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Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Als die Wölfe kamen, war der Mann allein. Er schleppte sich schwerfällig und unter Aufbietung aller Kräfte voran. Mit jedem Schritt sank er bis zu den Knien im Schnee ein. Ein schneidender Wind strich von den Hängen der Big Horn Mountains und peitschte ihm feine Eiskristalle ins Gesicht, die wie Nadelspitzen in seine Haut stachen. Die Wölfe tauchten oberhalb des Mannes aus den finsteren Tannenwäldern auf. Dunkle, magere Körper, die sich schnell und geschmeidig bewegten. Die Angst schnürte dem Mann fast die Kehle zu. Der Mann war von mittlerer Größe. Er trug einen langen, ungefütterten Mantel, in dem er fror. Da er keine Handschuhe hatte, waren seine Finger steif vor Kälte und bläulich verfärbt. Er hob sein Gewehr und feuerte. Ohne abzuwarten, ob seine Kugeln getroffen hatten, drehte er sich um und hastete auf seiner eigenen Spur zurück. Seine Muskeln und Sehnen schmerzten. Seine Kraft schwand mit jedem Schritt. Er stürzte mehrfach in den Schnee. Seine Kleidung war bereits durchnässt, und die eisige Kälte kroch lähmend durch seine Glieder. Er hörte das wütende Jaulen und Kläffen der Wölfe hinter sich und rannte, bis er kaum noch Luft kriegte und sein Herz so hart und schnell schlug, als wenn es seine Brust zersprengen wollte. Der Mann bekam die Füße kaum noch hoch. Schnee war in seine Stiefel eingedrungen und geschmolzen, seine Füße waren nass, und er hatte das Gefühl, dass sie sich in Eisklumpen verwandelten. Irgendwann sah er den Eingang einer Höhle vor sich auftauchen, aus dem dünne Rauchschwaden in die eisige Luft stiegen.
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Als die Wölfe kamen, war der Mann allein. Er schleppte sich schwerfällig und unter Aufbietung aller Kräfte voran. Mit jedem Schritt sank er bis zu den Knien im Schnee ein. Ein schneidender Wind strich von den Hängen der Big Horn Mountains und peitschte ihm feine Eiskristalle ins Gesicht, die wie Nadelspitzen in seine Haut stachen.
Die Wölfe tauchten oberhalb des Mannes aus den finsteren Tannenwäldern auf. Dunkle, magere Körper, die sich schnell und geschmeidig bewegten. Die Angst schnürte dem Mann fast die Kehle zu.
Der Mann war von mittlerer Größe. Er trug einen langen, ungefütterten Mantel, in dem er fror. Da er keine Handschuhe hatte, waren seine Finger steif vor Kälte und bläulich verfärbt.
Er hob sein Gewehr und feuerte. Ohne abzuwarten, ob seine Kugeln getroffen hatten, drehte er sich um und hastete auf seiner eigenen Spur zurück. Seine Muskeln und Sehnen schmerzten. Seine Kraft schwand mit jedem Schritt. Er stürzte mehrfach in den Schnee. Seine Kleidung war bereits durchnässt, und die eisige Kälte kroch lähmend durch seine Glieder.
Er hörte das wütende Jaulen und Kläffen der Wölfe hinter sich und rannte, bis er kaum noch Luft kriegte und sein Herz so hart und schnell schlug, als wenn es seine Brust zersprengen wollte.
Der Mann bekam die Füße kaum noch hoch. Schnee war in seine Stiefel eingedrungen und geschmolzen, seine Füße waren nass, und er hatte das Gefühl, dass sie sich in Eisklumpen verwandelten.
Irgendwann sah er den Eingang einer Höhle vor sich auftauchen, aus dem dünne Rauchschwaden in die eisige Luft stiegen. Er war so erschöpft, dass die Bilder vor seinen Augen zu tanzen begannen.
