Die quantitative Analyse von Geschäftsprozessen - Christian Czech - E-Book

Die quantitative Analyse von Geschäftsprozessen E-Book

Christian Czech

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Informatik - Wirtschaftsinformatik, Note: 1,0, Wilhelm Büchner Hochschule Private Fernhochschule Darmstadt (Informatik), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Gestaltung und Optimierung von Geschäftsprozessen ist ein aktuelles Thema. Besonders der komplexe Bereich des Workflow-Managements tritt immer weiter in den Fokus der strategischen Betrachtung des Unternehmens im Spannungsfeld zwischen Marktanforderungen und Konkurrenzdruck. Ein Gesichtspunkt dabei ist die Modellierung der Geschäftsprozesse. Damit wird aber nur der nächste Schritt eingeleitet, nämlich das neue Modell auf semantische und formale Korrektheit hin zu überprüfen und vor allem Effizienzmessungen durchzuführen. Gegenstand dieser Diplomarbeit soll die quantitative Analyse der Geschäftsprozesse sein. Sie beschäftigt sich mit den Fragen der Effizienz der Prozesse und ihrer Simulation. Der letzte Punkt erlangt besondere Bedeutung durch die Risikosenkung bei der Implementierung neuer Prozesse in eine bestehende Organisation. Mit einem Top-Down-Ansatz wird zunächst die Modellierung von Geschäftsprozessen besprochen und hierbei die besondere Eignung von Petri-Netzen als Modellierungssprache zur Analyse herausgestellt. Anschließend wird auf die Analyse allgemein und dann speziell auf die quantitative Analyse eingegangen. Schwerpunkt der Arbeit wird die Darstellung der Performance-Analyse zur Effizienzmessung und der Simulation als Mittel zur Erkenntnisgewinnung sein. Die betrachteten Algorithmen sollen für das Modellierungstool WoPeD (Workflow Petri Net Designer)1 in Java implementiert werden. Dabei handelt es sich um Open-Source-Software, die an der Berufsakademie Karlsruhe entwickelt wurde und zur Modellierung und Analyse von Geschäftsprozessen auf Basis von Workflow-Netzen insbesondere im akademischen Bereich genutzt wird. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit kritisch beurteilt und ein Ausblick auf weitere Entwicklungsmöglichkeiten gegeben.

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Veröffentlichungsjahr: 2007

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Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der verwendeten Definitionen
1 Einleitung
2 Geschäftsprozessmodelle und ihre Analyse
2.1 Modelle von Geschäftsprozessen
2.1.1 Modellierung
2.1.2 Modellelemente von Geschäftsprozessen
2.1.3 Sprachen zur Modellierung
2.2 Analyse von Geschäftsprozessmodellen
2.2.1 Zum Begriff der Analyse
2.2.2 Quantitative Analysemethoden
2.2.3 Quantitative Analyse von Geschäftsprozessen
3 Kapazitätsplanung
4 Ereignisdiskrete Simulation
5 Implementierung in Java
5.1 Algorithmus zur Kapazitätsanalyse
5.2 Algorithmus zur Simulation
6 Bewertung und Ausblick

Page 1

von Name: Christian Czech

Abgabetermin: 01. August 2007

Page 3

Literaturverzeichnis XLVIII

Eidesstattliche Erklärung LI

Page 4

Abkürzungsverzeichnis

Abs. Abschnitt

Anh. Anhang

ARIS Architektur integrierter Informationssysteme

BPR Business Process Reengineering

bzw. beziehungsweise

ca. circa

d.h. das heißt

dto. dito, ebenso

EPK Ereignisgesteuerte Prozesskette

ggf. gegebenenfalls

GP Geschäftsprozess

GPM Geschäftsprozessmodellierung

i.d.R. in der Regel

IT Informationstechnologie

Kap. Kapitel

o.B.d.A. ohne Beschränkung der Allgemeinheit

OMG Object Management Group (http://www.omg.org/)

o.g. oben genannt

resp. respektive

u.a. unter anderem

UML Unified Modeling Language

v.a. vor allem

vgl. vergleiche

Page 5

WfMC Workflow Management Coalition (http://www.wfmc.org/)

