Die schöne Philippine Welserin - Brigitte Riebe - E-Book

Die schöne Philippine Welserin E-Book

Brigitte Riebe

4,6

Beschreibung

Die Bürgerstochter und der Kaisersohn - eine verbotene Liebe, die im 16. Jahrhundert alle Standesgrenzen sprengt und am Hof der Habsburger Skandal über Skandal heraufbeschwört. Philippine Welser und Ferdinand II. verlieben sich, heiraten heimlich und bekommen vier Kinder. Doch je stärker ihre Verbindung wird, desto größer werden auch die Widerstände. Schließlich erkrankt Philippine an einem unheilbaren Leiden. Man munkelt, sie sei vergiftet worden …

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 288

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
4,6 (92 Bewertungen)
66
14
12
0
0



Brigitte Riebe

Die schöne Philippine Welserin

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

© 2013–Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

Herstellung: Julia Franze

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

Für Brigitte

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift;

allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.

Paracelsus (1493– 1541)

PROLOG

Schloss Ambras, April 1580

Die holzgetäfelte Abziehstube war so überhitzt, dass sie zu schwitzen begann, während sie sich aus den Kleidern schälte. Wie viele Ösen, Haken und Schnüre es an einem Frauengewand auch geben musste! Und keine Bademagd weit und breit, die ihr dabei zur Hand hätte gehen können, denn sie hatte sie alle weggeschickt.

Es fiel ihr schwer, sich an den süßlichen Altweibergeruch zu gewöhnen, den sie verströmte, weil über ihm noch etwas Bitteres schwang, das sie beunruhigte. War das wirklich sie, die einst so verführerisch geduftet hatte, dass er gar nicht genug davon bekommen konnte, in ihrem festen Fleisch zu versinken?

Sie drehte sich um zum weißen Himmelbett unter lichtblauem Seidenbaldachin, auf dem ihr Schatz lag, den sie stets mit sich herumtrug, aus Angst, er könne sonst womöglich in die falschen Hände geraten. Die dünnen Seiten, gefüllt mit ihrer störrischen Handschrift, konnten belegen, wie es wirklich gewesen war, das schenkte ihr Trost.

Mariechen würde ihn an sich nehmen, die einzige Person, der sie vertrauen konnte.

Sie wartete bereits im vereinbarten Versteck. Das richtige Wort würde sie erscheinen lassen.

Plötzlich schienen die holzgetäfelten Wände sich enger um sie zu schließen.

Die Weinpokale und Lautenspieler auf den Fresken begannen zu schwanken, als treibe Bacchus mit ihnen sein munteres Spiel, sogar der gemalte Tisch fing an sich zu drehen, ähnlich dem aus Ahornholz in der steinernen Rotunde, der drunten im Paradiesgarten so viele Besucher überrascht und belustigt hatte. Doch die heiteren Zeiten waren vorüber, das wusste sie, auch ohne den großen Kristallspiegel zu bemühen, den sie inzwischen gewissenhaft mied.

Schon lange war sie bar aller Illusionen. Sie waren davongeflogen, Jahr um Jahr, bis sie beinahe vergessen hatten, was sie beide sich einst im Mondlicht feierlich gelobt hatten. Inzwischen sah sie den Mann an ihrer Seite mit neuen, anderen Augen. Fünf Kinder hatte sie geboren–und ihm doch nicht zur rechten Zeit den legitimen Erben schenken können, den er so dringend gebraucht hätte. Nicht einen Tag hatte sie vergessen, wie schwer er daran zu tragen hatte. Dabei waren ihre beiden Familien lange Zeit eng miteinander verbunden gewesen, wenngleich sie in den Augen der Welt alles andere als ebenbürtig erschien. Sah man allerdings genauer hin, entdeckte man Erstaunliches. Nur die Klugheit, der Fleiß und der Mut ihrer Vorfahren hatten seinen Ahnen zum Thron verholfen.

Doch wer sprach jetzt noch davon?

Wie immer würde er sich zu helfen wissen. Dafür hatte sie ihn lange Zeit bewundert und heiß geliebt–jetzt freilich hatte sie ihn manchmal deswegen gehasst. Hätte er nicht abwarten können, bis sie den letzten Atemzug getan hatte?

Schon seit Jahren verfolgte er emsig und geschickt seine Ziele.