Der Mann blieb schwankend am Höhleneingang stehen, beugte sich tief nach vorn und presste die Rechte auf seine Brust. Er rang nach Atem. In seinen Schläfen hämmerte das Blut. Sein Gesicht schimmerte rötlich, die Lippen waren blau angelaufen. Das Gewehr in seiner Linken kam ihm zentnerschwer vor, aber er konnte es nicht loslassen, er war unfähig, die Finger zu bewegen.
Aus der Höhle tauchten mehrere Gestalten auf. Sie trugen Mäntel oder hüftkurze Jacken oder hatten sich Decken um die Schultern geworfen.
»Benson!«
Sie hasteten auf den Mann zu, wanden ihm das Gewehr aus der Hand, stützten ihn und führten ihn in die Höhle.
Seine Beine zitterten und gaben immer wieder nach. »Wölfe!«, stieß er hervor. »Oben am Wald.«
Der scharfe Rauch des Feuers wehte ihm ins Gesicht. Er hustete, schloss die Augen, die schmerzten und zu tränen anfingen und sank auf ein Deckenbündel, während ihm ein Becher mit heißem Kaffee gereicht wurde, den er kaum zu halten vermochte.
*
Sie saßen dicht gedrängt ums Feuer. Die zuckenden Flammen zauberten tanzende Schatten auf die zerfurchten Wände der kleinen Höhle. Es waren zwölf Männer. Ihre Gesichter wirkten eingefallen.
Einer fragte: »Hast du einen Weg gefunden?«
Sie starrten Benson an. In ihren Blicken lagen Hoffnung und Angst nebeneinander.
»Ich bin gar nicht bis zum Wald gekommen.« Der Mann hatte die Hände ausgestreckt. Er hielt sie so dicht wie möglich über das Feuer.
»Wir kommen allein hier nicht weg«, sagte er. »Hier sind wir wenigstens geschützt.«
»Und von was werden wir leben?« Ein anderer sprang auf. »Wir sind keine Jäger. Die Pferde sind weg. Wir haben fast keinen Proviant mehr.«
»Die Union Pacific wird uns suchen lassen«, antwortete Benson. »Bestimmt. In Green River weiß man, dass wir in den Bergen sind. Kein Mensch konnte mit diesem frühen Wintereinbruch rechnen. Die UPRR lässt uns nicht sitzen.«
»Vielleicht nicht. Aber wer sagt, dass man uns findet? Vielleicht schneit es weiter, sodass kein Suchtrupp mehr durchkommt. Inzwischen verhungern oder erfrieren wir, wenn uns nicht vorher die Wölfe auffressen.«
Der Sprecher fuhr herum und starrte einen klein gewachsenen, schmächtigen Mann, der immer wieder in seine hohlen Hände hauchte, zornig an. »Wenn du besser aufgepasst hättest, hätten wir unsere Pferde oder wenigstens die Packtiere noch, dann hätten wir Fleisch und mehr Decken und Vorräte.«
»Keiner hat ahnen können, dass auf unser Lager eine Lawine niedergehen würde«, schaltete Benson sich ein. »Außerdem können wir noch immer versuchen, die Pferde auszugraben. Der Schnee hält das Fleisch frisch.«
»Womit?« Der andere lachte wütend. »Mit den bloßen Händen? Bei der Kälte?«
»Schluss jetzt!« Ein schwarzbärtiger Mann richtete sich auf. »Was geschehen ist, ist geschehen. Die Dinge sind nicht mehr zu ändern. Es hat überhaupt keinen Sinn, sich darüber zu streiten. Wir haben nur dann eine Chance hier rauszukommen, wenn wir zusammenhalten. Wir kennen das Land kaum und sind nicht für den Winter ausgerüstet. Aber wir sitzen immerhin im Trockenen, und irgendwie werden wir uns auch versorgen. Wir sind zwölf Männer, wir haben unsere Gewehre und Decken. In der Nähe gibt es Holz für das Feuer. Es gibt keinen Grund, die Nerven zu verlieren.«
Niemand antwortete. Einer warf ein paar Reiser in die Flammen, ein anderer drehte sich eine Zigarette. Von draußen war das Heulen des Windes zu hören. Er schien stärker zu werden.
