke. Wenn es nicht um Penelope gegangen wäre, hätte ich den Taxifahrer gar nicht erst anhalten lassen. Ich pflasterte mir ein freundliches Lächeln ins Gesicht und marschierte an allen vorbei bis nach vorn, wo ein hünenhafter Kerl stand, eine Liste in der Hand und einen Knopf im Ohr, wie ein CIA-Agent.
»Hi, ich bin Bette, und ich gehöre zu Penelopes Party.« Ich ließ den Blick an der Schlange entlangwandern. Nicht ein einziges bekanntes Gesicht.
Der Riese sah mich verständnislos an. »Hi, schön dich kennen zu lernen, Penelope. Würdest du dich bitte hinten anstellen? Immer schön einer nach dem anderen.«
»Nein, das hier ist Penelopes Party, und ich bin ihre Freundin. Sie hat mich gebeten, besonders früh da zu sein. Deshalb müsste ich jetzt gleich rein.«
»Hm, ist ja toll. Gehst du mal einen Schritt zur Seite?« Er legte eine Hand über seinen Ohrstöpsel, lauschte konzentriert hinein, nickte ein paarmal mit dem Kopf und betrachtete die Warteschlange, deren Ende inzwischen hinter der Straßenecke verschwunden war.
»Okay, Leute!«, rief er so laut, dass das spärlich bekleidete Partyvolk schlagartig verstummte. »Der Laden ist gerammelt voll. Laut Vorschriften der Feuerpolizei dürfen wir nur noch so viele Leute reinlassen, wie rauskommen. Also fasst euch in Geduld, oder kommt später wieder.«
Ein Stöhnen ging durch die Menge. Hm, so wird das nichts, dachte ich. Er versteht den Ernst der Lage nicht.
»Entschuldigen Sie bitte? Sir?« Er drehte sich genervt zu mir um. »Heute Abend findet hier die Verlobungsparty meiner besten Freundin Penelope statt, und sie braucht mich. Sie kennen ihre Mutter nicht, sonst wüssten Sie, dass ich unbedingt rein muss.«
»Hm. Sehr interessant. Ihre Freundin Penelope kann heiraten, wen sie will, von mir aus auch Prinz William. Aber an mir kommt keiner mehr vorbei. Sonst würden wir gegen die Brandschutzbestimmungen verstoßen, und das kann uns teuer zu stehen kommen.« Er beruhigte sich ein bisschen. »Stellen Sie sich hinten an, und ich sehe zu, was ich machen kann, damit Sie so schnell wie möglich reinkönnen, okay?« Das war wohl tröstlich gemeint, aber es brachte mich nur noch mehr in Rage. Der Typ kam mir irgendwie bekannt vor, ich wusste bloß nicht, woher. So wie sich sein verwaschenes grünes T-Shirt über der breiten Brust spannte, glaubte ich ihm gern, dass er sich jedem in den Weg stellen würde, der den Versuch machte, an ihm vorbeizuschlüpfen. Ein Mann, mit dem nicht zu spaßen war. Gegen diese These sprachen allerdings seine tief auf den Hüften sitzenden Schlabberjeans, die eher darauf schließen ließen, dass er sich selbst nicht allzu wichtig nahm. Fast das Schönste an ihm waren seine halblangen Haare, so dicht und dunkel und so seidig schimmernd, dass man regelrecht hätte neidisch werden können, und mit Abstand das Beste, was ich je auf einem Männerkopf hatte sprießen sehen. Während ich sie noch bewunderte, zog er sich eine graue Cordjacke über und sah sogar noch süßer aus.
Der Kerl musste ein Model sein, eindeutig. Ich verkniff mir die zickige Bemerkung, dass so ein Rausschmeißerjob für einen wie ihn, der wahrscheinlich über die siebte Schulklasse nicht hinausgekommen war, wohl Balsam für das Ego war, und stellte mich schmollend ganz hinten an. Wiederholte Versuche, Penelope und Avery auf dem Handy zu erreichen, brachten nichts. Ich landete abwechselnd auf der einen oder auf der anderen Mailbox. Der Gorilla am Eingang ließ im Durchschnitt alle zehn Minuten zwei Leute rein. Nach einer geschlagenen Stunde wartete ich immer noch. Als ich mir gerade in den buntesten Farben ausmalte, wie ich es ihm wohl am besten heimzahlen könnte, erspähte ich Michael und seine Freundin, die aus dem Club kamen und sich neben der Tür eine Zigarette anzündeten.