Natürlich hatte sie alle Schreiben abfangen lassen, die in jener delikaten Angelegenheit über den Brenner und wieder zurückgingen, wenngleich sie ihm gegenüber niemals ein Wort davon erwähnt hatte. Sie kannte jeden einzelnen Brief, hatte ihn so oft gelesen, bis die Worte auf ihrer Netzhaut eingebrannt waren. Ihr Liebster befand sich erneut auf Freiersfüßen, das war wie ein Schwert, das in ihr Herz fuhr, obwohl doch noch ein Restchen Leben in ihr war. Sobald sie die Augen für immer geschlossen hätte, sollte seine italienische Nichte an ihre Stelle treten, blutjung, gebärfreudig, hochadelig vom Scheitel bis zur Sohle.

Ob Anna Caterina das Meer kannte?

Ihr hatte er es immer wieder zeigen wollen–um dann sein Versprechen von Jahr zu Jahr weiter ins Ungewisse zu verschieben. Nun würde sie sterben, ohne jemals gesehen zu haben, wie Wasser und Horizont sich küssten, während die Sonne als Feuerball in den Fluten versank.

Inzwischen umfloss das rote Samtkleid ihre Füße, eine Lache aus dunklem Blut, wie sie unwillkürlich denken musste. Auf einem Hocker aus Zirbelholz lag die Badeehre ausgebreitet, ihr am Rücken offenes Leinengewand, mit dem sie üblicherweise ins Wasser glitt. Darauf ruhte der Badehut aus grüner Seide, der den Kopf schützen sollte und nach Nelkenöl duftete, doch beides ließ sie heute unberührt.

Langsam schlurfte sie nach nebenan, nackt, wie die Mutter sie einst geboren hatte. Ihre Füße schienen dabei am Boden zu kleben, die Beine waren bleischwer. Dafür raste ihr Herz, in jenem jagenden, stolpernden Stakkato, das ihr seit dem letzten Herbst Furcht einflößte.

Heute war es schlimmer denn je.

Ihr fehlte die Kraft, sich wie gewohnt im Dampf von Schweiß und Schmutz zu reinigen. Und doch wollte und musste sie ins Becken–um endlich Gewissheit zu erlangen.

Dienstbare Geister hatten alles vorbereitet.

Warmes Wasser leckte ihre geschwollenen Knöchel, als sie die Stufen nach unten ging, umschmeichelte die aufgeschwemmten Waden, die blaugeäderten Schenkel, schließlich den schlaffen Bauch. Für ein paar Augenblicke wurden die Schmerzen erträglicher, dann jedoch kehrten sie unbarmherzig wieder zurück, spitzer und greller denn je zuvor.

Sie zuckte zurück, als die leicht gekräuselte Wasseroberfläche ihr Bild zurückwarf. Ihr ehemals feines Gesicht, von dem viele geschwärmt hatten, ähnelte inzwischen einem Hamster. Die Wangen waren schwer, und zwischen Nase und Mund hatten sich strenge Falten eingekerbt. Nur die Augen waren unverändert, groß und leuchtend blau unter dunkelblonden Brauen, ebenso wie ihre Finger, noch immer schlank und zart wie in längst vergangenen Augsburger Tagen.

An den Körper mochte sie nicht einmal denken, füllig und unbeweglich geworden, der ihr seit Jahren nichts als Kummer und Pein bereitete. Ihm war er schon lange keine Freude mehr, und seitdem verachtete auch sie diese Last, die sie mit sich herumzuschleppen hatte. Als habe ihr Leib beschlossen, sich für diese Missachtung zu rächen, schoss eine neue Schmerzwelle durch ihre Eingeweide. Sie krümmte sich, heilfroh, den steinernen Hocker erreicht zu haben, auf dessen hölzerne Sitzfläche sie sich schwerfällig sinken ließ.

War das Gift, das da in ihren Adern kreiste?

Der ätzende Hauch der Kränkungen, Drohungen und Schmähungen, die sie so lange hatte erdulden müssen?

Nicht einmal das warme Wasser, das sie nun bis zum Hals umfloss, vermochte jetzt noch Linderung zu schaffen. Stattdessen begannen die bemalten Tierfiguren ringsumher ein seltsames Eigenleben. Nattern, Krebse, Kröten und Echsen schienen nicht länger starr, sondern zuckten und zitterten, als wollten sie zu ihr ins Becken kriechen. Die Sackpfeifen, die den Springbrunnen vor dem Badfenster betrieben, ächzten und stöhnten dazu eine unheimliche Melodie, die sie verhöhnte.

Erschöpft schloss sie die Augen.

Plötzlich war das Holz verschwunden, und gleiches galt auch für Springbrunnen, Badewasser und all die bunten Figuren. Die Mauern von Ambras, ihr Zuflucht und Gefängnis zugleich, brachen auf. Aber es war nicht die Kühle des Bergfrühlings, die sie auf der Haut zu spüren glaubte, sondern etwas Lindes, ungemein Zärtliches, das sie als Wohltat empfand.