Die Höhle war niedrig und eng. Ihre Düsternis wirkte bedrückend. An den Wänden glitzerte eine dünne Eisschicht.
Mehrere Männer erhoben sich und gingen zum Höhlenausgang. Benson und der Schwarzbärtige waren dabei. Sie starrten in das zerklüftete Bergland. Vor ihren Augen begann die weiße Schneedecke zu flimmern. Dichter Nebel stieg aus den Niederungen und breitete sich über den scharfgezackten Graten aus. Die Sicht wurde schlechter, reichte schließlich keine hundert Yards mehr weit. Der einzige Orientierungspunkt der Männer, der schroffe Gipfel des Fromonts Peak, war nicht mehr zu sehen. Der Sturm wurde stärker und trieb in wütenden Böen über die Felsen.
»Hier wird nie eine Eisenbahn fahren«, sagte einer der Männer.
»Überall kann die Eisenbahn fahren«, widersprach Benson. »In ein paar Jahren werden die Züge durch die Berge rollen, während der Schnee mannshoch liegt.«
»Und kein Mensch wird wissen, dass in dieser Höhle unsere Knochen liegen.«
»Unsinn.«
»Kein Unsinn, Bob.« Der Sprecher starrte in den sich verdichtenden Nebel hinaus und schob die Hände tief in die Taschen seiner Jacke. Seine Stimme zitterte, als er sagte: »Ich will nicht sterben.«
»Ich auch nicht.« Benson drehte sich um. »Wir schaffen es.« Er sprach ohne Überzeugung. Hinter ihm trieb der Wind ein paar Schneeflocken in die Höhle.
*
Der Materialzug aus Green River erreichte Camp Aspen am späten Vormittag. Kurz vor dem Ende des Schienenstrangs kam er zum Stehen.
Ben Bridger stieg steifbeinig von der Lokomotive, zwischen deren Rädern grauweißer Dampf aufwallte.
»Viel Glück, Marshal!«, rief der Lokführer. Er beugte sich aus dem Führerstand. Bridger winkte wortlos und klappte den Kragen seiner pelzgefütterten Jacke hoch. Missmutig blickte er über die schäbige Hüttenansammlung beiderseits des Schienenweges.
Ein eisiger Hauch strich über den zugefrorenen Mursh Creek. Der graue Himmel über den Bergen hing tief, die Luft roch nach Schnee. Beiderseits des Bahndamms war der Boden matschig und zertreten. Zwischen den Bretterbuden der Arbeiter lagen Abfallberge, die der Schnee nicht völlig bedeckte.
Fröstelnd zog Bridger die Schultern hoch, als er am Bahndamm entlangstapfte. Er trug hochschäftige Stiefel und derbe Levis-Hosen. Seine Jacke bauschte sich über dem Griff seines tiefgeschnallten Revolvers. In der Linken trug er einen kurzläufigen Winchester-Karabiner, rechts schleppte er eine dicke Sattelrolle mit sich.
Der hochgewachsene, breitschultrige Mann mit dem markanten, hässlichen Gesicht, das viele Frauen ungemein anziehend fanden, spähte an den Hütten vorbei nach Norden. Dort irgendwo verbargen sich die Gipfel der Wind-River-Berge hinter einem grauen, zähen Nebel.
Eine Arbeiterkolonne schritt an ihm vorbei, um den Materialzug zu entladen. Bridger hielt den letzten Mann auf.
»Wo finde ich Jock Henley?«
»Den Bauleiter?«
»Ja.«
»Vermutlich in seiner Hütte neben dem Magazin.«
Bridger setzte die Sattelrolle ab, zog sich den Hut tiefer in die Stirn, um sein Gesicht gegen den schneidenden Wind zu schützen, nahm das Gepäck wieder auf und bewegte sich weiter. Der Materialzug, mit dem er gekommen war, war die Nacht durchgefahren. Bridger hatte die Fahrt auf dem Führerstand der Lok mitgemacht und kaum ein Auge zugetan. Er war müde, hungrig und fror, und der Gedanke, in die Berge reiten zu müssen, machte ihn fast krank.
