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Die Kanadische Wildnis. Paul Brenner befindet sich auf einer beschwerlichen Wandertour durch die riesigen Wälder Kanadas. Zunächst verläuft seine Reise planmäßig und ruhig, ehe er in den dunklen Nadelwäldern zufällig auf immer mehr verdächtige Spuren stößt, die beginnen ihn in einen Wettlauf auf Leben und Tod zu verwickeln. Tausende von Kilometern entfernt genießt eine Frau, Sarah Carter, ihren scheinbar unbeschwerten Urlaub auf einer traumhaften Insel vor der afkrikanischen Küste, um ihrer Vergangenheit zu entfliehen. Zwei scheinbar unzusammenhängende Ereignisse, die durch die Ereignisse in der Gegenwart jedoch untrennbar miteinander verknüpft werden.
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Stephan Meidel
Die Route des Todes
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Nacht
Kanada, nordöstliches Ontario 27. April
Kanarische Inseln, einen Monat später
Kanada, nordöstliches Ontario 28. April
Kanarische Inseln, einen Monat später
Kanada, nordöstliches Ontario 28. April
Kanarische Inseln, einen Monat später
Kanada, nordöstliches Ontario, 28. April
Kanada, nordöstliches Ontario, 29. April
Kanarische Inseln, einen Monat später
Kanada, nordöstliches Ontario, 29. April
Kanarische Inseln, einen Monat später
Kanada, nordöstliches Ontario, 30. April
Kanarische Inseln, einen Monat später
Kanada, nordöstliches Ontario, 30. April
Kanarische Inseln, einen Monat später
Kanarische Inseln, am nächsten Morgen
Kanarische Inseln
Kanarische Inseln, eine Woche später
Impressum neobooks
Er fiel durch die aufspringende schwere Tür nach draußen in den Hof hinter das Gebäude und rasender Schmerz durchzuckte ihn ehe er sich wieder hochrappeln konnte und sich panisch umsah. Sein Becken schmerzte und er presste die Hand so fest er konnte auf die wie wild pochende Stelle. Warmes Blut rann über seine Finger und durchtränkte den gesamten Stoff seines Ärmels und seiner Hose. Das konnte doch nicht sein. Wo war er hier bloß hineingeraten?
Die Tür begann leise knarzend wieder hinter ihm zuzufallen und nur wenig Licht drang vom innern nach draußen.
Er konnte kaum etwas sehen. Überall war es dunkel. Aber er musste hier weg. Er musste verschwinden, ob er etwas sah oder nicht, einfach nur fort. Einer der hintersten Winkel seines Bewusstseins versuchte immer noch an einen Traum zu glauben. An eine wahnwitzige Halluzination, an Bilder aus den Tiefen seines eigenen Geistes. Wie ein Kletterer, der sich mit einem Finger verzweifelt an einen abbröckelnden Vorsprung über dem Abgrund festklammerte obwohl er wusste, dass es zu spät war. Dass er nicht bei Sinnen war und sich alles nur eingebildet hatte, aber leider wusste er, dass es nicht so war. Und sie kamen, sie kamen und würden ihn holen.
Er humpelte los. Blindlings in die Nacht hinein. Bei jedem Schritt jagten höllische Schmerzen seien Körperseite hinauf. Es fühlte sich an wie die Spitzen glühender Dolche die in sein Fleisch stießen. Plötzlich hörte er ein leises metallisches Scheppern hinter sich und wandte den Kopf. Die Tür war wieder ins Schloss gefallen und aus den Fenstern des Gebäudes konnte er intermittierendes blaues Licht sehen. Verflucht, wo sollte er hin? Der Hof schien leer zu sein. Stille.
Dann aber sah er einen dunklen Schatten in verblüffendem Tempo um die Ecke des Gebäudes wirbeln. Verzweifelt humpelte er weiter in die Dunkelheit hinein, während er hinter sich schwere Atemzüge näher kommen hörte. Verdammt lasst mich in Ruhe. Tränen liefen ihm über die Wangen und dann traf ihn ein gewaltiger Schlag im Nacken.