Mit einem Mal schienen Schwere und Schmerzen verflogen, ebenso wie Bitternis, Enttäuschung, Angst. Die Sorge um die Zukunft der Söhne war nicht länger ein Albtraum, der sie Nacht für Nacht quälte, bis die Vögel in den Wipfeln ihr frühes Lied begannen.

Jung war sie wieder, strahlend, voller Lebenslust. Nicht länger die huldvoll geadelte Freifrau von Zinnenberg, um Anerkennung durch den Kaiserhof bangend, sondern Philippine Welserin, die in einem duftigen Kleid leichtfüßig durch Augsburg lief…

Galega officinalis

auch genannt Bockskraut, Pockenraute, Suchtkraut, Pestilenzkraut

Positive Wirkung: Treibt Wasser, regt Milchfluss an, soll gegen Pest wirken.

Negative Wirkung:Achtung: Liebeskraut–soll abhängig machen.

Kapitel I GEISSRAUTE

Augsburg, April 1556

Sie liebte dieseStelleam Fluss, wo eine halbmondförmige Kiesbank in den Lech schnitt und ihr ermöglichte, das Ufer und damit auch die Stadt hinter sich zu lassen. Nach viel zu kühlen, regenreichen Wochen war dieser Frühlingstag sonnig und ungewöhnlich warm. Verglichen mit den schweren Wollstoffen, die sie den ganzen Winter über tragen musste, war das blaue Leinenkleid, das sie heute angezogen hatte, reinste Wohltat–und doch war ihr plötzlich viel zu heiß. Schuhe und Strümpfe hatte sie schon abgestreift und streckte nun vorsichtig den Fuß in das klare, schnell fließende Nass.

Das Wasser war so eisig, dass ihr die Luft wegblieb und sie blitzschnell zurück auf den Kies sprang. Der Wunsch, wie eine Nixe in die Fluten zu tauchen, war mit einem Schlag verschwunden. Dann jedoch wagte sie einen zweiten Versuch, und jetzt gelang es ihr, eine Weile länger auszuhalten. Sie beobachtete, wie kleine Wellen über ihre Haut liefen, die sich langsam rosig verfärbte, und genoss die Erfrischung.

Nichts zog Philippine zurück nach Hause, obwohl sie die Aufgaben der Mutter erledigt hatte. Seit dem letzten Herbst schlich sich bisweilen etwas Missmutiges zwischen ihnen ein, was sie bedauerte, wenngleich sie es nicht zu ändern vermochte. Vielleicht lag es daran, dass nun auch Georg fort war, dessen freundliche Gegenwart sie beide ebenso vermissten wie seinen rabenschwarzen Humor. Drei Jahre jünger, war er ihr stets am nächsten gewesen, anders als die kreuzbrave Regine, die tat, was man von ihr verlangte, oder Karl, der zweite Bruder, der rasch aus der Haut fahren konnte, wenn etwas nicht nach seinem Willen ging. Jedes der Geschwister hatte inzwischen den eigenen Weg beschritten, bis auf sie, die noch immer im Dachgeschoss des alten Peutingerhauses hockte, als habe das Leben sie übersehen.

Die Zeit begann, ihr Feind zu werden, dessen war Philippine sich bewusst.

Und dass die Leute redeten, merkte sie Tag für Tag.

Aber sollte sie deshalb in der Stube hocken bleiben, während draußen die Sonne so einladend lachte?

Ihr Weidenkorb, den sie in einiger Entfernung abgestellt hatte, war gefüllt mit den Pflanzen, die Anna Welser ihr zu sammeln aufgetragen hatte. Hatte sie sich früher noch an Skizzen orientieren müssen, um das Gewünschte heimzubringen, so war sie inzwischen selbst zur Kundigen geworden. Sogar ausgefallene Gewächse erkannte sie in der Regel auf Anhieb und wusste, wie man sie in der Krankenpflege anwenden konnte. Heute waren ein paar ganz besondere Schätze darunter: Neben Spitzwegerich für die Bronchien und Giersch, der Bettlägerigen die verlorene Kraft zurückgibt, lagen das blutreinigende Barbarakraut. Dazu kamen Silberdisteln, die harntreibend wirkten, Vogelmiere, die beim Abstillen unterstützte, Scharbockskraut, von dem nur die zarten Spitzen genossen werden durften, um Skorbut vorzubeugen, sowie Geißraute, die als liebesanregend und milchfördernd galt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!