Er achtete nicht auf die Kommandorufe der Vorarbeiter, die hinter ihm in der eisigen Luft verhallten. Krachend öffneten sich die Schiebetüren der Waggons.
Bridger musterte die Hütten, während er weiterging. Sie sahen fast alle gleich aus, flüchtig zusammengenagelt, kleine Fenster, Türen, die nicht passgerecht im Rahmen saßen, und Bohlen, die viel zu frisch verarbeitet worden waren und inzwischen aufquollen und sich verzogen. In diesen Hütten wurde es nie richtig warm. Nie fand man sämtliche Ritzen, durch die die Kälte hereinzog. Wenn die Dächer dicht waren, war das schon eine ganze Menge. In jeder dieser Buden hausten mindestens sechs Männer, die froh waren, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.
Bridger überquerte den Schienenstrang, an dem bis vor einer Woche noch gearbeitet worden war. Dann war unvermittelt der Winter hereingebrochen und hatte fast alle Tätigkeiten zum Erliegen gebracht. Es war gerade Ende November, sehr früh für so viel Schnee.
Auf der Westseite des Schienenstrangs befanden sich die Hütten von privaten Händlern. Es gab einen Saloon und eine Tanzhalle mit angeschlossenem Bordell. Die flachen Gebäude wirkten gespenstisch und leblos. Nirgends war ein Mensch zu sehen.
Die Schrift auf den Schildern über den Türen der Hütten war ausgeblichen. Trotzdem fand Bridger das Magazin der UPRR. Er blieb vor der Hütte daneben stehen und pochte mit dem Gewehrlauf an die Tür.
Er hörte Schritte, die Tür wurde aufgerissen. Eine breithüftige Frau mit strähnigem Haar stand auf der Schwelle.
»Kommen Sie rein, Mann«, sagte sie. »Die Bude wird zum Eiskeller, wenn die Tür so lange offensteht.«
»Ich will zu Henley.« Bridger blieb draußen stehen.
»Der ist bei Shelter.«
»Wer ist Shelter?«
»Der Store am Nordende des Camps. Gehen Sie zum Teufel!« Sie knallte die Tür zu.
»Sehr freundlich«, murmelte Bridger. »Ich gehe lieber zu Shelter.«
Er stapfte weiter und erreichte eine lang gestreckte, flache Hütte, die einem Stall glich. Es gab einige wenige schmale Fensteröffnungen, die mit alten Säcken verstopft waren. Über der schmalen Tür hing ein Schild, auf das mit ungelenken Buchstaben ›Shelter’s Generalstore‹ gemalt worden war. Bridger trat ein.
Bullernde Wärme schlug ihm entgegen. Bridger knöpfte seine Jacke auf und schaute sich um. Er befand sich in einem mit Kisten und Fässern vollgestopften Warenlager, in dessen Mitte ein glühender Kanonenofen stand. Direkt daneben stand eine einfache Theke, hinter der Bridger einen untersetzten, dicken Mann mit struppigem Schnauzbart entdeckte. Er hockte auf einem Schemel und stierte über zwei dicke Brillengläser hinweg auf einen hageren Mann, der einen alten Armeemantel trug. Beide hatten Bridgers Eintreten nicht bemerkt.