z.B. zum Beispiel

Page 6

Tabellenverzeichnis

1 Knotensymbole für Workflow-Netze . . . . . . . . . . . . . . . 21

2 Leistungsparameter von Wartesystemen . . . . . . . . . . . . . 38

3 Paketstruktur von ”QuantAnalysis” . . . . . . . . . . . . . . . . 65

4 Ausführungshäufigkeiten im entfalteten Netz . . . . . . . . . . 69

Page 7

Abbildungsverzeichnis

1 Metamodell der Modellierung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

2 Analysevarianten eines Systems. . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

3 Beziehung zwischen Aufgabe, Fall und Aktivität. . . . . . . . . 7

4 Referenzmodell der WfMC. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

5 ARIS-Haus von Scheer (Auszug), eigene Darstellung. . . . . . . 10

6 Ereignisgesteuerte Prozesskette zum Beispielprozess . . . . . . 11

7 Aktivitätsdiagramm zum Beispiel aus Anhang A. . . . . . . . . 13

8 Petri-Netz des Beispiel-Prozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

9 Beispiel-Prozess als Workflow-Netz mit Subprozess . . . . . . . 22

10 Zusammenhang zwischen Effizienzmaßen . . . . . . . . . . . . 27

11 Elemente eines Wartesystems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

12 Beispiel für ein Jackson-Netzwerk . . . . . . . . . . . . . . . . 40

13 Beispiel für eine Ressourcenklassifikation . . . . . . . . . . . . 43

14 Kapazitätsplanung für das Beispiel . . . . . . . . . . . . . . . . 52

15 Zeitbegriffe in der Simulation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55

16 Allgemeiner Simulationsalgorithmus . . . . . . . . . . . . . . . 56

17 Beziehungen zwischen Ereignissen . . . . . . . . . . . . . . . . 58

18 Simulation für das Beispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63

19 Software-Architektur von WoPeD . . . . . . . . . . . . . . . . 65

20 Die Schnittstelle ”WorkflowNetGraph” . . . . . . . . . . . . . . 66

21 Beispiel für eine Netzentfaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . 68

22 Interaktion der Simulationsereignisse . . . . . . . . . . . . . . . 78

23 Organigramm des Beispielprozesses . . . . . . . . . . . . . . . XV

24 Entity-Relationship-Diagramm des Beispielprozesses . . . . . . XV

25 Funktionshierarchiebaum des Beispielprozesses . . . . . . . . . XVI

26 Gesetz von Little . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XX

27 Schwer analysierbare Netze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXII

Page 8

Verzeichnis der verwendeten Definitionen

Aktivierbare Transition 16

Aktivierte Transition 16

Aktivität 7

Anfangsmarkierung 18

Anfangsverteilung 30

Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS) 9

Attribut 54

Ausführungshäufigkeit 47

Beschränktes Netz 18

Deadlock 17

Deterministisches Simulationsmodell 54

Diskretes System 54

Dynamische Simulation 54

Echtzeit 54

Endemarkierung 18

Ereignisdiskrete Simulation 54

Erreichbare Markierung 16

Flussrelation 14

Geschäftsprozess 2

Homogene Markov-Kette 30

Jackson-Netzwerk 39

Kendall-Notation 36

Kontinuierliches System 54

Page 9

Kurzgeschlossenes Netz 18

Lebendiges Netz 18

Livelock 17

Markiertes Netz 15

Markierung 15

Markov-Kette 30

Menge der AND-Joins 21

Menge der AND-Splits 21

Menge der Knotentypen 21

Modell 3

Modellzeit 55

Nachbereich 14

Ordnung auf Markierungen 18

Petri-Netz 14

Prozessmodell 3

Qualifizierungsfunktion 44

Quelle 16

Rand XVII

Ressourcenklasse 44

Ressourcenmodell 44

Ressourcenzuweisung 44

Schaltfolge 16

Schaltregel 16

Senke 16

Page 10

Sicheres Netz 18

Simulationszeit 54

Soundness 18

Spezifikation einer Kapazitätsplanung 46

Statische Simulation 54

Stelle 14

Stellenberandet XVII

Stochastischer Prozess 29

Stochastisches Simulationsmodell 54

System 54

Teilnetz XVII

Terminierung 17

Tote Transition 17

Transition 14

Transitionsberandet XVII

Transitions-Verfeinerung XVIII

Transitions-Vergröberung XVII

Typ eines Knotens 21

Übergangsmatrix 30

Übergangswahrscheinlichkeit 30

Unified Modeling Language (UML) 12

Vorbereich 14

Wahrscheinlichkeitsverteilung 30

Workflow-Netz 16

Page 11

Workflow-Prozess 2

Zustandsvariable 54

Zuweisungsfunktion 44

Page 12

Symbolverzeichnis

∧Konjunktion (logisches UND)

∨Disjunktion (logisches ODER)

⇒Implikation (wenn ..., dann ...)

⇔Äquivalenz (... genau dann, wenn ...)

∀x:Allquantor (für allexgilt ...)

∃x:Existenzquantor (es existiert einx,für das gilt ...)

˙∃x:Existenzquantor (es existiert genau einx,für das gilt ...)

a:=b aist definiert durchb

leere Menge ({ })∅

Potenzmenge der MengeMP(M)

|M|Kardinalität der MengeM

∈ist Element von

∈/ist kein Element von

∩Mengenschnitt

∪Mengenvereinigung

\Mengendifferenz

⊆Teilmenge

×Kreuzprodukt

t− →Zustandsübergang durch Schalten der Transitiont

τ− →Zustandsübergang durch Schaltfolgeτ

∗− →Zustandsübergang durch eine beliebige Schaltfolge

t1t2...tnFolge der Transitionent1,t2, ...,tn

j1,j2, ...,jnPfad von Knoten in einem Graphen

Page 13

πi(x1,x2, ...,xn)Projektorfunktion; liefert dasi-teElement des Tupels

(Xt)t∈N0Folge von ZufallsvariablenXmit Zeitindex

P(Xtit)Wahrscheinlichkeit fürXitzum Zeitpunktt

P(A|B)Bedingte Wahrscheinlichkeit

Menge der natürlichen ZahlenN

Menge der natürlichen Zahlen einschließlich der NullN

R+Menge der positiven rellen Zahlen

R+Menge der nichtnegativen Zahlen

0

∞unendlich

(0..1]linksoffenes Intervall von0(exklusiv) bis1(inklusiv)