»Michael!«, kreischte ich. Dass ich dabei vermutlich wie ein hysterisch gewordenes Nebelhorn klang, war mir schnuppe. »Michael, Megu, hier drüben!«
Sie brauchten nicht lange, um mich in der Menschenmenge zu entdecken. Kein Wunder, eigentlich. Schließlich hüpfte ich herum wie Rumpelstilzchen und zeterte wie Schneewittchens Stiefmutter. Von Würde keine Spur. Sie winkten mich zu sich, und ich sprintete rüber.
»Ich müsste eigentlich längst drin sein. Aber dieser gehirnamputierte Riese am Eingang lässt mich einfach nicht vorbei. Penelope dreht mir den Hals um!«
»Hi, Bette. Auch dir einen wunderschönen Abend«, sagte Michael und gab mir ein Küsschen.
»Entschuldigung.« Ich umarmte erst ihn und dann seine Freundin Megu, die hinreißende japanische Medizinstudentin, mit der er zusammenlebte. »Wie geht’s euch, Leute? Sagt bloß, ihr habt heute Abend tatsächlich beide frei?«
»Wieso? Das kommt doch mindestens alle sechs Monate einmal vor.« Megu lächelte und kuschelte sich an Michael. »Dass wir ein Zeitfenster von grandiosen zwölf Stunden haben, in denen ich keine Bereitschaft habe und er nicht arbeiten muss.«
»Und dann kommt ihr hierher? Ihr spinnt wohl. Megu, du bist wirklich ein Schatz. Michael, ist dir eigentlich klar, was für ein Glückspilz du bist?«
»Aber sicher.« Er sah sie liebevoll an. »Sie weiß, dass Penelope mir ebenfalls den Hals umdrehen würde, wenn wir nicht gekommen wären, aber ich glaube, wir haben schon genug gesehen. Ich muss in vier Stunden zur Arbeit, und Megu will unbedingt mal wieder sechs Stunden am Stück durchschlafen. Deshalb machen wir uns jetzt vom Acker. Da, pass auf. Der Gorilla lässt anscheinend wieder welche rein.«
Tatsächlich, die Wachablösung hatte begonnen. Ein Strom fantastisch aussehender Menschen quoll heraus, ein anderer hinein.
»Hatten Sie nicht gesagt, ich wäre die Nächste auf der Liste?«, fragte ich den Türsteher trocken.
»Bitte, treten Sie näher. Prinzessin Penelope erwartet Sie«, antwortete er mit einer weit ausholenden Geste, während er mit der anderen Hand an seinem Ohrstöpsel herumfummelte. Wahrscheinlich drangen ihm lebenswichtige Informationen in die Gehörgänge.
»Siehst du, jetzt bist du drin«, sagte Michael und zog Megu mit sich. »Melde dich mal im Lauf der Woche, dann gehen wir einen trinken. Und bring Penelope mit - mir ist es den ganzen Abend nicht gelungen, auch nur ein Wort mit ihr zu wechseln. Dabei haben wir uns so viel zu erzählen. Grüß sie von mir.« Und schon waren sie weg, offenbar froh über ihren erfolgreichen Fluchtversuch.
Auf dem Bürgersteig standen kaum noch Leute. Die letzten Nachzügler hingen an ihren Handys, und es schien ihnen vollkommen egal zu sein, ob sie drinnen oder draußen waren. Nachdem sich die Schlange in nichts aufgelöst hatte, gewährte der Türsteher endlich auch mir Zutritt.
»Allerherzlichsten Dank. Was hätte ich bloß ohne Sie gemacht?«, sagte ich, als ich mich an dem Riesenkerl vorbeidrängte. Ich riss die große Glastür auf und ging hinein. In dem schummerigen Vorraum stolperte ich fast über Avery, der sich sehr innig mit einem sehr hübschen, sehr üppig gebauten Mädchen unterhielt.