Das Wetter und die Landschaft um ihn herum waren beide gleichermaßen atemberaubend und fantastisch. Ein Eichelhäher zwitscherte in den Bäumen über ihm und die Kiefern wiegten sich sanft in der leichten Brise, die schon den ganzen Nachmittag über das Tal strich. Es war herrlich.
Paul Brenner ließ sich auf einen Stein nieder und legte den Rucksack in das kniehohe Graß neben sich. Dann atmete er zufrieden aus und lehnte sich nach hinten gegen einen weiteren Felsbrocken, der ihm wenn auch etwas unbequem als Rückenlehne diente. Er war zufrieden.
Zehn Tage war er mittlerweile unterwegs. Er hatte sein Auto, einen alten klapprigen Geländewagen in Toulson abgestellt und war die ganze Strecke bisher zu Fuß gelaufen. Den Yukon hinauf bis nach Südsaskatschewan, dann Richtung Osten bis zum Topeka-Canyon und dann immer Richtung Norden genau in Richtung der großen Hudson Bay. Wie es wohl sein musste, die ganze Strecke bis zu dem riesigen Binnengewässer zu Fuß zurück zu legen? Vermutlich würde man dafür mehrere Wochen brauchen. Aber so viel Zeit hatte er von Anfang an nicht gehabt. Sein Chef, dieser Mistkerl hatte ihm nur 10 Tage Urlaub eingeräumt. Er erinnerte sich noch an die Worte dieses Idioten als wäre es Gestern gewesen. „Das ist unmöglich Brenner, in was für einer Welt leben sie? Wissen sie nicht, was ihm Moment hier los ist. Im Augenblick ist alles sehr eng und wir haben keine Spielräume mehr. Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen..“ und so weiter und so weiter. Alles hirnloses Geschwafel. Leere Worthülsen, die man den Angestellten zuwarf, damit die sich ruhig verhielten und keinen Aufstand anzettelten, aber im Grunde wusste jeder, was sie bedeuteten. Nämlich rein gar nichts.
Naja, zur Not konnte er ja immerhin noch kündigen. Einen neuen Job zu finden würde nicht allzu schwierig werden. Das einzige, was ihn seit Monaten davon abhielt war das Gehalt. Sein Boss zahlte nicht schlecht, dass musste man bei allem Missvergnügen der Zusammenarbeit zugeben. Es war wohl einfach Bequemlichkeit, die ihn zurückhielt.
Er zog einen der vielen Reisverschlüsse an seinem Rucksack auf und kramte darin herum, bis er ein in Alufolie eingewickeltes Käsesandwich fand und es herauszog. Dazu trank er ein paar Schlucke aus seiner Thermoskanne.
Es war reines Quellwasser. Am Morgen erst hatte er das Behältnis im Tal aufgefüllt. Das Wasser aus den Gebirgsbächen schmeckte fantastisch.
Nach gut einer Viertelstunde war er mit dem Essen fertig und verstaute alles wieder in seinem Rucksack. Er schulterte das schwere Bündel wieder, immerhin stolze 15 Kilo und sah sich um. Schätzungsweise befand er sich jetzt auf halber Höhe der Hangflanke. Vor ihm erstreckte sich das langgezogene Tal und dahinter erhoben sich eindrucksvoll mehrere zerklüftete Felsenkämme. Er sah auf die Uhr. 16: 30 Uhr. Die Sonne nahm bereits langsam eine leicht rötliche Färbung an. Lange würde er nicht mehr Licht haben. Vielleicht war es das Beste, wenn er sich bereits jetzt nach einem Lagerplatz umsah.
Ihr Wecker klingelte und Sarah Carter drückte verschlafen die Schlummertaste, bevor sie sich wieder in die Laken wühlte und sich ihr Kissen über den Kopf zog.