[0..1]geschlossenes Intervall von0bis1(jeweils inklusiv)

(a,b)offenes Intervall vonabisb(jeweils exklusiv)

N, RM,RZStrukturen

MengenS, T, F

µ, σ, τFunktionen oder Schaltfolgen (dann ohne Argument)

Stellen und Transitionen oder Zahlen oder Elementes, t, n

konstantconst.

ℵ[A]O(K)Komplexität des AlgorithmusAentspricht der Komplexitäts-

Page 1

1 Einleitung

DieGestaltung und Optimierung von Geschäftsprozessen ist ein aktuelles The-

ma. Besonders der komplexe Bereich des Workflow-Managements tritt immer weiter in den Fokus der strategischen Betrachtung des Unternehmens im Spannungsfeld zwischen Marktanforderungen und Konkurrenzdruck.

Ein Gesichtspunkt dabei ist die Modellierung der Geschäftsprozesse. Damit wird aber nur der nächste Schritt eingeleitet, nämlich das neue Modell auf semantische und formale Korrektheit hin zu überprüfen und vor allem Effizienzmessungen durchzuführen.

Gegenstand dieser Diplomarbeit soll die quantitative Analyse der Geschäftsprozesse sein. Sie beschäftigt sich mit den Fragen der Effizienz der Prozesse und ihrer Simulation. Der letzte Punkt erlangt besondere Bedeutung durch die Risikosenkung bei der Implementierung neuer Prozesse in eine bestehende Organisation.

Mit einem Top-Down-Ansatz wird zunächst die Modellierung von Geschäftsprozessen besprochen und hierbei die besondere Eignung von Petri-Netzen als Modellierungssprache zur Analyse herausgestellt. Anschließend wird auf die Analyse allgemein und dann speziell auf die quantitative Analyse eingegangen.

Schwerpunkt der Arbeit wird die Darstellung der Performance-Analyse zur Effizienzmessung und der Simulation als Mittel zur Erkenntnisgewinnung sein.

Die betrachteten Algorithmen sollen für das Modellierungstool WoPeD (WorkflowPetri Net Designer)1in Java implementiert werden. Dabei handelt es sich um Open-Source-Software, die an der Berufsakademie Karlsruhe entwickelt wurde und zur Modellierung und Analyse von Geschäftsprozessen auf Basis von Workflow-Netzen insbesondere im akademischen Bereich genutzt wird.

Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit kritisch beurteilt und ein Ausblick auf weitere Entwicklungsmöglichkeiten gegeben.

1Vgl.http://www.woped.org.

Page 2

2 Geschäftsprozessmodelle und ihre Analyse

InZeiten höheren Wettbewerbsdrucks und kürzerer Produktlebenszyklen spielt

die Frage der Effizienz der Produktion bzw. des Dienstleistungsprozesses eine immer wichtigere Rolle. Ein erster Schritt zur Verbesserung der Performance von Unternehmen ist die Herausstellung der für den Markterfolg relevanten Geschäftsprozesse und ihre Analyse. Daher soll zunächst eine Definition des Geschäftsprozesses angegeben werden ([HaSt04, S. 23]):

§ ¤

Ineffizienzen, die während der Analyse erkannt wurden, müssen im nächsten Schritt beseitigt werden. Oftmals ist dazu der Geschäftsprozess umzugestalten oder komplett neu zu entwerfen. Man spricht von Geschäftsprozess-Reengineering (im Englischen: Business Process Reengineering, BPR).

Dabei steht das Management vor der Alternative, neue Technologien, insbesondere aus dem EDV-Bereich, einzusetzen. Ihr Zweck besteht darin, die Produktivität zu steigern und immer wiederkehrende gleichförmige Teile des Geschäftsprozesses zu automatisieren. Man spricht dann von Workflows ([HaSt04, S. 28]):

§ ¤

Die Verwendung von Workflows hat aber i.d.R. einen Einfluss auf die Gestaltung des Geschäftsprozesses und unmittelbar auf die damit zusammenhängenden Ressourcen und somit auch auf die Organisation des Unternehmens. Es handelt sich daher um einen vielschichtigen komplexen Vorgang, der gemanagt werden muss. In diesem Zusammenhang spricht man vom Workflow-Management.

Die Umgestaltung der Unternehmensorganisation ist aber ein langwieriger, riskanter und daher auch sehr teurer Prozess. Ein Manager möchte gern vorher sehen, wie das Ergebnis der Veränderung aussehen wird und insbesondere, welche Effizienzsteigerung resp. Kostensenkung damit erreicht werden kann.