»Hi, Bette. Wo hast du denn den ganzen Abend gesteckt?« Er kam auf mich zu und nahm mir den Mantel ab. Keine Sekunde später war auch Penelope da. Sie sah verärgert aus, aber dann überwog doch die Erleichterung, mich zu sehen. Sie trug ein kurzes schwarzes Cocktailkleid, eine mit Pailletten besetzte Stola und silberne Sandalen mit extrem hohem Absatz. Ich wusste sofort, dass sie von ihrer Mutter eingekleidet worden war.
»Bette!«, zischte sie, packte mich am Arm und eskortierte mich von Avery weg, der sich sofort wieder in das innige Gespräch mit dem Busenwunder vertiefte. »Warum kommst du so spät? Lässt mich mutterseelenallein?«
Ich hob die Augenbrauen. »Mutterseelenallein? Inmitten von schätzungsweise zweihundert Leuten? Wie viele Jahre kennen wir uns nun schon? Und da muss ich bis heute warten, um zu erfahren, dass du zweihundert Freunde hast? So was nennt man Party!«
»Ja, ganz schön beeindruckend, was? Genau fünf Leute in diesem Club sind meinetwegen hier: Meine Mutter, mein Bruder, eine Kollegin aus der Immobilienabteilung, die Sekretärin meines Vaters und jetzt du. Megu und Michael haben sich abgeseilt, stimmt’s?« Ich nickte. »Die anderen hat Avery angeschleppt. Und meine Mutter. Wo bist du gewesen?« Sie trank einen Schluck und gab mir ihr Glas. Ihre Hände zitterten ein wenig, dabei war es nur eine Champagnerflöte, keine Crackpfeife.
»Schätzchen, ich bin schon vor über einer Stunde hier eingelaufen, wie ich es dir versprochen hatte. Aber dann kam ich nicht durch die Tür.«
»Unmöglich!« Sie machte ein entsetztes Gesicht.
»Doch. Ein Gorilla zum Anbeißen, aber trotzdem ein Gorilla.«
»Ach, Bette, das tut mir ja so Leid! Warum hast du nicht angerufen?«
»Hab ich doch versucht, ein paar Dutzend Mal, aber anscheinend hast du das Handy nicht gehört. Mach dir keinen Kopf deswegen. Heute ist dein großer Abend, du sollst ihn richtig genießen, okay?«
»Jetzt brauchst du erst mal einen Drink«, sagte sie und nahm einer Bedienung einen Cosmopolitan vom Tablett. »Hast du so eine Party schon mal gesehen?«
»Der Wahnsinn. Wie lange hat deine Mutter diesen Event denn geplant?«
»Vor ein paar Wochen hat sie auf der Gesellschaftsseite gelesen, dass Gisele und Leo hier beim ›Turteln‹ gesichtet wurden. Wie ich sie kenne, hat sie den Laden gleich am nächsten Tag gebucht. Sie liegt mir sowieso dauernd in den Ohren, dass ich mehr in solchen Nobelschuppen verkehren soll, wegen der ›gehobenen Klientel‹. Ich hab ihr nicht erzählt, dass ich schon mal mit Avery hier war. An dem Abend war es so voll, dass man sich nicht gewundert hätte, wenn die gehobene Klientel mitten auf der Tanzfläche eine Nummer geschoben hätte.«
»Davon hätte sich deine Mutter bestimmt nicht abschrecken lassen. Eher das Gegenteil.«
»Auch wieder wahr.« Eine schaufensterpuppenlange Frau drängelte sich zwischen uns, um Penelope auf eine widerwärtig übertriebene Art mit Küsschen zu bedecken. Ich kippte schnell meinen Cosmo und zog weiter. Nach einem Smalltalk mit ein paar Kollegen von der Bank, die gerade erst eingetroffen waren und ohne die Computer, hinter denen sie sich normalerweise verschanzten, ein bisschen orientierungslos in der Gegend herumstanden, wechselte ich ein paar Worte mit Penelopes Mutter, weil es sich nun mal so gehörte. Die