Bridger blieb an der Tür stehen und hörte den Dicken sagen: »Ich zwinge niemanden, mein Geld zu nehmen.«
»Das ist keine Entschuldigung für Ihre Wucherzinsen.«
»Ich entschuldige mich nicht, Henley. Was ich tue, ist alles legal und in Ordnung. Es ist nicht meine Schuld, wenn Ihre Arbeiter nicht mit ihrem Lohn umgehen können.«
»Der Lohn ist nicht schlecht«, erwiderte der Hagere. »Aber wie sollen die Männer damit auskommen, wenn sie bei Ihnen einkaufen und Ihre überhöhten Preise bezahlen müssen?«
»Es gibt kein Gesetz, das die Männer zwingt, bei mir einzukaufen«, sagte der Dicke. »Meine Preise sind in Ordnung. Soll ich Ihnen vorrechnen, wie teuer es ist, Tabak, Kaffee und Whisky in diese Einöde zu holen?«
»Erzählen Sie mir nichts, Shelter. Sie spekulieren darauf, dass die Männer mit ihrem Lohn nicht auskommen und sich bei Ihnen verschulden müssen. Ich habe gehört, dass Sie fast fünfzig Prozent Zinsen aufschlagen. Einige Männer sind auf Monate hinaus an Sie verschuldet.«
»Bin ich ein Wohltäter der Menschheit?«
»Das wäre das Letzte, was ich in Ihnen vermuten würde.«
»Sparen Sie sich Ihren Spott, Mr. Henley. Ich muss mein Geld sauer verdienen. Viele Ihrer Arbeiter machen bei mir Schulden oder leihen sich Geld, ohne es je zurückzuzahlen. Mein Risiko ist hoch, deshalb sind auch die Zinsen hoch. Sorgen Sie dafür, dass die UPRR eine Bank einrichtet, dann braucht sich keiner der Arbeiter mehr bei mir etwas zu leihen.«
»Ich werde es nicht länger hinnehmen, dass Sie meine Leute fertigmachen«, sagte Henley, ohne auf die Worte des Dicken einzugehen. »Ich verlange, dass Sie Ihre Preise herabsetzen und die Zinsen senken.«
»Sie können mir den Buckel runterrutschen!« Shelter nahm seine Brille ab, hauchte auf die Gläser und putzte sie mit einem geblümten Taschentuch. »Dies ist ein freies Land, Henley.«
»Sie befinden sich in einem Camp der Union Pacific.«
»Auf eigenem Grund und Boden, vergessen Sie das nicht.«
»Die Union Pacific kann Ihren Besitzanspruch vor Gericht anfechten. Glauben Sie, dass Sie so einen Prozess durchhalten?«
»Ich habe keine Angst.«
»Wir schleifen Sie von einer Instanz bis zur nächsten. Am Ende kriegen Sie bestimmt recht, Shelter, aber bis dahin sind Sie pleite.«
»Ich habe genug, Henley. Verschwinden Sie!«
»Es geht auch schneller, Shelter: Wissen Sie, was die Arbeiter mit den Falschspielern von Julesburg gemacht haben? Sie haben sie eines Tages aufgehängt.«
»Raus mit Ihnen!« Der Dicke wandte sich auf seinem Schemel um und langte nach einer doppelläufigen Schrotflinte.
»Gibt es Ärger, Henley?« Bridger bewegte sich durch den schmalen Gang zwischen den Kisten auf die Theke zu. Die Männer zuckten erschrocken zusammen und wandten die Köpfe. Das Licht einer Petroleumlampe fiel auf Bridgers silbernes Abzeichen. Der Dicke schluckte und ließ das Gewehr los. Der große Bahnmarshal mit dem grobknochigen Gesicht blieb an der Theke stehen.
»Bridger?«, fragte Henley. »Ich habe Sie schon erwartet.«
»In Ihrer Hütte hat man mir gesagt, dass ich Sie hier finde.«
»Das war vermutlich Elsa. Sie macht einmal in der Woche bei mir sauber.« Er grinste. »Sie verteilt den Dreck gleichmäßig in alle vier Ecken.«
Henley reckte Bridger die Rechte hin.
»Was hat das zu bedeuten?«, fragte Shelter. Er starrte wütend von einem zum anderen. »Liegt etwas gegen mich vor, oder weshalb schickt mir die UPRR einen Marshal auf den Hals?«
»Wenn Sie ein gutes Gewissen haben, haben Sie nichts zu befürchten.«
»Shelter hat gar kein Gewissen«, sagte Henley.