Sie hatte lange genug geschlafen, das wusste sie, aber sie wollte trotzdem noch nicht aufstehen. Zu gemütlich waren die Laken und zu angenehm war vor allem das hervorragende Doppelbett. Auch doppelt gefedert wie ihr das Zimmermädchen stolz erklärt hatte. Viel besser auf jeden Fall als ihr eigenes Gestell zuhause in Westchester. Aber das war ja auch kein Wunder. Ihr eigenes Bett musste bestimmt an die hundert Jahre alt sein. Zumindest sah es von außen so aus mit seinen holzverzierten Schnörkeln und Ecken. Ziemlich kitschig, aber damals hatte sie es aus unerfindlichen Gründen schön gefunden. Das dunkel gemaserte Holz, dieser Hauch von Geschichte und Verfall. Aber eben nichts, worin man angenehm und wohlig schlafen konnte. Und daran änderte auch ihre therapeutische Matratze und die endlosen Massagetermine nichts. Allerdings war sie zu dieser Schlussfolgerung erst jetzt gelangt. Ihre Rückenschmerzen waren seit sie sich im Urlaub befand wie von Zauberhand verschwunden. Es war reinste Magie. Oder eben auch nicht. Davor hatte sie die Schmerzen stets auf ihren Beruf zurückgeführt. Eine Tätigkeit am Schreibtisch war ja schon so etwas wie die Garantie für Rücken oder Nackenschmerzen. Jedenfalls las man das überall. Und so hatte sie nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass etwas anderes die Ursache hätte sein können.
Langsam begann die Luft unter dem dicken Kissen stickig zu werden. Sie zog es vom Gesicht und blinzelte in die Helligkeit, die in dem Zimmer herrschte, obwohl sie die Vorhänge komplett zugezogen hatte. Draußen musste fantastisches Wetter herrschen. So wie eigentlich immer, seid sie hier war. Es hatte seit ihrer Ankunft vor einer Woche nicht einen schlechten Tag gegeben. Nur einmal hatte es für kurze Zeit am Morgen für eine oder zwei Stunden geregnet. Wenn sie sich recht erinnerte musste das am Dienstag gewesen sein. Aber ansonsten hatte nur die Sonne geschienen und vom Meer her hatte stets eine leichte Brise geweht.
Noch einmal drehte sie sich im Bett herum, aber als sich der Schlaf nach ein paar Minuten immer noch nicht einstellen wollte, schälte sie sich schließlich mühsam aus den Laken, stand auf und trottete ins Badezimmer. Der Tag begann.
Langsam und verschlafen krabbelte Paul aus dem Zelt und sah sich um. Sein Feuer von gestern Abend war ausgegangen und nur noch eine dünne Rauchsäule stieg davon auf. Gut, dass er wenigstens nicht lange nach Feuerholz hatte suchen müssen. Die umgestürzte Kiefer, die er gefunden hatte, hatte ihm genug Brennholz für den ganzen Abend beschert. Glücklicher Zufall. Er wusste, dass das in der Wildnis selten genug vorkam. Vor allem in einer abgelegenen Gegend wie dieser. 20 Kilometer von der nächsten Ansiedlung entfernt.
Er zog die zerknitterte Landkarte aus der hinteren Hosentasche und faltete sie auseinander. Wohin musste er heute gehen? Das Tal, in dem er sich noch befand folgte, so wie es aussah noch eine Zeit lang dem Bachlauf von gestern und endete dann. Danach würden ihn, wenn er sich nicht irrte nur Gipfel über 2000 Meter erwarten. Nicht gerade sehr erstrebenswert. Seine Füße und vor allem seine Blasen, die er seit drei Tagen hatte würden sich bei ihm bedanken. Nein, es wäre dumm gewesen, diesen Weg zu nehmen. Es musste eine Alternative geben. Er studierte die Route im Osten.
Wenn er über den Pass ging, auf den er ohnehin zusteuerte, dann würde er in ein weiteres Tal gelangen, dass in einer weiten Schleife genau auf seinen Zielort zulief. Ein kleines Städtchen namens Askoton. Wenn er richtig recherchiert hatte ein winziges Nest mit kaum mehr als 500 Einwohnern. Zwar lagen dann immer noch zwei weitere Pässe vor ihm, aber der Weg schien um ein Vielfaches einfach er zu sein als die erste Route. Er war also instinktiv in die richtige Richtung gelaufen. Er pfiff durch die Zähne. Das war ja nicht zu fassen. Er hatte schon wieder Glück gehabt und das schon zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden. Wenn jetzt hinter dem nächsten Baum ein Stand mit Lotterielosen auftauchen würde, er hätte mit Sicherheit eines gekauft und mit seinem derzeitigen Glück wahrscheinlich auch noch direkt den Hauptgewinn gezogen.