bekannte Tatsache, dass Eigenlob stinkt, konnte sie nicht davon abhalten, sich selbst ein paar Komplimente über ihr Chanelkostüm und ihre Schuhe zu machen. Dann ließ sie mich stehen, um Penelope zu einem weiteren Gästegrüppchen zu geleiten. Ich blickte mich um und kam mir mit einem Mal ganz klein und hässlich vor. Anscheinend war ich die Einzige, die keine Designerklamotten trug. Mein Outfit hatte ich mir vor ein paar Monaten um drei Uhr morgens aus den Katalogen von J. Crew und Banana Republic im Internet zusammengestellt. Obwohl Will mich in letzter Zeit immer beharrlicher darauf hinwies, dass ich mir eine »Ausgehgarderobe« zulegen sollte, schwebte ihm dabei bestimmt keine Konfektionsware von der Stange vor. Mir kam der Gedanke, dass sich die Leute hier ebenso wohl - wenn nicht sogar noch wohler - fühlen würden, wenn sie nackt herumstolzierten. Denn noch imponierender als ihre perfekte Kleidung war das zur Schau getragene Selbstbewusstsein, das nichts mit irgendeiner Mode zu tun hatte. Zwei Stunden und drei Cosmos später war ich zwar immer noch nicht sehr viel heiterer, aber dafür definitiv angeheitert. Aber statt nach Hause zu gehen, nahm ich mir noch einen Drink und ging nach draußen, um frische Luft zu schnappen.
Von der Warteschlange war nicht einmal mehr das Schwanzende übrig. Nur der Gorilla, der mich so lange im Club-Fegefeuer hatte schmoren lassen, stand noch da. Ich legte mir ein paar giftige Bemerkungen zurecht, für den Fall, dass er mich ansprach, aber er grinste nur und vertiefte sich wieder in sein Taschenbuch, das in seinen Riesenpranken wie ein Streichholzbriefchen aussah. Schade, dass er so ein Unsymp war - aber das ist bei den süßesten Kerlen meist der Fall.
»Ich würde doch zu gern wissen, was Sie an mir so gestört hat.« Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen. Nun war ich schon seit fünf Jahren in New York und hatte in all der Zeit Clubs mit Türstehern erfolgreich gemieden. Wenigstens hatte ich von meinen Eltern ein gewisses Maß an Stolz geerbt - oder an Unsicherheit, je nachdem, wie man es betrachtete.
»Wie bitte?«
»Ich meine vorhin, als Sie mich nicht auf die Verlobungsparty meiner besten Freundin gelassen haben.«
Er schüttelte den Kopf und schmunzelte in sich hinein. »Es ist wirklich nichts Persönliches. Ich bekomme eine Gästeliste, und an die muss ich mich halten. Wer nicht draufsteht oder erst aufkreuzt, wenn schon hundert andere Leute warten, muss sich eben hinten anstellen. Mehr ist es nicht.«
»Klar.« Nur wegen seiner Selbstherrlichkeit hatte ich Penelopes großen Abend halb verpasst. Leicht schwankend nuschelte ich: »Nichts Persönliches. Natürlich nicht.«
»Ich kann echt darauf verzichten, mich auch noch von Ihnen blöd von der Seite anquatschen zu lassen. Was meinen Sie eigentlich, mit wie vielen ausgemachten Zimtzicken und Streithammeln ich mich hier jeden Abend herumschlagen muss? Am besten beenden wir das Gespräch. Soll ich Ihnen ein Taxi rufen?«
Vielleicht lag es an dem vierten Cosmo - flüssiger Mut im Cocktailglas -, aber ich war nicht in der Stimmung, mir sein herablassendes Getue gefallen zu lassen. »Ach, stecken Sie sich Ihre Wohltaten doch sonst wo hin«, raunzte ich und marschierte so aufrecht wie möglich zurück in den Club.