Bridger musterte ihn eindringlich. »Ich habe Ihren Namen schon in Cheyenne gehört, Shelter. In Green River redet man auch über Sie. Man sagt von Ihnen, dass Sie ein Mann sind, mit dem man keine Geschäfte machen sollte.«
»Es liegt also nichts gegen mich vor.« Der Dicke schnaufte. »Dann …«
»Regen Sie sich nicht auf.« Bridger winkte ab. »Ich bin wegen des Vermessungstrupps hier.« Er drehte sich um. Henley setzte sich ebenfalls in Bewegung.
»Ich habe meine Leute losgeschickt, um die Vermesser suchen zu lassen!«, rief Shelter hinter ihnen her. »Die Union Pacific verdankt mir einiges.«
»Wir werden Ihnen ein Denkmal bauen.«
Bridger und Henley verließen den Store. Bridger knöpfte seine Jacke wieder zu, als der eisige Wind ihn erfasste.
»Ein übler Kerl«, sagte Henley. Er vergrub seine Hände tief in den Taschen des alten Mantels.
»Ich habe gehört, wie Sie mit ihm gesprochen haben.«
»Das Schlimme ist, dass wir ihn nicht davonjagen können. Er hat sein Land ordnungsgemäß gekauft.«
Die beiden Männer gingen nebeneinanderher.
Vor ihnen tauchten Arbeiter auf, die mit Handkarren die Fracht des Materialzuges zum Magazingebäude transportierten.
»Er hat etwas von einem Suchtrupp gesagt.«
»Shelter hat ein paar Männer, die für ihn arbeiten«, sagte Henley. »Manchmal führen sie Frachttransporte durch die Berge, und wenn ein Treck in Schwierigkeiten gerät, schickt er sie los, um Hilfe zu leisten. Ich bin sicher, dass er sich das gut bezahlen lässt.«
»So wie es aussieht, können wir uns die Hilfe nicht aussuchen«, antwortete Bridger.
Er spähte wieder zu den Bergen hoch. »Wie ich gehört habe, waren die Vermesser nicht für den Winter ausgerüstet.«
»Kein Mensch hat mit einem so frühen Wintereinbruch rechnen können.«
»Wenn wir Pech haben, komme ich zu spät. Wie lange sind die Männer überfällig?«
»Seit einer Woche. Wenn der starke Schneefall nicht wäre, wäre das ganz normal. Aber so …«
»Es gibt zwei Versorgungshütten auf dem Trail, den Bensons Trupp vermessen sollte.«
»Benson ist ein besonnener und guter Mann«, sagte Henley. »Aber wir wissen nicht, wo er und seine Leute sich aufgehalten haben, als der Schneefall einsetzte. Vielleicht haben sie die Hütten nicht mehr erreicht.«
»Wir dürfen nicht gleich das Schlimmste annehmen.«
»Wir müssen das Schlimmste annehmen, Bridger. Benson ist vorher nie in den Wind-River-Bergen gewesen. Er kennt sie nur von Landkarten. Er ist ein sehr guter Landvermesser und Geologe, aber kein Mann, der in der Wildnis überleben kann. Das trifft auch auf seine Männer zu.«
»Wie viele insgesamt?«
»Zwölf Mann. Angenommen, sie befinden sich nicht in den Versorgungshütten, wie wollen Sie sie finden? Die Berge sind groß. Es ist leichter, eine Stecknadel im Heuhaufen zu finden als eine Handvoll Männer in den verschneiten Wind River Mountains.«
»Ich habe mir in Green River die vorgesehene Streckenführung angesehen. Ich kann mir nicht denken, dass die Männer weit von diesem Trail abgewichen sind. Ich werde mich genau an die vorgesehene Route halten.«
»Im Schnee sieht das Land anders aus.«
»Ich weiß, Henley, aber ich kenne die Berge. Ich war schon zweimal oben.«