Ich umarmte Penelope, verabschiedete mich von Avery und strebte halbwegs zielsicher wieder dem Ausgang zu. Unterwegs kam ich an einer jungen Frau vorbei, die in einer Ecke stand und leise vor sich hin weinte, aber durchaus nicht unfroh darüber zu sein schien, dass sie bei ihrer kleinen Szene Zuschauer hatte. Nachdem ich noch ein exotisches Pärchen umkurvt hatte, das unter heftigstem Körpereinsatz miteinander knutschte, stand ich wieder draußen. Den Türsteher, der sich sein abgegriffenes Taschenbuch vor die Nase hielt - Lady Chatterley (so ein alter Sexmolch!) -, behandelte ich wie Luft. Die Stra ße war wie ausgestorben, und zu allem Überfluss fing es auch noch an zu nieseln. Super. Damit stand fest, dass sich in absehbarer Zeit kein leeres Taxi blicken lassen würde.
»He, kann ich Ihnen helfen?«, fragte er, nachdem er drei gackernde Mädels auf Highheels eingelassen hatte. »Bei Regen findet man in dieser Gegend nur schwer ein Taxi.«
»Nein, danke. Ich komme schon allein zurecht.«
»Wie Sie meinen.«
Die Minuten fühlten sich wie Stunden an, und der warme Sommerschauer verwandelte sich in einen kalten Dauerregen. Was wollte ich mir - und ihm - eigentlich beweisen? Er drückte sich in den Eingang, um sich vor der Nässe zu schützen, und las ungerührt weiter, als ob er von der Sintflut, die auf uns niederging, nicht das Geringste mitbekam. Irgendwann blickte er grinsend hoch und sagte: »Ja, das sieht man, dass Sie allein zurechtkommen. So ist es richtig, zeigen Sie’s mir. Geben Sie sich nur ja keine Blöße. Sonst würde ich Ihnen womöglich noch einen Schirm leihen, damit Sie trockenen Hauptes bis zur Eighth Avenue kommen, wo Sie im Handumdrehen ein Taxi finden würden. Ich bin tief beeindruckt.«
»Sie haben einen Schirm?«, rutschte es mir heraus. Ich war nass bis auf die Haut, und die Haare klebten mir in triefenden, kalten Strähnen am Kopf.
»Mehrere. Speziell für Abende wie diesen. Für unsere Gäste ist uns nichts zu teuer. Aber ich darf wohl annehmen, dass Sie kein Interesse daran haben.«
»Dürfen Sie. Mir geht es prima.« Und für diesen Kerl hatte ich mich fast ein bisschen erwärmt? Kaum zu fassen. In dem Moment rollte eine Limousine vorbei, und mir kam eine Idee. Ich griff zum Handy.
»Guten Abend, hier spricht Bette Robinson, Kundennummer sechs-drei-drei-acht. Könnten Sie mir eine Limousine schicken?«
»Alles ausgebucht!«, fuhr mich eine ärgerliche Frauenstimme an.
»Warten Sie! Ich bin Stammkundin bei Ihnen und …«
Klick.
Ich stand buchstäblich da wie ein begossener Pudel und kochte vor Wut.
»Kein Wagen zu kriegen, hm? So ein Pech aber auch«, sagte er mitfühlend, ohne von seinem Buch aufzusehen. Ich hatte Lady Chatterley mit zwölf Jahren gelesen, als ich aus dem Aufklärungsbuch für Mädchen bereits alles Nötige über Sex wusste, aber ich konnte mich nicht mehr daran erinnern. Vielleicht, weil ich ein schlechtes Gedächtnis hatte. Oder weil Sex für mich seit zwei Jahren ein Fremdwort war. Es mochte aber auch daran liegen, dass die heißen Liebesschnulzen, die ich in meiner Freizeit so begeistert verschlang, alles andere überlagerten. So gern ich auch einen bissigen Kommentar über seine Lektüre abgegeben hätte, mir fiel keiner ein. »Kein Wagen zu kriegen«, pflichtete ich ihm seufzend bei. »Heute ist einfach nicht mein Tag.«
Er kam in den Regen heraus und reichte mir einen langen Stockschirm, der mit dem Logo des Clubs bedruckt war. »Nun nehmen Sie schon. Gehen Sie bis zur Eighth Avenue, und wenn Sie dann immer noch kein Taxi finden, wenden Sie sich an den Türsteher vom Serena. Sagen Sie ihm, dass ich Sie schicke, dann besorgt er Ihnen einen Wagen.«
Natürlich hätte ich auch hoch erhobenen Hauptes an ihm vorbeirauschen und die U-Bahn nehmen können, aber um ein Uhr nachts war dieser Gedanke alles andere als verlockend. »Danke«, murmelte ich und senkte den Kopf, damit ich seine triumphierende Miene nicht sehen musste. Ich nahm den Schirm und machte mich auf den Weg.
Fünf Minuten später saß ich in einem Taxi, pitschnass zwar, aber wenigstens warm.
Nachdem ich dem Fahrer meine Adresse genannt hatte, ließ ich mich erschöpft in die Polster sinken. Zu dieser nächtlichen Stunde waren Taxis nur für genau zwei Dinge gut: auf dem Rücksitz zu knutschen oder reihum die Freunde aus der Clique mit dem Handy anzurufen. Da für mich keine der beiden Alternativen in Frage kam, lehnte ich den nassen Kopf an das Kunstleder, auf dem wohl schon viele ungewaschene Köpfe ihre fettigen Spuren hinterlassen hatten, schloss die Augen und freute mich auf den ungestümen Empfang, den Millington mir in ein paar Minuten bereiten würde. Wer brauchte schon einen Freund - oder eine frisch verlobte beste Freundin -, wenn er einen Hund hatte?
3
Die Woche nach Penelopes Verlobungsparty war fast nicht zum Aushalten. Es war natürlich meine eigene Schuld. Wahrscheinlich gab es tausende von Methoden, wie man sich von seinen Eltern abnabeln und gegen seine Herkunft rebellieren konnte, ohne sich dabei zum Sklaven machen zu lassen, aber ich war eindeutig zu blöd, sie zu finden. So hockte ich denn in meinem duschkabinengroßen Kabäuschen bei UBS Warburg - wie tagein, tagaus in den letzten sechsundfünfzig Monaten -, den leicht klebrigen Telefonhörer wie festgewachsen am Ohr. Heute war er mit einem Schmierfilm aus Maybelline Fresh Look Foundation (im Farbton Tawny Blush) und ein paar Sprenkeln L’Oreal Wet Shine Lipgloss (in Rhinestone Pink) überzogen. Ohne den Hörer aus der Hand zu legen, rieb ich den Belag herunter und wischte meine Pfoten unter dem Schreibtischstuhl ab. Am anderen Ende der Leitung zeterte lautstark ein »Minimum« vor sich hin, einer von jenen Kunden, die nur die in meiner Abteilung erforderliche Mindestsumme von einer Million Dollar investiert hatten und wesentlich anstrengender und detailversessener waren als jeder Vierzig-Millionen-Dollar-Klient.
»Mrs. Kaufman, ich habe wirklich größtes Verständnis dafür, dass Sie sich wegen der geringfügigen Kurseinbußen Sorgen machen, aber ich kann Ihnen versichern, dass wir alles unter Kontrolle haben. Mir ist klar, dass Ihr Neffe, der Innenausstatter, die Ansicht vertritt, Ihr Portfolio sei zu einseitig auf Unternehmensaktien hin orientiert, aber ich kann Ihnen versichern, dass unsere Trader hervorragende Arbeit leisten und nur in Ihrem besten Interesse handeln. Ob ein jährlicher Gewinn von zweiunddreißig Prozent bei den heutigen wirtschaftlichen Gegebenheiten realistisch ist, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Aber ich werde Aaron ausrichten, dass er Sie zurückrufen soll, sobald er wieder am Platz ist. Ja. Natürlich. Ja. Ja. Ja, sobald er aus seiner Besprechung zurück ist, meldet er sich bei Ihnen. Ja. Versprochen. Ja. Selbstverständlich. Ja. Vielen Dank für Ihren Anruf. Gut. Auf Wiederhören.« Ich wartete, bis es klickte, dann knallte ich den Hörer auf die Gabel.
Jetzt vegetierte ich schon seit fast fünf Jahren auf diesem Posten und hatte in der ganzen Zeit noch nicht ein einziges Mal das kleine Wörtchen nein ausgesprochen. Bevor man sich dafür qualifiziert hatte, musste man anscheinend mindestens zweiundsiebzig Monate Berufserfahrung auf dem Buckel haben. Ich suchte mir einen Computer, um Aaron eine E-Mail zu schreiben und ihn anzuflehen, mir Mrs. Kaufman vom Leib zu halten und sie baldmöglichst zurückzurufen. Zu meiner Überraschung fand ich ihn an seinem Schreibtisch vor, wo er eifrig seine tägliche dämliche Inspirationsmail an die Mitarbeiter in die Tasten haute.
Einen wunderschönen guten Morgen, werte Kollegen. Wir wollen auch heute wieder daran denken, dass wir unseren Kunden zeigen, welche enormen Kräfte wir für sie mobilisieren! Unser ganzes Geschäft steht und fällt mit unseren Beziehungen zu diesen Menschen. Dass wir mit Geduld und Verständnis auf sie eingehen, ist für sie genauso wichtig wie unser ergebnisorientierter Umgang mit ihren Portfolios. Heute darf ich Sie auf die Einführung einer neuen wöchentlichen Gruppenbesprechung hinweisen. Ziel ist es, uns im größeren Kreis darüber auszutauschen, wie wir den Service für unsere Klienten noch weiter verbessern können. Das Meeting, das von nun an jeden Freitag um sieben Uhr früh stattfinden soll, bietet uns allen die Gelegenheit, uns von dem üblichen Schubladendenken frei zu machen. Das Frühstück geht auf mich, werte Kollegen. Ich erwarte vollzähliges Erscheinen und einen sprudelnden Quell an Ideen und Vorschlägen. Und nicht vergessen: »Große Entdeckungen und Erfindungen gelingen nur im Zusammenspiel vieler Köpfe.« - Alexander Graham Bell.
Ich starrte auf die Mail, bis sie mir vor den Augen verschwamm. Was war nervtötender? Die bis zum Abwinken zitierten »werten Kollegen«, das »Schubladendenken« oder der »sprudelnde Quell«? Ob er diese Schreiben absichtlich fabrizierte, um mir meine elend öden Tage noch mehr zu vermiesen? Fragen über Fragen, aber so lange ich darüber nachsann, kam ich wenigstens nicht dazu, mich vor den angedrohten Siebenuhrmeetings zu grausen. Zwischenzeitlich meisterte ich einen weiteren Notruf, diesmal von Mrs. Kaufmans wutschnaubendem Neffen. Das Gespräch dauerte rekordverdächtige siebenundfünfzig Minuten und bestand zu neunzig Prozent aus Vorwürfen über Dinge, für die ich nicht zuständig war. Ich blieb stumm wie ein Fisch, gab ihm nur, um die Sache abzukürzen, hin und wieder Recht, dass ich tatsächlich so ahnungslos und inkompetent war, wie er behauptete.
Nachdem ich aufgelegt hatte, sprang mir erneut Aarons Mail ins Auge. Was sollte mir das Zitat von Mr. Bell sagen? Was hatte es mit meinem Leben zu tun, was kümmerte es mich? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, wenn ich in der Mittagspause einen Fluchtversuch unternehmen wollte, hieß es: jetzt oder nie. Eine günstigere Gelegenheit würde sich so schnell nicht ergeben. In den ersten Jahren bei UBS Warburg hatte ich mich treu und brav an die firmeninterne Regel gehalten, das Gebäude über Mittag nicht zu verlassen. Wie alle anderen auch hatte ich mir das Essen ins Büro kommen lassen. Aber seit ein paar
 
 
 
1. Auflage Deutsche Erstveröffentlichung September 2006
Copyright © der Originalausgabe 2005 by Lauren Weisberger
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2006 by Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Die Nutzung des Labels Manhattan erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Hans-im-Glück-Verlags, München Umschlagillustration: Tertia Ebert Redaktion: Irmgard Perkounigg AB · Herstellung: Str.
eISBN : 978-3-641-03406-1
 
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